Über die aktuelle Situation in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Kriftel sowie die weitreichenden Bemühungen für eine gute Integration der Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund in das gesellschaftliche Leben in Kriftel informierte jetzt Bürgermeister Christian Seitz in den Ausschüssen.
„Seit vielen Jahren setzt sich die Gemeinde Kriftel mit einer Vielzahl von Angeboten und Initiativen für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in das gesellschaftliche Leben ein. Dabei spielen der Ausländerbeirat, der Arbeitskreis Flüchtlinge und Integrationslotsen eine zentrale Rolle“, so Seitz. „Diese Gremien tragen nicht nur durch die Entwicklung von Vorschlägen für Integrationsmaßnahmen wesentlich bei, sondern übernehmen auch aktiv viele Aufgaben im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements.“
Kriftel habe bereits frühzeitig verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Integration zu fördern. Hierzu gehören unter anderem die Organisation vielfältiger Sprachkurse sowie die Auszeichnung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund für besondere Leistungen an der Weingartenschule. Ein weiteres bedeutendes Element der Integrationsarbeit sei die Lernstube, die seit über 40 Jahren ein fester Bestandteil der Bildungsförderung in Kriftel ist. Sie hilft Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund dabei, schulische Inhalte besser zu verstehen und erfolgreich zu lernen.
65 Personen in Krifteler Notunterkünften
Die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge war 2024 weiterhin gestiegen, was die Städte und Gemeinden bei der Unterbringung vor große Herausforderungen gestellt hat. Besonders durch den Krieg in der Ukraine war der Zustrom von Geflüchteten stark angestiegen. Mittlerweile sind die Zahlen deutlich gesunken, was auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bestätigt.
Aktuell sind insgesamt 65 Personen durch das Ordnungsamt Kriftel in Notunterkünften in Kriftel eingewiesen, um drohender Obdachlosigkeit vorzubeugen. Einzelpersonen sind momentan zu zweit oder zu dritt in einem Mobilheim untergebracht. Seit Anfang 2025 wurden der Gemeinde Kriftel insgesamt 20 Flüchtlinge durch den Main-Taunus-Kreis zur Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft zugewiesen. Ein Großteil der Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, fand Unterkunft in privaten Haushalten oder in Wohnungen. Aktuell kommen keine neuen ukrainischen Geflüchteten über reguläre Zuweisungswege in Kriftel an. Neue Ankünfte erfolgen meist direkt zu hier lebenden Familien oder Bekannten. Die Gemeinde bleibt vorbereitet, falls erneut Schutzsuchende aus der Ukraine kommen sollten.
Seit der Erstaufnahme im Jahr 2016 kam es in der Gemeinschaftsunterkunft in der Hofheimer Straße zu weiteren Zuweisungen und Veränderungen in der Belegung. Aktuell stehen insgesamt 28 nutzbare Mobilheime zur Verfügung, wobei ein Teil der Mobilheime davon zur Unterbringung von Obdachlosen genutzt werden muss. Diese sind mit insgesamt 6 Personen belegt. Somit stehen 24 Mobilheime zur Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung, die aktuell mit 38 Personen belegt sind. Im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise wurde 2014 in der Richard-Wagner-Straße eine Gemeinschaftsunterkunft für insgesamt 40 Personen errichtet, die im Herbst desselben Jahres von den ersten Geflüchteten bezogen wurde. Seitdem hat sich die Situation jedoch gewandelt. Einige Geflüchtete haben die Unterkunft verlassen, nachdem ihre Asylanträge abgelehnt wurden, und sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Aktuell (Stand: 27 November 2025) sind noch 39 Personen in der Gemeinschaftsunterkunft des Main-Taunus-Kreises untergebracht. Der Großteil der Geflüchteten in Kriftel stammt aus Afghanistan, die übrigen kommen aus dem Irak, dem Iran, der Ukraine, Guinea, Pakistan, der Türkei, dem Kosovo, Somalia und Äthiopien.
Schaffung von Wohnraum
Bereits zu Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/2016 wurde es immer wieder möglich, einzelne Geflüchtete aufgrund ausgeschöpfter Kapazitäten direkt in Wohnungen unterzubringen. Auch in den darauffolgenden Jahren gelang es mehrfach, geflüchtete Personen, die zum Auszug berechtigt waren, in regulären Wohnraum zu vermitteln. Der Ausländerbeirat und der Arbeitskreis Flüchtlinge bleiben in diesem Bereich aktiv und haben sich bei der Anmietung von Wohnungen, auch außerhalb der Gemeinde, engagiert.
Seit November 2022 ist der Druck auf die Gemeinschaftsunterkünfte erneut gestiegen, weshalb der Main-Taunus-Kreis die Städte und Gemeinden dazu aufgefordert hat, zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Besonders im Fokus stehen dabei die Geflüchteten, die aufgrund ihrer Anerkennung berechtigt sind, aus den Gemeinschaftsunterkünften auszuziehen.
In Kriftel wurde das Thema der Wohnraumschaffung bereits frühzeitig angegangen. Die Gemeinde hat den Bestand an eigenen Wohnungen oder mit Belegungsrechten kontinuierlich erweitert. Das Neubauprojekt der Gewobau hat dazu beigetragen, dass dem Wohnungsangebot 48 weitere Wohnungen hinzugefügt wurden. Durch Umzüge von Mietern in diese neuen Gewobau-Wohnungen wurde zusätzlicher Wohnraum für bleibeberechtigte Personen frei. Mit dem Erwerb des Apartmenthauses in der Paul-Duden-Straße 29 mit 100 Apartments durch die Gewobau sind die Möglichkeiten weiter gestiegen, Menschen unterzubringen. Auch im Baugebiet „Krifteler Wäldchen“ entstehen in naher Zukunft viele neue Wohnungen. Zudem wird versucht, durch den Umzug von Bestandsmietern in neue Wohnungen, größere Wohnungen frei zu bekommen, die dann den Bleibeberechtigten zur Verfügung gestellt werden können. Seitz: „Trotz dieser Bemühungen bleibt die hohe Nachfrage nach Wohnraum eine Herausforderung. Auch in Zukunft wird die Unterbringung von anerkannten Geflüchteten in regulärem Wohnraum ein bedeutendes Thema bleiben.“
Regelmäßige Sprechstunden und Angebote
Seit dem 1. August 2018 ist Semiha Eroglu-Buch als Sozialarbeiterin in der Gemeinde Kriftel tätig. Ihr Aufgabenbereich umfasst die Organisation und Optimierung von Integrationsmaßnahmen und Projekten, die Nutzung von Förderprogrammen, die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Kommunen sowie den Aufbau erforderlicher Strukturen zur Bewältigung dieser Aufgaben. Sie bietet regelmäßig Sprechstunden im Rathaus an, die sich an Geflüchtete, Migranten, Obdachlose und bedürftige Personen – einschließlich deutscher Staatsbürger – richten. Sie unterstützt bei Konfliktlösungen, vermittelt bei Bedarf an andere Stellen innerhalb der Verwaltung, bearbeitet soziale Anfragen, betreut Ehrenamtliche und organisiert Sprachvermittlung. Darüber hinaus ist sie für die Gemeinschaftsunterkunft in der Hofheimer Straße verantwortlich. „Als zentrale Schnittstelle zwischen Gemeinde, Main-Taunus-Kreis, ehrenamtlich Tätigen und den betroffenen Personengruppen leistet sie einen bedeutenden Beitrag. Ihr Aufgabenfeld wird kontinuierlich erweitert, um die Integration sowie soziale Unterstützung effektiv zu fördern“, lobt der Bürgermeister.
Angebote gibt es in Kriftel viele im Rahmen der Flüchtlingsarbeit: dazu gehören die Kleiderkammer „Come In“ und die Fahrrad-Werkstatt des Familienzentrums, der vom Ausländerbeirat Kriftel und dem Familienzentrum organisierte Internationale Spielkreis, der Internationale Frauentreff und die in Zusammenarbeit zwischen dem Ausländerbeirat und der Gemeindeverwaltung organisierte Sprachkurse für Frauen im Rahmen des Landesprogrammes "Mama lernt Deutsch". Diese werden auch in diesem Jahr fortgeführt.
Außerdem gibt es in Kriftel 13 Integrationslotsinnen und -lotsen: Das sind engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Geflüchteten und Migranten partnerschaftlich bei der Integration helfen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, über Angebote und Möglichkeiten in der Gemeinde oder im Kreis zu informieren und Kontakte zu Behörden, Organisationen, Vereinen oder Beratungsstellen herzustellen. Damit fördern sie die Selbstständigkeit der Geflüchteten und Migranten, helfen ihnen, sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. Neben den Integrationslotsen engagieren sich in der Gemeinde Kriftel auch vier Gesundheitslotsinnen und -lotsen, die Geflüchteten und Migranten beim Zugang zum Gesundheitssystem unterstützen. Sie begleiten unter anderem bei Bedarf zu Arztterminen.
„2019 haben wir erfolgreich einen Antrag im Rahmen des Landesprogramms ‚WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren‘ gestellt. Seither profitieren wir von Fördergeldern, die Projekte zur Integration unterstützen. 2025 erhielten wir einen Zuschuss in Höhe von 14.100“, so Seitz. Auch für 2026 hat die Gemeinde Folgeanträge gestellt, um diese Arbeit fortzuführen und auszubauen.
Das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ läuft erfolgreich in Kriftel seit 2019. 2024 wurde es um die Zielgruppen „Menschen mit Migrationshintergrund“ und „sozial benachteiligte Menschen“ erweitert und in „Sport integriert Hessen“ umbenannt. Der in Kriftel tätige Sportcoach und seine Tandem-Partnerin konnten zahlreiche Kinder und Jugendliche, darunter auch viele Geflüchtete, in örtliche Sportvereine vermitteln. Ein Schwerpunkt wurde auf Schwimmkurse gelegt, um insbesondere Kinder von Geflüchteten in diesem Bereich zu fördern, da hier oft erhebliche Defizite bestehen.
Die internationale Fußballgruppe bleibt weiterhin aktiv und trifft sich regelmäßig. Etliche Spieler sind zwischenzeitlich auch im örtlichen Fußballverein und in Vereinen der Umgebung Mitglieder geworden. Der angebotene Kurs „Frauen in Bewegung“, speziell für Frauen, die kulturell bedingt vorher wenig Sport gemacht haben, wurde umstrukturiert: Tanz als gemeinsame Sprache steht nun im Mittelpunkt des 2025 neu benannten Kurses „Tanz dich fit“.
Das Pilotprojekt „Fit in Deutsch“, das im Rahmen von „Sport integriert Hessen“ gestartet wurde, kombiniert Sport mit Sprachförderung und bietet eine zusätzliche Möglichkeit, Deutschkenntnisse zu verbessern.

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