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Letzte Vorstellung im Ko-Ki

„My Way“ zum Abschied

 

HATTERSHEIM (idl) – „Nein“, sagt Gerhard Slotta, „das Kino weiter zu betreiben hätte wirtschaftlich keinen Sinn gemacht und wäre auch angesichts der wirtschaftlichen Lage der Stadt und den anstehenden, notwendigen Investitionen nicht zu rechtfertigen gewesen.“
Leicht können dem „Movie-Man“ des Lichtspielhauses in Okriftel diese Sätze nach über zwei Jahrzehnten „Kommunales Kino“, Hunderten von Vorstellungen und insgesamt über 100.000 Besuchern nicht gefallen sein.
Am vergangenen Dienstag legte der gelernte Filmvorführer zum letzten Mal die schweren Filmrollen ein.
Zum Abschied flimmerte ein Klassiker des Genres über die Leinwand: „My Way“ mit dem unvergessenen Frank Sinatra.
Kein Zufall ...
Denn Gerhard Slotta war der Macher und die gute Seele des Kinos zugleich.
Ohne sein unermüdliches Werben für ein Kommunales Kino in Hattersheim hätte es das „KoKi“ nie gegeben.
1989 wurde das kleine aber feine Lichtspielhaus in Okriftel eröffnet und konnte aus dem Stand mit imponierenden Besucherzahlen aufwarten.
Alleine im ersten Jahr kamen 14.000 Besucher und sahen etwa Blockbuster wie „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, der zur Premiere des Kinos am Kirchplatz gezeigt wurde.
Dabei beschränkte sich der heute 71-Jährige nicht auf seine Tätigkeit im Vorführraum.
Gerhard Slotta saß an der Kasse, verkaufte Getränke und kleine Snacks, kümmerte sich um die Reservierungen und sorgte dafür, dass sein „KoKi“ großes Hollywood zeitgleich mit den großen Lichtspielhäusern präsentieren konnte.
Doch mit der Eröffnung der großen Kino-Center in Sulzbach und Griesheim mit bis zu 14 Kinosälen sah sich das Hattersheimer Lichtspielhaus ab Mitte der Neunziger Jahre einer übermächtigen Konkurrenz ausgesetzt.
Die Zuschauerzahlen begannen zu bröckeln.
2008 kamen noch 5000 Filmfans nach Okriftel, im ausgehenden Jahr 2011 waren es nicht einmal mehr 2.500.
Das Kino war nicht mehr rentabel zu betreiben, der Zuschuss des KulturForums als Träger stieg von Jahr zu Jahr.
Das Defizit wäre unter Umständen noch zu verkraften gewesen, die anstehende Umstellung auf Digitaltechnik jedoch nicht.
Die notwendige Modernisierung hätte einige Zehntausend Euro gekostet, angesichts leerer städtischer Kassen ein nicht zu rechtfertigender Betrag.
Das sieht auch Gerhard Slotta ein, auch wenn er bei seinem letzten Abend sichtlich mit den Tränen zu kämpfen hatte.
Denn nicht nur das Lichtspielhaus, sondern auch und gerade seine treuen Stammbesucher waren dem Mann, der Kino lebte, ans Herz gewachsen.
Stefan Käck, Geschäftsführer des Hattersheimer KulturForums, bedauerte die Schließung des Kinos am Kirchplatz.
„Ein Stück Hattersheimer Kulturgeschichte ging am Dienstag zu Ende“, so Käck, „aber wir konnten uns den wirtschaftlichen Aspekten nicht länger verschließen“.
Wie es mit dem Kinosaal weitergeht, das steht derzeit noch in den Sternen.
Es wird aber auf jeden Fall noch einige Vorführungen im städtischen Anbau des Evangelischen Gemeindezentrums in der Mainstraße geben.
So werden vom 12. bis zum 15. März im Rahmen der vom Deutschen Filminstitut durchgeführten Schulkinowoche Filme im Okrifteler Kinosaal zu sehen sein.
Und der Hattersheimer Film- und Videoclub, der sein Domizil im gleichen Gebäude hat, darf den Raum bei Bedarf nutzen.

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