„Sauna ist Kindergeburtstag“

Heißausbildung bei der Feuerwehr: üben in lebensbedrohlicher Umgebung

 

Beim Übungswochenende der Feuerwehren Hochheim, Hattersheim und Flörsheim auf der Deponie in Wicker brennt kein Müll, sondern eine Simulationsanlage: Heiß ist es trotzdem.?(Foto: privat)

 

 

HOCHHEIM (vb) - Im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit haben mehr als 130 Kräfte der Flörsheimer, Hochheimer und Hattersheimer Feuerwehren gemeinsam eine Übung durchgeführt. Am 12. und 13. Oktober probten die Feuerwehrleute auf dem Gelände des Rhein-Main-Deponieparks RMD in Wicker an einer Brandsimulationsanlage den Ernstfall. Gerd Mehler, der Geschäftsführer der RMD, hatte die Anlage eigens dafür gemietet. Da die RMD schon öfter auf die Hilfe der Feuerwehr Flörsheim, Hochheim und Hattersheim zurückgegriffen hatte, habe Mehler einen Beitrag zum Training leisten wollen, so Matthias Kaiser, Pressesprecher der Feuerwehr Hochheim. Die Kosten für die Übungsanlage beliefen sich nach Angaben der Feuerwehr Hochheim auf rund 6.500 Euro. 
Theoretisch weiß jedes Kind, dass Feuer heiß ist. Was es jedoch bedeutet sich verbrannt zu haben, wird in der Regel erfahren. Deshalb werden die Geräteträger der Feuerwehr „heiß ausgebildet.“ Heißausbildung bedeutet Erfahrungen sammeln. Die Feuerwehrleute begeben sich bewusst in lebensbedrohliche Situationen, um den Einsatzfall zu üben. 
Die mobile Brandsimulationsanlage ist ein von einer Fachfirma speziell hergerichteter Übungsraum auf Basis eines LKW-Auflegers. Dabei gibt es verschiedene Konzepte zur Nachbildung von Räumen. Innerhalb des Containers sind aus Stahlblech Möbel nachgebaut, die mit Gasdüsen brennend dargestellt werden können. Der Löscherfolg des Übungstrupps wird durch Thermoschalter an den Modellen oder aber durch einen Beobachter bewertet, der die Flammen erlöschen lassen kann. „Natürlich wird hierbei unter extremen Sicherheitsvorkehrungen geübt, mit der ein oder anderen Brandblase muss jedoch gerechnet werden“, so Kaiser von der Hochheimer Feuerwehr.
Ein befragter Feuerwehrmann gab das Erlebte folgendermaßen wieder: „ Hinter der Tür sieht man nichts. Rauch umgibt mich und die Hitze ist fühlbar aber noch nicht unangenehm. Ich tastet mich im Kriechgang in völliger Dunkelheit durch den Raum. Plötzlich brennt das Modell eines Herdes mit mindestens 1,5 Meter hohen Flammen 20 bis 30 cm vor meinem Gesicht. Die Hitze wird plötzlich spürbar, ist aber noch auszuhalten. Ich lasse mich zurückfallen und gebe Wasser auf den Herd ab. Aber statt die Flamme zu löschen, brennt plötzlich noch das Bett und es kommt zu einer Durchzündung im Raum. Mein Übungskamerad klopft mir noch auf die Schulter, hinter uns hat es ebenfalls angefangen zu brennen. Der Rückweg ist somit auch versperrt. Wir sind in einer Falle. 
Überall ist plötzlich Feuer, meine Klamotten sind nass, die Hitze ist nun unerträglich. Sauna ist Kindergeburtstag. Wir haben den Rückzug über den Notausgang angetreten und konnten das Feuer nicht löschen. Bei unserem Abschlussgespräch wurden wir auf die Fehler aufmerksam gemacht. Der Herdbrand hätte durch das Abdecken mit einem Topfdeckel, der am Boden lag, gelöscht werden können. Wir haben durch die Wasserzugabe eine Fettbrandexplosion verursacht, die den ganzen Raum entzündete.“ Der Feuerwehrmann war froh, dass er diese Erfahrung in einer Simulation machen konnte.
Technische Ausrüstung und Schutzkleidung bieten den Feuerwehrangehörigen heute einen weitaus größeren Schutz als noch vor Jahren. „Brandschutzkleidung war vor noch nicht allzu langer Zeit eine einfache schwer entflammbare Baumwolljacke, die keinerlei Schutz vor Hitzestrahlung bot“, sagte Kaiser von der Feuerwehr Hochheim. Die heutige Brandschutzkleidung sei zwar weniger auffällig, ermögliche den Feuerwehrleuten jedoch, sich einer Umgebung auszusetzen, die sonst tödlich wäre. 

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