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Als Böhmen noch Österreich war

Egerländer: Tradition verpflichtet – auch im 21. Jahrhundert

BISCHOFSHEIM (vb/es) – Die 1952 gegründete Egerländer Gmoi z'Bischofsheim weiß selbst, dass sie mit ihrem Kirwa-Termin hinterherhinkt. Überall im Hessenland hat es sich bereits ausgetanzt. Doch Franz Joseph II, ältester Sohn der berühmten Kaiserein Maria Theresia, verfügte damals in der Mitte des 18. Jahrhunderts für seine Untertanen den dritten Sonntag im Oktober als einzigen „Feiertag“. So halten es auch die Nachfahren und luden für Samstag (15.), von 18 bis 22 Uhr ins Bischofsheimer Bürgerhaus zur Kaiserkirwa ein.
Angesprochen waren nicht nur Freunde aus nah und fern, sondern auch jene, die sich den Egerländern verbunden fühlen und Blasmusik mögen. Pünktlich erklang der Egerländer Marsch, aufgespielt von der seit dem Maitanz bekannten und bewährten Acht-Mann-Kapelle „BöhMähranka“. Dem Einzug der 16 Trachtenpaare unter Vorantritt der Gmoifahne folgte die Begrüßung durch Karl Unger vom Dreiergremium des Vorstands. Auch er umriss kurz, zum besseren Verständnis, die Vorgeschichte und freute sich, über 140 anwesende Gäste. So waren u.a. Ortsvereinsring-Vorsitzender Detlef Gärtner, Bürgermeister a.D. Reinhard Bersch, aber auch Ehrenvüarstäiha Wilhelm Hein, alle mit ihren Damen, gekommen. Bischofsheims neue Bürgermeisterin, Ulrike Steinbach, war aus Termingründen entschuldigt, ebenso wie der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Hugo Berg, was man allgemein bedauerte.
Viele Freunde von überallher, von Vereinen und Verbänden waren da, so vom BdV (Bund der Vertriebenen/SL, Sudetendeutsche Landsmannschaft), zwölf Personen der Musik-Gesanggruppe Biebesheim-Dornheim, angeführt von Rudi Mohr, Dr. Herfried Stingl (Groß-Gerau) mit Gattin, Vüarstäiha Edi Fenkl der Gmoi z'Kelsterbach mit vielen fleißigen Tänzern, Jakob Schmidbauer mit Gattin vom Gebirgstrachtenverein „Almarausch“ Rüsselsheim und nicht zu vergessen vom BdV/SL Helmut Brandl (Stockstadt) und Frau.
Dem Willkommensgruß samt Dank an die Gmoi-Heinzelmännchen, die fürs Aufhängen der Fahnen, Städtewappen und Tischdekoration mit Nüssen und Zierkürbissen sorgten, schloss sich nahtlos die Ehrung verdienter Mitglieder an: 25 Jahre halten der Gmoi die Treue Helga und Franz Hanys (jahrelang bewährter Akkordeonbegleiter der Singgruppe) sowie die Mouhmen Erika Domes und Gerlinde Müller. Vetter Edmund Dengler ist 50 Jahre Gmoimitglied. Helmut Schöniger und Adolf Utler vom Vorstand beglückwünschten sie und händigten ihnen Urkunden, Blumen bzw. Bierseideln aus. Wer verhindert war, wird daheim besucht.
Ab dann spielte die Blasmusik zünftig auf. Als Egerländer der dritten Generation kennen sie die Materie. Alle Besucher freuten sich über böhmische Tanzweisen am laufenden Band: „Aus Böhmen kommt die Musik“ ebenso wie der „Schornsteinfeger von Eger“, die „Rosamunde“ und die „Marianka“, denn „Hinter den böhmischen Bergen“ ist der „Fuchsgraben“ und die „Rauschenden Birken“ ... und noch viel mehr Altbekanntes.
Eine Überraschung wurde der Auftritt von neun Mitgliedern der sonst elfköpfigen BdV-Musik-Gesanggruppe Biebesheim-Dornheim. In adretter schwarz-roter Garderobe, unterstützt von zwei kleinen Akkordeons und einer Schweinsgeige erfreuten sie mit einer Egerländer-Liedfolge zum Mitsingen und Schunkeln. Viel Beifall war ihr Lohn.
Einziger Wermutstropfen des Abends waren zu wenig heimatliche Kirwaköichla. 150 Stück, gut belegt mit Mohn, Quark, Powidl und Streuseln gingen wieder weg wie die warmen Semmeln. Das war sehr bedauerlich – 200 wären besser gewesen. Gmoi-Mitglied Reinhard Bersch nahm es mit Humor, leer auszugehen: aus der leeren Köichla-Kiste sammelte er abgebröckelte Streuseln in die hohle Hand.
Diese zünftige, harmonisch verlaufene Kirwa 2011, bei der weder Musik- noch Tanzwünsche offenblieben, ging nach 22.30 Uhr zu Ende, obwohl auch dann noch niemand an Aufbruch dachte. „Schäin wars wieda!“, resümmiert die Schreiberin dieser Zeilen, Edith Schmidt.
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