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Gottesdienste Flörsheim

Auf ein Wort …

 

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit....“
Wir befinden uns in der Adventszeit. Weihnachten nähert sich. Immer wieder kann man jetzt Aufrufe lesen, nicht hektisch zu werden, sich auch Ruhe zu gönnen und diese Zeit zu genießen. Das klingt theoretisch sehr schön, scheitert aber oft an der Praxis.

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Alles perfekt?!

Jahr für Jahr erzähle ich den Kindern im Religionsunterricht oder beim Krippenspiel dasselbe. Auch in den Weihnachtspredigten wird es gebetsmühlenartig Jahr für Jahr wiederholt. Außerhalb dieses Rahmens richten wir uns aber grundsätzlich eher nicht danach, sowohl wir Christen, und die Gesellschaft nun schon gar nicht. Aber um was geht es eigentlich?

Ich erzähle den Kindern, dass die ersten, die von der Geburt des Heilands erfahren haben, nicht die „hohen Herrn“, die Könige und Mächtigen waren, sondern die, die ganz unten standen. Mit den Hirten wollte keiner etwas zu tun haben, neudeutsch würden wir sie als „Loser“ bezeichnen. Jedes Mal kommt mir dann der Refrain einer amerikanischen Rockgruppe in den Sinn, der mich immer sehr berührt. Er geht (übersetzt): „Das ist für die Loser, für die Abhängigen, für die Abgelehnten, für die Nicht-Perfekten. Denn in meinen Augen sind wir lebenswert!“ Diese Band hat nichts mit dem Christentum zu tun und doch hat sie einen, wenn nicht den wichtigsten Aspekt unseres Glaubens in wenigen Worte gebündelt: Gott ist den Menschen am Nächsten, die ihn am Dringendsten brauchen.

Pfarrer Beuler hat es in seiner Weihnachtspredigt ungefähr so gesagt: „In der größten Dunkelheit, leuchtet das Licht von Bethlehem am hellsten.“ Leben wir aber danach? Sieht man sich unsere westliche Gesellschaft an, natürlich nicht. Hier geht es darum, dass alles perfekt ist. Vom Essen übers Aussehen oder Wohnung bis zum Urlaub muss alles picobello sein, darunter geht nichts. Das ist klar, darüber muss man nicht lange reden. Aber unter uns Christen sollte es doch anders sein, der Herr selbst hat es uns seit seiner Geburtsstunde vorgelebt. Doch auch in den Gemeinden hat man so seine Schwierigkeiten mit diesem Anspruch. Die Messe muss die perfekte Länge haben, die Orgel muss wunderbar spielen, die Predigt inspirieren, alles soll perfekt organisiert und durchgeführt sein. Von der Erstkommunion, der Firmung oder einer Hochzeit wollen wir da gar nicht erst sprechen, da verzehnfacht sich der Anspruch. Alle Gemeindeveranstaltungen müssen perfekt beworben und organisiert sein, sonst hagelt es massive Kritik. Wie oft haben ich schon Klagen darüber gehört, dass das Mittagessen an Fronleichnam so lange auf sich warten ließ. Ewig ließ sich diese Reihe fortführen, wir haben einen gewissen Anspruch, wehe, wenn der nicht erfüllt wird!

Aber geht es dabei um das Wesentliche oder sind wir nicht eigentlich auf dem Holzweg?! Versperrt die perfekte Planung nicht dem Heiligen Geist die Tür? Ich mag es eigentlich immer, wenn etwas nicht klappt, dann muss man auf Gott vertrauen, spontan sein, ansonsten haben wir ja schon alles perfekt erledigt, da brauchen wir ihn gar nicht.

Um nicht falsch verstanden zu werden, ich plädiere nicht für eine Pastoral der Faulheit, es geht dabei auch nicht um uns Hauptamtliche, sondern um unsere Gemeinde als Ganzes, sogar um die gesamte Kirche. Im Scheitern kommen wir Gott am Nächsten, im Ausgestoßenen, im Armen und Loser können wir Gott sehen, so hat Jesus es uns gesagt, so haben viele Heilige wie Franziskus oder Mutter Theresa es erkannt. Nicht in der perfekten Liturgie, dem schönsten Familiengottesdienst, der charismatischsten Predigt, der saubersten Kirche oder in der besten Aktion können wir Gott so nahe sein. Dort ist er natürlich auch zu finden, dort gibt er uns auch die Möglichkeit, ihm zu begegnen, aber sein ursprünglichster Ort befindet sich auf der anderen Seite der Skala.

Wenn schon die Gesellschaft diesen Blick nicht hat, dann doch wir Christen, der Herr hat uns die Brille dazu als Erbe gegeben. Dafür ist Gott in die Welt gekommen, in der Krippe, im Stall, ganz schlecht organisiert übrigens, müsste man besser machen, oder?!

 

Michael Frost

Gemeindereferent St. Gallus und St. Josef

 

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