„Button-Orden“ dient als Mutmacher

Die Eddersheimer Kümmeldrescher trotzen kreativ und engagiert der Wehmut und der Lethargie

Birgit Bartels, die Sitzungspräsidentin der Eddersheimer Kümmeldrescher, in 2021 ausnahmsweise im gelb- blauen Sitzungsornat mit dem diesjährigen Button-Orden am Kostüm.

Dass die gelb-blau glänzende Kümmeldrescher-Kappe und der paillettenbesetzte dazu passende Überwurf in diesem Jahr doch einmal an die frische Luft kommt, damit hätte die Sitzungspräsidentin der Fassenachter des Eddersheimer Gesangvereins Liederkranz-Eintracht, Birgit Bartels, eigentlich gar nicht gerechnet – aber ein paar regenfreie Minuten am Begegnungshaus des Hattersheimer Stadtteiles machten das dann doch für ein Foto möglich.

Eigentlich ist sie als Fassenachterin mit Leib und Seele bekannt, die Wochen vor Fastnacht sind bei ihr sonst mit viel Arbeit, Trubel, vielen Treffen der Sitzungsplanung und natürlich mit Training für ihren Auftritt bei den beliebten „Honey Ladys“ gefüllt. Ein kleines Zeichen dafür, wie dieses fünfte Jahreszeit ihr Leben sonst durchdringt, trägt sie als Schutz über Mund und Nase. „Die Blumenmuster-Maske ist ein Rest von einem Kostümstoff für den Fastnachtsumzug vor einigen Jahren“, lacht sie sympathisch.

„Sonst glüht meine Nadel in der Zeit vor Fastnacht, da nähe ich nämlich Vereins-Kostüme für den Umzug und natürlich auch die für unseren eigenen 'Honey Ladies'-Auftritt“, erinnert sie sich an die vergangenen Jahre, „aber diesmal bin ich irgendwie ein bisschen in Lethargie verfallen.“ So schön es auch ist, einmal keine Termine zu haben – zumindest die Treffen mit ihren Kümmeldrescher- Kolleginnen und -Kollegen vermisst sie schon. Der erste Planungstermin für die Sitzung 2021 hätte kurz vor dem ersten Lockdown stattfinden sollen und wurde damals aber schon in weiser Voraussicht abgesagt. „Wir hatten zwar im Herbst dann doch wieder überlegt, ob wir vielleicht statt einer großen zwei kleine Sitzungen mit je 80 Gästen in der Sporthalle machen könnten“, erzählt sie, „aber dann hatten schon einige andere Veranstalter ihre Sitzungen abgesagt und manche Aktiven wollten auch nicht nur für unsere Sitzungen etwas einstudieren. Außerdem wollten wir natürlich auch nicht das Risiko eingehen, am Ende vielleicht als 'Superspreader-Event' in der Zeitung zu stehen.“

Sehnsucht nach neuen Tänzen

So fand das letzte Training mit ihren "Honey-Ladies" vor der Fassenacht im letzten Jahr statt, alle zusammen sehen konnten sich die vier fitten und sonst so aktiven Damen in der Zwischenzeit lediglich bei einer gemeinsamen Radtour im Sommer nach Okriftel, wo sie in einem Ausflugslokal zusammen Alben mit Bildern von vergangenen Fassenachtszeiten angeschaut haben. Von den anderen bekannten Tanzgruppen der Eddersheimer Kümmeldrescher weiß Birgit Bartels, dass zumindest die „Sweetie Stars“ sich noch im letzten Sommer zum Training getroffen hatten. Ob auch die „Candy-Girls“ trainiert haben, kann sie nicht sagen. „Wir 'Honey Ladies' hatten noch nicht angefangen, einen neue Nummer einzustudieren“, berichtet sie, „aber manchmal, wenn ich bestimmte Musik im Radio höre, muss ich doch dran denken, dass wir dazu schon getanzt haben“, ergänzt sie doch ein bisschen wehmütig. Bei jeweils etwa fünf zur Tanzmusik bei Nummern wie „Jakob-Sisters“, „Seemänner“, „Punk-Ladies“, „Dicke Mädchen“, „Las Vegas“, „Orientalisch“ (und noch vielen vielen mehr) zusammengeschnittenen Musiktiteln kommt da schon einiges an erinnerungsträchtigen Melodien zusammen.

„Aber dann hat mich ein Anruf von Heidi Gärtner aus meiner Lethargie geholt. Sie und Daniela Freese-Krüger hatten die Idee, den sonst immer so aktiven Kümmeldreschern in diesem Jahr einen Orden für das Durchhalten ohne Fassenacht zu schenken“, berichtet Birgit Bartels, „der soll ein Dankeschön für den Einsatz in all den vergangenen Jahren sein und aber auch allen Mut machen, dass es nächstes Jahr weiter geht.“ Aber weil es ja in 2021 – wegen ausfallender Sitzungen - gar keine Einnahmen geben konnte, sollte statt eines "echten“ Ordens ein „Button-Orden“ an die ausgefallene Fastnacht erinnern. Diese Idee gefiel Birgit Bartels natürlich sofort und beflügelte sie auch schnell zu einem fastnachtlich gereimten „Begleitschreiben“, in dem es zum Beispiel heißt:

In durch Telefonate koordiniertem Teamwork schafften es die drei Eddersheimer Fassenachterinnen über ein Wochenende ihre Idee mit einer ausgeliehenen Buttonmaschine umzusetzen, den von Daniela Freese-Krüger selbst gestalteten Orden einhundertmal zu produzieren und an aktive Kümmeldrescher zu verteilen.

Kümmeldrescher im Homeoffice

Passend zur diesjährigen Fastnachtssituation hat Daniela Freese-Krüger sogar eine ganze Büttenrede über „En Kümmeldrescher im Homeoffice“ verfasst, in der sehr humorvoll beschrieben wird, wie ein echter Eddersheimer Kümmeldrescher selbst die diesjährige einsame Fastnachtszeit mit „eiserner Narren-Disziplin“ dann doch der fünften Jahreszeit entsprechend halt allein im eigenen Haus „auslebt“: im mit Girlanden geschmückten Wohnzimmer gibt’s selbstgeschmierte „halbe Weck mit Hackepeder“, und der Fastnachtsumzug führt mit selbst in die Luft „geschmissene Bombo“ und „Single-Polones“ durch’s Treppenhaus vom Dach bis zum Keller, wo der „gans privade Single-Glühwoistand“ sogar mit „Broadworscht“ wartet. Hoffnungsvoll endet auch diese Hymne an die in diesem Jahr wohl für alle verlorene Fassenacht mit den Worten: „Im näschde Joahr, an Fassenacht, geht’s widder rischdisch rund. Helau!“

Mittlerweile hat Birgit Bartels auch schon immer wieder mal „Blitz-Ideen im Kopp“, wie die Kümmeldrescher- Fastnacht nächstes Jahr aussehen könnte, auch wenn dann immer noch Abstand halten angesagt sein könnte. „Das gemeinsame Kreativsein fehlt mir doch schon ein bisschen“, sagt sie, „so langsam wäre der eine oder andere Kontakt schon schön. Aber in nächster Zeit sollte noch keiner zur Kontaktaufnahme genötigt werden.“

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