Poller sollen Verkehrsberuhigung bringen / SPD sieht Sperrung kritisch
Seit nunmehr dreieinhalb Jahren ist die von der Stadthalle bis zum ehemaligen Bahnübergang an der Wickerer Straße verlaufende Jahnstraße ein in Flörsheim einzigartiger Verkehrsweg. Es handelt sich bei ihr nämlich um eine Fahrradstraße. Fahrräder haben in der Jahnstraße, die mit einer Geschwindigkeit von maximal 30 Stundenkilometern befahren werden darf, Vorrang vor dem Kfz-Verkehr und dürfen dort, sehr zum Ärger ungeduldiger Autofahrer, auch nebeneinander unterwegs sein.
Wie Bürgermeister Dr. Bernd Blisch in der letzten Sitzung der Verkehrskommission mitgeteilt hatte, wird die Jahnstraße ab März probeweise für drei Monate in Höhe des alten Friedhofs durch Poller gesperrt (wir berichteten). Auf diese Weise soll einerseits der Charakter als Fahrradstraße verstärkt und andererseits vom Höllweg kommende Autofahrer davon abgehalten werden, unerlaubterweise nach links in die Jahnstraße abzubiegen. Die Teilung sei die "unkomplizierteste und kostengünstigste Maßnahme", die zur Probe durchgeführt werden könne, sagte der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Stadtverwaltung habe die Sperrung bereits im letzten Jahr dem Ortsbeirat Stadtmitte als eine Möglichkeit zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Fahrradstraße und an der Ecke Höllweg/Jahnstraße vorgeschlagen. Um das bereits jetzt verbotene Linksabbiegen aus dem Höllweg unattraktiver zu machen, sei alternativ zwar auch eine Fahrbahnverengung im Mündungsbereich Jahnstraße/Wickerer Straße möglich. Allerdings müssten hierzu die Bürgersteige verbreitert werden, was für eine Probephase aus Kostengründen nicht infrage komme. Weder im Ortsbeirat noch in der jüngsten Verkehrskommission habe er Widerstand gegen die Sperrung vernommen, so Blisch, die nun von der SPD geübte Kritik habe ihn daher "doch sehr verwundert".
Aus Sicht der Sozialdemokraten hätte die Stadt vor der Sperrung die Anwohner der Jahnstraße befragen und die Gremien beteiligen sollen. Auch der Nutzen der Straßensperrung wird von der SPD gegenüber der Presse bezweifelt: „In den dann getrennten beiden Abschnitten der Jahnstraße wird weiterhin Autoverkehr in zwei Richtungen bestehen, weil die Anwohner, die in eine der dann bestehenden beiden Sackgassen hineinfahren, auch wieder herausfahren müssen. Außerdem entsteht zusätzlicher Verkehr, zumindest in der eh schon stark belasteten Bürgermeister-Lauck-Straße, weil Anwohner und Anlieger, die zur Stadthalle, den Schulen, dem Kindergarten und dem Parkplatz gegenüber dem alten Friedhof fahren wollen, nicht mehr den kürzesten Weg wählen können, sondern die jeweilige Sackgasse benutzen und damit zumindest zum Teil über die Bürgermeister-Lauck-Straße fahren müssen“, erklärt der SPD-Stadtverordnete Philipp Moritz, der auch Vorsitzender des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses ist. Die SPD hat in diesem Zusammenhang im Stadtparlament eine umfangreiche Anfrage eingebracht, in der die Beteiligung der Anwohner und Gremien, die rechtliche Grundlage sowie die Einholung von Stellungnahmen thematisiert wird.
Wie Bürgermeister Blisch gegenüber dieser Zeitung erklärte, seien die Gremien sehr wohl eingebunden gewesen – schließlich sei die Sperrung als Möglichkeit im Ortsbeirat vorgestellt worden. Außerdem werde nach der Probephase die Fortsetzung der Sperrung dem Stadtparlament zur Entscheidung vorgelegt. Die Anwohner indes würden in den kommenden Tagen durch eine Postwurfsendung informiert. Polizei, Feuerwehr und Müllabfuhr seien bereits verständigt worden und hätten jeweils keine Beanstandungen vorgebracht. Auch rechtlich sei alles in Ordnung, da die Entscheidungsbefugnis beim Bürgermeister als Ortspolizeibehörde liege. Anders als die SPD sieht der Bürgermeister keine massive zusätzliche Verkehrsbelastung auf die Bürgermeister-Lauck-Straße zukommen. In der Jahnstraße seien nicht viele Autos unterwegs, schließlich sei sie eine Fahrradstraße, so Blisch. Demgemäß werde sich das zusätzliche Verkehrsaufkommen in der Bürgermeister-Lauck-Straße in verträglichen Grenzen halten. "Ein Teil der Anwohner muss durch die Sperrung Umwege in Kauf nehmen", räumte der Bürgermeister ein. "Aber sie bekommen dafür auch etwas zurück: nämlich eine ruhigere und sicherere Straße."
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