„Leidenschaft reicht nicht“

Startup Workshop Frankfurt RheinMain: Gründerabend in der ehemaligen Schokoladenfabrik

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Am Donnerstag, 17. September, versammelten sich über zwanzig interessierte Menschen im Stadtmuseum Hattersheim. Anlass war der „Startup Workshop Frankfurt RheinMain“, eine gemeinsame Initiative des Taunus Innovation Campus e.V. (TIC) und der Wirtschaftsförderung der Stadt Hattersheim am Main. Der Ort passte zum Anlass: Das Stadtmuseum am Platz der Deutschen Einheit ist im sanierten Werkstattgebäude der früheren Sarotti-Schokoladenfabrik untergebracht und zeigt seit Mai 2023 auf 465 Quadratmetern die Industriegeschichte der Stadt. Wo einmal Schokolade hergestellt wurde, ging es an diesem Abend um die Unternehmen von morgen.

Begrüßt wurden die Gäste durch den Finanzvorstand des TIC, Maximilian Matt und Alexander Schwarz von der städtischen Wirtschaftsförderung. Den Auftakt machte als Referent Martin Zovak mit einem auf Gründerabenden eher ungewöhnlichen, doch umso wichtigeren Thema: dem souveränen Umgang mit Mobbing und Grenzüberschreitungen. Zovak, von 2005 bis 2022 Leiter einer WingTsun-Akademie und seit 2008 als Gewaltpräventions-Pädagoge in Kindertagesstätten, Schulen und Jugendeinrichtungen tätig, hat gemeinsam mit Marcell Engel die wichtige Initiative AUSgemobbt ins Leben gerufen. Bei Vortrag und Übung ging es weniger um Abwehr als um die Haltung davor: die eigenen Grenzen kennen, bei sich bleiben, nicht jede Störung von außen an sich heranlassen. Standhaftigkeit, so verstanden, ist weniger eine Eigenschaft als eine Übung. Und sie braucht einen Begleiter, der auf einem Gründerabend erstaunlich gut aufgehoben ist: Durchhaltevermögen.

Zovak vermittelte dem Publikum konkrete Strategien zur Stärkung der persönlichen Sicherheit und Handlungsfähigkeit – ein essenzielles Anliegen für Beschäftigte, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher, da Mobbing alle Lebensbereiche durchdringt: von Schulen und Kitas über Familien bis hin zum Arbeitsplatz. „Mobbing betrifft uns alle“, betonte Martin Zovak. „Das frühzeitige Erkennen von Warnsignalen und die Stärkung der eigenen Handlungsfähigkeit sind essenziell für ein sicheres Umfeld.“

Im Anschluss daran beleuchtete Frank Wellert als zweiter Referent des Abends unter dem prägnanten Motto „Leidenschaft reicht nicht – Erfolg braucht Strategie“ die unverzichtbaren Prinzipien nachhaltigen unternehmerischen Erfolgs. Der erfahrene Gastronom, der auf über vierzig Jahre Branchenerfahrung zurückblickt, präsentierte sein bewährtes Konzept, das auf klaren Strukturen, fundiertem wirtschaftlichen Denken und exzellenter Führung fußt.

Wellert gewährte tiefe Einblicke in seine beeindruckende Karriere, die ihn von seinen Anfängen in London und auf der Queen Elizabeth 2 bis zu seinen renommierten Frankfurter Betrieben wie dem Gasthaus „Zum Bären" und der „Schiffsmeldestelle“ führte. Dabei lieferte er wertvolle Erkenntnisse für angehende und etablierte Unternehmerinnen und Unternehmer. Besonders in der Gastronomie, so Wellert, entscheiden die Zahlen über Erfolg oder Misserfolg, und sie verzeihen kaum Fehler: sauber kalkulieren, die Finanzen stets im Blick behalten, vorausschauend planen – und dabei das Unvorhersehbare von vornherein einkalkulieren. Ein geschultes Team und Gäste, deren Wohlbefinden kein Zufallsprodukt ist, sind dabei unerlässlich. Wer hier nachlässig wird, spürt die Konsequenzen nicht sofort, sondern meist erst, wenn es zu spät ist. „Nachhaltiger Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Strukturen und wirtschaftlicher Weitsicht. Das habe ich in über vierzig Jahren gelernt und gern geteilt“, fasste Frank Wellert zusammen.

Obwohl der Umgang mit Mobbing und eine Gastronomiegründung auf den ersten Blick wenig gemein haben mögen, mündeten beide Vorträge an diesem Abend in zwei zentralen Botschaften: Grenzen ziehen und durchhalten. Zovak plädiert dafür, dort eine Grenze zu ziehen, wo die eigene Integrität und das Wohlbefinden in Gefahr geraten. Wellert hingegen zieht sie dort, wo aus Gastfreundschaft ein finanzielles Verlustgeschäft zu werden droht. Beide Wege verdeutlichen eine wichtige Erkenntnis: Der Anfang mag leicht sein, doch für alles, was danach kommt, gilt die Weisheit, die Wellert seinem Vortrag vorangestellt hat: Leidenschaft allein reicht nicht.

Der diversen Thematik entsprechend, zog die Veranstaltung auch ein diverses Publikum an: Von Gastronomen aus Hattersheim, Frankfurt und Bad Soden über Gründungsinteressierte, die eine Gastronomie eröffnen möchten, bis hin zu Mitarbeitenden in Kinderbetreuungseinrichtungen und engagierten Erziehungsberechtigten war ein breites Spektrum vertreten.

Die „Startup Workshops Frankfurt RheinMain“ richten der TIC und die Wirtschaftsförderung der Stadt Hattersheim über das ganze Jahr verteilt aus. Die Teilnahme ist kostenfrei. Dass an diesem Abend zwei so verschiedene Themen nebeneinanderstanden, war Absicht – und es ging auf. Die Reihe wird fortgesetzt; der TIC arbeitet schon an den nächsten Terminen.

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