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Einschiffen ausdrücklich erwünscht

FCV-Sitzungen starten mit einer „Kreuzfahrt ins Glück“ – Biegler nach 50 Jahren verabschiedet

Die FCV-Ballets hatten sich in dieser Kampagne der Glitzer- und Glamourvariante verschrieben. Hier auf dem Foto die Showtanz-Gruppe „Inkognito“.
(Fotos: R. Dörhöfer)

FLÖRSHEIM (drh) – Der rotkarierte Clownsrock und das kleine Hütchen hingen am Kleiderständer, das Klavier des Pfarrers blieb stumm. Sascha Jung verzichtete wie angekündigt auf einen Soloauftritt auf der Narrenbühne des Flörsheimer Carneval Vereins (FCV), der am Wochenende seine erste Sitzung in diesem Jahr in der Stadthalle veranstaltete. Dennoch feierte Jung die Fastnacht und schlüpfte in unzählige neue Rollen. 
 

Mal war er Protagonist der berühmten „Titanic-Szene“, mal glänzte er in der Rolle des Chefstewards „Sascha Schön“ als Ansager, dann wiederum griff er zum Mikrofon und sang alte Fastnachtsschlager. Nur eben sein Klavier und sein roter Frack blieben stumm und am Haken. „Die Show, das Licht – ganz ohne geht es nicht. Mir half Gottvertrauen beim nach vorne schauen. Es gibt für alles eine Lösung“, sagte Jung an der Stelle im Programm, wo er eigentlich seinen Solovortrag gehalten hätte. Die Sängerin der FCV-Showband sprang ihm zur Seite und sprach vielen Saalgästen, die den Zwiespalt des Pfarrers spürten, aus der Seele: „Sascha – mach dein Ding“ sang die Sängerin.

Mit seinem braven Matrosenlook trug Jung in diesem Jahr die „weiße Weste“, schien mit verletztem Fastnachtsherz an den Anker gelegt. Es fehlte die Unbeschwertheit, mit der Jung in den vergangenen Jahren seine Fans oft aus dem Stegreif begeisterte. „Ich wünsche mir, dass meine Kritiker auch dann den Mund aufmachen, wenn in der Kirche die Menschlichkeit mit Füßen getreten wird und Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden“, so Jung. „Zeit heilt Wunden“, meinte Sitzungspräsident Hans-Joachim Kunz, der sich zugleich freute, dass Jung in diesem Jahr die gesamte Sitzungszeit beim FCV verbringe und eben nicht noch weitere Auftritte bei anderen Vereinen absolviere.

Der FCV war unter dem Motto „Kreuzfahrt ins Glück – Wir schiffen uns ein“ mit einem aufwendigen Eröffnungsspiel in den Abend gestartet und bot während des gesamten Programms zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Das Bordprogramm konnte sich sehen lassen, wenngleich ein bedeutender Redner des FCV von Bord ging. Dr. Marcel Biegler beendete nach 50-jähriger aktiver Bühnenpräsenz und mehr als 300 Sitzungsauftritten erneut mit einem gelungenen politischen Vortrag seine Aktivenzeit. Seit 1969 glossierte er Jahr für Jahr in verschiedenen Rollen und Formaten das Politgeschehen. In die Rolle des „Hausmeisters vom Bundestag“ schlüpfte er von 1994 bis 2014. Eindeutige Zweideutigkeiten und sein Schlusssatz „Gute Nacht Deutschland, wo immer Du auch bist“ gehörten stets zu seinen geschliffenen, auf den Punkt gebrachten Auftritten. „Wir waren nicht immer einer Meinung, doch auch das gehört zur Fastnacht“, gestand Kunz in der Verabschiedung des großen Redners.

„Die Welt braucht mehr Humor“ hielt Andy Ost in seinem Gastspiel auf der FCV-Bühne fest und berichtete unter anderem vom Kampf um die Fernbedienung am heimischen TV, wenn es darum geht, ob Elsa, die Eiskönigin oder eben doch Fußball geschaut wird. Protokoller Gregor Stark hatte die gehörige Portion Humor und die närrische Sicht auf die Geschehnisse der Welt. Zu Erdogans Gebaren reimte der Protokoll-Profi: „Wer die Wahrheit nicht hören will, die Freiheit entehrt, bei dem läuft ganz sicher im Kopf was verkehrt!“ Auch Dr. Patricia Lowin blickte auf die Politik im Land und rief noch einmal mit „Joints vom Wochenmarkt: eine Tüte Grüner Soße“ die Diskussion um eine mögliche Jamaika-Koalition im „Hanf-TV“ in Erinnerung. Auf eine muntere, lustige Reise ins italienische Rimini nahm die Gruppe „GON“ die rund 800 Saalgäste mit. „Olga“ Jutta Schlosser vertrat die russische Gesellschaft an Bord und verpackte zahlreiche Witze und Gags in einer gekonnt gespielten Rolle. Jürgen Wissmann sah sich in seiner Paraderolle des „Ernst Lustig“ in diesem Jahr genötigt, den Kinderwagen zu schieben, und Johannes Bersch fuhr als Kreuzfahrtkapitän auf der „Ocean of Speyerling“ und der „Aida of the Pluns“. „Hobbes“ Hans-Joachim Greb ging in Rom an Land und berichtete vom besonderen Erlebnis der närrischen Papstaudienz und stellte nebenbei fest: „Eines hat der Mann der Frau voraus: Schmerzen hält er besser aus!“

„Begge Peder“ durfte sich gleich einer ganzen Reihe von Doubles stellen, den FCV-Old Stars, und fand als Bordmechaniker den richtigen Schlüssel für zahlreiche Lacher zur späten Stunde. Die beiden eigenen Balletts „Cassiopeia“ und „Inkognito“ hatten sich in diesem Jahr beide der Glitzer- und Glamourvariante verschrieben. Das Männerballett „Horny Hornets“ begeisterte mit eine rasanten Fußballnummer mit jeder Menge frischer Ideen.

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