Flörsheimer Zeitung

Erinnerungen an vergangenen Jahren...

Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 35 vom 3. September 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 2. September 1985
Altmünstermühle soll zum Senioren-Treffpunkt werden
HATTERSHEIM (wr) - Die Altmünstermühle an der Hattersheimer Erbsengasse soll zum Senioren-Treffpunkt ausgebaut werden. Über eine entsprechende Magistratsvorlage wird die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag zu entscheiden haben. Wie der Magistrat bekanntgab, werden die für den Senioren-Treffpunkt benötigten Flächen und Gebäude vom Eigentümer im Wege eines Erbbaurechtsvertrags in Kürze der Stadt zur Verfügung gestellt. Letzter Betreiber dieser Mühle war Walter Weber. Zur Jahreswende 1959/60 wurde die Mühle von ihm stillgelegt, die eine lange Geschichte hat. Sie gehörte früher zum Kloster Altmünster und wird schon im Jahr 1219 erstmals urkundlich erwähnt. Im 18. Jahrhundert wurde die Mühle von der Familie Kintzler über mehrere Generationen betrieben.
Zur beabsichtigten Nutzung als Seniorentreffpunkt legte der Magistrat bereits ein Raumprogramm mit Einzelheiten vor. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass in unserer Stadt ein Bedarf besteht für eine Begegnungsstätte für ältere Menschen. Planungsabsicht ist es, in einem Treffpunkt im Erdgeschoß des Hauptgebäudes alt und jung für Stunden zusammenzuführen. In diesem Cafe, möglichst von den Senioren selbst bewirtschaftet, soll sich das Kommunikationszentrum befinden. Auch die Werkstattbereiche und die Räume für Handarbeiten sind so zum Innenhof angeordnet, dass keine Abschottung entsteht, zumal der Hof als öffentlicher Durchgang gestaltet wird.
Im ersten Obergeschoß und im Dachgeschoss sind je zwei Zwei-Zimmer-Wohnungen mit ca. 50 qm und im ersten Obergeschoss des Bauteils B zwei Kleinwohnungen mit je ca. 30 qm geplant. Im Bauteil C sind im Erd- und Obergeschoss zwei Einraumwohnungen konzipiert, die aber auch als Geschäftszimmer der Selbstverwaltung oder als Fotolabor genutzt werden können. Das Dachgeschoss soll zu einer Hausmeisterwohnung mit ca. 60 qm ausgebaut werden. Die Bauteile werden durch eine gemeinsame Treppenhaus- und Aufzugsanlage erschlossen. Damit sind die Hauptbereiche sowie eine Toilettenanlage behindertengerecht ausgestattet.

Vor 40 Jahren
Dienstag 1. September 1970
Für den Herbst noch schöne Tage prophezeit Der August hat - zumindest in unseren Breiten - die Erwartungen, die man an diesen „Hochsommermonat“ geknüpft hatte, nicht erfüllt. Er war im Ganzen gesehen zu kühl und zu niederschlagsreich.
Er hat damit wieder einmal die weit verbreitete Meinung widerlegt, dass einem langen und kalten Winter und einem kühlen, verregneten Frühjahr ein heißer und schöner Sommer folgen werde. Zwar haben uns die drei Sommermonate Juni, Juli und August einige kurze Schönwetterperioden beschert, in allen drei Monaten kam es jedoch zu ungewöhnlich heftigen Temperaturstürzen und Kälteeinbrüchen, so dass man schleunigst den Bademantel mit dem Regenmantel und warmer Wollkleidung vertauschte und in den Büros und Wohnungen fröstelnd die Heizung anstellte.
Dass auch die letzten Tage des August statt brütender Hitze und sengender Sonne, wie man sie eigentlich im Erntemonat erwartet, kühles, regnerisches und trübes Wetter gebracht haben, bedeutet freilich nicht, dass der Sommer damit unwiderruflich seinen Abschied genommen hat. Auch der September kann noch viele warme und sonnendurchglühte Tage bringen, und erst am 23. September beginnt nach dem Kalender der Herbst.
Der bisherige ungewöhnliche Witterungsverlauf dieses Jahres, der die meisten langfristigen Wetterprognosen widerlegte, hat wieder einmal gezeigt, dass die Meteorologen trotz allen wissenschaftlichen Hilfsmitteln und Erkenntnissen auch heute noch keine zuverlässige Wettervorhersage für einen größeren Zeitraum machen können. Dagegen haben die Wetterkapriolen des Jahres 1970 wieder einmal diejenigen mit Genugtuung erfüllt, die dem
„Hundertjährigen Kalender“ mehr Glauben schenken als dem amtlichen Wetterbericht. Wenn auch der „Hundertjährige“ von den Wetterwissenschaftlern immer wieder als „purer Unsinn“ abgetan wird und sicher nicht unfehlbar ist, so kann man doch aus der Fülle der Erfahrungen, die die Beobachtungsstatistiken der letzten 75 Jahre vermittelt haben, gewisse Folgerungen ziehen und Wiederholungstendenzen erkennen. Darauf ist es auch zurückzuführen, dass die langfristigen Wettervoraussagen in den alten Hauskalendern oft zu einem überraschend hohen Prozentsatz eintreffen.
Bei allen Vorbehalten, die der aufgeklärte Mensch unserer Zeit gegenüber solchen langfristigen Wettervorhersagen geltend machen mag, ist es doch zumindest recht amüsant und unterhaltsam, die Voraussagen des „Kalendermannes“ zu studieren und mit den eigenen Wünschen oder gar mit dem tatsächlichen Wetterverlauf zu vergleichen.
Unter diesen Gesichtspunkten ist es recht aufschlussreich, einmal zu verfolgen, was das Jahr 1970 nach Ansicht des „Hundertjährigen Kalenders“ noch für uns bereithält.
Wer seinen Urlaub erst in der Nachsaison verbringen will, wird sicher mit Freuden vernehmen, dass der Herbst noch eine Reihe schöner Tage bringen und das schöne und milde Wetter bis in den November hinein anhalten soll. Der „Altweibersommer“, den man sonst bereits für die zweite Septemberhälfte erwartet, wird sich in diesem Jahr allerdings erst in der zweiten Oktoberhälfte einstellen. September, der Monat, der den Brückenschlag zwischen Sommer und Herbst bildet, lässt die Natur noch einmal in ihrer Farbenpracht erglühen. Mit seinem Glanz, seiner Fülle und seinem reichen Erntesegen nahm er schon immer eine besondere Stellung unter den 12 Monaten des Jahres ein. Von jeher schenken deshalb die Menschen dem September besondere Beachtung. Das kommt nicht zuletzt in der großen Zahl alter Bauernregeln, Wettersprüche und Wetterlostage zum Ausdruck, die dieser Monat aufweist.
Erst wenn der Bauer die Felder für das nächste Jahr bestellt hat und die Saat beendet ist, darf es regnen: „Septemberregen kommt der Saat entgegen!“
Viele Bauernregeln und Wettersprüche des ersten Herbstmonats beziehen sich bereits auf die Erntehoffnungen für das nächste Jahr: "Septemberwetter" warm und klar, lässt hoffen auf ein gutes Jahr“; „Wenn der September noch donnern kann, setzen die Bäume viel Blüten an“; „Wenn im September Donner und Blitz dir dräuen, magst nächstes Jahr an Obst und Wein dich freuen“. Blitz und Donner im September sollen aber auch sichere Anzeichen für einen kalten und schneereichen Winter sein. Am 8. September achtet der Bauer auf die Schwalben, die sich um diese Zeit für ihren großen Flug in südlichere Gefilde sammeln: „An Maria Geburt, fliegen die Schwalben furt, bleiben sie da, ist der Winter nicht nah.“

Vor 50 Jahren
Freitag; 2. September 1960
Eine lange Geschichte liegt hinter Hattersheim Der nachfolgende Beitrag ist entnommen aus G. Kose: Hattersheim als Industriestandort und Wohngemeinde“. Der Verfasser stützt sich auf folgende Literatur: H. Büschenfeld: „Höchst, die Stadt der Farbwerke“; A. Maurer: „Hattersheim“; Lehrer Schwarz: „Chronik von Hattersheim - Gemeindebericht - Heimatkalender 1959“. Die einzelnen Literaturhinweise haben wir der Übersichtlichkeit halber weggelassen.
Die ältesten Siedlungsspuren im Main-Taunus-Vorland stammen aus dem Neolithikum (=Jungsteinzeit).
Im Rahmen der Besiedlung dieses Raumes ließen sich auch, wie Bodenfunde bezeugen, in der Gegend von Hattersheim Ackerbauerund Weidevölker auf dem fruchtbaren Lößboden nieder. Im ganzen ist das Hattersheimer Gebiet stark verbunden mit der Besiedlung des Main-Taunus-Vorlandes.
Der Ortsname mit der Endung -heim - meist in Zusammensetzung mit einem Personennamen - lässt erkennen, dass bereits zur Zeit der Landnahme durch die Franken hier eine Ortschaft entstand.
A. Maurer vermutet, dass der Schwarzbach als gute Wasserstelle den Anlass dazu gab, an dieser Stelle eine Siedlung zu gründen, „Hattersheim“ soll hierbei auf den fränkischen Edelling Heider oder Haiter zurückführen, so dass wohl der Name „Heim des Heider“ oder „Haitar“ bedeutet.
Über den Namensgeber Haiter und seine Nachfolger ist nach Angaben des Lehrer Schwarz nichts bekannt. Der Ortsname Haydersheim war bis zum 18. Jahrhundert gebräuchlich.
Obwohl die Ortgründung vermutlich schon zu so früher Zeit erfolgte, wird Hattersheim erst 1132 urkundlich erwähnt. Diese Urkunde, die im Original im Staatsarchiv München aufbewahrt wird, berichtet von einer Schenkung aus dem Besitze eines jungen Hattersheimers und seiner Mutter an das Kloster Johannesberg, was durch Erzbischof Adalbert I. von Mainz bestätigt ist. Während des Mittelalters gehörte Hattersheim zum Besitz verschiedener Herrschaftshäuser und Klöster. Die Ereignisse des 17. und 18. Jahrhunderts ließen auch in Hattersheim ihre Spuren zurück. Zu Zeiten der Thurn- und Taxis’schen Post spielte der Ort auf Grund seiner Lage an der Verkehrsstraße Frankfurt - Mainz eine bedeutende Rolle. Durch die Einrichtung einer Pferdewechselstation und der somit bedingten Reiseunterbrechung entstanden relativ viele Gasthäuser.
Mit dem Bau der sogenannten Taunus-Bahn im Jahre 1839, die zunächst von Höchst bis Hattersheim, im folgenden Jahre dann bis Wiesbaden weitergeführt wurde, nahm die Bedeutung für die Thurn- und Taxis’sche Post merklich ab, bis sie dann 1866 ihren Betrieb einstellen musste, da Nassau, wozu Hattersheim gehörte, preußisch wurde und dieses Land die Post übernahm. Durch den Bahnbau hat zwar Hattersheim seine Rolle als Poststelle eingebüßt, aber es war dadurch in die Verkehrslinie Frankfurt am Main - Wiesbaden einbezogen, was für das bis dahin nur von der Agrarwirtschaft lebende Dorf von entscheidender Bedeutung werden sollte.
Die Bestrebungen der Gemeinde nach dem 30jährigen Krieg gingen dahin, selbständig zu werden. Diese Selbständigkeit erreichte Hattersheim 1868 durch die Verleihung eines eigenen Gerichtssiegels.
Folgendes erscheint im Rahmen der geschichtlichen Entwicklung noch erwähnenswert: Wegen des steigenden Wasserbedarfs der Stadt Frankfurt stellten Geologen 1904 auf der Suche nach neuen Quellen bei Hattersheim einen vom Taunus nach der Mainniederung sich bewegenden Grundwasserstrom fest, der so reichliche Wassermengen führt, dass der Bau eines Pumpwerkes angebracht erschien. Die Stadt erwarb in den Gemarkungen Eddersheim, Weilbach und Hattersheim mehrere hundert Morgen Land in der Richtung des Stromes und legte zum Schutze der Brunnen einen Wald an, der ausschließlich der Stadt Frankfurt gehört. Auf Grund der reichlichen Wasservorräte konnte das hiesige Pumpwerk zum größten der Stadt Frankfurt ausgebaut werden. Durch einen Abzweig von der Frankfurter Anlage wird die Gemeinde seit 1907 gut mit Wasser versorgt.
In den Jahren 1909/10 wurde die Gemeinde an das Elektrizitätsnetz der Main-Kraftwerke in Höchst angeschlossen; 1913 legte die Hessen-Nassauische Gas AG in Höchst Gasleitungen nach Hattersheim. Damit war die Gemeinde an die Hauptenergiequellen unseres Jahrhunderts angeschlossen.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 34 vom 26. August 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 26. August 1985
Kerbebopp zweimal erfolgreich verteidigt
HATTERSHEIM (wr) - Nach Jahren erstmals wieder mit Kerbeburschen und -mädchen wurde und wird (bis zum heutigen Montagabend) die Hattersheimer Kerb nach alter Tradition gefeiert, verbunden mit dem beliebten Posthoffest. Der Hattersheimer Vereinsring hatte bei der Posthofgarde angefragt, ob aus ihren Reihen die Kerbeburschen und -mädchen gestellt werden könnten und jene sagten spontan zu. Obgleich die Vorbereitungen dann recht kurzfristig getroffen werden mussten, lief doch alles reibungslos und zünftig ab. Mit Kerbevadder Horst Klopf, genannt Hebbes, an der Spitze unter Mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr wurde der Kerbebaum aufgestellt, und zweimal konnte auch die Kerbebopp erfolgreich verteidigt werden. „Ich schlief vorsichtshalber in einem Kleinbus, der auf dem Platz vor dem Posthof geparkt war“, erklärte uns Hebbes. Der erste „Angriff“ auf das Kerbesymbol erfolgte bereits in der Nacht zum Freitag von unbekannter Seite. (Hebbes: „Wir haben allerdings einen gewissen Verdacht.“) Die Täter hatten die Puppe auch bereits vom Baum geholt, doch in der nachfolgenden handfesten Auseinandersetzung mussten sie diese ihren Besitzern überlassen. In der Nacht zum Sonntag wurde dann noch einmal ein „Anschlag“ auf die Kerbebopp verübt. Dabei wurden Keile aus dem Boden gerissen, die dem Kerbebaum Standfestigkeit verliehen. Der Baum hatte am Sonntagmorgen erheblich Schlagseite. Doch das wurde dann wieder behoben. Ein erster Höhepunkt der Kerb war am Samstagabend die Wahl der neuen Rosenkönigin. Die Wahl konnte zum Glück noch bis zum Einsetzen des Regens im Posthof durchgezogen werden. Neue Rosenkönigin ist Petra Leutz, Petra II. Darüber und über die Wahl ihrer beiden Prinzessinnen werden wir noch ausführlich in unserer Donnerstagausgabe berichten.
Ein Umzug der Kerbeburschen und -mädchen wurde am Sonntag veranstaltet. Traditionsgemäß wurde dabei auch der Kerbehammel mitgeführt. Er wird übrigens verlost. Der Gewinner wird heute ermittelt. Der Umzug endete am Sportplatz, wo den Kerbeborsch vom SVHattersheim noch eine Kiste Apfelwein gestiftet wurde. Zu Gast waren am Sonntag auch die Kerbeborsch aus Weilbach. Gut beschickt war der Festplatz von verschiedenen Schaustellern. Trotz des leider trüben Wetters am gestrigen Sonntagnachmittag herrschte hier reger Betrieb, ebenso wie im Posthof bei den Klängen der Kalthaler Musikanten.

Vor 40 Jahren
11. August 1970
Steigende Verkehrsdichte - mangelndes Fahrkönnen
Es wirkt verständlich, dass mit dieser angedeuteten Situation die Übung, das Beherrschen des Fahrzeuges bei höheren Geschwindigkeiten immer mehr verlorengehen muss. Bietet sich dann und wann die Gelegenheit, wirklich wieder sportlich und relativ schnell fahren zu können, so nutzt das jeder Autofahrer gerne aus, ohne zu bedenken, dass nunmehr die ganze Fahrweise, die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionsleistung sich blitzartig auf diese neue Situation einregeln muss, soll das Fahrzeug sicher beherrscht werden. Aber dann fehlt vielfach die Übung; die Übung in der Abschätzung der Anhaltewege aus höheren Geschwindigkeiten; die Übung, Kurven in höheren Geschwindigkeiten richtig auszufahren und zu meistern; die Übung, im Grenzfalle das Fahrzeug ohne Schleudern richtig und sicher auf Kurs zu halten. All diese Übung ergibt sich nach einiger Zeit wieder fast von selbst, sofern es dazu überhaupt noch kommen kann. Nicht von ungefähr passieren viele Unfälle bevorzugt auf geraden, schnellen Überlandstrecken, also dort, wo man die Leistung des Wagens einigermaßen wieder ausnutzen kann. Und diese Unfälle, ebenso wie etwa das unerklärliche Abkommen von der Fahrbahn, das Abtreiben aus einer Kurve, sind in vielen Fällen auf die mangelnde Übung zurückzuführen. Eine französische Untersuchung hat kürzlich ergeben, dass die meisten schweren Unfälle zu Beginn einer Fahrt eintreffen, also dann, wenn der Fahrzeuglenker noch nicht „eingefahren“ ist, wenn es an der Übung in der Koordination aller „Fahrsinne“ und psychophysischen Leistungen fehlt.
Auf der Urlaubsfahrt, wo längere Strecken befahren werden, merkt der Fahrer schon nach wenigen Tagen die zunehmende Übung in der Fahrzeugbeherrschung. Das betrifft nicht etwa nur den Anfänger, sondern auch den Routinier, der vielleicht monatelang vorher nur ein und denselben überlasteten Arbeitsweg befahren hat. Höhere Fahrgeschwindigkeiten sollte deshalb erst dann gewagt werden, wenn sich die ganze Fahrtechnik, die Sinnesleistung an die die veränderte Situation anpassen konnten. In keinem Moment darf der Fahrer am Steuer das Gefühl einer gewissen Unsicherheit verspüren. Gerade auf langen Kolonnenfahrten bringt die Möglichkeit, plötzlich freie, ungehinderte Fahrt zu haben, Gefahren für den, der nicht die Fähigkeit besitzt, „Umschalten auf Tempo“ zu beherrschen.
Jene Zeitspanne, bis es dem einzelnen innerhalb einer individuell sehr verschiedenen Dauer gelingt, umzuschalten, bringt die großen Gefahren, besonders dann, wenn noch kritische Verkehrssituationen hinzukommen. Die Bewältigung einer kritischen Verkehrssituation ist eben aus 60 km/h heraus nicht mit so hohen Anforderungen verbunden wie etwa aus 100 km heraus. Freie Streckenabschnitte, an sich harmlos, sind nicht immer so harmlos, und höhere Kurvengeschwindigkeiten
sollten erst praktiziert werden, wenn man sich sicher genug fühlt. Die kleinen Fahrfehler, die man im langsamen Vorortsverkehr ohne Mühe ausbügeln kann, erfordern aus hohen Geschwindigkeiten heraus schon andere Maßnahmen, wenn es nicht schiefgehen soll. Die steigende Verkehrsdichte bringt also unzweifelhaft ein allgemein eher sinkendes Fahrkönnen mit sich. Dieser Situation sich bewusst sein und die Fahrweise auch bei günstigen Verhältnissen der momentan herrschenden Übung anzupassen, kann bösen Überraschungen, kann Unfällen vorbeugen.

Dienstag, den 25. August 1970
Straßenverkehr: TraurigerRekord
24.000 Unfallopfer im ersten Halbjahr. - Im Juni 1970 kamen in Hessen bei Straßenverkehrsunfällen 152 Menschen ums Leben, die höchste bisher in einem Monat festgestellte Zahl, ein Drittel mehr als im Juni 1969. Hinzu kamen noch 1232 Schwerverletzte (plus 10 Prozent gegenüber Juni 1969) und 3335 Leichtverletzte (plus 5 Prozent). Die Zahl der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden lag nach Mitteilung des Hessischen Statistischen Landesamtes im Juni mit 3218 um 10 Prozent höher als im gleichen Vorjahresmonat.
Die Bilanz des ersten Halbjahres 1970 bedeutet ebenfalls einen „Rekord“: 697 Verkehrstote auf hessischen Straßen, fast 6000 Schwerverletzte und 17.000 Leichtverletzte. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 1969 erhöhte sich die Zahl der Getöteten um 40 Prozent, die Zahl der Schwerverletzten um 18 Prozent, die der Leichtverletzten um 16 Prozent. Die Gesamtzahl der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden (rund 16.000) lag um 16 Prozent höher. Die Straßen-Verkehrsunfälle sind also nicht nur zahlreicher, sondern auch schwerer geworden.

Vor 50 Jahren
Freitag, 26. August 1960
Karl Eckel 60 Jahre alt
Am Mittwoch feierte Karl Eckel seinen 60. Geburtstag. Karl Eckel ist ein echter Hattersheimer Bub. Schon in der Jugend gehörte seine Liebe dem Fußball. Er ist Mitgründer des Sportvereins Hattersheim, spielte selbst Fußball und stand seit Bestehen des Vereins in irgendeiner leitenden Position des Vorstandes. Jetzt ist er Ehrenvorsitzender  des Vereins. Lange Jahre war er Kreisfußballwart. Jetzt ist er Bezirksfußballwart des Fußballbezirks Frankfurt a. M.
Neben dem Sport tritt Karl Eckel als Kommunalpolitiker hervor. Er gehört seit 1946 der Gemeindevertretung von Hattersheim an, und zwar als Vertreter der SPD. Seit acht Jahren ist er Gemeindevertretervorsteher
und führt dieses Amt zur Zufriedenheit aller Parteien aus. Auch beruflich steht Karl Eckel seinen Mann. Als Meister in den Farbwerken Höchst steht er an verantwortlicher Stelle.
In diesen drei umschriebenen Tätigkeitsbereichen ist Karl Eckel zuhause. Arbeit scheut er nicht. Seine Nebenämter führt er mit der gleichen Sorgfalt und Energie wie seinen Beruf. Die Sportjugend wie auch die Öffentlichkeit wissen die Leistungen Karl Eckels zu schätzen. Dem Gratulationsreigen zum Ehrentage Karl Eckels schließt sich der Hattersheimer Anzeiger an und wünscht ihm weiter die Gesundheit und Kraft, die er braucht, um seine selbstlose Tätigkeit weiterführen zu können. Das neue Jugendarbeitsschutzgesetz Wesentliche Bestimmungen treten am 1. Oktober in Kraft. - Das neue Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend (JArbSchG.) tritt mit seinen wesentlichen Bestimmungen am 1. 10. 1960 in Kraft. Alle Arbeitgeber, die Jugendliche beschäftigen, tun deshalb gut, sich rechtzeitig mit den neuen Bestimmungen vertraut zu machen, bedroht doch das Gesetz einen Verstoß dagegen mit zum Teil empfindlichen Strafen und Geldbußen.
Das JArbSchG. stellt den Abschluss einer mehr als 120jährigen Entwicklung des Jugend-Arbeitsschutzes dar. Diese Entwicklung begann 1839 mit dem „Preußischen Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken“, das - es erscheint uns heute kaum fassbar - die Fabrikarbeit für Kinder unter 9 Jahren verbot, die Arbeitszeit der Jugendlichen von 9 bis 16 Jahren auf 10 Stunden täglich beschränkte und Nachtarbeit von 21 Uhr bis 6 Uhr sowie Sonntagsarbeit untersagte. Im Jahre 1853 wurde das Jugendschutzalter für Fabrikarbeit von 9 auf 12 Jahre erhöht und die Arbeitszeit für Jugendliche unter 14 Jahren auf 6 Stunden beschränkt. Diese Bestimmungen wurden später in die Reichsgewerbeordnung übernommen. Das Arbeitsschutzgesetz von 1891 dehnte den bis dahin nur für Jugendliche in Fabriken geltenden Schutz auf sämtliche Werkstätten mit Motorenbetrieb aus. Trotz ständiger Verbesserung des Jugendarbeitsschutzes insbesondere durch das „Kinderschutzgesetz“ von 1903, blieb ein weiter Kreis von Jugendlichen ausgeschlossen, z. B. die in Kleinstbetrieben, in der Landwirtschaft und im Handelsgewerbe Beschäftigten.
Der Zehnstundentag für Jugendliche fiel erst 1918/19, als mit den Demobilmachungsverordnungen für alle gewerblichen Arbeiter und Angestellten der Achtstundentag eingeführt wurde. Die inzwischen unübersichtlich gewordenen Bestimmungen in verschiedenen Rechtsvorschriften wurden durch das Jugendschutzgesetz vom 30. 4. 1938 zusammengefasst. Gleichzeitig wurde der Geltungsbereich des Jugendarbeitsschutzes beträchtlich erweitert. Er umfasste jetzt alle Lehr- und Arbeitsverhältnisse; ausgenommen blieben jedoch die Hauswirtschaft, die Land- und Forstwirtschaft, Luftfahrt und Schifffahrt sowie Familienbetriebe. Das Jugendschutzalter wurde von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt und für Jugendliche unter 16 Jahren ein Erholungsurlaub von 15 Tagen, für Jugendliche über 16 Jahren von 12 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.
Das JArbSchG. 1960 gewährt nunmehr allen in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Kindern und Jugendlichen Arbeitsschutz. Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Schifffahrt sind einbezogen, die Seeschifffahrt schon durch das Seemannsgesetz von 1957.

Erika Kunz



Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 33 vom 19. August 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 15, August 1985
3. Fischerfest in Eddersheim:
Eine tolle Atmosphäre im alten Ortskern
Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen des Fischerfestes. Und man muss wirklich sagen, es war fantastisch! Obwohl das Wetter nicht immer ganz mitspielte, herrschte doch ein riesiger Trubel im gesamten alten Dorfkern. Da roch es nach gebratenen Würstchen, süßen Leckereien und sogar nach Pizza. An diesem Wochenende konnte man Eddersheim und seine Bewohner erleben wie im gesamten Jahr nicht. Alles stand Kopf, überall Girlanden, Musik und sehr viele Leute. Rund um die katholische Kirche lief das große Spektakel ab: Festzug, Straußwirtschaften en gros und Gaukeleien.
Innerhalb der drei Jahre, die das Fischerfest schon veranstaltet wird, hat sich dieses Fest zu einer tollen Attraktion gemausert. Man kann wirklich froh sein, 1983 das Fischerfest zu einer jährlich wiederkehrenden Einrichtung gemacht zu haben. Als einziger Hattersheimer Verein hatte übrigens die Posthofgarde, wie jedes Jahr, ihr „Feldlager“ aufgeschlagen. Etliche Vereine boten ein buntes Programm an, wie z.B. der Freizeitsportclub SG „Panik“ und der Heimatverein Eddersheim, der die Ausstellung zum 100. Geburtstag des Eddersheimer Ehrenbürgers und Erfinders Anton Flettner in der Propsteistraße 10 gestaltete. Neu war für viele, dass die Rotor- und Rudererfindungen des Eddersheimers noch heute, im Zeitalter der modernsten Elektronik, ihren Dienst verrichten. So ist das so genannte „Flettner-Ruder“ im amerikanischen  Space Shuttle „Columbia“ der NASA zu finden und der „Flettner-Rotor“ beim monegassischen Tiefseeforscher und Archäologen Jacques Cousteau zur Probe in Betrieb. Eröffnet wurde die Ausstellung in Anwesenheit seiner Tochter, Frau Dioszemghi-Yost, die sich köstlich beim Fischerfest amüsierte. Die lebenslustige Dame strahlte eine Fröhlichkeit aus, die viele Eddersheimer richtig anzustecken schien. Ihr zu Ehren führte der Seniorenclub „Sonnenschein“ ein Tanzpotpourri vor. 
Wie angekündigt, führte auch der Alleinunterhalter Otto Bausch an zwei Tagen (Samstag und Sonntag) sein Zauber- und Theaterprogramm mit einem tollen Erfolg durch. Er riss nicht nur die Kinder von den Stühlen, denn mit seinen Zaubereien, die er meisterhaft und mit viel Fachkenntnis für und mit den Kleinen vorführte, verblüffte er auch  die Eltern. Er verstand es wirklich gut, die Kinder in seinen und ,,Kasperls“ Bann zu ziehen, so dass man schon von weitem die gellenden Rufe der begeisterten kleinen Zuschauer hörte.
Dass das Fischerfest auch völkerverbindend und international war, konnte man daran sehen, dass am Samstag und Sonntag sogar Flamenco, jener rassige und stolze und doch anmutige spanische Tanz gezeigt wurde. Wie auch in den letzten Jahren konnte man wieder Dosen schießen und dabei Kakteen oder Blumensträuße gewinnen, außerdem wurde beim Bund der Vertriebenen wieder kräftig musiziert, so dass sich manch einer allein schon von der Musik verleiten ließ, einzukehren und einen Schoppen oder eine Worscht zu sich zu nehmen. Dass man die Schausteller diesmal mit in den alten Dorfkern integrierte, war nur von Vorteil und kam bei den Besuchern bestens an. Einerseits entstand eine familiäre Stimmung und es präsentierte sich ein tolles Gesamtbild des Festes, andererseits war es auch ein gewinnträchtiger Faktor, dass die Besucher an den gesamten Verlockungen vorbei mussten, so dass viele einfach bei Popcorn, Softeis usw. haltmachten. Das „Nostalgie-Karussell“ rundete das Bild ab. Es stand diesmal an einem strategisch guten Punkt, nämlich am Eingang zum Fest.Hier haben es viele als schönes Fotomotiv genutzt.  Strategisch weniger gut platziert waren die beiden Losbuden, die eine von den Schaustellern, die andere vom Förderverein der ökumenischen Diakoniestation Hattersheim und Kriftel. Beide warteten mit interessanten Preisen auf, doch konnte die Schausteller-Losbude nicht eine Reise nach Paris bieten, wie es der erste Preis der Förderverein-Tombola war.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 18. August
Protest gegen drohende Werks-Stilllegung Arbeitnehmer der Phrix AG demonstrierten. 4000 sind um Zukunft besorgt.
Hamburg (dpa). Schwarze Fahnen säumten am Mittwoch das Portal des Phrix-Verwaltungsgebäudes am Hamburger Stephansplatz, hinter dem der Aufsichtsrat des Werkes tagte. Etwa 200 Arbeitnehmer der Kunstfaserfabriken in Okriftel am Main, Siegburg und Krefeld (beide Nordrhein-Westfalen) demonstrierten gegen die drohende Stilllegung ihrer Werke.
Die Phrix AG, getragen von den internationalen Großkonzernen Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) und Dow Chemical, soll nach dem Willen ihres Aufsichtsrats die Produktion einstellen. Damit wären, wie der zweite Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik, Werner Vitt, in einem Protestaufruf erklärte, 4000 Arbeitnehmer ohne Beschäftigung. Der Protest der Arbeitnehmer richtete sich besonders gegen das Management der Phrix-Werke, das es nach Angaben der Gewerkschaft versäumt hat, die Stilllegungsabsichten rechtzeitig den Betriebsangehörigen bekannt zu geben. Die demonstrierenden Arbeitnehmer - Arbeiter, Angestellte und Mitglieder der Betriebsräte - bekundeten auf Schildern und Transparenten sowie lautstark durch Megaphone ihren Protest gegen den Aufsichtsrat. „Wir sind kein Pöbel, wir sind um ihren Arbeitsplatz und um ihr Schicksal besorgte Menschen!“ rief Vitt den hinter verschlossenen Türen und Fenstern tagenden Aufsichtsratsmitgliedern zu. In einem Komplex von elf Fragen trug der Gewerkschaftler die Entwicklung der „Phrix-Krise“ vor. Vitt schloss mit der Frage: „Ist denn das Interesse der Arbeitnehmer weniger wichtig als das Interesse des Kapitals?“
Vor 150 Jahren wurde das Stethoskop erfunden In Krankenhäusern wird das gute alte Stethoskop, mit welchem der Arzt Herz und Lunge abhorcht, immer mehr durch eine elektronische Version oder das Soniskop ersetzt. Das letzte ist im Gegensatz zum elektronischen Stethoskop gegen Geräusche der Außenwelt abgeschirmt und gibt die Phone vorbeifahrender Autos oder von Schritten im Zimmer nicht wieder. Beide sind dem herkömmlichen Stethoskop überlegen.
Stethoskope werden auch in Autofabriken und - werkstätten zur Kontrolle von Motoren verwendet. Mit dem in den USAerfundenen Floyd-Stethoskop kann man Fehler in komplizierten Radargeräten lokalisieren,
soweit sie sich durch besondere Geräusche bemerkbar machen. Das Gerät spart der US Air Force jährlich Zehntausende von Dollars ein. Das Stethoskop wurde vor über 150 Jahren von dem französischen Arzt Rene Laennec (1781-1826) erfunden, der auch die Auskultation einführte. Das Vorbild war eine zusammengedrehte Papierrolle, durch welche spielende Kinder sich Worte zuflüsterten. Die ersten Stethoskope bestanden aus Holz mit einer aufschraubbaren Hörmuschel und sind schon längst durch das Schlauchstethoskop abgelöst worden, bei dem beide Ohren des Arztes Herz und Lunge abhören.

Vor 50 Jahren
Freitag, 19. August 1960
Neue Modelle bei Opel - Rekord, Caravan und Lieferwagen
Zur Wiederaufnahme der Produktion nach dem diesjährigen allgemeinen Werksurlaub überrascht die Adam Opel AG Rüsselsheim mit neuen Modellen ihrer Rekord-Linie. Die Typen Rekord, Caravan und Lieferwagen werden nun wesentlich geändert herausgebracht. Stil und Aussehen der neuen Baureihe folgen dem Beispiel des Kapitän. An die Stelle der leicht gewölbten und geschwungenen Form und Linie ist die markante Betonung der Horizontalen getreten. Mit ihrer ruhig-klaren Form und den in sich ausgeglichenen Flächen und Linien betont die neue Rekord-Linie wieder eine überzeugende Individualität im Rahmen des modernsten Automobilstils. Das jetzt flache Dach läuft über die Heckscheibe und unterstreicht die gestreckte Form des Wagenkörpers mit der trapezförmigen Rundumverglasung. Unter der nach vorn leicht abfallenden Motorhaube  greift der tiefliegende Kühllufteintritt mit den feinen glanzeloxierten Zierstäben über die Wagenbreite in die Seitenfront hinein. Auch das Heck zeigt die ruhige Klarheit der neuen Form. Die hochgezogene Panorama-Rückwandscheibe ragt über die Wagenbreite in die Seitenflächen. Bei der Konstruktion der neuen Modelle ging das Rüsselsheimer Werk vom Innenraum aus. Dessen Abmessungen wurden festgelegt, bevor die Karosserie geformt wurde. Weiterer Ausgangspunkt war die viertürige Limousine mit der Forderung nach einem im Hinblick auf die Wagengröße besonders bequemen Einstieg. Im Rahmen der geschickten Ausnutzung des Innenraumes wurden der hintere Kopfraum wie auch die Einstiegöffnung vergrößert, dabei blieb die Bodenfreiheit unverändert. Außerdem wurde der Wagen innen etwas breiter und der Beinraum vor den Vordersitzen größer.
Die neue Windschutzscheibe ist also konstruktiv durch die Vergrößerung der Türen bedingt. Sie ist wieder eine echte Panorama-Scheibe, reicht folglich über die ganze Wagenbreite und ist weit um den oberen Wagenkörper bis in die Seitenwand herumgezogen. Nicht nur, dass der Innenraum größer und bequemer wurde, auch die Innenausstattung wurde reichhaltiger. Die Armaturentafel wurde völlig neu gestaltet. Der sogenannte Sicherheitswulst an der Oberkante besteht aus einem aufgeschäumten Moltopren-Polster, dessen Grad an Nachgiebigkeit durch viele Versuche bestimmt wurde. Der Scheibenwischer hat wie seither elektrischen Zweistufenantrieb, arbeitet aber nun parallel. Die Windschutzscheibe wird fast in ihrer ganzen Höhe sauber gewischt. Das Wischfeld ist durchgehend. Bei allen neuen Modellen und auch beim Opel 1200 ist die Scheibenwischanlage serienmäßig und wird ohne Aufpreis eingebaut. Im Rahmen der Neukonstruktion des Wagenhecks hat das Volumen des ohnehin schon ungewöhnlich groß dimensionierten Kofferraumes um rund 10 Prozent zugenommen. Der verbreiterte Deckel trägt jetzt ein automatisches Schloss. Zum Öffnen genügt das Drehen des Schlüssels, der Kofferraumdeckel wird selbsttätig angehoben. Zum Schließen ist nur das Zudrücken des Deckels notwendig, das Schloss sperrt dann automatisch ab.
Der neue Opel Rekord, gleichfalls sein Nebentyp Caravan wie auch der Schnell-Lieferwagen, hat die selbsttragende Ganzstahl-Karosserie. Alle Modelle der neuen Baureihe besitzen wie der Kapitän einen Plattform-Rahmen, der mit dem jeweiligen Aufbau fest verschweißt, also organisch verbunden ist. Die tragenden Teile der Karosserie, wie Plattform-Rahmen, Seitenteile, Ganzstahldach usw. sind bei voller Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden statischen Möglichkeiten sorgfältig aufeinander abgestimmt. Der Fahrgastraum hat praktisch eine Innenhaut und eine Außenhaut, er ist doppelwandig. Überall sind geschlossene Profile verwendet, die bei geringstem Eigengewicht die größte Steifigkeit und Festigkeit garantieren. Ausder Fülle weiterer Verfeinerungen sind Verbesserungen  der Schaltung des sonst unverändert gebliebenen vollsynchronisierten Dreigang-Getriebes, der Einbau eines durchsichtigen Bremsflüssigkeitsbehälters, die neue Entlüftung des Kraftstofftanks und schließlich die Schalter-Kombination Parklicht-Scheinwerferlicht und Zündung, die ein Fahren mit Parklicht ausschließt, interessant.
Das Lieferprogramm ist wieder sehr reichhaltig; so kann der Opel Rekord in 14 verschiedenen Grundfarben und 14 Farbkombinationen geliefert werden. Für die zweitürige Ausführung kann unter drei Stoffmustern, für den Viertürer unter zwei Stoffmustern gewählt werden. Außerdem gibt es für alle Typen noch zwei Kunstleder-Kombinationen. Eine echte Überraschung stellen auch die Preise für die neuen Modelle dar. Obwohl zahlreiche Neuerungen eingeführt und die Ausstattung beträchtlich bereichert wurden, sind sie im Vergleich zu den Preisen der seitherigen Ausführung unverändert. So kostet z. Zt. der neue zweitürige Rekord DM 6385, als Viertürer DM 6875, der Caravan DM 6685, der Lieferwagen DM 6175 (ab Werk). Die Heizung wird mit DM 160 nach wie vor gesondert berechnet, da die Fahrzeuge auch ohne Heizung bestellt und geliefert werden. Unverändert ist auch der Mehrpreis von DM 75 für die Ausstattung mit 1,7 Liter-Motor.

Erika Kunz



Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 32 vom 12. August 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 8. August 1985
Vorderneuen Saison: Die neue Staustufenelf
Für den FC Eddersheim gibt es keinen Grund, sich große Sorgen zu machen, denn der angestrebte Platz im gesicherten Mittelfeld der Tabelle liegt auch in dieser Saison im Bereich des Möglichen, und es wird mit Sicherheit für die vermeintlichen Favoriten wieder schwer werden, aus Eddersheim Punkte mit nach Hause zu nehmen. Um die Leistungsstärke der Mannschaft auch in diesem Jahr wieder zu gewährleisten, war man allerdings auf gezwungen, sich gezielt zu verstärken, denn Mosig und Konrad beendeten ihre aktive Laufbahn, und H. Appenheimer wechselte wieder nach Schwalbach.
Aus der eigenen Jugend besitzt wohl nur J. Kühn berechtigte Ambitionen auf einen Platz in der ersten Mannschaft. Einer der Neuzugänge ist A. Philip, der ein alter Bekannter in Eddersheim ist, denn nach den Stationen Höchst und Kelkheim kam er nun zu seinem Stammverein zurück. Weitere neue Gesichter sind P. Edelmann (Haiger), P. Dreisbach (Raunheim), S. Zugaj (Neuenhain) und P. Fischer (Sprendlingen).
In den bisher absolvierten Vorbereitungsspielen zeigte sich aber bereits, dass Trainer Lüllig auf dem besten Wege ist, ein schlagkräftiges Team zu formen.
Die DJK Flörsheim (B-Ligist) bekam dies bereits zu spüren, denn trotz einer guten Leistung unterlag man dem FCE mit 3:1. Die Torschützen waren Philip, Richter und Schüssler. Gegen Kelkheim reichte es trotz einer 3:l-Führung letztlich nur zum 3:3. Ob es sich als Vorteil erweist, dass der FCE am ersten Spieltag spielfrei ist und somit eine Woche länger Kraft tanken kann, wird sich am 18. August gegen Bleidenstadt zeigen. Am 1. September findet dann das Derby gegen den SV Hattersheim statt.

Germania Okriftel optimistisch
Bei Germania Okriftel gibt es allen Grund, optimistisch in die neue Saison zu blicken, denn außer Tschutschek, der zu Rot-Weiß Sindlingen wechselte, und R. Jung, der den Verein Richtung Roter Stern Hofheim verließ, konnte man den Kader des letzten Jahres zusammenhalten. Zwar musste man auch P. Gregan, dessen neuer Verein noch nicht bekannt ist, und den bisherigen Schlussmann der Reserve, B. Höntsch, ziehen lassen, aber diese Abgänge versuchte man durch gezielte Neuverpflichtungen auszugleichen. Vor allem im Bereich des Angriffs verstärkten sich die Okrifteler, denn dort tauchten in der vergangenen Saison immer wieder Schwächen auf. Die beiden Hofheimer R. Freud und V. Haas sollen das Angriffsproblem der Germania lösen. Einen weiteren Stürmer fand man in Wurching, der von Weiß-Blau Niederrad nach Okriftel wechselte. Ferner stieß auch noch S. Steg als Konkurrenz für F. Seifried im Gehäuse der Okrifteler hinzu. Dass eine gute Jugendarbeit Früchte trägt, zeigt sich an den vier Spielern P. Osterling, H. J. Sappik, F. Braun und J. Kochlorski, der schon einige Einsätze in der ersten Mannschaft hinter sich hat. Denn diese Jungtalente zeigten bereits, dass man in naher Zukunft mit ihnen rechnen kann. Die besten Aussichten auf einen Stammplatz dürfte J. Kochlorski haben, der sich bei seinen bisherigen Einsätzen einige Male gut in Szene setzen konnte.
In Okriftel sind dieses Jahr die besten Voraussetzungen da, um wieder ganz vorne mitzuspielen. Ob es letztlich reichen wird, bleibt offen. Statistisch gesehen wäre wieder einmal ein Aufstieg fällig, denn beim 70-jährigen Vereinsjubiläum stieg man von der B- in die A-Klasse auf, und nächstes Jahr feiert die Germania ihr 75-jähriges Bestehen.

Montag, 12. August 1985
1,3 Millionen für Dorferneuerung
Bürgermeister Alfred Schubert zog bei einer Pressekonferenz im alten Eddersheimer Rathaus eine Zwischenbilanz über die bisher zweijährige Dorferneuerung. Eddersheim, das erst nach mehrmaligem Bemühen mit den zuständigen Landesbehörden ins Dorferneuerungsprogramm miteinbezogen wurde, soll sich bald mit einem schöneren Gesicht zeigen. „Erste Ansätze sind schon zu verzeichnen“, so der Bürgermeister.
Der Mainuferbereich, die Anker- und die Mönchhofstraße sowie einige Privatinitiativen bestätigten diese Aussage, obwohl nach der Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm der Stein der Realisierung nur langsam ins Rollen kam. Aber sowohl durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit (so wurde ein Planungsbüro im alten Rathaus eingerichtet), als auch mit dem Beginn von Bauarbeiten unter städtischer Regie wurden die Eddersheimer angeregt, Engagement für diese Sache zu zeigen. Denn die Bürger standen am Anfang mit etwas Skepsis und Zurückhaltung dieser Situation gegenüber. Umso erfreulicher, dass man jetzt schon auf eine Arbeit verweisen kann, gemäß den Vorstellungen der Planer (die übrigens auch erfolgreich den alten Kern Flörsheims gestalteten), in der öffentliche und private Maßnahmen Hand in Hand gehen.
Insgesamt hat die Stadt Hattersheim bis heute 1,3 Millionen, unterstützt vom Land Hessen, mit mittlerweile 460.000 Mark, in die Dorferneuerung von Eddersheim investiert. „Für die Tiefbaumaßnahmen im Bereich des Straßenkreuzes rund um die katholische Kirche werden wir in den nächsten Monaten rund 1,1 Millionen Mark stecken“, betonte Schubert und konnte sich gleichzeitig über einen Zuschussbescheid von 72.000 Mark seitens des Amtes für Landwirtschaft und Landentwicklung in Usingen freuen, der ihm vom zuständigen Amtsleiter Werner Jung ausgehändigt wurde. Dieser war extra mit Reinhard Augustat vom Landwirtschaftsamt erschienen.
Schubert betonte, dass man sich schon 1979 beim Land Hessen um Aufnahme des Stadtteils Eddersheim ins Dorferneuerungsprogramm bemüht hatte, dies aber erst nach erneuten Initiativen im Stadtparlament und ausdauernden Verhandlungen mit den zuständigen Landesbehörden erfolgreich verkündet werden konnte (1983). Ein bereits im Oktober 1983 ins Leben gerufener Beirat aus sachkundigen Bürgern hatte dann die Erstellung des Dorfentwicklungsplans mit viel Detailwissen tatkräftig unterstützt, so dass dieser 1984 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde. „Man kann zwar nicht von einer Initialzündung sprechen, wie das andernorts oftmals der Fall war, aber es sind mittlerweile mehr als 20 Beratungsfälle im Sanierungsund Planungsbüro sowie sieben im Werden begriffene private Sanierungsmaßnahmen zu erwähnen“, so Schubert. Geplant ist die schrittweise Realisierung eines Gemeinschaftshauses. Es soll für private Feiern und als kultureller Treff dienen. Auch soll mehr Wohnraum im alten Dorfkern geschaffen und nicht wie früher außerhalb dazugebaut werden. Das erhöhe die Wohnqualität und mache den alten Dorfkern wieder lebendig. Zu weiteren wünschenswerten Privatinitiativen soll auch der Druck des vom Stadtparlament beschlossenen Dorfentwicklungsplans beitragen.

Vor 40 Jahren
Freitag, 7. August 1970
Ortslandwirte wurden gewählt
Am 5. Juli 1970 wurden durch die wahlberechtigten Landwirte im Main-Taunus-Kreis die Ortslandwirte und deren Stellvertreter gewählt. In den Städten und Gemeinden unseres Verbreitungsgebietes wurden folgende Personen zu Ortslandwirten bzw. stellvertretenden Ortslandwirten gewählt: Flörsheim: Lorenz Schleidt, Hauptstraße 8, Stellvertreter: Alfred Velten, Untermainstraße 24; Hochheim: Josef Velten, Matzelstraße 14, Philipp Blitz jun., Aussiedlerhof; Eddersheim: Josef Peter Ramp, Okrifteler Str. 3, Karl Schmitt, Kreuzstraße 8; Hattersheim: Julius Hoss, Erbsengasse 19, August von Canstein, Hauptstraße 37; Okriftel: Adolf Mook, Langgasse 19, Karl-Emil Jung, Hafenstraße 1. In Weilbach kam keine Wahl zustande. Wicker: Mathäus Ruppert, Taunusstraße 18, Toni Weilbächer, Kirchgrabenstraße 1.

Freitag, 7. August 1970
Reformen sind überfällig
Wenn die Preise steigen, erhöhen sich auch die Kosten für den Schul- oder Straßenbau. Die konjunkturpolitischen Maßnahmen dienen also sowohl dem privaten Lebensstandard als auch der Verbesserung der öffentlichen Einrichtungen. Reformen sind überfällig. Straßen, Schulen, Kläranlagen, Krankenhausbetten dienen dem Bürger unmittelbar. Die Finanzierung der Forschung vom Atomkraftwerk bis zur elektronischen Datenverarbeitung sorgt für die notwendige Steigerung der Produktivität, weitere Mechanisierung und Automatisierung am Arbeitsplatz ergibt sich erst aus der Forschung. Nur wenn das Güterangebot in den kommenden Jahren zunimmt, können die Einkommen entsprechend steigen. Dabei bekommt der Staat ebenfalls mehr Geld in die Kasse. Aufgabe der Finanzminister in Bund und Ländern ist es, diese höheren Steuereinnahmen verstärkt zum Ausbau der öffentlichen Einrichtungen zu verwenden.
Bundesfinanzminister Möller hat jetzt den Finanzierungsplan der Reformen bis 1974 vorgelegt. Danach werden die Ausgaben für Bildung und Wissenschaft im nächsten Jahr um 43 Prozent steigen. Das ist eine Erhöhung von 2,8 auf 4 Milliarden DM. Die Verkehrsausgaben sollen um 1,4 Milliarden erhöht werden. Außer dem Städtebau werden mehr Mittel für die Gesundheit, die Verbrechensbekämpfung und die Vorratshaltung für Industrierohstoffe, wie beispielsweise Erdöl, bereitgestellt. Im Finanzplanungsrat ist es zum ersten Mal gelungen, eine einheitliche Steigerungsrate der öffentlichen Ausgaben zu erreichen. Bund, Länder und Gemeinden werden buchstäblich an einem Strang ziehen. 210 Milliarden DM, davon 100 aus der Bundeskasse, stehen für nächstes Jahr an öffentlichen Ausgaben bereit.
Eine weitere Steigerung des privaten Wohlstands und eine Verbesserung der öffentlichen Einrichtungen werden aus dem gleichen Topf, nämlich der Arbeitsleistung des ganzen Volkes, bezahlt. Wenn die privaten Einnahmen zu stark steigen, bleibt entsprechend weniger für neue Krankenhausbetten übrig. Man kann den privaten Wohlstand nicht nur durch erhöhten Konsum verbessern, sondern auch durch Vermögensbildung. Durch entsprechende Gesetze unterstützt die Bundesregierung diese Vermehrung des privaten Eigentums. Neben den Zinsen gibt es Prämien und Steuervergünstigungen. Gleichzeitig wird ein volkswirtschaftlicher Effekt erreicht. Wer mehr Besitz erwirbt, verzichtet auf eine Erhöhung der laufenden Ausgaben.

Vor 50 Jahren
Freitag, den 12. August 1960
800.000 DM für den Straßenbau
Dem Ausbau des Hattersheimer Straßennetzes gilt in diesem Jahr die besondere Aufmerksamkeit der Gemeindekörperschaften. In Alt-Hattersheim sollen die erneuerungsbedürftigen Straßen ausgebaut, im Siedlungsgebiet die dort notwendigen Straßenzüge neu erstellt werden. Dass hierfür eine große Summe erforderlich ist, wird bei der Betrachtung der schnell emporgewachsenen neuen Ortsteile und der unvermindert anhaltenden Bautätigkeit verständlich. Mancher Bürger wird sich in der Vergangenheit gefragt haben, warum die Straße, an der er sein stattliches Wohnhaus errichtet hat, nicht sogleich oder doch möglichst schnell hergestellt wurde. Nun, es gibt zwei Gründe dafür. Zunächst waren es die Kanalisationsarbeiten, die so manchen vorzeitigen Straßenbau unmöglich machten. Denn es wäre sinnlos gewesen, eine Straße zu bauen, um sie dann wieder durch Kanalarbeiten aufreißen zu lassen und sie schließlich unter Aufwendung weiterer Gelder abermals instandzusetzen. Ein solches Verfahren mit den Gemeindefinanzen wäre geradezu unverantwortlich gewesen. Der zweite und wohl entscheidende Grund ist darin zu suchen, dass die Gemeindekörperschaften bei der Unmenge von Problemen und Projekten, denen die Gemeinde Hattersheim ausgesetzt ist, ihre Augen zunächst den dringlichsten und existenznotwendigen Vorhaben zuwenden und dementsprechend ihre Finanzen einteilen müssen, denn solange in unserer Gemeinde 300 wohnungssuchende Menschen leben, muss dem Wohnungsbau natürlicherweise der Vorrang vor allen anderen Projekten gegeben werden. Dies wird meist nur von den Wohnungssuchenden eingesehen. Leider aber auch nur bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie ihre Wohnung in einem Neubaugebiet bezogen haben. Wohnen sie erstmal dort, so ist ihnen nichts wichtiger als der Ausbau ihrer Straße. Sie vergessen nur zu leicht, dass es noch unzählige Menschen gibt, die noch in der gleichen Situation leben, in der sie sich vor dem Einzug in die ihnen neu zugewiesenen Wohnung befanden. Die Gemeindekörperschaften sind sich durchaus bewusst, dass dort, wo neue Wohnbauten entstehen, auch Straßen angelegt werden müssen, sie wissen aber auch, dass es leichter fällt, vorübergehend auf einer provisorischen Straße zu gehen, als zusammengepfercht und menschenunwürdig zu wohnen. Trotz der notwendigen Bewältigung vieler Probleme haben sich die Gemeindekörperschaften entschlossen, im Jahre 1960 für rund 800.000 DM Straßen zu bauen. Von dieser Summe hat die Gemeinde gut zwei Drittel selbst zu tragen, und nur ein Drittel wird durch Anliegerbeiträge aufgebracht. Wenn auch die Summe sehr hoch ist, ist es dennoch klar, dass damit nicht alle Straßen ihrer Fertigstellung zugeführt werden können. Es beruhigt aber zu hören, dass doch der größte Teil des Straßennetzes davon erfasst wird und auch die noch verbleibenden Strecken in ununterbrochener Folge aufgebaut und fertig gestellt werden sollen.
Einige Straßen, wie Staufenstraße, der erste Teil der Hauptstraße, Altkönigstraße oder der Wiesenweg sind bereits ausgebaut. Im Laufe dieses Jahres sollen folgende Straßen fertiggestellt oder zumindest begonnen werden: Falkensteiner Straße, Teplitzer Straße, Verbindungsweg von Breslauer Straße bis zum neuen Baugebiet Am Schieferstein, Rosengarten, Feldbergstraße, das Reststück der Friedrich-Ebert-Straße, Gartenstraße, Jahnstraße, Breslauer Straße, Wohnweg parallel der Schwimmbadstraße, Am Eisernen Steg rund die Hälfte, das Reststück der Kelsterbacher Straße, Welschgraben, Ringstraße im Baugebiet in der Siedlung. Die restlichen noch zu erstellenden Straßen werden in unmittelbarer zeitlicher Folge an die genannten in Angriff genommen. In den genannten Straßen ist die Kanalisation bereits abgeschlossen. Von dieser Grundvoraussetzung ausgehend glauben die Gemeindekörperschaften, die wichtigsten Verkehrswege geschaffen zu haben.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 31 vom 5. August 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 5. August 1985
Eddersheimer Fischerfest 1985:
Tochter des Ehrenbürgers kommt EDDERSHEIM - Im Rahmen des vom 9. bis 11. August stattfindenden Fischerfestes gedenken die Eddersheimer des 100. Geburtstages ihres Ehrenbürgers Anton Flettner. Eine kleine Ausstellung in der Propsteistraße 10 soll an den Mann erinnern - er wurde in Eddersheim geboren und ist auch dort begraben - der in den zwanziger Jahren eine Erfindung machte, die richtungweisend für den Flugzeug-und Schifffahrtsbau sein sollte. Sogar in der heutigen Raumfahrt ist diese Erfindung integriert. Die Rede ist vom „Flettner-Rotor“ und vom ,,Flettner-Ruder“.
Der Ingenieur Anton Flettner wurde vor 100 Jahren in Eddersheim geboren. Seine Vorfahren waren Main-Schiffer. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wanderte er nach den USAaus, im Jahre 1961 verstarb er in einem New Yorker Krankenhaus. Die Tochter der Eheleute Lydia und Anton Flettner, Frau Inge Dioszemghi-Yost, wohnt heute in Garmisch-Partenkirchen. Der Vereinsring Eddersheim und die Stadt Hattersheim haben die über achtzigjährige Dame zum diesjährigen Fischerfest eingeladen. Sie wird am Sonntag, dem 11.8.1985, um 14 Uhr bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung anwesend sein. Schon am Samstag wird Frau Dioszemghi-Yost in Eddersheim eintreffen. Die Stadträte Barth und Kraus werden sie im Hotel „Zum Gotthelf“ empfangen und dann am Grab Anton Flettners auf dem Eddersheimer Friedhof zusammen mit Frau Dioszemghi-Yost ein Blumengebinde niederlegen. Anschließend geht's wieder „Zum Gotthelf“ zur offiziellen Begrüßung durch den Vereinsring. Nachdem der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel gegen 19.30 Uhr zu einem Begrüßungsständchen aufgespielt hat, wird der Reit- und Fahrverein den Gast in einer Kutsche zum alten Ortskern bringen. Dort gibt es eine Darbietung der Tanzgruppe des Seniorenclubs „Sonnenschein“. Ein Bummel durch die Altstadt wird sich anschließen.
Am Sonntag, 11.8., werden dann die Frauen der Vorsitzenden der Eddersheimer Vereine und die  Frauen der Eddersheimer Stadträte sowie die Frau es Bürgermeisters gegen 10 Uhr mit Frau Dioszemghi- Yost im Gasthaus „Zum Gotthelf“ ein „zweites Frühstück“ zu sich nehmen. Die Verantwortlichen des Vereinsringes und der Stadt Hattersheim hoffen, der Tochter des Ehrenbürgers Anton Flettner ein paar frohe und erlebnisreiche Stunden in Eddersheim bieten zu können.

Ferienspiele: WKV war zweimal dabei
Der Wander- und Kulturverein war auch 1985 mit zwei Beiträgen bei den Hattersheimer Ferienspielen vertreten. Einmal wurde mit dem Bus nach Lorsbach gefahren, um von hier aus gemeinsam die Strecke zum Kaisertempel zu erwandern. Mit rund 70 Teilnehmern war die Gruppe der Kinder beachtlich, und nach rund zweieinhalb Kilometern war die Teilnehmergruppe schon stark auseinandergezogen. Helferinnen und Helfer vom WKV, unterstützt vom DRK Hattersheim und Okriftel, mühten sich redlich um die kleine Schar. Vorsitzender Josef Mohr führte die Spitze an und musste mehrere Ruhepausen einlegen, damit der Schluss wieder aufschließen konnte. Trotz des Stimmengewirrs konnte das Schalwild beobachtet werden. Nach drei Stunden schließlich war der Kaisertempel erreicht. Die große Mühe hatte sich gelohnt: Ein herrlicher Blick über Eppstein mit seiner malerischen Burg.
Die Eppsteiner Burg war das nächste Ziel. Nach einem Imbiss (Rindswurst mit Brötchen) und der Zugabe eines guten Durststillers war die frohe Schar wieder unternehmenslustig. Der Turm der Burg, der Burgfried, musste erstürmt werden. Über 150 Treppenstufen wurden gezählt. Danach Besichtigung des Burgmuseum. Vorsitzender Mohr erwies sich hierbei als guter Kenner und gab eine ausführliche Erklärung zur Burg und ihren Schätzen. Mit dem Bus ging's wieder zurück nach Hattersheim.
Am Samstag wurde die Fahrrad-Rallye gestartet, eine Rundtour durch die drei Stadtteile. Unterwegs galt es drei Punkte anzufahren. Hier wurden Streckenpläne der Fahrtroute mit je drei Fragen ausgegeben. Wer hier der Meinung war, dass die Buben und Mädchen nicht auch schwere Fragen beantworten könnten, hatte sich geirrt. Drei Gruppen mit je drei Teilnehmern lösten neun von zwölf gestellten Fragen. Den ersten Platz belegten Melanie Krebs, Lars Westenberger und Frank Krebs. Sie konnten je eine Kachel (groß) in Empfang nehmen. Platz 2 belegten Marc Wengenroth, Oliver Adamietz und Dagmar Adamietz, ihre Auszeichnung je eine Kachel (mittlere). Schließlich Platz 3: Christoph Göpfert, Jürg Schillinger und Uwe Hütten, Auszeichnung je eine Kachel (klein). Alle Kacheln zeigten das Bild der Hattersheimer Eiche am Mühlbach. Vorsitzender Mohr dankte allen Teilnehmern fürs Mitmachen und den Helferinnen und Helfern des DRK für ihre Unterstützung.

Vor 40 Jahren
Freitag, 31. Juli 1970
Halbjahresversammlung des GVConcordia
Wie in den vergangenen Jahren, blieb es der letzten Gesangstunde des Gesangvereins Concordia 1880 Hattersheim vor den Ferien vorbehalten, die satzungsmäßige Halbjahresversammlung durchzuführen. Der am 23. Juli für 21 Uhr angesetzten Versammlung ging ab 20 Uhr eine gemeinsame Probe mit dem Männergesangverein Germania voraus, die der Einstudierung eines gemeinsam vorzutragenden Chores im Rahmen der Stadterhebungsfeierlichkeiten diente. Es war die zweite Probe beider Vereine, der noch weitere. folgen werden, obgleich schon jetzt eine weitgehende Übereinstimmung im Vortrag festzustellen ist.
Die Halbjahresversammlung wurde seitens des 1. Vorsitzenden Rudolf Anderka eröffnet, der anschließend den das erste Halbjahr umfassenden Tätigkeitsbericht erstattete. Ihm schloss sich der 2. Schriftführer Heinz Janson mit dem Protokollbericht aus der Jahreshauptversammlung, der 1. Kassierer Ivo Metz mit dem Kassenbericht und die Kassenrevisoren Lutger Wellmann und Heinrich Bingnet mit dem Prüfungsbericht an. Alle Ausführungen wurden seitens der Versammlung mit Beifall aufgenommen und einstimmig gebilligt. Die weiteren Tagesordnungspunkte hatten fast ausschließlich das Fest des Gesangvereins „Concordia“ 1880 Hattersheim am 3., 4. und 5. Oktober 1970, anlässlich seines 90jährigen Bestehens zum Thema. Seit über einem Jahr beschäftigt sich ein Ausschuss (Artur Fenrich, Heinz Janson, Georg Korn, Ivo Metz) mit der Ausgestaltung des Festes. Den Ausführungen des Vorsitzenden Artur Fenrich zufolge ist eine ausgezeichnete Vorarbeit geleistet, die nun in den verantwortlichen Gremien Organisation, Presse und Finanzen vervollkommnet wird.
Wenn auch nur drei Wochen nach der „Stadterhebung“ das eigene Vorhaben steigt, ist man voller Optimismus, die dann ersten Vereinsfeierlichkeiten in der „Stadt“ Hattersheim erfolgreich abzuschließen. Sie beginnen am 3. Oktober mit einem großen Galaabend unter Mitwirkung namhafter Künstler und
rund 10 Hattersheimer Vereinen und Verbänden im Wettstreit - analog einem bekannten Fernsehspiel - unter dem Motto „Spiel in den Grenzen“. Mit Tanz klingt der Abend aus. Am Sonntag, den 4. Oktober, haben nachmittags Freunde des Chorgesanges Gelegenheit, den Gesangsvorträgen bekannter Chöre aus Rheinland-Pfalz und Hessen zu lauschen. Nach einer Pause ist ab 20 Uhr Festtanz. Wie bei den meisten derartigen Begebenheiten, bildet ein zünftiger Frühschoppen am Montagvormittag den Abschluss. Alle Veranstaltungen werden im katholischen Pfarrheim St. Barbara arrangiert.

Vor 50 Jahren
Freitag, 5. August 1960
Fußballfest in Glanz und Regen
Hattersheim vier Tage im Banne des Sportvereins (nachfolgend einige Streiflichter aus der umfangreichen Berichterstattung zur Feier des 50jährigen Jubiläums des SVH):
Ein großes Fest liegt hinter uns. Vier Tage lang wusste der Sportverein ganz Hattersheim in seinem Bann zu halten. Vier Tage lang jagten sich die Programme im Festzelt und auf dem Sportplatz, und ganz Hattersheim war dabei. Und gerade als der sportliche Höhepunkt, das Fußballspiel zwischen Young Fellows aus Zürich und dem Fußballsportverein Frankfurt am Samstagnachmittag beginnen sollte, kam der große Regen. Es waren Wolkenbrüche, die nacheinander niedergingen. Die über 2000 Zuschauer auf dem Sportplatz stürmten ins Festzelt, aber schon auf diesem kurzen Weg wurden sie bis auf die Haut durchnässt. Ein Gewitter ließ das Zelt erschüttern. Aber dieser Situation zeigten sich die Schweizer Gäste, das „Zunftspiel der Stadtmusik Zürich“, gewachsen. Vor dem tosenden Unwetter durch die dünnen Zeltplanen geschützt, ließen sie sich unter den erschreckten und durchnässten Menschen auf Bänken und Tischen nieder, nahmen ihre Blasinstrumente zur Hand und bliesen Marsch auf Marsch. Sie ernteten reichen Beifall der so zufällig zusammengewürfelten Gäste. Und als sie den River-Quai-Marsch spielten, pfiff das ganze Zelt mit. Die Schweizer hatten die Situation gerettet. Der Regen konnte dem Glanz des Festes nichts anhaben. Auch im dicksten Regen strömten die Gäste zu den Veranstaltungen im Festzelt und füllten es wie nie zuvor.

„Wer nicht locker lässt, der gewinnt“
Nach der Festouvertüre, dem Chor der Germania mit „Die Himmel rühmen“ und dem von Christel Bauer eindrucksvoll gesprochenen Festprolog, begrüßte Festpräsident Dr. Werner Holfelder, Mitinhaber der Rhein-Main-Wellpappe, am Freitagabend die Gäste zum Kommers. Insbesondere begrüßte er den Schirmherrn, Generalkonsul Riggenbach, den Bundestagsabgeordneten Hermann Schmitt-Vockenhausen, den Gemeindevorstand von Hattersheim, Direktor Mielert von der Sarotti AG, Direktor Grünberg von der Camping Gaz, Mr. Basel von der Poppcorn, und zahlreiche weitere Vertreter der Hattersheimer Industrie und Wirtschaft, die Geistlichen beider Konfessionen, die Vertreter des Hessischen Fußballverbandes, des Landessportbundes und der Ortsvereine und befreundeter Nachbarvereine.
Die Festrede hielt Generalkonsul Riggenbach, der Ehrenbürger der Gemeinde Hattersheim. Er sagte, er sei ein großer Freund des Fußballs. Er schätze den gesunden Sport als Vermittler kraftvollen Gemeinschaftsgeistes. So sei er ein Förderer jeden gesunden und vernünftigen Sportbetriebs und aus diesem Gedanken heraus sei er immer wieder auf dem Hattersheimer Sportplatz erschienen. Nach einem Rückblick auf die letzten 50 Jahre mit ihrem Auf und Ab in der Geschichte und parallel in der Geschichte des Vereins wünschte er dem Sportverein einen Wiederaufstieg. Unter starkem Beifall rief der Festredner den Sportlern ein Sprichwort seiner Schweizer Heimat zu: „Wer nicht locker lässt, der gewinnt“.

Reden, Glückwünsche und Ehrungen
Winterstein sprach sowohl als Bürgermeister als auch als Vorsitzender des Jubelvereins. Im Namen seines Vereins dankte er der Industrie von Hattersheim für ihre Hilfe bei der Vorbereitung des Festes. Er sagte offen, dass das Fest in der großartigen Form ohne die Industrie nicht hätte aufgezogen werden können. Für die Gemeindekörperschaften von Hattersheim bekräftigte er, dass in der Rangordnung der in Hattersheim anliegenden Probleme die Jugend an erster Stelle rangiere. Die neue Schule, das Schwimmbad und der Sportplatz legten davon Zeugnis ab.
Bundestagsabgeordneter Hermann Schmitt-Vockenhausen stellte heraus, dass Hattersheim in jeder Hinsicht wachse, bevölkerungsmäßig, wirtschaftlich, politisch und geistig. Es dürfe auf sportlichem Gebiet nicht in Rückstand fallen. Hier habe der Sportverein eine große Aufgabe. Vereinsringsvorsitzender Burkhardt sprach seinen Dank für die Arbeit des Vereins an die Jugend aus. Im Namen der Ortsvereine überreichte er einen Geldbetrag und schloss daran die Worte: „Damit können wir euch für die Zukunft die Sorge um die Bälle abnehmen, nicht jedoch die Sorge mit dem Ball“. Der Vertreter des Hessischen Fußballverbandes überbrachte Ehrenplaketten des Hessischen Fußballverbandes und des Deutschen Fußballbundes. Den Ehrenbrief des Hessischen Fußballverbandes überreichte er Fritz Fischer und Bernhard Klug; die Ehrennadel Otto Mitter, Willi Postweiler, Hans Müller und Heinrich Bauer. Der Vertreter des Landessportbundes überbrachte Ehrengeschenke, für Karl Eckel, Ignatz Mitter und Bernhard Klug.

Der große Wimpel der Eintracht
Vertreter der Spvgg. Quierschied, SG Höchst, SG Kelkheim, SV Kriftel und Germania Okriftel überbrachten Glückwünsche. Die SG Eintracht Frankfurt überreichte den Großen Wimpel des vorjährigen Deutschen Fußballmeisters. Der Landrat des Main-Taunus-Kreises, der am Erscheinen verhindert war, ließ einen Pokal überbringen, die Gemeinde Hattersheim machte dem Verein ein Geldgeschenk von 500 DM. Der Verein selbst ehrte seine Jubilare, Gründer und verdiente Mitglieder mit Goldenen und Silbernen Ehrennadeln und der Jubiläumsnadel. Generalkonsul Riggenbach wurde die Goldene Ehrennadel angesteckt. Dr. Holfelder und Direktor Mielert die Goldene Jubiläumsnadel. Dem Festausschussvorsitzenden Heinz Anthony wurde ebenfalls die Ehrennadel, den Mitgliedern des engeren Ausschusses Horst Burkhardt und Hans Keller die Silbernadel überreicht.

Großer BunterAbend warganz groß
Die Verantwortlichen hatten Befürchtungen für diesen Abend. Es regnete in Strömen. Freiwillige Helfer fanden sich, die Bohlen über den Festplatz legten und den Weg zum Festzelt ermöglichten. Im Zelt selbst wurden Hobelspäne gestreut, die das Wasser aufsaugten. Die Vorstellung begann mit einer Stunde Verspätung, aber bis dahin war das Zelt bis zu den hintersten Rängen gefüllt. Die Mitwirkenden des Abends rissen das Publikum mit. Karl Otto Brocker sagte Künstler hohen Ranges an. Die Robana Girls tanzten einen Cancan, Inge Calen bezauberte mit Schlagern, der Berliner Fred Hanson war ein wirklicher Komiker von Format und Will Detta war ein meisterlicher Musikalclown. Gloria und Argos zeigten einen akrobatischen Cocktail. Schlag auf Schlag rollten die Nummern über die Bühne. Der Höhepunkt war aber gekommen als zum Schluss „Beverley und Nicholls“ auftraten. Mit Gesang, Tanz und Humor wussten diese vier englischen Künstler sich immer wieder zu steigern, und als die jüngsten Mitglieder der Truppe, ein 12- und ein 16jähriger eine Rock’n’Roll-Parodie zum Besten gaben, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Applaus unterstrich den Gesang und immer wieder mussten Zugaben gegeben werden. Als schließlich Festpräsident Dr. Holfelder den Akteuren zum Schluss Pralinen von der Sarotti AG überreichte, war ein schöner Abend vorbei, der lange in guter Erinnerung bleiben wird.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 30 vom 29. Juli 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 29. Juli 1985
SVH feiert 75-jähriges Jubiläum
Unter der Schirmherrschaft des Geschäftsführers der Deutschen Präzisions-Ventil GmbH mit Sitz in Hattersheim, Carlos Sommer, feiert der Sportverein 1910 Hattersheim vom 2. bis 11. August 1985 sein 75-jähriges Vereinsjubiläum. Sportlicher Höhepunkt wird dabei das Auftreten des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt am Dienstag, 6. August, um 18.30 Uhr im Sportpark sein, der wenige Tage vor dem Start in die neue Saison gegen die 1. Mannschaft des Jubilars seine komplette Elf einem letzten Test unterziehen möchte.
Der SVH beginnt seine Jubiläumswoche traditionsgemäß mit einer Ehrung seiner verstorbenen Mitglieder am Freitag, 2. August, um 18.30 Uhr am Ehrenmal auf dem Friedhof. Um 20 Uhr findet in der Stadthalle der festliche Kommers statt. Die Festansprache wird Festpräsident Bürgermeister Alfred Schubert halten. Die sportlichen Veranstaltungen eröffnet dann die Leichtathletikabteilung, die am Samstag, 3. August, ab 14.30 Uhr ein großes Altersklassensportfest durchführt, zu dem schon heute über 200 Meldungen vorliegen. Dem Tagesbesten winkt der vom hessischen Sozialminister gestiftete Ehrenpreis, der vom Veranstalter um eine Reihe weiterer Ehrenpreise ergänzt wird. Am Sonntag, 4. August, treffen um 16 Uhr im Sportpark im Kreispokalendspiel der Gruppenligist SG 01 Höchst und der SV07 Kriftel aufeinander. Das Interesse an diesem Endspiel ist nicht nur bei den beteiligten Mannschaften und deren Anhang groß. Der veranstaltende SVHattersheim erwartet eine große Zuschauerkulisse, die den rechten Rahmen für ein großes Spiel bieten sollte. Am Montag, 5. August, spielen ab 18 Uhr acht Reservemannschaften der näheren Umgebung um den vom Magistrat der Stadt Hattersheim gestifteten Jubiläumspokal. Daneben winken den Teilnehmern der Endrunde, die am Mittwoch, 7. August, ebenfalls ab 18 Uhr ausgetragen wird, nicht unerhebliche Geldpreise.
Der Dienstag, 6. August, steht im Zeichen des Gastspiels des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Im Vorspiel trifft zunächst ab 16.30 Uhr die A-Jugendmannschaft des SVH auf eine Elf aus dem Kleinwalsertal. Um 18.30 Uhr tritt dann die 1. Mannschaft des Jubilars gegen die Eintracht an. Wenn auch bei den Hattersheimern ein Sieg nicht einkalkuliert ist, so will und wird man dem Gast doch ein großes Spiel liefern. Ein 0:30, wie vor ein paar Jahren, wird es in Hattersheim mit Sicherheit nicht mehr geben. Den Freunden amerikanischer Militärmusik wird in der Halbzeitpause die Band der in Frankfurt stationierten III. Division aufspielen, die auch nach dem Spiel vor dem Festzelt Proben ihres Könnens zeigen wird. Am Donnerstag, 8. August, empfängt der SVH um 18.30 Uhr zu einem Freundschaftsspiel den Gruppenligisten SG Höchst. Für beide Mannschaften dient dieses Spiel der Standortbestimmung für die drei Tage später beginnende Verbandsrunde. Am Freitag findet ab 18 Uhr ein Fußballturnier von acht Mannschaften der Kreisschiedsrichtervereinigungen der Bezirke Frankfurt und Wiesbaden statt. Dem Sieger und den Platzierten winken Pokale und Ehrenpreise.
Der Samstag gehört dann den AH- und Sondermannschaften. Um 15 Uhr trifft die Sondermannschaft auf den SV Assenheim und um 16.30 Uhr empfängt die AH-Mannschaft gerngesehene Gäste aus Quierschied/Saar, mit denen die Hattersheimer seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen verbinden. Um 20 Uhr steigt dann im Innenhof des Posthofes der große Bunte Abend. Unter dem Motto „Ein Gruß aus den Bergen“ wollen Marianne & Michael, Sepp Viellechner, Gustl Eder und die Trachtenkapelle Franzl Senger Urlaubsstimmung in Hattersheims „Guter Stube“ vermitteln. Die großartige Atmosphäre des Posthofs wird sicherlich dazu beitragen, dass der Abend zu einem weiteren Höhepunkt der Jubiläumswoche des SVH wird.
Den Abschluss der Jubiläumstage bildet das erste Verbandsspiel der Saison 1985/86, in dem es zu einem Aufeinandertreffen der Nachbarvereine SV Hattersheim und FC Lorsbach kommt. Anschließend wird das Fest im Festzelt ausklingen.

Vor 40 Jahren
Freitag, 31. Juli 1970
60 Jahre Sportverein Hattersheim
Auf eine nun 60-jährige Tradition kann der Sportverein Hattersheim in diesen Tagen zurückblicken. Dass diese Zeit nicht immer nur gute Tage für den Verein gebracht hat, versteht sich im Sport von allein. Dass jedoch gerade im Jahre des 60-jährigen Vereinsjubiläums der Sportverein von der Bezirksklasse absteigen und im kommenden Jahr in der AKlasse Main-Taunus spielen muss, ist für den Hattersheimer Sport wenig erfreulich.
Dies ist für die Verantwortlichen jedoch kein Anlass zu resignieren. Das zeigten die Vorstandswahlen vor einigen Tagen, wo bis auf wenige Ausnahmen die bisherigen Vorstandsmitglieder in ihrem Amt bestätigt wurden, sowie der Mut, trotz rückläufiger Zuschauerzahlen, der für die Zeit des Jubiläums von der Gemeinde an der Sportanlage vorgesehenen Bauarbeiten und des zeitlich kurzen Abstands zu den Feierlichkeiten der Stadterhebung für das Jubiläum eine Sportwerbewoche zusammenzustellen, die zahlreiche Überraschungen für die sportbegeisterten Hattersheimer bringen wird. Das unter der Leitung des Festausschussvorsitzenden Harald Reppermund zusammengestellte Programm verspricht einiges, wobei weder die Freunde des Fußballs noch die, welche auch anderen Sportarten zugetan sind, zu kurz kommen.
Den Auftakt zum Vereinsjubiläum bildet traditionsgemäß der Festkommers, in dessen Rahmen Ehrungen verdienter Mitglieder durch den Verein, den Hessischen Fußballverband und den Hessischen Leichtathletikverband vorgesehen sind. Das Programm wird musikalisch umrahmt vom Gesangverein „Germania“. Die Festansprache wird der Direktor des Hessischen Städtebundes und Mitglied des Landessportbeirates, Horst Winterstein, halten. Den Beginn der Sportwerbewoche wird am 12. August um 18.30 Uhr das Spiel einer Bezirksauswahl gegen die Regionalligamannschaft aus Rüsselsheim bilden. Für das Vorspiel wurde die D1-Schülermannschaft der Frankfurter Eintracht gegen die D l des Jubilars verpflichtet. Eine besondere Überraschung erwartet die Besucher des Spiels in der Pause, in der die neu gegründete Damenmannschaft gegen die SG Westend ihr Debüt am Mühlbach geben wird. Der Trainingseifer, mit dem sich die Damen seit Wochen auf dieses Match vorbereiten, lässt guten Sport erwarten.
Ein Sport-Pressefest veranstaltet der Sportverein am Freitag, 14. August 1970, um 19.30 Uhr in der Sporthalle am Karl-Eckel-Weg und bietet in einem breiten Fächer neben den in Hattersheim angebotenen Sportarten auch einige Leckerbissen, die sich neu vorstellen. So wird neben der bekannten Heusenstammer Kunstturnriege eine Trampolingruppe Kostproben ihres Könnens geben. Eine Überraschung mehr bildet das Erscheinen einer Gruppe von Karate- und Judokämpfern. Prominente aus Industrie, Politik und Sport werden sich anschließend an der Fernsehtorwand messen. Höhepunkt dürfte ein Fußballspiel zweier Altherrenmannschaften des 1. FC Kaiserslautern und der Frankfurter Eintracht bilden, die außer Fritz Walter alle bekannten Spieler der zurückliegenden Zeiten aufbieten wollen. Danach wird der Jugend-Europameister im Einer-Kunstfahren, Udo Nink, sein Leistungsvermögen zeigen. Abschluss bildet ein Spiel der Bundesliga-Volleyballmannschaft des OSC Höchst.
Am Samstag ab 14 Uhr und am Sonntag ab 8.30 haben die Sportfreunde Gelegenheit, das Angebot der Altherren- und Jugendmannschaften des Sportvereins in Turnieren mit namhaften Gegnern zu bewundern. Die ausgesetzten Preise gewährleisten,
dass die Turniersiege heftig umkämpft sein werden. Den Abschluss der Sportwerbewoche wird ein Spiel des Sportvereins in stärkster Besetzung gegen den FSV Frankfurt bilden. Zuvor kreuzen die C 1-Schülermannscbaft des Veranstalters und der C l des FSV Frankfurt die Klingen. In der Halbzeit des Hauptspiels wird sich die Leichtathletikabteilung des SVH in einer 4x100-Meter-Staffel vorstellen.
Im Kreise der Verantwortlichen bedauert man. dass man durch die Fußballweltmeisterschaft und die Sommerferien auf diesen Termin gedrängt worden ist, was durch die Bauarbeiten der Gemeinde im Hinblick auf die Stadterhebungsfeier weiter beeinträchtigt wurde. Es wurde aus diesem Grunde verständlicherweise darauf verzichtet, das finanzielle Risiko durch die Verpflichtung einer Bundesliga-Mannschaft als Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten zu verstärken. So wurden die kurz vor dem Abschluss stehenden Verhandlungen kurzfristig wieder abgebrochen. Das vorgelegte Programm zum Vereinsjubiläum sollte hierfür entschädigen

Vor 50 Jahren
Samstag, 23. Juli 1960
Der Bürgermeister war dagegen
In gut einer Woche werden Tausende von Zuschauern den Hattersheimer Sportplatz umsäumen. Ein mustergültiger Rasenteppich wird zu ihren Füßen liegen. Unter Beifall werden namhafte Mannschaften, wie der Fußballsportverein Frankfurt, die Young Fellows Zürich, die Amateure der Frankfurter Eintracht und so namhafte Amateurmannschaften wie Preußen Frankfurt, SG Kelkheim und Spvgg. Quierschied (Saar) und die heimische Elf einlaufen, und sie werden hinreißende Spiele liefern. Ein rechtes Fußballfest steht bevor: 50 Jahre Sportverein Hattersheim. Aber was mögen die noch lebenden Gründer dieses Vereins an diesem Fest denken, die einst den Fußball in Hattersheim heimisch machten? Wie war es doch so anders vor 50 Jahren. Mag heute Hattersheim fortschrittlich und allen Neuerungen aufgeschlossen sein. Vor 50 Jahren standen die Hattersheimer dem Neuen fremd gegenüber. Sie waren äußerst konservativ.
Um die Jahrhundertwende kam das Fußballspiel in Deutschland auf. Von England war es auf den Kontinent gebracht worden. Zunächst spielte man es in den Städten. Aber bald flog der Ball auch auf den Dorfwiesen. Es war kein Siegeszug ohne Widerstand. Die Turner, die damals die allein volkstümliche Sportart betrieben, hatten sich schon Urväterrechte erworben. Sie sahen im Fußballspielen keinen vollwertigen Sport. Es war für sie befremdend, dass hier Sport um des Sportes willen getrieben wurde. Die Turnbewegung war ganz mit dem Vaterlandsgedanken verknüpft. Turnen als Turnen schlechthin gab es nicht - es gab nur „Deutsches Turnen“.  Und nun liefen Jugendliche, aber auch erwachsene Menschen, einem Ball nach, um ein Spiel zu gewinnen oder zu verlieren, ohne über das rein Sportliche hinaus damit Ideale zu verbinden. Es dauerte Jahrzehnte, bis Turner und Fußballer zu gutem Einvernehmen kamen, bis sie erkannten, dass sie letztlich an einem Strange zogen.
Die Entwicklung in Hattersheim könnte für die Frühgeschichte des deutschen Fußballsports stehen, so kennzeichnend ist ihr Verlauf. 1910 wurde der Fußballklub „Amicitia“ im Gasthaus „Zum Hirsch“ gegründet. Die Gründer waren durchwegs unter 20. Sie gingen ohne Befangenheit an die Sache. Zunächst sammelten sie Geld, um einen Ball zu kaufen. Damit kickten sie untereinander auf einer Wiese. Sie legten die Groschen zusammen, um Sportkleidung und Fußballtore zu kaufen. Als sie etwa 150 Mark, nach damaligen Verhältnissen eine Stange Geld, zusammen hatten, war der Kassierer mit der Kasse verschwunden. Er war von der Großstadt gekommen. Da er gut Fußball spielen konnte, hatten ihm die jungen Männer auch die Vereinskasse anvertraut. Es herrschte große Schadenfreude bei den Gegnern des Fußballs über den Reinfall des „Bubenvereins“. Bubenverein hieß der Sportklub deshalb, weil seine Mitglieder durchweg jung waren.
Da der junge Verein mit einem Wettspiel vor die Öffentlichkeit treten wollte, bemühte er sich um einen Platz. Der Turnverein wollte seinen Platz hinter der Kronberger Mühle nicht zur Verfügung stellen.
Erst nach langwierigen Verhandlungen durften die Fußballer ihn zeitweilig benutzen Aber auch die Obrigkeit war gegen sie; die Polizei vertrieb die Spieler einmal vom Platz. Der damalige Bürgermeister Kessler drohte an, dass auswärtige Fußballspieler, die nach Hattersheim kämen, „um den Grasboden zu zertrampeln“, mit Strafmandaten belegt würden. Der Bürgermeister verbot die Benutzung des Platzes hinter der Kronberger Mühle durch die Fußballer. Der Sportclub „Amicitia“ sprach dann beim Landrat in Höchst vor und erbat dessen Unterstützung. Dieser intervenierte bei Kessler, und erst jetzt durfte auch mit behördlicher Genehmigung Fußball gespielt werden.
Aber auch die Bevölkerung war gegen den neuen Sport. Man empörte sich über die „Halbnackten“ und über die „Wilden mit den nackten Knien“. In weiten Kreisen war die Sittlichkeit gefährdet. In Spielkleidung konnte kein Spieler durch die Straßen gehen. Selbst wenn sie sich mit Mänteln und Jacken bedeckten, wurden sie argwöhnisch durch die Gardinen beobachtet. Eine Frau, die etwas auf sich hielt, durfte sich nicht auf dem Sportplatz blicken lassen. Von der Kanzel wurde gegen den ungesunden Fußballsport, gegen das rohe Spiel und gegen die Verwahrlosung gepredigt.
1911 feierte der Sportklub sein einjähriges Bestehen. Er führte aus diesem Anlass einen „Nationalen Wettstreit“ durch, an dem sich zahlreiche Vereine aus der Umgebung beteiligten. Es wurde ein Turnier mit Sechsermannschaften ausgetragen, das heißt, jede Mannschaft hatte sechs Spieler zur Verfügung. Jedoch spielte man auf normal großem Feld. Die Mannschaften zogen am Pfingstsonntag in aller Frühe auf den Platz. Als sie draußen ankamen, mussten sie feststellen, dass in der Nacht die Tore abgesägt und umgelegt waren. Erst nachdem die Tore neu errichtet waren, begann das Turnier. Es stellte sich heraus, dass der Übeltäter ein Mitglied des Turnvereins war. Die Fußballer rächten sich, indem sie alsbald den Turnmast des Turnvereins absägten. Damals hätte sicher keiner geglaubt, dass Turner und Fußballer noch zu einem guten Verhältnis, wie es heute steht, kommen würden.
Mit Anbruch des Weltkriegs wurde der Spielbetrieb der „Amicitia“ eingestellt. Aber schon 1916 kam es zu einer Neugründung. Junge Männer, kaum 17-jährig, gründeten den Sportverein 1916. Die beiden Vereine schlossen sich 1919 zusammen. Es wurden dann meist Pokalturniere in Sechserspielen ausgetragen. Hattersheim bekam den Ruf eines „Pokalmarders“, so erfolgreich war es. Diese Turniere hatten einen besonderen Stil: Eine Musikkapelle auf einem großen Bauernwagen fuhr auf dem Sportplatz vor und musizierte. Auf dem Wagen nahmen auch die Honoratioren des Vereins in Frack und Zylinder Platz, die dann später auch die Preise verteilten. Jeder Verein hielt es sich zur Ehre, jährlich ein Turnier durchzuführen. Das war immer der Höhepunkt der Saison.
Schon früher versuchten die Vereine gute Spieler an sich zu ziehen. Die Verbandssatzungen waren streng, aber die Vereine setzten sich gerne darüber hinweg. So kam es oft vor, dass ein Spieler über das Wochenende für drei Vereine spielte, und zwar samstags nachmittags für den ersten, sonntags vormittags für den zweiten und nachmittags für den dritten! Einen anderen Trick, die fehlende Spielberechtigung zu umgehen, hatten sich die Hattersheimer in den zwanziger Jahren ausgedacht. Sie ließen für den Spieler Willi Fürst einen Paß unter den Namen Weil anfertigen und Fürst klebte sich beim Spielen einen Schnurrbart unter die Nase. Doch platzte die Sache eines Tages; ein Schiedsrichter erkannte Fürst trotz des Bartes. Der Verein wurde bestraft, doch war die Freude über diesen Streich des Willi Fürst groß.
Im Übrigen spielte der Sportverein lange Zeit auf einem Sportplatz in der Albanstraße. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges musste dieser Platz aufgegeben werden. Nach dem Krieg wurde der Platz am Mühlweg zur Verfügung gestellt, aus dem im Laufe der Zeit eine mustergültige Sportstätte wurde. Allein der Rahmen, den dieser Platz für das Fest des Sportvereins hergibt, wird die Fußballer von früher, soweit sie noch leben, mit Stolz erfüllen. Denn sie waren die Pioniere, auf deren Arbeit und Begeisterung der Hattersheimer Fußball sich aufbaute.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 29 vom 22. Juli 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 18. Juli 1985
Unsere Stadt erhält Heim und Arbeitsstätte für Behinderte
HATTERSHEIM (wr) - In der letzten Stadtverordnetensitzung vor der Sommerpause wurde der Entwurf eines Bebauungsplans einmütig gebilligt, der nahe der Gesamtschule an der Dürerstraße (Fluren 16 und 21) den Bau einer Behinderteneinrichtung der Inneren Mission ermöglicht. Das Gelände stammt aus dem Besitz der alteingessenen Hattersheimer Bauernfamilie Schlocker. Johanna Schlocker, verstorben im Jahr 1967, hat ein Testament hinterlassen, das einen Teil ihres Grundbesitzes dem gemeinnützigen Evangelischen Verein für Innere Mission (Wiesbaden) und der Ebinger Stiftung (Frankfurt) zuführt und zwar zweckbestimmt für eine Behinderteneinrichtung.
Wir hatten kürzlich Gelegenheit, mit Pfarrer Werner Pfeiffer (Wiesbaden) ein Gespräch zu führen, der bei der Inneren Mission für Bauprojekte zuständig ist. „Wir sind mit der Bauplanung noch ganz am Anfang“, sagte uns der Pfarrer. Beauftragt mit der Planung ist das Architektenbüro Nöll und Metzger in Seeheim-Jugenheim. Pfarrer Pfeiffer betonte jedoch, dass das Projekt zur schnellstmöglichen Verwirklichung vorgesehen ist. Das Projekt werde auch vom Hessischen Sozialministerium sowie vom Landeswohlfahrtverband unterstützt. „Wenn alles gut geht, können wir im nächsten Frühjahr beginnen“.

Einspruch vom BUND
Nachdem der Bebauungsplan genehmigt wurde, ist man wieder ein Stück weitergekommen. Einsprüche gegen den Bebauungsplan hatte lediglich der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) erhoben, der zwar ausdrücklich feststellte, dass er nichts gegen eine Behinderteneinrichtung habe, dass er sich jedoch gegen eine Bebauung dieser bisher nur landwirtschaftlich genutzten Fläche wende, weil die Änderung des Flächennutzungsplans als „Sprungbrett“ dienen könne für eine spätere Bebauung dieses Gebiets. Der Einwand wurde vom Magistrat zurückgewiesen. Möglicherweise denken die Umweltschützer dabei auch an den Bau der geplanten Westtangente, die hinter dem projektierten Behindertenzentrum (am Ortsrand in Richtung Weilbach) vorbeilaufen würde.
In der Magistratsvorlage wird festgestellt, dass für das betreffende Gebiet ein Bebauungsplan noch nicht vorliegt. Im Zuge des Offenlegungsverfahrens des Flächennutzungsplan-Entwurfs wurde bereits angeregt, nördlich der Gesamtschule eine Gemeinbedarfsfläche „Behinderteneinrichtung“ auszuweisen. Da für die Gesamtschule eine Erweiterung gegenwärtig nicht vorgesehen ist, biete es sich an, einen Austausch der Gemeinbedarfsflächen zugunsten der Behinderteneinrichtung vorzunehmen, ohne die Flächenbilanz wesentlich zu verändern. Die Gesamtfläche beläuft sich auf 27.279 qm. Nach den bisherigen Planungen sollen davon entfallen auf Wohnflächen 3250 qm, auf Flächen für Wirtschafts- und Nebengebäude 2395 qm und auf Gewächshausflächen rund 2730 qm.

Ein Glücksfall
Wie uns Pfarrer Pfeifer erläuterte, sind in Hattersheim für die geistig Behinderten vorwiegend Arbeitsplätze im gärtnerischen Bereich vorgesehen.  Gerade diese besitzen auch therapeutisch einen hohen Stellenwert. Die meisten Behinderten, die dann hier arbeiten, werden auch hier wohnen. „An Wohnung Arbeitsplätzen für Behinderte besteht ein Bedarf. Wir haben das untersucht“, sagt Pfeiffer. In unserer Nähe gibt es bisher solche Einrichtungen in Höchst, Hochheim und Rüsselsheim. Man werde mit den Trägern der anderen Einrichtungen das Hattersheimer Projekt absprechen. Das Schlocker-Erbe stelle für die Behinderten einen Glücksfall dar, weil das Gelände geradezu ideal gelegen sei. Pfeiffer erläuterte, dass es wichtig sei, eine solche Einrichtung nicht allzu weit vom Ortskern entfernt zu etablieren, weil Kontakte mit der Einwohnerschaft erwünscht sind. Man möchte die Behinderten nicht isolieren. Von ihnen würden auch keinerlei Gefahren für die Nichtbehinderten ausgehen. „In der Regel handelt es sich um stille und friedfertige Menschen“, sagte der Pfarrer. Sie sollen eingebunden sein in den normalen Lebensraum. Es gebe Mustereinrichtungen und man wisse von ähnlichen Einrichtungen, dass es keine Schwierigkeiten gebe. Im Gegenteil biete eine solche Einrichtung auch den Nichtbehinderten manche Chancen. Auch Jugendliche könnten im Umgang mit Behinderten eine sinnvolle Aufgabe finden.
Das Projekt werde voraussichtlich in mehreren Abschnitten verwirklicht. Als Endkapazität seien 120 Plätze für Behinderte vorgesehen. Neben der Gärtnerei soll es auch Werkstätten geben für handwerkliche Arbeiten verschiedenster Art. Gedacht ist auch an leichte Montagearbeiten für Industrie und Gewerbe. Pfarrer Pfeiffer betonte, dass man bisher mit dem Magistrat und dem städtischen Bauamt gut zusammengearbeitet habe und dass die Innere Mission dankbar sei für die Unterstützung, die sie hier gefunden habe.
Dies ist das Gelände zwischen Mainzer Landstraße und Gesamtschule (im Hintergrund zu sehen), wo das Behindertenzentrum errichtet werden soll (Foto aus dem Jahre 1985).

Samstag, 27. Juli 1985
Das waren Ferienspiele!
HATTERSHEIM - Denksport, körperlich ertüchtigender Sport, visuelle Erlebnisse und viel Eigeninitiative. Das alles wurde geboten. Ein großes Lob an die Vereine, die wirklich alles getan haben, was sie konnten. Angefangen beim Ski- und Paddelclub, der ein nicht alltägliches Kanuslalom-Training anbot, über den Schachclub, bei dem man sein Bauerndiplom (hat nichts mit Landwirtschaft zu tun) machen konnte, bis zum TVHattersheim, bei dem man Kinderjudo lernen konnte.
Natürlich trug auch die Stadt viel zum Zeitvertreib bei. Eine Busfahrt zum Steinauer Marionettentheater und zum Thalhof-Freizeit- und Naturpark sowie die schon immer anziehende Fahrt zu den Karl-
May-Festspielen in Elspe im Sauerland. Diesmal war „Winnetou 2“ hautnah mitzuerleben. Wie auch in den Jahren zuvor war der kostenlose Besuch in unserer städtischen Badeanstalt im Ferienspielprogramm eingeschlossen. Insgesamt stellten sich 14 Vereine aus allen drei Stadtteilen zu den diesjährigen Ferienspielen zur Verfügung. Sie alle machten, wie schon erwähnt, ihre Sache großartig. Am Wochenende klingen die Ferienspiele allmählich aus: Es findet noch ein Schachturnier im Posthof statt. Vor dem großen Abschlussfest am Samstag findet noch eine interessante Fahrradrallye statt. Mit Sicherheit ein schöner Ansporn für alle Gelenkigen, Radgewandten unter den 6- bis 14-Jährigen. Treffpunkt ist der Abenteuerspielplatz in Okriftel um 15 Uhr. Veranstaltet wird die Fahrradrallye vom WKV Hattersheim. Der Abenteuerspielplatz ist dann wieder Ort des großen Abschlussfestes mit einem Hüttenfest, mehreren tollen Spielen und natürlich viel Musik. Anwesend werden die Feuerwehren aus den Stadtteilen, die Vereine und sowohl die Betreuer als auch die Hüttenstadterbauer sein. Insgesamt kann man die Ferienspiele als vollen Erfolg werten, insofern mehr Teilnehmer als in den letzten Jahren gezählt werden konnten.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 21. Juli 1970
UnserHausarzt berät Sie Urlaubssünden gegen die Gesundheit
Urlaub - das ist für viele Leute die Fortsetzung von Arbeit, Hast und Unruhe mit anderen Mitteln und auf freiwilliger Basis. Jedes Jahr im Sommer mahnen die Ärzte eindringlich zu einem „vernünftigen“ Urlaub. Von den vielen Sünden, die in dieser Zeit gegen Körper und Gesundheit begangen werden, wollen wir hier die wirklich gravierenden aufzählen. Im Grunde genommen gibt es gar keine verbindlichen Urlaubsregeln. Jeder Mensch lebt unter anderen Voraussetzungen und Umweltbedingungen. Eines freilich gilt für alle: Veränderung in jeder Hinsicht ist eine wichtige Voraussetzung für Entspannung und Erholung. Deshalb kann man auch nicht prinzipiell sagen, Hast und Unruhe seien Gift im Urlaub. Für einen Einsiedler, der jahraus, jahrein in guter Luft und stiller Abgeschiedenheit lebt, wird die Betriebsamkeit und geschäftige Atmosphäre einer Großstadt wohl eine anregende Abwechslung und damit auch die richtige Erholung von seiner üblichen Lebensweise sein. Natürlich wird man diesen Fall als Ausnahme bezeichnen dürfen. So unterschiedlich das Leben der Menschen auch verläuft, Hast und Unruhe sind dennoch gemeinsame Bedingungen für die meisten Zeitgenossen; für sie bedeutet deshalb Veränderung auf jeden Fall Ruhe und eine gemächlichere Lebensweise im Urlaub.
Die Erholung sollte eigentlich schon vor dem Urlaub beginnen. Wer seinen Organismus bereits zwei oder drei Wochen vor Reiseantritt durch leichte, vitaminreiche Ernährung - im Sommer benötigen wir weniger Kalorien als im Winter - ausgedehnte Spaziergänge, Schwimmen und ausreichenden Schlaf für die Ferien vorbereitet, kann den eigentlichen Urlaub dadurch verlängern. Normalerweise dauert es nämlich bis zu einer Woche, bevor sich der Körper an die neue Umgebung angepasst hat; Akklimatisation nennen es die Ärzte. Das ist übrigens auch der Hauptgrund dafür, dass ein richtiger Erholungsurlaub mindestens drei Wochen lang sein muss; was darunter liegt, ist bestenfalls eine „verlängerte Freizeit“ und für eine wirkliche gesundheitliche Festigung wertlos.
Ein vernünftiger Urlaub beginnt also schon zwei Wochen vorher mit körperlichen und seelischen Anpassungsübungen. Falsch und gefährlich ist es dagegen, den Urlaubsbeginn auf die Ankunft im Ferienort zu verschieben. Viele Leute tun das, für sie ist die Anfahrt im Auto über Hunderte, ja Tausende von Kilometern noch eine Arbeit, die sie im gewohnten Tempo absolvieren. Mit Kopfweh, jagendem Puls und flatternden Nerven bahnen sie sich hupend ihren Weg auf überfüllten Straßen. Das ist keine „Urlaubsreise“ mehr, sondern eine nervenzerfetzende Sport-Rallye. Der Unterschied ist vor allem der: Am Steuer sitzen Nicht-Sportler. Die meisten Urlauber aus Mitteleuropa sind von ihrem heimatlichen Klima nicht gerade verwöhnt; allzu verständlich, dass sie sich mit ihrem ersparten Urlaubsbudget vor allem Sonne und Wärme kaufen wollen. Leider ist das indes nicht immer gleichzusetzen mit Erholung. Die sengende, unbarmherzige Sonne Südeuropas und Nordafrikas ist für die Einheimischen eine Bedrohung, der sie aus dem Wege gehen. Die Touristen geben sich ihr oft barhäuptig und ungeschützt hin - und werden gesundheitlich geschädigt.
Industrie-Unternehmen stiftet Amtskette Im Zusammenhang mit dem Beschluss der Gemeindevertretung zur Stiftung eines Goldenen Buches aus Anlass der Stadterhebung im September dieses Jahres stimmte die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung der Schaffung einer Amtskette für den Bürgermeister der Gemeinde Hattersheim zu. Die Amtskette wurde von einem Hattersheimer Industrieunternehmen gestiftet und wird zur Zeit von einer führenden Goldschmiedeanstalt angefertigt. Der zeichnerische Entwurf dieser Amtskette lag dem Finanzausschuss in seiner letzten Sitzung vor und hat die volle Zustimmung des Ausschusses gefunden. Die Amtskette soll dem Bürgermeister im Rahmen des Festaktes zur Stadterhebung am 11. September überreicht werden.

Vor 50 Jahren
Freitag, 24. Juli 1960
Die 40-Stunden-Woche
ist für fast 4 Millionen Männer und Frauen in der Metallindustrie tarifvertraglich vereinbart, und zwar ohne Einbußen an Lohn und Gehalt. Eine der führenden deutschen Zeitungen, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung", erklärte dazu: „Tatsächlich kommt dieser Vertrag in seiner Bedeutung der Einführung des 8-Stunden-Tages oder der Abschaffung der Kinderarbeit gleich.“ Führende Politiker, Ärzte, Seelsorger, internationale Gewerkschaftsführer beurteilen das Abkommen als eine bahnbrechende Tat im Interesse der Volksgesundheit und des sozialen und gesellschaftlichen Fortschritts. Es war ein langer Weg von der unbeschränkten Dauer des Arbeitstages über die 16-, 14- und 12-stündige tägliche Arbeitszeit bis zum 8-Stunden-Tag und von diesem zu dem obengenannten Vertrag. Die IG Metall ist stolz darauf, dass es ihr gelungen ist, mit ihrem Tarifkontrahenten in freier Vereinbarung die Einigung über die Einführung der 40-Stunden-Woche zu erzielen.
Die vereinbarte stufenweise Verkürzung der Arbeitszeit gibt auch der Industrie Gelegenheit für notwendige Umstellungen und Anpassungen. Die geschichtlichen Erfahrungen beweisen, dass alle Arbeitszeitverkürzungen in den modernen Industrieländern dem technischen Fortschritt neue Impulse gegeben haben.
Je kürzer die Arbeitszeit, um so mehr Muße hat aber auch der arbeitende Mensch, um sich zu bilden und an den Kulturwerten der Menschheit teilzuhaben. Das ist unser Ziel.
(Anzeige IG Metall)

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 28 vom 15. Juli 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 11. Juli 1985
Schmidt: „Bleibt mit der Schule in Kontakt“
Den Appell, auch künftig mit der Schule in Kontakt zu bleiben, richtete Schulleiter Edgar Schmidt am Dienstag an die Schulabgänger der Gesamtschule bei der Entlassungsfeier, die auch in diesem Jahr wieder in der Stadthalle ausgerichtet wurde. Schmidt gab seiner Freude Ausdruck, dass neben den Mitgliedern des Lehrerkollegiums sowie den Schülern auch eine ansehnliche Zahl von Eltern zu der Feier erschienen waren. „Wir führen die Feier für jeden zugänglich in der Stadthalle durch, weil wir damit dokumentieren wollen, dass die Schule ein Teil der Gemeinde ist“, sagte Schmidt. Er wies auf das internationale Jahr der Jugend hin und erwähnte die Tatsache, dass gerade in diesem Jahr ein Teil der Schulabgänger noch ohne Ausbildungsplatz ist. Er ermahnte die Schüler, sich gegenseitig zu helfen und auch künftig Kontakt zu ihren Lehrern zu halten. Es seien Menschen, die sich um die persönlichen Sorgen und Probleme der Schüler bemühten. Es habe in den Jahren der Schulzeit manchmal Auseinandersetzungen gegeben, aber es sei auch oft genug Anlass gewesen „Anerkennenswertes zu vergelten“. Dringend ermahnte er auch die Schüler, bei allen künftigen Schritten ihre Eltern ins Kalkül zu ziehen: „Lasst die Brücke zum Elternhaus nie abbrechen.“
Schmidt dankte auch den Klassenlehrerinnen und -lehrern, denen er die Zeugnisse zur Weitergabe überreichte. Zwei Musikgruppen umrahmten die Feierstunde. Ein Teil der von der Gesamtschule entlassenen Schüler wird den Weg zur Gymnasialen Oberstufe oder zu einer Fachschule einschlagen. Direktor Schmidt lobte besonders „das muntere Völkchen“ aus den drei Hauptschulklassen, das sich gut behauptet habe, daneben bat er um Verständnis für jene, die ihre Schulpflicht mit dem Schuljahresende abgegolten haben und die Schule verlassen, ohne einen Abschluss erreicht zu haben. Darunter seien Ausländer, die es hier besonders schwer hatten. Er dankte jenen Lehrern, die sich um die Weiterbildung der Ausländerkinder verdient gemacht haben.
Im Foyer der Stadthalle war am Montag und Dienstag eine Ausstellung mit Schülerarbeiten aufgebaut worden, die in sogenannten Wahlpflichtkursen entstanden sind. Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem Wahlpflichtkurs Druckgrafik zum vorgegebenen Thema „Daphne wird zum Lorbeerbaum“, wurde gefertigt von Hani Hwang. Gießkeramik stellte Lehrerin Steyer vor, Beispiele aus dem Fach Geometrisches Zeichnen Lehrer Büß. Lehrerin Arnold hatte sich mit einer 8. Klasse im Rahmen der Projektwoche das Thema gewählt „Unsere Heimat vor 100 Jahren“, wozu interessante Ausstellungsstücke gezeigt wurden. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen Arbeiten aus dem Wahlpflichtunterricht Digitalelektronik, den Rektor Gerhard Spengler leitete. Er war gedacht als eine Ergänzung des Physikunterrichtes für Schüler, die sich für elektronische Schaltungen interessieren. Inhalt des Wahlpflichtkurses war die Herstellung einfacher Schaltungen mit Dioden und Transistoren, wie bei Codiergeräten, Feuchtigkeitsmessern, astabilen Multivibratoren und bistabilen Kippstufen (Flip-Flop). Danach lernten die Schüler den entsprechenden integrierten Schaltkreis kennen und bauten mit ihm einen Zähler mit einer Siebensegmentanzeige. Mit Hilfe der erworbenen Kenntnisse lernten sie die Funktionsweisen von Uhren (digitale Stoppuhr, Uhr mit 24-Stunden-Anzeige) und des Frequenzmessers kennen. Für die Schüler des Wahlpflichtkurses Digitalelektronik ist am Ende des Schuljahres ein Computer keine „Black Box“ mehr. Sie haben die Hauptteile eines Computers, nämlich die Speicher, den Rechner und die Steuerung nicht nur kennengelernt, sondern in einer Grundform selbst gebaut. Zum Bau der Geräte hatten die Schüler den Großteil der Kosten für Material und Bausteine selbst zu tragen. Dank einer Elternspende konnten Kleinbohrmaschinen angeschafft werden, ohne die man nicht auskommen kann. Schließlich waren auch gute Messgerätenötig. „Unsere Schüler bringen den Betrag gerne auf, weil sie praktisch tätig sein wollen und sich dabei auf einem Gebiet Grundkenntnisse aneignen, das heute für Wirtschaft und Technik eine bedeutende Rolle spielt“, sagte uns Gerhard Spengler, der auch darauf hinwies, dass er oft staunte, wie die Schüler alles packten. „Oft haben sie mehr geschafft und höhere Ansprüche an sich selbst gestellt, als ich von ihnen erwartete“, sagte er und gab seiner Freude darüber Ausdruck, „dass wir auch in Hattersheim eine ganze Reihe sehr tüchtiger Jugendlicher haben“.

Künftig mehr Privatschulen?
MAIN-TAUNUS-KREIS (wr) - CDU-Kreisvorsitzender Roland Koch zeigte sich verbittert über den Beschluss des Landtags, in Hessen die Förderstufe flächendeckend einzuführen. Mit dieser Entscheidung von SPD und Grünen würde Hessen auf ein pädagogisch fragwürdiges System festgelegt, zu dem die Kinder „zwangsweise verurteilt“ würden. Mit dem von SPD und Grünen beschlossenen System würden sowohl leistungsschwache Kinder überlastet als auch besonders leistungsstarke nicht ausreichend gefördert. Als besonders katastrophal bezeichnete Koch die Entscheidung des Landtags, alle Kinder gemeinsam bis zur 6. Klasse in einem undifferenzierten Deutschunterricht zu unterrichten und die Festlegung auf Englisch als Regelfremdsprache ohne ausreichend Ausweichmöglichkeiten auf andere Fremdsprachen. Der CDU-Kreisvorsitzende wies daraufhin, dass durch die Entscheidung des Landtags vielen Eltern, die bis zum heutigen Tag ihre Verantwortung dahingehend wahrnehmen konnten, dass sie ihren Kindern einen Platz in einer Schule des gegliederten Schulwesens suchen konnten, jede Möglichkeit dieser Art genommen hat. Die einzige Konsequenz dieses Beschlusses der Landesregierung könne sein, dass die Eltern, die bisher solche Entscheidung getroffen hätten, nunmehr verstärkt private Schulangebote wahrnehmen. Das Gesetz lasse die Möglichkeit zu, dass an Privatschulen der Unterricht nach wie vor ohne Förderstufe erteilt werde.
Auf heftige Kritik stießen die Ausführungen des CDU-Kreisvorsitzenden Koch beim Deutschen Gewerkschaftsbund. In einer Schaffung zusätzlicher Privatschulen sieht der DGB-Kreisverband eine „Förderung von einigen Privaten und Privilegierten zu Lasten der breiten Bevölkerungsschicht“. In einer Erklärung der SPD-Kreistagsfraktion wird darauf hingewiesen, dass sich durch das neue Gesetz im Main-Taunus-Kreis gar nichts ändere, sondern lediglich für andere Landkreise und Städte. Die Förderstufe sei bei uns schon lange bewährte Regel. Tausende von Kindern hätten sie mit Erfolg durchlaufen. Die SPD wirft der CDU vor, dass sie nun ausgerechnet dieses Abschlussgesetz dazu nutzt, um für Wirbel in der schulpolitischen Landschaft des Main-Taunus-Kreises zu sorgen, indem sie die Gründung von Privatschulen fordert. (Auszug aus der Berichterstattung.)

Vor 40 Jahren
Dienstag, 14. Juli 1970
Entlassungsfeier in derVolksschule
Am Freitagabend fand im evangelischen Gemeindesaal die Entlassungsfeier der Schülerinnen und Schüler des 9. Schuljahres unserer Volksschule statt. Klaus Fahrner, der Klassensprecher der Abschlussklasse, begrüßte die Anwesenden, insbesondere Bürgermeister Norbert Winterstein, Pfarrer Hanstein, Rektor Stehle und die Lehrer. Er umriss
den Leidensweg eines geplagten Schülers vom Eintritt in die Schule mit der Zuckertüte bis zu dem Tag, an dem es heißt: Heute gibt es Abschlusszeugnisse.
Er zeigte aber auch viel Verständnis für die geplagten Lehrer und Lehrerinnen und vermittelte Worte des Dankes aller Schülerinnen und Schüler.
Bürgermeister Winterstein nahm die Gelegenheit wahr, den Gruß des Gemeindevorstands und der Bürger zu übermitteln und richtete einen Appell an die Jugend, verbunden mit dem Wunsch für viel Erfolg im kommenden Berufsleben und auf dem ferneren Lebensweg. Diesen Wünschen schloss sich Pfarrer Hanstein an, der die Grüße des in Urlaub befindlichen Pfarrers Milch übermittelte. Rektor Stehle verwies auf den kommenden „Ernst des Lebens“ und kündigte an, dass das Lernen oft noch nicht zu Ende sei. Seinen Wünschen, dass alle Stunden und Tage in der Schule unvergesslich bleiben mögen, schloss er beste Zukunftswünsche an. In den folgenden Kurzszenen stellten Schülerinnen und Schüler die Lehrkräfte auf die Probe, ob sie Spaß vertragen können. Angefangen vom Hausmeister Neubrand, über den Klassenlehrer Hartmann bis zum Rektor Stehle mussten alle daran glauben. Immer wieder gab es donnernden Applaus. Alle Beteiligten waren voll der Bewunderung, dass diese Klasse so viele Einfälle hatte.
Als die Pause angekündigt wurde, verwies der Klassensprecher auf das von Mädels der Abschlussklasse unter Leitung von Frau Appel hergerichtete „Kalte Büffet“ und lud ein, davon zu kosten. Bald war der lange Tisch umlagert, auf dem alle Arten von Salaten, Wurst- und Käseplatten. Gefülltes und Pikantes zu finden war. Die Abschlussklasse hatte in diesem Jahr eine Fahrt nach Cuxhaven und Helgoland durchgeführt. Hierbei wurden viele Bilder geschossen, die den Eltern erstmalig vorgeführt wurden. Der Beifall am Ende zeigte, dass es allen gefallen hatte. Schulsprecher Jürgen Mieß dankte den Mitwirkenden des Abends.
Am nächsten Mittag traf sich die Abschlussklasse nochmals mit Lehrer Hartmann zum gemütlichen Beisammensein. Hierbei nahm Loretta Lotz die Gelegenheit wahr, im Auftrage aller Schülerinnen und Schüler ein Geschenk zu überreichen. Rektor Stehle wurde ein Bildalbum von der Abschlussfahrt nach Cuxhafen/Helgoland überreicht.

Horst Winterstein: Schulsystem muss Schritt für Schritt verwirklicht werden
Auf einer Kundgebung des SPD-Unterbezirks Main-Taunus in Eschborn legte der Kreistagsabgeordnete und Landtagskandidat im Wahlkreis 29, Horst Winterstein, in einem Grundsatzreferat die schulpolitischen Leistungen und Zielsetzungen der SPD in Hessen dar. Mit der gesetzlichen Verankerung der obligatorischen Förderstufe und der Gesamtschule seien in Hessen Zeichen für das gesamte Bundesgebiet gesetzt worden. Mit der Förderstufe und der Gesamtschule in der integrierten Form seien die Grundlagen dafür geschaffen worden, dass neben einer allgemeinen Anhebung des Bildungsniveaus der Bildungsweg des einzelnen künftighin ausschließlich nach seiner Begabung, nicht aber, wie bisher, nach seinem Herkommen bestimmt wird. Damit sei auf bildungspolitischem Gebiet die bloße rechtliche Chancengleichheit durch eine tatsächliche Chancengleichheit ergänzt worden.
Nach dem bisherigen Schulsystem mit seiner strengen Dreiteilung in Volksschule, Realschule und Gymnasium sei die Entscheidung darüber, welchen Bildungsweg das einzelne Kind beschreitet, im wesentlichen nach der gesellschaftlichen Verflechtung des Elternhauses zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht erfolgt. Nach dem 4. Schuljahr habe entschieden werden müssen, ob das Kind eine weiterführende Schule besucht oder nicht. Wenn man bedenke, dass Bildung und Ausbildung über Existenzgrundlage und Lebensweg des einzelnen entscheiden, dass diese Entscheidung bisher aber schon nach dem 10. Lebensjahr getroffen werden musste, so sei dieses Schulsystem aus der Sicht der Betroffenen unmenschlich, aus gesellschaftspolitischer Sicht einer mündigen Gesellschaft feindlich und aus der Sicht eines demokratischen Staates im höchsten Maße undemokratisch gewesen.
Die Förderstufe werde den Ausleseprozess nicht nur zeitlich verschieben, sondern gleichzeitig durch die Förderung der unterschiedlichen Begabungen und Neigungen den Übergang zu den weiterführenden Schulen entscheidend erleichtern. In der integrierten Gesamtschule, die an die Stelle der Trennung von Schulzweigen die Leistungsdifferenzierung entsprechend den Begabungen setze, werde das Prinzip der Förderstufe weitergeführt. Dieses zunächst im Gesetz verankerte Schulsystem müsse nun Schritt für Schritt verwirklicht werden. Der Main-Taunus-Kreis habe dafür bereits die ersten Voraussetzungen durch den Schulentwicklungsplan und die Inangriffnahme der einzelnen Bauprojekte erfüllt. Man müsse allerdings sehen, dass der Bau der Schulen auch eine Frage der finanziellen Möglichkeiten sei. Der Hessische Landtag werde dieser Tage das Gesetz über den Hessischen Investitionsfonds verabschieden. Dieses Gesetz diene vornehmlich der Bereitstellung von Mitteln für den Schulbau. (Auszug aus der Berichterstattung.)

Vor 50 Jahren
Freitag, 8. Juli 1960
Kreis-Schuletat ist heute kein Stiefkind mehr Immer wieder wird in Stadt und Land das Thema diskutiert, dass der Schulraum nicht ausreiche und nicht genug für die Schulen und die Erziehung unserer Kinder getan werden könne. Das ist richtig, und wir teilen den Standpunkt, dass auf diesem Sektor ein dankenswertes Aufgabengebiet unserer Kommunalpolitiker liegt. Ein Blick in den Main-Taunus-Kreis überzeugte uns davon, dass hier in den letzten zehn Jahren mehr neue Schulen gebaut wurden als in fünfzig Jahren vorher. Und das will doch sicherlich etwas heißen. Sehr aufschlussreich ist ohne Zweifel der Schuletat des Kreishaushaltsplanes für das Jahr 1960, der auf seiner Ausgabenseite im ordentlichen Teil einen Betrag von l.712.515 DM und damit einen Höchststand erreicht hat. Dieser Einzelplan ist in den letzten Jahren steil in die Höhe gestiegen (1958: 1,2 Millionen DM; 1959: 1,3 Millionen DM) und lässt gegenüber den Jahren vor dem Krieg und den ersten Nachkriegsjahren bis 1950 überhaupt keinen Vergleich mehr zu. Darin kommt eine großzügige Schulpolitik des Kreises zum Ausdruck, die in den letzten Jahren ihren Niederschlag in dem Bau einer Kreismittelschule, einer Kreisberufsschule und jetzt in dem Bau eines Kreisgymnasiums gefunden hat und außerdem eine tatkräftige Förderung der gemeindlichen Volksschulbauten vorsieht. Als Zuschüsse für Volksschulbauten und Reparaturen sind in diesem Jahr rund 84.000 DM veranschlagt, dazu kommen Darlehen und Zinszuschüsse in Höhe von 5.000 DM. Für die Mittelschule beträgt der Schuldendienst 80.000 DM, dem Zweckverband werden 61.000 DM zugeführt und als Zuschuss und Schulbeiträge für Schüler an auswärtigen Schulen werden 22.000 DM gewährt. Der ordentliche Etat der letzten Jahre wurde im Main-Taunus-Kreis von Schulen, Krankenhäusern und Straßen geprägt. So ist es kein Wunder, dass in diesem Jahre die hier veranschlagten l.320.000 DM lediglich dem Neubau von Kreisgymnasium, Aula und Tagesheimschule zugeführt werden.
Ähnlich sieht es in den Haushaltsplänen der Städte und Gemeinden im Main-Taunus-Kreis aus. Besonders die Städte Hochheim, Flörsheim, Hofheim, Bad Soden, aber auch die Gemeinden Hattersheim, Eddersheim, Okriftel, Wicker, Weilbach usw. haben beträchtliche Mittel für ihre Schulzwecke aufgewendet und verfügen über geräumige und modern eingerichtete Schulen. Der Schuldendienst stellt vielfach eine enorme Belastung für eine Gemeinde dar, die sehr sparsam mit ihren Einnahmen umgehen muss, aber immerhin wurden hier Werte geschaffen, die zwar keinen wirtschaftlichen Nutzeffekt erzielen, aber der Bürgerschaft unmittelbar zugute kommen. Und dass man ein solches Kapital pflegt und erhält und für eine ausreichende Unterhaltung sorgt, ist wirklich  ein notwendiges und nützliches Werk.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 27 vom 9. Juli 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 4. Juli 1985
Entscheidung zugunsten des neuen Gemeindezentrums ist niemandem leicht gefallen
OKRIFTEL(wr) - Mitte des vergangenen Monats zog der Okrifteler Kinderhort in das von der Stadt Hattersheim mit einem Kostenaufwand von 175.000 Mark umgebaute ehemalige evangelische Pfarrhaus in der Martin-Luther-Straße um. Der Kinderhort ist gewissermaßen der erste Nutznießer einer Vereinbarung, über die erst nach jahrelangen Beratungen endgültig entschieden wurde: Der Grundstückstausch zwischen der Stadt und der evangelischen Gemeinde und dem damit verbundenen Beschluss zum Bau eines neuen Gemeindezentrums. In der vergangenen Woche machten Bürgermeister Alfred Schubert gemeinsam mit Mitgliedern des evangelischen Gemeindevorstands vor der Presse noch einmal deutlich, worum es in dieser Vereinbarung ging.
In der Pressekonferenz fiel nicht der Name des zum Jahresende 1984 verabschiedeten Pfarrers Gottfried Mallon, aber man weiß, dass er zu jenen zählte, die sich gegen dieses Neubauprojekt stellten, aus welchen Gründen auch immer. Erich Thormann, der langjährige Vorsitzende des Kirchenvorstands und Befürworter des Projekts, betonte, dass die Entscheidung niemandem leicht gefallen sei, dass über drei Jahre intensiv verhandelt wurde und dass es Widerstände und „Querschüsse“ gegeben habe. Er hob aber auch hervor, dass es keine „Verlierer oder Besiegte“ gebe. Man sei in gutem Einvernehmen zu einem für alle glücklichen Ergebnis gekommen, das auch der Kirchengemeinde keine Nachteile bringe. „Wir alle haben Vorteile, und es ist fast unverständlich, warum es Widerstände gab“, sagte Thormann. Er erläuterte auch die Vorgeschichte, die bis in die Reformationszeit zurückreicht, in jene Zeit, da der Kirche der relativ große Landbesitz in Okriftel zufiel. Es wurde auch die Tatsache erwähnt, dass die Kirchengemeinde schon einmal mit der Zivilgemeinde einen Geländetausch durchführte, als nämlich vor über 20 Jahren der Bau der Albert-Schweitzer-Schule begonnen wurde.
Ungefähr zur gleichen Zeit hat auch die Kirchengemeinde mit dem Bau ihres Gemeindezentrums (in der Martin-Luther-Straße) begonnen. Und damals war auf diesem Gelände auch eine neue Kirche mit eingeplant. Zum Kirchenneubau ist es bekanntlich nicht gekommen. Man hat die hübsche alte Kirche renoviert, und wenn sie auch  oft bei größeren Festen zu klein ist, wird sie auch in den kommenden Jahrzehnten der Mittelpunkt der evangelischen Gemeinde bleiben, künftig gemeinsam mit dem neuen Gemeindehaus, das in unmittelbarer Nähe der Kirche errichtet wird. Schon vorher, nämlich zum 1. Juli dieses Jahres, hat die Stadt Hattersheim die organisatorische Verwaltung des alten  Gemeindehauses der Matthäusgemeinde übernommen. Das Gemeindehaus wird von der Stadt wie seither örtlichen Vereinen, Institutionen und sonstigen Gruppierungen für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Nach Wunsch der Verantwortlichen im Rathaus soll in der Martin-Luther-Straße ein Vereins- und Bürgerzentrum entstehen.
Dazu gehören auch der Kinderhort und ein künftiger Kindergarten. Nach dem Sommer, wenn irgend möglich bereits zum l. September, soll im Mitarbeiter-Wohnhaus des alten Gemeindezentrums eine Kindergartengruppe ihr Domizil finden. Ein entsprechender Mietvertrag zwischen Stadt und Kirchengemeinde steht vor dem Abschluss. Die rund 104 qm großen Räumlichkeiten können ohne großen Kostenaufwand bedarfsgerecht umgebaut werden.
Stadt und Kirchengemeinde sind sich einig, dass die Matthäusgemeinde das Gemeindezentrum bis zur Fertigstellung des neuen Zentrums an der evangelischen Kirche wie bisher für ihre eigenen Veranstaltungen nutzen kann. Erst dann wird auch der mit Vertrag vom 28.3.1985 zwischen der Stadt Hattersheim und der evangelischen Kirchengemeinde vereinbarte Grundstückstausch endgültig wirksam.
(Auszug aus der Berichterstattung.)

Vor 40 Jahren
Dienstag, 7. Juli 1970
Hattersheim will mit Nachbargemeinden zusammenarbeiten
Einstimmig beschloss die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung am vergangenen Freitag die von den Bürgermeistern der Gemeinden Eddersheim, Okriftel und Hattersheim erarbeitete und vom Gemeindevorstand vorgelegte Vereinbarung über die kommunale Arbeitsgemeinschaft der drei Gemeinden. Nachdem die Gemeindevertretung der Gemeinde Okriftel den gleichen Beschluss bereits vor Tagen gefasst hat und die Gemeinde Eddersheim ein Gleiches in diesen Tagen tun wird, steht einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft im Sinne der Vereinbarung nichts mehr im Wege. In der gleichen Sitzung wählte die Gemeindevertretung darüber hinaus bereits ihre Vertreter im gemeinsamen Ausschuss innerhalb der Arbeitsgemeinschaft.
Einstimmig wurden hierzu neben dem kraft seines Amtes mitwirkenden Gemeindevertretervorsitzenden Fritz Bender die Gemeindevertreter Horst Winterstein (SPD) und Hans Ziegler (CDU) sowie als deren Vertreter Richard Schmutzler (SPD) und Friedrich Stenner (CDU) berufen. Bürgermeister Norbert Winterstein hatte zuvor in der Begründung der Vorlage des Gemeindevorstandes darauf hingewiesen, dass bereits am 6. April 1970 eine Besprechung stattgefunden. habe, an der die Gemeindevorstände, die Vorsitzenden der Gemeindevertretungen und die Fraktionsvorsitzenden der Gemeinden Eddersheim, Okriftel und Hattersheim teilgenommen hätten. Bei dieser Besprechung sei Einigung über die Grundsätze erzielt worden, unter denen eine kommunale Arbeitsgemeinschaft ihre Tätigkeit entfalten sollte. Die Bürgermeister hätten aufgrund dieser Besprechung den vorgelegten Entwurf der Vereinbarung gefertigt. In einer weiteren Besprechung der Bürgermeister sei vereinbart worden, den vorliegenden Entwurf den Gemeindevertretungen zur Beschlussfassung vorzulegen, um die Arbeitsgemeinschaft nach Ablauf der Sommerferien konstituieren zu können.
Für den Haupt- und Finanzausschuss gab dessen Vorsitzender Richard Schmutzler die Stellungsnahme bekannt. Der Haupt- und Finanzausschuss habe sich eingehend mit dem Entwurf der Vereinbarung befasst. Die zur Zeit anstehenden gemeinsamen Probleme - Schmutzler nannte hier insbesondere die Gesamtschule und die Generalverkehrsplanung - könnten von den Gemeinden nur richtig gelöst werden, wenn man die Planungen aufeinander abstimme und Lösungen gemeinsam einleite, um eine wirtschaftliche und zweckmäßige Erfüllung in dem nachbarlichen Gebiet sicherzustellen. Für die SPD sprach deren Fraktionsvorsitzender Horst Winterstein. Er wies daraufhin, dass zurzeit in nahezu allen Bundesländern der Zusammenschluss von Gemeinden zu Verwaltungseinheiten betrieben werde. Hessen habe sich zunächst auf Zusammenschlüsse auf freiwilliger Basis geeinigt. Leider sei in letzter Zeit fast ein „Run“ entstanden, leider auch dort, wo jede echte Sachbezogenheit fehle. Dies geschehe jedoch nicht zuletzt deshalb, weil die Landesregierung zur Zeit noch diese Zusammenschlüsse finanziell unterstütze und es nicht vorauszusehen sei, ob dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Für Eddersheim, Okriftel und Hattersheim sei bereits durch die Ziele der Planungsgemeinschaft Untermain eine Sachbezogenheit gegeben, welche die drei Gemeinden bereits als Einheit betrachte. Eine natürliche Grenze bilde hier die Autobahn Köln-Würzburg, die auch die Grenze zur Planungsgemeinschaft Mainz-Wiesbaden darstelle. Für Eddersheim, Okriftel und Hattersheim gelte es nunmehr, auf der Basis der vorliegenden Vereinbarung einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft die anstehenden gemeinsamen Probleme zu erkennen und zu lösen. Es gelte aber auch, sich schon jetzt Gedanken zu machen, in welcher Form eine noch engere Zusammenarbeit in Zukunft möglich sei.

Vor 50 Jahren
Freitag, 8. Juli 1960
Neuartige Gestaltung des Friedhofs
Seit einiger Zeit sehen sich die Gemeindekörperschaften vor die Notwendigkeit gestellt, Planungen für die erforderlich werdende Friedhofserweiterung vorzubereiten und zu überdenken. Problematisch ist dabei weniger die Geländefrage als vielmehr die Ausgestaltung dieses neuen Friedhofsteiles. Die Erweiterung erfolgt im Anschluss an den bisherigen Friedhof in Richtung Autobahn. Bei der Ausgestaltung und Anordnung des neu zu errichtenden Friedhofsteiles könnte man, da der Hattersheimer Friedhof in seiner bisherigen Form geradezu den Anspruch auf Mustergültigkeit erheben kann, daran denken, das der Erweiterung zuzuführende Gebiet in der gleichen Weise anzulegen. Die Gemeindekörperschaften sind jedoch der Ansicht, dass die Würde und die Bedeutung eines solchen Ortes es verlangen, das erreichte Niveau nach Möglichkeit noch zu steigern.
Gartenbauarchitekt Eckebrecht entsprach diesem Bestreben und legte bereits Anfang dieser Woche der Baukommission eine entsprechende Planung vor. Dieser Plan, der die Billigung der Baukommission fand, soll in seiner jetzigen Form der Gemeindevertretung zur endgültigen Beschlussfassung vorgelegt werden. Eckebrecht geht bei seinem Plan davon aus, dass man einen Friedhof nicht nur als Ruhestätte der Toten betrachten dürfe, diesen vielmehr so gestalten müsse, dass er auch den Lebenden zu einem wohltuenden und beschaulichen Aufenthaltsort diene. Nur so erreiche man den der Friedhofsstätte eigenen weiteren Sinn der erinnernden Begegnung zwischen Toten und Lebenden. Eine parkartige Form soll deshalb den Grundcharakter des neu zu erschließenden Friedhofsteils kennzeichnen. Baumgruppen, Sträucher und Blumen sollen Grundelemente der Einteilung und Anordnung sein. Die Gräber sollen nicht in massiver Dichte aneinanderliegen, sondern in mannigfach ausgestalteten Gruppen über das gesamte Gelände verteilt werden. Diese Gruppenbildung innerhalb der zahlreichen Baum- und Gartenanlagen wird dem Ganzen die Prägung eines Haines vermitteln. Durch die Anlegung der Gräber in verschieden gestalteten Gruppen, wobei bald diese, bald jene Gruppe in Anspruch genommen werden kann, sollen geräumige Grünflächen auf lange Sicht erhalten bleiben. Mehrere Brunnen in Form von Schöpfbecken in Natursteinarbeit werden an verschiedenen Stellen erstehen. Für Besucher, insbesondere für die älteren Leute, die erfahrungsgemäß dem Friedhof oft und gerne einen Besuch abstatten, sollen Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Schließlich sind in dem neuen Friedhofsgelände ein Urnenfeld und an einer anderen Stelle ein Kinderfeld, das seinem Wesen entsprechend ausgestaltet wird, vorgesehen.
Zwar wird sich der neue Friedhofsteil durch diese Art seiner Anlegung von dem bisherigen Friedhof etwas unterscheiden, doch werden keine Gegensätze entstehen. Es wird vielmehr ein natürliches Ineinanderübergehen der beiden Friedhofsteile angestrebt. Dieses wird schon rein äußerlich durch die Weiterführung der Hauptwege des bisherigen Friedhofs in den neuen Teil gewährleistet.
Endlich soll erreicht werden, dass möglichst viele Kaufgräber in Anspruch genommen werden und die von den Hinterbliebenen gewählten Grabsteine sich möglichst dem Gesamtcharakter der Anlage anpassen. Man wird zu diesem Zweck auf dem neuen Friedhofsteil ein Musterfeld errichten, das beispielhaft und anregend wirken soll.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 26 vom 1. Juli 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 27. Juni 1985
Ab sofort alles verboten!
WEILBACH (wr) - Mit Stacheldrahtverhau und strengen Naturschutzbestimmungen soll noch rechtzeitig vor den heißen Juli- und Augusttagen der badefreudigen Jugend der Zutritt zum Weilbacher Silbersee verwehrt werden. Auseinandersetzungen mit der Polizei dürften vorprogrammiert sein. Der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Knoll, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach und gleichzeitig Dezernent für den Naturschutz, sieht jetzt einen wichtigen Erfolg im Bemühen um  die Sicherstellung des Kiesgrubengebiets, nachdem die Verordnung der Oberen Naturschutzbehörde in Darmstadt für einen Teil des Kiesgrubengeländes in Kraft getreten ist. Ab sofort gelten für eine ca. 57,3 Hektar große Fläche strenge Vorschriften. Hervorzuheben ist der Paragraph 2 der Verordnung zur einstweiligen Sicherstellung. Danach ist ab sofort so gut wie alles verboten:
- Wildlebenden Tieren, auch Fischen in Teichen oder sonstigen Privatgewässern, nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, ihre Laute nachzuahmen, sie an ihren Brut- oder Wohnstätten zu fotografieren, zu filmen oder dort ihre Laute auf Tonträger aufzunehmen, Vorrichtungen zu ihrem Fang anzubringen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Puppen, Larven oder Eier, Nester oder sonstige Brut- oder Wohnstätten fortzunehmen oder zu beschädigen;
- Aufschüttungen oder Abgrabungen vorzunehmen oder sonst die Bodengestalt zu verändern;
- Pflanzen einschließlich der Bäume und Sträucher zu beschädigen oder zu entfernen;
- das Gebiet außerhalb der Wege zu betreten;
- zu reiten, zu lagern, zu baden, zu zelten, Wohnwagen aufzustellen, zu lärmen, Feuer anzuzünden oder zu unterhalten, Wasserfahrzeuge aller Art einschließlich Surfbretter und Luftmatratzen oder Modellflugzeuge oder -schiffe einzusetzen;
- das Gebiet zu befahren.
Die Grenzen des Gebiets werden in den nächsten Wochen durch die bekannten grünen Bilder mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“ abgesteckt werden. Knoll bittet um Verständnis, dass inmitten des Ballungsgebiets eine so große Fläche für die Nutzung der Bevölkerung nach strengen Regelungen eingeschränkt wird. Auch wenn sich viele, insbesondere Jugendliche, hier ein Freizeitgelände vorstellen könnten, so müsse dem Naturschutz Vorrang eingeräumt werden. Die Naturschutzbehörde und die GRKWhoffen, dass sich mögliches Unverständnis bald legen wird und sich die meisten Weilbacher und Hattersheimer mit ihrem Naturschutzgebiet in den Kiesgruben rasch identifizieren. Gemeinsam könne ein kleines Rückzugsgebiet für unsere bedrohte Tier- und Pflanzenwelt letztlich zu unserer aller Nutzen erhalten werden. Die GRKWwill allerdings auch die Freizeit- und Erholungsbedürfnisse der Bürger, wenngleich nur der Spaziergänger, berücksichtigen. So wurden von dem 120 Hektar großen Gelände bereits 22 Hektar rekultiviert und Aufforstungsversuche eingeleitet sowie 8 Hektar verfüllt und der Landwirtschaft zur Nutzung übergeben. Geplant sind weitere Spazierwege, ein Lehrpfad und ein Naturgarten. Insgesamt will die GRKWdas Gelände so gestalten, dass den Belangen des Naturschutzes, der Landwirtschaft und Naherholung Rechnung getragen wird. Das Gelände ist mit 57,3 Hektar das größte Naturschutzgebiet im Main-Taunus-Kreis. Knoll erklärte, die gemeinsame Arbeit sei ein Beweis, dass auch im Ballungsraum trotz großer Zielkonflikte praktische Naturschutzarbeit geleistet werden könne.

Montag, 1. Juli 1985

Hamburgfahrt des Spielmannszuges
OKRIFTEL(wr) - Zu einem nachhaltigen Erlebnis wurde die kürzlich durchgeführte Hamburgfahrt des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel. Der Bus war mit 50 Personen voll besetzt, als man am frühen Morgen vom Gerätehaus abfuhr. Die Ankunft in Hamburg-Willinghusen, wohin man einer Einladung des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Willinghusen gefolgt war, verzögerte sich durch einige Autobahnbaustellen. Nach einem herzlichen Empfang, Quartierverteilung und gemeinsamem Abendessen ein gemütliches Beisammensein mit den Gastgebern, wobei erste freundschaftliche Kontakte geknüpft wurden. Einige Okrifteler besuchte an dem Abend auch die Disco, die im Festzelt veranstaltet wurde.
Am Samstagvormittag war dann der offizielle Empfang der Gäste. Außer dem Spielmannszug Okriftel war noch der Musikzug Berlin-Spandau anwesend.Bei dem Empfang spielten die Okrifteler zum ersten Mal im Festzelt auf, wo am Nachmittag ein großes Musikfest stattfand. Am Abend dann Aufbruch der Erwachsenen zu einem gemeinsamen Reeperbahn-Bummel, wobei man sehr viel Spaß hatte. Doch damit nicht genug, es ging anschließend noch ins Festzelt, wo ein Festball bis zum frühen Morgen veranstaltet wurde. Sonntagmorgen stand eigentlich ein Besuch auf dem berühmten Fischmarkt auf dem Programm. Doch dazu hätte man schon um 5 Uhr wieder auf den Beinen sein müssen, was einigen denn doch zuviel war. Jene, die dabei waren, äußerten sich allerdings voller Begeisterung. Nach dem Frühstück dann Stadtrundfahrt. Auch die dazugehörige Hafenrundfahrt wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis, zumal kurz nach Beginn der Fahrt der Motor des Kutters ausfiel und die Fahrt ein vorzeitiges Ende nahm.
Mit dem Bus fuhr man durch den Freihafen, erlebte Elbtunnel, Außenalster und das Kongresszentrum und sah viel von der Altstadt. Zum Mittagessen wieder in Willinghusen. Nachmittags bot dort die Feuerwehr ein schönes Programm, u. a. wurde ein Sprung von der 30 Meter hohen Feuerwehrleiter in ein Sprungkissen vorgeführt. Abends noch einmal buntes Programm im Festzelt, wobei auch wieder der Spielmannszug auftrat. Man ließ die Okrifteler nicht ohne Zugaben von der Bühne. Mit beleuchteten Wasserspielen und der Zeremonie des „Großen Zapfenstreichs“ klang der Tag aus. Allerdings blieb man noch bis nach Mitternacht in froher Runde beisammen. Am Montag Frühschoppen. Auch Kinderbelustigungen standen auf dem Programm. Gegen Mittag Rückreise. Der Spielmannszug möchte sich auch von dieser Stelle aus bei seinen Gastgebern für den überaus herzlichen Empfang bedanken. Der Ausflug wird als voller Erfolg angesehen, und man hofft, die Willinghusener auch einmal in Okriftel begrüßen zu können.

Vor 40 Jahren
Freitag, 3. Juli 1970
„Concordia“ auf Reisen
Abweichend von der jahrelangen Gewohnheit, den Familienausflug im Spätsommer zu arrangieren, unternahm der Gesangverein Concordia 1880 Hattersheim ihn in diesem Jahr schon am 14. Juni. Ausschlaggebend für die Vorverlegung war die Häufung von Veranstaltungen im Spätsommer und Herbst innerhalb Hattersheims. Bekanntlich finden vom 11. bis 14. September 1970 die Feierlichkeiten anlässlich der Stadterhebung statt. Schon drei Wochen später, vom 3. bis 5. Oktober, begeht die „Concordia“ ihr 90-jähriges Bestehen.
Bei hochsommerlichem Wetter begann die Fahrt mittels zweier Omnibusse um 13.30 Uhr ab Vereinslokal in Richtung Rheingau. In ausgezeichneter Stimmung wurde das erste Ziel, Wöllstein, erreicht. Ein Teil der Teilnehmer - vornehmlich Sängerfrauen, Passive und Freunde des Vereins - legten eine Kaffeepause ein, während humoristische Einlagen für unterhaltsame Kurzweil sorgten. Der übrige Teil setzte mit den aktiven Sängern die Fahrt nach Fürfeld fort, um am Freundschaftssingen des dortigen Vereins teilzunehmen. Vorgetragen wurden der Chor „Heilig Heimatland“ von Wilhelm Weis und das Volkslied „Am Ufer“ von Paul Zoll. Beide Kompositionen ernteten überdurchschnittlichen Applaus. Die nunmehr insgesamt drei Besuche der Hattersheimer in Fürfeld und im Oktober der zweite des Fürfelder Vereins in Hattersheim lassen die gegenseitige Verbundenheit erkennen. Nach dieser Verpflichtung in Fürfeld wurden die in Wöllstein zurückgelassenen Ausflügler abgeholt und die Fahrt zur Abendveranstaltung nach Armsheim fortgesetzt. Dort war Gelegenheit, sich dem Tanz und unterhaltenden Einlagen hinzugeben. Verständlich, dass nach dem für Deutschland günstigen Ausgang des Spieles gegen England die Freude groß war und hinsichtlich der Stimmung keine Wünsche offen blieben. (Bei der Fußball-WM 1970 in Mexiko gewann am 14. Juni in León die deutsche Mannschaft gegen England mit 3:2 nach Verlängerung.)

Vereine berichten
Der GV „Germania“ unternimmt am Sonntag seine „schwarze Partie“. Gefahren wird nach Stephanshausen bei Rüdesheim, dort nehmen die Sänger auch an einem Freundschaftssingen teil. Die Abfahrt erfolgt um 8 Uhr ab Gasthaus „Zur Krone“.

Sommerfest der Kleingärtner
Das Sommerfest der Kleingärtner findet am Samstag, 4. Juli 1970, ab 20 Uhr in der Gartenanlage statt. Inzwischen ist das Festzelt vor dem Vereinshaus fertig gestellt und hat dieses Jahr ein stabiles Dach aus Hostalit bekommen. Bei schlechter Witterung will der Vorstand der Kleingärtner das Zelt heizen lassen. Die Feste der Kleingärtner genießen schon seit eh und je den Ruf der echten Fröhlichkeit. Es dürfte deshalb niemanden reuen, am Samstag im Festzelt der Kleingärtner nach den Klängen der „Goldenen Sieben“ ein Tänzchen aufs Parkett zu legen. Weiterhin ist für Überraschung und Unterhaltung gesorgt. Das Fest findet seinen Ausklang mit einem zünftigen Frühschoppen am Sonntag, 5. Juli ab 10 Uhr, ebenfalls im Festzelt. Wollen wir nur hoffen, dass das Wetter auch ein echtes Sommerwetter wird.

Überall Wasser
Am Sonntag trafen sich die Männer unserer Feuerwehr am Gerätehaus, um das Feuerwehrfest in Neuenhain zu besuchen. Kurz vor der Abfahrt setzte Regen ein. Die himmlischen Schleusen öffneten sich und ließen schon bald dunkle Vorausahnungen aufkommen. Es dauerte auch nicht lange und es wurde „Wasser im Keller“ gemeldet. Umziehen und Ausrücken hieß es für einen Teil der Mannschaft. Die anderen unternahmen dann ihre Fahrt in Richtung Taunus, galt es doch, den Besuch der Neuenhainer Wehr vom vergangenen Jahre zu erwidern. In Bad Soden angekommen, ging der Zauber von neuem los - Regen, Wasser und nochmals Regen. In Neuenhain war die gesamte Mannschaft „Keller auspumpen“, Straßen freimachen und alles, was so ein Regensturz hinterlässt, beseitigen. Um 14.30 Uhr sollte der Festzug starten. Endlich gegen 15.30 Uhr ließ der Regen nach und der Festzug ging durch die Straßen der Gemeinde Neuenhain. Erschöpft und froh fanden sich die Gastgeber nach getaner Arbeit im Festzelt ein und so wurde es doch noch ein schöner Festtag.

Vor 50 Jahren
Freitag, 24. Juni 1960
Fernsehen – drahtlos gesteuert
In den deutschen Fachgeschäften sind jetzt erstmalig Grundig-Fernseher zu haben, bei denen man mit dem drahtlosen „Ferndirigent“, einem kleinen Ultraschallsender, der nicht größer ist als ein Taschenradio, Lautstärke und Bildhelligkeit verändern oder einen zweiten Fernsehsender wählen kann. Wenn es bisher zwar schon möglich war, einen Fernsehempfänger vom Platz eines Zuschauers zu betätigen, allerdings nur durch ein möglichst versteckt angeordnetes Kabel, so überbrückt die „Fernbedienung durch Geisterhand“ jetzt den Weg vom bequemen Sitzplatz des Zuschauers zum Fernsehgerät auf denkbar einfachste und bequemste Weise. Je nach Tastendruck sendet der handgroße Ferndirigent drei verschiedene Ultraschallfrequenzen aus. die für das menschliche Ohr unhörbar sind. Durch Ultraschall werden Rundfunkund Fernsehempfänger in der Nachbarschaft jedoch nicht gestört.
Die Ultraschall-Impulse werden von einem im Fernsehgerät befindlichen Mikrofon aufgenommen. Die Impulse steuern, nach entsprechender Verstärkung, drei Motoren, die je nach Wunsch also den Helligkeitsgrad bzw. die Lautstärke verändern oder einen neuen Sender wählen. Die automatischen Regelungen, wie magnetische Scharfabstimmungs-Automatik oder der Raumlicht-Kompensator, der die Kontraste des Bildes an die jeweilige Raumbeleuchtung selbsttätig anpasst, bleiben unabhängig von diesen Vorgängen voll wirksam. Auch alle fernbedienbaren Regelungen können selbstverständlich weiterhin beliebig von Hand am Fernsehgerät eingestellt werden. Das Ultraschallmikrofon, das teils im Gehäuse des Fernsehgerätes, teils in der Fußleiste unsichtbar angeordnet ist. spricht in jedem normal großen Zimmer auf die drahtlose Fernbedienung an, und man kann sogar bis zu 15 Meter vom Fernseher entfernt sitzen, um mit Sicherheit die Schaltvorgänge im Fernsehgerät in Tätigkeit zu setzen.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 25 vom 24. Juni 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 20. Juni 1985
10 Jahre Bürgerinitiative für Umweltschutz
EDDERSHEIM - Auf ihr zehnjähriges Bestehen kann in diesen Tagen die Bürgerinitiative für Umweltschutz Eddersheim (BfU) zurückblicken. Einer der Gründungsmitglieder hat sich allerdings schon vor dem Jahr 1975 aktiv für die Belange des Umweltschutzes in Eddersheim eingesetzt (folgende Namen wurden genannt: B. Berthold, Timmermann, Frenzel, Ellwitz jun. und sen., Möser, B. Reuter, E. Rendel, P. Blisch, Prothmann).
Sinn und Zweck der BfU ist es auch heute noch, Umweltbeeinträchtigungen in der Gesamtgemeinde zu erkennen und zu versuchen, Linderung auf unbürokratischem Weg herbeizuführen. Da aber gerade in unserem Ballungsgebiet kommerzielle Interessen sehr hart mit Umweltproblemen zusammentreffen, ist es nicht immer leicht, gravierende Belastungen ganz abzustellen. Im Rückblick einige Ereignisse, mit denen sich die BfU auseinandergesetzt hat.
1975: Caltex-Belastungen, Einspruch gegen die Errichtung der Gasöl-Entschwefelungsanlage;
1976: Fluglärm, Messungen und Beschwerde bei den entsprechenden Stellen;
1977: Unterschriftenaktion gegen die Errichtung der Gasöl-Entschwefelungsanlage;
1978: Fluglärm, weitere Messungen;
1979: Müllverbrennungsanlage, Protestschreiben an Umlandverband Frankfurt mit Übergabe der gesammelten Unterschriften;
1981: Flughafenerweiterung, Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren; Caltex-Lärm, Treffen mit dem Gewerbeaufsichtsamt, dieses errichtet eine Mess- und Prüfstelle zur Messung von Caltex-Lärm in Eddersheim;
1982: Fluglärm, Besuch im alten Tower des Flughafens und Diskussion mit der Lärmüberwachungsstelle der FAG; Problematik der Trinkwasserqualität im Stadtgebiet Hattersheim;
1983: Anschaffung eines Lärmmessgerätes;
1984: Fluglärmmessungen, diverse Schreiben;
1985: durch geplante Müll-Umladestation würden  sich neue Belastungen ergeben.
An den bis jetzt immer noch vorhandenen Belastungen erkennt man, dass es für die BfU auch weiterhin viel zu tun gibt. Der Vorstand dankt allen Mitgliedern für ihre Treue. Zur Jubiläumsveranstaltung lädt die BfU alle Mitglieder, Interessenten und Freunde am Samstag, 22. Juni, um 14 Uhr zur Besichtigung des Wasserwerks ein. Treffpunkt am Posten-19-Weg (Bahnschranke).

Montag, 24. Juni 1985
Kriftel ist Standort Nr. 1 für geplante Müllumladestation
HATTERSHEIM (wr) - Die gute Nachricht für Hattersheim: Der Standort Eddersheim für die geplante Müllumladestation des Umlandverbands ist so gut wie gestorben. Die schlechte Nachricht für Hattersheim: Mit dem Bau der geplanten Westtangente ist nach Mitteilung der Landesregierung allenfalls in zehn Jahren zu rechnen. Beide Projekte stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Denn beim Umlandverband hat man inzwischen eingesehen, dass die Müllumladestation nur dort gebaut werden kann, wo ein entsprechender Straßenanschluss, der nicht durch Wohngebiete führt, vorhanden ist. Wenn die Westtangente nicht gebaut wird, kann auch die Umladestation nicht auf dem dafür vorgesehenen Gelände zwischen Eddersheim und Okriftel errichtet werden, wo bislang nur der notwendige Bahnanschluss vorhanden ist. In den Augen der Planer des Umlandverbands gilt der Standort Eddersheim zwar nach wie vor als optimal und liegt ihrer Meinung nach günstiger als der vorgesehene Standort im Krifteler Gewerbegebiet, doch dürfte er kaum mehr zur Debatte stehen, wenn im September der Verbandstag des UVF die voraussichtlich endgültige Entscheidung trifft. Gegen den Widerstand des Krifteler Bürgermeisters Börs wird im Umlandverband jetzt auf den Standort am Krifteler Holzweg nahe der Autobahn hingearbeitet.
Der Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft des Umlandverbands, Wolfgang Herold, lässt auch gar keinen Zweifel daran, dass der Bau der geplanten Müllverbrennungsanlage (mit angegliederter Müllsortierung und Verwertung der dafür geeigneten Stoffe) im Frankfurter Osthafen dringend nötig ist, zumal das Hausmüllaufkommen im Verbandsgebiet nach einem leichten Rückgang im Jahr 1983 wieder angestiegen ist und zur Zeit bei rund einer Million Tonnen stagniert. Herold sieht in den Überlegungen der Grünen, die darauf abzielen, durch verstärktes Recycling die Anlage im Osthafen überflüssig zu machen, nur ein Wunschdenken, das nicht der Realität entspricht. (Auszug aus der Berichterstattung.)

Vor 40 Jahren
Freitag, 19. Juni 1970
Kommunale Arbeitsgemeinschaft gebildet
OKRIFTEL - Die Beratung und Beschlussfassung über die Bildung einer Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zwischen den Gemeinden Eddersheim, Hattersheim und Okriftel stand als ein sehr wesentlicher Tagesordnungspunkt auf der letzten Gemeindevertretersitzung zur Debatte. Der Gemeindevorstand hatte der Gemeindevertretung den Entwurf einer Vereinbarung über eine Kommunale Arbeitsgemeinschaft mit den beiden Nachbargemeinden vorgelegt und bat die Ortsparlamentarier um Zustimmung. Gemäß Paragraph 3 dieser Vereinbarung sind Organe dieser Arbeitsgemeinschaft der gemeinsame Ausschuss der Gemeindevertretungen, bestehend aus dem Vorsitzenden und je zwei weiteren  Mitgliedern der Gemeindevertretung sowie dem gemeinsamen Ausschuss der Gemeindevorstände.
Die Gemeindevertretung wurde gebeten, nach Vorschlag der Fraktionen zwei Mitglieder der Gemeindevertretung und für diese Mitglieder zwei Stellvertreter für den gemeinsamen Ausschuss zu wählen.
Die Gemeindevertreter gaben einstimmig ihre Zustimmung zu der Vereinbarung über eine Kommunale Arbeitsgemeinschaft zwischen den Gemeinden. Für den Gemeindevorstand wurden Wilhelm Heislitz und Egon Hilz als Mitglieder für den gemeinsamen Ausschuss benannt. Die Gemeindevertreter bestimmten als weitere Mitglieder für den Ausschuss der Gemeindevertreter Rudolf Loos, zu seinem Stellvertreter Bernd Caspari sowie Reinhold Brestel, zu seinem Stellvertreter Egon Beichert.

Dienstag, 23. Juni 1970
Gemeindeeigener Kindergarten am Südring
Dem akuten Notstand an Kindergartenplätzen in Hattersheim wird in naher Zukunft abgeholfen. Nach dem das Umlegungsverfahren Südring abgeschlossen ist, steht der Gemeinde ein 3500 qm großes Grundstück hinter der Teplitzer Straße neben dem Kinderspielplatz zur Verfügung, das nach dem rechtskräftigen Bebauungsplan bereits für den Bau eines Kindergartens vorgesehen ist. Wie Bürgermeister Winterstein in der letzten Bürgerversammlung mitteilte, wird zurzeit die Planung für diesen Kindergarten, der eine spürbare Entlastung der bestehenden Notlage herbeiführen soll, zügig vorangetrieben. Winterstein wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass die Zahl der Plätze in den beiden konfessionellen Kindergärten, gemessen an der Zahl der Drei- bis Sechsjährigen in Hattersheim, an sich ausreichen würde. In Hattersheim sei jedoch, bedingt durch das umfassende Angebot an Arbeitsplätzen insbesondere für Frauen, die Zahl der berufstätigen Mütter besonders hoch, so dass zwangsläufig mehr Plätze in den Kindergärten benötigt würde. Wie Winterstein weiter mitteilte, soll der Kindergarten hinter der Teplitzer Straße auf eine Zahl von 150 Plätzen ausgerichtet werden. Die Planungen liefen bereits auf vollen Touren, so dass mit dem Baubeginn noch im kommenden Jahr gerechnet werden könne. Nach der Fertigstellung dieses Kindergartens stünden in Hattersheim dann rund 370 Kindergartenplätze zur Verfügung. Damit sei der Bedarf für den gegenwärtigen Einwohnerstand zunächst gedeckt. Für die Baugebiete West und Südwest sei bereits im Baugebiet Südwest die Ausweisung eines Grundstücks in entsprechender Größe für den Bau eines weiteren Kindergartens vorgesehen.

Vor 50 Jahren
Mittwoch, 15. Juni 1960
Schlussvermessung des verbreiterten Rhein-Main-Schnellwegs
Die Vermessungsarbeiten am Rhein-Main-Schnellweg - der Bundesstraße 40 (heutige A66) - in den Fluren 3, 4 und 6 der Gemarkung Kriftel und in der Flur 23 der Gemarkung Hattersheim, und zwar beginnend an der Landstraße Hattersheim-Hofheim bis zur Stadtgrenze Frankfurt werden in der Woche vom 20. Juni 1960 begonnen. Von dieser Maßnahme werden nach Paragraph 11 des Hessischen Abmarkungsgesetzes vom 3. Juli 1957 die beteiligten Grundstückseigentümer hiermit in Kenntnis gesetzt. Die Teilnahme an dem Abmarkungstermin wird den betroffenen Grundstückseigentümern freigestellt. Kosten, die durch die Wahrnehmung des Termins entstehen, werden nicht erstattet. Das Ergebnis der Schlussvermessung wird nach Abschluss der örtlichen Arbeiten bei dem Katasteramt Höchst offengelegt. Über die Abmarkungsmaßnahmen, insbesondere, wenn im Zuge der Vermessung in den Grenzen ihrer Grundstücke Grenzmarken neu errichtet, erneuert oder entfernt wurden, können sich die Beteiligten dann anhand der offengelegten Karte im Einzelnen unterrichten.

Freitag, 24. Juni 1960
Einschneidende Verkehrsumleitungen
Bei einer Besprechung, an der alle beteiligten Behörden teilnahmen, wurden die Verkehrsprobleme erörtert, die für Hattersheim während der Bauarbeiten am Autoberg, der von der Bundesbahn erhöht wird, entstehen. Die Bundesbahn hat gedrängt, da sie an Termine gebunden ist: Im Winterfahrplan soll die Strecke Wiesbaden - Frankfurt bereits elektrisch befahren werden. Dazu muss der Autoberg erhöht werden, da die Führung der Starkstromleitung bei der derzeitigen Höhe nicht möglich ist. Er ist um 70 cm zu niedrig.
Während die Bundesbahn also an einer unverzüglichen Vornahme dieser Arbeiten interessiert ist, neigt Hattersheim zu einer Hinauszögerung. Denn mit der Sperrung des Autobergs müsste der Verkehr von Frankfurt durch die Siedlung (über die Straße Am Eisernen Steg) geführt werden. Die Straße Am Eisernen Steg ist jedoch wegen derzeitiger Kanalarbeiten nicht benutzbar. Hinzu kommt, dass die Ausfahrt nach Frankfurt über die B 40 zurzeit auch gesperrt ist.
Die Arbeiten am Autoberg werden am 6. Juli beginnen und voraussichtlich zwei Monate in Anspruch nehmen. Ganz besonders hart wird der Omnibusverkehr Höchst - Okriftel dadurch betroffen. Ein durchgehender Verkehr ist nicht möglich. Die Busse werden deshalb von Höchst bis zum Fuße des Autobergs in Hattersheim geführt. Die Fahrgäste müssen dann zu Fuß auf die andere Seite des Autobergs gehen, von wo ein Pendlerverkehr nach Okriftel eingerichtet ist. Die Gemeindeverwaltung hofft jedoch, dass die Straße Am Eisernen Steg vor Beendigung der Arbeiten am Autoberg wieder benutzt werden kann, so dass dann der Omnibusverkehr durch die Siedlung direkt nach Okriftel geleitet werden kann.
Die Straße Sindlingen - Hattersheim wird also gesperrt. Um Hattersheim von allzu starkem Verkehr zu entlasten, sind weitere Maßnahmen vorgesehen: Die Straße Hofheim - Hattersheim ist für den Durchgangsverkehr gesperrt. Sie darf nur von Fahrzeugen benutzt werden, die nach Hattersheim wollen. Der Verkehr von Weilbach nach Frankfurt wird über Eddersheim und Sindlingen geleitet, das gleiche gilt für den Okrifteler Verkehr. Hattersheim wird also keinerlei Durchgangsverkehr haben. Die Hattersheimer, die nach Frankfurt fahren wollen, müssen über Okriftel und Sindlingen fahren.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 24 vom 18. Juni 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 13. Juni 1985
Beim Damenangeln des ASV: Die Jüngste holte die dicksten Forellen aus dem See OKRIFTEL(wr) - Es wehte ein kühler Wind am vergangenen Sonntag über den Okrifteler Baggersee, als sich am frühen Morgen 29 Teilnehmerinnen (mit einigem Anhang) zum Damenangeln des ASVHattersheim am Ufer platzierten. Man hatte am Freitag zuvor vier Zentner Forellen ausgesetzt, und so durfte man nun gespannt darauf warten, was die Anglerinnen an ihre Köder bekommen würden. Um es vorwegzunehmen: Allzu imponierend war das Fangergebnis an dem Tag eigentlich nicht, und man muss schon die Geduld derjenigen bewundern, die während der mehr als dreistündigen Angelzeit nur ein einziges Fischlein (oder überhaupt keines) an den Haken kriegten.
ASV-Vorsitzender Frank Listmann war dennoch sehr zufrieden mit der Beteiligung. „Die beste, die wir bisher beim Damenangeln hatten“, wie er uns sagte. Beim Auswiegen der Beute gab es dann ein eindeutiges Ergebnis: Die 13-jährige Andrea Landmann brachte vier Forellen im Gesamtgewicht von 2290 Gramm auf die Waage und  konnte damit den Siegerpokal in Empfang nehmen. Auf Platz zwei kam Gerburg Martinek mit 1070 Gramm, und den dritten Platz belegte Bettina Ritter mit 1010 Gramm. Renate Berres und Annette Weise erreichten die Plätze vier und fünf.
Nun bereitet sich der ASVauf das große Fischereifest vor, das am 6. und 7. Juli am See veranstaltet wird bei hoffentlich besserem Wetter. Im Rahmen dieses Festes, bei dem auch wieder ein großes Zelt aufgestellt wird, wird man am Samstag ein Gäste-Preisangeln durchführen, während am Sonntag die Mitglieder zum Angelwettbewerb antreten dürfen. An beiden Tagen werden geräucherte und gegrillte Forellen angeboten. Man kann aber auch andere Grillspezialitäten erhalten. Und selbstverständlich auch Getränke, ganz nach Wunsch.

Regen beeinträchtigte Turnier
EDDERSHEIM - Wegen des kühlen und nassen  Wetters am vergangenen Sonntag konnte man zum Fußballturnier zugunsten der Ökumenischen Diakoniestation nicht die erwartete Zahl Zuschauer begrüßen. Dennoch herrschte beste Stimmung auf und rund um das Spielfeld, wie wir feststellen konnten. Alles war bestens organisiert durch den Bezirksvorsitzenden des Fördervereins für die Diakoniestation, Stadtrat Wolfgang Kraus und Dieter Freidhof vom FSC Gunterring. Ein Höhepunkt war ein Einlagespiel zwischen Vertretern der kommunalen Körperschaften und der Stadtverwaltung auf der einen und Mitgliedern des Eddersheimer Vereinsrings auf der anderen Seite. Dank einer großartigen Spende des Schirmherrn Franz Herbert, der finanziellen Unterstützung durch die Firma Heribert Müller und den Ballspenden von Sport-Grimm und Schreibwarengeschäft Kövari, konnte man das Ergebnis des Reinerlöses aus dem vergangenen Jahr annähernd erreichen.
Nach Abschluss der Vorrundenspiele wurde unter dem Beifall der Zuschauer, unter ihnen Pfarrdiakon Schmidt, Stadtrat Dr. Klepp und dem mitwirkenden Pfarrer Endlein der Anstoß zum Einlagespiel von der für den Pflegebezirk Eddersheim zuständigen Ordensschwester Georgis Lachnit vollzogen. Entgegen den vor diesem Spiel geäußerten Befürchtungen der Politiker, man würde vom Gegner das Fell über die Ohren gezogen bekommen, endete diese Begegnung durch ein Tor von W. Breuckmann l:0 für die etwas älteren, teilweise leicht beleibten Prominenten. Danach erfolgten die Platzierungsspiele, wobei die Junge Union Hattersheim den 8., der FC Feiler den 7., die Pilskicker aus Wallau den 6., die Zehner-Elf Rüsselsheim den 5., die Opel-Kicker den 4. und der Fanfarenzug Okriftel den 3. Platz belegten. Im abschließenden Endspiel bezwang der FSC Gunterring die KAB Eddersheim mit 2:0 Toren.
Bei der anschließenden Siegerehrung gab es schöne Pokale zu verteilen. So überreichte Stadtrat Wolfgang Kraus eine etwas außergewöhnliche Trophäe. Unter großem Applaus ehrte er eine Mannschaft, die seit Jahren bei Fußballturnieren in Eddersheim mitwirkt, aber immer im Hintergrund arbeitet: das DRK Okriftel. In Anerkennung dieser Dienste nahm als Vertreter des DRK Klaus-Dieter Jäger einen Zwei-Liter-Glasstiefel in Empfang, der sicherlich seinen Platz gefüllt oder ungefüllt finden wird. Kraus übergab anschließend den Fairnesspokal an die Mannschaft der Jungen Union, die mit Abstand das beste Fairplay-Ergebnis erreichte.
Stadtrat Klepp ehrte die Dritt- und Zweitplatzierten, und Schirmherr Franz Herbert durfte den Siegerpokal überreichen. Bei einem Fass Freibier, welches immer am besten schmeckt, gestiftet von Klepp, klang diese feuchte Veranstaltung mit dankenden Worten von Stadtrat Kraus an alle Helferinnen und Helfer harmonisch aus. Bei einer möglichen Neuauflage eines Fußballturniers im kommenden Jahr hofft man erneut auf Unterstützung der Bevölkerung im Dienste einer guten Sache bei hoffentlich besseren Witterungsverhältnissen.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 9. Juni 1970
Max Gregerkommt zur Stadterhebung
Zu den Feierlichkeiten zur Stadterhebung der Gemeinde Hattersheim in der Zeit von 11.-14. September 1970 werden namhafte Kapellen die Einzelveranstaltungen musikalisch umrahmen. So wurden die Showkapellen Max Greger und Roy Etzel sowie Willi Berking bereits fest verpflichtet. Wie Bürgermeister Norbert Winterstein in der Bürgerversammlung am vergangenen Freitag in der überfüllten „Schwarzbachklause“ mitteilte, war der Gemeindevorstand einstimmig der Auffassung, dass bezüglich des Stils der vorgesehenen Feierlichkeiten weniger
die Vergangenheit in den Vordergrund gestellt als vielmehr die gegenwärtigen Verhältnisse der Gemeinde dargestellt werden sollten. Dies bedeute nicht, dass nicht auch die Geschichte von Hattersheim gewürdigt würde. Im Vordergrund stehe jedoch insbesondere der Übergang der Vergangenheit in die heutige Zeit und hier vor allen Dingen die Entwicklung der letzten 25 Jahre, wobei die Leistungen der Gemeinde und ihrer Bürgerschaft klar herausgestellt werden sollen. In diesem Sinne wurde auch das Festprogramm für die Tage vom 11. bis 14. September gestaltet. Für den Festakt am Freitag, 11. September, sind nach dem offiziellen Akt der Stadterhebung mit der Überreichung der Urkunde, zu dem Ministerpräsident Albert Osswald und Innenminister Dr. Johannes Strelitz erwartet werden, und den sich anschließenden Festansprachen musikalische Darbietungen namhafter Künstler des Staatstheaters Wiesbaden vorgesehen. Zum Abschluss bittet die Kapelle Willi Berking zum Tanz.
Das Festprogramm der Stadterhebungsfeierlichkeiten wird am Samstag, 12. September, mit einem großen Bunten Abend fortgesetzt, für den bereits Verträge mit bekannten Künstlern von Funk und Fernsehen abgeschlossen worden sind. Mit der Kapelle Roy Etzel, dem Gesangssolisten Heino und dem Humoristen Herbert Hiesel nannte Bürgermeister Winterstein nur einige der Mitwirkenden. Am Sonntag, 13. September, findet um 9 Uhr im Festzelt, das 3000 Besuchern Platz bieten wird, ein ökumenischer Festgottesdienst statt. Für das anschließende Platzkonzert an verschiedenen Stellen der Gemeinde wurden amerikanische und deutsche Militärkapellen, die Kapelle der Hessischen Landespolizei und die Trachtenkapelle aus Platt/Tirol verpflichtet. Nach einem Sternmarsch treffen sich die Kapellen am Rathaus zu einer abschließenden gemeinsamen Darbietung. Der Sonntagnachmittag ist den Kindern gewidmet. Vorführungen der Frankfurter Puppenbühne sowie ein großer Vergnügungspark sollen die Kleinen an dem Fest teilnehmen lassen. Für Sonntagabend ist eine Tanzveranstaltung vorgesehen. Stolz konnte Winterstein die Verpflichtung Deutschlands größter Showkapelle (Max Greger) bekanntgeben, die an diesem Abend fünf Stunden lang mit modernen Rhythmen unterhalten wird. Die Feierlichkeiten werden am Montag, 14. September, mit einem traditionellen Frühschoppen sowie einem großen Feuerwerk ausklingen.

Dienstag, 16. Juni 1970
Hochkonjunkturauf dem „Heiratsmarkt“
Auf dem „Heiratsmarkt hessischer Gemeinden“ herrscht in diesen Tagen Hochkonjunktur. 35 Orte haben bei der Landesregierung das Aufgebot bestellt, um sich am 1. Juli 1970 für immer zu verbinden. Mit diesen Gemeindefusionen erhöht sich die Zahl der in den letzten zwei Jahren an Zusammenschlüssen beteiligten Gemeinden auf 145. Ohne die kreisfreien Städte wird es dann in Hessen noch 2587 Gemeinden geben. Zu den zahlreichen Fusionsanträgen erklärte Innenminister Dr. Johannes Strelitz in Wiesbaden, an dieser „Heiratsfreudigkeit“ werde allen Unkenrufen zum Trotz deutlich, dass die Reformpolitik der „sanften Hand“, wie sie die Landesregierung betreibe, ein geeignetes Instrument sei, um die Gemeindestruktur zu modernisieren. Die Behauptung, es mangele Kommunalpolitikern und auch der Bevölkerung an Einsicht und Bereitschaft, an der Kommunalreform gestaltend mitzuwirken, werde durch die Vielzahl freiwilliger Gemeindezusammenschlüsse eindeutig widerlegt.
Der Minister unterstrich, dass in keinem anderen Bundesland das hessische Ergebnis an freiwilligen Gemeindefusionen erreicht werde. Hessen werde sich auch weiterhin bemühen, bei der Gemeindereform radikale Lösungen zu vermeiden. Die Landesregierung wolle sich in erster Linie auf die demokratische Mitbestimmung der Kommunen und auf die bisher mit viel Erfolg praktizierte finanzielle Förderung von Gemeindezusammenfassungen stützen. Die 35 „heiratswilligen“ Orte werden sich  zu zehn neuen Gemeinden zusammentun. Darunter ist mit der Fusion von elf Gemeinden im Landkreis Waldeck der bisher umfangreichste Zusammenschluss in Hessen zu verzeichnen. Alle „heiratsfreudigen“ Gemeinden erhalten als Mitgift der Landesregierung für zehn Jahre zusätzliche Finanzmittel in Form von Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzausgleich. Mit diesem Geld sollen vor allem gemeinschaftliche Einrichtungen der Daseinsfürsorge gefördert werden. Nach den Worten von Strelitz ist in diesem Jahr noch eine Reihe weiterer Gemeindezusammenschlüsse zu erwarten. Die Zahl der Gemeinden, die in ernsthafte Fusionsverhandlungen eingetreten sind, habe sich inzwischen auf etwa 400 erhöht. Durch die Intensivierung der Modellplanung des Landes und eine Ausweitung der interkommunalen Gemeinschaftsarbeit werde die Landesregierung diese Entwicklung nach Kräften unterstützen. (Anm.: Auch die Gemeinden Eddersheim, Okriftel und die (Noch-)Gemeinde Hattersheim dachten zu diesem Zeitpunkt über einen Zusammenschluss nach.)

Vor 50 Jahren
Mittwoch, 15. Juni 1960
Jubiläumsturnier des Sportvereins
Der Sportverein Hattersheim, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, eröffnet in dieser Woche seine zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen mit einem Fußballturnier, an dem ebenso namhafte wie spielstarke Mannschaften teilnehmen.
Vereine der Landesliga, der 2. Amateurliga und mit Zeilsheim und dem Jubelverein auch zwei Vertreter der A-Klasse streiten an diesem Wochenende um die Siegespalme. Griesheim 02, Preußen Frankfurt, SG Kelkheim, Kickers Mühlheim, Sportfreunde Frankfurt, SG Höchst, SVZeilsheim und SV Hattersheim sind Mannschaften, deren fußballerischer Ruf eines 50-jährigen Jubelfestes würdig ist und deren Namen an die Glanzzeiten des Sportvereins erinnern.
Bei dieser Turnierzusammenstellung war der SVHattersheim nicht nur bestrebt, seiner Anhängerschaft eine Demonstration wirklich guten Fußballs zu präsentieren, er verfolgte vielmehr auch den Zweck, in seinem Jubeljahre auch werbend auf jene einzuwirken, die bisher dem von ihm gepflegten Sport fernstanden.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 23 vom 11. Juni 2010

Vor 25 Jahren
Freitag, 7. Juni 1985
Feuerwehrfeiert 80-jähriges Bestehen EDDERSHEIM (wr) - An der alten Grundschule wird ein Festzelt errichtet. Auch ein Festbuch wird erscheinen. Die Freiwillige Feuerwehr Eddersheim feiert am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Juni 1985, ihr 80-jähriges Bestehen. Festauftakt wird bereits am übernächsten Sonntag sein mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche. Pfarrdiakon Helmut Schmidt und Pfarrer Otmar Endlein werden ihn gemeinsam gestalten. Vorher werden die Mitglieder der Feuerwehr am Ehrenmal ihrer Verstorbenen gedenken.
Das eigentliche Festprogramm beginnt am Samstag, 22. Juni, um 20 Uhr mit einem Bunten Abend. Man hat dazu namhafte Künstler, die von Funk und Fernsehen bekannt sind, verpflichtet. Zum Tanz und zur Unterhaltung werden die „Combo-Deos“ aufspielen. Am Sonntag, 23. Juni, ist ab 8 Uhr Weckruf durch den Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel. Um 10 Uhr wird man sich dann im Festzelt zum Frühschoppen versammeln, zu welchem eine Egerländer Blaskapelle aufspielen wird. Außerdem wird an diesem Vormittag eine Fahrzeugweihe stattfinden. Man hat zu dem Fest auch eine Lotterie vorbereitet mit schönen Preisen. Hauptgewinne sind eine Vier-Tage-Fahrt nach Berlin zur Bundesgartenschau sowie ein Fahrrad und ein Präsentkorb. Die Auslosung der Gewinner wird am Sonntag gegen Mittag im Rahmen des Frühschoppens erfolgen.
Aus der Geschichte der Wehr: In früherer Zeit war das Feuerlöschwesen Angelegenheit der Gemeinden, die dafür zu sorgen hatten, dass im Falle eines Brandes Männer und Gerät zur Verfügung standen. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts  wurden dann die ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet. In Eddersheim war es im Sommer 1905. Der eigentliche Anlass war eine Übung, die der damalige Kreisbrandmeister aus Wiesbaden in Eddersheim mit der Pflicht-Feuerwehr anberaumt hatte. Dabei stellten sich erhebliche Mängel bei Ausbildung und Gerätschaften heraus, so dass der Kreisbrandmeister den Wunsch aussprach, eine freiwillige Wehr zu gründen. Mit der Unterstützung des Lehrers und zweier Handwerker wurden die vorbereitenden Arbeiten getroffen und im September 1905 fanden sich im Gasthaus „Zum Schwanen“ 31 Männer zur Gründungsversammlung zusammen, von denen sich 29 als aktive Mitglieder verpflichteten. Auch zwei passive Mitglieder konnten gewonnen werden. Kurz darauf wurde die Wehr in den damaligen Feuerwehrverband des Bezirks Wiesbaden aufgenommen.
Erster Kommandant der Feuerwehr Eddersheim wurde Josef Schmidt. Vereinbart wurde damals ein Monatsbeitrag von 20 Pfennig. Es war nicht leicht, Geld in die Kasse zu bekommen für eine bessere Ausrüstung. Immerhin gewährte im Jahre 1907 die Nassauische Brandkasse eine Beihilfe von 270 Mark. Man begann damit, gesellige Veranstaltungen zu organisieren, um die Ausrüstung finanzieren zu können. Im Februar 1908 fand im Eddersheimer „Löwen“ der erste Feuerwehrball statt. Auch Preisschießen, Preiskegeln und Christbaumverlosungen wurden durchgeführt. Der erste größere Einsatz der Eddersheimer Feuerwehr war beim Brand der Bonnemühle im April 1908. Die Wehr erhielt dafür als Prämie 20 Mark. 1910 erwarb man von der Feuerwehr in Unterliederbach eine Schiebeleiter. Noch fehlte ein Schlauchwagen. Ein Pferdefuhrwerk wurde zu diesem Zweck entsprechend umgebaut.
1921 wurde eine Feuerwehrkapelle gegründet und 1925 eine Sterbekasse, die heute noch besteht. Inzwischen wurde der Monatsbeitrag auf eine Mark angehoben. Im Juni 1930 wurde 25-jähriges Stiftungsfest mit Fahnenweihe gefeiert. Im gleichen Jahr stiftete die Gemeinde 150 Meter Schlauch sowie eine moderne Leiter.
Leider fehlen für die Chronik die Unterlagen aus den Jahren 1933 bis 1947. Sie verschwanden spurlos. Bekannt ist, dass im Krieg alle Freiwilligen Wehren der Feuerschutzpolizei zugeteilt wurden, so auch die Eddersheimer, die auch in Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden eingesetzt war. Doch auch in Eddersheim fielen Bomben. Schwer getroffen wurden das Pfarrhaus und das Gasthaus „Zum Löwen“. Eigentliches Bombenziel war die Schleuse, die jedoch nicht getroffen wurde.
Unter Wehrführer Pressler wurde 1955 das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Ein Jahr später konnte die Ausrüstung erheblich verbessert werden durch Anschaffung eines Mannschaftswagens vom Typ Opel-Blitz. Auch eine neue Tragkraftspritze mit VW-Motor kam hinzu und im Juli 1964 konnte das neue Gerätehaus eingeweiht werden. 1978 wurde mit dem Anbau für einen Unterrichtsraum begonnen. 1968 wurde zudem eine Jugendwehr gegründet, die sich seither gut bewährt hat. Anfang Juni 1980 wurde das 75-jährigc Bestehen gefeiert. Dabei konnte auch ein neues Löschfahrzeug in Dienst gestellt werden. Zu erwähnen ist noch die Einführung des sogenannten „stillen Alarms“, der in den Hattersheimer Stadtteilen schrittweise erfolgte. Dazu wurden an die Aktiven der Wehr Funk-Meldeempfänger ausgegeben.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 2. Juni 1970
Sturm-Tandem Seeler - Müller überzeugt
„Ich glaube, wir können der Weltmeisterschaft (1970 in Mexiko) mit Zuversicht entgegensehen.“ Diese Feststellung traf Bundestrainer Helmut Schön am Sonntagabend nach dem vierten und bisher besten Trainingsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, bei dem über 65 Minuten die A-Auswahl in der für das Spiel gegen Marokko vorgesehenen Mannschaft mit 5:1 gegen die sogenannte BAuswahl siegte. Die A-Auswahl trat in der Besetzung Maier - Vogts, Schulz, Fichtel, Höttges - Beckenbauer, Overath, Haller, Seeler, Müller, Held an. Erstaunlich gut funktionierte das Sturm-Tandem  Uwe Seeler/Gerd Müller. Seeler scheint seinem dritten Frühling entgegenzugehen. Drei bildschöne Tore kamen auf sein Konto und bei einem Müller-Treffer leistete der Hamburger die Vorarbeit. Bei diesem
Test führten Seeler/Müller die Vorstellungen, dass es mit beiden gemeinsam in deutschen Angriff bei der WM nicht klappen würde, ad absurdum. Beckenbauer sowie Overath kurbelten pausenlos den Angriff an, in der Abwehr hatte die Viererkette keinen schwachen Punkt. Maier gab viele Kostproben seines Könnens, doch war Wolter auf der Gegenseite - trotz der fünf Tore - keinen Deut schwächer. Welche Mannschaft der Bundestrainer in den nächsten zehn Tagen in den Gruppenspielen in Leon auch auf das Feld schicken wird, sie verdient unbedingt Vertrauen, sind doch nicht nur die Spieler in bester körperlicher Verfassung, die im „ersten Glied“ stehen, sondern auch diejenigen, die sich mit der Rolle des „Reservisten“ begnügen müssen. Bedenkenlos könnte Helmut Schön den einen oder anderen Spieler der „gemeinten“ Mannschaft auswechseln, ohne dass eine Schwächung eintreten muss. Das gilt besonders für Wolter, Schnellinger, Löhr, Patzke und Lorenz, die während der vier Testspiele den „Auserwählten“ bestimmt nicht nachstanden. Von Seiten der Trainer (Schön/Derwall) sowie der ärztlichen Betreuung (Prof. Schoberth-Deuser) ist alles getan worden, um in knapp vier Wochen eine Mannschaft auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten, die mit gesundem Optimismus in die Spiele gehen kann. So sagte auch Kapitän Uwe Seeler, der gegen Marokko sein 66. Länderspiel bestreiten wird: „Niemand denkt mehr an die harte Saison der Bundesliga zurück. Das Training in Mexiko war ausgezeichnet dosiert. Unser Leben hier ist eine Mischung zwischen Anstrengung und Erholung. Wir wollen uns nicht so leicht aus der Weltmeisterschaft boxen lassen.“
(Brasilien, mit Pelé, wurde Weltmeister bei der WM 1970 in Mexiko. Deutschland kam ins Halbfinale und verlor gegen Italien in einem spannenden Jahrhundertspiel 3:4 nach Verlängerung. Deutschland trat mit folgender Aufstellung an: Sepp Maier; Berti Vogts, Willi Schulz, Karl-Heinz Schnellinger, Bernd Patzke (ab 66. Minute Sigfried Held); Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath; Jürgen Grabowski, Gerd Müller, Hennes Löhr (ab 52. Minute Reinhard Libuda). Im Spiel um den 3. Platz besiegte die deutsche Mannschaft Uruguay mit 1:0. Die Nationalmannschaft wurde in Deutschland zur Mannschaft des Jahres, Uwe Seeler zum Fußballer des Jahres und Gerd Müller als bester Torschütze der WM zu Europas Fußballer des Jahres ernannt.)

Vor 50 Jahren
Freitag, 10. Juni 1960 120 Jahre „Taunusbahn“
Schon Anfang 1837 war in Mainz die Frage einer Bahn, die es mit Frankfurt verbinden sollte, eifrig besprochen worden. Die hessische Regierung erhoffte davon eine wesentliche Belebung der Wirtschaft und unterstützte den Plan. In Mainz bildete sich eine Gesellschaft, die durch Ausgabe von Aktien das nötige Kapital aufbrachte. Da traten sieben Frankfurter Bankiers mit dem Plan hervor, neben dieser Bahn, die auf der Südseite des Mains verlaufen sollte, eine auf der Nordseite zwischen Frankfurt und Wiesbaden zu bauen. Im Spätsommer 1837 einigten sich die Mainzer mit den Frankfurtern auf den Bau der rechtsmainischen Bahn, zumal von Anfang an die Verbindung mit der geplanten Bahn Mannheim - Basel vorgesehen war.
Der Streit der Interessenten ging weiter. Das verhinderte lange den Beginn der Arbeiten. Inzwischen wurde mit den Aktien wild spekuliert. Als bis Anfang 1838 nichts Ernsthaftes geschehen war, drohte deren Kurs unter pari zu sinken. Das Komitee engagierte Arbeiter, die an drei Stellen das Gelände zu planieren und Schienen zu legen begannen. Schwierigkeiten aller Art waren zu überwinden. Die Besitzer der zwischen Mainz und Hochheim gelegenen Weinberge verlangten geradezu phantastische Preise. Außerdem beanspruchten die Besitzer der an die Bahn grenzenden Weinberge eine Entschädigung für die zu erwartenden Rauchschäden.
Im Juni 1839 waren zwischen Mainz und Wiesbaden alle Vorarbeiten erledigt und ein Drittel der Schienen gelegt, ebenso zwischen Frankfurt und Hattersheim. Aber erst im August 1839 waren, mit Ausnahme der Gemarkungen von Hochheim und Kostheim, alle Erd- und Planierungsarbeiten vollendet, die Stationsgebäude von Frankfurt, Kastel und Wiesbaden fast fertig. Drei Lokomotiven und mehrere Personenwagen konnten sofort eingesetzt werden. Am 26. September 1839 wurde die Bahn mit der Strecke Frankfurt – Höchst eröffnet. Trotz der hohen Preise waren die Züge an den ersten Tagen überfüllt. Das Stationsgebäude war von Neugierigen umlagert, wenn ein Zug eintraf oder abfuhr. Anfang 1840 war die ganze Strecke fertig.
Der Verkehr von Frankfurt nach Wiesbaden war sehr rege. Die Züge wurden stark benutzt, namentlich an Sonn- und Feiertagen. Zum großen Ärger der Mainzer Kaufleute fuhren die dortigen Damen oft nach Frankfurt, nahmen sich dort einen Fiaker, der sie von Geschäft zu Geschäft brachte, und kehrten mit Paketen beladen heim. Im „Morgenblatt für gebildete Stände“ las man am 7. Juni 1840: „Sonst fließt der Main in den Rhein, jetzt aber der Rhein in den Main. Frankfurt, dieser verschlingende Geldmoloch, fährt nach Mainz, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Und das liebe Mainz fährt nach Frankfurt, um die reichen Käuze dort noch reicher zu machen. Bald wird es soweit kommen, dass man nach Frankfurt fährt, um sich ein Paar Beinkleider, ein Paar Schuhe machen oder die Haare schneiden zu lassen.“
Im Juni 1840 wurde die ganze Strecke offiziell eröffnet. Vermutlich hatten die leitenden Männer erst abwarten wollen, wie sich der Verkehr entwickelte, ehe sie festsetzten, wieviel Züge täglich und wann sie fahren sollten. Am 3. Juni war im Mainzer Anzeiger zu lesen, dass man vom folgenden Tag an täglich fünfmal von Wiesbaden nach Frankfurt und umgekehrt, außerdem zweimal von Kastel nach Wiesbaden und umgekehrt fahren könne. Der Mainzer Stadtrat ordnete, „um die Fremden vor Nepp zu schützen“, an, dass die Lohnkutscher „jedes Mal nach Ankunft eines Convoi die Reisenden für 18 Kreutzer incl. Brückengeld und Gepäck in ihre Quartiere zu bringen hätten“.
Die neue Bahn, allgemein „Taunusbahn“ genannt, rentierte sich von Anfang an sehr gut. Nach einem im „Morgenblatt“ am 29. September abgedruckten Bericht waren alle Rheindampfer vier Monate lang überfüllt; Mainz war der „Hafenplatz für den rheinischen Tourismus“.
Oft mussten Fremde von den Hotels abgewiesen werden, weil sie bis zum letzten Bett besetzt waren. Die Taunusbäder hatten eine glänzende Saison.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 21 vom 27. Mai 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 23. Mai 1985
„Erwarein Stück Eddersheim“
Bei einer Taunuswanderung verstarb am Himmelfahrtstag ganz plötzlich der langjährige Vorsitzende der TSG Eddersheim, Hans Giesen, kurz nach Vollendung seines 63. Lebensjahres. Die Trauerfeier fand am Mittwoch in der Trauerhalle des Eddersheimer Friedhofs statt. Vor einer sehr großen Trauergemeinde zeichnete Bürgermeister Schubert den Lebensweg von Hans Giesen nach, den er als geradlinig und bescheiden charakterisierte. Am 8. Mai 1922 in Eddersheim geboren, war der Verstorbene „durch und durch Eddersheimer“ und in seiner Heimatgemeinde hoch geschätzt und geachtet. Schubert erwähnte, dass Giesen bereits im Alter von zehn Jahren den Vater verlor und er dadurch schon früh wirtschaftliche Not kennenlernte und es ihm auch nicht vergönnt war, ein Studium anzutreten. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Opel. Seine Soldatenzeit endete in der Kriegsgefangenschaft. „Sicher hat schon diese Zeit körperliche Schäden bei ihm hinterlassen“, sagte Schubert, der auch erwähnte, dass Giesen nach der Kriegsgefangenschaft erst mal ohne Arbeit war und erst später wieder bei Opel beginnen konnte. Engagiert hat Giesen in der Kommunalpolitik mitgearbeitet. „Sein Wort hatte Gewicht“, sagte Schubert, der auch Geradlinigkeit und Pflichtbewusstsein des Verstorbenen, seine Sorge um die Familie und seine hohen Ansprüche an Sitte und Moral herausstellte. Erwähnt wurden auch seine Hobbys Heimatkunde und Geschichte, das Schachspiel und seine Aktivitäten für die Turn und Sportgemeinde.
Giesen gehörte zwischen 1963 und 1981 16 Jahre der Gemeindevertretung der früheren Gemeinde Eddersheim und nach dem Zusammenschluss der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hattersheim an. Von 1964 bis 1968 war der Sozialdemokrat darüber hinaus Vorsitzender der Gemeindevertretung Eddersheim. Daneben war Giesen von 1971 bis heute Schöffe am Ortsgericht Eddersheim und seit 1983 Mitglied des Beirats „Dorferneuerung Eddersheim“. In Anerkennung der Verdienste wurde ihm 1978 der Ehrenbrief des Landes Hessen und 1981 die Rathausplakette der Stadt in Silber verliehen.
SPD-Ortsvorsitzender Edgar Nebel erwähnte, dass Giesen über 20 Jahre der SPD angehörte und bis zuletzt in der Politik aktiv mitarbeitete, auch wenn er schon vor vier Jahren seine Ämter abgegeben hatte. „Er war ein Stück Eddersheim“, sagte Nebel, der den Verstorbenen einen bescheidenen und integren Mann nannte, der mit Logik und Vernunft die Zusammenhänge durchschaute und unbeirrt seinen Weg ging. „Wir haben einen Freund und Mitstreiter verloren, der uns unvergessen bleibt“, betonte Nebel. Für die TSG sprach Vorstandsmitglied Werner Borst, der die Verdienste des Verstorbenen zunächst als Zweiter, und dann als Erster Vorsitzender würdigte, insbesondere seinen Einsatz für den Handballsport und die Turnhallenerweiterung. Er erwähnte auch, dass Hans Giesen in den letzten Wochen an der Vereinschronik für das in drei Jahren anstehende 100jährige Jubiläum arbeitete. Giesen war auch Mitglied im GVLiederkranz-Eintracht sowie im Schachclub Flörsheim.

Vor 40 Jahren
Freitag, 22. Mai 1970
Esel, Kamele und ein Elefant
Der Wäldchestag, einst den Frankfurtern abgeguckt, ist längst zu einem eigenen Okrifteler Volksfest geworden. In diesem Jahr hat es sich zum ersten Male auch über den eigentlichen Wäldchestag hinaus ausgedehnt, um nicht zu sagen „vorausgedehnt“, denn schon am Pfingstsonntag und -montag lockten die langen Tischreihen, das Bierzelt, Bratwurst- nd Schaschlikbuden und der Rummelplatz ins Wäldchen. Während die beiden Pfingsttage den Okriftelern und den Nachbarn aus Hattersheim vorbehalten waren, sah man am Dienstag Besucher aus der ganzen Umgebung. Im Gegensatz zum Vorjahr haben sich die gebotenen Attraktionen auf dem  Rummelplatz gewaltig vermehrt. Zwei Zuckerstände, Schieß- und Losbude, Kinderkarussell, Autoskooter und Flieger waren dicht umlagert. Die Schaschlik- und Wurstbratereien konnten kaum mit der Nachfrage Schritt halten. Hauptanziehungspunkt aber war eine Arena voll lebender Tiere. Hier konnte jeder für eine Mark einige Minuten lang sein eigener Dschungelboy oder Wüstenscheich sein. Wem Elefant oder Kamel zu hoch oben war, drängte sich nach einem Ritt im Pony- oder Eselsattel. Der anhaltende Andrang ließ aber auch manchen Mini-Daktari verzichten und sich damit begnügen, wenigstens einmal das Eselbaby zu streicheln, das die vielen Umarmungen gelassen über sich ergehen ließ.
Wenn es im letzten Jahr in der Okrifteler Zeitung noch hieß: Die Kinder kann man auf dem Juxplatz toben lassen, sie sind für sich und trotzdem hat man sie im Auge, so war das im diesjährigen Gedränge nur noch für wenig ängstliche Eltern zutreffend. Man musste erst sein Soll an den einzelnen Fahrbetrieben erfüllen, ehe man zum gemütlichen Teil an den langen Tischreihen übergehen konnte. Leider war hier aber von Gemütlichkeit nicht immer die Rede. An manchen Tischen sah es wüst aus. Da stapelten sich Pappteller mit angeknabberten Brötchen, halbgegessenen Bratwürsten, aufgerissenen Pommes frites-Tüten, zerknüllten Servietten und Senfresten, dass einem schon beim bloßen Anblick der Appetit verging. Ein Kellner gab auf die Frage nach einem Papierkorb für all diese „Schätze“ zur Antwort „tut mir leid, ich bin zum ersten Mal hier“. So mussten die, die es besser machen wollten, ihre Reste ebenfalls so zurücklassen. Es ist schade, dass man auch so etwas berichten muss, denn bei all der Mühe, die sich die Verantwortlichen mit der Organisation gemacht haben, ist es ungerecht, wenn Besucher von auswärts dieses Schlussbild vom Wäldchestag mit nach Hause nahmen. Im Übrigen muss dem eigentlichen Veranstalter des Wäldchesfestes, dem Vereinsring Lob ausgesprochen werden für ein in seiner Gesamtheit gelungenes Volksfest. Ebenso ist die DRK-Bereitschaft zu erwähnen, die an den Festtagen im Einsatz war, um Erste Hilfe zu leisten.

Hausabbruch im Ortskern
Einen weiteren Schritt zur Umgestaltung des Ortskerns wird die Gemeinde in diesen Tagen tun, wenn sie den Abbruch des Hauses Hauptstraße 4 sowie des Hauses Frankfurter Straße 1 (ehemaliges Frühmesser-Haus) vornimmt. Wie Bürgermeister Winterstein mitteilte, waren die Verhandlungen mit dem Hessischen Straßenbauamt als Eigentümer des Hauses Frankfurter Straße 1 erfolgreich, so dass in den nächsten Tagen die Gebäude fallen können. Danach ist bezüglich der Sanierungsbestrebungen im Gebiet zwischen der Bachbrücke und dem Gasthaus „Zur Krone“ ein vorläufiger Abschluss geschaffen. Nach dem Bebauungsplan ist für den Bereich „Ortskern“ eine völlige Umgestaltung vorgesehen. Von der Frankfurter Straße aus soll die Hauptstraße platzartig ausgebaut und mit Parkplätzen und Grünanlagen großzügig ausgestaltet werden. Der Entwurf des Bebauungsplanes sieht eine Bebauung des Platzes mit sechs- bzw. achtgeschossigen Gebäuden vor, in deren Erdgeschossen Verkaufsflächen, in den Obergeschossen Wohnungen vorgesehen sind.

Vor 50 Jahren
Freitag, 27. Mai 1960
Schalterbesetzung wird angepasst
Ende April hat sich der Gemeindevorstand an die Oberpostdirektion in Frankfurt gewandt und auf die mangelhafte Besetzung im hiesigen Postamt hingewiesen. Die Oberpostdirektion hatte eine Überprüfung zugesagt und dem Gemeindevorstand nunmehr mitgeteilt, dass aufgrund der getroffenen Feststellungen die Öffnungszeiten des zweiten Schalters in den nächsten Tagen erweitert wird. Danach werden die beiden Schalter wie folgt geöffnet sein: Hauptschalter: Montag bis Freitag 8-12 und 15-18 Uhr, Samstag 8-14 Uhr, verkaufsoffener Samstag 8-12 und 15-18 Uhr (für den Nebenschalter galten entsprechend eingeschränkte Zeiten). An Sonntagen ist ein Schalter von 8-9 Uhr geöffnet. Eine weitere Verstärkung ist vorläufig nicht gerechtfertigt. Es wird jedoch für die Auszahlung der Renten an vier Tagen im Monat eine besondere Aushilfskraft eingesetzt, so dass die Schalterbeamten von dem Auszahlgeschäft völlig befreit sind. Lediglich an Nachzügler werden die Renten vom Schalterbeamten gezahlt. Zur reibungslosen Abwicklung des Publikumsverkehrs ist es erforderlich, dass die Renten termingemäß abgeholt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die von der Oberpostdirektion getroffenen Maßnahmen sich günstiger auf den Schalterbetrieb auswirken.

„Nach meiner Meinung“
kann auch eine gescheiterte Gipfelkonferenz nicht von einem Ereignis ablenken, das uns demnächst bevorsteht: Am 28. Mai wird in Baden-Baden die Miss Germany gewählt. Zwar gibt es Leute, die schon im vergangenen Jahr dieser Schönheitskonkurrenz ein schnelles Ende voraussagten, weil die Länderausscheidungen teilweise schlecht besucht waren. Doch hat sich gezeigt, dass unter den Veranstaltern Taktiker sind, wie man sie oft nicht einmal unter Politikern findet. Sie haben die Länderwahlen hinter verschlossene Türen gelegt, und was da die Kurfürsten namens Müller, Meier und Schulze ausgesucht haben, präsentiert sich dann auf dem Laufsteg in Baden-Baden. Damit aber die Allgemeinheit auf ihre Kosten kommt, sieht man die Bilder der 12 Schönen in Illustrierten, und man kann schon mal raten, wer auf den Thron kommt. Wobei Oberweite, Taille und Hüfte genau angegeben sind, und wer nun die einzelnen Werte der 12 Kandidatinnen zusammenzieht und sie dann durch 12 teilt, hat das Mittelmaß. Und was die Wahl als solche betriff, sie hat zwar schon manchen Krach hinter den Kulissen verursacht, aber der Thron bleibt zum Schluss doch nie leer (was bei ernsteren Wahlbemühungen unter Umständen nicht immer erreicht wird). Die von einer Illustrierten aufgestellte Behauptung, dass die Diktatur der Schönheit die einzige Diktatur ist, unter der es sich angenehm leben lässt, will ich allerdings nicht im Namen aller Ehemänner unterschreiben. Lassen Sie mich aber noch vermerken, dass inzwischen das für manchen Politiker zur lieben Gewohnheit wurde, was für eine Schönheitskönigin selbstverständlich ist: Sie nimmt nach ihrer Wahl von der Industrie Geschenke an. Und sollten Sie mich nun fragen, ob es heute nichts anderes zu besprechen gegeben hat, so möchte ich Ihnen sagen: Unsere Zeit ist wieder mal so ernst geworden, dass man froh ist, etwas zu finden, was man mal nicht so ernst zu nehmen braucht.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 20 vom 21. Mai 2010

Vor 25 Jahren
Freitag, 17. Mai 1985
Ausstellung zum 100. Geburtstag Anton Flettners
EDDERSHEIM (wr) - Am 1. November 1985
jährt sich der 100. Geburtstag des Ingenieurs und Erfinders Anton Flettner. In Eddersheim ist er geboren, und die Gemeinde hat ihn noch zu Lebzeiten zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Anton Flettner, der 1961 in den USAstarb, dessen Asche jedoch in einer Urne im Grab seiner Eltern in Eddersheim beigesetzt ist, hat sich insbesondere durch Erfindungen auf dem Gebiet der Luft- und Seeschifffahrt hervorgetan. Ein weitläufiger Verwandter von ihm - beide haben den gleichen Urgroßvater - ist der 69-jährige Werkzeugmacher Hans Flettner aus der Eddersheimer Parkstraße.
Hans Flettner, selbst ein technisch versierter Bastler, hat einiges zusammengetragen aus dem Nachlass von Anton Flettner. Er hat Dokumente und Schriften gesammelt und sich bereit erklärt, den Vereinsring bei der Vorbereitung einer Ausstellung über Leben und Werk des Erfinders zu unterstützen. Die Ausstellung wird anlässlich des Fischerfestes (9. bis 12. August) stattfinden. Als Ausstellungsraum hat man bereits den Laden der ehemaligen Bäckerei Messer in der Probsteistraße ausgewählt.
Anton Flettner war ein weitgereister und genialer Mann, der schon in seiner Jugend, als er noch das Gymnasium in Höchst besuchte, eine drahtlose Fernsteuerung erfand. Wie so oft, wenn es darum geht, eine neuartige Erfindung durchzusetzen, fand sich auch hier zunächst niemand, der erkannte, welche Möglichkeiten diese Erfindung bot. Zwar gab es nach Beginn des Ersten Weltkriegs Leute, die darauf hinwiesen, dass man mit Hilfe der Flettner-Erfindung ferngesteuerte Panzer (damals Tanks genannt) bauen könnte. 1915 wurde auch der Prototyp eines solchen Tanks in Berlin vorgestellt. Er funktionierte sehr eindrucksvoll. Der deutsche Generalstab aber lehnte die Serienfertigung eines solchen ferngesteuerten gepanzerten Kettenfahrzeugs ab. Und so waren es die Engländer, die ein Jahr später an der Westfront die ersten Tanks einsetzten und die 1917 in der Panzerschlacht von Cambrais durch den Masseneinsatz von Tanks offensiv wurden und damit einen wichtigen kriegsentscheidenden Schritt taten.
Doch die genialste Idee Anton Flettners diente friedlichen Zwecken und beruhte auf seinen Forschungen der Luft- und Wasserströmungen. Flettner hatte in jungen Jahren selbst eine mehrmonatige Reise auf einem Segelschiff nach Australien unternommen und gewann dabei sicher viele praktische Erkenntnisse über Wind- und Wasserverhältnisse. Zudem war er als Sohn eines Schiffseigners schon früh mit der Schifffahrt in engste Berührung gekommen. Flettners genialste Erkenntnis beruhte darauf, dass man die Steuerkraft eines Luft- oder Seeschiffs viel besser ausnutzen konnte, wenn man dem großen Ruder ein kleines sogenanntes Hilfsruder vorsetzte, das dann auch Flettner-Ruder genannt wurde. Flettner arbeitete auch mit Graf Ferdinand von Zeppelin zusammen, der schnell die Bedeutung von Flettners Erfindung für die Luftschifffahrt erkannte. Es würde zu weit führen, noch weitere Flettner-Erfindungen an dieser Stelle zu erläutern. Hans Flettner zeigte uns anhand eines Modells, dass eine weitere Flettner-Erfindung heute noch in luftdruckgetriebenen Bohrmaschinen angewandt wird. Man kann sagen, dass die bevorstehende Ausstellung viel Interessantes beinhalten wird. Es lohnt, sich mit Flettners Leben und Werk zu beschäftigen.

Montag, 20. Mai 1985
Konrad Treber wird 60
HATTERSHEIM - Am Donnerstag, 23. Mai, kann der Okrifteler Altbürgermeister und jetzige Geschäftsführer der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft, Konrad Treber, seinen 60. Geburtstag feiern. Der Sozialdemokrat war von 1962 bis 1972, dem Jahr des freiwilligen Zusammenschlusses mit Hattersheim und Eddersheim zur Stadt Hattersheim, Bürgermeister der Gemeinde Okriftel. In der neuen Stadt erfüllte Konrad Treber bis 1981 die Aufgaben eines Stadtkämmerers, bis er im Sommer 1981 zum hauptamtlichen Geschäftsführer der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft bestellt wurde. Auf kommunalpolitischer Ebene engagiert sich Treber seit vielen Jahren im Kreistag und im Kreisausschuss. Besonders verbunden ist Konrad Treber natürlich noch immer seiner Wahlheimat Okriftel. Dort ist er Ortsgerichtsvorsteher und Mitglied oder Ehrenmitglied in zahlreichen Vereinen, wie der Freiwilligen Feuerwehr, der Sängervereinigung, dem FC Germania und dem Schützenverein.

Ex-Landrat Dr. Jost wurde 65
Zu einem Empfang aus Anlass des 65. Geburtstages von Dr. Valentin Jost, dem früheren Landrat des Main-Taunus-Kreises, hatte Landrat Dr. Löwenberg in der vergangenen Woche in die Hofheimer Stadthalle eingeladen. Der Geburtstag war eigentlich schon im Februar, konnte aber damals wegen Erkrankung nicht gefeiert werden. Unter den Gästen waren auch Innenminister Horst Winterstein, Kreistagsvorsitzender Dr. Hanns Großmann, FDP-Landtagsabgeordneter Heiner Kappel, Kreisbeigeordneter Wolfgang Knoll sowie zahlreiche Parteifreunde des Jubilars, auch Konrad Treber.
Löwenberg würdigte die Verdienste seines Vorgängers, der seit 1979 geschäftsführender Direktor der Hessischen Landesbahn und Vorstand der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn (früher Königsteiner Kleinbahn) ist. Unter den Gratulanten war auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Hessischen Landesbahn, Ministerialrat Otto Waniek aus dem Finanzministerium. Er verlas eine Grußbotschaft des für die Landesbahnen zuständigen Staatssekretärs Dr. Hans Dethloffs, der Jost bescheinigte, dass er dem Begriff „Eisenbahndirektor“ bei den Landesbahnen neue Inhalte gegeben habe. Jost selbst meinte: „Mit den Landesbahnen machen wir Verkehrspolitik.“ Eigentlich hatte er seinerzeit bei Übernahme seines neuen Amts den Auftrag bekommen, die landeseigenen drei Bahnlinien (darunter die ehemalige Königsteiner Kleinbahn) der Bundesbahn zu übergeben. Er habe aber schnell erkannt, dass dies eine falsche Politik sei, wobei er das Engagement anderer Bundesländer in Sachen Eisenbahn vor Augen sah. Inzwischen ist eine weitere Eisenbahnlinie der Landesbahn übernommen worden. Jost sprach von der Möglichkeit, dass das Land weitere von der Bundesbahn zur Stilllegung vorgesehene Bahnstrecken übernehmen könne, weil die Hessische Landesbahn kostengünstiger wirtschaften könne. Landrat Löwenberg sprach von einer erstaunlichen Entwicklung im Bereich des neuen Tätigkeitsfelds seines Vorgängers und von den neuen bevorstehenden Aufgaben auf diesem Gebiet, die auch die Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn betreffen, an der der Kreis und die Anliegergemeinden beteiligt sind. Unter der Leitung von Jost wurde eine Modernisierung dieser Bahnlinie im Kreis eingeleitet, die nach Ansicht von Löwenberg bislang erfolgreich gewesen ist. Der Landrat: „Wir machen gerne weiter mit!“ Jost zeigte sich in einer kurzen Ansprache zufrieden über die Entwicklung im Kreis nach seinem Ausscheiden als Landrat. Der Ausbau des unter ihm begonnenen Schulkonzepts sei erfreulicherweise abgerundet worden, auch die Krankenhauspolitik verfolge er mit Interesse.

Hattersheimer Stadtarchiv
Die CDU-Fraktion beantragte vor einiger Zeit den Aufbau eines Stadtarchivs. Der Magistrat gab dazu jetzt einen kurzen Sachstandsbericht, in welchem darauf hingewiesen wurde, dass der seit dem l. April  1984 bestellte Stadtarchivar dabei ist, mit personeller Unterstützung des Vereins für Volksbildung ein Hattersheimer Stadtarchiv aufzubauen. Der Stadtarchivar wird dabei von der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Brauchtumspflege unterstützt, die sich auf Initiative der Stadt gegründet hat und in der sich Bürger zusammengeschlossen haben, die sich der Heimatpflege bzw. Heimatforschung verschrieben haben. Der Stadtverordnetenversammlung soll zu gegebener Zeit über den Fortgang der Arbeiten berichtet werden.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 12. Mai 1970
Feuerwehrübt am brennenden Objekt
Das kurz vor dem Abbruch stehende Haus neben dem Geschäft Fahrrad Brenninger in der Hauptstraße bot sich den Männern der Wehr am vergangenen Montag als ideales Übungsobjekt. Ortsbrandmeister Jost hatte die Vorbereitung getroffen und wollte seine Männer auf die Probe stellen. Zunächst galt es, einen Kellerbrand zu löschen, doch mitten in den Vorbereitungen kam der Ruf: „Verletzte“ im Keller. Zwei Mann mit Pressluftatmern drangen in den verqualmten Keller vor und fanden auch bald die ausgestopfte Strohpuppe. Danach löschten sie das Feuer im Innenangriff. Kaum jedoch waren die Fahrzeuge ins Gerätehaus zurückgekehrt, kam der nächste Einsatzbefehl „Dachstuhlbrand“. Auch hier galt es wieder einen Verletzten zu bergen, und zwar über die 30-Meter-Leiter. Mit Pressluftatmern stiegen zwei Mann in das brennende Geschoss ein und bald kam der Ruf nach Hilfe, weil der „Verletzte“ wahrscheinlich eine Rückgratverletzung hatte. Vorsichtig wurde er über die Leiter abgelassen und dann ging es an die Restablöschung des Brandes. In der Kritik im Gerätehaus wurde diese Übung durchgesprochen und Ortsbrandmeister Jost stellte fest, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen kann.

Vor 50 Jahren
Freitag, 13. Mai 1960
Ehrennadel in Gold für unfallfreies Fahren
22 Einwohner des Main-Taunus-Kreises wurden in einer Feierstunde im Landratsamt von der Verkehrswacht geehrt für unfallfreies Fahren über 40, 30, 20 und 10 Jahre. Die Ehrennadel in Gold mit Eichenkranz erhielten Johann Wolf, Kelkheim und Ludwig Jantz, Höchst. Landrat Dr. Joseph Wagenbach gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass er wieder eine ganze Reihe von Bürgern für ihre Vorsicht am Steuer ihres Kraftfahrzeugs auszeichnen konnte. In seiner Ansprache gab er einen Überblick über die Verkehrsentwicklung im Main-Taunus-Kreis. In den Jahren 1957 bis 1959 stieg die Zahl der Unfälle um mehr als 20 Prozent, die Zahl der Verkehrstoten sogar um 50 Prozent. Um so mehr komme es auf ein sicheres Fahren an, und deshalb müsse man den Kraftfahrern besonders  dankbar sein, die für langjähriges unfallfreies Fahren geehrt wurden. Auch Autofahrer aus Hattersheim, Okriftel und Eddersheim wurden mit Ehrennadeln in Gold und Silber ausgezeichnet.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 19 vom 14. Mai 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 9. Mai 1985
Aktion derTaucher im Okrifteler Baggersee
OKR1FTEL (wr) - Eine fünfköpfige Tauchergruppe (darunter eine Frau) waren am vergangenen Samstagvormittag im Baggersee bei einer „Entrümpelungsaktion“ gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel im Einsatz. Die Aktion wurde auf Initiative des Angelsportvereins durchgeführt, dessen Vorstandsmitglieder sich ebenfalls eingefunden hatten. Der See war früher mal eine Kiesgrube. Nachdem man es aufgegeben hatte, hier Kies zu fördern, wurde er zu einer Art Müllgrube. Der See ist bis zu 14 Meter tief. Ganz genau weiß man das allerdings nicht, denn umfassende Messungen hat man noch nicht vorgenommen. Heute ist das Wasser wieder relativ sauber. Das beweist nicht nur die Tatsache, dass hier Fische aller Art gut gedeihen, sondern vor allem auch das Vorhandensein von Krebsen und Teichmuscheln, wie am Sonntag die Taucher feststellten. Doch nach wie vor ist der Seegrund recht „eisenhaltig“. „Um hier den ganzen Kleinkram rauszuholen, müssten wir 14 Tage lang arbeiten“, meinte John Benna (Hattersheim), ein Mitglied der Tauchsportgruppe des Höchster Schwimmvereins. Er hatte schon zuvor zweimal den Seegrund „inspiziert“. Am Sonntag beschränkte man sich auf den Teil am Ostufer. Der Westteil des Sees soll später ebenfalls drankommen. Das Wasser war an dem Tag noch arg kalt, so dass man trotz der Taucheranzüge nicht allzu lange im Einsatz bleiben konnte. Zehn Grad Wassertemperatur an der Oberfläche wurden gemessen. In der Tiefe ist es um etwa zwei Grad wärmer.
Unter den „Fundsachen“, die an Land gezogen wurden, befanden sich ein Fahrrad, zwei Mofarahmen, eine Wohnzimmertür und alle möglichen Schrottteile. Auch einen dicken, halb verfaulten Baumstamm holte man mit Hilfe der Feuerwehr vom Seegrund. Der hatte insbesondere die Angler geärgert, weil sich daran die Schnüre festhakten. Abgerissene Angelschnüre gibt's noch eine ganze Menge am Seegrund. Und viele angerostete Coladosen. Aber auch größere Sachen liegen noch drin. Einen Gasherd oder Kühlschrank hat man geortet. Doch der ist so tief eingegraben, dass man ihn ebenso wenig rausbekommt wie ein anderes Objekt, bei dem es sich vermutlich um den Abwurftank eines Flugzeugs handelt. Und auch viel Bauschutt liegt im See. Wie schon erwähnt: Der See war „Müllgrube“, bevor sich bei Behörden und Bevölkerung das Umweltschutzbewusstsein festigte.

Montag, 13. Mai 1985
Lange Debatte um Müllumladestation
HATTERSHEIM (wr) - Eine sehr lange, teils heftige und kontroverse Debatte wurde am Donnerstag im Stadtparlament zum Thema Müllumladestation geführt. Wie in unserer Donnerstagausgabe ausführlich berichtet, plant der Umlandverband Frankfurt (UVF) eine solche Station für die projektierte Müllverbrennungsanlage im Frankfurter Osthafen. Vorgesehen als mögliche Standorte sind Kriftel oder das künftige Gewerbegebiet zwischen Eddersheim und Okriftel. Im Stadtparlament waren sich alle einig darüber, dass man die Umladestation nicht nach Eddersheim haben wolle, weil hier nicht die Voraussetzungen gegeben seien. Während seitens der CDU der Vorwurf erhoben wurde, SPD und FDP hätten die Standortauswahl erst dadurch ermöglicht, dass sie das betreffende Gebiet als Gewerbegebiet ausweisen wollen, was von der CDU abgelehnt wird, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Franssen, dass das Gebiet nach den Beschlüssen des Umlandverbands ja erst nach 1995 als Gewerbegebiet vorgehalten werden soll und schon deshalb die Voraussetzungen für die Umladestation nicht gegeben seien. Schließlich sei das Projekt nicht ohne Straßenanbindung möglich. Es müsse dazu die geplante Westtangente gebaut werden. Für diese werde aber vom Umlandverband der Autobahnanschluss abgelehnt, auf Betreiben des Krifteler Bürgermeisters Börs, wie gesagt wurde.
Ein Antrag der Grünen, in dem sich das Stadtparlament auch gegen den Bau der Müllverbrennung im Osthafen aussprechen sollte, wurde von den anderen drei Fraktionen abgelehnt. Die SPD brachte jedoch eine Ergänzung zu ihrem Antrag ein, in welchem Umlandverband und Land Hessen aufgefordert werden, ihre Konzepte zur Abfallbeseitigung aufeinander abzustimmen. Dieser Antrag fand dann die Zustimmung sowohl von SPD und| FDPals auch von der CDU, wurde nur von der Abgeordneten der Grünen, Dr. Barbara Elvers, abgelehnt, bei Stimmenthaltung der zweiten Abgeordneten der Grünen, Karin Schnick.

Vor 40 Jahren
Mai 1930 – Mai 1970:
40 Jahre Kreissparkasse Hattersheim
Vier Jahrzehnte, eine Zeit wechselvollen Schicksals für Hattersheim und seine Kreissparkasse. Es war der Wunsch der Bevölkerung, dass seinerzeit diese Zweigstelle gegründet wurde. Bauunternehmer Josef Mitter stellte damals der Kreissparkasse in seinem Haus Frankfurter Straße 3 den ersten Geschäftsraum zur Verfügung. Mit Einführung der „Wochen-Sparkasse“ begann das Institut einer intensiven Spartätigkeit die Bahn zu bereiten. Im Abholverkehr wurden Mark für Mark zusammengetragen. Ein bemerkenswerter Aufstieg begann. Nach dem Zusammenbruch aller bis dahin gültigen Begriffe im Jahre 1945 hat die den Hattersheimern bekannte Zweigstellenleiterin Frau Junginger die Leitung übernommen. Damit wurde eine überdurchschnittliche Entwicklung eingeleitet, die bereits 1955 eine Verlegung der Geschäftsräume in die Frankfurter Straße 4 notwendig machte. 1957 mussten diese Räume erweitert werden. 1967 bezog die Kreissparkasse ihre heutigen Räume, die trotz vierfacher Größe im Verhältnis zu den bisherigen, bereits abermals beginnen zu klein zu werden. Darüber hinaus steht eine zweite Zweigstelle im Siedlungsgebiet West kurz vor der Eröffnung.
Dieses ohne Schwierigkeiten erkennbare, außergewöhnliche Wachstum ist symptomatisch für das Gesamtinstitut. Nur wenige Zahlen genügen, um zu erkennen, dass es sich hier um eine Entwicklung handelt, die ihre Ursachen nicht nur im allgemeinen Trend haben kann. Wenn 1930 einer Bilanzsumme
von rd. 3,4 Millionen Mark heute eine solche von rd. 300 Millionen Mark gegenübersteht, wenn damals die Gesamtausleihungen mit rd. 3,4 Millionen und heute mit rd. 169 Millionen Mark ausgewiesen werden, oder die Gesamteinlagen 4 Millionen betrugen und jetzt auf 264 Millionen Mark gestiegen sind, so zeigt dies auch unmissverständlich, dass die Kreissparkasse ihre Wurzeln tief in der Bevölkerung verankert hat. Den gleichen Beweis führen die Kontenzahlen, wonach praktisch jeder zweite Einwohnerdes Kreisgebiets ein Konto bei der Kreissparkasse unterhält. Wahrlich ein stolzes Ergebnis im Kreis und auch in Hattersheim.

Vor 50 Jahren
Freitag, 13. Mai 1960
50 Jahre Gewerbeverein Hattersheim
Der Gewerbeverein Hattersheim begeht am 14. Mai sein 50-jähriges Jubiläum. (Anmerkung: Offensichtlich mit mehrmonatiger Verspätung, jedoch mit interessanten Rückblicken.) Es besteht nicht die Absicht, dies in lauten Veranstaltungen zu bekunden. Vielmehr wird man in einer internen Feierstunde der Tatsache gedenken und den Mitgliedern eine Verschnaufpause gönnen, die sie alle redlich verdient haben. Der Gewerbeverein wurde ins Leben gerufen, um dem Gewerbe zu helfen, zu raten und durch Gemeinsamkeit einzustehen, wo dies erforderlich ist. Das gemeinsame Handeln war das Unterpfand bei der Begründung und steht auch heute noch an erster Stelle. Die Zeiten haben sich gewaltig geändert und die Anforderungen sind ungleich größer geworden als vor fünf Jahrzehnten. Überall bilden sich Genossenschaften, Vereinigungen und Interessengruppen, um gemeinsam den Problemen entgegenzutreten, die sich tagtäglich ergeben. Nur starke Vereinigungen können heutzutage etwas ausrichten. In diesem Sinne tut auch der Gewerbeverein seine Pflicht zum Wohle aller.
Geradezu erbaulich ist es, in der Chronik des Vereins zu lesen. Da steht auf dem Protokollbuch der Titel „Acta generalia - Protokollbuch des Gewerbevereins“. Und es beginnt auf der ersten Seite wie folgt: „Geschehen Hattersheim am 18. August 1909. Zufolge Einladung durch Bürgermeister Kessler versammelten sich heute Abend neun Uhr eine Anzahl dem Handel, Gewerbe und Industriezweigen angehörende Herren aus der Gemeinde, um einen Gewerbeverein zu construieren. Der Bürgermeister gab in einem erschöpfenden Referat Auskunft, dass der Staatszuschuss vorläufig RM 240 jährlich, ferner ein sofortiger Beitrag des Kreises von mindestens RM 50 gesichert seien; die Gemeinde habe RM 200 bereitgestellt. Lernmittel habe der Centralausschuss übermittelt. Das Ortsstatut zur Schule ist genehmigt und bereits veröffentlicht. Die Vereinsschriften und wichtigen Verfügungen sind vom Bürgermeister Kessler zu Akten des Vereins geordnet. Er hat die Finanzfrage soweit gelöst und der Zeitpunkt der Eröffnung der Schule ist gekommen. Mit den in Aussicht genommenen Lehrern ist gleichfalls bereits verhandelt. (Die Begründung des Gewerbevereins hatte in erster Linie den Zweck, die Bildung einer so genannten Fortbildungsschule zu unterstützen. Diese wurde dann auch schon am 22. Oktober 1909 eröffnet. Es waren 20 Schüler versammelt. Die Lehrer waren Hauptlehrer Geis und Schmitt. Kreisbaumeister Astheimer fungierte als Zeichenlehrer.)
In der ersten Sitzung fand sich niemand für den Posten des 1. Vorsitzenden, so dass nur ein 2. Vorsitzender gewählt wurde, wie sich aus dem Protokollbuch ergibt. Es wurden gewählt: 2. Vorsitzender Bürgermeister Kessler, Schriftführer Johann Mitter, Rechner Franz Wolf, Beisitzer Andreas Neumann, Fritz Börninger, Georg Erhardt, Ludwig Roth und Georg Göbel, Vereinsdiener Polizeisergeant Rühl. Der Mitgliedsbeitrag betrug 4 RM pro Jahr. Leider sind die Namen der übrigen Mitbegründer nicht ersichtlich. Die Vereinstätigkeit war im ersten Jahr rege und die Anfangserfolge ermutigend. Aber es dauerte noch bis zum 16. September 1910, bis der Verein einen Ersten Vorsitzenden, den Schreinermeister Heinrich Göbel, wählte. In jener Sitzung wurde der Beschluss gefasst, den Ladenschluss im Winterhalbjahr auf 8 Uhr abends einzuführen.
Am 31. März 1914 steht zu lesen: „Am heutigen Tag fand die Entlassung des obersten Jahrgangs der Fortbildungsschule statt. Entlassen wurden neun Mitglieder.“ Als im August der Krieg ausbrach, ruhte das Vereinsleben völlig. Die nächste Eintragung steht unter dem 8. September 1919. Hier wurde Philipp Müller zum 1. Vorsitzenden gewählt. Dem zehnjährigen Bestehen ist keine Silbe gewidmet. Am 2. Februar 1921 wurde Otto Bodenröder zum 1. Vorsitzenden gewählt, nachdem Philipp Müller wegen Krankheit ausscheiden musste. Die folgenden Jahre waren außerordentlich rege ausgefüllt mit Sitzungen und Zusammenkünften. Wie eine Trauernachricht liest man unter dem 28. Dezember 1933: „Es wurde folgender Beschluss gefasst und einstimmig angenommen: Der Handwerker- und Gewerbeverein zu Hattersheim beschließt seine Auflösung.“
Erst am 8. Dezember 1953 wurde das zweite Protokollbuch, das ab 26. Januar 1927 im Dienst war, wieder herbeigeholt und eingetragen: „50 Gewerbetreibende waren erschienen. Es wurde einstimmig beschlossen, den Verein wieder zu begründen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Ernst Haas gewählt. Otto Bodenröder als langjähriger Vorsitzender des alten Vereins wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.“ Die Geschäftswelt der Gemeinde Hattersheim schickte sich wieder an, gemeinsam das zu tun, was sich die Väter im Jahr 1909 vorgenommen hatten. Nicht nur aufklärend für die Mitglieder wollte man sein. Man widmete sich auch einer besseren Gesamtwerbung, um so den Sog der benachbarten Großstadt in etwa entgegentreten zu können. Am 6. März 1956 allerdings schied der 1. Vorsitzende Haas wegen Krankheit aus. Die Neuwahl fiel auf Josef Abt. Leider konnte Abt nicht lange tätig sein. Eine Krankheit behinderte ihn. Am 29. März 1959 verstarb er. Hierauf wurde am 18. Oktober 1959 Hans Keller zum 1. Vorsitzenden gewählt. Inzwischen ist wieder starkes Leben im Gewerbeverein eingekehrt und die Initiative zum Goldenen Jubiläum ist das beste Zeichen für den neuen und doch so alten Gedanken der Gemeinsamkeit. Man darf allen, die in den letzten Jahren daran mithalfen, das einheimische Gewerbe in den Vordergrund zu stellen, trotz stärkster Konkurrenz in den Großstädten, Anerkennung zollen und Dank sagen. Das Geschäftsleben hat ohne Zweifel neuen Auftrieb erhalten und die wachsenden Abgaben an den Gemeindesäckel kommen letzten Endes der Gesamtheit zugute. Bescheiden, wie es Sinn und Zweck in den Vereinssatzungen ausdrücken, wird deshalb auch das Goldene Jubiläum begangen.
Wir gratulieren dem Gewerbeverein als Heimatzeitung und verbinden damit beste Wünsche für eine friedliche Zukunft, für ein gemeinsames Wirken im Interesse der Einwohner wie der Gemeinde.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 18 vom 6. Mai 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 2. Mai 1985
Die letzten Kriegstage in Hattersheim
Einen Beitrag zu den Geschehnissen vor rund 40 Jahren in Hattersheim lieferte uns der Vorsitzende des Wander- und Kulturvereins, Josef Mohr. Er hatte in mühsamer Kleinarbeit die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hattersheim ergründet und dabei auch die Zeit der letzten Kriegstage erforscht. Er schreibt folgendes:
Jeweils bei Fliegeralarm mussten sich in den Jahren 44 und 45 die Wehrmänner, die HJ-Feuerwehr und die Pflichtfeuerwehr im Bunker des alten Gerätehauses (heute Metzgerei Bley) einfinden. Von einer Freiwilligen Feuerwehr konnte man in dieser Zeit nicht sprechen, waren doch diese Männer, ob alt oder jung, der Feuerschutzpolizei und somit der SS-Gerichtsbarkeit unterstellt. So richtig los in Hattersheim ging es am Heiligabend des Jahres 1944. Um 13.30 Uhr wurde Fliegeralarm ausgelöst und Feindflugzeuge deckten uns mit Brandbomben und einigen Sprengbomben ein. Der Himmel bot ein wahres Feuerwerk. Gegen 17 Uhr Meldung in den Feuerwehrbunker: „Großfeuer in der Ölmühle“. Noch während des Fliegeralarms rückten die Wehrmänner aus, um zu retten, was noch möglich war. Gegen 18 Uhr nach Auslösung des Signals „Entwarnung“ wurden die Wehren Okriftel, Hofheim, die Werkswehren der Sarotti und der IG Farben mit auf den Plan gerufen. Jedoch kam jede Hilfe für die zwei großen Lagerhallen zu spät. Restlos bis auf die Grundmauern brannten sie aus.
Am 25. Dezember um 12 Uhr konnte der Führer der Wehr, Karl Hofmann, „Feuer aus“ melden. Die Weihnachtstage blieben für die Bevölkerung und die Wehrmänner ruhig bis zum 28. Dezember 1944. An diesem Tag gab es gleich viermal Fliegeralarm. Insbesondere die „Jabos“ machten die Bevölkerung unsicher. Von da ab ging's dann regelmäßig, lediglich in der Zeit vom 2. bis 6. Januar 1945 war eine kleine Verschnaufpause zu verzeichnen.  Bis zum 25. März sind für 1945 weitere 86 Fliegeralarme notiert. Am Palmsonntag, 25. März, wurde um 8 Uhr der Befehl gegeben: „Hattersheim wird geräumt, alle Fahrzeughalter stellen ihre Fahrzeuge bzw. Fuhrwerke bis zum Mittag zum Transport bereit“. Jedoch gegen 18 Uhr erreichte uns die Nachricht: „Hattersheim ist rundum eingeschlossen“. Waren es bis zu diesem Zeitpunkt die Feindflieger, welche die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten, setzte das Kriegsgeschehen hautnah ein. Gegen Mitternacht des 25. März setzte amerikanischer Beschuss mit schweren Granaten ein. Hierbei wurden die Häuser von Dickert in der Erbsengasse, Westenberger in der Staufenstraße sowie die Kronberger Mühle beschädigt. Am Montag, 26. März, schlug eine Granate im Posthof ein, dabei geriet ein dort stehender Sanitätswagen der Wehrmacht in Brand. Beim Löschen bewährte sich die damalige Motorspritze, die beherzte Bürger, u.a. Jean Weber, trotz andauerndem Beschuss, wirkungsvoll bedienten. Ihnen ist es zu verdanken, dass der alte Ortskern erhalten geblieben ist, vor allem der heute so bedeutungsvolle Posthof. Durch den Beschuss brachen auch im Gasthaus „Zum Engel“ und im Gasthaus „Zur Krone“ kleine Brände aus. Als am Mittwoch, 28. März 1945, die ersten Amerikaner anrückten, waren die aufregenden Monate und Wochen seit Weihnachten vorbei.

Montag, 6. Mai 1985
40 Jahre nach Kriegsende:
Versuch einerDokumentation
HATTERSHEIM (wr) - Anlässlich des 40. Jahrestages der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 veranstaltet das Stadtarchiv gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Geschichte und Brauchtumspflege eine Ausstellung im Volksbildungsraum des Alten Posthofs. In dieser Ausstellung wird der Versuch unternommen, die Zeit des Dritten Reichs in Hattersheim sowie in den heutigen Stadtteilen Okriftel und Eddersheim zu dokumentieren. „Wir haben schließlich mehr Material als erwartet zusammenbekommen“, sagte uns Bürgermeister Alfred Schubert zu der bevorstehenden Ausstellung. Zunächst seien die Hattersheimer recht zurückhaltend gewesen mit Leihgaben. Die Ausstellung wird auch die Nachkriegszeit mit einbeziehen, vor allem, das was die zahlreichen Heimatvertriebenen geleistet haben, die hier angesiedelt werden konnten. Die Ausstellung wird nach Mitteilung des Bürgermeisters auch von Schulklassen besucht. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Mittwoch, 8. Mai, um 18.30 Uhr im Alten Posthof. Alle Bürger sind dazu eingeladen.

Vor 40 Jahren
Freitag, 8. Mai 1970
DerSchiedsmann und sein Amt
Josef Gleichauf, seit 13. Mai 1965 Schiedsmann im Bereich der Gemeinde Hattersheim, vollendet am 13. Mai seine erste (fünfjährige) Amtsperiode und beginnt nach einstimmiger Wiederwahl durch das hiesige Gemeindeparlament und auf Verfügung des Amtsgerichtspräsidenten in Frankfurt am 14. Mai die zweite Amtsperiode. Aus diesem Anlass haben wir uns beim Schiedsmann umgesehen.
Der Schiedsmann verwaltet ein Ehrenamt; er ist ein Organ der Rechtspflege und damit Behörde. Auf sein Amt vereidigt, führt er ein Dienstsiegel und an seinem Amtslokal (im Rathaus) ein Behördenschild. Als Stellvertreter fungiert Heinz-Günter Rahner. Wird der Schiedsmann von Bürgern, die sich streiten, in Anspruch genommen, so muss er zunächst feststellen, ob es sich um eine Strafsache oder um eine bürgerliche Rechtsstreitigkeit handelt. Es kann aber auch eine sogenannte gemischte Sache vorliegen, dann nämlich, wenn es etwa bei Beleidigungen (Strafsache) auch zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, aus denen sich in Geld auszudrückende Forderungen für beschädigte und verschmutzte Kleidungsstücke, vielleicht sogar Kosten für Arzt und Apotheke und die Forderung eines Schmerzensgeldes ergeben. In diesen Fällen ist für den Schiedsmann entscheidend, welches Verfahren der Antragsteller betreiben will. Meistens wird der Antragsteller seinen Antrag als Strafsache gewertet wissen wollen. Über Strafsache und bürgerliche Rechtsstreitigkeit wird dann gemeinsam verhandelt.
Bei Strafsachen läuft das Verfahren vor dem Schiedsmann in anderer Form als bei (reinen) bürgerlichen Rechtstreitigkeiten. Nur in Strafsachen kann der Schiedsmann einen Zwang zum Erscheinen des Beschuldigten ausüben und gegebenenfalls eine Ordnungsstrafe festsetzen. Sachlich zuständig ist der Schiedsmann für die in § 33 des Hessischen
Schiedsmannsgesetzes aufgeführten Vergehen nach dem Strafgesetzbuch: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, fahrlässige Körperverletzung, vorsätzliche körperliche Misshandlung oder Beschädigung der Gesundheit, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Sachbeschädigung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Verletzung fremder Geheimnisse. Bei diesen Vergehen ist, sofern kein öffentliches Interesse an der Verfolgung des Täters besteht und der Staatsanwalt (Amtsanwalt) nicht eingreift, Privatklage als Strafklage nur zulässig, wenn vorher vor dem Schiedsmann ein Sühneverfahren abgelaufen ist mit dem Versuch, eine gütliche Einigung der Parteien zu erreichen. Kommt sie zustande, so wird dadurch ein gerichtliches Verfahren vermieden. Schlägt der Einigungsversuch aber fehl, so erteilt der Schiedsmann dem Antragsteller eine Sühnebescheinigung; ohne die eine Privatklage nicht betrieben werden kann.
Aber selbst mit Sühnebescheinigung ist eine Privatklage nicht mehr möglich, wenn ab Zeitpunkt der Straftat oder ab Bekanntwerden des Täters die gesetzliche Dreimonatsfrist verstrichen ist. Neben dem Straferlass gibt es Gesetze des Staates, deren Verletzung zwar nicht mit einer Strafe bedroht ist, aber doch Folgen anderer Art hat. Das Zusammenleben der Bürger eines Rechtsstaates ist durch eine Vielzahl von Rechtsvorschriften geregelt, die im Wesentlichen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zusammengefasst sind. Man spricht von „bürgerlichem Recht“. Diese Vorschriften enthalten Regelungen zu der Frage, wie sich der Bürger seinen Mitbürgern gegenüber im täglichen Leben zu verhalten hat. Kommt ein Bürger diesen Geboten nicht nach, so verwickelt er sich in eine „bürgerliche Rechtstreitigkeit“. In solchen Fällen ist der Antragsteller nicht gezwungen (wie in Strafsachen), vor der Einreichung der Klage bei dem Zivilgericht den Schiedsmann anzurufen. Er kann es tun. Die Mitwirkung des Schiedsmannes konzentriert sich auf vermögensrechtliche Streitigkeiten, denen eine geldliche oder eine in Geld auszudrückende Forderung zugrunde liegt.
Örtlich zuständig ist der Schiedsmann, wenn in Strafsachen der Beschuldigte im Amtsbezirk des Schiedsmannes wohnt. Bei bürgerlichen Rechtstreitigkeiten richtet sich die Zuständigkeit des Schiedsmanns ausschließlich nach dem Wohnsitz des Antragstellers. Die Verhandlungen vor dem Schiedsmann sind nicht öffentlich. Nur die unmittelbar Beteiligten (die Parteien, etwaige gesetzliche Vertreter, Beistände, Zeugen) sind zugelassen. Der Schiedsmann muss über Verhandlungen mit den Beteiligten und über deren Verhältnisse, die er in Ausübung seines Amtes erfahren hat, unverbrüchliches Stillschweigen bewahren. Daraus ergibt sich auch, dass er als Zeuge vor Gericht nicht aussagen darf.

Vor 50 Jahren
Freitag, 6. Mai 1960
Das Bild derMutterim Jahr 1960:
DerWeg zu einem treuen Herzen
Es ist uns eine liebe Gewohnheit geworden, an einem Sonntag im Mai, in dem Monat, da aus dem Schoß der Erde die Natur verjüngt zum Leben erwacht, den Spenderinnen unseres Daseins für all ihre Liebe zu danken, die sie uns in den vielen Jahren erwiesen, ihrer Sorgen und Mühen vom ersten Tag an zu gedenken, die sie ohne ein Wort der Klage trugen, um uns unser Los zu erleichtern. Mutter, welcher Klang liegt in diesem schlicht-innigen Wort. Mit unendlicher Liebe und Sehnsucht stammelt es das kleine Kind, mit Ehrfurcht und Dankbarkeit sprechen wir den Namen aus, weil wir fühlen, dass hier in diesem Wunderbaren und Schönen der Sinn des Lebens verborgen liegt. Unter Schmerzen wird Freude geboren, wird das Geheimnis des Werdens und Vergehens zutiefst offenbar. Was ertragen und erdulden Mütter um der Liebe und des Lebens willen alles, und ist denn nicht doch Entsagung das erste und letzte Opfer? Da müssen wir uns einmal von all den Alltagssorgen freimachen und für die Mutter wirklich Zeit haben, so wie sie für uns doch immer Zeit hatte. Wir wollen mit der Mutter über die vergangenen Zeiten, als wir noch klein und hilflos waren, sprechen, oder, wenn ein hartes Geschick sie uns schon entrissen hat, mit ihrem Bilde traute Zwiesprache halten, das immer noch und immer wieder den Zauber ihrer Liebe und Güte ausstrahlt und das Herz mit einem wärmenden Schein erfüllt.
Ja, damals da war das Leben ein bunter Garten und die Mutter selbst eine blühende Frau, die mit übervollem Herzen durch die Pracht ging. Da dachte man noch nicht daran, dass das Leben auch einstmals ein ernsteres und strengeres Gesicht zeigen würde. Überglücklich stand sie damals am Bettchen des kleinen Wesens, das wie ein Geschenk zu ihr gekommen war. Und das war wohl auch meist die schönste Zeit. Und dann: Die Mutter im Kranze fröhlicher Kinder; gibt es wohl ein schöneres und innigeres Bild? Diese Mutterschaft gibt der Frau ihre höchste Weihe, die Kraft der Mütterlichkeit gibt ihr die köstliche Eigenschaft, jeden zu erwärmen, der in ihre lichte Nähe kommt. Diese herrliche Sonnengabe lässt sie alles für das Glück und Gedeihen der Kinder opfern, das Schmerzlichste ertragen, dass sie ihrer schützenden Hand entgleiten und eines Tages für immer fortgehen. Dann kann die Mutter nur noch von ferne ihren Gang beobachten, aber immer wird ihre Liebe gleich groß bleiben.
Darum geht hin zu euren Müttern an diesem Maisonntag, fasst ihre Hände, räumt das Trennende hinweg, das das Leben zwischen euch aufgeschichtet hat, findet den Weg zum Mutterherzen. Es ist die treueste Stätte, die das Leben euch bereitet hat, eine Stätte, von der euch nichts vertreiben kann und die erst der Tod raubt. Darum zeigt der Lebenden eure Liebe. Herzinnig wollen wir unseren Müttern danken und versuchen, ihnen ihren Lebensabend durch die Freude an ihren Kindern verschönen zu helfen.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 17 vom 29. April 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 22. April 1985
Hattersheimer Idylle aus dem Jahr 1985

VIEL SPÄTER ALS SONST hat auch in Hattersheim in diesem Jahr die Obstbaumblüte eingesetzt. Das warme sonnige Wetter des vergangenen Wochenendes schien alles nachholen zu wollen, was die kühlen Tage im März und in der ersten Aprilhälfte der Natur an Versäumnissen auferlegten. Auch am Weiher steht nun alles in voller Blütenpracht.

Donnerstag, 25. April 1985
Esther Kutscher neue Pfarrvikarin
HATTERSHEIM - Die Hattersheimer evangelische Gemeinde hat seit l. April eine neue Pfarrvikarin, die am vergangenen Sonntag durch Probst Bergner in ihr Amt eingeführt wurde Bei der Ordination wirkten mit der Lehrpfarrer der Pfarrvikarin, Detlev Nierenz, Wiesbaden, Pfarrvikarin Weißkuhl, Weilbach, eine Studienkollegin von Esther Kutscher und der Hattersheimer Vikar Gerd-Michael Scheuch. Der Gottesdienst wurde umrahmt von Darbietungen eines Jugendsingkreises, des Kirchenchors und des Posaunenchors.
Nach dem Gottesdienst gab es einen Empfang im Gemeindesaal. Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Hans Eberhard Hildebrandt, wünschte der Pfarrvikarin, dass die Zeit, die sie in Hattersheim verbringe, für sie eine wertvolle und interessante sein werde. Bürgermeister Alfred Schubert hieß sie willkommen und drückte die Hoffnung aus, dass sie sich nicht nur in der Kirchengemeinde wohlfühlen werde. Pfarrdiakon Schmidt entbot ein Grußwort für die Eddersheimer evangelische Gemeinde, und Frau Eckert sprach als Vertreterin des Dekanats-Synodalvorstands. Einen Strauß Rosen überbrachte die Leiterin der Diakoniestation, Dorothea Bransch, mit dem Hinweis, dass unter den Rosen auch die Dornen sind; „so ist das Leben“. Für die katholische Gemeinde überbrachte der stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Mariano Alvarez-Canas, Glückwünsche und ein Geschenk.
Esther Kutscher, Jahrgang 1957, stammt aus Gießen, studierte in Frankfurt, Bonn und Göttingen und hatte nach dem Studium bereits ein zweijähriges Vikariat in Wiesbaden absolviert. Sie trat die Nachfolge von Pfarrvikarin Höck an, die nach Frankfurt wechselte.

Vor 40 Jahren
Freitag, 24. April 1970
Evangelische Kirche Bestimmung übergeben
Nach über sechsmonatiger Umbauzeit konnte am vergangenen Wochenende die renovierte evangelische Gustav-Adolf-Kirche der Gemeinde vorgestellt werden. Die Umbauarbeiten kosteten 150.000 DM. Sonntagvormittag fand ein Festgottesdienst statt, die Predigt hielt Dekan Knauss aus Bad Soden. Zu einer Besichtigung trafen sich Samstagvormittag die am Umbau beteiligten Architekten und Handwerker sowie die Vertretungen der katholischen Kirchengemeinde, der Zivilgemeinde, der Schule, des Vereinsrings sowie Vertreter und Mitarbeiter der Evangelischen Kirche, der Gemeinde und des Dekanats.  Nach Worten von Pfarrer Armin Hanstein habe man bei den Renovierungsarbeiten die bewusste Schlichtheit der Gustav-Adolf-Kirche, wie sie in den Jahren 1928/29 vom Erbauer Astheimer ausgeführt wurde, beibehalten. Lediglich der Betonboden wurde gegen einen Holzfußboden ausgewechselt. Die Wände erhielten einen Rauputz, und eine neue Heizungsanlage wurde eingebaut, die in den nächsten Jahren wesentliche Kostenersparnisse gegenüber der bisherigen Gasheizung bringen soll.
Angenehm fällt auf, dass die alten Bänke entfernt und durch Stühle ersetzt wurden. Pfarrer Hanstein erklärte, die Bänke wurden nicht entfernt, weil sie alt und hässlich waren, es ging dem Kirchenvorstand in erster Linie darum, den Kindern eine bessere Übersicht zu ermöglichen, dafür waren die bisherigen Bänke zu hoch. Worte des Dankes richtete Pfarrer Hanstein an die Architekten Philipp, der für die Renovierung verantwortlich zeichnete, Schüssler, der den Heizungsumbau plante und Schlieder, der den Heizungsbau leitete. Den Handwerkern dankte Hanstein für die saubere Arbeit und die termingerechte Durchführung. Besonderen Dank sagte Hanstein der Kirchenleitung, die einen beträchtlichen Zuschuss zu den Kosten leistete. Der Spendenfonds der Gustav-Adolf-Gemeinde soll deshalb für die in den nächsten Wochen geplante Erweiterung der Orgel verwendet werden.
Hanstein erinnerte in einer Rückschau daran, dass seit der Erbauung der Gustav-Adolf-Kirche „kein Pinselstrich mehr gemacht worden ist“. Deshalb sei eine Renovierung innen und außen dringend notwendig gewesen. Im Herbst 1968 habe der Kirchenvorstand die Renovierung beschlossen und ein Jahr später sei mit den Arbeiten begonnen worden. Anschießend gab der Pfarrer einen kurzen Rückblick über die Entwicklung und den Aufschwung der Hattersheimer evangelischen Kirchengemeinde. (Der „Hattersheimer Anzeiger“ berichtete anlässlich des Jahrestages der Einweihung am 20. Oktober 1969.)
Beigeordneter Heinz Zahn überbrachte die Grüße der Gemeindekörperschaften und des Gemeindevorstands. Grüße der katholischen Pfarrgemeinde sprach Pfarrer Hans Milch aus und gute Wünsche der Schule übermittelte Rektor Georg Stehle. Stehle dankte der Kirchengemeinde vor allem für die bereitwillige Bereitstellung des Gemeindehauses und verwies auf die guten nachbarlichen Beziehungen. Josef Mohr, Vorsitzender des Vereinsrings, überbrachte die guten Wünsche der Vereine und Verbände und überreichte eine Blumenschale zur Ausschmückung der Kirche. Weitere Grußbotschaften kamen von der evangelischen Kirchengemeinde Okriftel und vom Dekanat. Pfarrer Hanstein bedankte sich herzlich für alle guten Wüsche und fand für den dienstbaren Geist des Hauses, Hausmeister und Küster Manfred Förster, der unter den Umbauarbeiten besonders zu leiden hatte, besonders anerkennende Worte.
Sonntagvormittag fand aus Anlass der Neueinweihung der renovierten Kirche ein festlicher Gottesdienst statt. Nach dem Grußwort des Pfarrers spielte der Instrumentalkreis unter Leitung von Kantor Fischer Werke aus der barocken Stilepoche. Der Kirchenchor trug ebenfalls zur festlichen Umrahmung bei. Nach dem gemeinsamen Lied „Nun danket all und bringet Ehr“ führte Pfarrer Hanstein aus, dass die Einweihung nicht nur ein Anlass zur Freude sei, gleichzeitig solle sie Mahnung und Verpflichtung zur geistigen Erneuerung des Menschen sein. Das Thema der Festpredigt von Dekan Knauss stand unter dem Satz der Bibel „Suchet den Herrn solang er zu finden ist“. So war der Sonntag Jubilate ein echter Jubeltag für die evangelischen Mitbürger unserer Gemeinde.

Vor 50 Jahren
Freitag, 29. April 1960
Alt-Hattersheim verschönert sich
Wer die letzten Tage an der katholischen Kirche vorbeiging, konnte sehen, dass auf dem Platz, der von der Kirche und dem Pfarrhaus eingeschlossen wird, eine rege Bautätigkeit herrscht. Es soll dort eine Anlage entstehen, die nicht nur den bisher hässlich und leer daliegenden Platz beseitigen, sondern gleichzeitig dem gesamten Wohnviertel eine attraktive und vertraulich-schöne Note vermitteln soll.
Vielleicht wird es manchem Kraftfahrer nicht ganz angebracht erscheinen, wenn ihm dadurch die gewohnte Parkmöglichkeit auf dem Kirchplatz genommen wird. Auch diesem Bedenken ist jedoch Rechnung getragen. Denn man wird, sobald die Lindenstraße kanalisiert und die Hauptstraße fertig gestellt ist, beide Straßen zu Einbahnstraßen erklären, wobei die Hauptstraße von der Frankfurter Straße aus und die Lindenstraße nur noch von der Mainzer Landstraße aus befahren werden soll. Auf diese Weise werden trotz des den Kraftfahrern verloren gegangenen Kirchplatzes auch in der Hauptstraße genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sein. Hinzu kommt die Erwägung der grundsätzlichen Frage, ob der in Frage stehende Platz wegen seiner besonderen Lage zwischen Kirche und Pfarrhaus überhaupt als Parkplatz geeignet ist.
Die Ausgestaltung des Kirchplatzes in der neuen Form ist in groben Zügen schon zu erkennen. Gartenarchitekt Eckebrecht erläuterte weitere Einzelheiten: Längs des Platzes wurde die alte Kirchenmauer abgerissen und durch eine Mauer aus Wesersandsteinen ersetzt. Von dem Weg, der unmittelbar um die Kirche herumführt und der auch auf der Kirchplatzseite erhalten bleibt, bis zu der Mauer soll eine Böschung entstehen, die mit Stauden und Büschen bepflanzt werden soll. Der Übergang der neuen zur alten Mauer und diese selbst sollen dadurch im Verborgenen gehalten werden, dass man oben hinter der Mauer solche Pflanzen und Sträucher anbringen will, die sich mit der Zeit über die Mauer herablegen beziehungsweise diese verspinnen. Die Treppe vom Kirchplatz aus zur Kirche wird demnächst zwischen Pflanzungen empor führen und ist deshalb seitlich beleuchtet. Auf dem Kirchplatz selbst entsteht eine ebenfalls mit Wesersandsteinen eingefasste Gartenanlage. In ihrer Mitte wird ein Springbrunnen seine Fontänen empor werfen. Es ist an die Form eines Königsbrunnen gedacht. Die gärtnerische Anlage in dieser Umfriedung wird nicht etwa mit Rasen versehen, sondern mit Ziergräsern und Stauden bepflanzt werden. Unmittelbar am Springbrunnen sollen Uferpflanzen ihren Platz finden. Diese Anlage wird nicht nur dem Kirchplatz den ihm würdigen Anblick verleihen, er bedeutet vielmehr Fortsetzung des schon an der Schule gezeigten Bestrebens, auch das Alt-Hattersheimer Wohnviertel neuer und schöner zu gestalten

Eiserner Steg bald überflüssig
In nicht ferner Zeit wird nur noch der Name der Straße „Am Eisernen Steg“ daran erinnern, dass hier ein eiserner Steg gestanden hat. Der neue betonierte Bahnübergang sieht seiner Fertigstellung entgegen und wird den Eisernen Steg verdrängen. Der Betonsteg ist schon ausgeschalt und zeigt dem Beschauer seine elegante Form. Er steht auf zwei runden schlanken Säulen, die leicht und fast zierlich wirken. Auf beiden Seiten des Stegs führt eine Treppe hoch, die frei hängt und dadurch den Eindruck der Schwerelosigkeit vermittelt. Die Treppen sind langgezogen, die Stufen flach gehalten, so dass ein gemächliches Hinaufsteigen möglich ist.
Der neue Steg ist eineinhalb Meter höher als der bisherige. Das war auch der eigentliche Grund des Neubaus. Die Elektrifizierung der Bundesbahn verlangt für die Stromleitungen eine bestimmte Höhe, für die der Eiserne Steg nicht ausreichte. Am neuen Betonsteg ist auch ein Schutz der Passanten vor den Starkstromleitungen vorgesehen. Zu seinen beiden Seiten sind ausladende Flügel aus Beton angebracht, die einen Kontakt gleich welcher Art mit dem Starkstrom unmöglich machen. Aber auch diese Betonflügel sind so angelegt, dass sie dem Steg die Wirkung von Leichtigkeit und Eleganz nicht nehmen. Das ganze sieht aus, wie ein zerbrechliches Spielzeug und man vergisst beim beschauen, dass es sich um ein Bauwerk aus schwerem Beton handelt. Man kann angesichts dieses schönen Stücks Architektur die alte Eisenkonstruktion leicht vergessen. Die Kosten des Neubaus belaufen sich auf rund 60.000 DM, die sich die Gemeinde und die Bundesbahn teilen. (Auch diese Betonbrücke, auf die man damals so stolz war, ist heute nicht mehr da, sie wurde inzwischen durch ein zeitgemäßes Bauwerk ersetzt.)

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 16 vom 22. April 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 18. April 1985
Ab Montag in der Posthof-Bücherei: Buntes Programm aus Anlass der Bibliothekswoche
HATTERSHEIM - Wenn am kommenden Sonntag in der Frankfurter Paulskirche die erste hessische Bibliothekswoche eröffnet wird, ist dies gleichzeitig der Startschuss für viele Bibliotheken, sich verstärkt in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ist man auch sonst präsent, bietet eine solche Woche (bis 27. April) doch die Chance, sich einmal mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und die Angebote und Dienstleistungen der Bibliothek für die Bürger genauer aufzuzeigen. Im Rahmen der Bibliothekswoche hat auch die Posthof-Bücherei ihr Programm verstärkt. Ziel war es, jeden Tag eine Veranstaltung zu bieten. Ergänzend zu den täglichen Veranstaltungen haben sich die Mitarbeiter der Bücherei ein literarisches Rätsel ausgedacht. Hier gilt es, Schriftsteller, die rätselhaft beschrieben werden, zu erraten. Bis zum 7. Mai 1985 muss man seine Lösung loswerden, um einen der ausgeschriebenen Buchgutscheine zu gewinnen. Hier nun die einzelnen Programmpunkte:
Ältere Mitbürger, d. h. die Teilnehmer der Seniorenausleihe, sind am Montag, 22. April, zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Man will die Gelegenheit wahrnehmen, ihnen einmal ihre Stadtbücherei zu zeigen und vorzustellen. Am Dienstag, 23. April, findet eine Tee- und Vorlesestunde für türkische Kinder ab zehn Jahren statt. Robert Bouwer, ein Mitarbeiter der Posthof-Bücherei, liest für die jungen Zuhörer realistische Geschichten aus dem Alltagsleben der Türkei. In türkischer Sprache hört man Kurzgeschichten von F. Baykurt, F. Ertuvrul und I. Özgentürk. Am Mittwoch, 24. April, folgt dann ein besonderes Bonbon für Fans unheimlicher Geschichten. Solche, speziell ab zehn Jahre, sind zur Autorenlesung des bekannten Kinder- und Jugendbuchautors Othmar Franz Lang eingeladen. Er liest Gespenster- und Vampirgeschichten in der Bücherei, u. a. auch aus seinem humorvollen Buch „Flattertiere wie Vampire“. Eine Autorenlesung für Erwachsene steht am Donnerstag, 25. April, 20 Uhr, auf dem Programm. Herbert Heckmann, Frankfurter Schriftsteller und Lyriker, erzählt von der „Lust des Lesens“. Von brisanter Aktualität oder schon ein überholtes Thema? Man darf auf seine Lesung im Posthofkeller gespannt sein.
Zum Abschluss der Bibliothekswoche ist am Freitag, 26. April, 15 Uhr, das Figuren- und Clowntheater „Blinklichter“ in der Posthof-Bücherei zu Gast. Gespielt wird für Menschen ab sechs Jahre das Mitspielstück „Aufruhr im Hühnerhof“. Lola, ein lustiges Huhn, wohnt mit vielen anderen Tieren auf einem Hühnerhof. Gemeinsam wird viel Musik gemacht, gesungen und getanzt. Da hat man natürlich wenig Zeit zum Eierlegen, und das gefällt Herrn Eierpfannkuchen überhaupt nicht. Anschließend macht die Stadtbücherei noch auf ihre Veranstaltung aufmerksam, die die Landesgruppe Hessen des Vereins der Bibliothekare an öffentlichen Bibliotheken organisiert hat. „Leseförderung und Lesevermittlung“, ein Seminar mit Paul Maar für Erzieher, Grundschullehrer, Buchhändler, Bibliothekare und Eltern, am Samstag, 27. April, 14 Uhr, in der zentralen Kinder- und Jugendbibliothek Frankfurt, Bürgerhaus Bornheim, Arnsburger Str. 24. Man freut sich über rege Teilnahme.

Vor 40 Jahren
Freitag, 17. April 1970
GV„Germania“ veranstaltet ungewöhnliches Konzert
Der Gesangverein „Germania“ 1857 veranstaltet am Sonntag um 16 Uhr im Pfarrheim St. Barbara ein „Sing in“. Dieser etwas ungewöhnlichen Bezeichnung für ein Chorkonzert sind wir nachgegangen und befragten den Dirigenten Manfred Krieger. Manfred Krieger, der auch den Albert-Schweitzer-Chor und den Okrifteler Kirchenchor dirigiert, ist für eigenwillige Chöre bekannt. Krieger meint, dass ein Konzertnachmittag nicht dazu da ist, um Musikerziehung oder Hörererziehung zu betreiben. Es ist heute schon schwer genug für alle Gesangvereine, ihre Mitglieder- bzw. ihre Sängerzahl zu erhalten und immer wieder neu zu ergänzen. Es sind Idealisten, die einer Singstunde wegen ihren Feierabend opfern. Und um wieviel schwerer ist es für ein lang vorbereitetes Konzert, das Opfer und Einsatzkraft von allen Beteiligten fordert, die nötigen Zuhörer zu gewinnen. Das „Sing in“ der „Germania“ wurde deshalb mit einem breitgefächerten Repertoire ausgestattet, das Interessenten in allen Kreisen der Bevölkerung anspricht.
Wenn Krieger von einem „Pop-Konzert“ spricht, so tut er dies mit den entsprechenden Anführungszeichen, denn er will ältere wie junge Hörer in gleichem Maße ansprechen. So beginnt der Männerchor mit dem „Hymnus“ von Friedrich Silcher. Zwei weitere Chöre aus dem 19. Jahrhundert folgen. Von Chören des 20. Jahrhunderts kommen u. a. das „Jägerlied“ von Hugo Distler und das schon fast zum Schlager gewordene „Lied der Berge“ (La Montanara). Der Jugendchor singt moderne Volkslieder. „Viele verachten die edle Musik“, „Es tagt der Sonne Morgenstrahl“ und „An die Freude“. „Ich ging durch einen grasgrünen Wald“ und „Es wollt ein Jägerlein jagen“ sind reine Kinderchorsätze. „Aus der Traube in die Tonne“ gehört zu den Trinkliedern, die wieder vom Männerchor gesungen werden. Und der „Trunkene Seemann“ wird von beiden Chören gemeinsam vorgetragen.
Die Vorliebe Kriegers für das „offene Singen“ kommt auch bei diesem Konzert zum Ausdruck. Er will mit Kanons das Publikum zum Mittun anregen. Eine Beatgruppe begleitet den Jugendchor und die Spirituals, die zum Abschluss des Konzerts von beiden Chören gemeinsam gesungen werden. Die Gruppe „The fool's paradise“, die vor drei Jahren den zweiten Platz in der Hessenmeisterschaft belegten, spielen mit Werner Konisch (Gitarre), Erich Eckert (Baß), Werner Seitz (Schlagzeug), Jochen Wegener (Gesang). Wie uns Manfred Krieger erzählt, war es anfangs nicht leicht, den Männerchor von den ganz modernen und die Jugendgruppe von den älteren Chorwerken zu überzeugen. Aber beide Chöre hätten gut zueinandergefunden, was besonders zum Ausdruck kommen wird, wenn zum Abschluss „Oh happy day“ erklingt.

Vor 50 Jahren
Freitag, 22. April 1960
Aus der Gemeindevertretersitzung
Die Gemeindevertretung ermächtigte den Gemeindevorstand, da der neue Haushaltsplan noch nicht vorliegt, in den Monaten April und Mai Ausgaben in Höhe von je einem Zwölftel des letztjährigen Haushaltsplans vorzunehmen, um die notwendigen Maßnahmen durchzuführen. Diese Ermächtigung erfolgte einstimmig, obwohl ihr eine Debatte vorausging. Bürgermeister Winterstein erklärte, dass der neue Haushaltsplan nicht rechtzeitig vorgelegt worden sei, da die Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich durch das Land in ihrer Höhe noch nicht feststünden. Gemeindevertreter Göbel vertrat im Namen der CDU die Auffassung, dass dies allein kein Grund sei, die Vorlage des Haushaltsplanes zu verschieben und legte der Verwaltung nahe, es sich zur Regel zu machen, den Haushaltsplan pünktlich vorzulegen, Gemeindevertreter Anthony stellte sich vor den Gemeindevorstand und sagte für die SPD-Fraktion, dass der Verwaltung keine Vorwürfe gemacht werden könnten, da der Haushaltsplan an sich fertig gestellt sei und nach bekanntwerden der Schlüsselzuweisung vorgelegt werden könne. Es wäre nicht zweckmäßig gewesen, einen Haushaltsplan zu beschließen, von dem man vorneweg wüsste, dass die Einnahmen und Ausgaben nicht endgültig festgelegt seien.

Straßenbenennungen
Drei Straßen wurden neu benannt. Die Parallelstraße zur Mainstraße am östlichen Ortsende, die bisher zur Straße Am Eisernen Steg gerechnet wurde, obwohl sie nicht dahin gehörte, muss umbenannt werden, da die hier begonnene Ansiedlung von Industriebetrieben eine präzise Benennung erfordert. Die Straße wurde nach dem in dieser Gegend liegenden Welschgraben „Am Welschgraben“ benannt. Eine ebenfalls hier liegende, aber noch zu errichtende Straße, wurde Ringstraße benannt (woraus wohl dann der Südring wurde), da sie hufeisenförmig sein wird. An dieser Straße wird unter anderem das in Planung befindliche zehngeschossige Hochhaus zu stehen kommen. Einstimmig wurde auch der Weg von der Siedlung zur Sarotti AG am evangelischen Kindergarten vorbei als „Sarotti-Weg“ benannt. Die Neubezeichnung wurde im Hinblick darauf gewählt, dass die Sarotti AG für den Bau dieser Brücke einen Betrag von 10.000 DM zur Verfügung stellte, und dieser Weg vielen Sarotti-Angehörigen. die in der Siedlung wohnen, als Weg zur Arbeitsstätte täglich dienen wird. Dieser Weg wird ausschließlich durch Grünanlagen führen oder von Gehölz umsäumt sein.

Gemeindevertreter lehnen Planungsverband Untermain einstimmig ab
Sehr ausführlich beschäftigten sich die Gemeindevertreter mit dem Problem des Planungsverbandes. Bürgermeister Winterstein berichtete, dass der von der Stadt Frankfurt geplante Verband die Aufgabe haben solle, das Wohn- und Siedlungswesen, die Industrieansiedlung, die Energie- und Wasserversorgung usw. im Verbandsbereich zu bestimmen. Dieser Verband solle im Interesse der Großstädte Frankfurt und Offenbach gegründet werden. Entsprechend sei er auch ausgerichtet. Die Planungen des Verbandes sollen den Planungen der Gemeinden übergeordnet sein. Ein Parlament solle die Vorhaben des Planungsverbandes beschließen. Der von der Stadt Frankfurt vorgelegte Entwurf einer Satzung sehe vor, dass die Städte Frankfurt und Offenbach mehr als die Hälfte der Sitze in dem Parlament des Verbandes habe.
Auf den Main-Taunus-Kreis kämen nach den Vorschlägen der Stadt Frankfurt vier Abgeordnete. Der Bürgermeister vertrat die Auffassung, dass ein solcher Verband nicht nötig sei, um größere, überregionale Planungen durchzuführen, sondern dass eine lose Arbeitsgemeinschaft durchaus genüge. Im Übrigen müssten auch die Gemeinden damit rechnen, dass sie an den Verband eine Umlage von mindestens acht Prozent ihrer Einnahmen zahlen müssten, was wieder zu einer Schmälerung des Haushaltsvolumens führen würde. Er stellte auch fest, dass viele Gemeinden sich schon nach den ersten Besprechungen gegen den Verband ausgesprochen hätten und dass die Presse den Willen der einzelnen Gemeinden nicht wiedergegeben habe, als sie allgemein von einer Einmütigkeit der Gemeinden und Städte berichtete. Gemeindevertreter Tolksdorf legte für die CDU dar, dass in dem geplanten Parlament des Verbandes keine echte parlamentarische Willensbildung möglich wäre, da nicht jede Gemeinde vertreten sein würde. Frankfurt würde wegen seiner Größe federführend in allen Gremien. Es handele sich also um eine Art Eingemeindung, und er verwies auf andere eingemeindete Vororte, deren Eingemeindung sich nicht mit Vorteilen bezahlt gemacht hätte. Gemeindevertreter Göbel brachte zum Ausdruck, dass die Kreise durch den Satzungsentwurf überfahren worden seien.
Gemeindevertreter Anthony sprach für die SPD. Er vertrat die Auffassung, dass der Planungsverband das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, das im Grundgesetz und in der hessischen Verfassung festgesetzt sei, einschränke. Die Gemeinden könnten unter einem solchen Verband nicht mehr eigenständig handeln. Ein Mitspracherecht hätten sie nicht. Die Gemeindevertretung, die jetzt noch oberstes Organ einer Gemeinde sei, wird um ihre Rechte gebracht. Alles, was die politischen Parteien sich gebaut hätten, wäre aufgehoben. Auf seinen Vorschlag soll der Beschluss der Hattersheimer Gemeindevertretung mit seiner Begründung dem Hessischen Landtag vorgelegt werden, damit dieser für den Fall, dass der Verband im Wege der Gesetzgebung eingeführt werden soll, von der Auffassung der nichtfrankfurter Gemeinden unterrichtet sei.

Schwarzbachverband will Gemeinde mit neuen Beiträgen belasten
Der Schwarzbachverband hat dem Gemeindevorstand mitgeteilt, dass die Gemeinde Hattersheim mit weiteren Abgaben belastet würde, da sie ihr Wasser aus dem Hattersheimer Wasserwerk, das im Bereich des Schwarzbachs liegt, beziehe. Wie Bürgermeister Winterstein mitteilte, werde die Gemeinde eine solche Zahlung ablehnen, da sie das Wasser nicht selbst gewinnt, sondern es von der Stadt Frankfurt, die Eigentümerin des Wasserwerkswaldes und des Wasserwerks sei, kaufe und an die Verbraucher weiterverkaufe. Es könnte für die Wassergewinnung nur die Stadt Frankfurt belastet werden.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 15 vom 15. April 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 11. April 1985
Erinnerung an die letzten Kriegstage
HATTERSHEIM - In diesen Apriltagen sind es genau 40 Jahre her, dass für die Hattersheimer der Krieg zu Ende war. An welchem Tag genau die amerikanischen Truppen in Hattersheim einrückten, daran kann sich Frau Maria Krempel, geb. Ziegler, die uns den nachfolgenden Bericht verfasste, nicht mehr genau erinnern. Viele andere Einzelheiten aus den letzten Kriegstagen sind ihr jedoch noch gut im Gedächtnis geblieben. Nachfolgend ihr Bericht:
Als eine Granate auf dem Bürgersteig vor dem alten Posthof einschlug, hausten wir schon einige Tage im Keller. Ich war damals 13 Jahre alt und wohnte mit meiner Mutter, meiner Großmutter und den drei jüngeren Geschwistern gegenüber dem Posthof im ersten Stock des Hauses, damals „Straße der SA“ Nr. 69, heute Hauptstraße. Es ist das Elternhaus meiner Großmutter und gehörte ihren beiden Geschwistern Fritz und Elli Hattemer, die im Erdgeschoß wohnten. Im Keller des Posthofs war ein Truppenverbandsplatz untergebracht mit einem Oberstabsarzt und einigen Rotkreuzhelferinnen aus Hattersheim. Ein Granatsplitter entzündete einen in der Toreinfahrt stehenden Krankenwagen, und ein Soldat, der daneben stand, wurde getötet. Dadurch entstand auch ein größerer Brand, so dass das kleine Lazarett evakuiert werden musste, und zwar in unseren Keller.
Für uns Kinder war das eine willkommene Abwechslung, denn das Kellerleben war doch ziemlich langweilig. Die Beleuchtung war dürftig und warmes Essen eine Seltenheit. Das Gas war schon lange abgestellt. Um kochen zu können, musste der Herd in der Küche erst geheizt werden. Das erforderte einen längeren Aufenthalt oben. Wegen der immer näher rückenden „Front“ war das zu riskant. Mein Onkel, der Bäckermeister Hermann Ziegler, ließ es sich aber nicht nehmen, trotz der Schießerei Brot zu backen und uns und viele Hattersheimer zu versorgen. So lebten wir in diesen Tagen hauptsächlich von Schmalzbrot, einer wundervollen Köstlichkeit, denn meine Großtante Elli hatte die eiserne Reserve spendiert: einen großen Steinguttopf mit Schmalz.
Das Lazarett bestand aus einigen Feldbetten, Verbandszeug und ein bisschen Verpflegung. Nur ein Verwundeter kam in unseren Keller, ein 19jähriger Soldat, der bei Sindlingen einen Oberschenkelstreifschuss
bekommen hatte, dazu zwei Rotkreuzhelferinnen und der Arzt. Gerüchte, die Amerikaner würden in einigen Stunden hier sein, veranlassten den Arzt, am Abend einfach zu türmen.
Er sei bei Mainz zuhause und wolle nicht in Gefangenschaft. Alles Bitten der Frauen, sie doch nicht mit dem Soldaten allein zu lassen, nutzte nichts. Der junge Soldat aber war nun unser aller Problem. Er hatte sein Gewehr neben dem Bett und war fest entschlossen, sich gegen den Feind zu verteidigen. Er sagte, er wolle lieber sterben, als in Gefangenschaft gehen. Wir waren, wenn ich mich recht erinnere, in dieser Nacht neun Frauen und vier Kinder im Keller. Mein Onkel Fritz hatte den ganzen Tag über kaputte Fenster zugenagelt und Glassplitter zusammengefegt und war oben in der Wohnung eingeschlafen. Die Frauen versuchten dem jungen Mann klarzumachen, dass er unser aller Leben aufs Spiel setze, wenn er schießen würde.
Wir hatten gehört, wenn in einem Ort auch nur ein Schuss fiele, würden die Amerikaner die Panzer holen und das Dorf zusammenschießen. Aber er sprach von Soldatenehre, von Treue zu seinem Führer und gab das Gewehr nicht her. Weil er wohl  ahnte, dass Schlafmittel in den Getränken waren, lehnte er diese ab. Die Frauen wachten nun abwechselnd an seinem Bett. Einmal würde er sicher einschlafen. Dann könnte man das Gewehr wegnehmen, er aber hielt sich eisern wach.
Damals hatte ich wirklich Todesangst. Sollten wir nun am Ende dieses furchtbaren Krieges so sinnlos ums Leben kommen? Wir hatten uns doch so sehr auf den Frieden gefreut. Irgendwann in der Nacht bin ich dann eingeschlafen. Um 4 Uhr früh wurde hart gegen die Kellertür geschlagen. Unser Soldat legte das Gewehr an, und alle dachten, nun kommt das Ende. Meine Mutter ging zitternd nach oben, und als sie öffnete, stand ein SS-Offizier draußen und wollte den Arzt sprechen. Als er hörte, der sei getürmt, wollte er schimpfend schon wieder gehen. Da hatte meine Mutter eine Idee: Ob er ein Auto hätte? Wir hätten einen Soldaten unten, nur leicht verwundet. Der wolle gern wieder kämpfen, ob er ihn mitnehmen könne? Wo der „Kerl“ denn wäre, fragte er. Kurzum, er nahm ihn mit, aber nicht in seinem Auto, sondern setzte ihn auf den Rücksitz eines begleitenden Motorrads.
Wir konnten es erst gar nicht fassen, gerettet zu sein. Die Spannung wich erst allmählich von uns.  Mittags dann hörten wir das Brummen der Panzerspähwagen auf der Mainzer Landstraße und liefen hinaus. Da kamen sie, die Amerikaner, die Gewehre im Anschlag, aber in Hattersheim fiel kein Schuss. Der Krieg war für uns zu Ende.

Vor 40 Jahren
Freitag, 10. April 1970
Hattersheim, wie es einmal war(Fortsetzung)
In der letzten Ausgabe erfuhren wir, dass im Dorf
Hattersheim vor mehr als 200 Jahren die Kühe täglich
auf die Weide vor der Oberpforte in den „Kühperch“ getrieben wurden, dorthin, wo sich heute
die Bergstraße erstreckt. Hören wir nun, was es mit dem übrigen bäuerlichen Nutzvieh auf sich hatte.
Die Borstentiere begaben sich bei ihren täglichen Ausflügen in den „Saugrund“. Der „Saupfad“ zweigt schräg links an der Rotenhofstraße ab und führte geradewegs dorthin. Die „Gänseweid“ unterhalb der Bahnbrücke über den Schwarzbach verrät heute noch, wo die Martinsgänse und „Bettfedern-Lieferanten“ damals ihren Tummelplatz hatten. Bei dem damaligen Motto: „Selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht“, überrascht nicht die große Zahl der Schafe, die im Jahre 1739 zum Beispiel mit 334 Stück angegeben werden. Die Schafweide wurde auf zehn Jahre verliehen, und die Nachbarn, als „Schäffereybeständtner“, bezahlten für das Weiderecht je Schaf 12 Kreuzer.
Die Kellerei Hofheim unterhielt hier zwei Weidehämmel und entrichtete dafür jährlich 2 Gulden.
Künstliche Düngung kannte man nicht, und so ließ man ein Drittel des Feldes abwechselnd brach liegen, um es ausruhen zu lassen. Das Brachland war die geeignetste Schafweide, und die Bauern sahen darauf, reihum einmal den Pferch auf ihr Feld zu bekommen. Auch der „Wackheckenberg“, ein Feld hinter dem Friedhof, wird wohl als Schafweide gedient haben.
Nicht weit davon wurden beim Bau der Autobahn - frühere Autoumgehungsstraße - viele Tierknochen zu Tage gefördert. Man war aber nicht auf ein Vorweltwesen gestoßen, wie damals manche glaubten, sondern auf die Hattersheimer „Schindkaut“. Der Schindkautgraben hat diese Erinnerung bis heute noch wach gehalten. Die verendeten Tiere wurden vom „Schinder“ oder „Wasenmeister“ bzw. seinen Gesellen verscharrt. Er durfte die Tiere vorher „schinden“, das heißt, ihnen das Fell abziehen. Der Schinder wohnte in Hofheim und war im Hauptberuf Henker.
Verwaltet wurde die Gemeinde von zwei Bürgermeistern, die Polizeigewalt aber lag bei dem Vertreter der Landesbehörde, dem Schultheiß. Die weiten Gänge nach der Landeshauptstadt Mainz und viele andere Dienste besorgte der Büttel, an den noch der Büttelacker und die Büttelwiese (bei der ehemaligen Kronberger Mühle - Sportplatz) erinnern. Ferner gab es einen Maulwurfsfänger, einen Weingartenschütz und einen Seegräber, der den Zufluss vom Schwarzbach zum „See“, einem herrschaftlichen Weiher an der Stelle des heutigen Wasserwerkes, sauber halten musste. Der „Landreuther“, die Polizeimacht, gehörte zum Hofheimer Amt, aber die Gemeinde musste ihm jährlich den „Schechter“ zu einem neuen Mantel stellen.
Für den Brandschutz sorgten die „Feuerläufer“. Handwerksmeister und Landwirte stellten diese Mannschaft. Dass dies eine schlagkräftige Einsatzmannschaft war, stellten die Bürger bei den Einsätzen 1710 in Frankfurt und Eschborn, 1721 in Frankfurt und Kahlbach und 1776 in Niederhöchstadt unter Beweis. Die Gemeinde musste Verpflegung und Wegegeld aus dem knappen Gemeindesäckel bestreiten. Schon 1754 erkannte man, dass die Löschgeräte überaltert waren und die Gemeinden des Amtes Hofheim bildeten einen Feuerspritzenverband und kauften gemeinsam für 700 Gulden eine Feuerspritze der Firma Metz.
Auch um die Brandverhütung mühte man sich, dies zeigt eine Verordnung aus dem Jahre 1734, in der festgelegt wird, dass die noch vorhandenen hölzernen Kamine niedergelegt und durch „feuerfest gemauerte“ ersetzt werden sollen. Jeder Einwohner hatte für Feuerschutzgeräte einen Gulden 40 Kreuzer zu entrichten.
Die Straßen waren den heutigen Feldwegen (nicht Betonwegen) kaum überlegen und bei nassem Wetter war die „Dreckkratze“ das wichtigste Reinigungsmittel. Wenn schon etwas gemauert oder gepflastert wurde, so geschah es mit „Bachkatzen“, den kopfgroßen, runden Standsteinen aus dem Bach. Heizmaterial im Winter war ausschließlich Holz und wurde vor dem Einsatz der großen Kälte geschlagen und beim ersten Schnee dann heimgeschleift. Als Beleuchtung dazu diente der Holzspan oder sogenannte Pechfackeln.
Denkt sich nun der geneigte Leser dieses Artikels alle heutigen Kulturerrungenschaften: Arzt, Apotheke, Bahn, Omnibus, Auto, Fahrrad, Gas, elektrisches Licht usw. bis auf das Streichholzfort, dann mag er selbst entscheiden, ob er sein  Leben lieber im alten oder aber im neuen Hattersheim zubringen wollte.

Vor 50 Jahren
Donnerstag, 14. April 1960 (Ostern)
Pfarrkirche in schönererUmgebung
Nachdem die Arbeiten zur Restaurierung der Hattersheimer Pfarrkirche in deren Innern im Wesentlichen abgeschlossen sind, lässt die Pfarrgemeinde jetzt die Außenanlagen herrichten. Nach dem Kirchplatz ist bereits eine breite Treppe entstanden, eine ebenso breite Treppe ist nach der Hauptstraße vorgesehen. Vor der Kirche wird ein Plattenweg angelegt, und Grünanlagen werden zukünftig die architektonische Schönheit des Bauwerks unterstreichen. Auf dem Kirchplatz wird der Parkplatz verschwinden, weil die Hauptstraße zur Einbahnstraße werden soll.

Anpaddeln
Mit einem fröhlichen Anpaddeln eröffnete der Ski- und Paddel-Club Hattersheim in Okriftel die neue Saison. In seiner Ansprache gab der Vorsitzender Karl Heinz Müller der Freude der Wassersportler darüber Ausdruck, dass sie jetzt mit ihren Booten wieder hinausfahren können, und dann ging zum ersten Mal in diesem Jahr die Fahne am Mast empor. Gemeinsam fuhren die zu Wasser gelassenen Boote mainaufwärts, und bei ihrer Rückkehr empfingen die Hattersheimer Gäste vom Kanuclub Kelsterbach, die mit 15 Booten gekommen waren. Den Nachmittag verbrachten die beiden Vereine mit Sport und Spielen. In schöner Gemeinschaft wurde der erste schöne Frühlingstag verbracht, und dabei wurden schon manche Pläne für künftige Fahrten geschmiedet.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 14 vom 8. April 2010

Vor 25 Jahren
Dienstag, 9. April 1985
August Muth bleibt an der Spitze des VdH
KRIFTEL(pm) - Die Delegierten des Heimkehrer-Kreisverbandes am letzten Wochenende in der Krifteler Schwarzbachhalle machten durch ihr Votum deutlich, dass sie Kontinuität in der Führung des VdH-Kreisverbands Main-Taunus wünschen. Einstimmig wurde Kreisvorsitzender August Muth (Hattersheim) für weitere zwei Jahre wiedergewählt. Seine gleichberechtigten Stellvertreter sind Lina Siegert (Kriftel), Rudolf Messing und Kurt Schöffel (beide Hofheim). Auch Kreisgeschäftsführer Michael Emmes (Hofheim) wurde ebenso wie der Schatzmeister Hans Mann (Kelkheim) erneut gewählt. Nach einem Referat über noch anstehende Begutachtungsfragen im Versorgungswesen durch den Verbandsarzt Dr. Werner Straube, Chefarzt am Kreiskrankenhaus Hofheim, kam man überein, die Aufklärungsaktion „Sektionen“ aus 1980 bei ungeklärten Versorgungsfragen durch Schäden aus Kriegsgefangenschaft nochmals zu wiederholen. Breiten Raum nahmen vorliegende Anträge über den 8. Mai und die Volkstrauertage ein. In einer Resolution wird von der VdH-Verbandsführung eine Erklärung zum 8. Mai erwartet, in der neben der Ehrfurchtsbezeugung für alle Opfer der Kriege und Gewalt, der daraus erwachsenen Verpflichtung, alles zur Verhinderung weiterer Kriege zu tun, auch dem Opfergang aller Kriegsgefangenen Rechnung zu tragen sei. Für 14 Millionen habe am 8. Mai 1945 ein zusätzlicher Leidensweg begonnen. 1,5 Millionen seien in Gefangenschaft gestorben, aber auch ungezählte in deutschen Gefangenenlagern. Der Kreisvorstand wird durch einen Antrag beauftragt, geeignete Schritte zu unternehmen, die sicherstellen, dass bei Veranstaltungen zu den Volkstrauertagen das würdige Andenken an alle Opfer der Kriege und Gewalt gewährleistet bleibt. Ausgelöst wurde dieser Antrag, so Kreisvorsitzender August Muth, durch Versuche einzelner Gruppen, sowohl im Kreisgebiet als auch außerhalb, die Volkstrauertage politisch einseitig zu beeinflussen. Weitere Anträge befassten sich mit der Heimkehrerstiftung, der Verkehrsanbindung der beiden Kreiskrankenhäuser und Fahrzeugdienst für Behinderte. Als Gäste beim Delegiertentag waren erschienen: Waltraud Böttinger (Sulzbach) für den Kreisausschuss, Dr. Hanns Großmann (Kreistag MTK), Kriftels Bürgermeister Werner Börs, FWG-Kreisvorsitzender Werner Emde und CDU-Kreisgeschäftsführer Horst Lutze. Auch der Hattersheimer Ortsverband  des VdH war beim Kreisverbandstag in Kriftel mit einer starken Delegation vertreten. (Ausschnitte aus der Berichterstattung.)

Passivrauchen am Arbeitsplatz
Bundestag verweist auf geltendes Recht. Zum Thema „Passivrauchen“ hält der Bundestag eine Rechtsänderung im Sinne eines verstärkten Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz nicht für erforderlich. Das geltende Recht verpflichtet den Arbeitgeber nach § 5 der Arbeitsstättenordnung ohnehin, für gesundheitlich zuträgliche Atemluft am Arbeitsplatz zu sorgen. Im Übrigen wird laut Bundesgesundheitsministerium
die Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen unterschiedlich beurteilt. Das Ministerium verweist auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Es ließ einen Kläger abblitzen, der sich durch Tabakrauch am Arbeitsplatz gesundheitlich beeinträchtigt fühlte. Statt dieser Behauptung müssten „tatsächliche Feststellungen“ vorgewiesen werden können. Und die genügten den Bundesrichtern im vorliegenden Falle nicht.

Haben Sie den Osterhasen gesehen?
BUND registriert einen katastrophalen Rückgang bei den Feldhasen. Falls Sie beim Osterspaziergang durch Wald und Flur keinem Feldhasen begegnet sind, dürfen Sie sich nicht wundern. Nach Auskunft des Bundes für Umwelt und Naturschutz ist ein katastrophaler Rückgang dieser heute noch bejagbaren Hasenart festzustellen. „Meister Lampe“ ist den immer schlechter werdenden Umweltbedingungen zum Opfer gefallen. Der Hase ist ein typischer Steppenbewohner und hat daher in Mitteleuropa überhaupt erst als Folge der Waldrodungen und der Entwicklung bäuerlicher Kulturlandschaft auf großer Fläche einen ihm zusagenden Lebensraum gefunden. Mit den Flurbereinigungsmaßnahmen dieses Jahrhunderts wurden insbesondere im Flachland und den unteren Mittelgebirgslagen großflächige,  „grenzlinienarme“, also wenige Hecken oder Abwechslung bietende Monokulturen geschaffen. Während die Hasen auf solche Veränderungen zunächst kurzfristig mit Populationssteigerungen reagieren, setzt jetzt das rasante Hasensterben ein, weil sie Schutz und Nahrung weitgehend entbehren müssen. Die intensive Bewirtschaftung der Felder mit Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln hat zu einer Verarmung der Pflanzenvielfalt, gleichzeitig mit einer Nitratanreicherung geführt. Die für den Hasen dringend benötigten Pflanzen fallen auf so bewirtschafteten Flächen weitgehend aus. Der Mangel an Nahrungsgrundlage führte schließlich zu dem heutigen Rückgang dieser liebenswerten Tierart. Zu den Beeinträchtigungen der Hasenpopulation durch übermäßigen landwirtschaftlichen Nährstoffeintrag kommt jetzt auch noch der Stickstoffeintrag in Form von Stickoxiden aus übermäßig verschmutzter Luft hinzu. Entsprechend ähnlichen Feststellungen für den Wald, erreicht der immissionsbedingte Stickstoffeintrag Werte einer zweijährlichen Volldüngung. Diese Nährstoffe wirken sich über die dadurch bedingte Vegetationsveränderung zusätzlich und direkt auf den Hasen aus. Die Situation des Feldhasen markiert daher nur das insgesamt erreichte Maß des Nährstoffüberschusses bestimmter Regionen. Der BUND erwartet daher, dass diese drängenden Fragen von Naturschutz und Jagd einer umfassenden Klärung zugeführt werden. Es wäre verdienstvoll, wenn Hessen auch hier seinen Führungsanspruch im Naturschutz untermauern und Mittel aus Naturschutzetat und Jagdabgabe zur endgültigen Klärung dieser Frage bereitstellen könnte.

Vor 40 Jahren
Freitag, 3. April 1970
Vereinsring wählte neuen Vorstand
Die Generalversammlung des Vereinsringes Hattersheim fand vergangenen Mittwoch in der Schwarzbachklause statt. Von 18 dem Vereinsring angehörenden Vereinen und Verbänden waren 15 vertreten und wählten im Verlauf der Versammlung den neuen Vorstand für ein Jahr. Vorsitzender Rudolf Anderka eröffnete die Generalversammlung und gab zunächst seinen Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Jahr. 1969 habe die gesamte Gemeinde das Jubelfest der Freiwilligen Feuerwehr gefeiert und der Vereinsring habe es sich nicht nehmen lassen, im Namen der angeschlossenen Vereine und Verbände als wertvolles Geschenk eine Flutlichtanlage zu überreichen. Anderka dankte den Vereinen nochmals für die großzügige Spende. Weiter führte der Vorsitzende aus, dass der Vereinsring wiederum die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag ausgerichtet habe. Ebenfalls fand die Beteiligung des Vereinsringes bei der Einweihung der neuen Sporthalle Erwähnung. Rudolf Anderka hob weiterhin hervor, dass u. a. eine Vorstandssitzung mit dem „Hattersheimer Anzeiger“ stattgefunden habe, auf der beschlossen wurde, dass künftig in jeder Dienstag-Ausgabe des die ständig wiederkehrenden Wochen-Vereinstermine wie auch die Monatsveranstaltungen in Form eines Terminkalenders veröffentlicht werden. Schriftführer und Kassierer Dieter Rudy gab seinen Kassenbericht und Kassenprüfer Herbert May erklärte, dass er mit Dr. Till die Kasse geprüft und in mustergültigem Zustand vorgefunden habe. Er dankte Dieter Rudy für die sorgfältige Kassenführung und beantragte die Entlastung des Vorstandes, die einstimmig erteilt wurde. Die Nominierung und Wahl eines neuen Vorstandes bereitete zunächst Kopfzerbrechen, die Mitglieder einigten sich schließlich auf folgende Herren: Erster Vorsitzender wurde Josef Mohr, Zweiter Vorsitzender blieb Georg Polgar (beide Freiwillige Feuerwehr) und zum Schriftführer wurde Mathias Spring gewählt. Josef Mohr dankte der Versammlung für das Vertrauen und sprach die Hoffnung aus, dass er während des Jahres seiner Amtszeit als Vereinsring-Vorsitzender jedem angeschlossenen Verein das Gefühl geben wolle, dass der Vereinsring ständig bereit sei, sich der Sorgen und Nöte seiner Mitglieder anzunehmen. Der Aquarienverein „Segelflosser 1969" bat außerdem um Aufnahme in den Vereinsring, für die sich alle Mitglieder aussprachen. Der Gesangverein „Concordia" teilte mit, dass in der Zeit vom 3. bis 5. Oktober das 90jährige Bestehen des Vereins festlich begangen werden soll. Der VdK kündigte für den 7. November eine Feier anlässlich des 20jährigen Bestehens an. Der Sportverein, der in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, teilte mit, noch keinen Termin für eventuelle Festlichkeiten nennen zu können. Aus Anlass der Stadterhebungsfeier wurde für Mittwoch, 22. April, eine außerordentliche Versammlung anberaumt, in der Bürgermeister Winterstein über die vorgesehenen Festlichkeiten berichten wird. (Ausschnitte aus der Berichterstattung.)

Hattersheim, wie es einmal war
Wir wollen uns im Geiste einmal zurückversetzen, wie es vor 200 Jahre in unserer Heimatgemeinde ausgesehen hat. Zunächst die Größe des Dorfes zur damaligen Zeit. Hierzu müssten wir zunächst alle Wohnviertel wegdenken, die außerhalb der Hauptstraße und der Erbsengasse liegen. Die Hauptstraße trug zu dieser Zeit drei verschiedene Bezeichnungen: Das Oberdorf, Mitteldorf und Unterdorf, während die Erbsengasse vermutlich den Namen Erbengasse trug, also mit der nahrhaften Hülsenfrucht in keiner Beziehung steht. Den Dorfabschluss bildeten die Ober- und Unterpforte, beide standen an den Ausgängen der Hauptstraße und waren Torhäuser mit Schieferdächern, in denen die Hirten untergebracht waren. Ihnen oblag das Schließeramt und noch heute hören wir manchmal von den Einheimischen: „Wenn de ham gehst, tu mer die Gass nit abschließe“. Dies war in der Zeit um 1700 die Bitte des Bürgers, wenn er auswärts seinen Schoppen trinken oder als „Freier“ sich betätigen wollte, an den Torwächter. Genannt werden ein Michel in der Oberpforte und ein Johannes Peter Schmitt in der Unterpforte. Im flachen Bogen zog sich nach der Landseite hin ein Wall und Palisadenwerk, der als Haingraben bezeichnet und 1762 für 200 Gulden an den Postmeister Andreas Öhl verkauft wurde. Die Häuser waren Fachwerkbauten mit Lehmfüllung und Strohdächern, in der Küche mit einem mächtigen, trichterförmigen Rauchfang ausgestattet, in welchem zur Winterzeit die Würste und Schinken baumelten. Das Wasser holte man aus den Brunnen mit Hilfe von Winde und einer langen Kette. Mit einem hölzernen Tragholz, dem Joch, ließen sich die Eimer leichter tragen. Jährlich einmal mussten die Brunnen mit Salz gereinigt werden, um die üppig wuchernden Algen zu vernichten. Wer in die Gemeinde zog, musste ein Eintrittsgeld bezahlen, die Männer drei, die Frauen einen Gulden und 30 Kreuzer. Ein Gulden enthielt 1559 - 22,91 Gramm Feinsilber, dies waren 60 Kreuzer oder 240 Pfennig. Das Auszugsgeld war noch höher: für Männer fünf, für Wittib zwei Gulden 30 Kreuzer. Die ansässigen jüdischen Familien, vier bis sechs, hatten ein Schutzgeld zu entrichten. Eine Schule war mit dem Dorfschmied unter einem Dach vereinigt, doch war das Gebäude zu Beginn des 18. Jahrhunderts so baufällig, dass es 1721 einem Neubau weichen musste, dem ehemaligen alten Rathaus in der Hauptstraße. Schon 1313 hatte Hattersheim eine eigene Kapelle, und 1747/48 erbaute man im Mitteldorf für 6200 Gulden eine Kirche, die heute noch als Querschiff der katholischen Kirche erkennbar ist. Eine Orgel erhielt die Kirche 1755, der Orgelmacher Joan Onymus lieferte sie für 533 Gulden. Ebenso hat der bekannte Hofmaler Anton Heidelhoff zu Mainz sein Künstlertum der Gemeinde zur Verfügung gestellt, als er mit seinem Gesellen den Altar malte. Der Künstler muss damals schon ein hoch betagter Mann gewesen sein. Von den fünf Mühlen wird die Kronberger Mühle schon 1497 erwähnt. Diese stand am Karl-Eckel-Weg, etwa in Höhe der neuen Sporthalle. Sie war Bannmühle, das heißt, Weilbach und andere Orte mussten hier ihr Korn mahlen lassen. Ein Verzeichnis von 1661 bezeichnete sie als Mühle mit zwei Gängen. Sehr alt ist auch die Altmünstermühle in der Erbsengasse, nach dem gleichnamigen Mainzer Kloster benannt, dem sie gehörte. Sie brannte 1634 ab und wurde 15 Jahre später wieder aufgebaut. Nach dem späteren Besitzer hieß sie auch die Seeligmühle. Die Urbansmühle wurde 1677/78 von Simon Hendrichs aus dem Eichsfeld erbaut. Jörg Engoll aus Flörsheim erbaute 1710 die unterste Mühle, im Volksmund „Engelsmühle" genannt, doch müsste sie nach ihrem Erbauer „Engollsmühle“ heißen. Die zahlreichen Gasthäuser im Ort befassten sich nicht wie in den Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Zubereitung des „Hohenastheimers“ (Äppelwei), denn fast jede Wirtschaft hatte eine eigene Brauerei oder Branntweinbrennerei. Die rein ländliche Gemeinde trieb täglich ihr Vieh auf die Weide. Die Ober- und Unterweid glich damals einer Heidelandschaft mit vereinzelten Obstbäumen, deren Ertrag im Herbst zur Versteigerung kam. Die Kühe gingen vor die Oberpfort in den Kuhpferch, noch heute „Kühperch“ genannt. Wie so oft wurde diese Bezeichnung missverstanden und von den Nachfahren in die „Bergstraße“ umgefälscht. Der Weg führte auf die Siedlung „Beierbach“ zu, welche im Mittelalter bereits als „Hadekamm“ vorkommt und ein Hofgut mit jährlich drei Gerichtstagen war. Vielleicht rührt der Name daher, dass hier der Hader „gekämmt“, also geschlichtet wurde. Ein fränkisches Frauengrab bezeugt das hohe Alter dieser Siedlung. Wir müssten also vom „Hadekämmer Weg“ sprechen. Weiter nördlich lag das Hofgut Heddingheim, dessen Steine beim Abbruch für die Bonifatiuskapelle auf der Straße von Hattersheim nach Hofheim ihre Verwendung fanden. Von der Schleifmühle, die oberhalb des Dorfes lag, ist der genaue Lagepunkt nicht mehr genau festlegbar. Erwähnenswert sind noch die flankierenden Dorfbefestigungen am Mühlgraben entlang, die Landwehren. Auch nach Okriftel zu erstreckten sich diese Außenbefestigungen.

Vor 50 Jahren
Freitag, 8. April 1960
Stürmische Bevölkerungszunahme
Eine stürmische Bevölkerungszunahme ist in den vergangenen Jahren in den Kreisgemeinden des Main-Taunus-Kreises zu verzeichnen. Während der Main-Taunus-Kreis im Jahre 1939 schon 71.235 Einwohner hatte, stieg diese Zahl bis zum Jahre 1949 auf 99.104 und im letzten Jahrzehnt, im Zeitraum von 1949 bis 1959 auf 120.930 an. Einwohnerzahl im Jahr 1939/1959: Hofheim 7562/13123, Bad Soden 3818/7261, Eppstein 1386/1985, Flörsheim 6769/9901, Hochheim 4495/7712, Kelkheim 5387/9365, Delkenheim 958/1517, Eddersheim 1604/ 2791, Hattersheim 3154/6368, Massenheim 717/915, Okriftel 1943/3719, Weilbach 1467/2217, Wicker 895/1340, Main-Taunus-Kreis 71235/120930.
Okriftels Feuerwehrrettet sinkendes Schiff Auf dem Main vor Okriftel stießen zwei Schiffe zusammen, wobei an dem einen ein großes Leck entstand. Das beschädigte Schiff „Gabriele“ aus Mannheim, begann sofort zu sinken und wurde ans Ufer heranmanövriert. In kurzer Zeit war die Freiwillige Feuerwehr Okriftel unter der Führung von Ortsbrandmeister Gutmann mit ihrem Tanklöschfahrzeug zur Stelle und begann, das Schiff leer zu pumpen. Später kamen noch Spezialgeräte aus Frankfurt hinzu. Sieben Stunden waren die Männer im Einsatz, bis um Mitternacht das Leck abgedichtet und das Schiff wieder flott war.

Erika Kunz

 


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 13 vom 1. April 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 1. April 1985
?Hattersheimer Stadtanzeiger? wird ab sofort dreidimensional
HATTERSHEIM (al) - Eine Neuerung, die man  in aller Bescheidenheit als sensationell bezeichnen kann, wird ab sofort den Lesern des ?Hattersheimer Stadtanzeiger? zugute kommen. Allerdings ist diese Neuerung auf den ersten Blick kaum auszumachen. Die Zeitung erscheint nämlich jetzt in dreidimensionalem Druck. Eine Neuerung, die einzuführen uns vor wenigen Wochen noch nicht sinnvoll erschien. Inzwischen aber sind unsere Leser eingedeckt mit einem Instrument, das zum vollständigen Genuss unseres dreidimensionalen "Stadtanzeiger"? unentbehrlich ist: der rotgrünen Plastikfernsehbrille, die dank unseres fortschrittlichen Fernsehens (Motto: ?Neue Dimensionen für alte Schinken!?) inzwischen wohl in beinahe jedem Haushalt vorzufinden ist. Die Vorteile der 3-D-Ausgabe liegen, wenn Sie die Zeitung in die Hand nehmen und die richtige Brille aufhaben, sogleich auf derselben: Die Bilder werden räumlich und lassen deshalb beim Schauer völlig neue Betrachtungsweisen zu.
Bei vielen Fotos - insbesondere im Bereich des Sports - sorgt die dreidimensionale Wiedergabe für die notwendige optische Präzision, Täuschungen des Auges werden ausgeschlossen. Das neue Verfahren wird aber auch zum Hilfsmittel bei der bloßen Textwiedergabe, wie unsere geschätzten Leser sehr schnell merken werden: Die so genannten Hintergrundberichte erscheinen tatsächlich in der Tiefe des vermeintlichen Raumes (?treten in den Hintergrund?) und ermöglichen es dank dieses Phänomens kurz- und weitsichtigen Zeitgenossen, auf das Tragen einer Lesebrille zu verzichten (sie würde bei der Fernsehbrille ohnehin nur hinderlich sein). Ein anderes: Lassen Sie sich bitte nicht irritieren, sollte etwas in unserer Zeitung einmal aus dem Rahmen fallen und beim dreidimensionalen Lesen plötzlich den Eindruck erwecken, tatsächlich nach vorne zu kippen und Ihnen aus der Zeitung heraus in den Schoß zu fallen. Das täuscht nur. Weil niemandem etwas in den Schoß fällt, wie noch heute in der Schule gelehrt wird.
Eine andere Erscheinung: die so genannten Schlagzeilen (aus dem Englischen ?Hit-Lines?; von ?to hit?, schlagen; eingedeutscht zuerst als ?Hitparade? = schnelle Abfolge musikalischer Schläge aufs Gemüt), entwickeln im 3-D-Verfahren ein rasantes Vor und Zurück, auch wenn unsere Schlagzeilen treffend sein sollten. Bliebe noch zu erwähnen, dass wir das neue Verfahren auch zu besonderem Service verwenden: 3-D-Leser finden anstelle der Amtlichen Bekanntmachungen einen völlig neuen Text; nämlich eine sprachlich aufbereitete Fassung, aus dem Amtsdeutsch übertragen in verständliche Begriffe und Sätze, wie sie unsere gesamte Zeitung auszeichnen. Sie, verehrte Leser, können das jetzt gleich ausprobieren. Viel Vergnügen! Ihre Redaktion

Vor 40 Jahren
Freitag, 3. April 1970
Gemeinsame Schul- und Verkehrsplanung
Eddersheim, Okriftel und Hattersheim streben Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Regelung gemeinsamer Interessen an. Zu einem ersten Gespräch über eine geplante Kommunale Arbeitsgemeinschaft der Gemeinden Eddersheim, Okriftel und Hattersheim sind die Vorsitzenden der Gemeindevertretungen, die Fraktionsvorsitzenden in den Gemeindevertretungen sowie die Mitglieder der Gemeindevorstände dieser Gemeinden am Montag, den 6. April 1970, eingeladen worden. Wie Bürgermeister Winterstein, der zu diesem Gespräch auch im Namen seiner Amtskollegen aus Eddersheim und Okriftel eingeladen hat, sollen in diesem Gespräch diejenigen Fragen angesprochen werden, die die beteiligten Gemeinden gemeinsam berühren; darüber hinaus sollen die gemeinsamen Interessen aufeinander abgestimmt sowie eine geeignete Form der Zusammenarbeit gefunden werden.
Bürgermeister Winterstein hatte in seiner diesjährigen Haushaltsrede bereits auf die Norwendigkeit einer interkommunalen Zusammenarbeit hingewiesen. Das Beispiel der Gesamtschule in Hattersheim, die auch für die Gemeinden Eddersheim und Okriftel gebaut wird, zeige eindrucksvoll, dass Einrichtungen der Daseinsvorsorge in Zukunft für Einzugsbereiche geschaffen werden müssten, die nicht mit den Gemeindegrenzen übereinstimmen. Die Verflechtungen der Gemeinden würden darüber hinaus immer stärker. Das Leben des Einzelnen spiele sich nicht mehr nur in seiner Gemeinde ab. Das bedeute, dass auch auf kommunaler Ebene Konsequenzen gezogen werden müssten. Sie beständen zunächst darin, dass mit den Nachbarn zusammengearbeitet und insbesondere die Pläne aufeinander abgestimmt werden müssten. Er sei überzeugt, dass manche Vorbehalte, die da und dort noch vorgegeben seien, abgebaut werden könnten, wenn die Vertreter der einzelnen Gemeindeparlamente und Gemeindevorstände unmittelbar ins Gespräch kommen und die überörtliche Zusammenarbeit nicht nur durch die Bürgermeister erfolge.
Der erste Schritt hierzu ist nunmehr getan. Den Vertretern der Gemeinden liegt ein Arbeitspapier vor, das einen Katalog von Sachfragen enthält, insbesondere die gemeinsame Lösung von Schul- und Verkehrsfragen, die Koordinierung und Vertretung der Interessen in der Regionalplanung sowie eine Abstimmung in der Bauleitplanung u. v. m., als Arbeitsgrundlage des ersten Zusammentreffens. Die Zusammenarbeit soll auf der Grundlage des neuen Gesetzes über Kommunale Gemeinschaftsarbeit (KGG) erfolgen. Hierzu sollen entsprechende gemeinsame Organe, analog den Gemeindevorständen und Gemeindevertretungen, gebildet werden, die Empfehlungen an die Organe der der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Gemeinden aussprechen sollen. Beschlussorgane sollen die Organe der Arbeitsgemeinschaft nicht sein. Eddersheim, Okriftel und Hattersheim sind auf dem besten Weg, den Forderungen des Gesetzes über Kommunale Gemeinschaftsarbeit, Gemeinschaftslösungen zur wirtschaftlichen und zweckmäßigen Erfüllung der Aufgaben in einem größeren nachbarlichen Gebiet sicherzustellen, zu entsprechen.
Letzte Meldung: Spatenstich für Bürgerhaus Wie wir kurz vor Redaktionsschluss erfahren, wird bereits am morgigen Mittwoch um 11 Uhr der
erste Spatenstich für das bereits seit längerer Zeit geplante Bürgerhaus vor dem Sportgelände am Karl-Eckel-Weg ausgeführt. Begründet wird dieser rasche Baubeginn mit der Möglichkeit, das Bürgerhaus eventuell noch bis zur Stadt-Erhebungsfeier im September fertigzustellen, um dann die geplanten Festlichkeiten in würdigem Rahmen abrollen zu lassen. Zum geplanten ersten Spatenstich werden prominente Vertreter des öffentlichen Lebens erwartet. Per Hubschrauber werden der Hessische Ministerpräsident Albert Osswald, der auch den ersten Spatenstich ausführen wird, wie auch Sozialminister Dr. Horst Schmidt auf dem Gelände vor dem Sportplatz landen. Weiter werden Bundestagsvizepräsident Dr. Hermann Schmitt-Vockenhausen wie auch Landrat Dr. Valentin Jost erwartet, um dem bedeutsamen Schritt beizuwohnen.

Vor 50 Jahren
Freitag, 25. März 1960
Hauptkanal wird unter Bahnkörper durchgeführt
Der Hauptkanal, der die Abwässer der westlichen und nordwestlichen Ortsteile zur Kläranlage (Sindlingen) führen wird, ist jetzt im schwierigsten Baustadium. Es geht darum, diesen Kanal durch den Bahnkörper, der ja Hattersheim durchschneidet, hindurchzuführen. Die Durchführung wird am Bahnhofsvorplatz vorgenommen. Der Kanal soll sich hier vom Schützenhof bis zum Bürgersteig des Anwesens Dr. Nützel erstrecken. Er überquert also hier unterirdisch sowohl die Gleise als auch die Okrifteler Straße.
Welch schwieriges und kostspieliges Unterfangen dies ist, kann man an den jetzt getroffenen Vorbereitungsarbeiten ersehen. Eine Spezialfirma aus Stuttgart ist herangezogen worden. Sie hat mit ihren Geräten den ganzen Bahnhofsvorplatz vor dem Schützenhof in Beschlag genommen. Zurzeit wird eine Grube von 4,50 Meter Tiefe ausgehoben. Da durch die Arbeiten der Bahnverkehr nicht behindert werden darf, muss ein Spezialverfahren angewendet werden. Es können nicht die üblichen Schächte ausgehoben werden, vielmehr müssen die Arbeiten unterirdisch ausgeführt werden.
Die Spezialfirma wendet ein so genanntes Pressverfahren an. Sobald die Grube von nahezu fünf Meter Tiefe ausgehoben ist, werden die Kanalrohre in die Erde gepresst. Es wird hierbei ein Druck von 400 Atmosphären ausgeübt. Gleichzeitig wird die freiwerdende Erde zur so genannten Pressgrube transportiert, um von hier auf Lastwagen geladen und weggefahren zu werden. Die Stuttgarter Firma wird drei Wochen brauchen, bis sie den Kanal durchgepresst hat. Die Rohre haben einen Durchmesser von 1,20 Meter. Das angewendete Verfahren gilt als sehr zweckmäßig. Man erspart sich den Bau eines Tunnels, da die eingepressten Rohre schon die liegen bleibenden Kanalrohre sind.

Straßenbau macht Fortschritte
Die im Bau befindlichen Straßen, nämlich die Staufenstraße und die Altkönigstraße, sind jetzt mit der Schotterdecke versehen. Die Bürgersteige sind zum Teil schon mit Platten belegt. In den nächsten Tagen wird begonnen, die Teerdecke aufzutragen. Die Straßen werden also in etwa zwei Wochen befahrbar sein. Auch der zweite Bauabschnitt der Staufenstraße, vom Durchbruch bis zur Schwimmbadstraße, ist soweit gediehen. Die Zufahrt zum Schwimmbad wird also bis zum Saisonbeginn auch durch die Staufenstraße möglich sein.

Freitag, den 1. April 1960
Angriff auf die Selbstverwaltung der Main-Taunus-Gemeinden
Bürgermeister Winterstein äußert seine Bedenken. - Vor kurzer Zeit veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft ?Engeres Untermaingebiet? - ein Zusammenschluss von Oberbürgermeistern und Landräten des unteren Maingebietes - einen Entwurf, dessen Ausführung die kommunale Selbstverwaltung der Main-Taunus-Gemeinden, also auch Hattersheims, weitgehend einschränken würde. Der Entwurf sieht vor, dass eine aus Gemeinden und Städten des Untermaingebietes gebildete Planungsgemeinschaft darüber befinden soll, in welcher Weise die industrielle, die wohnliche und überhaupt die entwicklungsmäßige Ausgestaltung des in Frage stehenden Gebietes vorgenommen wird. Das würde beispielsweise für unsere Gemeinde bedeuten, dass nicht mehr die Gemeindekörperschaften darüber zu befinden hätten, welche Industrie in Hattersheim angesiedelt wird oder in welchem Ausmaß und für wen Wohnungen erstellt werden, sondern dass dies überregional von der vorgesehenen Planungsstelle vorgeschrieben würde. Die Härte dieser Konsequenz wird besonders deutlich, wenn man aus dem Satzungsentwurf ersehen muss, dass die Großstädte Frankfurt und Offenbach in dem zuständigen Gremium nicht weniger als 45 Prozent der Stimmen hätten. Bürgermeister Winterstein führte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Sektion Main-Taunus des Hessischen Gemeindetages zu diesem Vorhaben unter anderem folgendes aus:
?"Wenn man den Satzungsentwurf des zu gründenden Verbandes durchliest, kann man das Gefühl nicht los werden, dass man hier bestrebt ist, für die längst überholte Eingemeindungspolitik einen Ersatz zu schaffen. Es ist nämlich eine unbestreitbare Tatsache, dass nach dem Satzungsentwurf, der für die Großstädte eine Vorrangstellung einräumt, die kreisangehörigen Gemeinden, ja auch selbst die Kreise die Rolle der Außenseiter übernehmen.Die Planungen des Verbandes sind übergeordnet, d. h. Frankfurt bestimmt mit noch einer Großstadt, was auf dem Lande geschehen darf.
Es wird daher keinen Sinn mehr haben, sich mit dem Kreisentwicklungsplan zu befassen, denn die Großstädte werden kraft ihrer Mehrheit im Verbande bestimmen, wie die Umgehungsstraßen für die Städte in den Landkreisen geführt werden, wo in den Kreisen Freiflächen geschaffen werden. Die viel Gewerbesteuer einbringende Industrie wird sich in den Großstädten niederlassen müssen, die kleinen Betriebe und die Wohnungen für die Menschen, die in den Großstädten arbeiten, werden in die Landkreise verfrachtet.
Wenn man versucht, auf Umwegen gut eingearbeitete und bewährte Verwaltungsbehörden einem größeren Organ zu opfern, so ist dieser Versuch vom Standpunkt der kreisangehörigen Gemeinden ungerechtfertigt. Ich bin daher fest der Überzeugung, dass in den Gemeinden gegen diese moderne Eingemeindungspolitik der Großstädte ein großer Widerstand sich breitmachen wird. Ja, ich bin sogar der Auffassung, dass die kreisangehörigen Gemeinden und Landkreise vor einer Verfassungsklage nicht zurückschrecken sollten, wenn es gilt, ihre Lebensrechte aus der Sicht der kommunalen Selbstverwaltung heraus zu verteidigen. Eine solche Verfassungsbeschwerde muss infolge der verfassungsrechtlichen Garantie des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinden erfolgreich sein.?"

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 12 vom 25. März 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 21. März 1985
Nach Fernsehsendung gab es fast 90 Anrufe beim Tierschutzverein
HATTERSHEIM - Im Dritten Hessischen Fernsehprogramm wird regelmäßig die Sendung ?Herrchen gesucht? ausgestrahlt. In der jüngsten Sendung Anfang März war auch der Hattersheimer Tierschutzverein mit einem ?Angebot? vertreten, und der Vorstand kann nun von einem vollen Erfolg berichten. Nicht weniger als 90 Anrufe sind nach der Sendung eingegangen. Was die Tierschützer - und sicher auch viele Okrifteler - besonders freuen wird: der alte Dackel und die Katze der kürzlich verstorbenen Emilie Kreuz konnten ebenfalls ein neues Zuhause finden und sogar ein gemeinsames, was für diese Tiere, die sich sehr aneinander gewöhnt haben, gewiss wichtig war. Darüber hinaus konnten noch drei weitere vorgestellte Hunde vermittelt werden, für die sich nicht weniger als 70 Interessenten gemeldet hatten. Wieder erkannt wurde eine verletzte Katze von ihrem Besitzer. Sie konnte noch am Abend der Sendung wieder heimkehren.
?Ich muss sagen, dass diese Sendung für die Arbeit der Tierschutzvereine eine solche Hilfe ist, dass sie wohl durch nichts zu ersetzen ist?, sagte uns der Zweite Vorsitzende des Hattersheimer Vereins, Eduard Mook. Allerdings war die Sache auch mit nicht geringer Arbeit verbunden. Denn man wollte die Tiere ja nicht einfach dem Nächstbesten anvertrauen. ?Es galt, erst mal die Spreu vom Weizen zu trennen?, so Eduard Mook. Einen ganzen Tag waren zwei Vorstandsmitglieder unterwegs, um das zukünftige Zuhause der Tiere aus nächster Nähe zu prüfen. Und dabei stellte sich heraus, dass unter den Interessenten auch einige ?Windeier? waren. ?Wir geben die Tiere nicht einfach so ab. Da müssen in etwa auch die Wohnverhältnisse der neuen Besitzer stimmen?, meinte Mook. Alles in allem war es dann doch ein großer Aufwand an Zeit und Kosten. Doch hat sich die Sache gelohnt. Und die Hattersheimer Tierschützer möchten sich auch von dieser Stelle aus herzlich bedanken.
Darüber hinaus muss aber auch gesagt werden, dass für den heimischen Tierschutzverein nun nicht alle Probleme gelöst sind. Der Verein sucht nach wie vor aktive Helfer, ebenso Spenden, Pflegestellen und Patenschaften. Melden kann man sich beim Ersten Vorsitzenden Eberhard Günther oder beim Zweiten Vorsitzenden Eduard Mook. Hier gibt es auch Beratung und Hilfe, z.B. wenn einmal einer der vierbeinigen Lieblinge verschwunden sein sollte.

Schildkröten im Weiher
In diesem Zusammenhang macht der Tierschutzverein noch auf etwas anderes aufmerksam: Im Weiher am Hessendamm wurden Schildkröten beobachtet. Es ist zu befürchten, dass diese Tiere den harten Winter nicht überlebt haben. Vermutet wird, dass es sich dabei um ausgesetzte Tiere handelte. Deshalb ein Appell des Tierschutzvereins an alle: Auch Schildkröten sind Lebewesen, die ein Recht auf Fürsorge haben und nicht einfach weggeworfen werden dürfen. Auch hier sollte man vor Anschaffung überlegen, ob man auf Dauer dafür sorgen kann und will. Und sollte tatsächlich die Weggabe nötig werden, sollte man sich die Mühe machen, einen neuen Besitzer dafür zu finden.

Aus der Jahreshauptversammlung des WKV
HATTERSHEIM - Zur Jahreshauptversammlung konnte Vorsitzender Josef Mohr u. a. auch Eric A. Sanders willkommen heißen, seit kurzem Ehrenmitglied im Wander- und Kulturverein. Sanders gilt als der Verbindungsmann zu den amerikanischen Freunden des WKV. Fortgesetzt wird der Kachelverkauf zugunsten der Wiedererrichtung des alten Dorfbrunnens. Weiter wurde beschlossen, dass ein Teil des Erlöses vom 10. Volkswandertag der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft zukommen soll. Zum Ehrenmitglied wurde auch Petra Graschy ernannt, die zurzeit Rosenkönigin ist.
In seinem Jahresbericht erwähnte der Vorsitzende u. a. den Ehrenabend mit Colonel Rüssel, die Wiederwahl der Rosenkönigin Petra I, die zahlreichen Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung, Mithilfe bei den Ferienspielen und der Kerb, die Lichtbildreihe ?Kennst Du Deine Heimat? ? und vieles mehr. Wie Wanderwart Leppelt berichtete, hat der WKV an insgesamt 52 Veranstaltungen des Deutschen Volkssportverbandes teilgenommen. Selbst durchgeführt hat man wieder eine Volkswanderung und ein Volksradfahren. Kulturwart Mathias Boschat erwähnte u. a. den guten Besuch der 19. WKV-Ausstellung und umriss den großen Aufgabenbereich im Rahmen des Kulturprogramms des WKV. Auch Brauchtumsund Heimatpflege kämen nicht zu kurz. Der Sprecher der Funkerrunde, Quirin Lorenz, erwähnte die Funküberwachung bei den Volkssportveranstaltungen. Die Ergänzungswahl ergab die Bestätigung von Josef Mohr im Amt des Ersten Vorsitzenden. Auch Schriftführerin Ilona Potemps wurde wieder gewählt. Germain Chassot wurde nach zweijähriger Pause erneut auf den Posten des Kulturwarts berufen.
Vergnügungswart ist Emil Pitsch und Streckenwart Karl Heinz Leppelt. Schließlich galt es noch einen neuen Kassierer zu finden. Erich Sbolalik wird künftig die Finanzen des Vereins überwachen.
Zum Jahresprogramm 1985 berichtete der Vorsitzende, dass am 19. Mai die achte internationale Volksradfahrveranstaltung und am 31. August und l. September die zehnte Volkswanderveranstaltung durchgeführt wird. Innenminister Horst Winterstein hat die Schirmherrschaft übernommen. Im November findet die 20. WKV-Ausstellung in der Stadthalle statt. Auch hier ist der Innenminister Schirmherr Aus Anlass des 15jährigen Bestehens findet im November ein Ehrenabend statt.
16 Tagesordnungspunkte waren bereits um 22 Uhr abgewickelt. Vorsitzender Josef Mohr brachte zum Ausdruck, dass der WKV im sich nun im zwölften Jahr dem Volkssportgedanken widmet. 1972 sei man noch belächelt worden, heute habe man Nacheiferer gefunden. ?Wir sind glücklich, dass wir einer großen Volkssportbewegung angehören?, sagte Mohr. ?Wir sind stolz, dass wir dabei der öffentlichen Hand nicht auf der Tasche liegen. Unser Bewegungsfeld sind Feldwege, Wälder und Straßen. Alles, was kein zusätzliches Geld kostet. Wir brauchen nicht ganzjährig eine Halle oder einen Platz, der in Ordnung gehalten werden muss. Auch werden wir nicht mit Geldern aufs Sportfeld gerufen. Uns macht es Spaß und wir haben unsere Freude daran.? Der Vorsitzende wies auch auf das Wachsen des Künstlerkreises hin. Dies habe man zu Anfang nicht erwartet. Erfreulicherweise seien die Ausstellungen des WKV in Hattersheim inzwischen zu einer festen Einrichtung geworden. Auch die Pflege des Heimatgedankens habe sich durchgesetzt. ?Mancher möchte heute diese Idee für sich verbuchen?, sagte Mohr, der die Versammlung mit dem Appell an die Mitglieder schloss, dem Verein auch weiterhin die Treue zu halten.

Montag, 25. März 1985
Dorfbrunnen jetzt als Kachelmotiv
HATTERSHEIM (wr) - Die fünfte Hattersheimer Kachel wird nun angeboten. Das Motiv ist diesmal der alte Dorfbrunnen, der auf Initiative des Wander- und Kulturvereins demnächst an der Erbsengasse wieder errichtet werden soll. Den Kachelentwurf schuf wieder Albert Hohage. Im Jahr 1878 gab es in Hattersheim für die Wasserversorgung der Bürger noch fünf öffentliche Brunnen. Jener abgebildete Brunnen stand an der Ecke Rathausstraße und wurde im Jahr 1935 bei der Verbreiterung der Einmündung der Hauptstraße in die
Schulstraße zusammen mit dem Haus Kauth abgerissen. Der älteste Hattersheimer Dorfbrunnen dürfte jener gewesen sein, der an der Kirche stand. Er war lange Zeit der einzige in Hattersheim. Wahrscheinlich wurde erst im Jahr 1759 ein zweiter Brunnen fertig gestellt. Wie weit damals außerdem noch Privatbrunnen vorhanden waren, ist nicht mehr zu ermitteln.
Man weiß jedoch, dass im Jahr 1887 durch sieben öffentliche und etwa 20 Privatbrunnen die Wasserversorgung sichergestellt wurde. Besonders gut soll das Hattersheimer Wasser allerdings damals nicht gewesen sein. Aus einem Gutachten des Kreiswundarztes in Bad Soden aus dem Jahr 1887 geht hervor, dass sich Ammoniak und salpetrige Säure in dem Wasser der Hattersheimer Brunnen befanden, was bei der damals noch fehlenden Kanalisation kein Wunder sein konnte.

Vor 40 Jahren
Freitag, 20. März 1970
Ab jetzt Vereinstermine im ?HattersheimerAnzeiger?
Auf einer Sitzung des Hattersheimer Vereinsrings sprachen sich mehrere Vereine für eine einheitliche Veröffentlichung von Vereinsterminen im ?Hattersheimer Anzeiger? aus. Mit dieser Regelung wird angestrebt, eine breite Öffentlichkeit über Möglichkeiten innerhalb des Hattersheimer Vereinslebens zu. unterrichten. In der vorliegenden Ausgabe erscheint erstmals ein Wochenterminkalender, der allerdings noch nicht alle Vereine berücksichtigt. (Noch nicht aufgeführte Vereine wurden gebeten, ihre Termine in der damaligen Hattersheimer Geschäftsstelle Hauptstraße 9 aufzugeben).
Der ebenfalls angesprochene Vereins-Veranstaltungskalender, der jeweils für einen Monat Gültigkeit haben soll, erscheint erstmals in einer unserer nächsten Ausgaben, da noch nicht alle Veranstaltungstermine bekannt sind.
Dies waren die wöchentlich wiederkehrenden Veranstaltungen der Vereine im Jahre 1970:
Der Gesangverein ?Germania? hatte seine Singstunde freitags 20 Uhr im Gasthaus ?"Zur Krone?" (Klause); der Gesangverein ?Concordia? donnerstags 20 Uhr am gleichen Ort.
Beim Turnverein Hattersheim (TVH) gab es die Abteilung Turnen, und zwar in der Schulturnhalle (Anm.: Turnhalle der Robinsonschule, denn die Heinrich-Böll-Schule gab es noch nicht): montags 17-18 Uhr Schülerinnen 6-7 Jahre, 18-19 Uhr Schülerinnen 8-14 Jahre, 19-20 Uhr Leistungsgruppe und 20-22 Uhr Frauen;
freitags 18-19 Uhr Schüler 6-10 Jahre, 19-20 Uhr Schüler 11-14 Jahre.
Volleyball wurde montags 20.30-22 Uhr in der neuen Sporthalle gespielt, Handball fand dienstags und donnerstags für Schüler, Jugend und Aktive ebenfalls in der neuen Sporthalle statt.
Sportverein Hattersheim (SVH):
Leichtathletik: montags für Jugend und Aktive in der Sporthalle;
Fußball aller Klassen wurde dienstags, mittwochs und donnerstags gespielt und zwar in der Schulturnhalle, in der Sporthalle und auf dem Sportplatz.
Ski- und Paddelclub (SPCH): Wassertraining:
Dienstag, 17-19 Uhr, Bootshaus in Okriftel, ebenso donnerstags 17-19 Uhr; Körpertraining: Freitag, 20-22 Uhr Turnhalle Farbwerke Hoechst.
Verein für Netzspiele (VfN)
Badminton: dienstags, mittwochs und freitags für Jugend und Senioren, mal in der Sporthalle, mal in der Schulturnhalle;
Tischtennis: dienstags und donnerstags für Jugend und Senioren.
Sportgemeinschaft Hattersheim (SGH):
Fußball: montags, mittwochs und freitags für Jugend und Senioren auf dem Sportplatz;
Frauenabteilung: montags im Pfarrheim St. Barbara;
Leichtathletik: dienstags in der Schulturnhalle;
Tischtennis: mittwochs und donnerstags im Pfarrheim.
Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner (VdK): Sprechstunde jeden 1. und 3. Dienstag im Monat ab 18 Uhr im Bibliotheksraum der Schule.
Photoclub: Versammlung jeden 1. Samstag im Monat. 20 Uhr, wechselnde Lokale.

Vor 50 Jahren
Freitag, 25. März 1960
Schwester Hermine 70 Jahre alt
Am Sonntag, den 27. März 1960, vollendet die evangelische Gemeindeschwester ihr siebentes Lebensjahrzehnt. Dieser Ehrentag der hoch angesehenen Schwester ist für viele Hattersheimer ein Anlass zum Dank. In voller gesundheitlicher Frische versieht die Diakonisse der evangelischen Kirchengemeinde ihren schweren Dienst. Sie gedenkt ihn fortzusetzen, solange sie noch rüstig ist. Die evangelische Kirchengemeinde wünscht sich, dass das noch recht lange der Fall ist. Schwester Hermine versieht den kirchengemeindlichen Dienst der Krankenpflege, assistiert bei der Mütterberatung des Kreisarztes und bei den Impfungen.
Die Jubilarin trat 1917 in das Mutterhaus ?Paulinenstift in Wiesbaden ein und durchlief nach ihrer Grundausbildung alle klinischen Stationen. Von 1924 bis 1929 war sie in Braubach im Krankenhaus und als Gemeindeschwester tätig, um 1929 wieder in eine verantwortliche Aufgabe in der orthopädischen Abteilung des Paulinen-Krankenhauses einzutreten. Vielseitig ausgebildet und bewährt, trat sie am 1. Mai 1937 auf eigenen Wunsch die Diakonissenstelle in Hattersheim an, die sie bis heute ununterbrochen geführt hat.
Der Schwestermangel veranlasst die diakonischen Kräfte heute zum Einsatz bis ins hohe Alter. Erst in Jahren wird die Nachwuchslücke einigermaßen geschlossen werden können. Umso dankbarer darf die Kirchengemeinde dafür sein, dass Schwester Hermine ihre ganze Kraft heute noch unermüdlich einsetzt. Sie hat nicht nur die alten Aufgaben fortgeführt, sondern im Rahmen unserer Wachstumsgemeinde noch zahlreiche neue Verpflichtungen wahrgenommen. Vom ersten Tage ihres Hierseins an hatte sie guten Kontakt zur Bevölkerung. Es bestand auch ein sehr gutes Einvernehmen mit den katholischen Schwestern. Mancher Dienst wurde herüber und hinüber Hand in Hand getan. Hattersheim wurde Schwester Hermine zur zweiten Heimat und die Menschen, die von ihr betreut wurden, haben in ihr eine mütterliche Freundin und Helferin gefunden, Der evangelische Kirchenvorstand sprach Schwester Hermine für ihr unermüdliches Wirken urkundlich seinen tief empfundenen Dank aus.

Vom evangelischen Kindergarten
Der evangelische Kindergarten, dessen Betrieb ein völlig neuer Start war, hat sich inzwischen recht erfreulich entwickelt. Die Durchschnittsbelegung beträgt zurzeit rund 50 Kinder. Der Kirchenvorstand erwartet ein weiteres Anwachsen. Die finanzielle Entwicklung des Kindergartens ist so, dass der Betrieb ab 1. April 1960 die Preise senken kann. Die weitere Entwicklung ist durch den echten Bedarf begründet und sollte aus den Kräften der Kirchengemeinde und durch die Hilfe der Freunde dieses Kindergartens bewältigt werden können.

Erika Kunz


Hatterhseimer Stadtanzeiger Nr. 11 vom 18. März 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 14. März 1985
Treffen ehemaligerPhrix-Werksangehöriger OKRIFTEL (wr) - Rund 60 Personen waren im evangelischen Gemeindesaal erschienen, zunächst begrüßt vom Stadtverordneten Hans Schmitt, auf dessen Initiative dieses Treffen zustande kam. Schmitt hatte auch eine Dokumentation mit Korrespondenz und vor allem von Zeitungsausschnitten aus dem Jahr 1970 mitgebracht, dem Jahr, in welchem das Werk geschlossen wurde, wo damals rund 1200 Leute beschäftigt waren. Auch Rudi Franz, der damals ebenso wie Schmitt dem Betriebsrat angehörte, half mit, die Dokumentation zusammenzustellen.
Schmitt erinnerte daran, dass die Schließung des Werkes damals für alle ziemlich überraschend kam, obgleich zuvor schon Gerüchte umgingen. Erst aus der Presse erfuhren die Werksangehörigen von der Entscheidung der Konzernleitung. Es war ein amerikanischer Chemiekonzern, der damals eine Aktienmehrheit bei der Phrix übernommen hatte. In Okriftel hoffte man noch einige Zeit darauf, dass die Hoechst AG das Werk weiterführen würde, doch auch diese Hoffnungen zerschlugen sich. Die Schließung erfolgte allerdings zu einer Zeit, da die meisten Arbeitnehmer noch anderweitig unterkommen konnten. Dem Betriebsrat gelang es, eine erhebliche Abfindungssumme auszuhandeln, die dann an die Werksangehörigen je nach Alter und Zeit der Werkszugehörigkeit verteilt wurde. Auch  eine Pensionskasse war vorhanden, aus der zahlreiche Rentner heute noch Summen von 75 bis 130 Mark monatlich erhalten. Wie gesagt wurde, laufe diese Kasse weiter bis über das Jahr 2000 hinaus. Der frühere Okrifteler Bürgermeister Konrad Treber bezeichnete es als gute Idee, dass die ?Phrixianer einmal zusammenkamen. Er erinnerte daran, dass es in Okriftel zwei große Unternehmungen  gegeben habe, denen niemand ein baldiges Ende vorausgesagt hätte: der Phrix und der Bauunternehmung Milch. Beide bestehen nicht mehr. Da die Phrix als Papierfabrik gebaut wurde, lassen sich die Gebäude anderweitig kaum nutzen. Die Papierfabrik sei schon immer mit Okriftel eng verbunden gewesen. Treber erinnerte daran, dass durch die Fabrik die Okrifteler auch einiges an Belastungen auf sich nehmen mussten. Doch man hatte sich offenbar an den Geruch, der von der Fabrik ausging, gewöhnt, so sehr, dass sogar Urlauber nach Okriftel zurückgekehrt seien mit der Behauptung, sie könnten die Luft anderswo gar nicht mehr vertragen.
Bürgermeister Schubert wies darauf hin, dass von der Phrix-Ruine auch etwas Nostalgisches ausgehe. Wenn er ältere Leute zum Geburtstag besuche, werde immer wieder von der ehemaligen Papierfabrik erzählt. Die Phrix sei ein Stück Ortsgeschichte, und davon sollte auch in Zukunft etwas stehen bleiben. Schubert erinnerte an die Planungen, die Darmstädter Studenten für das Phrix-Gelände ausgearbeitet haben. Auch Utopisches sei dabei. Die Stadt wäre dankbar, wenn auch die ehemaligen Phrix-Werksangehörigen Vorschläge machen würden. In das Thema ?Phrix-Sanierung" komme jetzt wieder Bewegung. Der Bürgermeister berichtete, dass die Stadt bemüht sei, einen Teil des ehemaligen Werksgeländes zu erwerben. Eine erneute Industrieansiedlung werde auch deshalb schwierig sein, weil gar nicht weit davon das zehnmal so große Caltex-Gelände ebenfalls zum Verkauf stehe, das aber den Vorteil der direkten Anbindung an den Flughafen hat.

Montag, 18. März 1985
Landes-Ehrenbrief für Heinz Herglotz
HATTERSHEIM/OKRIFTEL (wr) - Mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen wurde am Donnerstag im Rahmen der Jubiläums- und Meisterfeier der Kreishandwerkerschaft in der Hofheimer Stadthalle der Obermeister der Tischler-Innung, Heinz Herglotz, ausgezeichnet. Die Ehrung überreichte der hessische Innenminister Horst Winterstein, der die Verdienste des Obermeisters würdigte, gleichzeitig aber auch die Bemühungen der Landesregierung aufzeichnete, durch Förderungskonzepte im Wohnungsbau sowie in der Stadt- und Dorferneuerung dem Handwerk Hilfestellung zu geben.
Insbesondere das Rhein-Main-Gebiet seit geprägt durch Dienstleistungsbetriebe, und dazu zähle in besonderem Maße das Handwerk. Während in Nordhessen bereits ein Wohnungsüberschuss zu beobachten sei, gebe es in Südhessen nach wie vor einen Bedarf an Wohnungen, vor allem auch deshalb, weil die Zahl der Einzelhaushalte ansteigt. Das Land fördere neben dem Wohnungsbau insbesondere die Sanierung der Ortskerne, eine Aufgabe, die sich nicht von heute auf morgen verwirklichen lasse, sondern als Generationenproblem anzusehen sei. Das mittelständische Handwerk sei dabei besonders gefordert. Bisherige Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich die Zuschüsse, die vom Land dafür gegeben würden, im Endeffekt vervielfachen. Eigentlich könne da noch mehr getan werden. Auf die Verdienste von Herglotz eingehend, betonte Winterstein, dass jener nicht nur erfolgreich die Interessen seines Berufsstandes vertrete, sondern darüber hinaus noch mehr für die Gemeinschaft tue, u. a. als Mitglied im örtlichen Kirchenvorstand, bei der Freiwilligen Feuerwehr, vor allem aber auch als Vorsitzender des TVOkriftel, ein Amt, das er seit 1978 inne hat. Seit 1972 war Herglotz stellvertretender Innungsobermeister, und 1975 wurde er Obermeister. Herglotz könne vielen ein Vorbild sein. Herglotz wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass er die Auszeichnung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Tischlerinnung entgegennehme, die einen aktiven Beitrag auch auf dem Ausbildungssektor leiste. Als Vorsitzender des TVO komme es ihm darauf an, der Bewegungsarmut in unserer Zeit entgegenzuwirken.

Vor 40 Jahren
(Diejenigen Hattersheimer, die nicht nur 40, sondern sogar 65 Jahre zurückblicken können, werden sich bestimmt erinnern. Für alle anderen erzählt der ?Hattersheimer Anzeiger? von 1970 in einer damaligen Rückschau das dramatische Geschehen aus dem Jahre 1945:)
Freitag, den 20. März 1970
Vor 25 Jahren. Kriegsende in Hattersheim  Am kommenden Sonntag erinnern sich bestimmt viele Hattersheimer des Palmsonntags vor 25 Jahren. Dieser fiel auf den 25. März 1945. Am Vormittag dieses Tages wurde von Amts wegen der Befehl gegeben: ?Hattersheim ist sofort zu räumen. Bis Mittag müssen sämtliche verfügbaren Fahrzeuge aller Art zum Transport bereitgestellt werden.? Jedoch gegen 18 Uhr kam die Nachricht: Hattersheim ist eingeschlossen. Gegen Mitternacht setzte dann amerikanischer Beschuss mit schweren Granaten ein, wodurch die Häuser von Dickert (Erbsengasse), von Westenberger (Staufenstraße) und die Kronberger Mühle Treffer abbekamen.
Am Montag schlug eine Granate im Alten Posthof ein, dabei geriet ein im Torhaus untergestellter Sanitätswagen der Wehrmacht in Brand. Der Fahrer kam ums Leben, während Oskar Schäfer durch Granatsplitter einen Oberschenkeldurchschuss erlitt, der den Verlust des Beins verursachte. Fritz Hattemer, der gegenüber gerade am Haustor stand, blieb unverletzt (beide Mitbürger sind inzwischen verstorben). Sehen wir nach, was im Einsatzbuch der Feuerwehr von diesem Tag niedergeschrieben ist:
?"26. März 1945, Brand im Posthof, Hauptstraße, in Brand geschossen."? Gerade bei diesem Einsatz zeigte sich, was Schnelligkeit und Schlagkraft einer Wehr bedeuten. Wäre die Mannschaft der Feuerwehr auch nur Minuten später angetreten, wäre wertvolles Wirtschaftsgebäude verloren gegangen. Unter heftigem Granatfeuer eilten die Männer herbei und taten unter Einsatz ihres Lebens ihre Pflicht. Das Löschwasser wurde aus dem Mühlbach in der Erbsengasse entnommen und Jean Weber (Schmiedemeister, inzwischen verstorben) stand als Bedienungsmann an ?de Bach?. Auch der damalige Kaplan Morschheuser war unter den Helfern und musste einen Stahlhelm verpasst bekommen. Durch den Beschuss brachen dann im Laufe des Tages auch im ?Engel? und in der ?Krone? kleine Brände aus, die zeitig erkannt werden konnten und bald gelöscht waren, ohne großen Schaden anzurichten.
Am Mittwoch, 28. März 1945, rückten dann die Amerikaner in Hattersheim ein. Die Zeit der Ängste und Schrecken hatte damit ihr Ende gefunden. Die Schlafstätten wurden wieder vom Keller in die Schlafzimmer verlegt. Die Kinder sahen endlich wieder Tageslicht, das sie in den aufregenden Monaten und Wochen seit Weihnachten gar nicht mehr kannten. Ein Aufatmen ging durch die Gemeinde. Trotz Ausgangsbeschränkung war man froh, zur Nachtzeit wieder schlafen zu können, wenn auch die Angst um die Zukunft nicht ganz aus den Herzen genommen war.

Vor 50 Jahren
Freitag, 18. März 1960
Jetzt 635 Wohnungen
Die Gemeinnützige Gesellschaft für Siedlungs- und Kleinwohnungsbau mbH Hattersheim legte jetzt den Geschäftsbericht für das Jahr 1959, fußend auf der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung, vor. Die Bilanz zeigt, zu welchen Ausmaßen sich die Gesellschaft in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Bilanzsumme beträgt 9,6 Millionen DM. An Anlagevermögen stehen rund neun Millionen DM zu Buche, die im wesentlichen auf die Wohngebäude entfallen. Die Bilanzsumme hat sich im Verhältnis zu 1958 um eine Million erhöht.
Der hauptamtliche Geschäftsführer Heinz Anthony wies zufrieden darauf hin, dass in diesem Jahr ein Gewinn von 1950,72 DM ausgewiesen ist. Das ist zwar nicht viel, aber durch dieses Ergebnis ist der Verlust der verflossenen beiden Jahre von 57.000 DM bilanzmäßig verkraftet. Überhaupt lässt der Geschäftsbericht eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und der Liquidität erkennen. Das liegt vor allem daran, dass das Stammkapital 1959 von 100.000 auf 400.000 DM erhöht wurde. Die Gesellschaft konnte dadurch in vielen Fällen die mit hohen Zinsen belasteten Zwischenkredite umgehen. Interessanter als dieses Zahlenspiel ist der Ausweis der erstellten und geplanten Wohnungen. Der Stand der bezogenen Wohnungen ist zur Zeit 635 Einheiten. 1959 wurden davon 66 fertiggestellt. Im Bau sind weitere 68 Wohnungen, die ihrer Fertigstellung entgegensehen. In Planung sind vier Bauabschnitte mit 156 Wohnungen. Die Gesamtkosten sind mit 4,1 Millionen DM veranschlagt. Für 84 dieser geplanten Wohnungen ist die Finanzierung schon gesichert. Unter diese Pläne fällt auch das zu bauende zehngeschossige Hochhaus mit seinen 60 Wohnungen. Nach Verwirklichung dieser Projekte wird das Anlagevermögen der Gesellschaft eine wesentliche Steigerung erfahren. Die Siedlungsgemeinschaft steht im Wesentlichen im Eigentum der Gemeinde. Ihr Tätigkeitsbereich erstreckt sich nur auf Hattersheim. Gesellschafter sind mit 799 Anteilen = 399 500 DM die Gemeinde und mit einem Anteil = 500 DM die Sarotti. Dem Aufsichtsrat gehören neben Bürgermeister Winterstein als Vorsitzender Fritz Bender, Karl Göbel, Dr. März und Anton Schredl an. Geschäftsführer sind Heinz Anthony, Erster Beigeordneter Heinrich Bauer und Beigeordneter Hans Wollstadt, wobei die letzteren nebenamtlich tätig sind. Die Siedlungsgesellschaft wurde nach dem Kriege gegründet, um der Wohnungsnot Herr zu werden. Damals konnte man ihre derzeitige Bedeutung nicht voraussehen. Denn mit der stetigen Entwicklung Hattersheims sind neue Aufgaben erwachsen. Die Industrialisierung und der wirtschaftliche Aufschwung des Frankfurter Raums haben ihre Wellen nach Hattersheim geschlagen. Die Gemeinde hat in der Siedlungsgesellschaft ein Instrument, wohnungsmäßige Fragen in eigener Regie zu lösen. Sie kann ihre eigene Wohnungspolitik machen und ist darin weitgehend unabhängig. Sie ist nicht auf anderweitige Stellen angewiesen. So kann sie der ansässigen Industrie Arbeitskräfte zuführen, andererseits aber durch Teilnahme an staatlich geförderten Wohnungsbauprogrammen immer wieder Wohnungen für die Ortsauflockerung schaffen. Die Siedlungsgesellschaft ist durch ihre emsige Bautätigkeit zu gutem Ruf gekommen und manche Gemeinde wäre froh, wenn sie über ein solches Unternehmen verfügen könnte.

Werbeanzeige ?Volkswagen?
Die Imagepflege des Unternehmens ?Volkswagenwerk GmbH? sah 1960 so aus: steigende Produktion - wachsende Nachfrage, abermalige Produktionssteigerung, noch stärkere Nachfrage. Und noch immer Lieferfristen. Deshalb setzen wir zu einem großen Sprung nach vorn an. Die unvermindert wachsende Beliebtheit des Volkswagens ermutigte uns zur großzügigen Erweiterung der Werksanlagen, zur weitgreifenden Rationalisierung aller Produktionsvorgänge. Schon jetzt läuft alle 18 Sekunden ein Volkswagen vom Fließband. as sind mehr als 3000 täglich, und diese Tagesproduktion  wird von Monat zu Monat um weitere 100 gesteigert. Ein Volkswagen ist jetzt eher zu haben als bisher. Fragen Sie Ihren VW-Händler!

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 10 vom 12. März 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 7. März 1985
Nach 42-jähriger Organistentätigkeit legte Elfriede Keul ihrAmt nieder
EDDERSHEIM - Am vorletzten Sonntag wurde Elfriede Keul nach über 42jähriger Tätigkeit als Organistin der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin während des Gottesdienstes von Pfarrer Otmar Endlein verabschiedet. Elfriede Keul übernahm den Organistendienst von Lehrer Minola am 1. September 1942 in einer Zeit, in der es nicht selbstverständlich war, für die Kirche einzutreten. Zu diesem Dienst gehören viel Idealismus und Zeit. Als Eddersheim noch allein einen Pfarrer hatte - heute gehört Okriftel dazu - teilte sie sich die anfallenden Dienste mit ihrem Mann Heinz. Er war Organist in Okriftel von 1942 bis 1950. Elfriede Keul erlernte das Orgelspiel in Mainz. In ihrer langen Tätigkeit wirkten fünf Geistliche an der Eddersheimer Kirche. Zunächst war dies Geistlicher Rat Schneider, danach die Pfarrer Bruno, Ungefroren, Schwickert und heute Otmar Endlein. Die katholische Kirchengemeinde dankt Elfriede Keul herzlich für ihre geleistete Arbeit und wünscht ihr und ihrer Familie alles Gute und Gottes Segen.

Schubert: Mit baldiger Reduzierung des nächtlichen Fluglärms zu rechnen
HATTERSHEIM (pm) - Der hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Technik hat Bürgermeister Alfred Schubert als Vertreter der Stadt Hattersheim in die Fluglärmkommission berufen. Neben Stadtrat Hans Schuch hat Hattersheim damit wieder zwei Vertreter in dieser Kommission. Schubert versicherte, dass er alle Möglichkeiten ausschöpfen wolle, die zu einer Verbesserung der Fluglärmsituation führen. In einem ersten Gespräch mit dem Geschäftsführer der Fluglärmkommission, Alfred Berger, und dem Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Wolf Held, machten Schubert und Schuch deutlich, in welchem Maße besonders die Okrifteler und Hattersheimer seit Inbetriebnahme der Startbahn West mit einer neuen Art von Fluglärm belastet sind. Wie Donnergrollen legt sich dort, besonders bei der gefürchteten Inversionswetterlage, der Start- und Bodenlärm vom Flughafen über Wohngebiete unserer Stadt. Auch in Eddersheim habe sich mit der neuen Startbahn an der Lärmsituation nichts geändert. Mit einer begonnenen Politik der kleinen Schritte will Schubert in den zuständigen Gremien die Lärmbelästigung vom Rhein-Main-Flughafen für die Hattersheimer vermindern helfen. Von utopischen Maximalforderungen, die in der Praxis gar nichts ändern, hält Schubert in dieser Sache nichts. Diese Vorgehensweise fand nun in der Unterredung mit den beiden Fluglärmexperten eine erste Bestätigung. Wie Schubert mitteilte, ist schon in diesem Sommer mit einer Reduzierung der Lärmbelästigung vom Flughafen in den Nachtstunden zu rechnen. Gründe hierfür sind die Umstellung der Postflüge auf leisere Fluggeräte und eine Reduzierung der Flugbewegungen im Postverkehr durch die Einführung von Direktverbindungen auf längeren Strecken wie beispielsweise Hamburg - München, die seither alle über Frankfurt abgewickelt wurden. Weiterhin plant die Lufthansa, so konnte Schubert erfahren, eine Reduzierung und Umstellung ihres Nachtfrachtdienstes, was ebenfalls positive Auswirkungen auf die lärmgeschädigten Hattersheimer haben wird. Hinzu kommt eine generelle Verschärfung des bestehenden Nachtflugverbots für extrem laute Maschinen älterer Bauart wie die betagten Boeing 707 und DC 8. In der Gesprächsrunde mit Held und Berger hat Schubert weiterhin gefordert, dem Fluglärm in unserem Stadtgebiet endlich einmal auf den Grund zu gehen. Messergebnisse des Flughafens, die eine Zunahme des Lärms bestreiten, seien einfach paradox. Mit einer entsprechenden Initiative in der Fluglärmkommission will Schubert die Erstellung objektiver neuer Messreihen anhand von Messanlagen in allen Stadtteilen erreichen. Eine umfassende Analyse des Zusammenhangs zwischen Fluglärm, Wetterlage, Startbahnbenutzung soll neue Erkenntnisse liefern. Damit, so Schubert abschließend, sollen dann neue Initiativen von seiner Seite im Interesse der Bürger eingeleitet werden

Auch im MTK stieg Arbeitslosenzahl
MAIN-TAUNUS (wr) - Zwar liegt die Arbeitslosenquote im Bezirk des Arbeitsamts Höchst mit 5,1 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt, der sich nach den jüngsten Berichten der Bundesanstalt in Nürnberg auf 10,2 Prozent beläuft, doch ist im hiesigen Bezirk, zu dem auch der Main-Taunus-Kreis zählt, im Februar ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit registriert worden. Die Zahl der gemeldeten Stellenlosen erhöhte sich um 50 auf 6534.
Den Anstieg der Arbeitslosenzahl führt das Arbeitsamt auf das winterliche Wetter der vergangenen Wochen zurück. Ob die freigesetzten Kräfte nach der Frost- und Schneeperiode wieder eingestellt werden, bleibe allerdings ungewiss, da sich die Auftragslage vieler Baubetriebe auch unabhängig von der Witterung verschlechtert habe. Etwa 70 Jugendliche fanden unmittelbar nach ihrer Lehre keinen Arbeitsplatz. Vorwiegend in Kleinbetrieben der Metall-und Elektrobranche sowie des Kfz-Handwerks fehlte es an Möglichkeiten, sie weiterzubeschäftigen. Hierdurch erhöhte sich die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 20 Jahren um 34 auf 423.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 10. März 1970
Hattersheim wird Stadt
Hattersheim sieht seiner Stadterhebung entgegen. Diese Mitteilung konnte Bürgermeister Norbert Winterstein im Rahmen seiner Haushaltsrede in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung machen. Der Gemeindevorstand habe auf den Beschluss der Gemeindevertretung vom 5. Dezember 1969 schnell gehandelt. Der Antrag auf Verleihung der Stadtrechte liege bereits dem Hessischen Innenminister vor. Vorbesprechungen hätten ergeben, dass mit dem zustimmenden Beschluss der Landesregierung gerechnet werden könne. Als Termin für die Feierlichkeiten sind die Tage vom 11. bis 14. September dieses Jahres vorgesehen. Der eigentliche Festakt mit der Überreichung der Urkunde ist für Freitag, 11. September, vorgesehen.
Einem großen Bunten Abend am Samstag wird sich am Sonntag ein Konzert mehrerer Musikkapellen in verschiedenen Ortsteilen mit einem Sternmarsch zum Rathaus anschließen. Der Sonntagnachmittag ist den Kindern gewidmet. Vorführungen einer Puppenbühne und ein großer Vergnügungspark sollen dafür sorgen, dass auch die Kleinsten zu ihrem Recht kommen. Den Abschluss der Feierlichkeiten soll ein Frühschoppen bilden.
Winterstein erklärte weiterhin, der Gemeindevorstand habe sich bewusst auf einen Stil der Feierlichkeiten geeinigt, der weniger die Vergangenheit in den Vordergrund stellen als vielmehr die gegenwärtigen Verhältnisse der Gemeinde darstellen soll. Daneben gelte es aber auch, die Geschichte von Hattersheim, und hier insbesondere den Übergang der Vergangenheit in die heutige Zeit und die Entwicklung der letzten 25 Jahre, zu würdigen und die Leistungen der Gemeinde und ihrer herauszustellen.

Müllgrube geschlossen
Bürgermeister Winterstein teilte der Gemeindevertretung in der letzten Sitzung mit, dass er die Müllgrube an der Mainzer Landstraße mit sofortiger Wirkung durch eine entsprechende Polizeiverfügung geschlossen habe. Damit sei ab sofort die Ablagerung von brennbaren Stoffen, insbesondere Haus- und Gewerbemüll in der genannten Grube untersagt. Dem Pächter sei darüber hinaus aufgegeben worden, die Müllgrube innerhalb von 14 Tagen mit Erde abzudecken. Winterstein begründete die Maßnahme damit, dass ihm keine andere Möglichkeit gegeben sei, die Gefahr, die durch den ständigen Brand auf der Müllgrube entstehe, abzuwehren. Die  zur Verfüllung gepachtete Kiesgrube stehe ständig in Brand. Je nach Witterung, Windrichtung und Art des abgelagerten Mülls entstünde aus dem schwelenden Brandherd eine so starke Rauchentwicklung, dass der Verkehr auf der L 3265 und der Autobahn Frankfurt - Wiesbaden durch Sichtbehinderung erheblich gefährdet werde und darüber hinaus auch Rauchschwaden in den Wohngebieten der Gemeinde Hattersheim lägen, deren Geruch so stark sei, dass eine Gefährdung der Gesundheit der Bewohner eintrete und insbesondere die Fenster der Wohngebäude nicht mehr geöffnet werden könnten.
In der Vergangenheit musste die stark befahrene L 3265 mehrmals wegen der Rauchentwicklung der Müllhalde gesperrt werden. Die Unterbindung der Brand- und Rauchentwicklung sei daher eine notwendige Maßnahme, um eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unaufschiebbar zu beseitigen und darüber hinaus eine unmittelbar für die weitere Zukunft bevorstehende Gefahr abzuwehren. Bürgermeister Winterstein erklärte weiterhin, dass dem Pächter bereits in vorangegangenen Polizeiverfügungen aufgegeben worden sei, dass ständig eine Grubenwache in einer Stärke von mindestens zwei Mann zur Verfügung zu stehen habe, ein Feuerwehrfahrzeug in Löschbereitschaft zu halten sowie die gesamte Müllhalde mit Erdaushub abzudecken sei. Diese Maßnahmen hätten keine Änderung der Situation ergeben. Angesichts der ständigen Bedrohung und Belästigung der Bürger der Gemeinde und der Verkehrsteilnehmer sehe er sich nunmehr gezwungen, die Müllgrube zu schließen.

Vor 50 Jahren
Freitag, 11. März 1960
Das fiel uns auf
Die Gemeindevertreter von Hattersheim konnten sich bis vor einiger Zeit rühmen, dass ihre Arbeit nicht nur von der Presse, sondern auch von der Bevölkerung verfolgt wurde. Der Sitzungssaal im Rathaus war immer so weit gefüllt, als er Zuschauern Platz bot. Das waren immerhin 30 bis 40 Leute, die die Sitzungen verfolgten. Seit die Gemeindevertretersitzungen in der Pausenhalle der neuen Schule stattfinden, ist die Anteilnahme der Bevölkerung nach und nach abgebrochen, obwohl dort genug Platz für Zuhörer ist. Die Öffentlichkeit, in der die Gemeindevertretersitzungen stattfinden müssen, wird nur noch von den Vertretern der Zeitungen dargestellt. Ansonsten Leere. Warum? Die Gemeindevertretung trägt selbst Schuld an dieser Entwicklung. Die Sitzungen sind langweilig geworden. Man merkt nur noch an den Abstimmungen, dass es sich um ein Parlament handelt, denn diskutiert wird kaum noch. Der Gemeindevorstand lässt seine Vorlagen durch den Bürgermeister begründen, der Ausschussvorsitzende berichtet und dann geht es in die Abstimmung. Dieser Stil kommt daher, dass die eigentliche Arbeit der Gemeindevertretung sich in die Ausschüsse verlagert hat. Dort debattiert man, erwägt. klärt die Fronten. In der Gemeindevertretersitzung hat man dann kaum noch etwas zu sagen. Welche Argumente im Einzelnen zu der Entscheidung der Parteien oder Fraktionen geführt haben, mögen die Wände der Beratungszimmer der Ausschüsse gehört haben. Die interessierten Wähler erfahren es nie. Nun ist gegen Ausschüsse und ihre Arbeit grundsätzlich nichts zu sagen. Dort lassen sieh manche Dinge gut klären, man diskutiert die Auffassungen der einzelnen Mitglieder, man hat mehr Zeit, sich mit Einzelheiten zu beschäftigen. Aber die Erörterung grundsätzlicher Fragen gehört vor das Parlament.
Das sind die Mandatsträger wie auch die Parteien ihren Wählern als auch dem demokratischen Gemeinwesen schuldig. Die Gemeindevertretersitzungen dauern in letzter Zeit höchstens eine halbe Stunde, einschließlich der Verlesung des Protokolls. In dieser Zeit wird eine Tagesordnung von 8 bis 10 Punkten abgehandelt. Die Gemeindevertreter vergraben ihre Köpfe in die Vorlagen, damit sie wissen, worüber in der nächsten Minute abgestimmt wird. Wer die Vorlagen nicht kennt, also ein weniger gut informierter Bürger, wird kaum merken, worum es geht. Zumindest sollten die Fraktionen zu den einzelnen Punkten noch einmal kurz ihre Stellungnahme offenbaren und begründen, warum dafür oder dagegen. Der Zuhörer erfährt so. wie seine Partei oder Vertretung darüber denkt. Heftige Debatten sind nicht gefragt, aber sachliche Begründungen will der Bürger hören. Im Übrigen können wir dem Gemeindeparlament bestätigen, dass in seiner Wahlperiode bis heute Außerordentliches geleistet wurde.

Als Hochheimer Heimat verlassen mussten
Die Chronik weiß mancherlei von Kriegs- und Notzeiten zu berichten. Vor drei Jahren hat die Landesregierung in Hochheim ein großes Landesflüchtlingslager errichtet, das von der gewohnten Form primitiver Barackenlager abwich und sich in sechs großen stattlichen Wohnblocks mit geräumigen Wohnungen präsentierte. Hier finden nahezu`1000 Menschen ein vorläufiges Unterkommen.
Den wenigsten Hochheimern selbst ist bekannt, dass viele ihrer Vorfahren ebenfalls ihre Heimat verlassen mussten. Die Kriegs- und Notzeiten, von denen unser Heimatgebiet in starkem Maße heimgesucht wurde, hatte früher bereits Flüchtlingselend im Gefolge. Das war besonders ausgeprägt, als im Jahre 1631 die Schweden kamen. Während sie anfänglich noch ein verhältnismäßig erträgliches Verhalten zeigten, ließen sie nach der erfolgten Einnahme von Mainz sämtliche Rücksichten fallen. Wie es dem damaligen Oberschultheiß Betz erging - er verlor nach den Aufzeichnungen der Stadtchronik 18 Rinder, 24 Schweine, 100 Hammel, zwei Pferde, 80 Stück Federvieh, 18 Stück Wein, 300 Malter Frucht, 6000 Bund Stroh, 19 Wagen Heu und Grummet, Geschirr, Mobilien usw. - so soll es ähnlich auch den übrigen Einwohnern ergangen sein. Dazu kamen noch harte Fronarbeiten zur Erbauung der Gustavsburg und Verstärkung der übrigen Befestigungen von Mainz. Und als alle Beschwerden an den königlichen schwedischen Amtmann Arnold von Senheim nutzlos blieben, da verließ, wer es nur möglich machen konnte, mit Sack und Pack, Vieh und Geschirr, seine Heimat, um sich in ferneren Orten ein ruhigeres Asyl zu suchen. Nur wenige sahen ihre Heimat wieder.
Erst viele Jahre später nahmen die Verhältnisse wieder tragbare Formen an, denn auf den Prager Friedensschluss vom 20. Mai 1635 folgten noch Jahre der Teuerung und Hungersnot. Armeen und Truppen zogen dem Main- und Rheintal entlang und sie nahmen keine Rücksicht auf die Bevölkerung. Es gab Plünderungen, Belagerungen und Gewalttätigkeiten, die bezeichnend am 31. Dezember 1644 vom damaligen Ortsvorstande dem Domcapitel geklagt werden: ?Die Völker haben uns allen Hausrath, eßen speiß, übrige früchte, alle Schwein und hüner, auch viel Rindvieh hinweggenommen und geschlachtet, die Häußer durchhauen, etliche Bräu gar umgerissen, viel Kelter, Bütten, und der herbstgeschirr, fast alle wägen, Kärg. Pflüg und was an Holtzwerk, Thor und Thüren, endlich die Pföhl auß den Weingärten, auch die schönste Obstbäum in und außerhalb des Fleckens verbrannt, also daß es unser höchstes Verderben und erbärmliches ansehen ist.? Erst mit der Rückkehr der Sicherheit der Landstraßen stellte sich ein Teil der Geflüchteten wieder ein. Dazu füllten Fremde die übrigen Lücken aus und gemeinsam ging man an die Wiederherstellung der Wohnstätten, Anpflanzung der verwüsteten Weinberge und Bearbeitung der Felder. So weiß die Hochheimer Heimatgeschichte von einem steten Auf und Ab, von guten und schlechten Zeiten. Der heutigen Generation sollte klar werden, dass das traurige Los der vertriebenen und geflüchteten Bürger ein allgemeines Schicksal ist, das einen jeden von uns treffen kann.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 9 vom 4. März 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 28. Februar 1985
Ehemalige Werksangehörige treffen sich
OKRIFTEL (wr) - 15 Jahre sind es nun her, seit vom Säureturm der Phrix in Okriftel die schwarze Fahne wehte und die Arbeit eingestellt wurde. Der ?Hattersheimer Stadtanzeiger? hatte schon vor einiger Zeit ein Treffen der ehemaligen ?Phrixler" angeregt. Die Idee hat nun der Okrifteler Stadtverordnete Hans Schmitt (ebenfalls ehemaliger Phrix-Werksangehöriger) in die Tat umgesetzt. Bereits am kommenden Dienstag, 5. März, findet ein solches Treffen um 20 Uhr im großen Saal des evangelischen Gemeindezentrums statt. Dazu eingeladen sind alle, die bis zum Zeitpunkt der Phrix-Schießung im Okrifteler Werk tätig waren, auch wenn sie heute nicht mehr in Hattersheim wohnen. Hans Schmitt hat sich die Mühe gemacht, Anschriften von ehemaligen Werksangehörigen zusammenzutragen und auch persönliche Einladungen verschickt. Doch selbstverständlich ist seine Anschriftensammlung unvollständig geblieben. Deshalb ergeht auch von dieser Stelle aus an alle ?Ehemaligen? die Einladung, am Dienstagabend bei dem Treffen dabei zu sein. Es soll Gelegenheit gegeben werden zu zwanglosen Gesprächen, zur eventuellen Auffrischung ?verschütteter? Kontakte und vor allem zum Wiedersehen ehemaliger Kollegen. Viele ?Ehemalige? erinnern sich heute noch mit gewissem Stolz an den gemeinsamen, wenngleich vergeblichen Einsatz um die Erhaltung der Arbeitsplätze. Nach Mitteilung von Hans Schmidoch für die Einladung insbesondere auch das rege Interesse der Okrifteler Bürger an der Stadtteilentwicklung ausschlaggebend gewesen, eine Entwicklung, die ohne die Einbeziehung der stillgelegten Fabrik nicht denkbar ist. An dem Treffen werden auch Bürgermeister Adi Schubert sowie der ehemalige Okrifteler Bürgermeister Konrad Treber teilnehmen.

25 Jahre Jugendrotkreuz Okriftel: Helmut Kutschmann war der Gründer
OKRIFTEL (g) - Wie schon berichtet wird am kommenden Samstagabend im evangelischen Gemeindehaus eine Feier anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Okrifteler Jugendrotkreuzes stattfinden. Nachstehend ein geschichtlicher Abriss dieser Organisation. Vor 25 Jahren, am 26. Februar 1960, wurde das Jugendrotkreuz von Helmut Kutschmann gegründet, zusammen mit Heinrich Zahrt, der seit dieser Zeit das Jugendrotkreuz leitet. Im JRK werden Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr auf die Aufgaben des Roten Kreuzes vorbereitet. Hierzu gehören die Ausbildung in Erster Hilfe, die Teilnahme an Lehrgängen und Wettbewerben, die Funkunterweisung sowie die Kompass- und Kartenkunde. Aber auch das Spielen, Singen und Basteln kommt nicht zu kurz und wird durch Wanderungen und Tagesausflüge zu einem abwechslungsreichen Jahresprogramm abgerundet. Guten Anklang fanden die zahlreichen Ferienfreizeiten. So leiteten Maria und Heinrich Zahrt zwei Jugendfreizeiten in der Jugendherberge ?Hohe Fahrt? für den Kreisverband, ebenso wie die drei Freizeiten des JRK Okriftel und eine weitere, die in die Jugendherberge nach Zwingenberg führte.
In den sechziger Jahren war das Jugendrotkreuz schon stark im Sozialbereich engagiert und betreute zusammen mit dem DRK die ?Okrifteler Wärmestube ?, die sich für bedürftige und ältere Mitbürger damals unter dem Rathaus befand. In der Vorweihnachtszeit wurden Theaterstücke unter der Leitung von Maria Zahrt einstudiert, um diese anlässlich von Altennachmittagen oder im Rahmen einer Weihnachtsfeier für behinderte Kinder aus dem Kinderheim Eppenhain vorzuführen.
In dieser Zeit war auch Wolfgang Deul, der später den Fanfarenzug Okriftel gründete, als Zweiter Jugendleiter im JRK tätig. In der Rotkreuzausbildung wurden mehrere Erste-Hilfe-Kurse durchgeführt und auch an Leistungswettbewerben mit Erfolg teilgenommen. So konnte man zweimal den 1. und einmal den 3. Platz auf Kreisebene erringen. Ergänzend zu den eigenen Aktivitäten stellt das JRK eine starke Stütze der DRK-Arbeit in Okriftel dar. Es wirkt bei der Betreuung des Abenteuerspielplatzes anlässlich der Ferienspiele mit, verteilt die Säcke für die Altkleidersammlungen, sammelt im Rahmen der Rotkreuz-Sammelwochen und ist auch beim Wäldchesfest, beim Fischerfest in Eddersheim, der Kerb und am Sportplatz zusammen mit dem DRK im Einsatz, dessen stellvertretender Bereitschaftsführer Christoph Otto aus dem JRK hervorgegangen ist. Auch an den Übungen wirkt das JRK tatkräftig mit. Beeindruckend für die Zuschauer sind immer wieder die realistisch aussehend geschminkten ?Verletzten?, die dann im Rahmen der Übung geborgen und sachgerecht versorgt werden müssen. Auf dem Gebiet des Schminkens von ?Verletzten? haben JRK-Leiter Zahrt, sein Stellvertreter Kutschmann und Matthias Grüner eine beachtenswerte Perfektion erreicht, um so den Zuschauern einen realitätsnahen Einblick zu geben, wie das Rote Kreuz in Not geratenen und verletzten Menschen hilft.

Montag, 4. März 1985
Hattersheim hat eine besonders umweltfreundliche Abfallbeseitigung
HATTERSHEIM (pm) - Eine interessante Statistik zum Müllaufkommen in Hattersheim hat jetzt Bürgermeister Alfred Schubert der Presse vorgestellt. Demnach rangiert Hattersheim mit 325 kg Müll pro Einwohner und Jahr an unterster Stelle in einem entsprechenden Zahlenspiegel für den Main-Taunus-Kreis. Die Statistik zeigt die Müllmengen auf, die auf die Mülldeponie angeliefert werden. Dabei weist Hattersheim im Vergleich zu den acht größeren Städten im MTK mit über 15.000 Einwohnern den niedrigsten Wert auf. Den 325 kg Müll pro Einwohner in Hattersheim stehen beispielsweise Müllmengen von 379 kg in Flörsheim und Schwalbach gegenüber. Das sind immerhin fast 20 Prozent mehr Müll pro Einwohner. Diese Zahlen beweisen einmal mehr, so Schubert, die Effizienz des Hattersheimer Systems zur getrennten Einsammlung von Sonderabfällen, von Altpapier und Altglas. Für diese umweltfreundlichen Maßnahmen bei der Sondermüllbeseitigung hat unsere Stadt im Jahr 1984 fast 30.000 Mark aufgebracht. Schubert kritisierte in diesem Zusammenhang die Bemessung der Müllgebühren beim MTK. Die Gebühren werden hier nämlich kurzerhand pro Kopf der Einwohnerzahl abgerechnet, ohne auf das tatsächliche Müllaufkommen Rücksicht zu nehmen. Damit werde den Kommunen wenig Anreiz zu einer sparsamen und umweltfreundlichen Müllpolitik geboten, sagte Schubert.

Vor 40 Jahren
Freitag, 27. Februar 1970
Hochwasser steigt wieder
Die Hochwassergefahr am Main hält weiter an. Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt gestern bei Redaktionsschluss auf Anfrage mitteilte, ist bis heute, Freitagabend, mit einem weiteren Ansteigen des Mains um etwa 50 Zentimeter zu rechnen. In Okriftel ist die gesamte Hafenanlage bis zur Hafenstraße überschwemmt. Das Wasser steht bereits bis zum Gasthaus ?Zur Krone?. Besonders betroffen von der Hochwasserwelle ist das Bootshaus des Ski- und Paddel-Club Hattersheim, dessen Gelände voll unter Wasser steht. Diverse Boote mussten in höher gelegene Räumlichkeiten transportiert werden. Die Sportanlage im Wäldchen sowie die Straße zum Platz sind ebenfalls überschwemmt. Großer Schaden dürfte nach Abklingen des Hochwassers auch in der Radfahrerhalle entstanden sein. Die Fähre zur anderen Mainseite ist ebenfalls seit Tagen nicht in Betrieb. Sie ist von einer großen Wasserwüste umgeben. Das Holzstapelgelände der Phrix-Werke wie auch weite Teile der benachbarten Siemens-Bau-Union sind ebenfalls vom Wasser überflutet. Auf den Äckern in Richtung Eddersheim hat das Hochwasser bereits die Landesstraße Okriftel - Eddersheim erreicht. Alle Bewohner der besonders gefährdeten Wohnhäuser hoffen, dass die Hochwasserwelle wieder abebbt, denn nach wie vor sind Keller und tiefer gelegene Räumlichkeiten gefährdet.

Kälte und Schnee folgen dem Hochwasser
Hamburg (dpa). Nach dem Hochwasser der vergangenen  Woche sind am Montag weite Teile der Bundesrepublik wieder im Schnee versunken. Zahlreiche Kraftfahrzeuge blieben in teilweise zwei Meter
hohen Schneeverwehungen stecken. Schneematsch und eisglatte Straßen verursachten unzählige Auffahrunfälle, die nach Angaben der Polizei zumeist jedoch glimpflich verliefen. Am heftigsten betroffen wurden von dieser ?Neuauflage des Winters? das Sauerland, der Harz, Nordbayern und weite Gebiete Südwestdeutschlands. Auf dem Kahlen Asten bei Winterberg ist die Schneedecke bis Montagmittag auf nahezu zwei Meter angewachsen. Aus den Wintersportgebieten des Oberharz wird eine Rekordhöhe von rund 280 Zentimeter Schnee gemeldet, und auf dem Feldberg sind es mittlerweile fast vier Meter. In Nordbayern blieben mehrere Schulbusse im Schnee stecken. Zahlreiche Straßen, vor allem im Frankenwald, sind nicht oder nur einseitig befahrbar. In Nürnberg brach in den Morgenstunden der Berufsverkehr teilweise zusammen. Erhebliche Störungen im Straßenverkehr durch starke Schneeverwehungen wurden auch aus Ostthüringen gemeldet. Nach Angaben der Ostberliner Nachrichtenagentur ADN mussten 14 Straßen gesperrt werden.
Südbayern ist dagegen noch von größeren Schneemassen verschont geblieben. Für die nächsten Tage erwarten die Meteorologen hier ?unruhiges ? Wetter mit Schneefällen, die teilweise in Regen übergehen sollen. In den Bergen wächst die Gefahr von Schneeverwehungen. Die Wintersportverhältnisse sind bei trockenem Pulverschnee jedoch noch immer ideal. Von einer für diese Jahreszeit und diese Breitengrade ungewöhnlichen Schlechtwetterperiode wird gegenwärtig Nordafrika heimgesucht. Von einer 45 Zentimeter dicken Schneedecke in Tunesien berichtete am Montag eine algerische Zeitung. In der ostalgerischen Hafenstadt Annaba können sich, wie das Blatt schrieb, die Einwohner nicht daran erinnern, derartige Schneemengen erlebt zu haben.

Volksabstimmung am 8. März 1970
Vor einiger Zeit wurden allen Hattersheimer wahlberechtigten Bürgern die Benachrichtigungskarte für die Volksabstimmung über das Gesetz zur Änderung der Artikel 73 und 75 der Verfassung des Landes Hessen (Herabsetzung der Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht) am 8. März 1970 durch die Post zugestellt. Dies veranlasst uns, auf den wesentlichen Inhalt der bevorstehenden Abstimmung hinzuweisen.
Am 8. März findet in Hessen eine Volksabstimmung über das Gesetz zur Änderung der Artikel 73 und 75 der Verfassung des Landes Hessen statt. In der Abstimmung wird das Volk in Hessen entscheiden, ob in der Landesverfassung die Altersgrenze für das aktive und passive Wahlrecht vom vollendeten 21. und 25. auf das 18. und 21. Lebensjahr herabgesetzt werden soll. Diese Änderung der in der Hessischen Verfassung festgesetzten Altersgrenzen hat der Landtag beschlossen. Im Unterschied zum Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und den meisten anderen Länderverfassungen kommt nach Hessischen Verfassungsrecht eine Verfassungsänderung nur dadurch zustande, dass das Volk dem vom Landtag beschlossenen verfassungsändernden Gesetz mit der Mehrheit der Stimmen zustimmt.
Das nunmehr vor der Volksabstimmung stehende Gesetz zur Herabsetzung des Wahlalters berührt nicht das Wahlsystem. Es zielt vielmehr darauf ab, die personelle demokratische Basis des Staates zu verbreitern. Alle demokratischen Parteien in Bund und Ländern sind sich einig in dem Bemühen, die nachdrängende junge Generation an der aktiven Gestaltung des politischen Lebens stärker zu beteiligen. Die heranwachsende Jugend ist wissbegieriger, wissender, kritischer und rebellischer geworden, als ihre vergleichbaren Altersgruppen vor Jahrzehnten es waren. Der demokratische Staat will die Chance wahrnehmen, in seine Institutionen das politische Engagement der Jugend zu integrieren, in dem so viel Anteilnahme an Not und Glück der Umwelt vorhanden ist.
In den meisten anderen Bundesländern wurden bereits vor Monaten entsprechende verfassungsändernde Gesetze verabschiedet. Nach den jeweiligen Landesverfassungen ist dort eine Volksabstimmung für eine Verfassungsänderung nicht erforderlich.Die Bundesregierung hat für die Herabsetzung des Wahlalters am 12. Dezember 1969 dem Bundesrat einen entsprechenden Gesetzesentwurf zugeleitet, der jedoch nur die Altersgrenze für die Wahl zum Bundestag regelt. Das Verfahren bei der Volksabstimmung gleicht im Ablauf den Bundestags- und Landtagswahlen. Jedoch haben die Stimmberechtigten keine Kandidaten zu wählen, sondern eine Sachfrage zu beantworten. Es gilt, ihr ja oder nein zur vorgesehenen Herabsetzung des Wahlalters abzugeben. Dazu sind alle wahlberechtigten Bürger in Hessen am 8. März 1970 aufgerufen.

Vor 50 Jahren
Freitag, 4. März 1960
2-Millionen-Nachtragshaushalt beschlossen Straßenbauprogramm in Höhe von 1,5 Millionen DM genehmigt. Alle Tagesordnungspunkte gingen in der letzten Gemeindevertretersitzung einstimmig über die Bühne. Im Mittelpunkt der Sitzung stand der Nachtragshaushalt für das Haushaltsjahr 1959 und die Beschlussfassung über das vom Gemeindevorstand vorgelegte Straßenbauprogramm. Zum Nachtragsetat erläuterte Bürgermeister Winterstein, dass der Beginn des Haushaltsjahres sich ungünstig angelassen habe, da die Gemeinde einen größeren Steuerausfall hatte. Im Verlauf des Jahres nahm die Entwicklung jedoch einen günstigen Verlauf, insbesondere was das Gewerbesteueraufkommen
der großen Firmen anbetrifft, so dass die Etatsumme im ordentlichen Haushalt von l.836.075 auf l.991.748 DM stieg. Im außerordentlichen Haushalt ergibt sich eine Verminderung der Ein- und Ausgaben von 556.517 DM auf 483.803 DM. Die Gewerbesteuereinnahmen haben sich um 121.000 DM erhöht, so dass jetzt an Gewerbesteuer der eindrucksvolle Ansatz von l.045.049 DM steht. Der Finanzausschuss empfahl der Gemeindevertretung, dem Nachtragshaushaltsplan zuzustimmen, was denn auch einstimmig geschah. Winterstein trug sodann das vom Gemeindevorstand und der Baukommission erarbeitete Straßenbauprogramm vor. Das Bauamt hat dazu die Unterlagen geschaffen. Es kam zu dem Ergebnis, dass in Hattersheim 5.920 laufende Meter an Straßen auszubauen seien. Die Kosten dafür belaufen sich nach Feststellungen des Bauamtes auf l.407.835 DM, also rund anderthalb Millionen.  Dagegen ist der von den Anliegern durch Anliegerbeiträge aufzubringende Teil der Herstellungskosten recht gering, er beläuft sich nur auf 336.428 DM, also nicht ganz ein Viertel der Gesamtkosten.
Für den Ausbau solcher Straßen, die schon als fertig gestellt gelten, wenn sie auch ausbaubedürftig sind, können Anliegerbeiträge nicht erhoben werden. Ebenfalls können dort keine Beiträge erhoben werden, wo keine bebauten Grundstücke anliegen, also insbesondere bei Verbindungswegen. Es sind 2585 laufende Meter an solchen Straßen ausbaubedürftig: Verbindungsweg Wiesfeld/Okrifteler Straße, Teplitzer Straße bis Wiesenweg, Breslauer Straße bis zum Wohngebiet am Welschgraben, Zum Rosengarten, Am Schieferstein, Feldbergstraße, Friedrich-Ebert-Straße Ende, Falkensteiner Straße, Brückenstraße, Hauptstraße Teil I, Hauptstraße Teil II, Im Rotenhof, Altkönigstraße, Mühlweg und Wiesenweg. Gesamtkosten: 602.875 DM.
Die Kosten der anderen ausbaubedürftigen Straßen werden zu einem Drittel von der Gemeinde, zu zwei Dritteln von den Anliegern durch Anliegerbeiträge aufgebracht, und zwar hat jeder Anlieger ein Drittel der vor seinem Grundstück zu bauenden Straße mitzubezahlen. Da aber auch hier die Straßen entweder nur einseitig bebaut oder teilweise ohne Anlieger sind, verschiebt sich das Schwergewicht der Kostentragung wieder auf die Gemeinde. Unter diese Kategorie von Straßen fallen Gartenstraße, Jahnstraße, Breslauer Straße, verlängerte Friedenstraße, Rossertstraße, Staufenstraße Neubaugebiet, Wohnweg am Sehwimmbad, Wohnweg am Schieferstein, Am Eisernen Steg, Kelsterbacher Straße, verlängerte Schulstraße, Am Graspfad, Straße am Welschgraben, Verbindungsstraße Friedenstraße/Breslauer Straße, Verlängerung der Straße am Schieferstein. Von den Gesamtkosten von 804.960 DM werden durch Anliegerbeiträge nur 336.428 DM getragen.
Die Gemeindevertretung genehmigte die Aufnahme eines Kredits von 600.000 DM. Das Land wird für diesen Kredit die Zinsbeihilfe übernehmen und zahlt 150.000 DM aus, so dass 750.000 DM in der nächsten Zeit zur Verfügung stehen. Der Kredit soll aus den Anliegerbeiträgen und einer Verbesserung der Steuereinnahmen in den nächsten Jahren, die er auf Grund der in diesem Jahr neu angesiedelten drei Industriebetriebe erwartet, gedeckt werden. Die so zur Verfügung stehenden 750.000 DM werden im Rechnungsjahr 1960 alle verwendet. Es ist also in nächster Zeit mit dem Bau der notwendigen Straßen zu rechnen.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanhzeiger Nr. 8 vom 24. Febraur 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 21. Februar 1985
Emilie Kreuz ist tot
OKRIFTEL (wr) - Man könnte sie als die letzte Okrifteler echte Zigeunerin bezeichnen. Emilie Kreuz wäre im Februar des kommenden Jahres 90 Jahre alt geworden. Sie hat gerade noch ihr 89. Lebensjahr vollendet und starb am vergangenen Freitag. Man kannte die kleine schmale Frau mit dem faltenreichen braunen Gesicht im Stadtteil Okriftel. Man sah sie manchmal einen alten Kinderwagen durch die Ortsstraßen schieben, wenn sie einkaufen ging. Sie wohnte nahe dem Baggersee an der Wiesbadener Straße in einem kleinen Haus, das der Stadt gehört und das eigentlich gar nicht mehr als bewohnbar gelten konnte. Doch die alte Frau wollte nicht mehr umziehen.
Emilie Kreuz war die letzte aus der Okrifteler Zigeunerkolonie, die sich bereits im vergangenen Jahrhundert hier gebildet hatte. Das Mainufer war Zwischenstation auf den Wanderrouten dieser Zigeuner, die hier ihre Wohnwagen aufgestellt hatten. Als Hitler an die Macht kam, wurden die meisten ins KZ gesteckt. Auch Emilie Kreuz. Sie kehrte mit ihrem Ehemann nach dem Krieg nach Okriftel zurück, und beide bezogen nahe dem Baggersee einen Wohnwagen. Ehemann Karl starb 1969, von da an lebte sie allein in dem kleinen Haus. Nachbarn kümmerten sich um sie und leisteten Hilfe, wenn sie mal krank war. Sie hielt sich einige Tiere und war ansonsten allein. 400 Mark Sozialhilfe hat sie erhalten, und damit musste sie auskommen. Aber sie war anspruchslos und ergab sich in ihr gewiss nicht leicht zu ertragendes Schicksal. Am morgigen Freitag wird sie um 10 Uhr auf dem Okrifteler Friedhof beerdigt.

Montag, 25. Februar 1985
Ausstellung in der Stadthalle: Theodor Heuss - ein Leitbild
HATTERSHEIM (wr) - Unter dem Motto ?Theodor Heuss - ein Leitbild des Liberalismus? steht eine Ausstellung, die man in der Hattersheimer Stadthalle besichtigen kann. Zur Eröffnung hatten sich am vergangenen Donnerstag auch der  hessische Landesvorsitzende der FDP, Dr. Wolfgang Gerhardt, sowie Erster Stadtrat Dr. Klepp eingefunden. Klepp konnte rund hundert Gäste begrüßen. Anstatt einer langen Rede erzählte Klepp eine Begebenheit aus der Zeit des Theodor Heuss als Bundespräsident, die sich in seiner Geburtsstadt Brackenheim abspielte und die Gemütsart der Schwaben sehr schön charakterisierte. Es ging damals um die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz, das Heuss einem ehemaligen Studienkameraden im dortigen Rathaussaal überreichen durfte.
Danach entspann sich zwischen dem Ausgezeichneten, Dekan Voelter, und dem Bundespräsidenten in unverfälschtem schwäbischen Dialekt folgender Dialog. Voelter: ,,Muss i jetzt ebbes sage? ? Heuss: ?I tat?s net für nötig halte, oder hasch a Red präpariert, die d? loswerde möchtesch?? Voelter: ?Freilich, dr Bürgermeischter hat g'moint, i muss me bedanke, aber i verzicht gern, i hab in mei'm Lebe g'nug Rede g'halte!? Heuss: ?No, sagsch halt Dankschön!? Voelter: ?I dank schön!?
Eine längere Rede hielt zur Eröffnung der Ausstellung Dr. Gerhard. Er zeichnete den Lebensweg von Theodor Heuss nach und erwähnte u. a., dass Heuss im Jahr 1910 die Chefredaktion der Neckarzeitung in Heilbronn übernahm und Mitbegründer des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller? war, den ?Deutschen Werkbund? aufbaute, dessen Geschäftsführung er 1912 übernahm. Er redigierte die Kunst- und Kulturzeitschrift ?März?, deren Herausgeber Hermann Hesse und Ludwig Thoma waren. Während des Ersten Weltkriegs, in dem er wegen einer Schulterverletzung keinen Dienst zu leisten hatte, widmete er sich schriftstellerischen Tätigkeiten. Nach seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahre 1918, wo er lange Jahre lebte, bemühte Heuss sich zunächst vergeblich um eine Kandidatur zur Nationalversammlung; er war aber Mitglied der Bezirksversammlung Berlin-Schöneberg.
Theodor Heuss übernahm an der noch von Friedrich Naumann (? 1919) ins Leben gerufenen Deutschen Hochschule für Politik in Berlin eine Dozentur  und versuchte von hier aus das demokratische Bewusstsein der Bevölkerung zu wecken und zu vertiefen. 1924 zog er erstmals als zweiter württembergischer Abgeordneter der DDP in den Reichstag ein. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Heuss von den Alliierten die Möglichkeit zur Herausgabe einer Zeitung, er gab erstmals am 5. September 1945 die Rhein-Neckar-Zeitung heraus. Am 24. September wurde er Kultusminister im Kabinett Reinhold Meyers in Baden-Württemberg. Er gründete mit anderen zusammen die Deutsche Volkspartei der US-Zone, deren Vorsitzender er wurde. Am 17. März kam es dann zur Gründung der Demokratischen Partei Deutschlands, deren Vorsitz er mit Wilhelm Külz übernahm. Die Versuche, eine gemeinsame liberale Partei für Ost und West zu gründen, scheiterten. Schließlich schlossen sich die liberalen Parteien der drei Westzonen am 12. Dezember 1948 in Heppenheim zur Freien Demokratischen Partei zusammen, und Theodor Heuss wurde deren Vorsitzender. Bei der ersten Bundestagswahl erreichte die FDP 11,9 Prozent und beteiligte sich an der ersten Bundesregierung unter Konrad Adenauer. Am 12. September 1949 wurde Heuss durch die Bundesversammlung in Bonn im zweiten Wahlgang zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.
Die Ausstellung, die bereits in verschiedenen anderen hessischen Städten zu sehen war, gibt in Wort und Bild einen Überblick über Leben und Wirken von Theodor Heuss, der maßgeblich dazu beitrug, dass unser Land nach dem Krieg wieder zu Ansehen in der Völkerfamilie gelangte. Die Karl-Hermann-Flach-Stiftung will mit dieser Ausstellung dazu beitragen, die liberale Persönlichkeit von Theodor Heuss im Rahmen der geschichtlichen Entwicklung unseres Landes in Erinnerung zu halten. Heuss starb im Dezember 1963 in Stuttgart.

Vor 40 Jahren
Freitag, 20. Februar 1970
Wunschtraum wird Wirklichkeit
Sporthalle am Karl-Eckel-Weg eingeweiht Ein Wunschtraum der Hattersheimer Sportjugend wird Wirklichkeit. Nach neun Monaten Bauzeit sieht die neue Sporthalle am Karl-Eckel-Weg heute ihrer Einweihung entgegen. Sozialminister Dr. Horst Schmidt, Bürgermeister Norbert Winterstein und Landrat Dr. Valentin Jost werden die Ansprachen bei der offiziellen Einweihungsfeier halten.
Danach regiert in der neuen Halle bereits der Sport im Rahmen einer Großveranstaltung. Die Geschichte dieser Sporthalle begann lange vor dem endgültigen Beschluss der Gemeindevertretung am 6. Dezember 1968. Nachdem die Gemeindekörperschaften nach dem Wettbewerb zum geplanten Bürgerhaus von dem Bau einer Mehrzweckhalle abgegangen und den Bau einer Sporthalle neben dem vorgesehenen Bürgerhaus beschlossen hatten, wurden die Planungen für die Sporthalle beschleunigt vorangetrieben. Nach einer beschränkten Ausschreibung und mehreren Besichtigungen anderer Hallen durch die Gemeindevertretung und Baukommission einigte man sich schließlich auf den Typ der Wolff-Halle, die zum Zeitpunkt der Vorplanungen in Hüttenberg in Oberhessen ihrer Fertigstellung entgegensah und als Vorbild für die neue Sporthalle, jedoch mit wesentlichen Verbesserungen in Außengestaltung und Ausstattung Verwendung fand. Die Bauleitung und Ausführung wurde der Bau- und Montage-Gesellschaft, Wiesbaden, übertragen.
Am 5. Mai 1969 wurde der erste Spatenstich getan. Nachdem zunächst mit einer Bauzeit von fünf Monaten gerechnet wurde, machten eine Schlechtwetterperiode bei den Ausschachtarbeiten sowie insbesondere der Engpass auf dem Baustoffmarkt infolge der Hochkonjunktur einen großen Strich durch den Zeitplan. So musste das Holz für die Binder der Deckenkonstruktion aus der CSR importiert werden, da in Deutschland kein Holz erhältlich war. Der Fertigstellungstermin musste ständig verschoben  werden. Die neue Halle wurde im Fertigbau errichtet. Mit einer bebauten Fläche von 2350 Quadratmeter und einer höchsten Höhe von 9,88 Meter weist sie einen umbauten Raum auf, der dem Bauvolumen von 20 Zweifamilienhäusern entspricht. Die Außenverkleidung besteht aus Waschbetonelementen, die ebenfalls als Fertigbauteile angeliefert und montiert wurden. Das Dach der Halle ist eine Holzbinderkonstruktion. In der Innenausstattung fällt zuerst die Holzverkleidung ins Auge, die mit einer zusätzlichen Schalldämmung versehen ist. Der Fußboden, eine Schwingbodenkonstruktion aus Spannplatten, ist mit einem PVC-Belag versehen. Die eigentliche Spielfläche ist mit einer Größe von 20x40 Meter den internationalen Maßen angepasst. Aufgrund der angebrachten Spielfeldmarkierungen sind an Ballspielen zunächst Handball, Volleyball, Tischtennis sowie Badminton vorgesehen. Die Zuschauertribüne, eine Holz-Eisen-Konstruktion, ist ebenfalls mit PVC ausgelegt und mit Holzsitzen versehen. Sie bietet ca. 1000 Zuschauern Platz. Insbesondere in der großzügigen Ausstattung mit Sportgeräten sprengt die Sporthalle den Rahmen des Üblichen. Für die Grundausstattung wurden bisher 35.000 DM aufgewendet. Weitere Mittel sollen bereitgestellt werden.
Modern eingerichtete Nebenräume runden das Gesamtbild ab. Neben den obligatorischen Umkleideräumen, Dusch- und Toilettenanlagen umfassen sie einen Schiedsrichterraum mit Duschmöglichkeit, einen Arztraum, sowie einen Raum für die Hallenaufsicht, in dem die Zentrale für die Elektroanlagen, ein Telefon sowie die Lautsprecherzentrale untergebracht sind. Der Halle angeschlossen sind ein Raum für die örtliche Rotkreuzstation sowie ein Geräteraum. Die Außenanlagen werden zunächst provisorisch angelegt. Ihren endgültigen Ausbau werden sie im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Bürgerhauses erhalten. Das Gleiche gilt für die vorgesehenen Parkplätze.
Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten werden um 19.30 Uhr mit den Ansprachen eröffnet. Daran schließt sich eine Großveranstaltung an, in deren Mittelpunkt die Deutsche Hallenhandball-Nationalmannschaft stehen wird. Bereits am Samstag und Sonntag findet mit den Hessischen Meisterschaften im Badmintondoppel die erste Veranstaltung von Bedeutung in der Halle statt.

Vor 50 Jahren
Freitag, 26. Februar 1960
35 Jahre im Dienste Hattersheims
Nach 35-jährigcr Dienstzeit als Kassenleiter der Gemeinde Hattersheim tritt Johann Hallen, der dieser Tage sein 65. Lebensjahr erreichte, am 29. Februar 1960 in den Ruhestand. Wie sehr sich Kassenleiter Hallen um die Gemeindeverwaltung verdient gemacht hat, geht aus den Worten von Bürgermeister Winterstein hervor, wonach Hallens Ausscheiden mit Bedauern registriert werden müsse, da er zu den verlässlichsten und bewährtesten Kräften der Gemeindeverwaltung zähle.
Johann Hallen, der am 21. Februar 1895 in Höchst geboren wurde, absolvierte seine Lehrjahre von April 1909 bis 1912 bei der Stadtverwaltung Höchst. Nach bestandener Prüfung wechselte er nach Königstein und war dort in der Stadtkasse als Angestellter tätig. Am 1. Februar 1926 schließlich übernahm Johann Hallen hier in Hattersheim das Amt des Kassenleiters, das er bis jetzt gewissenhaft und mit verlässlicher Treue versah. Als die gemeindeeigene Siedlungsgesellschaft 1947 ins Leben gerufen wurde, übernahm er noch nebenher den Posten des Geschäftsführers, den er jedoch, da die Aufgaben der Gesellschaft sich nicht mehr nebenamtlich bewältigen ließen, 1950 wieder abgab.
In den 35 Jahren seiner Tätigkeit als Kassenleiter hat Johann Hallen vier Bürgermeister über- beziehungsweise erlebt. Er versah das gleiche Amt unter den Bürgermeistern Henke, Neuser, Embs und Winterstein. Zu den schwierigsten Epochen in seinem Arbeitsbereich zählt Hallen die Zeit der Inflation und die der Jahre nach 1945, als die Kassenunterlagen durch die Kriegswirren nahezu völlig der Vernichtung anheim gefallen waren und man infolgedessen vor einem ganz neuen Aufbau stand. Dass die Verantwortung und die Belastung des Kassenleiters in den vergangenen vier Jahrzehnten stetig zunahmen, muss schon daraus geschlossen werden, dass die Gemeinde Hattersheim zu der Zeit, als Hallen hierher kam, 2400 Einwohner hatte, während sie heute nahezu 7000 zählt.
Will man die Leistungen des Kassenleiters Hallen für die Gemeinde würdigen, so wird man zunächst ins Auge fassen müssen, dass gerade das Amt des Kassenleiters durch seine undankbare Aufgabe des Geldeinziehens eine besonders schwierige Position darstellt. Diese zufrieden stellend auszufüllen, erfordert Geschick, Feingefühl und treffendes Umgangsvermögen im Verkehr mit den Bürgern. Dass diese Eigenschaften sich bei Hallen vereinigten, dürfen wir mit Sicherheit annehmen, wenn wir erwägen, dass er sein schwieriges Amt 35 Jahre hindurch makellos und überlegen geführt hat. Ihm gebührt der tief empfundene Dank unserer Gemeinde!

Freitag, 4. März 1960
Anni Göbel neue Kassenleiterin
Durch das Ausscheiden des bisherigen Kassenleiters Johann Hallen wurde es nötig, die frei gewordene Stelle zu besetzen. Der Gemeindevorstand entschloss sich für Anni Göbel, die seit Jahren in der Kasse tätig ist. Sie wurde zur Hauptsekretärin und Kassenleiterin ernannt. Kassenleiter Hallen selbst sagte, man hätte keinen besseren Nachfolger für ihn finden können.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 7 vom 18. Februar 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 18. Februar 1985
Ha-Hei! Hattersheim hat endlich seinen Zugweg
HATTERSHEIM (wr) - Es hat zwar etwas länger gedauert, ehe die Hattersheimer auf den richtigen Weg fanden, aber dafür darf jetzt um so lauter und fröhlicher ausgerufen werden: ,,Ha-hei, wir haben ihn!? Den Fastnachtszugweg nämlich. Alle waren zufrieden, die Sonne strahlte, und trotz Minustemperaturen
gab's keine frostigen Mienen. Der Hattersheimer Fastnachtszug 1985 hatte zwar, wie schon vorhergesagt, keine Rekordbeteiligung aufzuweisen, aber er war schön, vielleicht wirklich der schönste Zug bisher. Vor allem brauchte sich auch diesmal niemand über große Lücken zu ärgern. Es machte nichts aus, dass es mal Stockungen gab, im Gegenteil, das gab Gelegenheit zum Singen und Schunkeln. Auch die Zugteilnehmer selbst äußerten sich durchweg zufrieden, vor allem darüber, dass es diesmal keine ?toten Zonen? gab. Überall am Zugweg herrschte fröhliches Gedränge, Jubel und Ausgelassenheit. Den Ton gaben diesmal die Fußgruppen an, nicht so sehr die Wagen, die in der Minderzahl waren. Bei der Kälte war es wohl auch angenehmer zu laufen, als auf einem Wagen zu stehen. Und da der Zugweg diesmal nicht so lang war, konnte ihn jeder gut bewältigen.
Fast pünktlich ging's in der Schulstraße los, obwohl sich die meisten Gruppen, wohl wegen des Frostwetters, erst in den letzten Minuten aufstellten. Einige Nachmeldungen waren bei Zugmarschall Dieter Freidhof erst spät eingegangen. Offenbar entschloss sich der eine oder andere erst zum Mitmachen, als man sicher sein konnte, dass gutes Wetter zu erwarten war. Im Schnee blieb kein Wagen stecken, denn die Bediensteten des städtischen Bauamtes waren am Donnerstag und Freitag voll im Einsatz, um mit Schaufeln, Baggern und Lkw den Zugweg von den Schneebergen freizumachen. So brauchten auch die Zuschauer nicht im tiefen Schnee zu stehen.
Gut vertreten im Zug wieder die ?Musike?. Neben den einheimischen Trommlern, Pfeifern und Trompetern der Posthofgarde, des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel und des Fanfarenzugs Okriftel waren mit dabei der Spielmannszug Ronneburg, der Musikverein Flörsheim, der Krifteler Fanfarenzug, die ?"Labbeduddel" aus Zeilsheim, der Fanfarenzug Kelkheim-Hornau, der Fanfarenzug West aus Höchst und die Kolping-Blaskapelle aus Sindlingen. Unter den Fußgruppen hatten ganz sicher die Mitglieder des Hattersheimer katholischen Kirchenchors den ersten Preis verdient mit ihrem ?Fluggeschwader? auf dessen Leitwerk versichert wurde: ?Wir starten leise?. Und für die große Mühe, die man sich beim CCM mit dem Prunkwagen, aber auch mit der Kostümausstattung des Komitees und der Gruppe ?Invasion aus dem All? machte, hatte man sich ebenso einen ersten Preis verdient. Die Jury hatte da keine Schwierigkeiten, zu einer Entscheidung zu kommen, obgleich es bei so etwas gewiss nicht ganz leicht ist, die rechten Kriterien zu finden. Weitere Preise gingen an den SV Hattersheim und die Firma Kümmel mit ihren originellen Störchen, an die Kleingärtner mit ihrer sehr eindrucksvollen Aussage: ?Wo am Kraut die Raupe sitzt, wurde nicht mit Gift gespritzt?, an die Okrifteler Sänger sowie an die Eddersheimer Sänger mit ihren weiblichen Leichtmatrose.
Ganz sicher hätte auch die Eddersheimer KAB einen Preis verdient, die halb Alt-Eddersheim auf ihrem Wagen aufgebaut hatte unter dem Motto ?Unser Dorf soll schöner werden?, ebenso der WKV, der den Dorfbrunnen bereits gestaltet hatte, welcher auf dessen Initiative demnächst wiedererstehen soll. Und gewiss hätten auch die ?Marktweiber? vom HCC einen Preis verdient für all das, was sie im Zug mitführten an vitaminreichem Angebot oder der Reitsportverein mit seinem schönen Wagen. Auch der KC ?Sandhasen? fiel auf mit seinem märchenhaften Gefährt. Eine hübsche Fußgruppe von den Scottish Clans, ebenso von den ?Alten der Staufenstraße ? und vom TV Hattersheim, welcher kleine und große ?Kraken? aktiviert hatte. Zu loben sind auch einzelne Jugendgruppen. Wer hier nicht genannt ist, findet sich vielleicht auf den beiden Bildseiten im Innenteil dieser Ausgabe. Auch zwei Bilder von der Ordens- und Preisverteilung, die nach ?Zugschluss? im Posthof stattfand, wird man da finden.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 17. Februar 1970
Landrat Dr. Jost 50 Jahre
Herzlichen Glückwunsch dem ersten Mann des Kreises
Zahlreiche Gratulanten waren gestern, Montag, im Terrassen-Restaurant in Hattersheim erschienen, als es galt, dem ersten Mann des Main-Taunus-Kreises, Landrat Dr. Valentin Jost, Glückwünsche zum 50. Geburtstag zu überbringen. Unter den vollzählig erschienenen Bürgermeistern des Kreises sahen wir u. a. Josef Anna, Konrad Treber und Norbert Winterstein.
Bürgermeister Treber und Bürgermeister Winterstein überbrachten ?goldene? Grüße ihrer Gemeinden. Sie schenkten Landrat Dr. Jost je eine Goldmünze von Okriftel und Hattersheim. Weitere Ehrengäste waren Bundestagsvizepräsident Dr. Hermann Schmitt-Vockenhausen, Regierungsvizepräsident Bach, Erster Kreisbeigeordneter Adam Wagner, Gesch.-Direktor des Deutschen Städtetages, Horst Winterstein.
Johann Wagner, der die Glückwünsche des Kreises überbrachte, fand anerkennende Worte für Dr. Jost, den er als ?Arbeiter bis zum Ende der Strapazierfähigkeit ? bezeichnete. Er hob besonders die faire, offene Art der Verhandlungsführung, Dynamik und redliche Offenheit als besondere Eigenschaften des Landrats hervor. Ein Porträt in Öl mit dem Konterfei des Jubilars war das meistfotografierte Geschenk, ?Ich habe mich fast wiedererkannt?, sagte Dr. Jost und fügte lachend hinzu, ?dies ist eine echte Überraschung, ich habe für das Bild nicht ?gesessen.?
Die Glückwünsche des Kreistages übermittelte Dr. Schmitt-Vockenhausen, der in besonderem Maße die Tatkraft hervorhob, mit der sich Landrat Jost für Kindergärten, auch für behinderte Kinder, Schulen, Altenheime, Krankenhäuser und alle sozialen Hilfsorganisationen einsetzt. In einem kurzen Rückblick streifte er den beruflichen Werdegang des Valentin Jost, der 1920 in Nied geboren, nach Abschluss der Oberrealschule in Höchst, wie so viele dieser Jahrgänge, kostbare Zeit beim Militär verlor. Er erwähnte die Zeit, als Jost 1945 als Verwaltungsinspektor-Anwärter in den Dienst der Stadt Frankfurt trat, als ?fruchtbare Praxis des gehobenen Dienstes ?. Im Gegensatz zu Landräten früherer Zeiten erwarten den ersten Mann eines Kreises heute andere Aufgaben und Pflichten, sagte HSV. Landräte von heute seien mitten hineingestellt in den Umbruch der Gesellschaft.
In herzlicher Weise bedankte sich Dr. Valentin Jost für die Glückwünsche und Geschenke und beantwortete die selbst gestellte Frage ?Wie fühlt man sich mit 50?? Mit 30 und 40 Jahren schaue man nur in die Zukunft. Die 50 gäbe einem Menschen die Berechtigung, nicht nur in die Zukunft zu blicken, sondern auch Rückschau zu halten. ?Man kommt ins Philosophieren und fragt sich nach dem Sinn des Lebens. ? Frei nach Eugen Roth rezitierte Landrat Jost:
?"Ein Mensch wird 50?"
Ein Mensch, der heute 50 Jahre,
hat von der Wiege bis zur Bahre
den Weg schon fast zurückgelegt.
Er dankt den Menschen froh bewegt,
die ihm - vor allem, wenn er heiter -
auf langen Strecken war'n Begleiter.
An diesem Tag, wo er hier steht
gedenkend, was er schon erlebt,
hat er die Bitt' für's weit're Treiben,
dass sie ihm all verbunden bleiben,
damit er noch was leisten kann
in diesem Kreis als Erster Mann.
Für ihn wär?das ein starker Trost,
das hoffet heut? Ihr Landrat Jost!

Stürme und Schneeverwehungen in ganz Europa
Zwei Lawinenopfer in Italien - Verkehrschaos in Paris - Kälterekorde dieses Winters in Deutschland. Hamburg (dpa). Neue Schneefälle, Verwehungen, Glatteis und teilweise erhöhte Lawinengefahr kennzeichneten auch am Montag die Wetterlage in Europa. Rom erlebte in der Nacht zum Montag den ersten Schnee dieses Jahres, der jedoch am Morgen in Regen überging. In den Gebirgszonen waren mehrere Dörfer wegen Schneeverwehungen von der Umwelt abgeschnitten. In den mittelitalienischen Abruzzen fanden mindestens zwei Menschen den Tod, als bei Montepratelli in der Nähe des Wintersportortes Roccaraso eine Lawine niederging. Auch in Niederösterreich waren mehrere Hauptstraßen wegen Schneeverwehungen gesperrt. Wegen erhöhter Lawinengefahr wurde in den Nordalpen und im Raum Zillertal-Kitzbühel zu besonderer Vorsicht aufgerufen. In der Schweiz dagegen hat sich durch einen starken Kälteeinbruch die Lawinengefahr erheblich vermindert. Während des Wochenendes wurden alle wichtigen, in der vergangenen Woche durch Lawinen verschütteten Straßen wieder geöffnet.
Die Bewohner der isländischen Hauptstadt Reykjavik erlebten am Montag die größten Schneemassen seit Menschengedenken. Wahre Schneeberge ließen den Verkehr zusammenbrechen. Schulen, zahlreiche Geschäfte und der Flughafen waren geschlossen. Ein riesiges Verkehrschaos verursachten Schnee und Glatteis in und um Paris. Auf der Autobahn nach Süden staute sich am Montagmorgen eine 15 Kilometer lange Wagenkolonne. In der Innenstadt wurden durch das Hochwasser der Seine, das die Uferstraßen überflutete, Verkehrsstörungen ausgelöst. Im Wintersportzentrum Val d?Isere. wo vor einer Woche eine Lawine 39 Menschenleben forderte, herrscht dagegen wieder fast normaler Betrieb.
Mit 27 Grad unter Null wurde am Montag auf der Zugspitze und dem Feldberg im Schwarzwald der Kälterekord dieses Winters gemessen. Während sich die Verkehrssituation in Bayern nach den Schneefällen des Wochenendes am Montag normalisierte, behinderte Schneeglätte und heftiges Schneetreiben am Vormittag den Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen. Der Mittelland-Kanal, der in der vergangenen Woche zwischen Minden und dem Dortmund-Ems-Kanal für die Schifffahrt wieder freigegeben worden war, ist seit Montag wieder gesperrt. Auf der Weststrecke hat sich eine acht Zentimeter dicke Eisdecke gebildet. Auch in Rheinland-Pfalz störte starkes Schneetreiben den Verkehr. Die Bundesbahndirektion München teilte mit, dass es in der vergangenen Nacht und in den frühen Morgenstunden wegen vereister Weichen vereinzelt Zugverspätungen gegeben habe. An der schleswig-holsteinischen Westküste ist die Schifffahrt ohne Eisbrecherhilfe weitgehend nur noch starken Schiffen möglich.
In Süddeutschland wird das Winterwetter nach Auskunft der Meteorologen in der Wochenmitte von milderen Temperaturen und einer Regenfront vom Atlantik abgelöst werden. Im Norden wird es auch am Dienstag bedeckt und diesig bleiben. Bei Schneefällen muss mit Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Eine Prognose über die Wetterämter hinausgehend gibt der hundertjährige Kalender, der die Dauer des Winters vom Wetter am kommenden Sonntag abhängig macht. ?Ist es an Petri-Stuhlfeier (22. Februar) kalt, dann hat der Winter noch lange Gewalt?, orakelt er.

Vor 50 Jahren
Freitag, 19. Februar 1960
Gartenarchitekt Eckebrechts Entwurf:
Aufforstung am Goldbach
Es ist schon viel geschrieben worden von den Brücken über den Goldbach und den Mühlgraben und den Steg, der von der Siedlung am evangelischen Kindergarten vorbei zum Werk der Sarotti führen wird. Auch wurde eine Grünanlage an dieser Stelle angekündigt. Gartenarchitekt Eckebrecht hat jetzt seine Pläne vorgelegt und man ist wieder überrascht, mit welchen Ideen dieser Gartengestalter aufzuwarten weiß. Denn er hat schon manches sehenswerte und erholsame Stück Grünfläche in Hattersheim gestaltet, unter anderem die Anlage um die Schule. Und viele Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung, die zur Besichtigung in Hattersheim waren, haben sich Eckebrecht zur Lösung ihrer Probleme geholt.
Seine Aufgabe bestand darin, das umfangreiche Gelände entlang dem Wege zu den Kleingärten zu gestalten. Schwierig war hierbei, dass hier drei Bäche parallel zueinander fließen: der Mühlgraben, der Goldbach und der so genannte Bewässerungsgraben, durch den die Wiesen des Posthofes ihr Wasser bekommen. Diese drei Wasserläufe schneiden die Siedlung vom westlichen Ortsteil ab, nämlich von dem Industriegebiet und dem Bahnhof. Hier werden die zwei Brücken und der Weg am evangelischen Kindergarten eine kleine Abhilfe schaffen. Über den Bewässerungsgraben wird keine Brücke gelegt, denn dieser Graben wird verrohrt. Der genannte Weg stößt auf die Straße ?Am Goldbach?. Die Brücken sind geschwungen (wie auch die Verbindungsbrücke Schwimmbad - Sportplatz). Sie werden feste Betonbrücken sein. Der Weg wird von Bäumen und Sträuchern gesäumt.
Der Weg zu den Kleingärten, der mitten durch die zukünftige Anlage führt, wird ausbetoniert, auch hier Bäume und Sträucher zur Seite. Einzelne Strauch- und Baumgruppen lockern das Gelände auf. Eine Spiel- und Liegewiese ist vorgesehen. Im südlicheren Teil des Geländes, etwa von dort ab, wo heute noch die provisorische Kläranlage steht, will Gartenarchitekt Eckebreeht eine Aufforstung vornehmen. Dieses Wäldchen würde sich, soweit das Gelände es erlaubt, nach Süden erstrecken, Eine Hühnerfarm, die zur Zeit von Metzgermeister Josef Betzold hier errichtet wird, wird von Bäumen umschlossen sein. Am erfreulichsten an dieser Anlage scheint dieses Wäldchen zu werden. Hattersheim hat keinen Wald, der den Spaziergängern offen steht. Der Wasserwerkswald ist umzäunt. Ein Betreten ist verboten. Bleibt nur der gepflasterte Weg durch den Wasserwerkswald. Aber diese von Autos und landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzte Straße ist für den Erholungssuchenden auch keine reine Freude.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 6 vom 11. Februar 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 7. Februar 1985
Schon über 3500 Leser registriert:
Stadtbücherei im Aufwärtstrend HATTERSHEIM - Die Stadtbücherei im Alten Posthof hatte im letzten Jahr erfreulicherweise erneut einen starken Zuspruch aus der Bevölkerung zu verzeichnen. Bürgermeister Alfred Schubert gab jetzt einen Überblick über die Entwicklung der Bücherei im Jahr 1984. Genau 476 Bücherwürmer haben sich 1984 in die Leserkartei der Bücherei neu eintragen lassen. Insgesamt sind jetzt über 3500 Leser registriert. Besonders erfreulich dabei ist ein starker Zuwachs an jugendlichen Lesern, der nicht zuletzt auf die gute Zusammenarbeit mit den Schulen zurückzuführen ist.
Der Buchbestand ist im vergangenen Jahr auf über 12.000 Bände gestiegen, was einen Zuwachs von rund 20 Prozent bedeutet. Neben Büchern werden im Posthof 18 Zeitungen und Zeitschriften vorgehalten. Vom Lokalblatt bis zu Fachzeitschriften reicht hier das ständig aktuelle Angebot. 1984 konnten insgesamt mehr als 16.500 Entleihungen verzeichnet werden, weit mehr als noch im Jahr zuvor. Den Löwenanteil dabei stellten die Kinderund Jugendbücher mit fast 8000 Entleihungen. Interessant ist, dass zur Ausleihe all dieser Bücher praktisch 60mal während jeder Öffnungsstunde, also jede Minute, ein Buch von den Mitarbeitern der Posthofbücherei ausgeliehen oder zurückgenommen werden musste. Doch mit dem Ausleihen von Büchern ist die Arbeit der Bücherei noch nicht erledigt. Bei mehr als 60 Veranstaltungen -Märchenstunden, Bastelnachmittagen, Spieltreffs, Autorenlesungen, Ausstellungen, Malwettbewerbe und vieles mehr - wurden rund 1500 Bücherfreunde in den Räumen der Bücherei im Posthof begrüßt.

Montag, 11. Februar 1985
Närrisches in der Posthofbücherei
HATTERSHEIM - Am Mittwoch, 13. Februar, um 15 Uhr gibt es für jüngere Zuhörer (sechs bis zehn Jahre) närrische Gedichte und Geschichten in der Stadtbücherei zu hören. Anschließend geht es um 16 Uhr mit einer Bastelstunde weiter. Fasching steht auch hier auf dem Programm. Mit Kindern von acht bis zwölf Jahren werden Faschingshüte gebastelt und angemalt. Treffpunkt ist auch hier die Posthofbücherei.

Keine Rekordbeteiligung zu erwarten beim Fastnachtszug
HATTERSHEIM (wr) - Ein vorläufiges Zugprogramm legte Zugmarschall Dieter Freidhof am vergangenen Mittwoch bei der Sitzung des Organisationskomitees für den Hattersheimer Fastnachtszug im Posthof vor. An der Sitzung nahmen Vertreter der teilnehmenden Vereine in ansehnlicher Zahl teil. Auch der Leiter des 18. Polizeireviers, Erich Bischof, sowie ein weiterer Vertreter der Polizei nahmen teil. Auf dem Programm stehen 64 Zugnummern. In den beiden vergangenen Jahren kam man immerhin auf über 80. Zwar dürften noch Nachmeldungen zu erwarten sein, doch mit einer Rekordbeteiligung ist diesmal kaum zu rechnen. Zugmarschall Freidhof nannte auf eine entsprechende Frage von HCC-Präsident Hans Schuch eine ganze Reihe Hattersheimer und Okrifteler Vereine, die sich im vergangenen Jahr am Zug beteiligten, die jedoch bis jetzt noch keine Meldung abgegeben haben, obgleich sie vom Zugmarschall angeschrieben wurden. Freidhof gab bekannt, dass Nachmeldungen noch möglich sind, sogar bis zum Tag des Umzugs, dem 16. Februar. Allerdings können jene Wagen und Gruppen, die mit der Anmeldung in Verzug geraten sind, nur am Ende des ?närrischen Lindwurms" eingereiht werden.
Freidhof gab zunächst noch einmal den genauen Zugweg bekannt, den wir schon angekündigt hatten und den wir in unserer Donnerstagausgabe noch einmal veröffentlichen werden. Man habe entsprechende Vorkehrungen getroffen, so dass man sicher sein könne, dass auch die großen Zugwagen um die beiden problematischen Ecken im Altstadtbereich herumkommen, nämlich in der Hauptstraße an der Einmündung Rathausstraße und an der Ecke Hauptstraße/Weingartenstraße. Die Polizei sagte zu, dort entsprechende Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. Sperrgitter werden diesmal jedoch auch in der Frankfurter Straße aufgestellt. Man hält dies für nötig, weil sich erfahrungsgemäß gerade dort die Zuschauer drängen. Da bereits am Samstagvormittag mit der Aufstellung der Gitter begonnen werden muss, darf dort schon ab diesem Zeitpunkt nicht mehr geparkt werden. Alle dort noch am Samstagvormittag geparkten Wagen werden abgeschleppt, sagte Erich Bischof, der auch darauf hinwies, dass die Voltastraße nicht zugeparkt werden darf, weil dort am Samstag die Omnibusse wenden müssen. Der Leiter des Polizeireviers bittet auch dringlich darum, dass sich die Fahrer der Zugwagen des Alkohols enthalten. Die Zugstrecke sei zwar während des Umzugs kein öffentlicher Verkehrsraum, aber bei einem Unfall würde der betroffene Fahrer dennoch einem Alkoholtest unterzogen. Wichtig sei es auch, dass sich Wagen und Zuggruppen rechtzeitig aufstellen. Selbstverständlich wird auch die gesamte Hattersheimer Innenstadt wieder ab Samstagmittag für den öffentlichen Verkehr gesperrt sein. Das betrifft auch die Frankfurter Straße, die Mainzer Landstraße und den Hessendamm in Richtung Stadtmitte ab Einmündung Südring.
Gesprochen wurde in der Sitzung auch über Möglichkeiten, für Zugteilnehmer eine Toilette zu benutzen. Zur Verfügung stehen die Toiletten im Posthof. Das Komitee will jedoch auch Handzettel verteilen lassen in den Haushalten jener Straßen, durch die der Umzug führt. Darauf werden die Bewohner nicht nur aufgefordert, am Samstag ihre Fenster zu schmücken, sondern auch die Bitte beigefügt, im Bedarfsfalle eine Toilettenbenutzung zu gewähren. Angesprochen wurde auch das Thema Ordner sowie Versicherungsfragen. Die Ordner sollen mit Mützen und Armbinden ausgerüstet werden. Nach Möglichkeit soll jeder am Umzug beteiligte Verein einen Ordner stellen. Auch in diesem Jahr sollen die schönsten und originellsten Wagen und Fußgruppen  prämiert werden. Die Jury besteht aus folgenden Personen: Fritz Bender, Wilfried Hamann, Heinz Loos, Helmut Meyer und Herbert Weiner. Die Preise werden nach Beendigung des Umzugs im Posthof überreicht.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 10. Februar 1970
Verwaltung unter närrischem Zepter
HCC übernimmt nach hartem Kampf Herrschaft im Rathaus. Rathausverwaltung und Gemeindekasse stehen seit Samstag unter dem närrischen Zepter des Hattersheimer Carneval-CIub. Dies konnte mit  Stolz der Vereinsvorsitzende und Heerführer Seppl Gleichauf, nach hartem Kampf seiner Truppen mit den Bediensteten der Verwaltung aus dem Fenster des Rathauses verkünden. Kurz zuvor hatte sich Bürgermeister Norbert Winterstein nach kurzer Gegenwehr ergeben. Bis Aschermittwoch wird nunmehr die Verwaltung durch den HCC geleitet. Die Bediensteten des Rathauses waren auf den
Angriff des Carneval-CIubs gut vorbereitet. Schon seit Tagen waren Abwehrbastionen errichtet worden, hatte man sich im Gebrauch der Waffen geübt. Trotzdem hielten sie dem wohl vorbereiteten Angriff der Narren nur kurz stand. Zwar konnte bei der ersten Angriffswelle der Narren eine wertvolle Geisel-(Mathias Spring) gefangen genommen werden. Beim zweiten Angriff bereits brachen die Dämme. So war man schließlich auch im Lager der Besiegten froh, als Bürgermeister Winterstein die weiße Fahne hissen ließ. Stolz übernahm HCC-Vorsitzender Gleichauf aus der Hand des Bürgermeisters den goldenen Rathausschlüssel. Seinen anwesenden Truppen und den unterlegenen Bediensteten der Verwaltung versprach er eine Amtszeit voller Frohsinn und Heiterkeit. Der verstaubte Bürokratismus werde nunmehr aus diesen Räumen verschwinden, solange der HCC die Verwaltung leite.
Bürgermeister Winterstein gab zu bedenken, dass mit der Übergabe der Amtsgeschäfte auch die Verantwortung über die gemeindeeigenen Einrichtungen auf den HCC übergehe. Er hoffe nicht, dass in der Zeit bis Aschermittwoch die Müllgrube brenne, ein Wasserrohrbruch die Feierlichkeiten unterbreche, das Kanalisationshebewerk an der Friedensstraße gereinigt werden müsse, die Straßen gestreut werden müssten oder die Müllabfuhr ausfalle und deshalb vom HCC abgefahren werden müsste, um nur einige Unannehmlichkeiten der Verwaltung aufzuführen. Er wünsche dem neuen Gemeindeoberhaupt eine sorgenfreie Amtszeit. Zur Besänftigung der Gemüter bewirteten die Besiegten aus der Verwaltung die Sieger mit Bier, Wein, Wurst und Weck. So gestärkt tanzten und sangen beide gemeinsam durch die Räume des Rathauses. Erst als bereits die Reinemachefrauen die Spuren der Rathauserstürmung zu beseitigen begannen, zogen die Letzten heimwärts.

Jahrgang 1899 Hattersheim
?"Einmal wird im Jahr gelacht, fröhlich bei der Fassenacht"?, mit diesem Spruch eröffnete Heinrich Finger den schon zur Tradition gewordenen Kreppelkaffee des Jahrgangs im Cafe Ziegler. Mit Unterstützung des Altkarnevalisten W. Rink entwickelte sich bald ein vielfältiges Büttenprogramm. Protokoller Philipp Krank servierte die alten Erinnerungen und skizzierte den sagenumwobenen Jubiläumsausflug. Das Haubeliesche von Määnz verabreichte ein altbewährtes Hausmittel gegen die Grippe. Ein weiterer Punkt war natürlich die Rosenfee mit dem Lied: ?Die Knoblauchsworscht?. Orden und Präsente wurden verteilt. Jubel und Trubel fanden mit dem Lied ?So ein Tag, so wunderschön wie heute? ihren närrischen Höhepunkt. Mit dem Spruch:
?"Wer das ganze Jahr sich plagt und sich freut an Fassenacht wird bei allem Weltgeschehen froh und heiter in die Zukunft sehen?" fand der Kreppelkaffee der 1899er seinen Abschluss.

Vor 50 Jahren
Freitag, 12. Februar 1960
Närrisches Feuerwerk beim HCC Am Samstag gab der HCC in der Narrhalla "Zur Krone" in Form einer wohlgelungenen Gala-Fremdensitzung den Startschuss für den Beginn des karnevalistischen Treibens in Hattersheim. Dass es hierzu bereits hohe Zeit war, kann dem Andrang und der ausgezeichneten Stimmung des Publikums entnommen werden. An den aufeinander folgenden Schunkelliedern, gespielt von der Hofkapelle unter Hofkapellmeister Kirchhof, konnte man die graduelle Steigerung der jeweils erreichten Ausgelassenheit ermessen. Mit altbewährter Routine und treffendem Humor führte Sitzungspräsident Hermann Jost durch das Programm. Am Anfang konnte er eine stattliche Anzahl von Ehrengästen, darunter Bürgermeister Winterstein, begrüßen. Bevor der Vorhang den Anblick des später in dekorativer Stattlichkeit erscheinenden Elferrates freigab, präsentierten sich der allseits anerkannte Karnevalist Neudert und als Debütanten auf diesem Gebiet die Gebrüder Mayer in einem heiteren Eröffnungsspiel. das unter dem Motto ?Kaaf am Ort? stand und von dem Clubpräsidenten Josef Gleichauf verfasst war. Sodann stieg Protokoller Werner Fay in die Bütt: auch er widmete sich den örtlichen Geschehnissen, doch musste er Bürgermeister Winterstein eingestehen, dass Hattersheim allmählich einen Stand erreiche, der nur noch schwer Ansatzpunkte zur Kritik finden lasse. Speziell mit örtlichen Geschehnissen beschäftigte sich auch der ?Hattersheimer Werbefunk?, der von den beiden Karnevalisten Neudert und Steigerwald dargebracht wurde und durch seine närrische Apostrophierung der Hattersheimer Geschäftswelt wahre Beifallsstürme hervorrief. Eine etwas besinnliche Note brachte Frau Elsa Frassa durch die Darstellung einer Besucherin aus dem Osten in den Reigen der Darbietungen. Wie bei jeder HCC-Sitzung, so gehörten auch diesmal die ?Drei Hattersheimer Jungens? zum allmählich unersetzlichen Repertoire. Nach den von Jupp Jost verfassten Texten ironisierten sie die derzeitig aktuelle Weltpolitik.
Aus der Reihe der Vorträge, die aus der Bütt gehalten wurden, ragte zweifellos neben den von Jupp Jost, Neudert und Steigerwald dargestellten ?Drei Russen? das Zwiegespräch zwischen Frau Jupp Jost und Alwin Herr hervor, das den begeisterten Zuschauern einen Einblick in die Ehe eines etwas gutmütig-trottelhaften Ehemannes mit einer herrschsüchtigen und zum Mondänen neigenden Frau bot, Im Zwiegespräch aus der Bütt debütierten ebenfalls die Gebrüder Mayer in witzig-ansprechender Weise.
Als Gäste konnte der HCC an diesem Abend ?Zwei Schulbuben? von dem Karnevalverein ?"Fidelio" aus Hochheim und den Büttenredner Freund vom Karnevalverein Frankfurt begrüßen. Bevor die Gäste in die Bütt stiegen, tauschten die Clubvorsitzenden Nidda vom ?Fidelio? Hochheim und Josef Gleichauf vom HCC die diesjährigen Hausorden ihrer Vereine. Mitreißend und begeisternd wirkte einmal mehr das den Kleingärtnern entliehene Hofballett. Auch diesmal wurde es von den Zuschauern zum Dakapo gezwungen. Unter der Leitung der Hofballettmeisterin Frau Elli
Lauer hatte es einen Wiener Walzer und die karnevalistisch gestaltete ?Wiener Luft? einstudiert.

Der närrische Fahrplan 1960:
Samstag, den 13. Februar:
Maskenball der ?Concordia? (Saal der Krone)
Freitag, den 19. Februar:
Kappenabend der Katholischen Jugend (Säle
der Krone)
Samstag, den 20. Februar:
Turner-Maskenball (Säle der Krone)
Freitag, den 26. Februar:
Kappensitzung der Turner (Schwarzbachklause)
Samstag, den 27. Februar:
Maskenball des Sportvereins (Schwarzbachklause)
Maskenball des HCC (Saal der Krone)
Kappensitzung der ?Concordia? (Neue Post)
Sonntag, den 28. Februar:
Maskenball der Feuerwehr (Säle der Krone)
Kindermaskenball des HCC (Saal der Krone)
Montag, den 29. Februar:
Preismaskenball der ?Germania? (Krone)
Dienstag, den 30.(?) Februar:
Maskenball des HCC (Saal der Krone)
Lumpenball der Schwarzbachklause)
Lumpenball der ?Concordia? (Zur neuen Post)

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 5 vom 4. Februar 2010

Vor 25 Jahren
Samstag, 26. Januar 1985
Prächtige Stimmung bei der 26. ?Närrischen Singstunde?
OKRIFTEL(eb) - Der Einzug des Elferrats, bestehend aus elf Frauen unter dem Vorsitz von Inge Kilp, erfolgte unter tosendem Beifall der vollbesetzten Radfahrerhalle. Damit begann die 26. Närrische Singstunde der Sängervereinigung Okriftel. Als Ehrengäste konnte Inge Kilp Bürgermeister Adi Schubert, Ersten Stadtrat Klepp, Fritz Bender, Dr. Dieter Kühnert, Dr. Wilhelm Lutter, CCMVorsitzenden Günter Tannenberger, FDP-Vorsitzenden Dietrich Muth, Gerhard Winter sowie Konrad Treber begrüßen.
Kilp bedankte sich in ihrer Begrüßungsrede nochmals bei Onkel Adolf, der über viele Jahre hinaus als Protokoller mit dem Thema ?Unser Dorf soll schöner werden? die närrische Gesangsstunde eröffnete. ?Frau Rappelich und Frau Mobbelich?, dargestellt von Annemarie Hochheimer und Monika Pühlbauer, zeigten auf, welche Vorzüge die etwas molligere Frau Mobbelich und die etwas schlankere Frau Rappelich bei Männern haben. Das Kinderballett unter Leitung von Irene Lapatki zeigte einen hervorragend einstudierten Tanz, wobei die Kleinen nicht ohne Zugabe von der Bühne durften. Anschließend stand die Verleihung des Ordens ?Ritter vom goldenen Rechen? an. In diesem Jahr konnte Ordenskanzler Heinz Loos zwei neue Ordensträger begrüßen. Es waren Fritz Bender und Dr. Dieter Kühnert. Die Laudatio wurde von Günter Tannenberger gehalten, der in seiner Rede die Verdienste hervorhob und sich nochmals mit Lob und Anerkennung für das Sozialengagement von beiden bedankte.
Als nächstes sah und hörte man den Schweizer Emil als Bergsteiger, dargestellt von dem erst 16-jährigen Stefan Keck, der in seinem Schwyzerdütsch auf dem Weg zum Matterhorn das Publikum begeisterte. Eine gelungene Premiere für diesen Karnevalisten. Das Damenballett, Leitung Inge Baumann, war ein viel beklatschter Höhepunkt, das nur nach zweimaliger Zugabe und mit einer Rakete von der Bühne gelassen wurde. Der Masseur (Reiner Mollnow) sagte allen, dass man kalorienbewusster leben sollte. Das anschließende Brautpaar (Gunter Klein und Friedhelm Gutenberger) war ein weiterer Höhepunkt dieser Veranstaltung. Sie zeigten auf, welche Versprechen sich Ehepaare am Hochzeitstag geben und was dann daraus im Laufe eines Ehelebens wird; mit der Schlusspointe: ?Nach Zank und Streit sich zu verstehen, ist in der Ehe die Würze.? Nach einer kurzen Pause glossierten die Maa-Schiffer als Schneewittchen und die Sieben Zwerge die Ereignisse rund um die Startbahn West und die Lärmbelästigung.
Wie alljährlich zeichnete der Vorsitzende der Sängervereinigung Okriftel, Friedhelm Gutenberger, zwei Ritter des Ordens vom höchsten Lob ?Wenn wir sie nicht hätten? aus. Die hohe Würde wurde diesmal Klaus Lapatki und Helmut Best zuteil. Beide sind seit Jahren aktive Sänger, darüber hinaus aktiv bei der Organisation von vielen Veranstaltungen, die jedes Jahr bei der Sängervereinigung durchgeführt werden. Außerdem gehören beide dem geschäftsführenden Vorstand an. Weiter ging das närrische Programm mit dem Männerballett, ebenfalls unter Leitung von Inge Baumann. Geradezu ?fernsehreif'' war der Beitrag von Heinrich Steffen, der diesmal als böhmischer Oberschütze mit seinem Dialekt in der Bütt gefiel. Seine gekonnten und schon jahrelang bekannten Büttenreden begeistern alljährlich das Publikums aufs Neue. Ein ?auf den Hund gekommenes? Ehepaar, dargestellt von Gabi und Horst Schroff, zeigte die Probleme und Freuden mit einem Vierbeiner. Das gemeinsame Lied, vorgetragen von Heinz Stephan mit musikalischer Begleitung von Bernd Beyer, brachte dann das Publikum so richtig in Stimmung. Es forderte das ?Zigeunerlied?, das dann auch von Heinz Stephan und Karl-Ernst Rummel unter dem Beifall der Zuschauer dargeboten wurde. Der abschließende Vortrag eines Psychotherapeuten (Inge Lixenfeld) war die Krönung der Büttenreden und leitete das Finale ein. Alle Anwesenden waren sich einig, dass dies wieder eine hervorragende ?Närrische Singstunde? war.

Donnerstag, 31. Januar 1985
Rathaussturm soll zum Volksfest werden
EDDERSHEIM (sch) - Bekanntlich werden jeweils zur Fastnachtszeit reihum die Rathäuser unserer drei Stadtteile von fröhlichen Narren erstürmt. In diesem Jahr ist Eddersheim an der Reihe, und Oberkümmeldrescher Hubert Schoßland hat schon alles in die Wege geleitet, um die Veranstaltung zu einem kleinen Volksfest werden zu lassen. Am Samstag, 2. Februar, um 10 Uhr treffen sich alle Elferräte und Stadtverordneten in der Weidrichstraße 10. Dort soll der Bürgermeister und der Magistrat aufgefordert werden, den Stadtschlüssel auszuhändigen. Um 10.45 Uhr Aufmarsch der Garden, der Spielmannszüge und der Eddersheimer Vereine. Wenn der Schlüssel nicht freiwillig überreicht wird, beginnt um 11.11 Uhr der Sturm aufs Rathaus. Um 11.20 Uhr wird sich ein Festzug durch Eddersheim zum Taunussaal bewegen. Dort wird ein närrisches Gericht über Adi Schubert das Urteil fällen. Die Einwohner der Bleichstraße und Bahnhofstraße werden gebeten, ihre Häuser mit Fahnen zu schmücken.
Bürgermeister soll zurücktreten. Wie wir aus Eddersheim erfahren, soll sich eine Gruppe von Bürgern aller drei Stadtteile am Samstag, 2. Februar, um 10 Uhr in der Weidrichstraße 10 beim Oberschultheiß Hubert Schoßland treffen, um über den Bürgermeister zu beraten. Beim Amtsantritt vor drei Jahren wurde der Bürgermeister aufgefordert, soziale Verbesserungen in Hattersheim einzuführen. Besonders böse ist man auf den Stadtrat Tannenberger, der damals dem Bürgerkomitee angehörte, in der Zwischenzeit Stadtrat wurde und jetzt angeblich den Bürgermeister in seinen Schikanen gegen die armen Bauern unterstützt. Da die Stadtverordnetenversammlung geschlossen hinter Hubert Schoßland steht, ist mit der Absetzung von Adi Schubert zu rechnen. In einer Pressekonferenz gab Schoßland bekannt, dass alle Stadträte abgesetzt werden. Der neue Stadtrat Dr. Klepp soll die Amtsgeschäfte kommissarisch führen.
Die erste Forderung lautet: Ab Sonntag, 3. Februar, soll der Jugendplan erweitert werden. Darin heißt es: ?Für alle männlichen Jugendlichen über 18 Jahren sollen Jugendlokale mit Nulltarif geführt werden. "Vorgesehen ist in Hattersheim ?Das Bäumchen", in Okriftel ?Der Krombacher? und in Eddersheim ?Die Post?. Um darüber hinaus noch mehr für die Hattersheimer Jugend zu tun, wird gefordert, die Voltastraße in ?Travoltastraße? umzubenennen. Alle Hattersheimer Bürger sind eingeladen zu einer großen Protestversammlung am 2. Februar um 11.11 Uhr am alten Eddersheimer Rathaus.

Sehrschön wardie Sänger-Kappensitzung
HATTERSHEIM (wr) - Zwar ist niemand vor Lachen vom Stuhl gefallen am vergangenen Samstagabend in der Stadthalle, aber es war dennoch eine sehr schöne und amüsante Kappensitzung, die bei den Hattersheimer Sängern ja bereits auf eine alte Tradition zurückgeht. Früher waren die Sängerkappensitzungen in der ?Krone" der absolute Höhepunkt im närrischen Geschehen. Inzwischen gibt's die ?Konkurrenz? vom HCC, und die ?närrischen Geister? bei den Sängern haben es nicht leicht, Gleichwertiges aufzubieten. Aber es zeigte sich an dem Abend wieder, dass man es dennoch schafft, den großen Saal zu füllen und das Publikum gut zu unterhalten. Ein Lob für Heinz Janson, den Sitzungspräsidenten, der sich für dieses Amt inzwischen einige Routine erwarb und ein besonderes Lob für all die anderen vielen Helfer vor und hinter der Bühne.
Unter den Gästen auch wieder viele Prominente unserer Stadt, von denen einige mit dem Hausorden der CGH geehrt wurden, darunter BürgermeisterSchubert, Vereinsringvorsitzender Klaus Jüterbock,  HCC-Präsident Hans Schuch und Hubert Schoßland vom GV Liederkranz-Eintracht Eddersheim, der jedes Jahr seine Ballettgruppen ?Candy-Girls
und ?Sugar Babies? bei der CGH auftreten lässt. Nach Begrüßung und Tanz zunächst Protokoller Herbert May, der die Stadtsanierung lobte, das fehlende Hundeklo beklagte und auch ein bisschen die
große Politik auf die Schippe nahm. Der junge Jochen Kilb, in diesem Jahr zum zweiten Mal in der Bütt und ?uff die Bretter, die die Welt bedeuten?, stellte als Schüler die Forderung auf, dass die Ferien auf mindestens fünf Monate verlängert werden müssten, allerdings nicht wegen der Kinder, sondern wegen der überforderten Lehrer.
Ganz großen Applaus erhielten die ?Candy-Girls? für ihre beiden Auftritte, bei denen sie nicht ohne Zugaben von der Bühne kamen. Gut auch wieder Willi Kropp, der als ?Köllsche Jack? vornehmlich Witze von Tünnes und Schääl zum Besten gab. Nach dem 76-jährigen Senior unter der närrischen Sängergarde ein erfrischender Vortrag des Jüngsten, der aus den Reihen der ?Rosenkavaliere? kommt: Christoph Albert. Er versicherte glaubhaft: ?So dumm bin ich schon lang nicht mehr.? Helmut Binder gefiel als ?Reiseberater? und versicherte (weniger glaubhaft), dass er bereits von Hattersheim bis Agadir ?jed?Bett, jed?Küch?und jedes Klo? geprüft habe.
Überaus amüsant das eheliche Zwiegespräch von Irma Schrader und Erwin Stadler. ?Ich geh? in die Singstund?, mei einziger Spaß?, so der Erwin nach ehelicher Auseinandersetzung.
Als Ungarnreisender produzierte sich Horst Skrobek, und weil man aus aktuellem Anlass die ganze Sitzung diesmal unter das Motto ?Paprika aus Ungarn ? gestellt hatte, präsentierten sich auch die Mitglieder der ?Schola" der Rosenkavaliere als ungarische Schafhirten und besangen all das, was man an diesem Land besonders liebt. Mit einem neuen Vortrag als Pressemann kam Willi Britsch, altbewährte Büttenkanone in allen drei Stadtteilen und - wie Janson bekannt gab - schon seit 16 Jahren auch bei den Hattersheimer Sängern.
Als weibliche Büttenkanone von Format ist seit langem Hiltrud Buchinger bekannt. Auch dieses Jahr hat sie wieder einiges ?auf der Pfanne? als ?Opfer der modernen Zeit?. Über das Zwiegespräch von Frau Ajax und Frau Pril (Karin Sucky und Günter Herrmann) wird noch zu berichten sein. Eine Strapaze für die Lachmuskeln auch diesmal wieder der gelungene Auftritt des Männerballetts, das von Irma Schrader einstudiert wird und für dessen Kostüme Irene Schoßland und Anna Winnerl sorgten. Es gab nach einer Pause noch einen Querschnitt aus ungarischen Operetten und dann ein großes Finale. Alles in allem kann man bei den Sängern zufrieden sein mit dem Erfolg der diesjährigen Kappensitzung.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 27. Januar 1970
NeuerStandort fürGesamtschule
In der Grundstücksfrage für die geplante Gesamtschule für die Gemeinden Hattersheim, Okriftel und Eddersheim hat sich eine überraschende Entwicklung ergeben. Wie Bürgermeister Norbert Winterstein, der vom Landrat mit der Führung der Grundstücksverhandlungen beauftragt worden ist, der Presse nunmehr mitteilte, haben die Verhandlungen um das Grundstück am Wasserwerkswald Schwierigkeiten erbracht. Seitens der Eigentümer wurden gegen das Projekt Bedenken erhoben, da auf den Grundstücken langfristige landwirtschaftliche Versuche liefen, die einen kurzfristigen Verkauf des Grundstückes unmöglich machten.
Als neuer Standort für die Gesamtschule ist nunmehr ein von den Farbwerken Hoechst angebotenes Grundstück an der verlängerten Schulstraße/Ecke Wiesbadener Straße vorgesehen. Landrat Dr. Jost, der an den letzten Grundstücksverhandlungen teilgenommen hat, hat bereits zu dem neuen Standort seine Zustimmung gegeben. Der Gemeindevorstand sowie die Fraktionsvorsitzenden der in der Gemeindevertretung vertretenen Fraktionen seien
ebenfalls mit der veränderten Situation einverstanden.
Bürgermeister Winterstein wies darauf hin, dass der neue Standort der Gesamtschule an der verlängerten Schulstraße für die Hattersheimer Kinder keineswegs ungünstiger sei. Das gleiche gelte für die Schüler aus Okriftel, die ihren Schulweg über das Neubaugebiet der Gemeinde an der Rossertstraße über einen noch auszubauenden Fuß- und Fahrradweg zur neuen Gesamtschule nehmen könnten. Für die Kinder aus Eddersheim sei der neue Standort eher noch günstiger. Wie Bürgermeister Winterstein abschließend mitteilte, sei mit dem Abschluss des Grundstücksvertrages in den nächsten Tagen zu rechnen. Der Kreis als Träger der Gesamtschule bereite gegenwärtig einen Architektenwettbewerb für die Gesamtschule vor.

Neue Antennen im alten Siedlungsbereich
Nachdem sich im alten Siedlungsbereich die Beschwerden über den unzureichenden Empfang des 1. und 2. Fernsehprogramms häufen - ein Empfang des 3. Programms ist mit den gegenwärtigen Antennen nicht möglich - hat sich die Hattersheimer Wohnungsbau-Gesellschaft entschlossen, hier Abhilfe zu schaffen. Wie Bürgermeister Norbert Winterstein als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Presse mitteilte, hat der Aufsichtsrat beschlossen, die bestehenden, veralteten Antennen mit einem Kostenaufwand von 120.000 DM zu erneuern. Er wies ausdrücklich daraufhin, dass die Mittel hierfür der Rücklage entnommen und keine Mieterhöhungen mit sich bringen würden. Winterstein erklärte, die Geschäftsführung sei beauftragt, die Arbeiten so durchführen zu lassen, dass den Mietern im alten Siedlungsbereich bereits der einwandfreie Empfang der Fußballweltmeisterschaft im Mai/Juni möglich sei.

Freitag, 30. Januar 1970
Altennachmittag mit Faschingsprogramm
Seit Jahren führt der Gemeindevorstand in Zusammenarbeit mit dem Hattersheimer Carneval-Club Altennachmittage für die betagten Bürger der Gemeinde durch. Die Erfolge der letzten Jahre bei der Durchführung dieser Veranstaltungen hatten den Gemeindevorstand veranlasst, auch in diesem Jahr wieder zu einem Kreppelnachmittag, verbunden mit einem bunten Fastnachtsprogramm, dargeboten vom HCC, einzuladen. Der erste diesjährige Altennachmittag fand am vergangenen Sonntag, 25. Januar, im großen Saal des Gasthauses ?Zur Krone? statt. Am Sonntag, 1. Februar, werden weitere geladene Mitbürger zum zweiten Altentreffen erwartet.
Alle Mitglieder des Gemeindevorstandes, Bürgermeister Norbert Winterstein, die Beigeordneten Heinrich Bauer, Heinz Zahn und Hans Wollstadt sowie der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Fritz Bender, waren zum ersten Altennachmittag erschienen, Winterstein begrüßte die Gäste. Er wies darauf hin, dass diese nunmehr seit Jahren durchgeführten Altennachmittage zu einer von den alten Mitbürgern geschätzten Einrichtung geworden seien, was nicht zuletzt der vollbesetzte Saal zeige. Die Gemeinde werde auch in Zukunft Veranstaltungen dieser Art fördern. Hier sei den Bürgern Gelegenheit gegeben, einige frohe Stunden zu verbringen. Dem HCC dankte Winterstein für die tatkräftige Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltungen.
Während anschließend der HCC das Zepter zur Fortführung des Programms übernahm, servierten Bedienstete der Verwaltung den Gästen zunächst Kaffee und Kuchen, später auch Bier und Wein. Ein Überblick über das bereits vom HCC bei der Galasitzung am Vorabend präsentierte Programm wurde von den alten Mitbürgern mit viel Applaus bedacht. Im weiteren Verlauf des Programms überreichte Bürgermeister Winterstein den ältesten Teilnehmern des Altennachmittags, Katharina Lang, 85 Jahre, und Heinrich Wagner, 89 Jahre, einen großen Blumenstrauß bzw. eine Flasche Sekt. Nach den Klängen der Kapelle Kordey tanzten und schunkelten die Gäste noch einige Stunden.

Vor 50 Jahren
Freitag, 5. Februar 1960
Kein frühererLadenschluss in Hattersheim am offenen Samstag
Der Vorstand des Gewerbevereins hat sich im Interesse der Hattersheimer Einzelhandelsgeschäfte sowie der handwerklichen Verkaufsstellen bemüht, an den ersten Samstagen im Monat, den so genannten ?offenen? Samstagnachmittagen, einen gemeinsamen Ladenschluss um 15 Uhr zu erreichen. Bisher war es üblich, um 16 Uhr zu schließen. Man wollte den Angestellten und Arbeitnehmern der betreffenden Geschäfte ein längeres Wochenende verschaffen, zumal nach 15 Uhr der Einkauf so gut wie nicht mehr getätigt würde. In einer Versammlung haben sich die Firmen dazu bereit erklärt. Die nicht anwesenden Firmen wurden angesprochen. Sie haben ebenfalls ihre Zusage gegeben. Nachdem nun eine Firma erklärte, den Ladenschluss um 15 Uhr nicht mitmachen zu können, hat der Vorstand des Gewerbevereins in einem Rundschreiben an alle Ladeninhaber mitgeteilt, dass es jedem überlassen bleibt, zu schließen, wann er will. Die erstrebte generelle Ladenschlusszeit um 15 Uhr wurde damit illusorisch.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 4 vom 28. Januar 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 17. Januar 1985
111 Markstücke für den Jubelverein
OKRIFTEL (wr) - Der traditionelle Frühschoppen mit Ehrensenat des Carneval-Club Mainperle Okriftel war am vergangenen Sonntag in der Radfahrerhalle mit der Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen verbunden, und groß war die Zahl der Gäste und Gratulanten, darunter auch Landrat Dr. Löwenberg, selbst Mitglied des Ehrensenats, Stadtverordnetenvorsteher Fritz Bender, Bürgermeister Schubert sowie die Stadträte Kraus, Sauer und Schuch. Unter den Gästen aber auch Jürgen Grabowski, ebenfalls Mitglied des Ehrensenats.
CCM-Vorsitzender Tannenberger umriss die 25-jährige Vereinsgeschichte. Am Anfang stand eine Gruppe karnevalsbegeisterter Jugendlicher, die in der katholischen Pfarrjugend aktiv waren. Auch evangelische Jugendliche kamen hinzu, was der damalige Pfarrer gar nicht so gern sah, wie Tannenberger anmerkte. So machte man sich selbständig, und nach dem Bau des Jugendheims ging?s aufwärts, später auch mit dem Segen des Pfarrers.
Tannenberger würdigte die gute Zusammenarbeit mit der Sängervereinigung, die bis heute besteht und die auch von Heinrich Steffen unterstrichen wurde, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte und der in einer kleinen Festrede über die Wurzeln der Narrheit im allgemeinen und die Okrifteler Narren im besonderen referierte, wobei er auch Altkarnevalist Wilhelm Rink erwähnte, der ja aus Okriftel stammte. ?Er war ein Vollblutkarnevalist, manchmal nicht ganz für voll genommen, aber welcher Narr will das schon?, sagte Steffen.
Gerhard Winter erwähnte, dass man bereits 1960 den Ehrensenat ins Leben rief, zunächst mit fünf Leuten. Heute sei deren Zahl schon recht stattlich. Er wies auch darauf hin, dass der Ehrensenat den Festwagen gestiftet habe, mit dem sich der CCM in diesem Jahr bei mehreren Umzügen präsentieren wird. Auch der Vorsitzende der Sängervereinigung, Wilfried Gutenberger, fehlte selbstverständlich nicht unter den Gratulanten, ebenso wenig wie HCC-Präsident Hans Schuch, der zusammen mit Kurt Wesemeyer eine Kette aus 111 Markstücken übergab. Bei diesem Geldgeschenk blieb es an dem Vormittag nicht. Der ebenfalls anwesende Landrat kündigte seinen Scheck zwar erst für die große Prunksitzung an, doch mitgebracht hatten sowohl Bürgermeister Adi Schubert als auch Stadtverordnetenvorsteher Fritz Bender diese stets willkommenen Papierchen, während Vereinsringvorsitzender Klaus Lapatki mit Bargeld aufwartete. Die Druckkosten für die noch zu erwartende Festschrift des CCM dürften also zumindest gesichert sein.
Auch eine Ordensverleihung fehlte nicht beim Jubiläumsfest. Fünf junge Damen konnten vom Präsidenten des Ehrensenats, Gerhard Winter, und dem CCM-Vorsitzenden Günter Tannenberger die ?hohen Haus- und Verdienstorden? des CCM in Empfang nehmen, vier für ihre Verdienste als Balletteusen, eine Dame (Gabi Schroff) für ihre originellen Büttenvorträge. Die Namen der Balletteusen: Gabriele Sacher, Christine Garkisch, Petra Mangold und Astrid Fein. Neben dem Fanfarenzug Okriftel trat an dem Vormittag auch der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Okriftel auf. Umrahmt wurde die hübsche Feier auch von Lieddarbietungen des Chors der Sängervereinigung unter Leitung von Bernd Beyer.

Hattersheimer Erinnerungen
Vor 10 Jahren im Januar 1975
Die beiden Hattersheimer Gesangvereine Germania 1857 und Concordia 1880 halten in der Stadthalle eine gemeinsame Jahreshauptversammlung ab. Auf dieser Versammlung konstituiert sich die Chorgemeinschaft Hattersheim. Zum Ersten Vorsitzenden wird Heinz Janson gewählt.

Samstag, 26. Januar 1985
Eddersheimer Rathaus in Gefahr!
Eine Aufsehen erregende Meldung erreichte uns heute aus Hattersheim. Wie uns Bürgermeister Alfred Schubert berichtete, habe er aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass für Samstag, 2. Februar, gegen 11.11 Uhr mit einem Angriff aufs Eddersheimer Rathaus in der Bleichstraße zu rechnen ist. Schubert zeigte sich allerdings optimistisch, dass es sich bei den potentiellen Angreifern nicht um kriminelle Elemente handelt, sondern wohl erfreulicherweise um die närrischen Streitkräfte. Da im Eddersheimer Rathaus bekanntlich eine Verwaltungsstelle mit Kasse untergebracht ist, wollen die Ratsherren die Stellung gegen die angreifenden Karnevalisten so lange wie möglich halten. Stadtverordnete, Stadträte und die städtischen Bediensteten sind vom Bürgermeister bereits zur Unterstützung angefordert worden. Zur Verteidigung stehen mehrere Zentner ?Knollen? bereit. Aus den Reihen des närrischen Oberkommandos bei den Kümmeldreschern war jedoch zu hören, dass man sehr optimistisch im Hinblick auf den Rathaussturm sei. Mit Unterstützung der Eddersheimer Vereine und eventuell ?Söldnern? aus Hattersheim und Okriftel will man sogar noch am Vormittag dieses Samstags das Verwaltungsdomizil erstürmen und mindestens bis zum Aschermittwoch besetzt halten.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 27. Januar 1970
Gala-Sitzung des HCC
Der Hattersheimer Carneval Club eröffnete seine Programmreihe mit der Gala-Sitzung am Samstagabend in der Narrhalla ?Krone?. Bombenprogramm unter der Regie von Oberhofregisseur Mathias Spring. Humor und Frohsinn waren die Trümpfe des Abends. Die Narrhalla war festlich geschmückt mit den närrischen Farben, auf den Tischen weißer Flieder und brennende Kerzen. Günter Zeier, der verantwortliche Mann für die Dekoration, hatte sich wieder was einfallen lassen, um den Saal zur echten ?Gut Stubb? des HCC zu machen. Die Hofkapelle, ?die Clavio-Mixer? aus Mainz, heizte mit Schunkelliedern ein, und bald stieg das Stimmungsbarometer. Unter den Klängen des Narrhallamarschs zog der Elferrat mit Sitzungspräsident Hermann Jost ein, der Vorhang öffnete sich und gab den Blick frei zur Bühne, an deren Stirnseite groß das Zeichen des HCC thronte. Inzwischen hatte der Fanfarenzug Okriftel Aufstellung genommen und mit einem Fanfarenmarsch den bunten Programmreigen eröffnet. In den schmucken blauen Umhängen über den gelben Hemden, mit den Landknechtshüten, gab dieser Fanfarenzug ein malerisches Bild ab.
Sitzungspräsident Hermann Jost eröffnete und erinnerte an die Zeiten, als sich der HCC gründete. Schon 1947 hielt der HCC in diesem Saal seine Sitzungen ab. Das HCC-Balett mit Cornelia Büchsenmann, Elfriede Höhler jr., Elisabeth Hofmann und Hannelore Kunkel stellte sich vor mit einem Gardetanz. Dr. Artur Neufahrt kam als Protokoller. Unter die Lupe nahm er die Bonner Politik, die Kunst, das heute so leidliche Problem des Sex und Lokalgeschehnisse. Danach fand die offizielle Begrüßung statt. Der Sitzungspräsident konnte neben den zahlreichen Anwesenden (jedoch hätten noch einige Platz gefunden) einen herzlichen Willkommensgruß entbieten Bürgermeister Norbert Winterstein, dem Generalkonsul der Schweiz, Dr. Rebsamen, Dr. Paape und dem Vorsitzenden des Vereinsrings, Rudolf Anderka. Er gab seiner Freude Ausdruck, dass es in Hattersheim noch immer Menschen gibt, die die Gemeinschaft erhalten wollen. Seine Dankadresse richtete er an die Hattersheimer Blumenhäuser für den Blumenschmuck.
Einen Angriff auf die Lachmuskeln starteten ?Rudi" (Dr. A. Neufahrt) und Graf Bobby (Prof. Dr. H. Schmidkunz). Dieses Zwiegespräch, gewürzt mit Humor und guter Laune und schon seit einigen Jahren Bestandteil der Sitzungen des HCC, verfehlte auch in diesem Jahr seine Wirkung nicht. Unter den Klängen des Walzerkönigs Strauß drehte sich noch einmal das HCC-Ballett, eine wahre Augenweide. Als ?Geschäftsmann von Hattersheim? kam Gerhard Eucker. Massa, die Handballer und der schlechte Besuch der Veranstaltungen beim HCC hatten es
ihm angetan. Mit spitzer und treffender Zunge brachte er vor, was ihm am Herzen lag. Die ?Schwarzbachlerchen?, eine Gesangsgruppe des Gesangvereins Germania, mit Fred Maschmann, Theo Walter Meuer, Hans Nink, Wilhelm Schreiber, Wolfgang Schulz, Helmut Schwarz, Horst Süss und Rudi Siemann, am Flügel der Dirigent und Texter Manfred Krieger (Okriftel), stellten sich vor und besangen die großen und kleinen Weltgeschehen. Die Lacher auf seiner Seite hatte Eberhard Zwiener als ?altes Mädchen", das zwar ehelos, jedoch mit einem dreijährigen Kind gesegnet war.
Musikdirektor Hans Baumann, Germain Chassot, Gerhard Eucker, Hermann Jost, Jupp Jost, Volker auf dem Kampe und Dr. Artur Neufahrt stellten sich vor in der HCC-Hauskapelle. In der Fortsetzung der Hattersheimer Festspiele brachten sie wieder einige Werke, die von der Narrenschar mit Beifall aufgenommen wurden. Schmidkunz führte durch das Festspielprogramm. Ganz besonders sei hervorgehoben das Trompetensolo von Volker auf dem Kampe und der Bassbariton von Neufahrt als ?Massa-Schweinespeckverkäufer?. Zweimal 11 Minuten Pause wurden ausgefüllt mit Schunkelliedern der Hofkapelle. Der Fanfarenzug Okriftel eröffnete den zweiten Teil mit klingendem Spiel, sauber und gekonnt vorgetragen. Hierbei gefiel besonders ein Trommler, Herbert mit Vornamen, 10 Jahre alt. Sitzungspräsident
Hermann Jost dankte dem Fanfarenzug und überreichte dem Vorsitzenden Deul und Stabführer Helmut Fleischmann den diesjährigen Hausorden. Bürgermeister Norbert Winterstein stieg in die Bütt und zeichnete das Hattersheimer Geruchsproblem auf. Im Westen die Müllgrube, im Süden Sarotti und die Schweinezucht der Farbwerke, im Osten die Farbwerke, im Norden der Rosenduft und in der Erbsengasse der Duft von Mäusen und Hasen der Tierzuchtanstalt der Farbwerke. Darüber hinaus glossierte er auch die kommunale Verbundenheit der Gemeinde untereinander. Oberbüttenrat Jupp Jost meinte ?es wird alles besser? und  dann zündeten Geistesblitze aus der Bütt.
Nochmals erfreute das Ballett mit einem Stocktanz, und der Sitzungspräsident nahm Gelegenheit, den Leiterinnen Elfriede Hohler und Erika Weigel herzlichen Dank zu sagen mit einem Blumengruß und Pralinenkasten. 20 Jahre in der Bütt schilderte G. Zeier. Für ihn gab?s keine Probleme, wenn es gar nicht mehr anders ging, dann kam ?die Gießkann her un Wasser druff?. ?Die Fassenacht bei uns?, ein von Seppel Gleichauf verfasstes Lied wurde gesungen und dabei kräftig mitgeschunkelt. Was ?der erste Kunde? bei der Massa-Eröffnung alles erlebte, davon wusste Hans Schuch zu berichten. Vollbepackt mit allen Dingen des täglichen Bedarfs, Kinderspielsachen und Kleider, so betrat er die Bütt und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Den Abschluss des Programms bildeten ?die Hippies? mit Josef Wiendl, Willi Britsch und Hans Günter Bergmann. Die große Weltpolitik, die Bonner Politik, Mondflug, Flugzeugentführer, alles wurde angeprangert, aber auch örtliche Probleme waren vertreten auf der bunten Palette. Am Ende wurde Zugabe gefordert, die mit dem Lied ?Eh Bierche, eh Bierche ? auch gewährt wurde. Sitzungspräsident Hermann Jost dankte allen, die mithalfen, diesen Abend vorzubereiten und durchzuführen. Allen die gekommen waren und dem HCC einen Treuebeweis erbrachten und lud ein zur Fremdensitzung am Samstag, 31. Januar, ebenfalls wieder in der Narrhalla ?Zur Krone" sowie am Fastnachtdienstag zum großen Ausklang mit der Hauskapelle.

Vor 50 Jahren
Freitag, 29. Januar 1960
Bekanntmachung
Es besteht Veranlassung, nochmals darauf aufmerksam zu machen, dass die Müllgrube am Schießstand und an der Gänsweide polizeilich geschlossen sind. Da in letzter Zeit mehrmals Abfall auf den vorgenannten Müllplätzen abgeladen wurde, wird bei derartigen Zuwiderhandlungen Strafantrag gestellt, und die Ablader müssen den Abfall wieder abtransportieren. In diesem Zusammenhang wird nochmals an die Großmüllabfuhr erinnert, die jeden letzten Freitag im Monat stattfindet, wo alle sperrigen Abfälle außer Bauschutt abgefahren werden. Bei anfallendem Bauschutt, Erde usw. werden die Bauherren gebeten, sich mit dem Gemeindebauamt in Verbindung zu setzen, das evtl. Abladeplätze angeben wird.

Lokale Nachrichten
Am Sonntag stießen zwei Personenwagen, die beide auf der Mitte der Fahrbahn fuhren, an der Ecke Hauptstraße/Mainzer Landstraße frontal zusammen. Es entstand nur leichter Sachschaden. Beide Fahrer kamen mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung davon.

Krankenpflegeschule Hofheim
Am 1. April 1960 werden die Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth, die das St. Marienkrankenhaus in Hofheim leiten, eine Krankenpflegeschule eröffnen. Es ist die einzige Schule dieser Art im Main-Taunus-Kreis. Die entsprechenden notwendigen Genehmigungen sind bereits erteilt. Die Schülerinnen werden in dem neuen Personalhaus des Krankenhauses in schön gelegenen Zimmern wohnen und sich das theoretische Wissen um die Krankenpflege erarbeiten können. Die praktische Ausbildung für die Krankenpflege wird im Krankenhaus selbst unter Leitung der Herren Ärzte und der dortigen Ordensschwestern erfolgen. Junge Mädchen, die den Beruf der Krankenschwester wählen, bzw. die Krankenpflegeschule besuchen wollen, mögen ihre Bewerbung richten an das St. Marienkrankenhaus, Hofheim, Lindenstraße 10.

Mein Dorf im tiefen Schnee
(Bei dem Dorf, das der bekannte österreichische Dichter K. H. Waggerl hier beschreibt, handelt es sich um Wagrain, ein verträumtes Gebirgsdorf im Salzburger Land, das sich in den letzten Jahren zu einem bevorzugten Wintersportort entwickelt hat.)
Wenn ich klüger wäre, würde ich mich hüten, allzu laut das Lob meines Dorfes zu singen. Aber nun haben wir wieder Winter, der macht mich mitteilsam. Ich streune über die leeren Felder, der Föhnwind treibt mich vor sich her, und ich bin ganz allein, wie ich es anfangs war, als mich das Schicksal in diesen entlegenen Winkel verschlug. Damals, in meinen jungen Jahren, dachte ich, keinen Tag länger als nötig zu bleiben, und nun sind es vierzig Jahre geworden, und ich weiß noch immer nicht, wie es eigentlich zuging, dass hier meine Rastlosigkeit unmerklich zur Ruhe kam. Ähnlich mag es einem anderen Menschen ergangen sein, der vor mehr als hundert Jahren nicht weit von meinem Hause lebte, der Pfarrer Joseph Mohr. Er war schon in 14 Gemeinden unterwegs gewesen, eine Weile hatte er auch im lieblichen Salzburger Vorland, in Oberndorf, das Amt des Vikars versehen, wohlgelitten bei den Schifferleuten, aber nicht durchaus bei seinen Vorgesetzten. Denn Mohr war ein lebensfroher Bursche, ein Sänger und Musikant. Einmal geschah es dann, dass die Himmlischen auch einen nicht ganz Gerechten Wunder wirken ließen. Diese Geschichte ist oft erzählt worden: Wie eine arme Kirchenmaus ein Loch in den Lederbalgen der Orgel nagte, und wie, aus der Verlegenheit, die Christmette ohne Musik feiern zu müssen, und aus der schönen Eintracht zwischen dem Vikar und seinem Lehrerfreund Gruber unser innigstes Weihnachtslied ?Stille Nacht, heilige Nacht? entstand.
Im Winter verläuft sich das Gedränge, wehmütig sehe ich junges Volk am Fenster vorüber zum Skilift ziehen. Für mich sind das ferne Träume; jungfräulicher Schnee auf den Flanken der Berge, verschneiter Wald mit seinem Getier. Aber ich bin auch jung gewesen, freilich ohne zu ahnen, dass ich ein Teenager sei. Ich kannte noch etliche von den Männern, die die Kunst des Skilaufs im Gebirge erfunden haben, einer von ihnen war mein Vater. Am Samstag nach Feierabend schnallte er die Stiefel auf ein breites, vorn aufgebogenes Brett und fuhr damit, auf einen langen Stock gestützt, pfeilgeschwind zu Tal.
Manchmal, wenn ich abends den gewohnten Weg entlanggehe, ganz erfüllt von der nie versagenden Freude, die friedvolle Kontur der Berge um mich her zu sehen, manchmal treffe ich wohl einen fremden Menschen, der das auch sieht und zu reden anfängt, von seinem Traum, hier zu bleiben für immer. Wie ist das nur, denke ich dann, mit diesem verzauberten Dorf? Beim Kommen Gähnen, beim Gehen Tränen.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 3 vom 21. Januar 2010

Vor 25 Jahren
Montag, 14. Januar 1985
Hattersheim baut Schulden ab
HATTERSHEIM (pm) - Die Mitte der ersten Amtszeit von Alfred Schubert als Bürgermeister nimmt SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Franssen zum Anlass, einen Rückblick auf die letzten drei Jahre zu geben. Mit besonderer Genugtuung weist Franssen darauf hin, dass in diesem Zeitraum die städtischen Schulden von 26,8 auf 24,3 Millionen Mark abgebaut wurden. Dieser Schuldenabbau um rund 2,5 Millionen sei umso bemerkenswerter, als in den letzten drei Jahren fast 25 Millionen in städtische Maßnahmen investiert worden sind. Als hervorragende Maßnahmen führte Franssen die Erweiterung des Kleingartengeländes, die Ortskernsanierung in Hattersheim, die Dorferneuerung für Eddersheim an. Mit besonderer Zufriedenheit wies der Fraktionsvorsitzende auf Investitionen in "seinem" Stadtteil Okriftel hin: Rekultivierung des Baggersees, Ausbau der Mainstraße, Gestaltung des Festplatzes. Große Bedeutung komme auch dem Erwerb des evangelischen Gemeindezentrums zu, da durch diesen Tausch die Einrichtung eines neuen Kindergartens und -horts sowie die Schaffung eines neuen Gemeinschaftshauses ermöglicht werde. Alle diese Maßnahmen seien nur durch die hohen Landeszuschüsse möglich geworden. Für 1984 habe der Finanzierungsanteil des Landes 20 Prozent für Investitionsmaßnahmen betragen.
Als besondere Aufgaben für die kommenden Jahre bezeichnete Franssen die Entlastung der drei Ortsteile vom Durchgangsverkehr und die Entlastung durch den neu entstandenen Fluglärm. (Auszug aus der Berichterstattung.)

Viel Schnee, viel Frost, viel Spaß!
HATTERSHEIM/OKRIFTEL - Ein schneereiches Wochenende mit starkem Frost lockte auch bei uns viele Kinder und Jugendliche zum Wintersport, wobei man gar nicht sehr weit zu fahren oder zu laufen brauchte. Wenngleich die Hänge für einen zünftigen Abfahrtslauf mit den Brettern in der Gemarkung fehlen, gibt's doch ein paar kleine Hügel zum Rodeln. Vor allem auf dem Rodelberg am Okrifteler Baggersee herrschte Hochbetrieb, und die Eisfläche auf dem See ist jetzt eine ideale Schlittschuhbahn, wo auch Eishockey gespielt wird, wie auf einem der Bilder zu sehen. Auch der Hattersheimer Weiher lockte viele zum Schlittschuhlaufen. Die Meteorologen kündigen weitere Schneefälle an, bei leicht ansteigenden Temperaturen.

Vor 40 Jahren
Dienstag, 20. Januar 1970
Jahresbericht 1969 der Feuerwehr
Es ist ein guter Brauch, dass der Vorstand eines Vereins jeweils zu Beginn eines neuen Jahres in der Jahreshauptversammlung einen Tätigkeitsbericht gibt. Die Mitglieder des Vereins haben dann die Möglichkeit, ihr Ja-Wort zu diesem Bericht zu geben oder aber, wenn notwendig, Kritik zu üben.
Einsätze der Wehr: 45 Einsätze mit 2808,5 Einsatzstunden, das ist die Bilanzzahl für das Jahr 1969. Davon seien nur erwähnt der Brand in der Wellpappe in der Zeit vom 8. bis 15. April mit einer Stundenleistung der Hattersheimer Wehr von 2200; zehn Einsätze waren es wieder zur Brandbekämpfung in der Müllgrube mit 374 Einsatzstunden, und neunmal wurde die Wehr zum Kellerpumpen gerufen. Würden diesen Einsatzstunden noch die Stundenzahl der Aufwandszeit für das Üben an den Geräten, die Pflege und das Reinigen mit 3260 Stunden zugeschlagen, wäre die Zahl von 6068,5 Stunden erreicht. Die Fahrzeuge können eine Gesamteinsatzzeit von 834,75 Stunden aufweisen, dazu kommen 158,5 Stunden Benutzungszeit während der Übungsstunden, insgesamt 993,25 Stunden.
Folgende Veranstaltungen wurden durchgeführt: Familienabend und Maskenball im Pfarrheim St. Barbara, Festveranstaltungen im Zelt vom 1. bis 9. Juni 1969 mit Beat-Nachmittag, Festkommers, Bunter Abend mit Roberto Blanco und Angelina Monti, Festzug am Sonntag und zum Abschluss Frühschoppen und Kinderfest, Kameradschaftsabend im Terrassenrestaurant, Schießen und Skat um den Weihnachtsbraten, Kinderweihnachtsfeier. 1969 wurden abgehalten: Generalversammlung, elf Versammlungen, davon eine am Tag des 60. Gründungstag der Wehr im Gasthaus "Zum grünen Baum", sowie 22 Übungen der Gesamtwehr. Der Vorstand traf sich zu 14 Vorstandssitzungen. Im Rahmen der Festveranstaltungen wurde eine Übung am kleinen Hochhaus durchgeführt. Hierbei waren Landesbranddirektor Achillis und Kreisbandinspektor Mauer zugegen und gaben dem Übungsablauf die Gesamtnote "Gut". Kreisbrandinspektor Mauer rief die Wehr mit den Nachbarwehren zu einer Bezirksalarmübung.
1968 besuchten neun Kameraden den Grundlehrgang der Feuerwehrschule in Hofheim, Ortsbrandmeister Jakob Jost besuchte einen Gruppenführer- und Ortsbrandmeisterlehrgang in Kassel. Polizeioberkommissar Reindl hielt im Rahmen einer theoretischen Übung einen Vortrag über § 48 der Straßenordnung, den Bußkatalog und zeigte im Anschluss eine Diaserie "Deutliches Fahren". Der Übungsbesuch in 1969 mit 64,8 Prozent stellt keineswegs zufrieden. Der Vorstand sah sich veranlasst, fünf Kameraden aus der Wehr auszuschließen, und zwei Kameraden erklärten ihren Austritt. Es wurde versucht, das Übungsprogramm abwechslungsreich zu gestalten und vor allem den neuesten Erkenntnissen der modernen Brandbekämpfung anzupassen. Leider ist es so, dass durch Säumige der ordentliche Übungsablauf stark gehemmt wird und es fast unmöglich ist, dadurch die gesteckten Ziele eines Übungsplanes durchzubringen.
Mitgliederstand und Mitgliederbewegung: Wieder ist es möglich, wie in den vergangenen Jahren, von einer steigenden Mitgliederzahl zu sprechen.Mit zehn Neuzugängen bei der aktiven Mannschaft konnte trotz sieben Abgängen die Zahl der Aktiven auf 53 gesteigert werden. Die Zahl der Ehrenmitglieder bleibt bei sechs, nachdem für den verstorbenen Ehrenbrandmeister Adam Hieronymi Karl Nink zum Ehrenbrandmeister ernannt wurde. In der passiven Abteilung sind zwei Todesfälle zu verzeichnen, weiterhin sind drei Mitglieder von Hattersheim fortgezogen, und ein Mitglied erklärte seinen Austritt. Die Zahl der Neuzugänge beträgt hier 39 und einen Übertritt von der aktiven zur passiven Abteilung.
Die Wehr besuchte die Wehren Schwanheim und Mammolshain zu deren Jubelfesten. An den Sitzungen des Kreisverbands nahm der Ortsbrandmeister jeweils mit einer Abordnung teil. Die Sitzungen des Vereinsrings wurden besucht und die Wehr stellt in diesem Jahr den Zweiten Vorsitzenden mit Georg Polgar. Zum Martinszug der katholischen Pfarrgemeinde stellte die Wehr eine Abordnung zum Brandschutz. Die Wehr nahm eine Besichtigung des Massa-Marktes am Folgetag der Eröffnung vor und lernte die dortige Feuerlöscheinrichtung kennen.

Tunnelbau für S-Bahn hat begonnen
Für den Bau der Frankfurter S-Bahn, der vor einem Jahr begann und bisher 35 Millionen DM kostete, wurde am Montag 20 Meter unter dem Weichenfeld des Hauptbahnhofs der Start für den Schildvortrieb von vier Tunnelröhren von 1450 Meter Länge gegeben. Bundesbahnpräsident Oefterering setzte die Anlage mit einem Knopfdruck in Bewegung. Verkehrsminister Georg Leber, der ursprünglich seine Teilnahme an dieser Bauetappe zugesichert hatte, musste kurzfristig absagen. Die Umstellung der Nahverkehrsstrecken auf das S-Bahnnetz einschließlich einer 6,2 Kilometer langen Tunnelstrecke durch die Frankfurter Innenstadt soll rund eine Milliarde DM kosten. Die erste Baustufe für die S-Bahn soll bis 1976 vollendet sein. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen S-Bahn-Züge aus dem westlichen Einzugsbereich, vor allem den Taunusorten, bis zur Hauptwache führen.
Gleichzeitig mit der S-Bahn wird seit April 1969 in Frankfurt die Flughafenbahn gebaut, die bisher Baukosten von 12 Millionen DM erforderte. Für den Tunnelbau der S-Bahn wurde ein halbmechanischer Schildvortrieb gewählt. Die durch den Schild aufgefahrene Röhre wird mit gusseisernen Ringen mit einem Außendurchmesser von knapp sieben Metern ausgekleidet. Die Sohle der Schildröhren liegt mit ihrem tiefsten Punkt etwa 20 Meter unter der Oberfläche und damit im Grundwasser. Deshalb werden entlang der Schildröhren 82 Brunnen gebaut, aus denen dieses Grundwasser abgepumpt wird.
Für das laufende Jahr sind als Bauvolumen für die S-Bahn 71 und für die Flughafenbahn 25 Millionen DM vorgesehen. Im Bereich des Hauptbahnhofs sollen allein 32 Millionen DM verbaut werden. Für den Tunnelbau der S-Bahn muss möglicherweise ein Teil der Nordflügel des Bahnhofsgebäudes vorübergehend abgetragen oder durch Gewölbe und Stützen abgefangen werden. Die ?Limesbahn?, die gleichzeitig mit der S- und Flughafenbahn entsteht, soll in diesem Jahr bis Schwalbach betriebsfertig, der unterirdische Flughafenbahnhof im Rohbau vollendet werden.

Vor 50 Jahren
Samstag, 23. Januar 1960
Haushaltssumme des Kreises auf über 17 Millionen Mark erhöht
Nach den Prognosen von Landrat Dr. Wagenbach bei der Beratung des Haushaltsplans für das Rechnungsjahr 1959 im Frühjahr des vergangenen Jahres stellte der nunmehr vorliegende Entwurf des Nachtragsetats eine Überraschung dar. Denn  die wenigsten waren darauf gefasst, dass man im ordentlichen Teil mit 301.950 DM und im außerordentlichen Teil mit 153.189 DM Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben rechnen konnte, so dass erfreulicherweise in diesem Rechnungsjahr noch allerhand getan werden kann. Überdies bedeutet die  Erhöhung der gesamten Haushaltssumme auf 17.450.000 DM ein Zeichen für die anhaltende Aufwärtsentwicklung auf dem Gebiete der Kreisfinanzen, und es kann der Kreisverwaltung zugute gehalten werden, wenn nun durch Bereitstellung ordentlicher Mittel der Betrag der Darlehensaufnahmen um 43.000 DM auf l.765.000 DM vermindert wird. Im ordentlichen Etat hat der Anstieg der Baugenehmigungsgebühren von 203.000 auf 295.000 DM Mehreinnahmen von 92.000 DM zur Folge. Der Grunderwerbsteuerzuschlag verzeichnet ein Mehr von 61.693 DM. Vertragsabgabe und Dividende der Mainkraftwerke sind um 43.800 DM höher aufgefallen, Zinseinnahmen und Darlehenshypotheken, ferner hohe Zuschüsse für Gesundheitsdienst und Fürsorge vervollständigen die Einnahmeseite, die sich beim außerordentlichen Etat vornehmlich aus Anteilbeträgen des ordentlichen Haushalts und einem Landeszuschuss für das Kreisjugendheim ergibt. Für den Bau und die Unterhaltung von Kreisstraßen waren ursprünglich 250.000 DM veranschlagt, die nunmehr um 110.000 auf 360.000 DM erhöht werden können. Außerdem hat man in erster Linie das Kreisaltersheim mit Neuanschaffungen und Zuwendungen für hilfsbedürftige Insassen ins Auge gefasst, nachdem die Heimerweiterung einen Mehrbetrag von 34.500 DM erfordert und im außerordentlichen Etat ihren Niederschlag gefunden hat. Mehrausgaben sind auch für Neuanschaffung von Geräten und Ausstattungsgegenständen für den Gesundheitsdienst und für Mutterschafts-, Säuglings- und Kleinkinderpflege vorgesehen. Besondere Aufmerksamkeit hat im Nachtragsetat Jugend und Sport gefunden, wurde doch einmal für die Anlage eines Spielplatzes 5000 DM neu angesetzt und die Zuschüsse zur Sportpflege um 700 DM erhöht. Im außerordentlichen Etat ist nun die Erweiterung des Kreisverwaltungsgebäudes mit 60.000 DM eingeplant. Die zuerst vorgesehene Summe von 45.000 DM für den Ausbau des Kreis-Jugendheimes konnte auf 122.000 DM erhöht werden. Der Gesamtbetrag der Darlehen wird nun mit l.525.000 DM zum Neubau des Kreisgymnasiums in Hofheim, mit 60.000 DM für die Inneneinrichtung der Kreisberufsschule und mit 180.000 DM für den Ausbau der Kreisstraßen verwendet. Der Kreisausschuss hat dem Kreistag vorgeschlagen, den Nachtragshaushalt in dieser Form festzustellen und zu beschließen und man kann erwarten, dass die erforderlichen Beschlüsse ohne wesentliche Abänderungen gefasst werden.

Erika Kunz


Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 2 vom 14. Januar 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 10. Januar 1985
Eindrucksvolle Bilanz der Diakoniestation
Seit zwei Jahren arbeitet nun die Diakoniestation für Hattersheim und Kriftel mit sieben examinierten Krankenschwestern. Und die Leistungsbilanz ist durchaus eindrucksvoll. Dennoch hat man manchmal den Eindruck, dass diese Einrichtung immer noch nicht genug ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist. Das wesentliche Aufgabengebiet der Sozialstationen liegt in der Kranken- und Altenpflege. Sozialstationen führen meistens ärztlich verschriebene Behandlungspflege zur Vermeidung von Krankenhausaufenthalten oder zur Sicherung der ärztlichen Behandlungen aus. Diese Leistungen können mit den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden. Die Sozialstationen werden vielfach unterstützt und ihr Angebot ergänzt durch mobile Hilfsdienste, die überwiegend häusliche Verrichtungen wie Reinemachen, Einkaufen, aber auch Pflegehilfsdienste leisten. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die Pflege zu Hause erhalten, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Neuesten Untersuchungen zufolge hat sich dies zwangsläufig aus dem außergewöhnlichen Zuwachs an pflegebedürftigen alten Menschen ergeben aufgrund des veränderten Altersaufbaus der Gesellschaft. Für die Zunahme der pflegebedürftigen Menschen im hohen Alter stehen immer weniger Personen zur Verfügung, die Pflegeleistungen überhaupt erbringen können, denn die Einwohnerzahl ist bei den jüngeren im Verhältnis zu den älteren von 1950 bis heute nur unwesentlich gestiegen. Daneben beeinflussen weitere Entwicklungen den Kreis der Personen, die tatsächlich Pflegemaßnahmen übernehmen können. Deutlich wird das auch an der Tendenz zur Abnahme von Mehrpersonenhaushalten hin zu Zwei- und Einpersonenhaushalten und damit das Auseinandergehen von Familienverbänden.
Die ambulanten Sozialstationen sollen weiter ausgebaut werden. Für Hattersheim und Kriftel ist der ambulante Pflegedienst durch die ökumenische Diakoniestation gewährleistet. Mit sieben ausgebildeten Fachkräften steht pro 5000 Einwohner etwa eine Fachkraft zur Verfügung. In Kriftel verrichten zwei Schwestern ihren Dienst. In den jetzt 24 Monaten seit der Dienstübernahme durch die Station haben die Schwestern viele Menschen betreut, die ohne diese Hilfe nicht mehr auskommen können. Leitende Schwester ist Dorothea Bransch (Okriftel). Zum Dienstleistungsangebot der ökumenischen Diakoniestation gehören das Betreuen von alten und gebrechlichen Menschen, die medizinische Pflege von Kranken, auch schwerkranker Patienten, Anlegen von Verbänden, Anwenden von Medikamenten und Abreichen von Spritzen, hygienische Pflege durch Waschen, Bettenherrichten, Beratung und sachkundige Anleitung zur Pflege, Schulung in der häuslichen Krankenpflege durch Seminare für jedermann sowie das leihweise Überlassen von Hilfsmitteln wie Pflegebetten und Krankenstühlen.
Die Evangelische Landeskirche in Hessen und Nassau sowie die Stadt Hattersheim und die Gemeinde Kriftel finanzieren die Station, die pro Jahr über eine halbe Million Mark kostet. Kirche und Kommunen teilen sich die ungedeckten Kosten im Verhältnis von einem zu zwei Dritteln. Stattlich ist mittlerweile auch die Summe, die der Förderverein für die Station aufzubringen in der Lage ist. Die mittlerweile über 1100 Mitglieder konnten 1984 mit immerhin 66.000 Mark zur Betriebskostenabdeckung beitragen. (Auszüge aus der Berichterstattung.)

Vor 40 Jahren
Freitag, 16. Januar 1970
Närrische Kampagne beginnt
Die hingebungsvolle Arbeit der Aktiven des Hattersheimer Carneval-Club (HCC) zur Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen, leider recht kurzen Fastnachtskampagne ist zwar seit längerer Zeit im Gange, doch jetzt ist ein vorläufiger Höhepunkt erreicht, von dessen Warte sich erkennen lässt, dass die bewährten Akteure des HCC wohlgerüstet sind, um der Bevölkerung von Hattersheim fastnachtliche Leckerbissen zu servieren. Die Aktiven sind bestens vorbereitet, um kleine und große Geschehnisse aus Hattersheimer Sicht zu skizzieren und zu glossieren. Der schönste Lohn für alle die selbstlos übernommenen Mühen wäre allerdings, wenn recht viele Hattersheimer und Freunde der Fastnacht zu den Veranstaltungen des HCC kommen würden, um so den Karnevalisten ihre Referenz zu erweisen. Der unmittelbare Kontakt zu den Narren der Bütt, das Erlebnis ungetrübter Freude in froher Gesellschaft lässt sich nicht am Fernsehschirm erleben. Selbst dabei zu sein, mitzusingen und mitzuschunkeln wird zum unvergesslichen Erlebnis.
Der HCC weist besonders auf die zwei herausragenden Veranstaltungen dieser Kampagne hin, die Galasitzung am 24. und die Fremdensitzung am 31. Januar um 20.11 Uhr in der bewährten Narrhalla ?Zur Krone". Der Vorverkauf für die begehrten Einlasskarten findet bei Schreibwaren Ludwig Schwärzel, Schulstraße 2, statt. Im weiteren Verlauf der Kampagne veranstaltet der Club die traditionelle Erstürmung des Rathauses am Fastnachtssamstag, 7. Februar, um 10.11 Uhr und den närrischen Frühschoppen mit dem Ehrensenat am Fastnachtssonntag im Terrassenrestaurant. Es folgen am Fastnachtsdienstag das beliebte Kindermaskenfest in der "Krone" und in der gleichen Narrhalla abends der närrische Ausklang. Masken und Kostümierte werden das bunte Treiben wirkungsvoll beleben. Der "Hattersheimer Anzeiger" wünscht dem HCC viel Erfolg und allen Fastnachtsnarren Spaß an der Freud. Ha-Hei!

Bedeutung der Stadtrechte gestern und heute
Im letzten Jahr besuchte der damalige Staatssekretär Hemfler vom Hessischen Innenministerium Hattersheim und erklärte, die Gemeinde habe berechtigte Aussichten auf Verleihung der Stadtrechte. Die Stadtrechte sind also nicht fern, deshalb möchten wir nochmals auf deren Bedeutung hinweisen: Über die Bezeichnung "Gemeinde" und "Stadt" bestehen in weiten Kreisen der Bevölkerung erhebliche Unklarheiten. Oft wird vermutet, dass Stadtrechte mit höheren Steuern und Abgaben bzw. allgemein größeren Belastungen für die Bürger verbunden seien. Es sei gleich zu Beginn dieser Ausführungen deutlich gesagt: Was die finanziellen Belastungen anbetrifft, besteht kein Unterschied zwischen einer Gemeinde und einer Stadt. Stadtrechte haben in unserer Zeit nur noch einen symbolischen Charakter. Die Ortsparlamentarier, die in einer Gemeinde "Gemeindevertreter" genannt werden, heißen in der Stadt "Stadtverordnete" und der "Gemeindevorstand" der Gemeinde hat bei einer Stadt die Bezeichnung "Magistrat"; die Mitglieder des Magistrates werden "Stadträte" genannt.
Deutschlands kleinste Stadt ist Hauenstein bei Säckingen; es zählt nur 180 Einwohner. Zu Hessens kleinster Stadt Fürstenberg gehören 400 Einwohner. Hürth in Nordrhein-Westfalen mit 46.000 Einwohnern besitzt die Stadtrechte nicht und ist eine Gemeinde. Viele Städte haben ihre Bezeichnungen schon seit vielen Jahren, z. B. Hofheim seit 1352; andere erhielten sie erst in neuer Zeit, z. B. Rüsselsheim 1937. Es liegt jedoch nicht an der Einwohnerzahl, b ein Ort Stadt oder Gemeinde ist. Auch ist das Alter eines Gemeinwesens nicht ausschlaggebend. Vielmehr müssen gewisse strukturelle Voraussetzungen gegeben sein.
Stadtrechte gehen oft auf alte Privilegien zurück, die vom Kaiser, den Königen und Fürsten verliehen wurden. Mit ihnen waren früher wichtige Vorteile verbunden: Gerichtsbarkeit, Münze, Befestigung und eine organisierte Bürgerschaft, die sich in Lebenshaltung und Wirtschaftsform von den Landbewohnern unterschied. Bei den Städten kannte man im Mittelalter kleine Städte, die meist dem jeweiligen Landesfürsten gehörten, und freie Reichsstädte, die direkt dem Kaiser untergeordnet waren. Mit der preußischen Städteordnung des Freiherrn vom Stein von 1808 begann in Deutschland die kommunale Selbstverwaltung der Städte. Erst durch die Weimarer Verfassung von 1919 erhielten auch die Gemeinden und Gemeindeverbände das Recht der Selbstverwaltung.
Die Statistik unterscheidet heute: Landstädte 2000 bis 5000, Kleinstädte 5000 bis 20.000, Mittelstädte 20.000 bis 100.000, Großstädte 100.000 bis eine Million und Weltstädte über eine Million Einwohner. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgt in Hessen heute durch die Landesregierung. Im §13 der Hessischen Gemeindeordnung heißt es: "Die Bezeichnung Stadt führen die Gemeinden, denen diese Bezeichnung nach dem bisherigen Recht zusteht. Die Landesregierung kann die Bezeichnung Stadt an Gemeinden verleihen, die nach Einwohnerzahl, Siedlungsform und Wirtschaftsverhältnissen städtisches Gepräge tragen." Es kommt demnach auf das Gepräge, die strukturelle Zusammensetzung und auf die Einwohnerzahl an. Wenn diese Grundbedingungen erfüllt sind, kann auf Antrag einer Gemeinde die Stadterhebung erfolgen. Sie wird heute nur dann ausgesprochen, wenn der überwiegende Teil der Bewohner und ihre Betriebe auf Industrie, Handel und Gewerbe entfallen, wenn landwirtschaftliche Betriebe auf den Ortsrand beschränkt bleiben, der Ortskern dicht bebaut ist und das Bild einer Stadt angenommen hat. Die entsprechende Größe ergibt sich durch den Ausbau von Industrieniederlassungen, die größere Beschäftigungszahlen bedingen, die sich in der Gesamteinwohnerzahl bemerkbar machen.

Grippespritzen vorerst nicht kostenlos
Mitglieder von Krankenkassen können vorerst nicht damit rechnen, dass sie sich auf Kosten der Kasse vorbeugend gegen Grippe impfen lassen können. Das teilte der parlamentarische Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium, Rohde, am Mittwoch in der Fragestunde des Bundestages mit. Rohde erklärte, es sei noch nicht erwiesen, ob die kostenlose Bereitstellung von vorbeugenden Grippespritzen durch die Krankenkassen billiger komme als die finanziellen Aufwendungen für an Grippe erkrankte Kassenmitglieder. Die wirtschaftliche Effizienz müsse eingehend geprüft werden. Eine Sachverständigenkommission berate gegenwärtig ohnehin einen Ausbau der Krankenversicherung im Sinne vorbeugender Leistungen.

Vor 50 Jahren
Freitag, 15. Januar 1960
Abschied von Ehrenbürger Riggenbach
In einer eindrucksvoll vorbereiteten Feierstunde verabschiedete sich am Samstag die Gemeinde Hattersheim unter Beteiligung des Gemeindevorstands, der Gemeindevertretung, der Vereinsvorstände und der Vertreter der örtlichen Industrie von ihrem Ehrenbürger, dem ehemaligen Generaldirektor der Sarotti AG, Generalkonsul Hans Riggenbach. Riggenbach wird Hattersheim am 18. Januar 1960 verlassen, um sich vorläufig in Wiesbaden niederzulassen. In anerkennenden Worten würdigte Bürgermeister Winterstein das segensreiche Wirken und das tiefe Verständnis Riggenbachs für die Gemeinde. Was seine Verdienste um Hattersheim besonders präge, sei sein einer tiefen Menschlichkeit entspringendes Verständnis für seine Umwelt und seine daraus resultierende Unterstützung des Allgemeinwohls. So habe sich Riggenbach schon frühzeitig als Förderer des Wohnungs- und Siedlungsbaus gezeigt. Beim Bau der neuen Schule sei er der Gemeinde mit einer großzügigen Unterstützung hilfreich zur Seite getreten. Beide in Hattersheim bestehenden Kindergärten verdankten seiner Hilfe vieles. Im Bereich der Ortsverschönerung werde der Steg, welcher Schwimmbad und Sportplatz verbinde. stets an Riggenbach erinnern. Auch beim Bau von Schwimmbad und Sportplatz habe Riggenbach ein beispielhaftes Verantwortungsgefühl für das Gesamtwohl der Bürger entfaltet und bei deren Erstellung und Pflege der Gemeinde in anerkennenswerter Weise geholfen. Die Verbundenheit Riggenbachs mit der Vereinswelt belegte Bürgermeister Winterstein durch einige erheiternde Anekdoten.
Winterstein hob sodann die Offenheit hervor, mit der die zwischen Gemeinde und Sarotti auftretenden Probleme bereinigt wurden und stellte fest, dass es hierbei in keiner Phase zu irgendwelchen Spannungen gekommen sei. Der Bürgermeister dankte Riggenbach für dessen manchmal geradezu väterlich gemeinten Ratschläge. Mit Riggenbachs Ausscheiden habe eine segensreiche Epoche für Hattersheim ihr Ende gefunden, eine solche werde sich wohl niemals wiederholen. Damit, so sagte Winterstein, wolle er keine Prognose stellen, seine Feststellung sei lediglich aus der Vergangenheit motiviert. Er hoffe vielmehr, dass der neue Vorstand ebensoviel Bürgersinn zeige wie Generalkonsul Riggenbach. Dieser habe das Prinzip der klassischen Nestle-Schule vertreten, das da laute: Nicht nur Geld verdienen, sondern auch seinen Mitmenschen helfen. Im Namen der SPD-Fraktion sprach Fraktionsvorsitzender Anthony, für die CDU der Fraktionsvorsitzende Göbel anerkennende Worte. Für die Vereine sprach der Vorsitzende des Vereinsrings, Burkhardt.
Sodann ergriff Generalkonsul Riggenbach das Wort. Er schilderte in kurzen Zügen sein Wirken in den 15 Nachkriegsjahren, die er in Hattersheim verbrachte und hob dabei die sich steigernde Bedeutung des Hattersheimer Werks hervor, nachdem der Rückweg nach Berlin abgeschnitten war. Riggenbach wies sodann auf das gute Einvernehmen mit der Gemeinde und deren Führung hin, dankte der Gemeinde noch einmal für die durch die Ehrenbürgerschaft zuteil gewordene Ehre und sagte, dass er sehr stolz darauf sei. Da er in den vielen Jahren seines Aufenthalts selbst Hattersheimer geworden sei und die Gemeinde zu schätzen gelernt habe, werde er ihr nicht endgültig Lebewohl, sondern lediglich ein "Wiedersehen" sagen.

Hattersheimer Kreuz freigegeben
Die Straße Hattersheim-Hofheim, die seit jeher die B 40 kreuzte, die heute Rhein-Main-Schnellweg genannt wird (Anm.: noch bevor daraus die A66 wurde), wurde dem neuen Verkehrssystem der Sicherheit angepasst und in einer eleganten Überführung (Anm.: auch diese ist bereits Geschichte) für den Verkehr freigegeben. Eine große Gefahrenquelle wurde damit beseitigt.
Seit zwei Monaten flutet der Verkehr der Landstraße Hattersheim-Hofheim bereits über die neu geschaffene Brücke, und nun ist auch die Verbindung zwischen den sich kreuzenden Straßen durch zwei Viertelkleeblätter hergestellt. In weitem Bogen fügen sich die Ausfahrt von Frankfurt und die Einfahrt nach Wiesbaden in den Straßenwinkel, in dem der Krifteler Ortsteil Beyerbach liegt. Im gegenüberliegenden Winkel ist die Abfahrt von Wiesbaden und Zufahrt nach Frankfurt geschaffen, deren Mündung allerdings zunächst provisorisch ausgebaut ist. weil die Fahrbahn des Rhein-Main-Schnellweges auf dieser Seite noch erneuert werden muss. Für die Industrie von Hattersheim und Okriftel werden die Wege erheblich verkürzt und erleichtert. Auch der Verkehr der Krifteler Markthalle, des Fremdenverkehrs und des Sarotti-Schwimmbads haben ihren Nutzen von dem neuen Straßenanschluss.

Erika Kunz

 


 

Hattersheimer Stadtanzeiger Nr. 1 vom 7. Januar 2010

Vor 25 Jahren
Donnerstag, 3. Januar 1985
Märchenhaftes Mondjahr hat begonnen
HATTERSHEIM/FLÖRSHEIM (wr) - Der Jahreswechsel ist Anlass, nicht nur Rückblick zu halten, sondern auch eine Vorschau zumindest zu versuchen. Wir sind keine Hellseher und haben auch keinen solchen befragt, was uns das Jahr 1985 bescheren will, aber wir können hier dennoch auf einiges hinweisen, was uns im neuen Jahr bevorstehen wird. Astrologisch betrachtet ist das Jahr 1985 ein "Mondjahr". Obgleich der Mond kein Planet, sondern nur der Trabant der Erde ist, wird er von den Astrologen zu jenen Himmelskörpern gezählt, die angeblich das Schicksal des Menschen mitbestimmen. Die Sterne, so sagen sie, machen geneigt, sie zwingen aber nicht.
Das Mondjahr hat allerdings noch nicht mit dem 1. Januar begonnen. Der Mond übernimmt seine Aufgabe erst am 20. März. Falls er auch Wahlen beeinflussen kann, tritt er für die hessischen Kommunalwahlen zu spät in Aktion, denn die sind bereits am 10. März. Zumindest in Hattersheim könnten diese Wahlen auf kommunalpolitischer Ebene einiges verändern, weil hier erstmals die Grünen kandidieren werden. In Flörsheim hingegen rechnet man nicht mit einschneidenden Veränderungen, weil sich hier die CDU auch nach dem 10. März ihrer absoluten Mehrheit ziemlich sicher ist. Und wenn eine Partei die absolute Mehrheil hat, gucken die anderen bekanntlich in den Mond.
Womit wir wieder bei der Astrologie wären. Die Astrologen berechnen ihre Schicksalskurven nach dem Geburtszeitpunkt und können auf diese Weise auch etwas für die Bundesrepublik vorhersagen, indem sie von deren Geburtsstunde am 23. Mai 1949 um 17 Uhr ausgehen. So konnten sie für die Bundesrepublik im Jahr 1985 durchaus günstige Konstellationen feststellen. Die allgemeine, wie auch die wirtschaftliche Situation werde sich stabilisieren, und die Mark werde wieder an Wert gewinnen. Politische Spannungen würden gelöst. Ein Krieg - auch ein Krieg der Sterne - dürfte also im Mondjahr 1985 unwahrscheinlich sein. Und wie wird das Wetter? Obzwar die Meteorologen bestreiten, dass Mond oder Planeten einen Einfluss auf unser Wetter haben können, steht fest, dass mit dem Mondwechsel oft genug ein Wetterwechsel verbunden ist. Schauen wir also mal nach, was der Verfasser des ?Hundertjährigen Kalenders?, der Abt von Langenheim, Mauritius Knauer, der sein Wetter nach dem Stand der Planeten berechnete, für 1985 vorherzusagen hat: Seiner Ansicht nach wird das Wetter in Mondjahren vom Sommerwetter im Venusjahr bestimmt, das zwei Jahre zuvor war. War es ein schöner Sommer im Venusjahr, dann wird der Sommer im Mondjahr feucht und regnerisch bis in den August hinein, meint der Abt. Was aber hatten wir 1982? Einen schönen Sommer, geradezu einen "Bilderbuchsommer", Das sind  freilich keine guten Aspekte für 1985. Mancher sei damit getröstet, dass man den Hundertjährigen Kalender auch als reines Märchenbuch betrachten kann und dennoch ein schönes Sommerwetter zu erhoffen ist.

Nostalgie und Märchen
1985 ein Märchenjahr? Immerhin wird man in diesem Jahr der bekannten Gebrüder Grimm besonders gedenken. Denn schon morgen, am 4. Januar, sind es genau 200 Jahre her, dass Jacob Grimm in Hanau geboren wurde, der zusammen mit seinem Bruder Wilhelm die berühmten Märchensammlungen herausgab. Das Märchenerzählen ist vielerorts außer Mode gekommen, seit den Kindern das Sandmännchen via Fernsehen ans Bett gebracht wird und die Großmütter als Märchenerzählerinnen den Kleinen kaum noch zur Verfügung stehen, weil Enkel und Großeltern getrennt wohnen, oft sehr weit auseinander. Doch im Zeichen einer wachsenden Hinwendung zur Nostalgie setzen die Märchenbücher in den Regalen der Buchhandlungen nur selten Staub an. Und in diesen Tagen, da man sich der Brüder Grimm erinnert, werden ihre Märchen ganz besonders viel verlangt. Das Fernsehen scheint allerdings den 200. Geburtstag von Jacob Grimm vergessen zu haben. Nichts "Grimmiges" ist am morgigen Freitag im Programm zu finden. Hingegen steht das Abendprogramm im Ersten im Zeichen des 50. Geburtstags von Elvis Presley.
Und weil wir gerade bei Musikern sind, seien auch die runden Geburtstage beliebter Komponisten im Jahr 1985 erwähnt. Der älteste ist Heinrich  Schütz, geboren 1585, also vor nunmehr 400 Jahren. Er dürfte vor allem den Liebhabern von Kirchenmusik bekannt sein. Hundert Jahre später, nämlich 1685, erblickten gleich drei namhafte Komponisten das Licht der Welt: in Eisenach am 21. März Johann Sebastian Bach, in Halle am 23. Februar Georg Friedrich Händel und in Neapel am 26. Oktober Domenico Scarlatti. Und auch des Komponisten Alban Berg wird man in diesem Jahr besonders gedenken. Er wurde am 9. Februar 1885 in Wien geboren. Aus Anlass dieser Geburtstage wurde das Jahr 1985 zum "Europäischen Jahr der Musik" erklärt.

150 Jahre Eisenbahn
Einen runden Geburtstag aber feiert in diesem Jahr auch die deutsche Eisenbahn. Sie fährt zwar seit Jahrzehnten nur noch Defizite ein, aber sie scheint heute mit ihren 150 Jahren lebendiger denn je. Das Jubiläum ,,150 Jahre deutsche Eisenbahn? will man das ganze Jahr über feiern. Der Jubiläumstag ist der 7. Dezember. Am 7. Dezember 1835 morgens um 8 Uhr setzte sich in Nürnberg der erste deutsche Personenzug, angetrieben von einer Lokomotive namens "Adler", in Richtung Fürth in Bewegung. Hoffentlich war es kein allzu kalter Tag, sonst müssten die Passagiere in den teils noch offenen Waggons arg gefroren haben. Allerdings war diese erste Bahnstrecke nur ganze sechs Kilometer lang. Mit der Eisenbahn begann in Deutschland das so genannte Industriezeitalter. Bald strebte jeder Ort nach einem Bahnanschluss, und die meisten erhielten ihn auch.
Bereits 1838 wurde mit dem Bau der so genannten "Taunusbahn" begonnen, der Eisenbahnlinie zwischen Frankfurt und Wiesbaden, die zur zweiten in Deutschland werden sollte. Schon 1839 war die Strecke bis Hattersheim fertig, und nur noch ein weiteres Jahr brauchte man, um die ganze Strecke bis Wiesbaden im Dampfzug zurücklegen zu können. Der "Blitz", so hieß die Lokomotive, schaffte das in einer Fahrzeit von einer Stunde und 20 Minuten. In Hattersheim wird man also noch vier Jahre warten müssen, um das lokale Eisenbahnjubiläum feiern zu können, in Flörsheim noch ein Jahr länger. Immerhin kann man hier wie dort schon mal das große Jubiläum mitfeiern, das mit zahlreichen Ausstellungen verbunden sein wird.

Hattersheimer Jubiläen und Feste
In Hattersheim wird auch 1985 Grund genug zum Feiern sein. Als wichtigstes Vereinsjubiläum ist die 75-Jahr-Feier des SV Hattersheim zu nennen, die man im Spätsommer begehen will. Sehr viel früher, nämlich bereits am 13. Januar, will der Carnevalclub Mainperle Okriftel sein 25-jähriges Bestehen in kleinerem Rahmen feiern. Man hat sich allerdings vorgenommen, die ganze Kampagne über besonders aktiv zu sein. Da die Karnevalsaison zwei Wochen kürzer als im Vorjahr ist, wird man sich ein bisschen beeilen müssen.
Der WKV will in diesem Jahr sein I5-jähriges Bestehen besonders feiern. Darauf will man schon am kommenden Samstag beim Familienabend im Barbarahaus hinweisen. In Hattersheim wird man das Posthof- und Kirchweihfest wieder groß feiern, in Okriftel bereitet man sich bereits auf das Wäldchesfest vor, und Eddersheim rüstet zum dritten Fischerfest. Daneben will man jedoch auch bei der Eddersheimer Kerb besondere Akzente setzen. Zum Schluss seien noch die Kirchenwahlen in den evangelischen Gemeinden erwähnt, die im April anstehen. Sicher ist eins: Der "Hattersheimer Stadtanzeiger" wird auch 1985 genug zu berichten haben.

Vor 40 Jahren
Freitag, 9. Januar 1970
Carneval-Club Mainperle Okriftel
In diesem Jahr kann der CCM unter seinem Vorsitzenden Günther Tannenberger auf ein 10-jähriges Bestehen voll Frohsinn und guter Laune zurückblicken. Der Gedanke wurde 1960 bei einer Karnevalsveranstaltung im damaligen Pfarrsälchen geboren. Beim karnevalistischen und fröhlichen Beisammensein beschloss man, einen Karnevalclub zu gründen unter dem Namen Carneval-Club Mainperle Okriftel. 1961 war es dann soweit, öffentlich auftreten zu können. Als Kappenlokal hatte man den Saal der "Krone" ausgewählt. Mit viel Fleiß und karnevalistischem Können begann man die Saison und hoffte auf guten Zuspruch der Bevölkerung.
Das gute Abschneiden und der gute Besuch veranlassten alsbald, zwei Sitzungen im Jahr durchzuführen. Mit Pater Dahmen nahm 1964 der CCM einen gewaltigen Aufschwung und brachte gute Karnevalisten aus den eigenen Reihen hervor. So sind unter anderen aus dem damaligen Elferrat, der ein Durchschnittsalter von 18 Jahren hatte, noch heute Siggi Zaovaek, Siggi Walter und Günther Tannenberger dabei. Mit der Zeit legte sich der CCM mit seinen Senatoren eine bestimmte Repräsentanz aus Wirtschaft und Politik sowie aus dem pädagogischen Bereich zu. So fungiert als Präsident der Ehrensenatoren der Ausbildungsleiter und ehemalige Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, Gerhard Winter, über eine größere Anzahl von Mitgliedern, darunter Rektorin Winter, Bürgermeister Konrad Treber, Metzgermeister Richter, Karl Keller, Dr. Lutter, Peter Häuser, Klaus Mempel, Pater Dahmen und Bernd Beyer.
Der CCM sah sich verpflichtet, in diesem Jahr ein besonderes Jubiläumsprogramm zu bieten, und er hat sich sehr viel vorgenommen. Neben einer Anzahl Büttenredner in Solo und Zwiegespräch sind auch Auftritte besonderer Art geplant, die einen Besuch bestimmt lohnen werden. Die erste Sitzung ist am 10.1., die zweite Sitzung am 18.1., jeweils im Pfarrheim. Der Kostümball, der ebenfalls im Pfarrheim stattfindet, wird am 8.2. abgehalten. Die "Hattersheimer - Okrifteler Zeitung" wünscht dem närrischen Jubilar alles Gute mit einem kräftigen "Okriftel Helau".

Vor 50 Jahren
Freitag; 8. Januar 1960
Glückwunschkarten für alle Anlässe
100.000 Glückwunsch- und 80.000 Bildpostkarten verlassen täglich die Hattersheimer Firma Horn & Söhne. Die Zeit des großen Kartenverschickens ist gerade vorbei. Jeder verschickte an seine Freunde einige Karten mit Festwünschen zu Weihnachten und Glückwünschen zum Neuen Jahr. Jeder freute sich, einige solcher Karten zu erhalten. Sie sind der Beweis, dass ein nahestehender Mensch des anderen gedacht hat und die Karte ist ein willkommener Bote dieser Verbundenheit. Der Chef der Firma Horn & Söhne weist auf diese Eigenschaft seiner Produkte hin und spricht liebevoll von ihnen. Die Firma Horn & Söhne hat sich auf die Herstellung von Bildpost- und Glückwunschkarten spezialisiert. Wünsche zu Neujahr, zum "freudigen Ereignis", zu Geburtstag, Kommunion, Konfirmation, Verlobung, Hochzeit, Silbernen und Goldenen Jubiläen, Grüße zu Ostern und Weihnachten und was man sich alles an Ereignissen denken kann. Aber auch Trauerkarten gehören in die Reihe der Produktion. Im ganzen Bundesgebiet hat die Firma ihre Vertreter. Viele Karten gehen ins Ausland, natürlich in der jeweiligen Landessprache, Die Sitte, Glückwunschkarten zu versenden, ist überall verbreitet. Aber jedes Land und jede Landschaft hat ihren eigenen Geschmack. Selbst innerhalb Deutschlands zeigt sich am Absatz bestimmter Karten Geschmack und Wesen der Menschen. Die Norddeutschen wünschen eine klare, schlichte Schrift, die Süddeutschen mögen Schnörkel und Blümchen auf den Karten. In den Großstädten ist man moderner Gestaltung aufgeschlossen. Auf dem Land hält man es mit der Konvention: Myrte und Engelchen werden bevorzugt. Sieben Künstler werden in freier Mitarbeit beschäftigt, auch hier moderne und konservative. Kein Zweifel, das konservative Element überragt bei weitem. Neuerdings werden humoristisch gestaltete Karten zu Geburtstagen gern verschickt, Sprüche heiteren Inhalts sind beliebt. Aber führend sind noch immer Gold- und Silberschrift, Blumen und Symbole.
Jedes Jahr werden neue Kollektionen herausgebracht. Ein Muster wird nur ein Jahr lang produziert. Das ist erstaunlich, wo doch der Grundcharakter der Glückwunschkarten sich über Jahre gehalten hat. Aber der fortschrittliche und erfolgreiche Betrieb muss in jedem neuen Jahr etwas Neues auf den Markt bringen. Jetzt werden schon die Weihnachtskarten entworfen, die zu Weihnachten 1960 verkauft werden. Zur Frühjahrsmesse wird die Weihnachtskollektion bereits ins Geschäft gebracht. Bei der Herbstmesse wird die Kollektion für das nächste Jahr gezeigt. Die Planung läuft also ein Jahr voraus.
Zwei Verfahren gibt es zur Herstellung der Karten: Druck und Prägung. Mit dem Druck werden Bilder und einfache Schriften wiedergegeben, mit der Prägung Zeichnungen und Schriften von besonderer Schönheit und Wirkung: die Linien liegen über dem weißen Papier, im Stahlstichverfahren werden sie in Gold, Silber oder einer Farbe auf das Papier gesetzt. Ein Graveur benötigt drei Tage, um eine Stahlplatte mit einer gewöhnlichen Beschriftung herzustellen. Die in den Stahl geritzten Linien werden mit der Farbmasse gefüllt und auf den Karton gedrückt. Da beidseitig ein Druck ausgeübt wird, entsteht gleichzeitig die Wölbung in dem Papier, die der Schrift die plastische Wirkung gibt. Je nachdem, wie viele Farben eine Karte enthält, entsprechend oft muss sie die Maschine durchlaufen. Hinzu kommt die so genannte Blindprägung, bei der der Karton ohne Farbe geprägt wird. Das heißt, farblos werden Linien und Figuren in den Karton gedrückt. Farbflächen werden mit Hilfe von Schablonen in Handarbeit aufgetragen.
150 Personen sind im Hattersheimer Werk beschäftigt, davon 125 Frauen. Sie haben in den hellen Räumen angenehme Arbeitsplätze. Auch sind die Arbeitsplätze gesichert, da die Branche, wie Horn erklärt, keiner Konjunkturschwankung unterworfen ist. Glückwunschkarten werden immer verschickt werden, ob gute oder schlechte Zeiten herrschen. In schlechten Zeiten wird man oft kein Geschenk schicken, aber eine Glückwunschkarte auf jeden Fall. Ja, wenn heute ein Geschenk zu einer Festgelegenheit gegeben wird, so ist es nicht immer von einer Karte begleitet. Aber wenn man kein Geschenk gibt, wird man doch einen schönen Kartengruß übermitteln.
Wie Horn ankündigt, wird das Werk in nächster Zeit vergrößert. Obwohl es in Hattersheim erst vor wenigen Jahren erbaut wurde, ist die Produktion so gestiegen, dass die Erweiterung notwendig ist. Auch verspricht der gemeinsame Markt neue Absatzgebiete, und neue Zweige in der Produktion sollen eingerichtet werden.

Erika Kunz