Fantasien zwischen Barock und Tango

Monica Gutman und Ramón Jaffé verströmten in der Kulturscheune Sommerfantasien

Foto: nab
Mit Klavier und Violoncello führten Monica Gutman und Ramón Jaffé das Publikum musikalisch vom Barock bis in die Klangwelt des Tangos.
Mit Klavier und Violoncello führten Monica Gutman und Ramón Jaffé das Publikum musikalisch vom Barock bis in die Klangwelt des Tangos.

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Es war ein Konzertabend, der bewusst einen anderen Akzent setzte. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis hatte zu „Sommerfantasien vom Barock bis Tango“ in die Kulturscheune Flörsheim eingeladen. Im Mittelpunkt standen nicht die tragischen Seiten des Miteinanders von christlicher und jüdischer Kultur, sondern Momente der Begegnung, der Freude und des musikalischen Genusses.

Mit der Pianistin Monica Gutman und dem Cellisten Ramón Jaffé standen zwei international erfahrene Künstler auf der Bühne. Gutman, in Bukarest geboren und seit vielen Jahren in Deutschland tätig, ist als Solistin und Kammermusikerin ebenso gefragt wie als Rundfunk- und CD-Interpretin. Jaffé, geboren in Riga und musikalisch in Israel und Deutschland geprägt, konzertiert weltweit und ist für sein ausdrucksstarkes, farbenreiches Cellospiel bekannt. Gemeinsam bildeten beide ein Duo, das nicht nur technisch brillant auftrat, sondern vor allem durch ein waches, fein abgestimmtes Zusammenspiel überzeugte.

Das Programm spannte einen weiten Bogen: von Georg Friedrich Händel über Ludwig van Beethoven und Franz Schubert bis hin zu Astor Piazzolla. Daneben rückten Gutman und Jaffé auch weniger bekannte Komponistinnen und Komponisten ins Licht, darunter Helene Liebmann, José Bragato und Anna Segal. Gerade diese Mischung machte den Reiz des Abends aus. Bekannte Namen standen nicht isoliert neben musikalischen Entdeckungen, sondern verbanden sich zu einem abwechslungsreichen Gang durch mehrere Jahrhunderte.

Nach Händels Aria aus dem „Dettinger Te Deum“ zeigte sich in Beethovens Variationen über ein Thema aus dem Oratorium „Judas Maccabaeus“, wie sicher Gutman und Jaffé musikalische Rollen wechseln können. Mal führte das Klavier, mal übernahm das Cello die Linie, dann fanden beide wieder in einem gemeinsamen Puls zusammen. Die Musik blieb transparent, beweglich und lebendig. Mit Schuberts Impromptu Ges-Dur setzte anschließend Gutman einen ruhigen, lyrischen Gegenpol.

Mit Helene Liebmanns Grande Sonate op. 11 in B-Dur öffnete sich der Blick auf eine Komponistin, deren Werk heute nur selten auf Konzertprogrammen steht. Die 1795 in Berlin geborene und mit der Familie Mendelssohn verwandte Musikerin fügte sich an diesem Abend nicht als bloße historische Randnotiz ein. Gutman und Jaffé machten hörbar, dass ihre Musik Kraft, Eleganz und kammermusikalische Lebendigkeit besitzt.

Nach der Pause rückten stärker jüdische und lateinamerikanische Klangwelten in den Vordergrund. Anna Segals „Ladino Suite“ basiert auf jüdisch-spanischen Liedern aus dem Mittelalter, die bis heute gesungen werden. In den Sätzen „Tsur mishelo“, „Morenica“ und „Adios querida“ verbanden sich Erinnerung, Melodie und tänzerische Bewegung. Jaffés Celloton wirkte dabei warm und erzählerisch, Gutman gab der Musik rhythmische Sicherheit und klangliche Tiefe.

Eine besondere Nähe entstand bei Segals „RamonTango“, den die Komponistin eigens für Monica Gutman und Ramón Jaffé geschrieben hat. Hier zeigte sich die Virtuosität des Duos besonders eindrucksvoll: nicht als bloße technische Demonstration, sondern als musikalische Spannung, die aus Präzision und Temperament entstand. Auch José Bragatos „Milontan“ und Piazzollas „Escualo“ lebten von diesem Wechselspiel. Das Cello sang, drängte und attackierte, während das Klavier Akzente setzte, Räume öffnete und den Rhythmus schärfte.

So wurde aus den „Sommerfantasien“ ein Konzert, das kulturelle Verbindung hörbar machte. Gutman und Jaffé führten sicher durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte und verbanden technische Brillanz mit Leichtigkeit. Am Ende stand ein Abend, der zeigte, wie lebendig Begegnung klingen kann – vom Barock bis zum Tango.

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