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Anlaufstelle für junge Familien

Büro der „Familienoffensive“ in der Pregelstraße nun offiziell eröffnet

Judith Franz freut sich darauf, jungen Familien in prekären Lagen in Hattersheim dabei helfen zu können, die Bildungschancen ihrer Kinder zu erhöhen.
(Foto: A. Kreusch)

HATTERSHEIM (ak) – Der schmucke Pavillon steht nun schon eine Weile in der Hattersheimer Pregelstraße gegenüber dem Stadtteilbüro, er wird auch schon genutzt, aber am Mittwoch, 7. Juni, wurde er nun auch offiziell mit einem kleinen Fest seiner Bestimmung als Familienbüro im Rahmen des vom Land Hessen geförderten Projektes „Familienoffensive“ gewidmet.

Der Schulchor der Regenbogenschule und deren Leiter Uwe Simon hatten für den Anlass und das zunächst etwas „widrige“ Wetter auch genau die richtigen Lieder mitgebracht – zunächst setzten sich die Kinderstimmen mit einem in vielen Sprachen gesungenen Lied gegen den prasselnden Regen durch, dann „lockten“ sie mit einem Song über die Jahreszeiten die Sonne und sogar einen echten Regenbogen an den Himmel.

Bürgermeister Klaus Schindling konnte sich im Anschluss an die Vorträge des Chores also mit Fug und Recht über den „wunderschönen Tag“ freuen. „Heute gibt es einen Grund für uns, uns über etwas zu freuen, was das Leben in unserer Stadt bereichern wird: Mit Unterstützung der „Familienoffensive“ wird Chancengleichheit und Bildungsgleichheit bei uns nun im frühesten Stadium gefördert werden können“, erläuterte er zufrieden. „Der Pavillon wird die Anlaufstelle sein, in der sich Judith Franz um die Fragen und Probleme junger Familien kümmern kann. Das ist sicher ein weiterer Baustein zu einem bunten, toleranten und besseren Miteinander in unserer Stadt!“ Schindling ist sich sicher, dass die Familienoffensive – nicht zuletzt durch „die tolle Arbeit des Stadtteilbüros“ mit Heike Bülter, Eberhardt Roth und Yvonne Höhl – in Hattersheim Früchte tragen wird.

Auch Holger Kazzer, Geschäftsführer der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft (HaoWoBau), begrüßt das Projekt Familienoffensive in der Hattersheimer Siedlung sehr. „Aus der Sicht der Wohnungswirtschaft haben sich Wohnungsbaugesellschaften in den letzten Jahren vom Verwalter zum Dienstleister gewandelt“, meinte Kazzer. „Wir bieten unseren Mietern heute viel mehr als nur wohnen an – das kann man auch an unserem neuen Logo erkennen, in dem es ja nun heißt: Schönes Wohnen, schönes Leben!“ Das Projekt Familienoffensive sieht der Geschäftsführer der HaWoBau als einen weiteren Beitrag zu diesem Angebot. „Dem Projekt wünsche ich alles Gute und ich freue mich sehr, dass mit Judith Franz eine so engagierte und empathische Mitarbeiterin dafür gefunden wurde!“, erklärte der Holger Kazzer den Festgästen.

Koordiniert von der LAG 
Auch Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler wandte sich mit einem kurzen Grußwort an die Gäste, er dankte den Kindern, denen „es gelungen ist, den Regen wegzusingen und die Sonne hervorzulocken“. „Ein junges Projekt brauch ja auch beides, Wasser und Sonne, zum guten Gelingen!“ Ein solches „gutes Gelingen“ wünschte er der Familienoffensive.

Katrin Sen, Referentin für Soziale Stadtteilentwicklung der Servicestelle Gemeinwesenarbeit (GWA) und Jugendbildung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) soziale Brennpunkte, die das Landes-Projekt „Familienoffensive“ koordiniert und die Beteiligten vor Ort schult, war ebenfalls zur offiziellen Einweihung des Familienbüros gekommen. Sie erklärte den Festgästen, dass die Hessische Landesregierung im Rahmen ihres Sozialbudgets sowie eines Hessischen Aktionsplans zur Integration von Flüchtlingen und der Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts das Förderprogramm GWA aufgelegt hat, welches das Ziel hat, nachhaltige positive Entwicklung in Quartieren mit besonderen sozialen und integrationspolitischen Herausforderungen zu unterstützen. „Viele Familien brauchen durch ihre speziellen Lagen besondere Hilfe“, weiß Kathrin Sen, „dieses Projekt soll diese Familien fördern und ihre Situationen verbessern.“

Die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung sei vor allem durch demografischen Wandel und durch Zuwanderung geprägt, welche beide zahlreiche Herausforderungen mit sich brächten. Auch die negativen Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels wie etwa den vermehrten Zulauf zu populistischen Parteien und die sozialräumliche Spaltung in Städten und Gemeinden führte Kathrin Sen vor Augen. Diese Herausforderungen gelte es vor allem in benachteiligten Quartieren zu bewältigen, da solche Stadtviertel oft etwa die ersten Ankunftsorte für Zuwanderer darstellten. „In bestimmten Sozialräumen gibt es daher eine Häufung von benachteiligenden Faktoren, dadurch werden dort die Lebensperspektiven von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflusst“, berichtete Kathrin Sen. Mit dem Förderprogramm sollen nun Kommunen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützt und positive Entwicklungen angestoßen werden, damit sollen die Lebensbedingungen und die Perspektiven der Stadtteilbewohner verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe sowie das gesellschaftliche Engagement sowie das nachbarschaftliche Zusammenleben gefördert werden.

„Es gab aus 39 Städten und Landkreisen Anträge zu 79 Fördergebieten bei diesem Förderprogramm, daraus ist ein ausgewogenes Verhältnis von etwa 50 Projekten mit ebenso vielen Koordinierungsstellen geworden“, berichtete Kathrin Sen weiter. Dass auch Hattersheim mit der Familienoffensive in das Programm aufgenommen wurde, um hier Familien zu fördern, Bildungschancen für Kinder zu verbessern und eine Willkommensstruktur zu schaffen, findet sie besonders gut: „Wir freuen uns, dass Hattersheim dabei ist bei diesem Programm, denn die LAG pflegt schon seit vielen Jahren sehr gute und intensiver Beziehungen in der Stadt und die Zusammenarbeit war immer hervorragend – wir wünschen ebenfalls gutes Gelingen!“, schloss sie ihr Grußwort ab und kündigte an, dass es bald einen öffentlich zur Verfügung stehenden Bericht der LAG in der Sache geben wird, „in dem sicher einiges steht, was auch Sie schon immer gesagt und gewollt haben.“

Mit den Worten „Wir fangen jetzt an zu feiern!“ lud Heike Bülter nach dem „offiziellen Teil“ dann alle zu Kaffee und Kuchen und speziell die Kinder zur Inbesitznahme der Hüpfburg und zum Windlichter-Basteln ein.

Ansprechpartnerin für junge Familien
Judith Franz ist die Ansprechpartnerin, auf die junge Familien im Hattersheimer Familienbüro zumindest bis zum Jahr 2018 (so lange läuft das Förderprogramm des Landes) treffen werden.

„Mir macht die Arbeit hier wirklich Spaß“, versichert die 33-jährige Mutter von dreijährigen Zwillingen aus Kriftel lächelnd, die in einer ähnlichen Siedlung wie „Sachsenhausen“ groß geworden ist. „Als Ethnologin interessiere ich mich für die verschiedenen kulturellen Hintergründe und kann mich darauf sehr gut einstellen, das ist gerade hier in der Siedlung wichtig. Und auch als Mutter kann ich die Probleme, mit denen die Familien zu mir kommen, sehr gut nachvollziehen.“ Judith Franz hat nicht nur Ethnologie, sondern auch Pädagogik und Politologie studiert, in den Fächern hat sie einen Magisterabschluss. Das wichtigste ist aber sicher: Sie bringt Verständnis und auch Sympathie für diejenigen mit, die sich mit ihren Fragen und Problemen an sie wenden. „Mir lag eben auch am Herzen, dass es eine kleine Spielecke im Familienbüro gibt und eine Bank mit einem Kissen, wo die Mütter auch mal ihre Babys stillen können“, erklärt Judith Franz sympathisch, „ich habe ja selbst Kinder im 'Projektalter' und ich behandele die Eltern selbstverständlich so, wie ich selbst in der gleichen Situation behandelt werden möchte. Mir ist es wichtig, dass sich jeder angenommen fühlt und dass man sich mit gegenseitigem Respekt behandelt.“

Im persönlichen Gespräch mit Judith Franz wird bald deutlich, dass sie sich selbst nicht als bloße Bürokratin versteht. „Ich möchte vor allem helfen und mich engagieren – obwohl ich natürlich weiß, dass auch die Aktenführung und die Dokumentation zu meinem Job gehören“, bekräftigt sie gerne.

Dass ihre Tätigkeit im Familienbüro ein weites Arbeitsfeld mit vielen ganz unterschiedlichen Problemfällen umfasst, hat sie inzwischen schon bemerkt. „Es ist einfach schön, wenn bei einem Problem dann direkt ein Netzwerkpartner zur Verfügung steht, der helfen kann – aber das ist nicht immer so. Etwa wenn Geflüchtete, die schon anerkannt sind, bei mir Rat suchen, die sind dann schon sehr auf sich allein gestellt“, konnte Judith Franz erfahren, „aber da ist es schon oft genug, wenn man bei den ganz normalen Abläufen helfen kann, soweit das ins Projekt passt – etwa wenn ein Kindergartenplatz gebraucht wird und man geht mit den Eltern in die Kita, um beim obligatorischen Elterngespräch dabei zu sein. Oder wenn man dabei helfen kann, unsere Sprache zu lernen, oder kulturelle Besonderheiten zu vermitteln, da ist schon soziale Kompetenz gefordert.“ Allerdings sei eben ein Kindergartenplatz wichtig gerade für Zuwanderer. „Die Eltern knüpfen dort dann ja auch Kontakte mit anderen Eltern und auch die Fachkräfte in den Betreuungseinrichtungen sind wichtige Ansprechpartner für sie“, ist Judith Franz klar. „Natürlich 'besorge' ich niemandem einen Kindergartenplatz, da gelten für alle gleiche Regeln, aber inzwischen konnte schon eine Kooperation mit einer Kindertagesstätte gegründet werden. Die Zusammenarbeit mit Kitas ist eben ganz besonders wichtig für das Projekt, und sie läuft schon sehr gut.“

In Expertenrunden haben Hattersheimer Fachkräfte sich beraten, mit wem die Zusammenarbeit noch besonders wichtig ist, dabei wurde auch deutlich, worin die Fachkräfte dort – etwa eben in Kitas, in der Frauenberatung oder im Psychosozialen Zentrum – noch geschult werden müssen. „Dabei sind viele wichtige Punkte schon besprochen worden“, erzählt Judith Franz von den Projektvorbereitungen, „aber es wurden auch Fortbildungen etwa zu interkultureller Kompetenz für die nahe Zukunft geplant.“
Für die jungen Familien in Hattersheim hat es schon eine Infoveranstaltung zum deutschen Schulsystem gegeben, aber auch der Umgang mit Geld ist ein Thema für manche Familie. „Wir möchten schaffen, dass die Familien so frei von prekären Lebenslagen und so stabil sind, dass sie sich tatsächlich auf die Bildung ihrer Kinder konzentrieren können“, erklärt die Ethnologin, „dabei ist die Bildung der Eltern aber ebenfalls ein Punkt, gebildete Eltern können besser fördern. Nachhilfe für die Kinder ist an der Stelle natürlich schön – aber noch besser wäre es, wenn Eltern und Kinder gemeinsam lernen könnten!“

Auch das zu ermöglichen, ist ein Ziel des Projekts Familienoffensive in Hattersheim, welches im Familienbüro in der Pregelstraße mit Judith Franz eine ebenso fachkundige wie freundliche und tatkräftige Ansprechpartnerin hat.

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