Vielzahl der Bewerber überfordert Fraktionen

Bauausschuss kann sich nicht auf Kandidaten für die Versorger „Am Alten Fährhaus“ einigen

GUSTAVSBURG (ast) – Hier geraten die Gemeindevertreter zusehends unter Druck: Obwohl sich in der vergangenen Bauausschusssitzung gleich vier Lebensmittelketten um das Baugrundstück „Am Alten Fährhaus“ bewarben, könnte Gustavsburg bald ein lokaler Versorgungsengpass drohen. In der vergangenen Woche wollten sich die Mitglieder des Bauausschusses – auch nach mehr als zweistündiger Beratung – nicht auf einen Bewerber einigen. 

 

Rückblick: Unruhe gab es bei vielen Gustavsburgern, als die Penny-Markt GmbH angekündigte, dass der Discounter in der Darmstädter Landstraße Ende 2012 geschlossen wird, falls nicht ein akzeptables alternatives Baugrundstück bereit steht (wir berichteten). Seitdem arbeitete die örtliche Gemeindeverwaltung mit Hochdruck. Ein Filetstück am Gustavsburger Ortsrand zu Kostheim wurde Penny für den Neubau einer Filiale angeboten. Damit sollte der Discounter in Gustavsburg gehalten werden. Zusätzlich wird derzeit die Bereitstellung eines Grundstücks im Ortskern vorangetrieben, um Platz für einen Vollsortimenter zu schaffen und gleichzeitig den Ortskern zu beleben. 
Nicht allen Gemeindevertretern gefiel die Idee, sich von Penny unter Druck setzen zu lassen. Liane Wolmuth-Neliba (FDP) formulierte jetzt im Bauausschuss zum wiederholten Male ihr Unbehagen: „Sie drohen, wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, werden wir schließen. Das ist kein guter Stil“, richtete sie ihre Kritik direkt an den Penny-Vertreter. Von den vier interessierten Marktketten waren Vertreter in der Bauausschusssitzung erschienen.
Schon im Juni 2011 hatte die Gemeindevertretung beschlossen, sich auch nach anderen Bewerbern für das Baugrundstück „Am Alten Fährhaus“ umzuschauen. Darauf bewarb sich überraschend auch die Rewe Markt GmbH mit einem Vollsortimenter für den neuen Standort. Sie trat damit in offene Konkurrenz zu Penny, denn beide Firmen gehören zur Rewe-Gruppe. Ebenfalls im Rennen: Edeka mit einem Vollsortimenter. Zusätzlich meldete noch ein Vertreter von „Netto“ Interesse an. Man wolle den Discount-Markt im Gustavsburger Gewerbegebiet schließen und ebenfalls gerne auf dem Grundstück „Am Alten Fährhaus“ einen Neubau platzieren, hieß es jetzt.
Innerhalb der Bauausschusssitzung bildeten sich darauf zwei Fronten: Vollsortimenter oder Discounter an den Ortsrand? – das war hier die Frage. Die Gemeindeverwaltung, vertreten durch Andreas Klopp von der Wirtschaftsförderung und Andreas Hummel, Fachbereichsleiter für Raum, Bau und Umwelt, empfahlen den Gemeindevertretern Penny den Zuschlag zu geben. Der Vollsortimenter solle später im Ortskern angesiedelt werden. 
Thorsten Siehr und Alfons Bayer (beide SPD) unterstützten diese Empfehlung. Nicht damit einverstanden zeigten sich die Freien Wähler, Bündnis 90/Die Grünen und die Vertreterin der FDP. Siegfried Nachtmann (FW) setzte sich weiter für einen Vollsortimenter am Standort „Am Alten Fährhaus“ ein, der auch Lebensmittel aus der Region verkauft. „Unsere Landwirte können dort ihre Produkte zu guten Preisen anbieten“, hofft er. Für ihn stehe Edeka an erster Stelle, weil er die interne Konkurrenz der beiden Tochterunternehmen Rewe und Penny nicht nachvollziehen könne, betonte Nachtmann.
Carolin Rethorn von den Grünen wies darauf hin, dass die Penny-Markt GmbH insgesamt rote Zahlen schreibe. „Wir wollen in Gustavsburg etwas Gutes haben“, betonte sie auch hinsichtlich der Architektur der Märkte. Rudolf Guthmann (CDU) sagte zum Standort Am Alten Fährhaus: „Es ist eine sehr repräsentative Stelle, es ist das Aushängeschild des Orts.“ Die jetzt präsentierten Gebäudeansichten der Märkte seien erschlagend, beurteilte er. 
Wie sehr die Gemeindevertreter bei ihrer Entscheidung unter Druck stehen, offenbarte sich erst am Ende der zweistündigen Diskussion. Der Penny-Vertreter versicherte auf Nachfrage, dass der alte Discounter in der Darmstädter Landstraße erst an dem Tag schlösse, an dem der neue Penny-Markt „Am Alten Fährhaus“ öffnet – auch wenn das nach Dezember 2012 der Fall ist. Bekommt ein anderer Interessent den Zuschlag, bleibt Penny dabei, den Markt Ende des Jahres dicht zu machen. Sollte also zum Beispiel Edeka den Zuschlag für diesen Standort erhalten, dann steht eine Versorgungslücke im Ortsbereich von Gustavsburg ins Haus.
Man könne der Bevölkerung nur noch schwer vermitteln, dass die Entscheidung um die Lebensmittelversorgung in Gustavsburg so lange dauere, forderte Bürgermeister Richard von Neumann die Gemeindevertreter auf, zu einer Entscheidung zu kommen. „Wir können in Ginsheim-Gustavsburg froh sein, dass wir vier Interessenten haben. Das wichtigste Ziel ist, den Ortskern von Gustavsburg zu stärken“, sagte er. Wenn man einen Vollsortimenter an den Ortsrand setze, sei die Chance einen Zweiten für die Ortsmitte zu gewinnen gering, gab der Bürgermeister zu bedenken. 
Allerdings könnte es auch passieren, dass am Ortsrand von Gustavsburg zukünftig zwei Discounter stehen. Es gibt Hinweise, dass Norma den alten Standort von Penny in der Darmstädter Landstraße übernehmen will.
Zuletzt meldeten die Freien Wähler und die Grünen Beratungsbedarf an, so dass die Entscheidung erst in der Gemeindevertretersitzung fällt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde den Bauausschussmitgliedern, auf Wunsch von Carolin Rethorn, die finanziellen Angebote der Interessenten für das Grundstück, das sich in Gemeindebesitz befindet, mitgeteilt.
Bewerber für das „Alte Fährhaus“
Penny will zukünftig auf einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmeter rund 1400 Artikel anbieten. Geschätzte Mitarbeiteranzahl: 14. Der Vollsortimenter Rewe geht von 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche und 15.000 Artikeln aus. Er will 50 Arbeitsplätze, auch Teilzeit, schaffen. Edeka plant auf 1400 Quadratmetern 20.000 Produkte mit 35 Voll- und Teilzeitkräften. Netto will auf 800 Quadratmetern ein Sortiment von 4500 Artikeln anbieten und rechnet mit bis zu zehn Arbeitsplätzen.

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