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Reimen und Tanzen in Topform

Kappensitzung des Carneval Club Mainperle begeistert das närrische Publikum aufs Neue

Wer hätte das gedacht: Die CCM-Gesangsgruppe „Haste Töne” als Rocker!
(Fotos: A. Kreusch)

OKRIFTEL (ak) – Auch in diesem Jahr machen die Kappensitzungen des Carneval Club Mainperle (CCM) ihrem gutem Ruf, wunderbare, mit kräftigem Lokalkolorit gewürzte Unterhaltung „aus eigenen Werkstätten“ zur Freude ihres Fastnachtspublikums auf die Bühne des Hauses der Vereine zu bringen, wieder alle Ehre. Nicht nur flotte und charmante Tanznummern, auch viel Gesang und Spiel sowie tolle Büttenreden machten schon bei der ersten CCM-Kappensitzung am Samstag, 16. Februar 2019, dem Publikum viel Spaß.

Schon vor dem „Flashmob“-Einzug des Elferrates heizten nicht nur die „Spitzebuben“, sondern auch CCM-Aktive in bunten Kostümen dem voll besetzten Saal mit „Cordula Grün“ und „Hulapalu“ so richtig ein. Sitzungspräsident Axel Knauber (zum 100. Mal in dieser Funktion beim CCM am Start) konnte sein Narrenzepter gleich über eine gut gelaunte Narrengemeinde schwingen, auch wenn die Vorstellung seines Gremiums als „elf schönste Männer Okriftels“ aus dem Zuschauerraum erst mal mit einem frechen „Wo denn?“ in Frage gestellt wurde. „Musst nur genau gucke!“, riet der Präsident der Zweiflerin sogleich schlagfertig.

Auch die zwei Nachwuchsrednerinnen aus dem jüngsten Ballett des CCM, den „Little Stars“, zeigten bei ihrem ersten Auftritt schon gleich erstaunliches Selbstbewusstsein: „Wir sind an Größe zwar noch klein, aber schon das beste Ballett vom Verein. Wir lernen schnell und sind der Renner, nicht wie das Ballett der alten Männer!“, erklärten Nele und Vivien unter großem Beifall, bevor die ganz junge Tanztruppe mit einer flotten Abba-Nummer auftrumpfte.

Als „der Hausdoktor vom Verein, Frau Dr. med. Wurst“ stand Bettina Böhme dann in der Bütt. Im weißen Kittel ging sie speziell auf alle „Karnevalsgebrechen“ ein – und davon konnte sie viele aufzählen! Als wichtigste Vorbeugungsmaßnahme dagegen empfahl sie vor allem in der Fassenachtszeit: „Lachen, lachen – ruhig auch mal ohne Grund!“ Das Publikum lachte gerne mit.

Schon beim Einmarsch auf die Bühne konnten die Gäste des Abends sich an der besonderen Spezialität der CCM-Garde „Cascadas“ erfreuen: elegante Hebefiguren, die so leicht aussehen, dass man gerne vergisst, wie viel Training und Kraft dahinter stecken, verfehlten ihre beeindruckende Wirkung nicht und wurden mit viel Applaus belohnt.

Disharmonische Fastnachts-Töne kündigten ihn perfekt an: Der „Motzer“ Stefan Käck hatte sich auch diesmal wieder in die CCM-Sitzung „gequält“, um Dampf abzulassen. Dabei hatte er schon gleich an den CDU-Vorstandswahlen zu meckern: „Dem Merz fehlte’ grad mal 18 Stimme’ – so knapp, des nenn‘ ich Scheibenkleister, werrd merr bei uns hier Berjermeister!“ Bei der Schilderung seines „Einkaufserlebnisses im Krisengebiet“ vor Brückentagen blieb kein Auge im Saal trocken, und selbstironisch motzend beschäftigte er sich sehr zur Freude seiner Zuhörer auch mit dem eigenen Alter und den Konsequenzen, die es nach sich zieht. Kein Wunder, dass auch seine zwerchfellreizende Schilderung von einem Besuch beim Urologen mit den Worten: „Nix wie raus aus diesem Trakt, der ging mir tierisch uff de Sack!“ abschloss. Und dass bei einem „Hackerangriff“ auf den CCM ziemlich Erschreckendes herausgekommen war, wie etwa, dass der Sitzungspräsident ein „Asyltourist“ aus Höchst ist, dass Markus Caspari die Bäume im Wäldchen für „sein Geschäft“ fällt und dass es Klaus Schindling gar nicht gibt, sondern dass er „mit Gummimask’ und ganz viel Stoff verkleidet“ eigentlich jemand ganz anderes ist, das verursacht beim „Motzer“ einen richtigen Gefühlsausbruch: „Des will merr gar nit wisse, da bin ich einfach nit gut druff, des reescht mich einfach zu viel uff!“ Mit stehendem Applaus und Bravo-Rufen honorierte das CCM-Publikum den wunderbaren Vortrag Käcks, der seit mehr als 30 Jahren dort aktiv ist – und Sitzungspräsident Knauber überreichte ihm mitfühlend ein „Entspannungsbad mit Orchideenduft“ (welches dieser kurzerhand austrank).

Nachdem das CCM-Jugendballett „Crazy Girls“ als leuchtende rot-orangene Tüll-Feuervögel über die Bühne „geflogen“ war, erstaunte die CCM-Gesangsgruppe „Haste Töne“ das Sitzungspublikum. Zunächst wie immer im Smoking und mit Glitzerschal Hymnen auf die Okrifteler Fassenacht singend, entpuppte sich Willi Britsch als Rebell, der von der Bühne stürmte, um „mal etwas anderes“ zu machen – und schon bald standen nicht mehr die seriösen Schunkellieder-Sänger auf der Bühne, sondern offenbar ganzkörpertätowierte Rocker! Hut ab, die Herren trauen sich was! Wie und ob allerdings der weiße BH, den die Gesangsgruppe beim Ausmarsch schwenkte, tatsächlich aus den Zuschauerreihen auf die Bühne gelangt ist, konnte nicht abschließend geklärt werden …

Nach dem großen Erfolg der innovativen Nummer im letzten Jahr war man beim CCM gerne den Publikumswünschen nachgekommen, noch einmal einen „Fachvortrag zum deutschen Liedgut“ bei „Prof. Dr. Heckmeck“ in Auftrag zu geben: Axel Knauber hatte wieder tief in die deutsche Schlagerkiste vergangener und heutiger Jahre gegriffen und viel Musik verschmitzt mit seinem Talent für geschliffene Wortvorträge kombiniert – vom „schönen Mädel von Seite eins“ bis „Cordula Grün“ konnte nach Herzenslust mitgesungen werden, da blieb Knauber stellenweise nur noch das zufriedene Schwingen des Taktstockes übrig, während im Publikum so manche Lachträne kullerte.

Die CCM-Jugendcomedy-Gruppe „Sinnfrei“ zeigte vor der Pause mit guten Gesangseinlagen und flotten Tanzschritten, wie die Nachwirkungen von „Flips“ aussehen – und dabei hatte der Sitzungspräsident doch wie immer strenge Order ausgegeben: „Vor dem Auftritt nur Eistee!“

Mit der neuen CCM-Stimmungsgruppe „Okrifteler Stadtmusikanten“ wurde das Ende der Pause herbeigespielt und die „Bänd ohne Namen“ zeigte eine „romantische Liebesgeschichte mit partiellem Happyend“, bei der die CCM-Comedygruppe mit viel Publikumskontakt tanzte und sang, unter anderem auch ein Liebeslied an Okriftel: „Oh ich hab‘ solche Sehnsucht, ich verlier den Verstand, ich will zurück nach Okriftel, ich will zurück ins Heimatland!“

„Unsere Sitzung wär‘ nicht toll ohne unser Protokoll!“, kündigte Sitzungspräsident Axel Knauber voller Stolz den Protokoller Thorsten Schweinhardt an, der schon seit mehr als 20 Jahren diese Rolle im CCM ausfüllt. Schweinhardt spannte den die Lachmuskeln strapazierenden Protokoller-Bogen von der Relotius-Affäre des Spiegels bis zu einem „Griff ins Groko-Klo“, vom „Walking Dead“-Merz bis zum „Thrombosestrumpf“ Spahn, vom „Kleinkind mit Atomrakete“ bis zum „Oberunterirrenhaus“, dem „der Brexit übern Kopp gewachse“ ist. Er identifizierte den „Kniefall vor der Autolobby“ als „allerliebstes Hobby der deutschen Politik“ und statuierte dabei stolz in eigener Sache: „Mein Protokoll hat bis jetzt keinerlei Feinstaub freigesetzt!“

Als strahlender Nachwuchs für das Traumschiff präsentierte sich in diesem Jahr das Männerballett die „Nachteulen“ des CCM, von Axel Knauber als „die Nixen vom Untermain“ angekündigt. Ihr schneidig-fantasievoll und detailreich inszenierter „Unterwasser-Matrosen-Auftritt“ wurde gleich von der Zugabe zur „Splish splash“-Musik getoppt: So viele charmant lächelnde Männer in blau-weißen Badeanzügen kann man sicher nur beim CCM über die Bühne tanzen sehen.

„Des sinn hier bestimmt die Tanneberger-Festspiele in Casparis Wohnzimmer!“, begeisterte sich der orange gekleidete, eine Mülltonne vor sich her schiebende Mann, der danach den Saal betrat und wandte sich an seinen Freund, dessen gelbe Jacke nicht ganz zuging: „Da hab‘ ich schon als Kind davon geträumt, mal hier obbe stehe und dumm Zeusch schwätze!“ Schon auf dem Weg zur Bühne – von wo man nach jemandem gerufen hatte, der dort mal den Müll wegräumen möge – brachten Karl und Erwin den Saal zum Lachen. Sein „Kollege“ hatte auch nix dagegen, von dort oben mal „so richtig uff unser zwaa Cheffs zu schenne“, was nach einiger Anleitung und flüssiger Unterstützung dann sogar gereimt gelang. Erwin und Karl mokierten sich über das geplante Fertigstellungsdatum der Hattersheimer Stadthalle 2020, schwelgten in Selbstironie, übertrafen sich in Parodien, nahmen sich gegenseitig „uff die Schipp“ und empfahlen, die Hattersheimer Wähler beim Senioren-Kreppelkaffee zu suchen. Axel Knauber stellte die beiden gerne vor – auch wenn sie natürlich schon längst erkannt worden waren: „Er ist der wichtigste Mann hier im Ort – und hat auch noch den Bürgermeister mitgebracht!“ Stefan Käck und Klaus Schindling bewiesen zur Freude des Sitzungspublikums wieder sehr viel Humor und brachten das Publikum zum Toben.

Zum Abschluss konnte das Sitzungspublikum der CCM-Kappensitzungen sich noch auf einen tänzerischen Leckerbissen freuen: „Las Estrellas“, das große Ballett des CCM, entführte alle in die magisch-bunte Welt der Ringling Brothers und des Zirkus Barnum and Bailey, sogar eine glanzvolle Poledance-Nummer gehörte zum glitzernden Bild.

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