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Die alte Deichmauer soll weichen

Regierungspräsidium präsentierte bei Bürgerversammlung Pläne zur Deichsanierung in Ginsheim

GINSHEIM (ast) – Die historische Dammmauer am Ginsheimer Altrhein soll einem Betonbauwerk weichen. In einer Bürgerversammlung stellten Vertreter des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt (RP) in der vergangenen Woche drei Varianten zur Deichsanierung vor.


Voraussetzung für alle drei Planungsvorschläge: Die Bundsandsteinmauer aus dem Jahr 1897 wird abgerissen. Der Deichabschnitt „Ginsheim II“, Länge 450 Meter, reicht von der Schwarzbachmündung bis in Höhe des Kindergartens. Ab Frühjahr 2012 soll gebaut werden.

Obwohl die vorhandene Mauer Schäden aufweise, sei ihre Standsicherheit nach neuester Prüfung nicht gefährdet, versichert der vom RP beauftragte Peter Bader vom Ingenieurbüro „Wald und Corbe“. Eine Erhöhung der im Mittel 60 Zentimeter hohen Dammmauer sei dennoch nicht möglich, betonte der Ingenieur. Die einfachste Lösung sei, anstelle der Dammmauer eine 1,36 Meter hohe Betonmauer zu setzen, damit ein 200-jähriges Hochwasser sicher abgehalten werden könne. Das sei die wirtschaftlichste Lösung.

„Eine Blickbeziehung zwischen Hafen und Bebauung wäre erheblich beeinträchtigt“, gab Bader allerdings bei dieser Variante zu. Alternativ könne eine niedrigeres Bauwerk mit einer im Hochwasserfall aufgesetzten mobilen Erhöhung verwirklicht werden, nannte er Alternativen. Eine neue 1,05 Meter hohe Betonmauer mit Ankern zur Befestigung der mobilen Schutzelemente sei auch optisch tragbar, beteuerte Bader den rund 110 Besuchern der Veranstaltung.

Das Landesdenkmalamt habe diesen Plänen schon zugestimmt, informierte der Ingenieur. Einzige Bedingung sei, dass auf der Wasserseite der Betonmauer - von der Kirche bis zur Postgasse - mit Naturstein verkleidet werden müsse. Die restlichen Abschnitte könnten mit sogenannten Strukturmatrizen versehen werden, die Stein nachahmen. „Es muss nicht überall teurer Naturstein sein“, zeigte sich Bader überzeugt. „An erster Stelle steht die Sicherheit für unsere Ortslage“, betonte Bürgermeister Richard von Neumann. Er plädierte ebenfalls für die 1,05 Meter hohe Betonmauer mit mobiler Erhöhung, wünscht aber eine Verkleidung mit Naturstein auf der Wasser- und Landseite.

Erwin Dürr vom Heimat- und Verkehrsverein (HVV) forderte in Abstimmung mit seinem Vorstand, dass die historische Dammmauer erhalten bleibt. Er berief sich auf eine Variante, die von den RP-Vertretern im Februar im Bauausschuss vorgestellt wurde, jetzt aber keine Erwähnung fand.

In diesem Fall würde bei drohendem Hochwasser eine mobile Wand von 1,35 Metern hinter der Dammmauer aufgestellt. „Wir haben in Ginsheim wenig Historie, sie verschwindet zunehmend“, machte sich Rudolf Guthmann, ebenfalls im HVV-Vorstand, für die Erhaltung der Dammmauer stark.

Man habe die Variante, bei der die Dammmauer erhalten bleibt, verworfen, weil nicht genügend Personal zum Aufbau vorhanden sei, erklärte Wolfgang Zwach vom RP. Insgesamt 20 Personen bräuchten bis zu 16 Stunden, um die 1,35 Meter hohe mobile Wand aufzubauen, rechnete der Bürgermeister vor. Durch die mobile Wand auf dem Damm werde zudem die Fahrbreite auf drei bis 2,50 Meter verringert: Zu eng für Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr.

„Die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg ist nicht Bauherr, sondern das Land Hessen“, verwies von Neumann darauf, dass die Kommune nur eine Stellungnahme zu den Bauplänen abgeben könne. Die Stellungnahme zur Baumaßnahme wird im Juni in den Ausschüssen (14. und 16.) verhandelt und in der Gemeindevertretersitzung (22.) beschlossen. Alle Sitzungen sind öffentlich.

Die Baumaßnahme in Ginsheim wird sechs bis acht Monate dauern. In diesem Herbst soll die Beweissicherung durch einen Sachverständigen erfolgen, der alle betroffenen Häuser begeht.

Diskussionsbeiträge der Bürger

„Das Ortsbild ist in Gefahr“, lehnt der Ginsheimer Karl Gläs eine Betonmauer mit Strukturmatrize ab. Anwohner Oleg Cernavin fordert ebenfalls in der Bürgerversammlung den Erhalt der historischen Dammmauer, um den optischen Charakter am Altrhein zu wahren.

Behindertenbeauftragte und SPD-Mitglied Rosi Lehmann vermutet, dass den Ginsheimern egal ist, ob sie bei einer neuen Deichmauer auf gefärbten Beton oder Natursteinverkleidung blicken. Ein anderer Besucher der Bürgerversammlung betonte, ihm sei nicht die Optik, sondern der Hochwasserschutz das Wichtigste.

Klaus Metzger, Vorsitzender der Sport- und Kulturgemeinde Ginsheim (SKG), schlug vor, eine neue mit Naturstein verkleidete Mauer zu bauen, die aber nur so hoch wie die jetzige Dammmauer ist. Auf die 60 Zentimeter sollen dann die mobilen Elemente in der geforderten Höhe aufgesetzt werden.

Ilka Lorenz rief dazu auf, dass Freiwillige den mobilen Hochwasserschutz aufbauen könnten, damit die historische Mauer erhalten bleibt. „Ich bin mit der Dammmauer groß geworden, setzt euch für ihren Erhalt ein“, appellierte auch die junge Ginsheimerin Martina Hofmann an Publikum und die politischen Vertreter.

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