Meisterlicher Nachwuchs verzaubert Flörsheim

Beeindruckendes Gastspiel in der Flörsheimer Stadthalle

FLÖRSHEIM (drh) – Trotz sportlichster Höchstleistungen, die Artisten des chinesischen Nationalzirkus, die am Samstagnachmittag in der Stadthalle ein beeindruckendes Gastspiel gaben, hatten immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Die Vorführung entpuppte sich als ein Akrobatenschauspiel der Extraklasse, das nicht nur mit sportlichem Können, sondern vor allem auch mit viel Harmonie beeindruckte. Noch am Eingang zweifelten viele der Karteninhaber, ob es sich tatsächlich um ein Gastspiel des „echten“ chinesischen Nationalzirkus handele oder doch nur die überteuerte Vorstellung einer einfachen Wanderartistentruppe sei. Die Tatsache, dass der Veranstaltungsbeginn wegen einer Straßenpanne eines Transport-LKWs um eine halbe Stunde nach hinten verlegt wurde, nährte die Zweifel zusätzlich. 

 

Doch mit Beginn der Show verflog die Skepsis. Das Programm „Feng Shui“ feierte erst am Vortag Premiere im Europapark Rust und so durften die 300 Besucher des Gastspiels in Flörsheim ebenfalls noch fast Ungesehenes erleben. Die uralte chinesische Lehre Feng Shui strebt nach Sinn und Harmonie im Leben und so war die gesamte Vorstellung harmonisch aufeinander abgestimmt und mit der von Konstantin Wecker eigens komponierten Musik passend untermalt. Ein Fächertanz aller Akteure eröffnete die Show und die Chefchoreographin Sun Qing Qing selbst gab einen Vorgeschmack des zu Erwartenden. Wie als sei es das Normalste der Welt, klemmte Qing Qing ihr Bein senkrecht hinter den Kopf, beließ das Bein in der Senkrechten und beugte den Oberkörper nach vorn, bis Kinn und Knie auf einer Höhe lagen – alles mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht. 
Auch die jungen Nachwuchskünstler beeindruckten mit anmutigster Akrobatik und vergaßen auch bei noch so akrobatischsten Leistungen niemals das Lächeln. Flink wie die Wiesel schleuderten junge Mädchen ihre sich fortwährend drehenden Diabolos durch die Lüfte und die jungen Männer wirbelten gleich selbst als junge Krieger durch die Halle. Auch die Künste des Balancierens und Jonglierens wurden in vielfältigster Art und Weise gezeigt. Mal waren es lange bis zur Saaldecke reichende Stangen, die auf Kopf, Fuß oder Rücken balanciert wurden, mal tänzelte eine Artistin mit einem Brett auf einer Rolle und schleuderte dabei eine Schüssel nach der nächsten auf ihren Kopf, um sie dort zu stapeln. 
Wenn auch jede einzelne Artistennummer für sich begeisterte, so war es letztendlich doch das Gesamtpaket, das den bleibenden Eindruck hinterließ. Mal waren es opulent leuchtende Kostüme, dann wiederum verzauberte ein junger Verbiegekünstler in einer einfachen kurzen weißen Trainingshose. Doch gerade der ungehinderte Blick auf jeden einzelnen Muskelstrang und Knochen des bis in die Fußspitzen durchtrainierten Körpers beeindruckte. Die Kostüme waren Nummer für Nummer passend gewählt und so musste es nicht immer ein hochglänzender Seidenstoff sein, der den Besuchern ein Strahlen ins Gesicht zauberte. Ein einfach bunt gemusterter Baumwollanzug unterstrich die Illusion der Einfachheit des an sich Unerreichbaren für den Normalmenschen. 
Auch als der Produzent und Regisseur des Zirkus Raoul Schoregge die Bühne als Clown betrat, wurde erneut deutlich, dass die hohe Kunst der Clownerie allein durch eine bis ins letzte Detail abgestimmte Mimik und Gestik begeistern kann. Wer seinen Job als Clown so gut versteht wie Raoul Schoregge (er hatte auch schon Arrangements im Zirkus Krone und mit Oleg Popow), kommt mit einfachsten Requisiten wie einem Baguette und einer Rotweinflasche aus. Schoregge legt als Regisseur Wert darauf, dass das Programm seiner Truppe von Abwechslung geprägt ist und die Zuschauer nicht allein durch stets wiederkehrende Verbiegekunst überfordert werden. So wechselten Solovorstellungen mit Kleingruppen und Arrangements vieler Artisten. 
Auch die Musik der Show gefiel, kauften doch zahlreiche Zuschauer eine CD der Wecker-Kompositionen in der Pause. Das „Weckersche Klavier“ wirkte beruhigend, förderte aber auch die Spannung und Flinkheit der Show. „Dass so eine Show in Flörsheim gastiert, hätten wir nicht erwartet“, gestanden die beeindruckten Zuschauer am Ende. 

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