Die Feuerwehr Wicker öffnete am Wochenende nicht einfach ihre Tore. Sie öffnete auch den Blick auf ein Ehrenamt, das im Ort selbstverständlich wirkt, aber ohne Menschen nicht funktioniert. Beim Tag der offenen Tür zeigte die Wehr Technik, Ausbildung und Einsatzalltag und verband das Fest bewusst mit der Einladung, selbst mitzumachen.
An beiden Tagen wurde das Feuerwehrhaus an der Flörsheimer Straße zum Treffpunkt für viele Familien und Feuerwehrinteressierte. Während Kinder auf der XXL-Feuerwehr-Hüpfburg tobten oder Glitzertattoos ausprobierten, erklärten Einsatzkräfte Fahrzeuge, Ausrüstung und Abläufe. So bekam das Wochenende zwei Seiten: geselliges Beisammensein auf der einen, Einblick in moderne Feuerwehrarbeit auf der anderen.
Wer über das Gelände ging, konnte sehen, wie breit das Aufgabenfeld der Feuerwehr inzwischen ist. Einsatzfahrzeuge standen offen, Schutzkleidung und technische Geräte wurden erklärt, Fragen waren ausdrücklich erwünscht. Zeitweise zeigten Feuerwehrangehörige in voller Einsatzkleidung mit Atemschutz, welche Belastungen im Ernstfall auf die Kräfte zukommen. Sichtbar wurde dabei auch, dass Feuerwehrarbeit längst mehr ist als Schläuche ausrollen und Wasser geben.
Besonders anschaulich wurde das am Sonntagmittag bei einer moderierten Alarmierung. Die Feuerwehr stellte den Ablauf eines Einsatzes realitätsnah dar: vom eingehenden Notruf über die Alarmierung bis zum Ausrücken der Kräfte. Für die Besucher wurde nachvollziehbar, wie schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, welche Aufgaben ineinandergreifen und wie aus einzelnen Handgriffen ein gemeinsamer Einsatzablauf entsteht.
Dass die Feuerwehr Wicker ihr Fest auch zur Mitgliedergewinnung nutzte, hatte einen konkreten Hintergrund. „Wir haben derzeit 54 aktive Feuerwehrangehörige in der Einsatzabteilung, darunter 49 Männer und fünf Frauen“, sagt der 1. Vorsitzende Tobias Heimbuch. Im vergangenen Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr Wicker zu 89 Einsätzen alarmiert, im laufenden Jahr bisher 30 Mal. „Die Tagesverfügbarkeit ist ein Thema, das uns weiter beschäftigt“, sagt Heimbuch. Viele Aktive arbeiteten tagsüber außerhalb des Stadtteils, zudem gingen Homeoffice-Möglichkeiten wieder zurück. Deshalb bleibe es wichtig, weitere Menschen für die Einsatzabteilung zu gewinnen.
Um Interessierten den Einstieg zu erleichtern, lädt die Feuerwehr am heutigen Donnerstagabend um 19 Uhr zu einer Schnupperübung am Feuerwehrhaus Wicker ein. Dort können Besucher die Arbeit der Einsatzabteilung aus erster Hand kennenlernen, Fragen stellen und sich unverbindlich über eine aktive Mitgliedschaft informieren.
Klar wurde an diesem Wochenende: Feuerwehr braucht Menschen, die mit anpacken. Das beginnt bereits in der Nachwuchsarbeit. In der Jugendfeuerwehr engagieren sich aktuell 25 Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren. Hinzu kommen 28 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren bei den „Minilöschern“. Dort geht es nicht nur um erste Einblicke in Feuerwehrtechnik, sondern auch um Teamgeist, Verlässlichkeit und Gemeinschaft. Insgesamt zählt die Freiwillige Feuerwehr Wicker derzeit 666 Mitglieder. In den vier Abteilungen sind 127 Kinder, Jugendliche und Erwachsene aktiv.
Auch der Festbetrieb zeigte, wie stark die Feuerwehr im Ort verankert ist. Mehr als 40 Kuchen und Torten, rund 300 Feuerwehr-Burger, etwa 350 Portionen Schnitzel und mehr als 1000 Portionen Pommes gingen über die Theke.
Hinter diesen Zahlen steht viel ehrenamtliche Arbeit. Organisiert und getragen wurde das Wochenende von Helferinnen und Helfern aus der Einsatzabteilung, dem Verein und dem familiären Umfeld der Feuerwehrangehörigen. Gerade darin zeigte sich, was Feuerwehr im Ort ausmacht: Sie ist Einsatzorganisation, Verein, Treffpunkt und Gemeinschaft zugleich.
Parallel zum laufenden Betrieb steht die Feuerwehr Wicker vor wichtigen Veränderungen. Der Neubau des Feuerwehrhauses kommt voran. Nachdem die Bodenplatte bereits fertiggestellt ist, wurde in dieser Woche die erste Wand betoniert. Bis Ende August soll der Rohbau stehen. Mit der Fertigstellung und dem Einzug rechnen Feuerwehr und Stadtbauamt im Sommer 2027.
Auch beim Fuhrpark steht eine Erneuerung an. Im Spätsommer 2026 erwarten die Einsatzkräfte die Auslieferung eines neuen Staffellöschfahrzeugs StLF 20-V. Es soll das 33 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 ersetzen und ist neben klassischen Einsatzaufgaben besonders für die Vegetationsbrandbekämpfung ausgerüstet. Gerade solche Themen zeigen, wie sehr sich die Anforderungen an die Feuerwehr verändern.
Entsprechend groß ist der Stellenwert der Aus- und Weiterbildung. Im Jahr 2025 besuchten die Wickerer Feuerwehrleute insgesamt 107 Lehrgänge und Seminare, zusätzlich zum regulären Übungsdienst mit 55 Übungen. Neben Angeboten des Main-Taunus-Kreises und der Hessischen Landesfeuerwehrschule organisieren die Flörsheimer Feuerwehren gemeinsame Fortbildungen, etwa zur Vegetationsbrandbekämpfung oder zur Türöffnung. Auch im Einsatz arbeiten die drei Flörsheimer Feuerwehren eng zusammen. Bei kritischen Lagen und Menschenleben in Gefahr werden sie gemeinsam alarmiert.
Weilbacher Wehr wirbt
Auch über Wicker hinaus war der Blick auf die Feuerwehrfamilie im Stadtgebiet gerichtet. Die Freiwillige Feuerwehr Weilbach war an beiden Tagen vertreten und machte auf ihr 100-jähriges Bestehen aufmerksam, das vom 11. bis 13. September rund um die Weilbachhalle gefeiert wird. Geplant sind unter anderem ein Cocktailabend, ein Feuerwehr-Oktoberfest und ein Familientag mit Frühschoppen, Festkommers, Fahrzeugausstellung und Kinderprogramm am Sonntag.
Der Tag der offenen Tür zeigte damit mehr als ein gelungenes Festwochenende. Er machte sichtbar, wie viel Organisation, Ausbildung und persönlicher Einsatz hinter der Feuerwehrarbeit stehen. Und er zeigte, worauf es für die Zukunft ankommt: auf Menschen, die mitmachen – in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, im Verein und besonders in der Einsatzabteilung.



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