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Wald unterschiedlicher Interessen

Es war bisher nie meine Art, Leserbriefe zu schreiben. Wenn ich von dieser Gewohnheit jetzt abweiche, dann hängt das damit zusammen, dass mittlerweile die Kommunalpolitik in Flörsheim und noch mehr die öffentlichen Stellungnahmen und Äußerungen immer verwunderlicher werden. Dies gilt beispielsweise auch für das Geschehen um die Fällung der elf Tulpenbäume in der Riedstraße.

Der eigentliche Sachverhalt ist einfach. Die Riedstraße wird ausgebaut, es werden neue Parkplätze geschaffen. Im Zuge der Baumaßnahmen stehen die Bäume im Weg und es droht deren Beschädigung. Daraufhin werden elf – ökologisch durchaus umstrittene – Tulpenbäume gefällt. Im Sommer werden sie durch neue Anpflanzungen ersetzt. Das Ganze ist ein üblicher Vorgang und eigentlich nicht weiter verwunderlich.

Wenn dann allerdings das Ganze zu einem ungeheuerlichen Umweltfrevel hochstilisiert wird und sogar – auch in Zeitungen – von einem „Kettensägenmassaker“ gesprochen wird, dann ist dies mehr als verwunderlich, nämlich abgedreht.

Wenn man dann sieht, dass an den Protesten nur wenige Anwohner der Riedstraße beteiligt waren, ist dies wieder weniger verwunderlich. Aus meiner langjährigen kommunalpolitischen Praxis weiß ich, dass die Anwohner häufig das Entfernen von Bäumen verlangen, weil sie Parkplätze wegnehmen, oder das Laub von privaten Grundstücken entfernt werden muss, oder abgestellte Autos verschmutzt werden, oder Wurzeln die Bürgersteige hochdrücken, oder auf dem Friedhof Laub auf den Gräbern liegt und ebenfalls Wege hochgedrückt werden, und so weiter. Es ist häufig alles andere als einfach, dann für den Erhalt von Bäumen einzutreten. Hier geht es dann nicht um das Fällen von Bäumen im Rahmen von Baumaßnahmen und deren Ersatz, sondern schlichtweg um das finale Beseitigen von Bäumen.

Vielleicht würde es ja zu Versachlichung der Diskussion beitragen, wenn die Baumschützer jeweils konkrete Vorschläge für die Standorte neuer Bäume unterbreiten würden und dazu gleich die Diskussion mit den betroffenen Anwohnern führten und deren Einverständnis vorlegen könnten. Sicherlich würde sich dann niemand in der Flörsheimer Kommunalpolitik solchen abgestimmten Baumpflanzungen widersetzen.

Ein solches Vorgehen würde dann auch zeigen, dass hinter einzelnen Bäumen häufig ein Wald unterschiedlicher Interessen steht. Manchmal verbirgt sich dann wohl in einem solchen Wald dann auch noch ein politischer Dschungel.

Gerd Mehler, Vorsitzender SPD Flörsheim

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