Wie man an Schulen der Hitze Herr werden will

Wochenlange Hitzewellen überfordern Kinder und Lehrkräfte / Politik und Gewerkschaften fordern Maßnahmen und Lösungen

Foto: mpk
Die Hattersheimer Regenbogenschule.
Die Hattersheimer Regenbogenschule.

mpk/pm

Das neue Schuljahr 2026/2027 hat in der vergangenen Wochen so angefangen wie das alte im Juni aufgehört hatte: Mit täglichen Hitzewarnungen und Temperaturen von 35°C und mehr.

Ein großes Problem, gerade auch in den Grundschulen vor dem Hintergrund des neuen Rechtsanspruchs auf Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder, beginnend in diesem Jahr mit den 1. Schulklassen. Bei großer Hitze fällt es gerade jungen Kindern schwerer sich zu konzentrieren. Müdigkeit und Konzentrationsprobleme sind weit verbreitet, und auch der Gesundheitszustand der Kinder muss natürlich im Blick behalten werden.

Gewerkschaft formuliert Forderungen

Dieses Thema rief zum Schulanfang auch Gewerkschaften und Partein auf den Plan. So forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in einer Pressemitteilung vom 13. August: „Kinder und Beschäftigte müssen besser geschützt werden“.

Anlässlich der nunmehr bereits fünften Hitzewelle im Sommer 2026 fordert die GEW bessere Hitzeschutzmaßnahmen für die hessischen Bildungseinrichtungen. Das Land Hessen soll die Kommunen finanziell bei der Umsetzung unterstützen.

Thilo Hartmann, der Vorsitzenden der GEW Hessen, sieht die dringende Notwendigkeit, dass die hessischen Kitas, Schulen und Hochschulen sich besser auf zukünftige Hitzewellen vorbereiten müssen: „Lernen und Arbeiten bei teilweise weit über 30 Grad Celsius im Klassenraum oder Seminarraum ist nur begrenzt möglich. Studien zeigen, dass die Konzentrationsfähigkeit von Lernenden bereits ab einer Raumtemperatur von 26 Grad sinkt. Wir fordern daher die Landesregierung auf, für einen wirksamen Hitzeschutz in allen Bildungseinrichtungen zu sorgen. Die Kommunen als Schul- und Kitaträger sowie die freien Träger und die einzelnen Hochschulen müssen dabei konzeptionell und vor allem auch finanziell vom Land unterstützt werden“.

Erhebungen der GEW Hessen zufolge haben die Schulträger in den letzten Jahren unterschiedlich viel in ihre Schulgebäude investieren können. Die Spanne reiche von gut 300 Euro pro Schüler und Jahr in der Stadt Kassel bis zu 1.500 Euro im Hochtaunuskreis. Dabei spiele die deutlich unterschiedliche finanzielle Lage der Kommunen ebenso eine Rolle wie politische Prioritäten: „Auch aus diesem Grund ist die Situation hinsichtlich der Hitzebelastung an den einzelnen Bildungseinrichtungen sehr unterschiedlich. Bei den meisten Gebäuden besteht nach unserer Einschätzung Handlungsbedarf", so Hartmann. Die geeigneten Maßnahmen für einen ausreichenden Hitzeschutz könnten sich je nach Standort und den baulichen Voraussetzungen unterscheiden. Wichtig sei zudem die Umgestaltung der Außengelände, die begrünt und verschattet werden müssten.

Neben baulichen Anpassungen seien Hartmann zufolge auch schnell wirksame Maßnahmen erforderlich, die schon zum nächsten Sommer für zumindest etwas Abhilfe sorgen können. „Mobile Klimageräte und Jalousien an Fensterfronten können bereits für etwas erträglichere Temperaturen in Kitas, Klassenräumen und Hörsälen sorgen. Gleichzeitig können diese Maßnahmen nur der erste Schritt hin zu klimaresilienten Bildungseinrichtungen sein“. Im Hinblick auf die Schulen reichen der Gewerkschaft zufolge die bestehenden Regelungen aus dem Erlass zu „anderen Unterrichtsformen und Unterrichtsausfall bei großer Hitze an allgemeinbildenden Schulen“ aus dem Jahr 2021 bei weitem nicht mehr aus. Notwendig seien daher neben einer baulichen Anpassung auch passgenaue Hitzeschutzpläne mit konkreten Maßnahmen und Zuständigkeiten für jede einzelne Schule.

Linke fordert "Hitzefrei"

Auch die Linke forderte zum Beginn des neuen Schuljahres: "Hitzefrei für Hessen".

Die stellvertretende Landesvorsitzende der hessischen Linken Silvia Hable hat selbst schulpflichtige Kinder und erklärte dazu: „Während unsere südlichen Nachbarn in Baden-Württemberg bei 25 Grad Hitzefrei bekommen, hängt es in Hessen komplett von der Schule ab. Bei der aktuellen Hitze kann niemand mehr gut lernen. Deshalb fordern wir eine hessenweite Hitzefreiregelung und Alternativbetreuungsangebote, damit die zusätzliche Last nicht uns Eltern aufgebürdet wird."

Der Landesvorsitzende Jakob Migenda ergänzte: „Wir brauchen an den Klimawandel angepasste Schulgebäude, Turnhallen und Pausenhöfe. Wir fordern hierfür eine Investitionsoffensive vom Land. Es kann nicht sein, dass die Schülerinnen und Schüler den fehlenden Hitzeschutz in den Klassenzimmern buchstäblich im eigenen Schweiße ausbaden müssen.“

Kein zentrales "Hitzefrei" in Hessen

Das Bildungsministerium in Wiesbaden teilte über die Deutsche Presse-Agentur mit, dass die Entscheidung über den Umgang mit Hitze bei der jeweiligen Schulleitung vor Ort liege.

Möglichkeinen zum Umgang mit großer Hitze an Schultagen seien ein Schulschluss schon nach der fünften Stunde, eine Verkürzung der Unterrichtsstunden, der Verzicht auf Hausaufgaben sowie Unterricht "an anderen Lernorten" oder in Projektform - nur stellt sich die Frage, wie ein früherer Schulschluss mit einem Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung vereinbar sein kann.

Der Hessische Hitzeaktionsplan (Stand Juni 2025) empfiehlt den Schulen:

  • Ausreichende Trinkpausen, Aufforderung zu regelmäßigem Trinken.
  • Klassenräume frühmorgens lüften und dann mit Jalousien verschatten.
  • Aufenthalte in der direkten Sonne möglichst vermeiden.
  • Bei Aktivitäten draußen auf Trinkwasser, Kopfbedeckungen und Schatten achten.
  • Besonders hitzeempfindliche Schülerinnen und Schüler im Blick behalten.

Allesamt Maßnahmen, die einem schon der gesunde Menschenverstand nahelegt. Aber auch diese Maßnahmen kamen in den letzten Monaten in Deutschland an ihre Grenzen und können zwar dafür sorgen, dass die Kinder durch die Hitze keinen gesundheitlichen Schaden nehmen - geeignete Temperaturen für ein effektives Lernen ermöglichen sie dabei aber noch lange nicht.

Problem erkannt - aber noch lange nicht gebannt

Das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege verweist in seinem Hessichen Hitzeaktionsplan auf den "Ratgeber für Kitas, Grundschulen und Eltern" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz aus dem Jahre 2023.

Dort heißt es in Bezug auf Kinder: "Anhaltend hohe Lufttemperaturen können das körpereigene Kühlsystem überlasten. Als Folge können Kreislaufprobleme auftreten. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit. Ein wichtiger Faktor für die körperliche Belastung durch Hitze ist auch die Luftfeuchtigkeit. Bei einer hohen Luftfeuchtigkeit wird die Wärmeableitung über die Schweißbildung erschwert. Der Schweiß verbleibt auf der Haut und verdunstet nicht. Aufgrund des ausbleibenden Kühleffekts verstärkt sich die Schweißproduktion zusätzlich. Es kommt zu Flüssigkeitsverlust und Überhitzung."

Bei Kindern sei zudem die Regulationsfähigkeit der Körpertemperatur noch nicht voll ausgebildet. So schwitzen sie weniger. Zudem hätten Kinder kaum ein Risikobewusstsein für extreme Hitze. Sie gehen zum Beispiel nicht selbstständig aus der Sonne. Deshalb sind sie auf Betreuung angewiesen.

Als Schutzmaßnahmen empfiehlt dieser Ratgeber des Umweltministeriums:

  • Ausreichend trinken, zwischendurch abkühlen und auf die Temperatur in den Innenräumen achten.
  • Tagsüber Fenster abdunkeln und geschlossen gehalten – am besten durch Rollläden vor den Fenstern (wenn keine Rollläden vorhanden sind, ein Tuch vor das Fenster spannen).
  • Wenn möglich, alle Räume nachts und morgens gut durchlüften (am kühlsten ist es in den frühen Morgenstunden); Hitze meiden.
  • Körperliche Aktivitäten wie Sport nur in den kühleren Morgenstunden (bis circa 11 Uhr).
  • Temperaturen festlegen, ab denen nicht mehr draußen gespielt wird (die Tageshöchsttemperaturen treten meist in den Nachmittagsstunden auf, dann sind Luft und Umgebung am stärksten aufgeheizt).
  • Ein großes Thermometer aufhängen – so können die Kinder die Entwicklung der Temperaturen beobachten.

Die wahrscheinlich effektivste und naheliegendste, jedoch wohl auch kostenintensivste Lösung findet auch hier keine Erwähnung: Die flächendeckende Installation von Klimaanlagen in Schulgebäuden. Dann könnten die Kinder anhand eines großen Thermometers künftig sogar feststellen, dass ihnen gerade angenehme und zum Lernen geeignete Temperaturen beschert werden.

Maßnahmen an der Regenbogenschule

Bereits Ende Mai, also noch vor der ersten Hitzewelle in diesem Sommer, informierte die Hattersheimer Regenbogenschule die Eltern über vorgesehene Maßnahmen im Angesicht großer Hitze.

Schon damals konnte festgestellt werden, dass bereits morgens in vielen Räumen Temperaturen über 30°C herrschten - zweifellos eine enorme Belastung für Kinder und Lehrkräfte gleichermaßen.

Die Schulleitung der Regenbogenschule berichtete in diesem Zusammenhang, dass der Schulträger, der Main-Taunus-Kreis, 2025 in zwei Räumen der Schule eine Klimaanlage einbauen ließ. In den weiteren Räumen im Obergeschoss sowie in der Aula sollen ebenfalls Klimaanlagen eingebaut werden, was der Kreis jedoch nicht im aktuellen Haushalt abbilden könne. Somit erfolgt der Einbau dieser Klimageräte voraussichtlich im kommenden Jahr. Ein Austausch der Oberlichtfenster in den Klassenräumen im Altbau sowie die Anbringung von Sonnen-/Spiegelfolien oberhalb der Jalousien sollten jedoch noch früher erfolgen.

So lange die Temperaturen morgens vor Unterrichtsbeginn in den Klassenräumen 30 Grad oder mehr betragen, nutzt man die Möglichkeiten des Erlasses des Kultusministeriums von 2021 zu “Andere Unterrichtsformen und Unterrichtsausfall bei großer Hitze an allgemein bildenden Schulen”. Demnach können Schulen bei großer Hitze zum Beispiel auf Hausaufgaben verzichten, andere Lernorte aufsuchen, alternative Unterrichtsformen anbieten, die Dauer einer Unterrichtsstunde verkürzen oder den Unterricht nach der fünften Stunde beenden.

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