An der Septemberveranstaltung des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer nahmen 65 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet die Einladung des Vorsitzenden Reinhard Jung (Okriftel) an und ließen sich in der Gemeinschaftsfortbildung mit dem Hessischen Fußball-Verband schulen. Die Zwei-Tages-Veranstaltung fand in der Sportschule Grünberg statt und hatte am Eröffnungstag das Profil des Trainers im Mittelpunkt.
Prädestiniert für einen Vortrag zu diesem Thema ist Christian Hock, der als Fußballprofi in den 90er und 00er-Jahren unter prominenten Trainern seinem Beruf nachging, u.a arbeitete er mit Jürgen Klopp bei Mainz 05 zusammen. Danach war er als Trainer im Profibereich (z.B. SV Wehen) tätig, bevor er als Sportdirektor bzw. Geschäftsführer Sport (z.B. Kickers Offenbach) für die Einstellungen (und Entlassungen) von Trainern mit verantwortlich war. Wer also hätte einen besseren Rundumblick auf diese Thematik als Christian Hock?
In seinem hochinteressanten und kurzweiligen Referat bewertete er die Fachkompetenz des Trainers nur noch mit 20 %. War das zum Ende des letzten Jahrtausends noch komplett anders, da der Trainer oft nur mit einem Co-Trainer zusammenarbeitete und somit ein fachlicher Experte sein musste, so arbeitet er heute mit einem Team zusammen, dass mittlerweile auch den Umfang einer Fußballmannschaft habe. Dabei ist u.a. der Athletik-Trainer für die Fitness, der Standardtrainer für die ruhenden Bälle und der Torwarttrainer für die Torhüter verantwortlich. Der Cheftrainer leite gar kein Training mehr selbst, sondern beobachte und bewerte. Er trage also die Verantwortung. Neu sei die Zusammenarbeit mit Vereinsvertretern und die Kommunikationsfähigkeit mit Spielern. Er selbst habe mit Wolfgang Frank einen Trainer in Mainz erlebt, der Spieler mit Schweigen bestrafte. Zu dieser Zeit war es keine Seltenheit, dass Trainer bei Spielern keine Entscheidung begründeten, sie missachteten und im Laufe einer Saison nur wenige Worte wechselten. Die Zeit des Trainers als „Alleinherrscher“ sei vorbei. Heutzutage (und vor allem in der Zukunft) müsse der Trainer digitale Kompetenz besitzen, also mit KI umgehen können. Er müsse auf Medien eingehen können, diesbezüglich unterstütze ein Pressesprecher des Vereins. Weiterhin seien heutzutage dessen Spielphilosophie, die Spielerentwicklung und die Führung der Mannschaft mit entscheidend. Außerdem mahnte Hock, dass der Verein einem Trainer niemals einen Spieler vor die Nase setzen dürfe, den dieser nicht wolle. Das gehe nie gut.
Auf die Aussage eines Teilnehmers, er verstehe nicht, wieso der aktuelle Profi immer weniger trainiere, die Intensität des Trainings immer geringer werde, dafür aber die Gehälter im Gegensatz dazu in unüberschaubare Höhen steigen würden, versuchte der nächste Referent, Leon Niederdraeing (Athletiktrainer Eintracht Frankfurt), eine Antwort zu finden. Der aktuelle Profi habe innerhalb des Spiels wesentlich mehr Sprints und Tempoläufe zu absolvieren, als das im letzten Jahrtausend der Fall war. Dazu komme ein schnelleres Spiel mit einer höheren Ballgeschwindigkeit, insgesamt deutlich mehr Spiele und die Reisestrapatzen seien auch sichtbar gestiegen. Deshalb müsse auf diese Anforderungen mit einem veränderten Trainingsprogramm reagiert werden.
Zum Abschluss des Tages erfolgte eine rege Diskussion zwischen den Teilnehmern, bei der offen blieb, ob das Bild des Trainers von früher den heutigen Anforderungen vorzuziehen sei.
Danach bedankte sich Vorsitzender Jung bei den Referenten und beendete die Fortbildung.

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