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Treffpunkt oder „Townhouses“?

Protestaktion gegen Verkauf des Eddersheimer Lindenplatzes / Politiker wollen vor Entscheidung Interessen sorgfältig abwägen

Den Widerstand gegen den Verkauf des Lindenplatzes gab man der Hattersheimer Politik auch gerne schriftlich.
(Fotos: A. Kreusch)

EDDERSHEIM (ak) – Jeder, der schon einmal durch Eddersheim gefahren ist, kennt ihn: den Lindenplatz. An der viel befahrenen Kreuzung von Bahnhofstraße/Probsteistraße und Neckarstraße/Flörsheimer Straße bringt er Licht und im Sommer frisches Grün in die ansonsten dort eher enge Bebauung des Hattersheimer Ortsteiles. Im Dezember bietet er Platz für einen vom Vereinsring geschmückten Weihnachtsbaum, vor Ostern bauen die Landfrauen ihre imposante, bunte Osterkrone dort auf. Direkt an ihn anschließend steht ein Gerät zur Geschwindigkeitsmessung. Obwohl es ein paar Bänke unter den schönen Linden gibt, scheint der kleine Platz sonst das Jahr über eher verwaist. 

Vor noch nicht allzu langer Zeit führte der Weg in den katholischen Kindergarten über den Lindenplatz, seitdem es den neuen Kindergarten am Main gibt, bleibt das Tor unter den Lindenbäumen geschlossen.

Nun wirbt eine Immobilien e. K. aus Frankfurt-Höchst zusammen mit einem Hochheimer Bauträger und einem Wiesbadener Planungsbüro für „Townhouses in Hattersheim-Eddersheim“ genau an dieser Stelle; einer Internetpräsenz kann man entnehmen, dass auf den Grundstücken des ehemaligen Kindergartens und des Lindenplatzes acht Reihenhäuser entstehen würden, von denen sogar fünf schon „reserviert“ seien. Die Reihe der zweigeschossigen Häuser mit ausgebautem Dachgeschoss soll bis nah an die Gehwege reichen, zur Flörsheimer Straße hin sollen dann lediglich 3,80 Meter bis zur Bordsteinkante als „Freiraum“ erhalten bleiben. In Richtung Bahnhof soll neben dem dort stehenden Haus ein Garagenhof für die zu erwartenden Anwohner entstehen.

Seitdem diese Pläne bekannt sind, blühen in Eddersheim die Spekulationen, aber auch Protest gegen den möglichen Verlust des Lindenplatzes macht sich breit. Daher hatte am 5. August die Interessengemeinschaft (IG) „Main Eddersheim“ zu einem Treffen auf dem Lindenplatz eingeladen, auch Vertreter der „Bürgerinitiative für Umweltschutz Eddersheim“ (BfU) engagierten sich dort für den Erhalt des Platzes.

„Die wollen unseren Lindenplatz verkaufen!“ empörten sich am Freitag gleich einige ältere Damen, die sich auf einer der Bänke niedergelassen hatten. Es wurde geschimpft: „Was hier für ein Dreck ist, und die Disteln, die hier überall stehen!“ Den Beschwerden wirkten allerdings die Vertreter von Main Eddersheim und der BfU schon gleich entgegen – viele hatten Besen und Schippe mitgebracht, das trockene Laub von den Bäumen war gemeinsam schnell aufgekehrt, mit Gartenhandschuhen waren die Disteln schnell ausgerupft. Frank Wolf von der BfU schmunzelte: „Ja, das haben wir mal schnell sauber gemacht. Das ist ja so ein Ding – wenn es dann verdreckt ist, wird es mal gern verkauft. Den Zahn haben wir schon mal gezogen!“

„Wir wollen keinen Krieg“
„Wir haben hier zu einem Treffen aufgerufen, weil wir das Ziel verfolgen wollen, den historischen Lindenplatz zu erhalten“, begrüßte Urs Höhne von der IG Main Eddersheim. „Mal abgesehen davon, was hinter der Mauer passiert!“ Damit machte er den Unterschied in dieser Sache zwischen der IG und der BfU deutlich: Frank Wolf von der BfU plädiert nämlich dafür, das gesamte Gelände – Lindenplatz einschließlich des Grundstückes des ehemaligen Kindergartens – unbebaut zu belassen. „Wir wissen, dass der Platz hier für viele ältere Eddersheimer auch noch eine persönliche Bedeutung hat, die über die Bedeutung als Grünanlage mit schönem Baumbestand hinausgeht“, ergänzte Urs Höhne und lud alle, die der Einladung gefolgt waren, dazu ein, Lindenblütenhonig zu probieren und sich auf einer ausgelegten Unterschriftenliste einzutragen. Dazu hatten natürlich nicht nur die etwa 50 Teilnehmer der Protestaktion die Möglichkeit – die Liste soll auch in Eddersheimer Geschäften ausgelegt werden.

Rainer Steinbrech hatte in seinem historischen hölzernen Leiterwagen nicht nur Lindenblütentee für das Treffen zum Erhalt des Lindenplatzes mitgebracht, sondern auch sein Akkordeon – man hatte sich nämlich vorgenommen, gemeinsam eine extra (um-) gedichtete „Lindenhymne“ zu singen: Sieg, Linde sieg! Wir wollen keinen Krieg; wir wollen nur den Lindenplatz, der ist ein Eddersheimer Schatz.“ Das Lied bekam natürlich sehr viel Beifall von allen Anwesenden. Im Laufe der kleinen Zusammenkunft hatte sich eine fast heitere Stimmung entwickelt. „Das ist ja wirklich sehr schön hier unter den grünen und dichten Lindenblätterdächern – hier sollte man sich eigentlich öfter mal treffen“, war man sich in der IG Main Eddersheim einig. „Wir sind guter Dinge und hoffen einfach auf ein positives Ergebnis für den Platz hier und für seine schönen Linden“, meinte Urs Höhne. „Schauen wir mal, wie es weitergeht!“

Durchaus „sensibler Bereich“
Auch Hattersheimer Politiker waren der Einladung auf den Lindenplatz gefolgt. Dietrich Muth, Fraktionsvorsitzender der FDP, Karl Heinz Spengler, Fraktionsvorsitzender der FWG, und der künftige Hattersheimer Bürgermeister und CDU-Vorsitzende Klaus Schindling kamen genauso wie Stadtverordnetenvorsteher Günter Tannenberger mit den Teilnehmern der Protestaktion schnell ins Gespräch. Zunächst stellten sie klar, dass weder der Lindenplatz, noch (so viel man bis letzten Freitag wusste) das der katholischen Kirchengemeinde gehörende Grundstück des ehemaligen Kindergartens bisher verkauft worden sind. „Der Investor ist noch kein Grundstückseigentümer – das können wir für den Lindenplatz definitiv sagen. Was die Kirchengemeinde seit unserem letzten Kontakt gemacht hat, wissen wir natürlich nicht“, erklärte Klaus Schindling. „Es ist verwunderlich, dass der Investor das Projekt schon so bewirbt und sogar schon Häuser reservieren lässt“, merkte der Stadtverordnete Stephan Orban an, der für die CDU im Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr sitzt. 

Obwohl man den Verkauf des Lindenplatzes als durchaus als „sensiblen Bereich“ einschätzt und eigentlich, gemäß Karl Heinz Spengler, auch „das Ziel der Erhalt des Platzes“ sein sollte, baten die Politiker um Verständnis darum, dass alle zunächst gut „darüber nachdenken“ müssten, bevor eine Entscheidung für oder gegen den Verkauf getroffen werden könne.

„Wir müssen auch finanzielle Interessen der Stadt und die Interessen der Kirchengemeinde berücksichtigen. Bei aller Sensibilität muss das alles genau geprüft werden. Das sind für die Stadt ja etwa 100.000 Euro Einnahmen, die von Rot-Grün durch einen eventuellen Verkauf des Platzes dem Haushalt angedacht wurden – die müssen wir ja dann irgendwo anders herholen“, erklärte Schindling den Gegnern des Verkaufs. Dass allerdings eine endgültige Entscheidung über den Verkauf oder den Erhalt der Grünanlage erst von der Stadtverordnetenversammlung nach Einhaltung aller kommunalpolitischen Regelungen für den Verkauf von städtischen Grundstücken getroffen werden kann, betonten alle Politiker. Auch dass weder die Stadt noch die Politik einen Einfluss darauf haben, was die Kirchengemeinde mit ihrem Grundstück macht, wurde noch einmal klargestellt.

Frank Wolf ist der Ansicht, dass dort „nach Kirchenrecht keine Häuser errichtet“ werden dürfen; schließlich könne auf dem ehemaligen Friedhof die Gruft von Pfarrer Franz-Karl Schenk (1815–1889), einem großen Wohltäter des Ortes, liegen. Die Politiker indes können sich nicht vorstellen, dass man das in der Eddersheimer Kirchengemeinde nicht vorher abgeklärt hat. „Die Kirchengemeinde braucht den Verkaufserlös dieses Grundstückes, um den neuen Kindergarten zu finanzieren“, meinte Schindling, der selbstverständlich froh darüber ist, dass die Kirchengemeinde den Kindergarten nun in neuen Räumlichkeiten unterhalten kann: „Wenn sie das Grundstück nicht hätte verkaufen dürfen, hätte sie den Kindergarten wohl gar nicht umgesiedelt.“

 

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