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Tagesalarmbereitschaft als ewiges Thema

Jahreshauptversammlung der Bischofsheimer Feuerwehr

Die Geehrten und Beförderten des Jahres 2019 auf der Treppe im Feuerwehrhaus vereint. Zu 14 Beförderungen kamen in diesem Jahr drei Anerkennungsprämien und zwei Ehrungen.

Das Thema harrt auch nach Jahren der Diskussion einer Lösung, und nun macht Gemeindebrandinspektor Peter Eckert Druck. Wie er bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr am vergangenen Freitag im Feuerwehrhaus ausführte, hat der erst im Vorjahr wiedergewählte Chef der Bischofsheimer Blauröcke, Bürgermeister Ingo Kalweit, angekündigt, bei der fälligen Neuwahl in drei Jahren nicht mehr zu kandidieren, wenn sich die Situation bei der Tagesalarmbereitschaft bis dahin nicht deutlich verbessert. Da dürfte der Rathauschef, so viel Verständnis er für die Forderung des örtlichen Feuerwehrchefs auch zeigt, eine Aufgabe vor sich haben, deren Lösung er eigentlich nicht im Griff hat.

Wie zur Demonstration, worum es geht, zeichneten Eckert und Kalweit gemeinsam die Bischofsheimer Firma Bernais Industrieautomation aus, deren Vertreter Oliver Sieben neben einer Urkunde und dem Dank auch das Schild „Partner der Feuerwehr“ entgegennehmen durfte. Das im Industriebgebiet sitzende Unternehmen stellt seinen Mitarbeiter Timo Hammerschlag für jegliche Alarmeinsätze während der Arbeitszeit frei. So, wie die Feuerwehren es sich von jedem Unternehmen wünschen würden, die aktive Feuerwehrkräfte beschäftigt. Doch das gestaltet sich immer schwieriger.

Im Grunde ist die Tagesalarmbereitschaft und die Erfüllung der gesetzlichen Vorgabe, innerhalb von zehn Minuten nach einer Alarmierung zu einem Einsatz vor Ort zu sein, heute schon nur durch die Kooperation mit Nachbarwehren möglich. Das Thema werde durchaus in der Feuerwehrkommission behandelt, sagte Kalweit dazu und verwies auf die 5000 Euro, die der Feuerwehr im kommenden Haushalt als Werbebudget zur Verfügung stünden. „Eine Gemeinde ohne Feuerwehr steht nicht lange“, versicherte Kalweit den Einsatzkräften, dass die Politik die Bedeutung des Engagements von Bürgern in der Feuerwehr zu schätzen und würdigen wisse.

Letztlich konnte Kalweit aber auch keine Lösung für das Problem Tagesalarmbereitschaft nennen, das Eckert ins seinem Jahresbericht ins Zentrum seiner Ausführungen gestellt hatte. Insbesondere auf seine Forderung, bei Bewerbungsverfahren für neu zu besetzende Stellen in der Verwaltung oder im Bauhof Feuerwehrkräfte bevorzugt einzustellen, reagierte Kalweit zurückhaltend. Da die Gemeinde ihre Mitarbeiter grundsätzlich für Alarmeinsätze freistellt, gewinnt auch die Tagesalarmsicherheit mit jedem/jeder in Rathaus oder Bauhof beschäftigten Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau eine Kraft. Doch ob ein solches Einstellungskriterium gerichtsfest wäre, wenn ein unterlegener Mitbewerber gegen seine Nichtberücksichtigung klagt, ist äußerst ungewiss.

Derzeit sind in der Verwaltung fünf, im Bauhof eine Kraft Mitglied der Einsatzabteilung der Bischofsheimer Wehr, berichtete Eckert. Die reine Breite seiner Truppe ist nicht das Problem, wie der Gemeindebrandinspektor ausführte, denn 69 Aktive, darunter inzwischen sieben Frauen, zählen derzeit zur Einsatztruppe, das ist ein stabiler Wert. Sie absolviert Jahr für Jahr rund 100 Alarmeinsätze. 2018 wurden in Bischofsheim so 2140 ehrenamtliche Stunden für den Feuerwehrdienst geleistet, berichtete Eckert. Die Einsatzkräfte besuchten zudem fleißig die Fortbildungen, einige seien auch für die Kreisfeuerwehr aktiv.

Jugendfeuerwehrwart Andreas Fink berichtete, dass sich seine Gruppe im Laufe des vergangenen Jahres durch Übertritte älterer Jugendlicher in die Einsatzabteilung verkleinert habe. Von den 20 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr blieben so zum Jahresende 14 übrig. Die Aktivitäten reichten von einer Beteiligung an der Aktion „Sauberhaftes Bischofsheim“ über ein Zeltlager in Grasellenbach im Odenwald, der Präsentation beim Friedrich-Ebert-Platz-Fest bis zur Abschlussübung Ende Oktober am Bürgerhaus.

Eckert sprach als weiteres größeres Thema die Parkplatzproblematik für die Kräfte an, die zu einem Einsatz zum Feuerwehrhaus eilen. Das Problem ist mit dem Abriss des Supermarkgebäudes mit seiner Parkzeile in der Ginsheimer Straße entstanden, die Neubebauung mit Wohnungen sieht keine Fremdparker mehr vor. Seit vergangenem Dezember ist der Parkstreifen entlang des Damms in der Ginsheimer Straße zwar mit einem absoluten Halteverbotsschild versehen, so dass dort laut Zusatzschild nur noch für „Einsatzkräfte der Feuerwehr frei“ gilt.

Doch, wer hätte es gedacht, im Alltag schert das die Autofahrer wenig, Eckert und einige Wortbeiträge der Aktiven forderten verstärkte Kontrollen des Ordnungsamtes und weitere Überlegungen, wie die Parksituation dort weiter verbessert werden könnte. Mittlerweile schwant der Feuerwehrleitung auch Ärger mit den Bewohnern des neu entstandenen Gebäudes gegenüber, die erst neben ein Feuerwehrhaus ziehen und sich dann über den Einsatzlärm beschweren. Der Dialog mit der Eigentümergemeinschaft des Wohnblocks werde gesucht, betonte Eckert.

Die schwindende Bereitschaft vieler Bürger, die Störung ihrer Kreise hinzunehmen, selbst wenn es um Rettungseinsätze geht, kommt auch bei der Bischofsheimer Feuerwehr inzwischen an, musste Eckert berichten. So trudelte eine Anfrage ein, ob denn das mit dem Sirenenalarm wirklich sein müsse, schilderte der Gemeindebrandinspektor, immer noch konsterniert.

Die Bischofsheimer Feuerwehrmänner und -frauen lassen sich von solchen Seiteneingaben nicht nachhaltig irritieren und erfüllen ihre Aufgabe und wollen auch innerhalb der Einsatztruppe weiterkommen. Eckert und sein Stellvertreter Felix Bayer konnten auch in diesem Jahr wieder einige Beförderungen aussprechen.

Zum

wurden Lukas Blömer, Pascal Kloos und Marvin Schulz ernannt. Eine Stufe weiter sind die neuen

Anna Kögler, Katharina Loew, Lukas Eckert und Martin Schul.

sind nunmehr Nicole Köster, Stephanie Trippacher, Sophie Willberg und Dennis Daum. Zum

ernannte Eckert Benjamin Plaul und Sascha Schramm, Eckerts Stellvertreter Felix Bayer schließlich darf sich nun

nennen.

Finanziell lukrativer als Titel sind bei den Freiwilligen Feuerwehren die

, die das Land Hessen für verdiente Aktive vergibt. Nach zehn Jahre aktiven Dienst gibt es derzeit 250 Euro, darüber durften sich diesmal Sebastian Stochniol und Max Hollemann freuen. Nach 20 Jahren aktiven Dienstes gibt es 400 Euro, den Scheck nahm Fabian Gehrmann entgegen.

Bei den Ehrungen wiederum piekst es etwas am Revers, aber dafür hängt anschließend ein schicker Orden am Anzug. Das

für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Bischofsheim erhielt Andreas Fink, gar 40 Jahre dabei und somit reif für das

war Volker Ritzert. Beide wurden vom Kreisbrandmeister Daniel Schmiele-Klanitz geehrt. Keine offizielle Ehrung, einfach ein Dankeschön per Blumenstrauß erhielt Cornelia Engert, die nach langen Jahren die Aufgabe als Gruppenbetreuerin in der Einsatzabteilung abgegeben hat und sich bald auch von der Jugendfeuerwehr zurückziehen will, wie sie ankündigte.

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