Neben der Haushaltssatzung mit seinem Ergebnis- und Finanzhaushalt sowie dem Investitionsprogramm gehörten zu jedem Flörsheimer Gesamtetat seit jeher auch die gesondert aufgestellten Pläne für die Eigenbetriebe. Seit der Auflösung des Eigenbetriebs Stadthallen, dessen Aufgaben nun vom Stadtbauamt mitverwaltet werden, ist das nur noch der Eigenbetrieb Stadtwerke, dessen Wirtschaftsplan, wie die Aufstellungen bei diesem heißen, in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor der Wahl zusammen mit dem Hauptetat verabschiedet wurde.
Wie beim städtischen Haushalt, musste Kämmerer Bernd Blisch weitgehend mit den Stimmen der Koalition aus CDU und GALF auskommen. Die zwölf Gegenstimmern waren allerdings weniger einer Unzufriedenheit mit den Aufstellungen des Wirtschaftsplans für den Eigenbetrieb zuzuschreiben. Jedenfalls fielen die Zahlen bei der Haushaltsdebatte komplett hinten runter. Angeschaut werden sich die Fraktionen den Planentwurf sicherlich und nichts Aufregendes entdeckt haben. In der Tat bewegen sich die Zahlen im Rahmen der Ergebnisse und Ansätze der jüngsten Jahre. Bei diesen sind Defizite im unteren siebenstelligen Bereich normal.
Der Eigenbetrieb weist ein stabiles Etatvolumen von knapp elf Millionen Euro auf. Das Defizit wird für dieses Jahr mit 1,756 Millionen Euro angesetzt. Das ist ein gut 400.000 Euro geringeres Minus, als es für 2025 angenommen wurde (die Bilanz liegt noch nicht vor), für 2024 weist der Jahresabschluss ein Defizit von 1,67 Millionen Euro aus. Der städtische Haushalt stellt über den Etatposten „Betriebskostenzuschüsse“ dem Eigenbetrieb im Etat 2026 rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist etwas mehr als im Ansatz für 2025 stehen (1,18 Millionen Euro) und etwas weniger als 2024 überwiesen wurden (1,43 Millionen Euro).
Wasserwirtschaft
Wichtigster Einnahmeposten ist der Frischwasserverkauf an die Haushalte, der unverändert mit 3,43 Euro pro Kubikmeter berechnet wird. Der Eigenbetrieb ist auf seine Art nahezu ein „Millionseller“, denn Flörsheim verbraucht im Jahr recht stabil jeweils nahezu eine Million Kubikmeter. Der Ansatz für 2026 beläuft sich auf genau 955.00 Kubikmeter, 2024 waren es 948.200 Kubikmeter. In der jüngeren Geschichte der Stadt überschritt der Verbrauch bisher alleine in den Trockenjahren 2018 und 2020 mit je etwas mehr als einer Million Kubikmeter die magische Grenze, damit ist für 2026 nicht zu rechnen.
Laut Bericht geht der Plan dennoch davon aus, dass dem Lieferanten Hessenwasser der seit 2025 geltende Preis von 1,39 Euro ab einer Million Kubikmeter zu bezahlen sein wird (Grundgebühr inklusive). Der Weiterverkaufspreis ergibt sich dann aus dem weiteren Aufwendungen wie Personal- und Materialkosten. Allerdings ist mit 71 Prozent Anteil in diesem Jahr der „Wasserversorgungsverband Main-Taunus-West“ (MTW) Hauptlieferant. Seit 2018 wurde die Millionengrenze jedes Jahr überschritten, 2024 dann allerdings erstmals knapp unterschritten (990.345).
An Investitionskrediten wird für 2026 im Betriebszweig Wasserversorgung mit der Aufnahme von 661.500 Euro gerechnet. Die Aufwendungen fließen in diesem Bereich vor allem in die Unterhaltungsaufwendungen für das Wasserwerk in Weilbach samt Brunnengelände, zudem in den Betriebshof in der Riedstraße. Ständiger Kostenverursacher ist auch die Lecksuche „im gesamten Stadtgebiet“ – dass die Einkaufsmenge die Liefermenge durch gewisse Verluste im Netz übersteigen muss, ist erfahrungsgemäß unvermeidlich. „Um den Wasserverlust auf einen dauernden niedrigen Stand zu verstetigen, wird auch in Zukunft ein nicht unerheblicher Aufwand an Unterhaltungsarbeiten zu leisten sein“, heißt es im Bericht.
Auch „Reparaturen an Hydranten und Schiebern, der Austausch von Wasserzählern, Reparaturen von Rohrbrüchen einschließlich der Straßenwiederherstellung“ sowie Rohrnetzspülungen müssen bezahlt werden. Auch die Zählerablesungen kosten, da sie von beauftragten Unternehmen durchgeführt werden Geld. „Aufgrund mangelnder Bewerbungen im Handwerkbereich muss öfters auf Zeitarbeit zurückgegriffen werden“, heißt es zudem.
Aufgeführt werden die anstehenden Wasserleitungsbaumaßnahmen – in der Regel Erneuerung der Trinkwasserleitungen – von denen nicht weniger als 20 Straßenzüge aufgeführt werden. In der Mehrzahl der Projekte geht es derzeit noch um die Planungsleistungen, Ausführung ist in den Jahren 2028 bis 2030 vorgesehen. Die nächsten Projekte sind:
- Der Faulbrunnenweg in Weilbach, der im Rahmen der vorgesehenen grundhaften Erneuerung auf 500 Metern auch neue Trinkwasserleitungen erhalten soll, zudem werden einige Hausanschlüsse erneuert. Die Aufträge dafür sollen in diesem Jahr vergeben werden, die Ausführung im kommenden Jahr geschehen.
- Die Erneuerung der Kloberstraße stand schon für 2025 im Investitionsplan der Stadt. Das Projekt wurde verschoben, „um die Verkehrssituation zu entzerren und Kollisionen mit anderen Baumaßnahmen zu vermeiden“, so die Erläuterung im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs. Auch hier wird der Austausch des Belags genutzt, um auch die Trinkwasserleitung auf voller Länge der Straße (370 Meter) samt der Hausanschlüsse zu erneuern. Auch hier gilt: In diesem Jahr die Vergabe, gebaut werden soll 2027.
- Rollingergasse: In dieser kleinen Zufahrtsgasse von der Hauptstraße sind Schäden in den Wasserleitungen festgestellt worden. Die „Grundstückssituationen und Leitungslagen“ erfordern hier „komplexere Arbeiten“, allerdings auf gerade 70 Metern. 2026 ist auch hier Planungsjahr, für 2027 die Ausführung geplant.
- Gartenstraße: Auch hier wurden mehrere Rohrbrüche bei Hauptleitung und Hausanschlüssen festgestellt. Die Erneuerung wird auf 436 Metern Länge ausgeführt, ist jetzt zu planen und kommendes Jahr umzusetzen.
Abfallwirtschaft
Im Bereich der Abfallwirtschaft lautet die Aufgabe der Mitarbeiter, die „ordnungsgemäße Sammlung und Entsorgung aller Abfälle und Wertstoffe“ zu sichern, mit dem Ziel einer „umweltverträglichen Verwertung und Beseitigung von Abfällen sowie Schonung der natürlichen Ressourcen“. Auch die Abfallberatung der Bürgerinnen und Bürger, bei der es vor allem um Tipps zum Vermeiden von Abfällen geht, gehört zu den Aufgaben.
Die Einnahmen generiert vor allem die Altpapierverwertung, die Marktentwicklung ermöglicht zufriedenstellende Erlöse. Ein gutes Drittel davon geht an das Duale System als Organisator der Leerung der blauen Tonnen.
Bei der Altkleider-Annahme wird seit einigen Jahren illegale Konkurrenz bekämpft. Fremde Altkleidercontainer würden „zeitnah entfernt“. Da Textilien seit 2025 generell nicht mehr in den Restmüll geworfen werden dürfen (es sei denn sie sind stark verschmutzt oder verschlissen), sollten die Altkleidercontainer eigentlich besser genutzt werden. Der Markt für Alttextilien habe sich aber durch eine Absatzkrise „extrem verschlechtert“. Das hat vielerlei politische und wirtschaftliche Gründe, aber auch die verstärkte Neigung der Bürger, gebrauchte Kleidung über das Internet zu verkaufen und ein genereller Rückgang des Textilkaufs tragen dazu bei. „Es wird damit gerechnet, dass durch das Sammeln von Alttextilien keine Erlöse mehr generiert werden können“, betont der Bericht.
Bezahlen muss der Eigenbetrieb vor allem die eingekauften Leistungen von Entsorgungs-Dienstleistern, ein Schwerpunkt sind dabei die Zahlungen an den Main-Taunus-Kreis, der für die Aufbereitung von Grünabfällen, den Elektroschrott, Sperrmüll, Sonderabfälle und den Hausmüll zuständig ist. „Die Vergütung für die Bewirtschaftung des Wertstoffhofes Wicker haben sich um 4,6 Prozent, die Kosten für die Sperrmüllsammlung durch den Entsorger um 4,28 Prozent erhöht“, betont der Bericht.
Abwasserbeseitigung
Die Stadtwerke sind hier nicht etwa als Eigentümer oder Betreiber der Kläranlage gefragt, das ist die Aufgabe des Abwasserverbandes Flörsheim. Geld verdient der Bereich zum Beispiel über „Abwasseruntersuchungen der Indirekteinleiter und Erlaubnisgebühren für Kanalhausanschlüsse“. Dazu durch die Gebühren für die Oberflächenentwässerung der 1,475 Millionen Quadratmeter privater Grundstücke (74 Cent pro Kubikmeter) und 554.300 Quadratmeter öffentlicher Straßen, Wege und Plätze (98 Cent pro Kubikmeter). Auch die Klärgrubenleerung gehört zu den Aufgaben des Betriebsbereichs.
Kosten entstehen durch den Verbandsbeitrag an den Abwasserverband Flörsheim. Dieser wird durch die Erweiterung der Kläranlage zum 1. Januar 2029 wohl um 500.000 Euro steigen – aber bis dahin stabil bleiben. Dienstleistungen, die der Bereich in Anspruch nimmt, sind insbesondere die turnusmäßige Reinigung der Kanalisation, Behebung von Kanalverstopfungen, Inspektionen des Kanalnetzes samt Reparaturen und die Wartung und Erneuerung von Schachtabdeckungen.
In diesem Bereich wird in diesem Jahr auch eine Kreditaufnahme für Investitionen und Investitionsförderungsmaßnahmen benötigt, in Höhe von 1,164 Millionen Euro.
Nahverkehr
Die Stadtwerke Flörsheim sind nicht, wie in manchen Kommunen, selbst Betreiber von Buslinien, aber sie sorgen dafür, dass „die Leistungen und Ressourcen zur Bereitstellung, Entwicklung und Unterhaltung des örtlichen ÖPNV-Angebotes“ bereitstehen. Ziel ist ein attraktives Angebot im öffentlichen Personennahverkehr, "insbesondere für Schüler und ältere Mitbürger ohne eigene Fortbewegungsmittel“. Aber auch die Förderung des ÖPNV „als Alternative zum Individualverkehr“. Einnahmen generiert der Geschäftsbereich Nahverkehr über den Verkauf von Fahrscheinen und Fahrplänen. Für die Schülerbeförderungskosten gibt es ebenso Erstattungen sowie einen Betriebszuschuss der Stadt Hattersheim zur Linie 820.
Kosten entstehen durch die Unterhaltung der Haltestellen. Geld fließt als „Betriebsführungsgebühr“ zudem vertraglich geregelt an den Busbetreiber, die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft.
Fortgesetzt wird in den kommenden Jahren der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen, hierfür gibt es Zuschüsse von bis zu 80 Prozent der Nettobaukosten durch das Land. Zuletzt wurden entsprechende Anträge für die Haltestellen Raunheimer Straße (Jahnturnhalle) und Frankfurter Straße in Weilbach (Auf der Scheib) gestellt. Dank einer Verwaltungsvereinbarung mit Hessen Mobil wurden die Arbeiten sodann ausgeschrieben und in diesem Jahr umgesetzt.
Hafen
So ein Hafen ist auch im beschränkten Ausmaß wie in Flörsheim ein Geschäftsbetrieb, für den hier die Stadtwerke zuständig sind. Einnahmequelle sind die Grundmieten für die Nutzung des Hafengeländes. Die Umsätze sinken derzeit durch den nachlassenden Umschlag bei den alteingesessenen Unternehmen. Da es sich hier vor allem um Sand und Kies handelt, wirkt sich die schwache Baukonjunktur negativ aus. Der Trend wird sich fortsetzen, erwartet der Bericht.
Die Gesamtumschlagsmenge des Flörsheimer Hafens betrug 2019 noch 242.157 Tonnen. Vom Einbruch in den Jahren 2020 (218.830 Tonnen) und 2021 (215.529 Tonnen) erholten sich die Zahlen nie, nach einem kleinen Plus 2022 (222.646 Tonnen) ging es 2023 (182.958 Tonne) und 2024 (137.456 Tonnen) deutlich nach unten. „Die neuere Ansiedlung, die Aufbereitung von Bauschutt betreibt, hat bislang noch nicht zu Schiffsverladungen geführt“, heißt es. Auch der neue Bereich des Flüssigdüngerumschlags sei nachrangig zu betrachten.
Aufwendungen entstehen vor allem durch die Instandhaltungskosten für Gebäude und Außenanlagen. Insbesondere durch hohe Abschreibungen von 95.100 Euro auf die Sachanlagen entsteht in diesem Jahr ein Minus von 115.700 Euro, das im Ansatz 2025 (keine Abschreibungen) noch bei 8.600 Euro lag.
Infrastruktur
Die Stadtwerke sind, wie an den Geräten abzulesen, Betreiber der öffentlichen Ladesäulen in der Stadt. Hier zeigt der Bericht auf, was in den ersten Jahren seit den ersten Installationen im Jahr 2021 gezogen und bezahlt wurde. Generell führen sie „zu Einnahmen aus den Ladevorgängen und können inzwischen kostendeckend betrieben werden“. Zahlen liegen nur aus den Jahren 2022 bis 2024 vor, demnach kamen 2021 durch 1.960 Ladevorgängen 17.722 Euro herein (27.451 Kilowattstunden, kWh), 2023 waren es durch 2.756 Ladevorgänge 30.067 Euro (54.652 kWh) und 2024 dank 3.000 Ladevorgängen 34.992 Euro (63.448 kWh).
In diesem Jahr soll eine weitere Ladesäule aufgestellt werden. Der Standort kann erst nach einer Analyse der Netzkapazitäten durch die Syna festgelegt werden. Derzeit seien keine öffentlichen Fördermittel verfügbar, sodass der Investitionsaufwand für einen weiteren Ausbau deutlich steige. Sehr wohl habe es jedoch Fördermittel für die E-Ladesäule gegeben, die auf der neuen Parkplatzfläche an der Wickerer Kirschgartenstraße eingerichtet wurde.
Beim Glasfasernetz waren nach Abschluss des Ausbaus durch die Deutsche GigaNetz (seit 2021) über 90 Prozent des Stadtgebiets angeschlossen. 2024 konnten Mittel über das „Lückenschlussprogramm“ generiert werden, um 33 „graue Flecken“ nachträglich anzuschließen. Die Investition von 500.000 Euro werden zur Hälfte vom Bund bezahlt, das Land gibt 200.000 Euro dazu. Auch hier ist die Deutsche GigaNetz das beauftragte Unternehmen, der entsprechende Vertrag wurde im November unterzeichnet, die Arbeiten laufen.
Stellenplan
Der Eigenbetrieb Stadtwerke ist 2026 unverändert mit zwölf Stellen ausgestattet, alleine 8,09 davon entfallen auf den Bereich Wasserversorgung, 3,15 auf den Bereich Abwasserbeseitigung. Die anderen Bereiche sind entsprechend nur mit minimalen Zeitbudgets ausgestattet, von je einer Drittelstelle für Abfallwirtschaft und Nahverkehr und 0,08 Stellen für Hafen und Infrastruktur.



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