E-Scooter kommen wieder nach Hattersheim

Neues stationsbasiertes Verleihsystem der Firma Lime als Pilotprojekt ab Montag, 5. Oktober

Foto: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026
Entwicklung der Anzahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden in Deutschland.
Entwicklung der Anzahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden in Deutschland.

mpk

Zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Donnerstag teilte Bürgermeister Klaus Schindling mit, dass ab Montag, 5. Oktober, über ein stationsbasiertes Verleihsystem E-Scooter der Firma Lime in Hattersheim an den Start gehen.

Lime habe bei der Stadt Hattersheim angefragt, ob sie das machen dürfen - und Schindling zufolge blieb der Verwaltung kaum etwas anderes übrig blieb, als dies zuzulassen. "Ich selbst sehe das mit gemischten Gefühlen", gab der Bürgermeister zu Protokoll, aber man könne auch nicht einfach Anfragen, welche der Sondernutzungssatzung der Stadt entsprechen, ablehnen, sofern diese der Stadt und der Bevölkerung nicht gerade Ungemach oder gar Gefährdung bescheren.

In Sachen E-Scooter ist Hattersheim bereits ein gebranntes Kind: Vor gut fünf Jahren ging der Mikromobilitäts-Anbieter Bird hier an den Start. Damals war man im Vorfeld noch froh darüber, den Hattersheimer Bürgerinnen und Bürgern ein solch smartes Fortbewegungsmittel anbieten zu können, man versprach sich davon eine gute Alternative zum PKW-Verkehr, speziell für kurze Wege im Stadtgebiet.

Jetzt hat man Lime direkt mitgeteilt, dass man es künftig nicht mehr so haben will wie seinerzeit mit Bird, sprich: Die Menschen sollen nicht mehr mit den E-Scootern fahren und diese dann irgendwo abstellen, und abends werden sie dann mit Bussen eingesammelt - zumindest größtenteils, denn immer wieder landeten solche E-Scooter auch mal im Schwarzbach. Deshalb will man das neue Angebot jetzt straßenverkehrsbehördlich regeln und nur ein paar wenige Stellplätze einrichten, wo die Roller abgeholt und eben auch wieder abgestellt werden können. Und damit hätte man auch einen Hebel in der Hand zum Regulieren, falls sich Lime nicht an diese Vorgabe halten sollte, beschrieb Schindling die Situation aus Sicht der Stadt.

Das Ganze sei auch zunächst einmal ein Pilotprojekt, und man müsse ohnehin erst abwarten, ob sich das neue hiesige Angebot für Lime überhaupt als lukrativ erweisen wird, so der Rathauschef.

Sind E-Scooter wirklich so umweltfreundlich?

Längst hat sich gezeigt, dass das Thema E-Scooter nicht immer nur mit positiven Erfahrungswerten behaftet ist. Bereits vor sechs Jahren trat in Deutschland die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) in Kraft. Diese regelt seitdem die Verwendung von Elektrokleinstfahrzeugen wie eben jenen E-Scootern im öffentlichen Straßenverkehr. Prompt legte in Frankfurt der erste Anbieter mit einem entsprechenden Verleihangebot los, seitdem prägen immer wieder herumstehende E-Roller das dortige Stadtbild.

Dies wäre gegebenfalls ein geringer Preis für einen echten Beitrag zur Verkehrswende. Gerne werden die E-Roller als umweltfreundliche Alternative zum Auto beworben. Das Umweltbundesamt (UBA) kam jedoch 2020 zu einer davon abweichenden Bewertung: Demnach seien elektrische Tretroller kein Gewinn für die Umwelt. Erste Erhebungen deuten dem UBA zufolge darauf hin, dass E-Scooter-Angebote vorrangig den ohnehin schon umweltfreundlichen Fuß- und Radverkehr ersetzen. Außerdem wird die geringe Lebensdauer der Leih-Roller und der dort zum Einsatz kommenden Akkus bemängelt.

E-Scooter seien nur dann umweltfreundlich, wenn sie Auto- oder Motorrad-Fahrten ersetzen. Werden sie hingegen anstelle der eigenen Füße oder des Fahrrades benutzt, sei das "schlecht für Umwelt und Gesundheit", so das Fazit des UBA.

Aber man muss auch festhalten, dass es sich beim E-Scooter noch um ein sehr junges Fortbewegungsmittel handelt. Allzu umfangreiche Erfahrungswerte gibt es noch nicht, und an Potenzialen zur sinnvollen Weiterentwicklung herrscht sicher auch kein Mangel. Es ist dabei jedoch wichtig, die richtigen Ziele bei den Entwicklung des E-Scooter-Verleihs zu definieren und diese konsequent zu verfolgen. Denn grundsätzlich attestiert auch das UBA den Rollern das Potenzial für eine nachhaltigere Mobilität sorgen zu können - sofern sie eben vor allem Autofahrten ersetzen.

Seit Jahren steigende Unfallzahlen

Seit 2021 hat sich die Anzahl der E-Scooter-Unfälle mit Verletzungen oder gar Todesfolge in Deutschland nahezu verdreifacht. 2025 wurden 16.496 derartige Unfälle registriert, was eine Steigerung von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in einer im Juli veröffentlichten Pressemitteilung.

38 Menschen kamen im vergangenen Jahr deutschlandweit bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, 1.895 menschen wurden schwer verletzt. Von den 38 Todesopfern waren fünf nicht selbst mit einem E-Scooter unterwegs: Bei drei Personen handelte es sich um Fußgänger, außerdem waren noch ein Fahrradfahrer und ein Autofahrer betroffen.

Gleichzeitig spielen E-Scooter im gesamten Unfallgeschehen in Deutschland nach wie vor mit 5,5 Prozent eine relativ geringe Rolle - jedoch steigt auch hier der Anteil rapide an: 2024 waren es noch 4,1 Prozent.

Insbesondere junge Menschen sind relativ häufig in E-Scooter-Unfälle verwickelt. 53,6 Prozent der im Jahr 2025 verunglückten E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrer waren jünger als 25 Jahre, 83,7 Prozent waren jünger als 45 Jahre. Natürlich liegt das auch daran, dass grundsätzlich eher jüngere Menschen auf E-Scootern unterwegs sind als ältere.

Das häufigste Fehlverhalten von E-Scooter-Fahrern war mit einem Anteil von 21,6 Prozent die falsche Benutzung von Fahrbahn oder der Gehwegen. Ebenso ahndete die Polizei 2025 bei E-Scooter-Fahrern vergleichsweise oft Alkoholvergehen (10,9 Prozent). In 8,4 Prozent der Fälle von Fehlverhalten wurde das Fahren mit einer zu hohen Geschwindigkeit festgestellt.

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