Über Heiterkeit, Hundeerziehung und die Entdeckung von Tutanchamuns Grab

Abwechslungsreiche Film- und Vortragsreihe des Kulturforums Kriftel im ersten Halbjahr 2026

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Die beliebte Vortragsreihe des Kulturforums Kriftel, organisiert von Gabriele Baukholt und Ruth Kugelstadt-Braun, startet schon kurz nach dem Jahreswechsel mit einem spannenden Vortrag in die neue Saison: Thomas Huth spricht am Mittwoch, 7. Januar, in seinem Vortrag „Ernst ist das Leben – heiter die Kunst“ über „alte Meister“ und ihre Komik. Der Titel des Vortrags dem Prolog zu Schillers „Wallenstein“ entnommen. Huth fragt: Stimmt das? „In der Regel widmet sich das Publikum in den großen Gemäldegalerien den Werken der großen Meister in feierlichem Ernst und mit gebührendem Respekt. Kann man da auch ‚Heiteres‘ oder gar ‚Komisches“‘ entdecken? Man kann! Man muss nur die richtigen Künstler auswählen“, findet der Referent. Er bringt viele überraschende Bilder mit ins Rat- und Bürgerhaus: Die Maler und Grafiker Hogarth und Daumier beispielsweise glänzen durch treffende Satire auf die Gesellschaft ihrer Zeit. Velazquez und Goya stehen für Hofkunst und Pathos, aber auch für wachen Sinn für das Komische unseres Erdendaseins. Johann Peter Hasenclever und Carl Spitzweg sind zwei deutsche Vertreter des 19. Jahrhunderts, die über einen ausgeprägten Sinn für das unfreiwillige Komische des bürgerlichen Lebens verfügen. Die beiden Genremaler Jan Steen und Adriaen Brouwer sind im 17. Jahrhundert unbestechliche Beobachter menschlicher Schwächen und wissen dies, in Bilder voller Komik umzusetzen. „Und selbst das ausgehende Mittelalter kennt eine ausgeprägte Freude am Skurril-Komischen und Grotesken, wie vor allem zahlreiche Bildschnitzer und Bildhauer der hohen und späten Gotik mit ihren Werken beweisen“, macht Huth Appetit auf die Veranstaltung. Wie alle weiteren Vorträge und Filmvorführungen findet auch diese um 19.30 Uhr im Rat- und Bürgerhaus (Frankfurter Straße 33-37) statt. Der Eintritt ist frei.

„Von Porto nach Santiago de Compostela“ lautet der Titel eines Films des Filmemachers Raimund Dorn, der am Donnerstag, 22. Januar, im Rat- und Bürgerhaus über seine Pilgerfahrradtour berichtet. „Entlang der mal wilden, mal sanften Atlantikküste Portugals begann meine Pilgerreise zusammen mit drei weiteren Pilgern in Porto. Wir hatten uns für dieses Vorhaben für Fahrräder entschieden, die mal vorteilhaft und manchmal hinderlich waren“, heißt es in der Ankündigung. Von Porto aus führte der Weg meistens durch stille Fischerdörfer, Dünen und quirlige Städtchen. Mindestens einmal am Tag besuchten sie die örtliche Kirche, um den Stempel für den Pilgerpass abzuholen, der am Ziel in Santiago vorgezeigt werden muss. „Die manchmal anstrengende Fahrt war nicht nur eine körperliche, sondern auch eine innere Reise. Jeder Kilometer schenkte Begegnungen, Stille und neue Kraft“, betont Raimund Dorn. In Santiago de Compostela endete die Reise vor der Kathedrale nicht nur für uns, sondern auch zusammen mit Hunderten von Pilgern aus aller Welt. Überall konnte man die Ergriffenheit und Dankbarkeit spüren, diese Strecke geschafft zu haben. Mein Film erzählt von dieser Pilgerfahrt entlang der portugiesischen und spanischen Küste, die Seele und Landschaft gleichermaßen berührt.“

Nach der überwältigenden Resonanz auf den Vortrag "Hunde richtig verstehen“ von der Hofheimer Hundetrainerin Sandra Imhoff im vergangenen Frühjahr folgt am Mittwoch, 25. März, nun die angekündigte Fortsetzung, diesmal zum Thema „Wald. Wild? Weg! Warum Hunde jagen – Auslöser erkennen, Verhalten steuern, Alltag genießen.“ Es geht blitzschnell: Ein Reh huscht am Waldrand entlang, ein Vogel startet durch, ein intensiver Geruch zieht vorbei – und der Hund ist sofort im Jagdmodus. In solchen Momenten kommt oftmals kein Ruf mehr durch, denn Instinkt und Emotionen schalten auf „Vollgas“. Für viele Hundebesitzer ist dieses Verhalten im Alltag ziemlich herausfordernd. Aber: Man ist dem nicht ausgeliefert. „Mit dem richtigen Verständnis und klaren Strategien lassen sich Stress, Frust und Unsicherheit deutlich reduzieren“, betont Sandra Imhoff. In ihrem Vortrag räumt sie mit gängigen Mythen auf, schafft ein neues Verständnis für die inneren Abläufe des Hundes und zeigt Wege, wie Jagdverhalten nicht zum Dauerproblem wird – sondern zu einer echten Chance für bessere Zusammenarbeit und Beziehung.

In Kriftel wurden zwischen 1860 und 1935 mehr als zwanzig Vereine gegründet. Viele von ihnen existieren noch heute. In seinem bebilderten Vortrag „Gesang, Sport und Humor. Krifteler Vereinsgründungen 1860–1935“ greift Gemeindearchivar Dt. Detlef Krause am Mittwoch, 1. April, anhand mehrerer Beispiele spannende Fragen zur Krifteler Vereinsgeschichte auf: Wie verlief die Vereinsgründung? Lassen sich den Vereinen bestimmte soziale Milieus zuordnen? Wie war das Verhältnis zwischen den Vereinen und der Gemeinde? „Mit dieser vergleichenden Perspektive treten manche Entwicklungen der Vereinsgeschichte deutlicher hervor“, stellt er überzeugend dar.

Dass Kathrin Baukholt in ihren Zwanzigern nochmal länger am Stück ins Ausland gehen wollte, war schon längere Zeit ihr Traum, den sie im Sommer 2025 in die Tat umsetzte. „Dass es nach Lateinamerika gehen würde, war mir auch schnell klar - meine Liebe zu der Region habe ich schon 2015 nach meinem Abitur bei einem Auslandsaufenthalt in Peru entdeckt. Also kündigte ich meinen Job und machte mich Anfang August 2024 auf den Weg nach Kolumbien, wo meine Reise startete“, erzählt sie. In ihrem Vortrag mit dem Titel „De Colombia a Mexico“, den sie am Mittwoch, 15. April im Krifteler Rathaus halten wird, berichtet sie von ihrer ereignisreichen Rucksackreise mit Freiwilligenarbeit im Hundeshelter in Lateinamerika - durch Kolumbien, Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Mexiko. Zu den besonderen Höhepunkten zählen für sie die Besteigung eines aktiven Vulkans in Guatemala, die farbenprächtigen Feierlichkeiten zum „Día de Muertos“ in Mexiko, das Erkunden von zwei verschiedenen Wüsten in Kolumbien und von kleinen, abgelegenen karibischen Inseln in Nicaragua. Zum Abschluss der Reise hatte sie in Mexiko die Gelegenheit, in einem Tierheim für Straßenhunde mitzuhelfen. „Perros en Puerto“ bietet heute rund 100 Hunden Schutz und Versorgung. „Alles in allem haben mich als Vegetarierin mit Angst vor Insekten die oft sehr fleischlastige Küche und die allgegenwärtigen Kakerlaken vielleicht weniger begeistert – dafür aber umso mehr die beeindruckende Natur, die herzliche Mentalität der Menschen und das besondere Lebensgefühl in all diesen Ländern. Außerdem hat mir die Reise gezeigt, dass sich vieles am Ende doch fügt“, schreibt sie in ihrer Ankündigung.

Spannend wird es dann nochmal vor der Sommerpause am Mittwoch, 6. Mai: „Ein Lord. Ein Unfall. Eine Weltsensation". Lord Carnarvon und die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun“ – so lautet der Vortrag von Dr. Carola Vogel, Vorsitzende des Freundeskreises Ägyptologie an der JGU Mainz. Über ein Jahrhundert lang hielt sich eine der bekanntesten Legenden der Archäologie: Demnach soll ein 1901 erfolgter Zusammenstoß von Lord Carnarvons Auto mit einem Ochsenkarren an der berüchtigten „Heimbacher Delle“ bei Langenschwalbach der Auslöser für die Entdeckung von Tutanchamuns Grab gewesen sein. Die Geschichte wurde in unzähligen Publikationen tradiert und diente als romantisches Erzählmotiv für den spektakulären Fund. Tatsächlich zeigt die sorgfältige Recherche in lokalen Zeitungsarchiven ein anderes Bild: Der Unfall ereignete sich erst 1909, zu einem Zeitpunkt, als Carnarvon bereits seit zwei Jahren mit Howard Carter bei Ausgrabungen zusammenarbeitete und Ägypten mehrfach besucht hatte. Der Vortrag entlarvt die Legende, erklärt, warum Lord Carnarvon im Untertaunus unterwegs war, korrigiert über hundert Jahre alte Fehldaten und erzählt zugleich, wie persönliche Schicksale, mediale Ausschmückungen und historische Tatsachen miteinander verwoben wurden – bis zu einer der bedeutendsten und bekanntesten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten.

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