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Hall die Gondolieri!

FCV-Sitzung: „Wenn alles singt und alles lacht, dann ist in Flerschem Fassenacht“

FLÖRSHEIM (hö) – Gondeln, Götter und „Pizza Berlusconi“ (belegt mit „frische, junge Schnegge“) – über 800 Fastnachter verwandelten die Flörsheimer Stadthalle am Samstagabend, 21. Januar, zum Schauplatz eines „Carnevale di Venezia“ und feierten den Start der FCV-Kampagne 2012 bis in die späte Nacht. Das bunte, fünfstündige Programm, das Lachmuskeln und Tanzbein kaum eine Pause gönnte, orientierte sich getreu dem diesjährigen Motto „Nacht der Masken – Wenn die Gondeln Narren tragen“ am weltbekannten venezianischen Karneval, ließ jedoch auch kein bewegendes Ereignis des vergangenen Jahres unangesprochen.

 

Unzählige Themen, wie etwa das Hochzeitsmotiv des frischgebackenen englischen Prinzenpaares auf Toilettenpapier oder auch der Papstbesuch in Deutschland, wurden in guter närrischer Manier analysiert und aufgearbeitet. Als Meister dieses Faches und „als einer der Höhepunkte des Abends“, wie Sitzungspräsident Hans-Joachim Kunz verkündete, kommentierte Gregor Stark in seinem satirischen Jahresrückblick nicht nur das weltpolitische Geschehen, sondern verurteilte die Verantwortlichen des Frankfurter Flughafens zu lebenslangem Wohnen in Flörsheim.
Eben dieser Thematik widmete sich das vorausgegangene Eröffnungsspiel, in dem die aussichtslose Lage einer von Fluglärm geplagten Flörsheimer Familie angesichts eines belanglos argumentierenden Fraport-Vertreters bissig und ironisch verdeutlicht wurde. „Sie wohnen 1,5 Meter außerhalb unserer Einkaufszone“, lautete etwa dessen Anspielung auf das viel diskutierte Casa-Programm. Außerdem empfahl der Flughafen-Mitarbeiter eine Zweitwohnung in Offenbach, da Flörsheim schließlich nur bei Ostwind vom Dröhnen der Flieger betroffen sei. Die Familie hingegen kam zu dem Entschluss, dass es das Beste sei, nach Venedig zu flüchten.
Von dort angereist präsentierte sich Ciro Visone als Gondoliere, der die Narrenschar mit kleinen Geschichten über seine Freunde in italienischem Akzent im Sekundentakt zum Johlen brachte und seine Gondel nicht ohne Zugabe verlassen durfte. Auch Hans-Joachim Greb, Erster Vorsitzender des FCV, berichtete bei seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum als „Hoppes“ aus Italien über die Leiden und Wehwehchen eines Urlaubers, der von aufdringlichen Miturlaubern und nicht auszuhaltender Ferien-Club-Musik geplagt wird.
Als Liebesgott Amor schwebte Andreas Heider nur mit weißen Shorts und Flügeln bekleidet herein und entschlüsselte unter einem sich vor Lachen nicht mehr einzukriegendem Publikum die Abkürzungen in Kontaktanzeigen sowie das ein oder andere Rätsel um Anmachsprüche. Mit stehendem Applaus wurde der Debütant verabschiedet. Ebenfalls „göttlich“ gestaltete sich der Vortrag von Dr. Patricia Lowin, die sich als „Patros, griechische Göttin des Ziegenkäses und der Molkereiprodukte“ vorstellte und die Politiker- mit der Götterwelt verglich. Auch neue Begrifflichkeiten wie „griechisch Grillen“ für „Grillen ohne Kohle“ wusste sie zu klären, ehe sie sich mit einem letzten Tipp verabschiedete: „Ist die Milch so gelb wie ein Bier, nennt’s der Grieche einen Stier!“
Griechenland beschäftigte nicht nur „Patros“, sondern auch Dr. Marcel Biegler in der Funktion des „Hausmeisters vom Bundestag“. Der „König des politischen Vortrags“, wie er von Kunz betitelt wurde, brillierte mit Wortspielen („Vom Europäer zum Europayer“) und bearbeitete die regionale bis internationale Politik scharfzüngig. „Gestandene Politiker gibt es etliche, gestehende haben wir nötiger denn je“, ging er auf die aktuelle Debatte um Christian Wulff ein. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel stand beim Vorspiel der Gruppe „GON“ eine andere Politikerin im Mittelpunkt, die sich bei einem Hausbesuch von TV-Schuldenberater Peter Zwegat rechtfertigen musste. Wie im Fernsehen wurde zwischen diesem und einem weiteren Programm, in dem ein ausgesetzter Fassenachter ein neues Zuhause suchte, hin und her „gezappt“. Christian Greb, hier als verlassener Fassenachter, überzeugte auch in seinem Solo-Beitrag. Er berichtete als vernachlässigter Sohn, dem der neue Hund seiner Mutter vorgezogen wird, von der Amerikareise mit seinen Großeltern und den Verständigungsproblemen auf einem fremden Kontinent. 
Von einem solchen schienen auch die bunten, federreichen Kostüme der beiden Tanzgruppen zu stammen. „Cassiopeia“ präsentierten unter der Leitung von Tatjana Heller und Daniela Winnik einen akrobatischen Tanz zu sommerlichen Partyhits, während die Gruppe „Inkognito“ in blau und pink gekleidet bei dem von Nadine Luger und Julia Messina inszenierten Sommernachtstanz zum Mitklatschen animierte. Die musikalische Begleitung des Abends wurde übrigens wie so oft vom Flörsheimer Musikverein unter der Leitung von Frank Gärtner übernommen. Mit altbekannten Fastnachtsschlagern brachten die Musiker bereits 30 Min. vor der Sitzung das Publikum in Schwung und spielten auch noch eine Zeit lang nach der Sitzung, dann aber eher die z.Zt. aktuellen Fastnachts-Hits. Für die „Gute Laune“-Musik sorgte die „Spaßmacher Company“ mit eigens komponierten Party-Hits, die sofort vom Ohr ins Bein gelangten. Die in der vorherigen Kampagne erstmals aufgetretene FCV-Band „Let’s fetz“ bereitete ihrem Namen auch in diesem Jahr wieder alle Ehre. Bei „Wenn alles singt und alles lacht, dann ist in Flerschem Fassenacht“ bebte die Halle nicht zum ersten Mal. Die Gruppe um ihren musikalischen Leiter Jens Meireis übernahm auch den musikalischen Abschluss des Abends beim großen Konfetti-Finale mit allen Aktiven, das sich in diesem Jahr außergewöhnlich gestaltete. Durch den Ausfall des erkrankten Sängers und Stimmenimitators Andy Ost musste nämlich schnell eine Lösung für die Überbrückung der wegfallenden Auftrittszeit gefunden werden. Kurzfristig wurde das Finale vorgezogen, um nach einem kurzen Hit-Medley vom auf die Bühne stürmenden „Begge Peter“ (Peter Beck) unterbrochen zu werden. „Hockt euch wieder hie, mir mache noch e bissche“, begann der allseits beliebte Redner seinen zwanzigminütigen irrwitzigen Vortrag über seinen Besuch auf der Reeperbahn, dem dann das endgültige Abschlusslied des FCV folgte.
Nach dem erfolgreichen Start in die Kampagne 2012 darf nun noch auf sechs weiteren Sitzungen gefeiert und gejubelt werden.

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