Mit der Platzsperre kommt der Stress

Ortsbeirat Weilbach bekommt vielköpfigen Besuch von Spielern und Vorstand der Germania

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Wenn sich am kleinen Sitzungssaal der Stadthalle bei einer Gremiensitzung die Flügeltüren öffnen, muss das eine besondere Situation sein. Der Weilbacher Ortsbeirat tagte am Dienstagabend ausnahmsweise in der Innenstadt, da die Weilbachhalle für die Geburtstagsparty der Feuerwehr hergerichtet wurde. Das hinderte aber eine große Abordnung der Germania Weilbach nicht daran, sich zu der Sitzung einzufinden.

Ortsvorsteher Thomas Schmidt zog angesichts des angekündigten Besuchs die sonst am Ende der Sitzungen anstehende Bürgerfragestunde vor, denn die Fußballer mit ihrem Vorsitzenden Michael Schmidt an der Spitze waren mit einem für sie wichtigen, vielleicht sogar existenziellen Anliegen gekommen. Mit Erstaunen wurde beim Stadtteilverein zur Kenntnis genommen, dass Flörsheim Fördergelder für die Sanierung der benachbarten Sportanlagen der SV 09 und DJK Schwarz-Weiß bekommen hat, für die genauso für das Programm angemeldeten beiden Plätze auf der Germania-Anlage hingegen nicht.

Dabei sehen die Germanen ihre Situation als vordringlich an, nicht ganz unberechtigt, denn im Gegensatz zu den Innenstadt-Plätzen ist das Kleinfeld, Trainingsgelände vor allem für die Jugendteams, seit rund einer Woche gesperrt. Die Stadt ordnete dies an, weil großflächige Verklumpungen des Füllmaterials ihn praktisch unbenutzbar gemacht haben. Das Entsetzen ist groß bei den Germanen mit ihren 16 Jugendteams. Und nun? Das wollten die Weilbacher Fußballer vom Ortsbeirat und Bürgermeister Bernd Blisch wissen und mit der großen Präsenz in der Stadthalle das Anliegen natürlich auch etwas eindrücklicher vermitteln.

Der Rathauschef hatte eine Menge zu klären und erklären, vor allem, was die Sache mit den Bundesmitteln aus dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ angeht. Überraschend war es nämlich nicht, dass der Bundestag die durch die Anträge der deutschen Sportvereine zehnfach überzeichneten 300 Millionen Euro gleichmäßig auf die Landkreise verteilte, anstatt die Begehren einzelner Kommunen möglichst komplett zu erfüllen. „Wir sind eine von nur zwei Städte aus dem Main-Taunus-Kreis, die berücksichtigt wurden“, erläuterte Blisch – aber eben nicht mit beiden Projekten mit vier zu sanierenden Kunstrasenfeldern.

Dann kam das Verklumpungsproblem auf dem Kleinfeld zutage. Die Verwaltung versprach dem Verein zu schauen, ob der Platz mit eigenen Mitteln saniert werden könnte – „der Haushalt ist für 2027 nicht so, dass wir sagen könnten, das machen wir so mit“, verkündete der Bürgermeister nun. Nicht ganz überraschend. Der komplette Neuaufbau des kleinen Feldes kommt auf 370.000 Euro. Alternativ stand zur Debatte, für 30.000 bis 40.000 Euro eine provisorische Reparatur ausführen zu lassen. Das hätten die Fachfirmen bei einer Begutachtung allerdings als nicht sinnvoll abgelehnt.

Diese 30.000 oder 40.000 Euro für eine provisorische Sanierung des großen Platzes einzusetzen, wäre dagegen sehr wohl sinnvoll – eine Option zur Überbrückung. Ob Flörsheim bei der nächsten Runde des Sportplatz-Sanierungsprogramms des Bundes erneut eine Zusage erhält, kann niemand sagen, klingt angesichts der Überzeichnung aber eher unwahrscheinlich – so müsste die Germania auf eine Sanierung des Großfeldes rein aus städtischen Mitteln wohl bis 2029 warten.

Der Fall des Falles sei in Flörsheim geregelt, betonte Blisch: dass nämlich bei einer Platzsperre alle zusammenrücken – genau das passiert nach der Sperrung des Kleinfeldes nun. Die Jugendteams kommen auf den beiden Innenstadt-Feldern mit unter. Eine vor allem unter der Woche unheimlich stressige logistische Aufgabe mit den zu organisierenden Fahrdiensten, betonte Jugendleiter Nourdine Ajarar.

Blisch berichtete, dass in der Verwaltung geprüft werde, mit Hallenzeiten auszuhelfen. Und dass er eine Option in petto hätte, das fehlende Geld für die Sanierung des kleinen Platzes im kommenden Jahr doch zusammenzukratzen. Die Fraktionen müssten sich darüber unterhalten, ob sie die Sanierung des Faulbrunnenwegs um ein Jahr verschieben, so der Vorschlag des Rathauschefs.

Werner Duchmann (FDP) hatte auch eine Idee, über die er mit dem Bürgermeister in einen kleinen Disput geriet. Den für 260.000 Euro im kommenden Haushalt eingeplanten Ausbau des Feldwegs von Wicker zur Flörsheimer Warte hält er für verzichtbar, „der ist nicht kaputt, es ist halt ein Feldweg“. Großer Applaus aus dem Germania-Lager. Der Bürgermeister hielt entgegen, dass das Projekt längst ausgeschrieben sei und damit nicht mehr gestoppt werden könnte. Das stimme so nicht, widersprach der nach seiner Aussage in Ausschreibeverfahren erfahrene Jörg Duchmann (FDP). „Noch im Vergabeverfahren kann eine Ausschreibung aufgehoben werden.“

Das rechtliche Problem ließ sich nicht vor Ort klären, Blisch ist unabhängig davon gegen die Umschichtung der Mittel. „Das ist nicht irgendein Feldweg, sondern einer der Hauptwege der Landwirte, das Projekt wird seit zwei Jahren geschoben – und dass der Platz der Germania dazwischen kommt, dazu kann der Feldweg nichts“, sagte er. Was zweifellos stimmt, Feldwege haben die angenehme Eigenschaft, grundsätzlich an nichts schuld zu sein.

Ihr Platz sei gesperrt, der Feldweg nicht, kam es von Seiten des Vereins zurück. Zeit für Marcus K. Reif (CDU) sich einzuschalten. „Wir haben in Deutschland Spielregeln, die identisch sind – total langweilig“, sagte er und meinte damit, „dass man als Stadt nicht ein Projekt in einen Wettbewerb mit einem anderen stellen kann“. Er bevorzugt die Variante, die Sanierung des kleinen Platzes mit der Umleitung von Mitteln aus dem Investitionshaushalt zu finanzieren. „Wir werden der Germania helfen“, zeigte er sich überzeugt.

Das vom Jugendleiter zitierte Gerücht, dass der Verwaltung bei der Beantragung der Fördermittel ein Fehler unterlaufen sei und es deshalb nun kein Geld gebe, ist Blisch auch schon zu Ohren gekommen. Klassische Fake News, versicherte er, die Anträge seien für Weilbach genauso wie für die Innenstadt gestellt worden. Beschlossen werden kann in so einer Bürgerfragestunde nichts.

Wie Thomas Schmidt zusammenfasste, dürfte es darauf hinauslaufen, dass der kleine Platz in diesem Jahr ertüchtigt und ein neuer Aufbau für 2027 zu finanzieren angestrebt wird. Die Sanierung des großen Platzes bleibt in der mittelfristigen Finanzplanung für 2029 vorgesehen, durch die neu entstandene Situation werde seit vergangener Woche aber darüber geredet, wie das Projekt vorgezogen werden könnte – mit diesem Sachstand mussten die erwartungsvollen Germanen erst einmal zufrieden sein.

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