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Gottesdienste Hattersheim

Auf ein Wort …

In diesen Tagen des Advents begegnet uns immer wieder Johannes der Täufer, der die Menschen seiner Zeit auf den kommenden Messias hinweist. Viel Gleichgültigkeit im Blick auf Gott und die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit veranlassen ihn zu aufrüttelnden Worten. Mit Worten des Propheten Jesaja ruft er seinen Zuhörern zu: „ Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Strassen.“ Diese Mahnung ist in allen christlichen Jahrhunderten nicht verstummt sondern immer wieder neu ins Gedächtnis gerufen worden. An einen dieser Mahner – gerade auch hinsichtlich der sozialen Frage – erinnert die katholische Kirche am 4. Dezember:

 

 
Adolf Kolping ! ER ist der Begründer der so genannten katholischen Gesellenvereine. Nach ihm benennen sich die Kolpingfamilien, die es in vielen Gemeinden, so auch in St. Martinus, gibt. Am 8. Dezember 1813 wurde er in Kerpen geboren. Von seinen Eltern „erbte“ er einen starken, hingebungsvollen Glauben und Freude an der Arbeit. Er lernte das Schuhmacherhandwerk. Zehn Jahre lang übte er diesen Beruf aus. In diesen Jahren reifte mehr und mehr in ihm der Wunsch Priester zu werden. So machte er schließlich das Abitur nach, studierte in München und Bonn Theologie und wurde am 13. April 1845 in Köln zum Priester geweiht. Er wollte der Wahrheit ein Zeuge und den Mitmenschen ein Bruder sein. Als Kaplan in Elberfeld lernte er das menschliche und religiöse Elend der Fabrikarbeiter kennen. Die soziale Frage lies ihn nicht mehr los. Das Problem der Handwerksgesellen war damals von gesellschaftlicher Brisanz. Kolping sah die damalige Lage sehr klar und fasste entschieden seinen Plan: „Die Gesellen kommen aus niederen und ungebildeten Volksschichten. Als Lehrlinge werden sie ausgenützt und rasch verdorben. Übermäßiger Alkoholgenus und rüpelhaftes Auftreten sind die Symptome dieser Not und Verlassenheit. Die Ursache liegt tiefer. Die Meister nehmen die Gesellen nicht mehr in die Haus- und Familiengemeinschaft auf. Sie sind buchstäblich aufs Pflaster geworfen. Man muss ihnen elementare Geborgenheit wiederschenken, eine Zuflucht geben, damit sie sich selbst finden.“ (V. Conzemius) Diese Situationsanalyse war ein Hauptgrund für die Gründung von Gesellenvereinen. Adolf Kolping war der erste Priester in dieser Zeit, der sich intensiv der sozialen Arbeit widmete. 1852 gründeten befreundete Priester Gesellenvereine in Berlin, München und Wien. Bildung und Weiterbildung gehörten zur Aufgabe der Vereine. In eigenen Häusern fanden die jungen Leute in den Großstädten ein wenig Heimat und familienähnliche Unterkunft. In seinem gesamten Wirken hat Kolping der Familie einen zentralen Stellenwert eingeräumt, wurzelnd in der Überzeugung, dass die „Schäden des Volkslebens“ nur überwunden werden könnten, wenn der Familie geholfen würde, ihren Dienst für Mensch und Gesellschaft angemessen zu leisten. „Das erste, was der Mensch vorfindet im Leben, und das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt, und das Kostbarste, was er besitzt im Leben, ist das Familienleben.“ Solche Aussagen über die Familie durchziehen das Werk Adolf Kolpings wie ein roter Faden. Daneben kämpft er für die Überzeugung, dass Christentum immer gelebtes Christentum sein muss. Das bloße Klagen über das Weltelend, so drückt es Kolping einmal aus, nützt überhaupt nichts, wenn man nicht bereit ist das Seine zu tun, um diese Welt besser zu machen. „Tue jeder in seinem Kreis das Beste, dann wird’s bald auch in der Welt besser aussehen.“ Nicht nur fordern, sondern selbst Hand anlegen und handeln, das ist die Devise Kolpings für eine sozialere gerechtere Gesellschaft. Am 4. Dezember 1856 ist er mit zweiundfünfzig Jahren in Köln gestorben und in der Minoritenkirche begraben. Adolf Kolping ist durchaus eine adventliche Gestalt der Neuzeit, die Gott und dem Menschen den Weg bereitet hat. „Auf unser tätiges Christentum kommt es an, ob die Welt zu christlicher Ordnung zurückkehren wird.“ Mit diesem Satz aus dem Munde Adolf Kolpings wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete zweite Adventwoche.
Franz Lomberg
Pfarrer des pastoralen Raumes Hattersheim
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