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„Nach wie vor ein hoher Feiertag“

Offener Brief: Kritik an Pfarrer Jungs Aussagen zum Fronleichnamsfest

Anlässlich unseres Berichtes zur Feier des Fronleichnamsfestes in den Stadtteilen („Traditionen im Wandel“) wendet sich ein Leser mit einem offenen Brief an Flörsheims katholischen Pfarrer Sascha Jung:

„Sehr geehrter Herr Pfarrer,
Ihr Vorhaben, das Hochfest Fronleichnam in Zukunft am Dreifaltigkeitssonntag mitzufeiern, kommt praktisch einer Abschaffung gleich, denn das einzigartige Fest würde dadurch seine Eigenständigkeit verlieren. Die Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit und die Verehrung des Leibes und Blutes Christi sind zwei ganz verschiedene Dinge. Beim Evangelium tritt dies schon zum Vorschein. Welches Evangelium würden Sie vortragen? Hier würden bereits die ersten Probleme auftauchen. Oder: Über welches Thema soll die Predigt gehalten werden? Daher ist dieser Gedanke einer Zusammenlegung absurd. Man kann also beide Hochfeste nur getrennt feiern, wie die Kirche dies festgelegt hat.

Genauso realitätsfern ist Ihre Aussage, dass Fronleichnam schon längst kein Feiertag mehr sei. Die rund 400 Gläubigen, die zur Mitfeier des Fronleichnamsfestes gekommen waren, müssten Sie doch vom Gegenteil überzeugt haben. Welche Beweise brauchen Sie denn noch, dass dieser Feiertag seine Eigenständigkeit behalten muss? Und dass Fronleichnam nach wie vor ein hoher Feiertag für die Menschen bedeutet. Auch wenn Sie – aus welchen Gründen auch immer – dies anders sehen. Wir sind das Kirchenvolk!

Eines sollte Ihnen bewusst sein: Wenn die Kirche anfängt, ihre eigenen Feste abzuschaffen, schafft sie sich selbst ab und leitet ihre eigene Zerstörung ein. Dieser aufrüttelnde Satz stammt nicht von mir, sondern von einem hohen kirchlichen Würdenträger. Zum gleichen Thema der Eucharistie hat der Präfekt für Gottesdienste und Sakramentordnung, Kardinal Robert Sarah, kürzlich von der Selbstzerstörung der Kirche gesprochen. Zahlreiche Priester und Bischöfe hätten diese nachkonziliare Entwicklung mit zu verantworten. Dies sei auch die Ursache der derzeitigen großen Glaubenskrise in unserer Kirche.

Abschließend kann ich nur hoffen und Sie bitten, Ihr Vorhaben noch einmal zu überdenken und die Ihnen anvertrauten Gläubigen nicht zu enttäuschen, die nach wie vor das Hochfest des Leibes und Blutes unseres Herrn als eigenständiges Fest feiern wollen.

Mit freundlichem Gruß“
Werner Rühl, Flörsheim

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