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Zum Spargeltopf über Feld und Flur

Regenspaziergang der CDU durch die Gemarkung von Ginsheim und Bischofsheim mit Rudolf Guthmann

MAINSPITZE (gus) – Neue Zeiten bringen neue Bezeichnungen hervor. Als „Stadtführer“ benannte Sabine Bächle-Scholz ihren Parteifreund Rudolf Guthmann am vergangenen Sonntag beim ersten gemeinsamen Gemarkungsrundgang des Ginsheim-Gustavsburger und des Bischofsheimer CDU-Ortsverbandes. Das wandelnde Ginsheimer Geschichts- und Geschichtenlexikon Guthmann durfte die Anrede so interpretieren, wie es von der Bischofsheimer Landtagsabgeordneten gemeint war: als Neckerei. Gilt Guthmann doch als jemand, der vor allem die dörfliche Seite seines Ginsheims mag und aufspürt – und daran kann natürlich keine Stadtwerdung der Welt etwas ändern.

 

Aber die neue Kooperation der CDU in Stadt und Gemeinde zeigt, dass sich auch an guten Sitten etwas erneuern lässt, denn Guthmann hat inzwischen rund 50 solcher Gemarkungsrundgänge absolviert. Die erste mit den Parteifreuden der Nachbargemeinde stand gleich unter einem schlechten Stern: Pünktlich zum geplanten Start am Sonntagmorgen öffneten die Wolken über der Mainspitze ihre Schleusen, dass es schwer nach einem sprichwörtlichen Ins-Wasser-Fallen einer Veranstaltung aussah.
„Aus fällt hier gar nichts“, stellte Guthmann sofort klar, als sich am Friedrich-Ebert-Platz die rund 30 potenziellen Mitwanderer fragten, wie sie bei dem Wetter einigermaßen trocken am Ziel ihrer Wünsche ankommen sollten. Das war der Guthmannsche Tannenhof auf Bischofsheimer Gemarkung, wo am Mittag Spargelsuppe, erntefrische Erdbeeren und Spundekäs auf die Wanderer warteten. Zudem ein wenig Wahlkampfansprachen von Landtagskandidatin Bächle-Scholz und Ex-Bundesminister Franz Josef Jung, der im September über den Groß-Gerauer Wahlkreis wieder direkt in den Bundestag einziehen will.
Wie aber in gesitteter Tracht, also nicht als tropfender Pudel endend, von hier nach da kommen? Regenschirme hatte bis auf Guthmann jeder dabei, aber sich über die Felder zum Ziel zu retten, konnte nicht Sinn des Tagwerks sein. In einer allzu kurzen Regenpause machte sich der Tross los und war heilfroh, mit dem Bürgerhausvordach gleich die nächste Unterstellmöglichkeit vorzufinden, goss es doch inzwischen wieder kräftig.
Einigermaßen geschützt, berichtete Guthmann den Mitwanderern, warum Ginsheim im Vergleich zu einigen Nachbargemeinden relativ wenig glanzvolle, alte Fachwerkgebäude vorzuweisen hat. „Ginsheim hatte keinen eigenen Wald, Holz war entsprechend teuer. Daher wurden meist nur vier massive Eckpfosten errichtet und dann mit Kiefern und Fichten sowie viele Putz dazwischen gebaut“, schilderte Guthmann.
Das ist auch der Grund, warum heute wenig Bestand aus der Aufbauzeit nach dem 30-jährigen Krieg übrig geblieben ist, in die Ginsheim mit gerade fünf übrig geblieben Häusern startete. „Es hat damals 100 Jahre gedauert bis die Dörfer sich erholt hatten“, schilderte Guthmann. Erst zwischen 1750 und 1800 kam ein Schub, aber weiterhin war die Bauweise nicht gerade auf Ewigkeit ausgerichtet. „Es wurde auf den Boden gebaut, ungeschützt gegen Hochwasser.“
Selbst, wenn bei steigendem Flusspegel die Dämme hielten, machte den Ginsheimern daher stets das Druckwasser Probleme. Die Pegelstände selbst erreichten schon in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten eher selten bedrohliche Ausmaße. „Die alte Dammmauer hat nie Wasser abbekommen“, hält Guthmann den Ersatz der alten Ginsheimer Mauer schon deshalb für reichlich überflüssig.
Der leichte Buckel, den die Straßenkreuzung Frankfurter Straße/Stuttgarter Straße bildet, ist keineswegs erst beim modernen Straßenausbau entstanden, sondern ein altbekannter Erhebungspunkt in der Gemarkung. „Das hier stand nie unter Wasser“, erläutert Gutmann. Deshalb galt der Punkt auch als Bestandteil eines „Fluchtwegs“, wenn das Wasser durch das Dorf lief.
Die verlängerte Frankfurter Straße kennen die Ginsheimer als Holzweg, einfach, weil er ostwärts in die gesegneteren Zonen des Rieds führte, wo die Dörfler sich ihr Bauholz herholten. Vielleicht wollten die CDU-Mitglieder schlicht vermeiden, sich auf dem Holzweg zu befinden, jedenfalls schwand der Bestand an Wanderern vor dem Weitermarsch vom Bürgerhaus auf just jenem Holzweg beträchtlich. Lothar Nachtmann besorgte den Bus der katholischen Gemeinde St. Marien, der fortan die wetterängstlichen Parteifreunde auf dem schnellen Weg zum Tannenhof kutschierte, der Bischofsheimer Fraktionschef Helmut Schmid stellte seinen Privatwagen zur Verfügung.
Das Dutzend, das Gutmann noch in die Felder führte, reduzierte sich im Laufe der nächsten Kilometer noch einmal um die Hälfte. Doch das Wetter wurde besser, es tröpfelte nur noch ein wenig, als Guthmann unerschrocken und immer noch unbeschirmt durch die Gemarkung führte. Die Mitwanderer erfuhren einiges über die Auswirkung der sehr unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit im Ginsheimer Bereich, vom lockeren Sand im Schwemmland bis zu Kiesschichten im „Zwerchgewann“, in Richtung Bischofsheim gelegen.
Dahin musste der kleine Resttross sich auch allmählich hinbewegen, denn dort stand der Spargeltopf. Die Guthmanns haben dies- und jenseits der Autobahn ihre Höfe, daher gehört der Seitenwechsel zum täglichen Geschäft der Ginsheimer Landwirtsfamilie. Die Hundwegbrücke ist der Übergang, aber einer, dessen Tage gezählt sind. Als ein Schwertransporter vor einiger Zeit mit dem erhobenen Arm der aufgeladenen Raupe gegen die Konstruktion donnerte, wurde der Schaden noch einmal repariert, aber im Zuge der geplanten Erweiterung der A60 auf drei Spuren pro Richtung wird die Betonbrücke verschwinden – und ob ein Ersatzbau kommen wird, ist weiter ungewiss. „Da werden wir Landwirte auf die Barrikaden gehen“, kündigt Guthmann Kampfgeist an, sollte der Übergang ersatzlos entfallen sollen.
Bis dahin würde er sich mehr Kampfgeist der Bischofsheimer Seite gegen die Schlaglöcher in der Asphaltdecke der Brücke wünschen. Während die Ginsheim-Gustavsburger die Fahrbahndecke auf ihrer Seite wenigstens provisorisch ausbessern, wo sich Löcher auftun, entwickelt sich auf der anderen Seite eine Kraterlandschaft. Ziemlich wüst sieht es auch aus, wenn Wanderer in Richtung Bischofsheim linker Hand die Aufforstungsfläche der Fraport entdecken, durch die sich der Flughafenbetreiber seiner Abholzungsschuld am Airport entledigt. Bäumchen und Sträucher in strikten Reihen, aber offenbar ohne Konzept und vor allem ohne Pflege – da sieht man die leidenschaftslose Erfüllung gesetzlicher Auflagen auf mehreren Hektar Bischofsheimer Gemarkung. „Auf der Langenau geben sie sich mehr Mühe, warum auch immer“, kommentiert Guthmann den Anblick.
Zweifellos netter anzuschauen: die Streuobstwiese, die kurz dahinter beginnt und neben unvergleichlichen Äpfeln und Birnen auch Maronen bietet. Die sind mehr was für den Winter, im Spätfrühling steht Spargel hoch im Kurs. Guthmanns Frau hat die Suppe längst fertig, als der Wandergruppe mit etwas Verspätung am Tannenhof ankommt.
Die Sitzbänke sind da schon gut mit Bischofsheimern und Ginsheimern gefüllt, die sich auch ohne Wanderung auf einen gefüllten Teller freuen. Franz Josef Jung, der sich ursprünglich mit auf die Wanderung machen wollte, aber sich dann doch auf den Tannenhof beschränkte, beschwor zwischen den Mahlzeiten die potenziellen Wähler, die „rot-grünen Abkassierer“ im September nicht an die Macht zu lassen. Aber auch auf die aktuelle Hochwassersituation ging er ein und setzte auf Hilfsbereitschaft für die Regionen, in denen das Wasser nicht so schnell wieder abfloss wie an Rhein und Main. „Die Hochwasser-Opfer haben unsere Solidarität verdient.“ Doch der Wahlkampf durfte an diesem Tag nur eine Nebenrolle spielen. Zum Star des Mittags wurde die Sonne, die sich jetzt, da die Wanderung vorüber war, über der Mainspitze ausbreitete.
Die CDU auf dem „Holzweg“: Die verlängerte Frankfurter Straße war einst die Strecke, über die die Ginsheimer sich aus östlicheren Gefilden mit Bau- und Brennholz versorgen mussten. Rudolf Guthmann (Mitte) erklärte bei der Gemarkungswanderung der CDU die Historie des Weges.?(gus/Fotos: Steinacker)
Zum Seitenwechsel zwischen Ginsheimer und Bischofsheimer Gemarkung dient die Hundwegbrücke über die A60. Ihre Tage wären gezählt, sollte der Ausbau der A60 an diesem Streckenabschnitt beginnen.
Wozu von Ginsheim nach Bischofsheim wandern, wenn nicht um einen echten Bundestagsabgeordneten zu sprechen? Rudolf Guthmann und Franz Josef Jung am Ziel am Tannenhof.
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