Auch eine Familie aus der Sindlinger Straße hatte das Angebot der Ahmadiyya-Gemeinde angenommen, ihre Räume und sie persönlich kennenzulernen. Dabei konnten sie Fragen stellen, die sicher auch vielen anderen Menschen in dieser Zeit „unter den Nägeln brennen“, wenn es um das Thema Islam und Muslime geht. „Wir sind Christen – wenn auch nicht strenggläubig – und wir verstehen diese Selbstmordattentäter oder die Tatsache, dass Menschen von Muslimen geköpft werden, überhaupt nicht!“ wurde etwa festgestellt. „Würden Sie das auch machen, andere umbringen?“ – „Nein! Und wer so etwas macht, der hat nach dem Koran gar kein Recht, sich überhaupt Muslim zu nennen“, war da die kategorische Antwort des Vorsitzenden der Hattersheimer Ahmadiyya-Gemeinde Hafeez Ahmad Awan. „Aber woher nehmen diese Leute das Recht, einen anderen umzubringen?“ wollte man unter den Besuchern wissen. „Im Islam steht, es soll kein Zwang sein im Glauben. Sogar schon von Mohammed wurden Muslime, Christen und auch Atheisten alle gleich behandelt. Mohammed wurde in Mekka verfolgt und musste von dort fliehen, aber er blieb friedlich. Allah erlaubte ihm nur die Verteidigung. Einen islamischen Staat, wie ihn islamistische Bewegungen propagieren, gibt es nicht.“
„Der Staat hat Vorrang“
Viele Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde haben ihre Heimat Pakistan verlassen, weil ihre Art der Glaubensausübung dort vom Staat verboten wurde. „Wir sind aus Pakistan weggegangen, weil wir uns dort nicht gegen das Gesetz des Staates, das gegen uns erlassen wurde, stellen wollten. Unsere Lehre sagt: Der Staat hat Vorrang.“
Dass für Ahmadis lediglich friedlicher Protest in Frage kommt und dass sie das Gebet für die bessere Lösung halten, wurde von allen in der Diskussionsrunde betont. „Als in Pakistan 86 Ahmadis bei ihrem Freitagsgebet in ihrer Moschee umgebracht wurden, da sind wir natürlich nicht schreiend und protestierend durch die Sindlinger Straße gelaufen und haben auch keine Scheiben eingeworfen, wie das jetzt gerade etwa in den USA passiert ist, weil die Polizei einen Jugendlichen getötet hat. Wir haben gebetet!“ Auch als man die Scheiben ihres Gebetsraumes in Okriftel eingeschlagen hat oder als man den Eingang immer wieder beschmutzte und sogar mit Hakenkreuzen beschmierte, wurde von den Ahmadis kein lautstarker Protest vernommen. Sie beteten. Dass es neben dem Gebet noch andere friedliche Formen des Protestes gibt, die von der Ahmadiyya-Gemeinde ausgehen, wird in den Briefen deutlich, die das Oberhaupt der Ahmadis an Regierungen und Persönlichkeiten mit Einfluss schreibt.
Ein schönes Motto
„Es gibt eine Richtung von Muslimen, die von sich sagen, sie seien die einzig wahren – andere, die anders beten, sich anders kleiden oder etwa einen Turban tragen, seien Ungläubige. Für diese gehören wir auch zu den Ungläubigen, auch wir werden von ihnen verfolgt“, erklärte Hafeez Ahmad Awan den Besuchern. „Aber wer Muslim ist, haben nicht wir Menschen zu entscheiden, sondern Allah.“
Im Unterschied zu anderen muslimischen Religionsgemeinschaften glauben die Ahmadis, dass der Frieden verheißende Messias in Gestalt ihres Gemeindegründers von Allah zu ihnen gesandt wurde. „Aber wir lieben auch Jesus, wir sind nicht gegen ihn. Er gehört auch zu unserer Lehre, genau wie Moses und wie Abraham“, erklärte der Vorsitzende der Hattersheimer Ahmadiyya-Gemeinde.
„Das ist ein schönes Motto, das gefällt uns gut“, sagte ein Besucher mit Blick auf den Leitspruch der Ahmadiyya-Gemeinde „Liebe für alle Hass für keinen“; die Hattersheimer Ahmadis freuten sich sehr über den Zuspruch.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde 1889 in Indien gegründet, sie ist mittlerweile weltweit vertreten. In Hattersheim hat die Gemeinde etwa 200 Mitglieder.

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