Von Kindern für Kinder

Diesjähriges Motto der Sternsinger: „Segen bringen, Segen sein“

HATTERSHEIM (ak) – Am 4. Januar empfing die Hattersheimer Bürgermeisterin Antje Köster auch in diesem neuen Jahr wieder Hattersheimer Sternsinger aus allen drei Ortsteilen im Hessensaal des Alten Posthofs.

 

Das Sternsingen ist ein Brauch, der wohl schon im 16. Jahrhundert entstand und der auf die Erwähnung der „Sterndeuter“ im Matthäus-Evangelium zurückgeht. Die dort genannten „drei Weihegaben“ veranlassten dazu, von drei „Sterndeutern“ auszugehen. Erst im 8. Jahrhundert wurden aus den bis dahin anonymen „Sterndeutern“ die jetzigen „Heiligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar, deren Reliquien seit 1164 im Kölner Dom verehrt werden.
Dennoch hat heute der Segensspruch, den die Sternsinger mit geweihter Kreide an die Türen der von ihnen besuchten Spender schreiben, nichts mit den Namen dieser „drei Weisen aus dem Morgenland“ zu tun: er steht vielmehr für „Christus mansionem benedicat“, was so viel heißt wie „Christus segne dieses Haus“. Diese Formel soll den Segen Gottes auf das Haus und seine Bewohner herabrufen und sie vor Unglück schützen. Auch die drei Kreuze zwischen den Buchstaben und der Stern davor haben eine Bedeutung: Sie sollen an den Stern von Bethlehem und die Heilige Dreifaltigkeit erinnern.
Ursprünglich sammelten Klosterschüler für ihre durch den Wegfall von Einnahmen in Not geratenen Klöster, seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich daraus in Deutschland eine zentral organisierte „Sternsinger-Aktion“ entwickelt, bei der für zahlreiche Entwicklungshilfeprojekte gesammelt wird. Die in Deutschland von den Kindern als Sternsinger zusammengetragenen Summen können sich sehen lassen: In den letzten drei Jahren kamen bei den Sammlungen in jeweils circa 11.000 Gemeinden immerhin jedes Mal mehr als 40 Millionen Euro zusammen.
In diesem Jahr sammeln die Sternsinger unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein“ für Tansania. Dort soll das Geld in der Hauptsache für die Gesundheitsvorsorge ausgegeben werden. „In Tansania ist die 'Ärztedichte' in Bezug auf Zahnärzte zum Beispiel ungefähr so, wie wenn es in ganz Köln nur vier Zahnärzte geben würde“, erklärte Pastoralreferent Dr. Sebastian Schneider die Notwendigkeit der Unterstützung des afrikanischen Landes, „dort werden Krankenstationen und auch Krankenwagen benötigt, auch die Verkehrswege sind oft nur Lehm- oder Schotterwege, das ist gar nicht gut, wenn jemand zum Arzt muss!“
Pfarrer Lomberg erinnerte daran, dass die Sternsinger-Aktion von Kindern für Kinder durchgeführt werde. „Das ist mal keine Jugendarbeit, die Geld kostet, sondern eine solche, die sogar Geld einbringt!“, freute er sich. Wie gut angesehen diese Aktion überall sei, verdeutliche auch, dass zur gleichen Zeit wie in Hattersheim auch im Frankfurter Römer und bei der Bundeskanzlerin Sternsinger empfangen wurden.
Bürgermeisterin Antje Köster empfand es als eine „gute Relation“, wenn bei der Bundeskanzlerin hundert Sternsinger aus ganz Deutschland zu Gast sein durften, dass sie selbst in Hattersheim immerhin etwa 30 Kinder in ihren bunten, „königlichen“ Kostümen mit Kakao und Weckmännern bewirten durfte. Sie war besonders angerührt von dem auf dem Sternsinger-Plakat abgebildeten kleinen afrikanischen Kind mit einer großen goldenen Papierkrone auf den dunklen Locken. „Für unsere Kinder hier ist Kleidung und Essen so selbstverständlich, Schulbrote fliegen sogar manchmal in den Mülleimer. Auch Arzt- oder Zahnarztbesuche sind für uns ganz selbstverständlich. Aber wenn ich das Bild betrachte – diese Kinder dort wollen gar keinen I-Pod und keinen anderen 'Luxus', sie wollen nur genug Essen, Kleidung und sie brauchen eine bessere ärztliche Versorgung. Mein ganz besonderer Dank geht an unsere Hattersheimer Kinder, die sich für diese Kinder einsetzen, ich bin stolz auf Euch!“ Ganz selbstverständlich steckte auch die Bürgermeisterin – nachdem die Sternsinger das Lied vom „Stern über Bethlehem“ für sie gesungen hatten – in jede der Spendendose gerne einen Geldschein, ebenfalls von der Stadt erhielten die einzelnen jungen Sänger und Sängerinnen, von denen jede Gruppe einen großen goldenen Stern mit sich trug, ein kleines Spiel als Anerkennung für ihr Engagement.
Während die Sternsinger sich für ihren weiteren Marsch durch die Stadt noch im Hessensaal stärkten, brachte Dr. Sebastian Schneider den Segensspruch „20 * C + M + B + 13“ auch an der großen Eingangstür zum Alten Posthof an – so kann man nun hoffen, dass auch die Stadt Hattersheim als „Bewohner“ des Gebäudes im nächsten Jahr gesegnet sei und vor Unglück bewahrt werden wird.

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