Was für ein Konzert in St. Vitus! Welch ein Sound! Bigband-Ensemble, Jazz-Trio, Sängerin und Chor begeisterten das Publikum, sammelten reichlich Zwischenapplaus und am Ende Bravo-Rufe samt Standing Ovations. Doch der Reihe nach:
Das Sacred Concert von Jazz-Legende Duke Ellington stand auf dem Programm des diesjährigen Sommernachtskonzerts von Vitus & Caecilia. Entstanden um 1965 als Auftragswerk, wurde es vielfach in unterschiedlichen Ausprägungen und Besetzungen in den USA und Europa mit „dem Duke“ selbst aufgeführt. Schließlich brachte man es 1993, rund 20 Jahre nach seinem Tod, erstmals in eine bis heute gebräuchlich, veröffentlichte Version. Es gilt als Spät- und Hauptwerk des Komponisten. Ellington selbst bezeichnete dieses geistliche Werk als „das Wichtigste, was ich je getan habe“.
Biblische Inhalte, der Psalm 150, freie sakrale Texte und eine Betrachtung des Begriffes „Freiheit“ bilden die inhaltliche Basis des Werkes. Die Musik des Sacred Concert lässt sich mit swingendem, mitreißenden Bigband-Sound, lyrischen solistischen Gesangspartien und facettenreichem Chorgesang – so die Ausführungen im Programmheft – nur annäherungsweise beschreiben, entfaltet sie doch eine Wirkung, der man sich schwerlich entziehen kann. Vielleicht bringt es ein Zitat von Duke Ellington am Treffendsten auf den Punkt: „Ich wollte keine klassische Messe schreiben, sondern Gott mit dem loben, was am besten groovt.“ Und so wünschte Dirigent Andreas Winckler dem Publikum am Ende der Begrüßung einen inspirierenden Abend - let´s groove!
Das setzte der gesamte Aufführungsapparat dann auch in die Tat um. Der bestens vorbereitete und ganz offensichtlich begeisterte Chor des Caecilienvereins Kriftel wusste zu überzeugen in den kraftvollen und energiegeladenen Passagen, aber nicht minder mit a cappella vorgetragenen, eindringlichen und ausdrucksstarken Sätzen. Die Solisten des Bigband-Ensembles setzten Highlights mit Trompete (Claus Winter, Jürgen Rollmann), Posaune (Ilja Holodkov, Pia Henzel), Saxophon (Dael Alonso) und Klarinette (Tanja Alonso) und ließen bei aller Spielfreude dem Chor und der Vokalsolistin Raum zur Entfaltung. Die Sopranistin Daria Kalinina gefiel mit einfühlsamer und gleichzeitig kraftvoller, nuancierter Stimme. Unaufdringlich präsent war das solide, präzise und klangvolle Fundament, das der Kontrabassist Bastian Weinig legte, stets in exakter Abstimmung mit Michael Frassine an den Drums, der von zurückhaltenden Effekten bis zum ganz großen Auftritt in den solistischen Einlagen alles zeigte. Schließlich versprühte der Pianist Andreas Dittinger Jazz-Flair pur, absolut virtuos mit perfektem Timing und mitreißender Expressivität. Im Trio der perfekte Rückhalt für die ganze Band und den Chor! Fast überflüssig zu sagen, dass der Chorleiter und Dirigent Andreas Winckler die Ausführenden mit seiner Präsenz und ansteckenden Energie souverän durch das Werk führte. Und so entstand, was er eingangs angekündigt hatte: ein ganz besonderes kirchenmusikalisches Erlebnis im mitreißenden Groove. Bravo!


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