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Viel Humor auch ohne Kaffee und Kreppel

Gesangverein Sängerlust setzte in der Wickerer Goldbornhalle bei ausgelassener Stimmung Himmel und Hölle in Bewegung

Mit „Wick Air“ ging‘s beim Kreppelkaffee des Wickerer Gesangvereins Sängerlust auf eine närrische Reise.
(Fotos: gib)

WICKER (gib) – Der Gesangverein Sängerlust Wicker hatte am Wochenende 16./17. Januar 2019 gleich zweimal zu seinem „Kreppelkaffee“ eingeladen und dafür buchstäblich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Der Andrang im Foyer der Goldbornhalle war gewaltig, schließlich versprachen die 13 Programmpunkte den fantasievoll und fastnachtlich verkleideten Gästen einen Abend voller karnevalistischer Highlights, mit Showballett, Musical, Bauchredner und viel Gesang.

Die Weilbacher Narren wurden begrüßt von Katharina Döring und Alexandra Eckoff, nicht ohne vorab auf die eingeführte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hinzuweisen – mit einem schwarzen Balken vor den Augen, denn so werden zukünftig Fotos veröffentlicht. Charmant geleiteten sie das Publikum mit witzigen Sketchen zwischen den Programmpunkten durch den Abend, tatkräftig unterstützt von Daniela Seibt, Dominik Wiehle, Moritz Döring, Alisa Roos und Sarah Studer.

Der erste Programmpunkt einer Sitzung zu sein ist immer eine besondere Herausforderung, jedoch absolut kein Thema für die „Wild Kids“. Unglaublich süß war der Auftritt der Allerkleinsten. Siebzehn kleine Mädchen und Jungs in Tüllröckchen und Latzhosen tanzten begeistert und hoch konzentriert nach Anleitung von Marie Niedermeier und Madlen Schröder als „Trolls“ über die Bühne. Sie hatten sichtlichen Spaß daran, so dass das Publikum vor Begeisterung lang applaudierte.

Eine etwas andere Art, in das knapp fünfstündige Abendprogramm einzusteigen, verfolgten die neun Stammtisch-Sänger unter Kurt Donhauser bei musikalischer Begleitung von Hans Kaspar Scharf. Mit bekannten Melodien wurde dabei die große und kleine Politik parodistisch aufgemischt: „Warum habt Ihr nicht nein gesagt?“ – ob Parteien, EU, GroKo oder die Ehepaare im Saal: Alle hatten ja schließlich die Wahl. „Die Rosi, die will in die Stadt, nur blöd, dass sie ‘nen Diesel hat …. Skandal, Skandal um Rosie!“ Keinen Cent für Wicker, denn Flörsheim kann nicht zahlen, lautete die melodische Kritik dazu, dass der „Kohle“-Ausstieg für Flörsheim nix Neues ist.
Die „Bambinis“ mit dem Thema Hawaii standen derweil schon abrufbereit und ungeduldig zappelnd am Aufgang zur Bühne. Sie wurden begleitet von Tina Hlubucek, Sofia Graf und Caroline Hauf und zeigten einen beachtlichen Auftritt nach hawaiianischer Art mit Bambusröckchen und Blütenketten.

Comedy, Tanz und viel Musik
„Der Puppenbändiger“ – das ist Markus Wissel, Bauchredner aus Nauheim. Sein Thema: „Hörst Du Dir eigentlich noch zu?“ Markus Wissel hatte skurrile Charaktere im Koffer, und es war manchmal nicht leicht, die Puppen zu bändigen. Da war Günni, ein liebenswerter alter Meckersack mit Platz- und Höhenangst, der seine Frau zum Eierholen in den Keller schickt, und ein blaues, hessisches Alien mit frecher Klappe. Manchmal erstaunte das überraschende Eigenleben der Puppen. Wenn der Bauchredner Wissel einen Freiwilligen sucht, sollte man sich jedoch in Acht nehmen: So wie Moritz Döring könnten Sie etwas sagen, was Sie gar nicht wollen. Und manchmal ist Wissel derjenige, der mit dem Wasser redet: Mit stillem Wasser, versteht sich.

Dass im Himmel die Hölle los ist, demonstrierte das Jugendballett „Freaks“ mit enorm viel Power und Eleganz unter der Leitung von Ina und Celine Schücker. 22 Engel und Teufel nahmen die Bühne der Goldbornhalle in Besitz und fegten, vernebelt vom Höllenfeuer, über die Bühne.

Vertreibung aus dem Paradies – die Geschichte aus der Bibel kennt jedes Kindergartenkind: Adam und Eva lebten glückselig in den Tag hinein, bis Eva die „verbotene Frucht“ vom Baum nahm. Holger Berndt und Daniel Sabisch stritten in ihrem Zwiegespräch nun darüber, wie die Misere zwischen Mann und Frau eigentlich angefangen hat und wer denn letztendlich das bessere göttliche „Produkt“ ist.

Was wäre die Sitzung der Wickerer Sängerlust ohne die Aktiven der Gruppe „Sixpäck“? In Eigenregie, mit musikalischer Unterstützung von Ralf Venino und begleitet von Gaby Heimbuch, gestalteten sie einen der herausragenden Höhepunkte des Abends: Eine närrische Reise mit „Wick Air“. Nach dem Boarding, als alle auf ihren Plätzen waren, lauschten die Gäste konzentriert den Anweisungen des Flugkapitäns. Ein turbulenter Flug, Kevin Rüdiger als beschwipster Pilot, zwei homosexuelle „Stuwies“ und fünf attraktive Flughostessen – mit viel Heiteitei, stimmgewaltigem Live-Gesang und flotter Partymucke flogen Celine Langguth, Davide Giglio Gomez, Mika Heimbuch, Kevin Rüdiger, Sophia Schreiber, Celine Schücker und Caroline Hauf durch das närrische Programm und nahmen das Publikum mit auf ihren Flug.

Die diesjährige Oscar-Verleihung fand diesmal in der Weltmetropole Wicker statt. Gleich nach der zweimal elfminütigen Pause wurde in der Goldbornhalle der rote Teppich ausgerollt. Die Selbsthilfegruppe SSHG verlieh Auszeichnungen in verschiedensten Kategorien. Westernreiter und „kleine Männer“ waren auf dem roten Teppich genauso vertreten, wie der Wickerer Heino in der Kategorie „Heimatfilm“ oder blaue Aliens in der Kategorie „Action“. Ideen und Technik dieser gewaltigen Männer-Show lagen in den Händen der SSHG-Gruppe, trainiert haben sie mit Katharina Döring und Nora-Lisa Mohrs. „Wir sind zusammen groß, wir sind zusammen eins“, erklang es zum Abschluss des rasanten und ideenreichen Spektakels.

Eheprobleme auf der Narrenbühne
Die Schwerdtfegers, das typische Ehepaar, wie man es fast jeden Tag und überall treffen könnte – hemmungslos, geschwätzig, streitend – betraten die Bühne. Brigitte mit knappem Röckchen und hochgesteckter Zottelfrisur und Herbert, mit Anzug, Hut und Krawatte, ließen 25 gemeinsame Ehejahre auf ihre eigene Art und mit skurrilen Ansichten Revue passieren.

„Afrika“ war mehr als eine außergewöhnliche Show, sichtlich eine Bereicherung für die Wickerer Fastnacht. 17 Aktive der Sängerlust zeigten als Musical-Gruppe eine wilde Vorführung in traditioneller Kleidung, die afrikanische Lebensart und afrikanische Tierwelt in Form von Zebras, Löwen und Leoparden in den Mittelpunkt stellte. Höchste Konzentration, Rhythmusgefühl und Eleganz – das Publikum in der Goldbornhalle fand diesen Musical-Beitrag, einstudiert unter der Leitung von Gaby und Mika Heimbuch, spitze. Der Tanz erhielt sehr viel Applaus und eine Wiederholung war vorprogrammiert – mehr geht eigentlich kaum.

Oliver Christ stieg im Anschluss in die Bütt, um sein Dasein als leidgeprüfter Ehemann kundzutun. So berichtete er frustriert darüber, dass er beim Italiener auf Grund der Entscheidungsunfähigkeit seiner Frau von der Pizza kaum etwas abbekommen hat, obwohl er doch viel lieber Spaghetti mit Meeresfrüchten bestellt hätte.

Einen mitreißenden Abschluss des Programms setzte das Ballett „Ina’s Tanzcafé“ mit „It’s Showtime“. „I Love Rock‘ n Roll“, „It’s Raining Men“, „Don’t be a Hero“ – weltbekannte Hits, Musik die allerspätestens zu diesem Zeitpunkt die närrischen Gäste von den Stühlen riss. Eine tolle Choreografie und sehenswerte Kostüme, tänzerische Höchstleistungen und akrobatische Hebefiguren – alles passte bei der Show perfekt zusammen. Die Leitung für dieses Wahnsinns-Spektakel der 17 Tänzerinnen und Tänzern lag bei Ina Schücker.

Ein riesengroßes Dankeschön für das grandiose Gelingen des Abends war an alle Akteure und freiwilligen Helfer gerichtet. Ob es die Feuerwehr ist, ob es die Büttenschieber beim Auf- und Abbau sind, all die Helfer hinter den Kulissen, beim Licht, beim Ton, in der Küche, am Tresen – ohne deren unermüdlichen und teilweise mehrfachen Einsatz wäre eine solche Veranstaltung gar nicht möglich.

Zum krönenden Abschluss trafen sich alle Akteure auf der Bühne und verabschiedeten sich vom Publikum. Sie alle stehen – größtenteils ehrenamtlich – für das Engagement und die Qualität des Sängerlust-Karnevals. Die Stimmung fand ihre Krönung im gesanglichen Beitrag von Gabi und Mika Heimbuch: „Sascha singt mit uns ein Hallelujah“ und „Danke, dass wir Rieslingkinder sind“. Und anschließend rockte die Bühne mit der Band „LiveStyle“ bis weit in die Nacht hinein.

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