Hitzefrei - das war einmal

Hitzeschutzkonzept in der Krifteler Lindenschule

Foto: hl
Die Lindenschule in Kriftel.
Die Lindenschule in Kriftel.

hl

Nach der Einschulung der Erstklässler in der letzten Woche tauchte die Frage auf: Wie geht die Lindenschule mit der Hitze um? Die älteren Leser und Leserinnen erinnern sich bestimmt noch, wie sie selbst als Kind das Schulthermometer beobachtet und sehnsüchtig darauf gewartet haben, dass es um 10 Uhr vormittags im Schatten 25 Grad anzeigte. Welch eine Freude, das zu erleben und frühzeitig nach Hause oder ins Schwimmbad zu können. Der erste Erlass zum Hitzefrei kam in Preußen schon im Jahr 1892 vom damaligen Kultusminister Julius Robert Bosse.

In Hessen gilt heute der Erlass des Kultusministeriums von 2021 mit dem Titel “Andere Unterrichtsformen und Unterrichtsausfall bei großer Hitze an allgemeinbildenden Schulen”. In diesem Erlass werden folgende Vorschläge für die Reaktion der Schulen auf die große Hitze vorgeschlagen:

  • auf Hausaufgaben verzichten
  • andere Lernorte aufsuchen,
  • alternative Unterrichtsformen anbieten,
  • die Dauer einer Unterrichtsstunde verkürzen,
  • den Unterricht nach der 5. Stunde beenden.

Die Entscheidung über den Umgang mit Hitze an Schulen trifft die Schulleitung vor Ort nach den örtlichen Bedingungen im Gebäude. Zu dem Konzept der Lindenschule befragt, gab Schulleiter Steffen Nagel gerne Auskunft. Er berichtete, dass er bereits im Juni einen Brief an die Eltern zum Thema „Maßnahmen bei großer Hitze“ geschrieben habe. Hierin wurde festgelegt, dass in der letzten Woche vor den Ferien, falls morgens vor Unterrichtsbeginn in den Klassenräumen 25 Grad oder mehr gemessen werden, keine Hausaufgaben aufgegeben werden. Zum Thema „andere Lernorte aufsuchen und alternative Unterrichtsformen anbieten“ wurden beispielsweise Exkursionen oder kleinere Ausflüge durchgeführt. Lehrer beziehungsweise Lehrerinnen gingen mit den Schulkindern in den Wald oder in den Freizeitpark. „Aber von richtigem Unterricht kann man da natürlich nicht sprechen“, erläutert Nagel. Eine Verkürzung des Unterrichts sei nur bedingt wirkungsvoll, da man den Eltern nach dem Konzept „Verlässliche Schule“ eine feste Betreuungszeit in der Schule garantiere. So würde sich bei Unterrichtsausfall die Schulkindbetreuung um die Schüler und Schülerinnen kümmern.

Eine Richtlinie, wie man am besten die Kinder in Schulen oder Kitas vor großer Hitze schützt und was man tun kann, um das Raumklima einigermaßen angenehm zu gestalten, ist der hessische Hitzeaktionsplan. In Anlehnung daran hat der Main-Taunus-Kreis unter https://www.mtk.org/hitze ein Hitzeportal eingerichtet. Die Punkte hieraus werden selbstverständlich im Unterricht und in der Schulkindbetreuung berücksichtigt. Für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird durch regelmäßige Trinkpausen, Aufforderung zum Trinken und zur Verfügungstellung von geeigneten Getränken gesorgt. Auf Sonnenschutz wird durch das Tragen von Hüten oder Kappen und das Eincremen geachtet. Zur Verbesserung des Raumklimas wird schon frühmorgens gelüftet. Die Fenster werden anschließend geschlossen gehalten und durch Jalousien verschattet.

An der Lindenschule gab es bis jetzt noch keinen Vorfall, bei dem es einem Kind wegen der Hitze schlecht ging.

Zurück zu den Erstklässlern: „sie haben es verhältnismäßig gut, weil ihre Klassen im Neubau der Lindenschule sind“, erklärte Steffen Nagel. Hier gibt es eine Lüftungsanlage, die eine gewisse Temperierung der Räume zulässt. Es wird trotzdem warm in den Klassenzimmern, aber das Raumklima ist besser als im Altbau, wo etwa die Hälfte der Schüler und Schülerinnen und die Verwaltung untergebracht sind.

Bleibt zu hoffen, dass es endlich kühler wird und so bleibt.

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