Der Schachclub hat es doch noch gepackt. Im Relegationsspiel um den Klassenerhalt in der Hessischen Verbandsliga Süd gab es am Sonntag beim Vertreter der Verbandsliga Nord, SC Bad Nauheim, einen unerwartet deutlichen 5,5:2,5-Sieg. Bei den Gästen brach großer Jubel aus, waren sie doch nur als krasser Außenseiter in die Kurstadt gereist.
Auch das „Liga-Orakel", ein Computerprogramm mit in der Regel recht präzisen Prognosen, hatte die Bad Nauheimer mit 65 Prozent Wahrscheinlichkeit als Sieger gesehen. Doch die Flörsheimer gingen mit großem Kampfgeist und hoher Konzentration an die Bretter und hatten recht schnell deutliche Vorteile.
Diese Vorteile fanden auch im Spielstand ihren Niederschlag. Wahid Jamali und Vega Lopez erzielten Materialgewinne und dann die ersten vollen Punkte. Es folgte ein durchaus überraschender Partiesieg für Markus Lahr, der lange schlecht stand, dann aber auch Glück hatte: ein Bauernzug bewirkte gleich zwei Attacken, von denen sein Kontrahent nur eine abwehren konnte. Die zweite reichte dem Flörsheimer, sich Material zu verschaffen und auf 3:0 zu erhöhen.
Damit war die Sache gelaufen, auch wenn Wolfgang Ruppert am Spitzenbrett ins Hintertreffen geriet und den 3:1-Zwischenstand quittieren musste. In den beiden nächsten Partien aber sahen sich die Bad Nauheimer zu Remisen gezwungen, die Christian Specht und Alexander Stegmaier auf Flörsheimer Seite für den 4:2-Zwischenstand verbuchten.
Jetzt fehlte dem Schachclub nur noch ein halber Partiepunkt zum Mannschaftssieg – und zum Klassenerhalt. Diesen „Matchpoint" sicherte Wolfgang Pötschke mit gewohnt solidem Spiel. Den Schlusspunkt zum ein wenig triumphalen 5,5:2,5 setzte der bärenstarke Flörsheimer Neuzugang Amritech Roy. Der Inder gewann damit auch sein drittes Spiel für seinen neuen Verein. Und der Schachclub hatte unerwartet sicher den Klassenerhalt in der Hessischen Verbandsliga Süd gepackt.
Beim entspannten Abendessen in der Kurstadt genossen die Flörsheimer mächtig ihren Erfolg. Und das Glück, das ihnen dabei beschieden war. Denn am letzten Spieltag der Verbandsrunde hatten sie nicht nur ihrerseits gegen König Nied gewonnen, sondern auch davon profitiert, dass die Abstiegskonkurrenz von SV Hofheim III und Lahn Limburg mit 4,5:3,5 exakt das Ergebnis produziert hatte, das beide zum Abstieg verurteilte und die Flörsheimer in die Relegation rettete. Hätten die Hofheimer nämlich höher gewonnen, wären sie am Schachclub vorbeigezogen.
Zum Flörsheimer Glück gehörte auch, dass Relegationsgegner Bad Nauheim auf seine Spitzenspieler an den ersten beiden Brettern verzichten musste. Die beiden Franzosen waren anderweitig auf Schachturnieren beschäftigt, um individuelle Meistertitel zu erringen.
All die glücklichen Umstände waren aber nicht geeignet, die große Flörsheimer Freude zu schmälern. SC-Vorsitzender Wolfgang Ruppert sprach gar von einem „Schachwunder", lobte den „unglaublichen Fight" der Mannschaft und sprach seinen Dank für das Mitfiebern und das Daumendrücken aus, mit dem die Vereinsfamilie (vor allem via „WhatApp") die Spieler angespornt hatte. „Das war nicht nur ein super Gefühl, sondern hat uns auch den extra Schub an Motivation gebracht, diese super Leistung abzurufen."
Der Relegationssieg des Schachclubs sorgte übrigens nicht nur in Flörsheim für Freudensprünge. Mit dem Flörsheimer Erfolg waren unterhalb der Unterverbandsklasse nicht weniger als fünf Mannschaften „mitgerettet", denen der Abstieg gedroht hatte. Darunter war auch die Zweite des Untermainrivalen SV Raunheim, für den der ehemalige Flörsheimer Heinz Gerhard Kuckuck zum „deutlichen Sieg" gratulierte. „Das Ergebnis spricht für den Kampfgeist der Flörsheimer", lobte Kuckuck. Und kündigte vollen Raunheimer Einsatz an, wenn in der nächsten Saison Raunheims Erste in der Main-Taunus-Liga auf Flörsheims Zweite trifft.
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