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Bombenstimmung in der Nähe des Pumpwerks

Eine alte Stabbrandbombe war der spektakulärste Fund beim Ginsheim-Gustavsburger Umwelttag

Kleines Dankeschön: Traditionell endet der Umwelttag mit dem gemeinsamen Essen auf dem Bauhofgelände. Hier können sich die Teilnehmer gegenseitig ihre Erlebnisse während der Expedition in die Gemarkung erzählen.
(gus/Fotos: Steinacker)

GINSHEIM-GUSTAVSBURG (gus) – Ungläubiges Staunen gehört jedes Jahr dazu, wenn die freiwilligen Helferinnen und Helfer kurz vor Frühlingsbeginn in die Gemarkung ausschwärmen, um die Grünzonen von all dem zu befreien, was von der Zivilisation hervorgebracht wurde und unpassenderweise in der Landschaft entsorgt wurde. Eingebracht von Menschen mit Problemen zu verstehen, dass diese Errungenschaften, nachdem sie ihren Dienst getan haben, ihre letzte Ruhestätte in den dafür vorgesehenen Behältnissen finden sollten. Beim Umwelttag der Stadt Ginsheim-Gustavsburg förderten am Samstag, 10. März, rund 220 Freiwillige aus 24 Vereinen, aber auch von den Parteien und privaten Initiativen wieder rund 40 Kubikmeter Müll zutage, der in großen blauen Säcken gesammelt und zum Bauhof gebracht wurde.

Nach drei Stunden an den Einsatzorten beendeten die Gruppen ihren Dienst an der Gemeinschaft und durften sich als Dankeschön der Stadtverwaltung auf dem Bauhof ein Mittagessen gönnen. An den Tischen gab es reichlich Gelegenheit zum Austausch über die diversen Funde, die sich zum Teil Jahr für Jahr wiederholen: Autoreifen samt Felgen sind eigentlich immer auf den Pritschenwagen des Bauhofs zu finden, die das von den Freiwilligen am Straßenrand abgelegte Fundgut einsammeln und zum Bauhof bringen, wo es in den entsprechenden Containern fachgerecht entsorgt wird.

Der spektakulärste Fund in diesem Jahr hatte ausnahmsweise aber wohl nichts mit allzu sorglosen Bürgern zu tun, sondern war eine Erblast aus Weltkriegszeiten. Rund 100 Meter vom Schwarzbachpumpwerk entfernt, in der Landschaft Richtung Ortslage, fanden die Vogelfreunde eine Stabbrandbombe, wie sie von britischen Flugzeugen über dem Deutschen Reich abgeworfen wurde, um als Brandbeschleuniger zu wirken und die durch die vorausgegangene Bombardierung geöffneten und oft bereits leicht brennenden Häuser vollkommen in Flammen aufgehen lassen sollten.

Dieser Stabbrandbombe war dann wohl ein Fehlläufer, der bis heute gefährlich sein könnte, die Polizei war gefragt und sperrte die Fundstelle ab. Garantiert neueren Datums, ganz friedlichen Zwecken dienend und dennoch unpassend in der Landschaft war das Mikrowellengerät, das vom Angelverein aus der Landschaft gefischt wurde. So sammelte sich wieder Kurioses und Ärgerliches an, und allen war dabei bewusst, dass sie in der Zeit letztlich nur einen kleinen Ausschnitt des Debakels zu sehen bekommen, das sich in der Gemarkung das ganze Jahr über abspielt.

Nicht vergessen werden darf, dass der Bauhof im innerstädtischen Gebiet stets und immerzu den Bürgern hinterhergeräumt, aber in der Gemarkung eben nicht. Der Organisatorin der Umwelttage in der Stadtverwaltung, Rita Wiebe, sind aber auch zunehmend die Problemfälle im Gustavsburger Industriegebiet ein Dorn im Auge, „da muss etwas passieren“, sieht sie gar den Punkt gekommen, dort im Alltag einzuschreiten. Das Problem sind offenbar die vielen LKW-Fahrer, die an den Straßen und Wegen parken und bei der Gelegenheit ihren Müll entsorgen, in vielen Fällen offenbar einfach in die Landschaft.

Und sehr unappetitlich wird es, was sich zunehmend vor allem entlang der Land- und Bundesstraßen findet und ebenfalls den Brummifahrern zuzuordnen ist: mit Urin gefüllte Flaschen, ein Entsorgungssystem, das die lästigen und zeitraubenden Pausen auf Rasthöfen vermeiden soll. Funde dieser Art hätten sehr stark zugenommen, betont Wiebe, wohl ein Nebeneffekt der Expansion der Gustavsburger Gewerbeflächen. Nun ist es eben immer schwer, durch lokale Maßnahmen einem Problem entgegenwirken zu wollen, das überregionale und damit schwer fassbare Verursacher hat, jede Überwachungsmaßnahme wird ihr Geld kosten.

Glück hatten die Veranstalter mit dem trockenen Wetter, nachdem am Freitagabend starker Dauerregen noch alles unter Wasser setzte. Mit Sicherheit hätte es sich deutlich auf die Teilnehmerzahl ausgewirkt, wenn es auch am Samstag noch von oben so feucht gewesen wäre. Eine Absage des Umwelttages hätte deshalb aber nicht zur Debatte gestanden, betont Wiebe. „Das machen wir nur bei geschlossener Schneedecke.“ Und die gibt es Anfang bis Mitte März nicht erst in den Zeiten des Klimawandels eher selten. Die Organisation des Umwelttages wird immer aufwendiger, weil sich die Sicherheitsanforderungen ständig erhöhen. Wer sich am Samstag über die rot-weißen Absperrbänder entlang des Bauhofgeländes wunderte: diese erstmals eingesetzte Besucherführung war der Anforderung der Versicherung geschuldet, die von der Stadt verlangte, durch solche klaren Abgrenzungen zu verhindern, dass sich die Besucher auf dem Gelände verstreuen und an den Gerätschaften verletzten oder Schäden anrichten.

Auf eine andere Forderung ging die Verwaltung allerdings nicht ein: Die Versicherung wollte von der Stadt eine genaue Namensliste mit allen Teilnehmern der Aktion vorgelegt bekommen. Das war schlicht nicht zu erfüllen und aus Sicht der Verwaltung auch unangebracht, weil sich alle Helfer freiwillig und in ihrer Freizeit am Umwelttag beteiligten. So wird deutlich: Müll in die Landschaft zu entsorgen geht ganz schnell und unauffällig, ihn wieder entfernen zu wollen, verursacht seine bürokratischen Hürden.

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