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Krieg und Leid entgegentreten

Bürgermeisterin Köster: Volkstrauertag als Mahnung für alle, den Frieden zu wahren

 

OKRIFTEL (idl) – Die Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages fand in diesem Jahr am Ehrenmal auf dem Okrifteler Friedhof statt.
Bürgermeisterin Antje Köster setzte sich in ihrer Rede mit der Bedeutung des Gedenktages auseinander. „Wir schauen an diesem Tag ganz bewusst zurück, vergewissern uns aber auch der Gegenwart und schauen voraus in die Zukunft“, betonte sie in ihrer Ansprache. „Denn der Volkstrauertag, wie wir ihn seit 1952 begehen, sollte ja nicht nur ein alleiniger Trauertag sein. Durch die gemeinschaftliche Erinnerung an die Opfer soll der Volkstrauertag für uns alle eine Mahnung sein. Zudem ist er ein Aufruf – ein Aufruf den Frieden zu bewahren. Wir sind aufgefordert, mit wachem Verstand und offenen Augen auf die Entwicklungen in unserem unmittelbaren Lebensumfeld und in aller Welt zu achten“, appellierte die Bürgermeisterin an die zahlreich erschienenen Teilnehmer der Gedenkstunde. Erst langsam dringe es in das Bewusstsein aller Deutschen, dass die Zeit vorbei ist, in der Volkstrauertage vorrangig der Bewältigung der Vergangenheit dienen. Fast fünfzig Jahre lang sei man dem Aufruf „Nie wieder Krieg!“ gefolgt. Doch heute müsse man bekennen, dass über fünfzig deutsche Soldatinnen und Soldaten in den vergangenen zehn Jahren im Afghanistan-Krieg ihr Leben gelassen haben. Dabei dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass die Soldatinnen und Soldaten in Kundus beklagen, dass ihr Einsatz keine ausreichende Würdigung in der Heimat erfahre. „Vielleicht liegt es daran“, hinterfragte Köster, „dass wir uns einfach nicht daran gewöhnen wollen, dass deutsche Frauen und Männer wieder in einem Krieg fallen.“ Wer könne heute noch glaubwürdig sagen, dass es sich dabei um eine Friedensmission handelt? Bis zum Jahr 2014 soll der Truppenabzug der Bundeswehr aus Afghanistan abgeschlossen sein. „Doch wie soll dann der Frieden dauerhaft gesichert werden? Darüber wird Anfang Dezember bei einer internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn beraten werden“, rief Bürgermeisterin Köster ins Gedächtnis und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass dies mit „nicht-militärischen Mitteln“ passiert.Deeskalation und der Dialog, also die Eindämmung und Verminderung von Gewalt, und das Gespräch könnten Lösungen bieten. „Doch warum wurde nicht gleich geredet? Warum nicht ausdrücklich geholfen, damit sich die Lebenssituation im Land verändert. Und zwar dergestalt verändert, dass die Lebensbedingungen der Menschen durch wirtschaftliche Stärkung, durch die Teilhabe an Bildung, Kultur und durch Mitbestimmung verbessert werden. Das hätte womöglich zur Deeskalation beigetragen und geholfen, eine Radikalisierung der Gesellschaft zu verhindern“, stellte die Bürgermeisterin ihren Standpunkt in dieser Frage dar.
Aktuell schaue die Welt mit Sorge auf die Entwicklung in Israel und im Iran. Auf israelischer Seite werde von militärischen Angriffen auf Atomanlagen gesprochen. Die Iraner wollen ihrerseits Angriffe „mit harten Schlägen und eiserner Faust“ beantworten. „Es sind die altbekannten Reflexe“, so Antje Köster. „Der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon warnt, dass sich der Konflikt nur durch Verhandlungen lösen lasse. Wo sind die gemäßigten, die Besonnenen, die Friedensarbeiter, die Schlichter, diejenigen, die Fanatiker und Scharfmacher in ihre Schranken weisen?“
Dass es auch anders gehe, habe Norwegen gezeigt. Das norwegische Volk habe auf das beispiellose, ungeheuerliche Attentat des von kruder Ideologie verblendeten Attentäters Behring Breivik nicht mit Scharfmacherei geantwortet. „Die Menschen in Norwegen haben festgehalten an ihrer liberalen Grundhaltung, der Ausländerfeindlichkeit keinen Raum gegeben und so ihren inneren Frieden verteidigt. Nach diesem Schock und trotz der großen Trauer über fast 100 Todesopfer haben sie auf Deeskalation gesetzt. Das finde ich beispielgebend. Und das hat dem Land, seinen Bewohnern und der Regierung nicht nur meinen Respekt eingebracht.“
Man dürfe denen, die an der Spirale der Gewalt drehen, nicht das Feld bereiten, forderte die Bürgermeisterin und rief zum Dialog auf. „Wenn wir mit ausländerfeindlichen Parolen, fundamentalistischer Gesinnung und Ausgrenzung“ konfrontiert werden.
„Treten wir Krieg, Zerstörung und Leid entgegen indem mit wir aller unserer Energie für Toleranz und Solidarität eintreten. Und damit für den Frieden in der Welt“, schloss Antje Köster ihre Ausführungen.
Die Gedenkstunde aus Anlass des Volkstrauertages wurde von der Sängervereinigung Okriftel musikalisch würdevoll umrahmt, die Ehrenwache stellten die Okrifteler Feuerwehr und Mitglieder der Hattersheimer und Eddersheimer Wehren.
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