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Flörsheim

Dreimal „Hall die Klapp!“

Fastnachts-Demo: Flörsheimer attackieren die Obrigkeit mit karnevalistischen Mitteln

FLÖRSHEIM (ak) – Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Umzüge oder Veranstaltungen der Fassenacht für die Bürger eine gute und willkommene Gelegenheit, an der Obrigkeit Kritik zu üben oder sie zu verspotten. Auch wenn den Flörsheimer in diesen Sachen nicht wirklich zum Lachen zumute ist, war für Freitag, 3. Februar, zu einer „Fastnachts-Demo“ gegen Fluglärm und die Landebahn Nordwest auf dem Platz vor der Gallus-Kirche aufgerufen worden. 

 

Die für den Bau der Landebahn verantwortlichen Politiker und Wirtschaftsunternehmen bekamen wie einst die Obrigkeit den beißenden Spott, die Kritik und die Kampfeslust der Menschen zu spüren. Bei bitterer Kälte hatten sich etwa 450 hartgesottene Flörsheimer, zum Teil fastnachtlich kostümiert, vor der kleinen Bühne versammelt, um gegen die Nordwest-Landebahn zu demonstrieren.
Hans Jakob Gall empfahl den Demonstranten seine mit einem bunten Windrädchen dekorierte Mütze als „neuen Windfinder“, mit dem die Flörsheimer „beizeit wissen können, woher die Flugzeuge kommen“. Gall legte den Flughafen-Verantwortlichen ans Herz, diesen „Windfinder“ doch bald so weiterzuentwickeln, dass dieser auch die von Flugzeugen verursachten Wirbelschleppen rechtzeitig erkennen kann. So hätte man, wenn man auf dem Bürgersteig läuft, wenigstens die Wahl: „Weiter da laufen und Dachziegel auf den Kopf bekommen oder lieber auf die Straße hüpfen und vom Auto angefahren werden.“ Denjenigen Menschen, die der Ansicht sind, ausgerechnet die Flörsheimer hätten in Bezug auf den Frankfurter Flughafen „Sonderopfer“ zu bringen, möchte er in der Fassenachtszeit gerne statt „Hall die Gail!“ dreimal „Hall die Klapp!“ entgegenrufen. Pfarrer Hanauer erheiterte die „närrischen Demonstranten“ mit einem großen Plakat der berühmten „Drei Affen“, die nichts reden, nichts hören und nichts sehen. Über ihnen stehen die Namen Bouffier, Posch und Schulte. „Warum diese Namen dort stehen? Wenn’s um Flörsheim geht, fragt sich Herr Bouffier: was soll ich dazu sagen und ist lieber still. Herr Posch schließt die Augen und guckt am liebsten hier gar nicht hin und Herr Schulte hört gar nicht zu, wenn die Flörsheimer sagen, sie würden am liebsten hier wegziehen“, rief er den Flörsheimern unter großem Beifall zu. Diese Gedanken finden sich auch in der von Cäcilia Habicht verfassten und von Renate Mohr (geb. Blisch) vorgetragenen Rede, ganz frei nach Friedrich Stoltze, wieder: „Der Fraport ist das ganz egal –zieh‘ doch weg, du hast die Wahl!“ 
Als die Demonstranten gar nicht mehr aufhören wollten, „Die Bahn muss weg!“ mit Trommelklang begleitet zu skandieren, schmunzelte Bürgermeister Michael Antenbrink: „Macht nur weiter – ich hab‘ Zeit!“ Er nutzte auch diese Gelegenheit, um noch einmal darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht für Flörsheim alleine gegen den Fluglärm und die Emissionen kämpfe, sondern für die ganze Region. „Keiner weiß, wo in zehn Jahren wie viel Lärm sein wird. Wir tun alles auf dem Rechtsweg, damit die Nordwest-Landebahn wieder wegkommt“, versprach er den Bürgern. 
Die eintreffende Meldung, dass am gleichen Tag über Hochheim schon zwei landende Flugzeuge Eis verloren hätten, passte zur Flörsheimer Fastnachts-Demo wie die berühmte Faust auf's Auge. Solche „eisigen Grüße von oben“ könnten auf die Flörsheimer in der Einflugschneise auch noch zukommen. Diesmal wurde glücklicherweise niemand geschädigt, doch solche Vorkommnisse machen den Bürgern Angst und feuern die Wut gegen die neue Landebahn nur noch mehr an. 
Dennoch: Es wurde viel geschunkelt und auch laut mitgesungen, etwa bei den Liedern des Flörsheimer Dreigestirns, bei der „Flörsheim-Hymne“, vorgetragen von Frank Treml, und auch beim „umgedichteten“ und von Jutta Schlosser und Gitte Schreiber vorgetragenen „Skandal in Flerschem“: „Die Fraport hat den Plan diktiert und unser Leben ruiniert: hier zu leben fällt so schwer, wegzuziehen noch viel mehr!“ 
In Flörsheim gilt für die Fassenachtszeit das von Hans Jakob Gall ausgegebene Motto: „Wir lassen uns von Fraport unsere Kultur nicht vermiesen! Hall‘ die Klapp! Hall‘ die Klapp! Hall‘ die Klapp!“

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