Inklusion bedeutet gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie setzt den Abbau von Hindernissen in den Fokus und bezieht sich auf das gesellschaftliche Miteinander in Kita, Schule, Arbeitswelt und Alltag. Um dies an einem besonderen Projekt der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, hatte der Vorstand des Tierpark Hattersheim e. V. in der letzten Woche zu einem Pressetermin in das neue Vereinshaus am Glockwiesenweg eingeladen. Neben HBS-Schulleiter Dr. Dietrich Heither waren auch Bürgermeister Klaus Schindling und Frau Lechtenböhmer vom Globus-Markt beim „Praxistag im Tierpark“ dabei, um sich über das Inklusionsprojekt zu informieren.
Der Wunsch nach sozialem Engagement im Hinblick auf Kinder im Umgang mit Tieren war beim Vorstand des „Tierpark Hattersheim e. V." schon lange präsent. Regelmäßige soziale Angebote für Kinder und Jugendliche wollte der Vorstand in ihr Konzept integrieren. Aufgrund fehlender Räumlichkeiten im Tierpark konnte dieser Wunsch vorerst jedoch nicht realisiert werden.
Um das Vorhaben doch noch umsetzen zu können, stellte der Vorstand des Tierpark Hattersheim e. V. bei der Globus-Stiftung einen Antrag auf Fördergelder für ein Vereinshaus. Nach Prüfung des Verwendungszwecks erhielt der Verein eine Spendenzusage der Stiftung für ein Vereinshaus. Nach Erhalt der Baugenehmigung konnte mit dem Bau des Vereinshauses begonnen werden. Bei den Vorarbeiten zur Errichtung des Hauses benötigte der Vorstand allerlei Unterstützung, die er unter anderem von Bürgermeister Klaus Schindling und verschiedenen Fachbereichen der Stadt Hattersheim am Main erhielt, sowie von einer großen Anzahl freiwilliger Helferinnen und Helfer. Der Innenausbau des Vereinshauses und das umliegende Gelände werden in den kommenden Monaten fertig gestellt, aber das Haus ist bereits nutzbar. Damit war die Zeit gekommen, dass die sozialen Angebote mit Kindern und Jugendlichen geplant und durchgeführt konnten.
Am 27. August 2025, dem ersten Mittwoch nach den Sommerferien, ging für die Lehrkräfte der Heinrich-Böll-Schule und den Vorstand des Tierpark Hattersheim e. V. ein großer Wunsch in Erfüllung. Die ersehnte regelmäßige und längerfristige Kooperation zwischen Tierpark und Schule konnte mit dem Schulprojekt „Praxistag im Tierpark" für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung starten.
Seit diesem Tag besuchen Jugendliche aus der 6. Klasse, in Begleitung ihrer Lehrerin Andrea Küster sowie deren Schulassistenten, jeden Mittwoch den kleinen Hattersheimer Tierpark. Der Unterricht, der von Vorstandsmitglied Marion Ferkau mit viel Engagement geleitet wird, findet mit fundiertem Wissen und aktivem Tun im „Lernort Tierpark" statt.
Zu Beginn des Schulprojektes waren die Jugendlichen im Umgang mit den Tieren sehr zaghaft und oft war dieser auch mit großer Angst besetzt. Spielerisch lernten die Schülerinnen und Schüler nach und nach die Tierarten, deren Verhaltensweisen und Eigenarten kennen. Je öfter der Umgang mit den Tieren stattfand, desto mutiger und sicherer wurden die Jugendlichen.
Nach einer Eingewöhnungsphase der Jugendlichen war für die Betreuungskräfte nun der Zeitpunkt gekommen, eine gemeinsame Zielsetzung für das Schulprojekt „Praxistag im Tierpark" zu erarbeiten.
Die Erfahrungen, die die Jugendlichen bei der Arbeit mit den Tieren machen, sind ganzheitlich und handlungsorientiert, sie sprechen alle Sinne an. Sehen, Hören, Gerüche ggf. auch Schmecken und Aktives Tun werden miteinander verknüpft. Bei der Bewältigung gemeinsamer Aufgaben, z. B. bei der Zubereitung des Futters, beim Füttern der Tiere, beim Striegeln der Esel, beim Ausmisten der Ställe etc. werden Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit gestärkt. Durch eine Vielzahl an Erfolgserlebnissen entwickelt sich bei den Jugendlichen eine positive Einstellung zum Lernen und Erlerntes führt zügiger und nachhaltiger zu einer persönlicher Lebenskompetenz.
Bürgermeister Klaus Schindling war beeindruckt, welche Fortschritte die Jugendlichen durch ihren Umgang und die Arbeit mit den Tieren in kurzer Zeit gemacht haben. „Durch die tiergestützte Pädagogik lernen sie, ihre Ängste zu überwinden und ihre Empathie zu stärken. Die gemeinsame Arbeit zwischen der Heinrich-Böll-Schule und dem Tierpark Hattersheim e. V. ist ein beispielgebendes Projekt, das über Hattersheim hinaus Vorbildcharakter hat.“


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