In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 26. Juni 2025 wurde einstimmig beschlossen, dass der Magistrat prüfen soll, ob Hattersheimer Betriebe, insbesondere Restaurants und Gaststätten, grundsätzlich bereit wären, an einem städtisch organisierten Programm analog der „Netten Toilette“ teilzunehmen und in diesem Zusammenhang ihre sanitären Anlagen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.
Das Konzept der "Netten Toilette" ist bereits im Jahre 2000 in Aalen entstanden, Ende Oktober 2013 nahmen schon über 210 deutsche Städte und Gemeinden daran teil, und seit 2025 auch die Stadt Frankfurt am Main. Der Plan, der sich seit über 25 Jahren andernorts schon bewährt hat: Gastronomen und Händler stellen ihre Toilette kostenlos zur öffentlichen Nutzung bereit - für jeden, nicht nur für Gäste und Kunden - und erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung von der jeweiligen Kommune. Hinweisschilder und Aufkleber weisen darauf hin, dass ein Gewerbetreibender an dieser Aktion teilnimmt.
Außerdem sollte der Magistrat prüfen, Aufwandsentschädigungen in welcher Höhe sich die Betriebe so vorstellen würden, und welche weiteren Rahmenbedingungen (z.B. Öffnungszeiten, Hinweisschilder, Mindeststandards der Anlagen) aus deren Sicht notwendig wären, um die Teilnahme am Programm einladend genug zu finden.
Zur jüngsten Sitzungsrunde legte der Magistrat nun einen sehr umfangreichen, fünfseitigen Bericht der Stabsstelle Wirtschaftsförderung zu dieser Thematik vor.
So wurde vom Anbieter des Programms „Nette Toilette“ ein Infopaket angefordert, welches ein Konzept, einen Mustervertrag und eine Preisliste zum Inhalt hatte. Demnach würde für Hattersheim am Main eine einmalige Lizenzgebühr in Höhe von 1.466 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer anfallen, die jährliche Nutzungsgebühr würde netto 146,60 EUR betragen. Hinzu kämen die Kosten für Aufkleber, Flyer und Plakate sowie die monatlichen Aufwandsentschädigungen an die teilnehmenden Betriebe für die Bereitstellung und Reinigung ihrer Toilettenanlage.
Im Dialog mit den anderen Kommunen im Main-Taunus-Kreis stellte sich heraus, dass bislang lediglich die Stadt Kelkheim am Programm "Nette Toilette" teilnimmt. Dort wird die „Nette Toilette“ zwar als eine gute Idee angesehen, die in Kelkheim aber tatsächlich nur wenig bewirkt hat. Das Logo „Nette Toilette“ befindet sich noch an deren städtischen Gebäuden wie Rathaus und Stadtbibliothek sowie an zwei teilnehmenden Gastronomiebetrieben, die aber erst abends öffnen. Nur einer der beiden Betriebe möchte eine Aufwandsentschädigung für die Teilnahme.
In Hattersheim wurden im Rahmen einer Umfrage etwa 100 Unternehmen und Betriebe im Bereich der Innenstadt per E-Mail und teilweise per Brief zur Teilnahme an einer kurzen Befragung aufgefordert. Zudem wurden einzelne Geschäfte im Innenstadtbereich telefonisch kontaktiert.
"Insgesamt gingen sechs schriftliche Rückmeldungen ein; darüber hinaus wurden sieben telefonische Gespräche geführt. Die Rückmeldungen zeigen überwiegend eine kritische Haltung gegenüber dem Angebot. Als Gründe wurden unter anderem fehlende räumliche Kapazitäten genannt sowie der Bedarf an Kontrollmechanismen, etwa die Nutzung der Toilette nur auf Anfrage und mit separater Schlüsselübergabe. Mehrere Befragte verwiesen zudem auf negative Erfahrungen mit der Nutzung von Toiletten durch betriebsfremde Personen und lehnten eine Teilnahme daher ab", heißt es im Bericht des Magistrats. Und weiter: "Zwei Ablehnungen erfolgten ohne Angabe von Gründen. Eine grundsätzliche Befürwortung wurde lediglich von einer städtischen Einrichtung geäußert, die jedoch aufgrund begrenzter eigener Kapazitäten (nur eine Toilette vorhanden) keine Teilnahme ermöglichen kann. Ein Gewerbebetrieb in der Frankfurter Straße zeigte grundsätzliches Interesse, eine verbindliche Zusage liegt bislang jedoch nicht vor."
Geringes Interesse an Teilnahme
Das Fazit des Berichts fällt zwiespältig aus: Aus Sicht der Wirtschaftsförderung sei die Hattersheimer Innenstadt realistisch betrachtet kein bevorzugtes Ziel von Tages-Touristen, die Aussicht auf die Gewinnung von Neukunden durch die Teilnahme am Programm dürfte daher für die Unternehmen kaum Relevanz haben. Ob der Aufwand gegenüber dem Nutzen eines zusätzlichen Programms der „Netten Toilette“ in einem guten Verhältnis stehe, sei daher zu hinterfragen. Immerhin könnte aber eine Teilnahme an der "Netten Toilette" im Rahmen des Stadtmarketings als positiver Aspekt bezüglich des Images der Innenstadt gesehen werden.
Ansonsten sei der mögliche finanzielle Aufwand zwar überschaubar, jedoch seien die Erfahrungen im Main-Taunus-Kreis bislang eher bescheiden: In Kelkheim beteiligen sich nur zwei Gastrononieunternehmen am Programm, und auch in Hofheim, wo man ein eigenes, artverwandtes Projekt an den Start gebracht hat, wurde mit nur sechs teilnehmenden Betrieben ebenfalls kein durchschlagender Erfolg erzielt.
Auch in den Reihen der Gewerbetreibenden in der Hattersheimer Innenstadt erscheint die Bereitschaft zur Teilnahme aktuell eher gering.
Eine neue öffentliche Toilette ist im Haushaltsplan der Stadt vorgesehen, die Umsetzung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Entstehen soll diese im Bereich der Weiheranlage, da der Stadtpark gerade im Sommer ein beliebter Treffpunkt sei, gerade für Familien. "Es ist sicherlich sinnvoll sich hier von Seiten der Stadt in die Pflicht zu nehmen, ein Angebot einer öffentlichen Toilette zu schaffen – auch wenn leider mit Beschmutzungen und Vandalismus zu rechnen ist", heißt es im Bericht der Stabsstelle Wirtschaftsförderung.
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