Auch in diesem Jahr fand die schon traditionelle Veranstaltung „…über den Dächern“ von Hawobau und KulturForum im Rahmen der Reihe GartenRheinMain, einem Projekt der KulturRegion FrankfurtRheinMain, „…unter den Dächern“ von Hattersheim statt. Aber für das Theaterstück „Der Park“ von Botho Strauß hätte sich bestimmt auch kaum ein besserer Ort zur Aufführung finden können, als es die Alfred-Embs-Anlage mit ihren großen Bäumen und Büschen war.
In seinen Begrüßungsworten bedankte sich Hattersheims Erster Stadtrat, Kulturdezernent und Vorsitzender des KulturForums Karl Heinz Spengler, ganz herzlich für das große Engagement des Stadtteilbüros zur Organisation dieser jährlichen gemeinsamen kulturellen Veranstaltung bei den Mitarbeiter*innen des Stadtteilbüros, der Hawobau und des KulturForums. Er freute sich - wie viele andere in den Reihen der Zuschauer*innen – ganz besonders, die BüchnerBühne aus Riedstadt zum dritten Mal in Hattersheim begrüßen zu können. Die Freude und Erwartung aller sollte nicht enttäuscht werden!
Mit dem Stück „Der Park“, in welchem Botho Strauß die mystischen göttergleichen Figuren Oberon und Titiana aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ in einem ganz trivialen Stadtpark menschliche Paaren unserer heutigen Zeit begegnen lässt, stand eigentlich gar nicht so ganz leichte Theaterkost auf dem Programm der BüchnerBühne. Was die Schauspieler aus Riedstadt in ihrem Spiel „frei nach Botho Strauss“ daraus machten, zog allerdings auch das Hattersheimer Publikum in seinen Bann, es faszinierte und begeisterte am Ende alle.
Die eigentlich ja tragische Geschichte des (in jeder Beziehung) übergroßen göttergleichen Oberon, der mit Titiana zu den Menschen der Stadt kommt, um sie wieder für die natürliche Lust aneinander zu begeistern, wurde von den Akteuren nicht nur mit großartigen schauspielerischen, sondern auch mit beeindruckenden musikalischen Leistungen so in Szene gesetzt, dass sich wohl jeder im Publikum damit identifizieren konnte. Die Freude am Schauspiel wurde selbst durch für prüde Gemüter vielleicht „schockierende“ Einblicke unter den Mantel des Göttergleichen gar nicht geschmälert – das Hattersheimer Publikum verstand das Kostüm und beklatschte es lachend.
Dass es Oberon nicht gelang, trotz der von ihm aufgefahrenen „Geschütze“ die Menschen im Park von Intrigen, Lügen und Geldgier wieder hin zur Leidenschaft zu bringen, war sein Schicksal, welches ihn am Ende deutlich „kleiner“ und verzweifelter werden ließ, da halfen auch Erkenntnisse wie „das Herz ist nicht die Börse“ nicht. Was passieren kann, wenn Liebe und Leidenschaft in geregelte Verhältnisse „bei uns zuhause“ übergehen, wie unglücklich Menschen werden, wenn sie in eingefahrenen Gleisen leben, ihre Partner nur am Rand wahrnehmen, aber Partner anderer „abwerben“ möchten, was Freundschaft aushalten kann oder was es aus jemandem machen kann, wenn er nicht wahrgenommen wird, so wie er wahrgenommen werden möchte: all diese Themen kann man in dem Stück „Der Park“ wiederfinden – Platz für Interpretationen und eigene Gedanken lässt die BüchnerBühne frei nach Botho Strauß genug. Und großen Spaß machte ihr Spiel allemal! Erst nach drei „Vorhängen“ in der während des Stückes dunkel gewordenen Alfred-Embs-Anlage wurden die Schauspielerinnen und Schauspieler vom begeisterten Publikum hinter die Bühne im Park entlassen.



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