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Mia Möller trifft... Bürgermeisterin Antje Köster

 

 

„Eigentlich fehlen noch Kekse und ein schöner Latte Macchiato“ lacht Antje Köster „wenn wir uns für ein so persönliches Gespräch treffen“. Wenn ich als Bloggerin Persönlichkeiten aus Hattersheim treffe, dann will ich sie als Mensch kennenlernen. Nicht als Amtsträger, Politiker oder Führungskraft. Antje Köster hat sich schnell auf dieses Experiment eingelassen und empfängt mich herzlich und offen.

 

Ich treffe die Bürgermeisterin in ihrem Büro im Rathaus. Die Einrichtung ist freundlich, Blumen stehen hier, ein weißer runder Besprechungstisch und ein paar Dekoelemente. Antje Köster wirkt gespannt auf unser Gespräch. Ich habe die Hattersheimerin schon bei einigen offiziellen Anlässen erlebt, bei Ausstellungeröffnungen, Stadtverordnetenversammlungen und Bürgerdialogen. Immer wirkte sie kontrolliert und gefasst, aber auch zugewandt und offen für die Sorgen Ihres Gegenübers. In ihrem Amt muss sie oft auch unangenehme Entscheidungen treffen. Und es ist ihr sehr bewusst, was jede dieser Entscheidungen für die Bürger bedeutet. „Das nehme ich immer mit nach Hause. Ich versetze mich in die Situation der Menschen und überlege mir, was würde das für mich bedeuten?“ sagt sie. Eigentlich trage sie immer einen unsichtbaren Rucksack mit sich herum, egal ob im Feierabend oder im Urlaub. „Der Rucksack mit all den Themen, die mich beschäftigen, ist immer da. Den lege ich nie ab. Auch nach dem Job grüble ich über Lösungen für bestimmte Themen, überlege mir, wie ich Entscheidungen angehe. Mir ist klar, dass ich es nicht immer allen recht machen kann, das geht gar nicht. Das Allgemeinwohl muss immer mit den Konsequenzen für den Einzelnen abgewogen werden, das gehört bei jeder Entscheidung dazu.“

 

Trotz all der Belastungen ist Antje Köster ein positiver Mensch. In unserem Gespräch lacht sie viel und herzlich. „Positiv zu sein, gibt mir Kraft.“ Und Kraft braucht sie nicht nur für ihr Amt sondern auch für ihre Rolle als Mutter. Sie hat zwei Kinder, jetzt 16 und 18 Jahre alt, für die sie wann immer es möglich ist, da sein will. Bevor sie morgens aus dem Haus geht, kocht sie für die Kinder, damit sie mittags etwas zu essen haben. Die Vereinbarkeit von Amt und Familie ist für sie nicht immer leicht. Zu ihrem Job gehören viele Abendtermine, auch am Wochenende ist sie eigentlich immer im Einsatz. „Das ist für das Familienleben natürlich schwierig, wir haben wenig gemeinsame Freiräume“, sagt sie.

 

Viel Druck und Anfeindungen

 

In ihrem Job ist Antje Köster viel Druck von außen ausgesetzt. „Das liegt sicher auch daran, dass ich das Amt in einem so jungen Alter angetreten habe, eine Frau bin und hier nicht so aktiv in der Kommunalpolitik war, wie mein Vorgänger“, sagt Köster. „Da wird dann auch schon mal ausgetestet, wann ich endlich eine Grenze setze in der politischen Auseinandersetzung.“ Schon oft musste sie sich von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein liebevolles aber deutliches „Chefin, Du bist zu lieb“ anhören. In den letzten Jahren ist sie in einigen Fragen härter und resoluter geworden, sagt sie von sich selbst. „Aber ich bin einfach ein emotionaler Mensch. Und das will ich auch nicht aufgeben. Das führt sicher dazu, dass mich viele Themen in meinem Job mehr belasten, das ist ganz klar.“ Eine Rolle spielt Antje Köster in ihrem Amt nicht, sie ist Mensch durch und durch, eine Maske aufzusetzen ist nicht ihre Art. Manchmal ist ihre Kleidung für sie ein Stück Schutz. „Wenn ich ein Sakko anhabe und das Rathaus betrete, fühle ich mich anders, auf jeden Fall.“ Für unser Gespräch heute hat Antje Köster ihr Sakko abgelegt. Sie trägt eine blaue Bluse und Jeans.

 

Spricht man mit Antje Köster über Anfeindungen gegen ihre Person, ist sie sehr ehrlich und wird sehr ernst: „Das setzt mir zu und macht was mit mir. Besonders mit der Kritik, die über mich im Internet verbreitet wird, kann ich ganz schlecht umgehen. Kommt jemand zu mir und setzt sich persönlich mit mir auseinander, habe ich davor Respekt und stelle mich dem. Wenn aber jemand überhaupt keine Courage hat, kann ich das nur schwer ertragen.“ Antje Köster wurde von ihren Eltern streng erzogen. „Kommt ein Kommunalpolitiker in der parlamentarischen Arbeit mit dem drohenden Finger auf mich zu, bewahre ich die Contenance. Ich verliere nicht den Blick für meinen Weg. Das gehört zur Professionalität in meinem Job. Ich habe gelernt, diese Anfeindungen gehören zu meinem Job einfach dazu.“ Was Antje Köster an der Situation besonders ärgert, ist, dass durch die Anfeindungen gegen sie und ihr Amt auch immer die Stadt Hattersheim in einem schlechten Licht dasteht. „Das ist vollkommen unnötig.“

 

Auf die Frage, wie wichtig ihr Emotionalität und Menschlichkeit in ihrem Job sind antwortet Antje Köster sehr schnell. Und sehr ernst: „Zu wichtig. Eindeutig zu wichtig. Wenn man in diesem Job emotional ist, sagen eben einige Leute, man ist hysterisch, oder eine Zicke oder man hat es nicht im Griff. Andere sagen aber auch, ich soll genau so bleiben und mich nicht verbiegen. Das könnte ich auch gar nicht.“

 

Nur das Bett in einem anderen Ort

 

Antje Köster ist in Hattersheim geboren und aufgewachsen. Sie ist hier zur Schule gegangen, war in Vereinen aktiv und liebt ihre Stadt, auch wenn sie im Moment hier nicht lebt. Aus familiären Gründen wohnt sie im Moment in Hochheim. „Mein Ziel ist, sobald das mit der Schule für meine Kinder möglich ist, wieder nach Hattersheim zu ziehen. Hier sind meine Wurzeln. Ich fühle mich wie ein Hattersheimer Kind, ich gehöre hier dazu. In Hochheim schlafe ich, das wars. Dort kenne ich kaum jemanden, denn ich gehe in Hattersheim einkaufen, ich gehe hier zum Arzt, zum Friseur, ich habe nur mein Bett in einem anderen Ort. Ich denke, das sollte man respektieren.“ Die 51-jährige ist auch weiterhin in vielen Hattersheimer Vereinen aktiv. Abgesehen davon kann sie sich das Amt der Bürgermeisterin nur in ihrer Heimatstadt vorstellen. Als einmal ein Bürgermeister auf ihrer Lieblingsinsel Föhr gesucht wurde, war schnell klar, sie würde sich nicht bewerben, so sehr sie es auch liebt, dort zu sein. „Der Beruf verlangt mir sehr viel ab. So viel Kraft und Überzeugung für dieses Amt kann ich nur in meiner Heimatstadt aufbringen“.

 

Lieblingsorte hat Antje Köster in Hattersheim viele, aber ein Ort liegt ihr besonders am Herzen. Ein großer Baum in der Nähe der Altmünstermühle. Schon auf dem Weg zur Schule ist sie dort oft vorbeigekommen, hat ihn mit ihrem Vater besucht, der ihr viel über Natur und Wald nahegebracht hat. „Das ist ein Ort, der gibt mir Ruhe und Kraft“.

 

Herzensprojekte

 

Zum Schluss frage ich Antje Köster nach ihren Herzensprojekten für die Stadt Hattersheim. Die Bürgermeisterin wird schnell konkret und es ist klar, worum es ihr geht: um die Menschen in ihrer Stadt. So ist es ihr zum Beispiel besonders wichtig, dass Jugendliche in Hattersheim nach der Schule die Möglichkeit bekommen, eine ordentliche Ausbildung zu machen. „Oder wenn ich mit meiner Politik dazu beitragen kann, dass sich ältere Menschen in unserer Stadt wohl fühlen, gemeinsam in der Altmünstermühle Rommé spielen können, dann macht mich das glücklich. Natürlich sind auch all die finanziellen Fragen, die Gewerbeansiedelung und ähnliche Themen wichtig, aber am Herzen liegen mir hier in Hattersheim insbesondere die konkreten Angebote für die Menschen.“

 

Menschlichkeit, das habe ich in unserem Gespräch gemerkt, ist ein großes und wichtiges Thema für Antje Köster. Vor unserem Gespräch war ich gespannt darauf, ob eine Amtsträgerin wie sie in einem Portrait wie diesem auch ihre ganz persönliche, private Seite zeigt. Ohne Floskeln und politische Distanz. Ich war überrascht, wie authentisch und offen unser Zusammentreffen war. 

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