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30 verschiedene Arten gesichtet

Dorngrasmücke ist der Charaktervogel der „Flörsheimer Schweiz“

Strahlende Gesichter bei strahlendem Sonnenschein in einer herrlichen Landschaft mit der Flörsheimer Warte im Hintergrund: Die Teilnehmer der Vogelstimmenwanderung.

  (Foto: Dieter Seibel)

FLÖRSHEIM (eb) - „Sowohl die Partnersuche als auch die Revierabgrenzung der meisten Singvögel ist schon vorbei“, dämpft Heiner Friedrich vom NABU Rüsselsheim/Raunheim die Erwartungshaltung der gut zwei Dutzend Anwesenden.

„Wir werden daher heute morgen relativ wenig von unseren gefiederten Freunden hören“, prophezeit der Führer der traditionellen Muttertags-Vogelstimmenwanderung beim Start an den historischen Kalkbrennöfen. Und wird prompt eines Besseren belehrt: Zunächst gequetscht, danach zu einem klaren Flötenton übergehend und schließlich mit einem stimmlichen „Überschlag“ endend meldet sich eine Mönchsgrasmücke aus dem benachbarten Gebüsch.

Der „Mönch“, wie man den Vogel wegen seiner schwarzen Kopfhaube auch gerne nennt, ist seit März wieder in unsere Region zurückgekehrt. „Ich halte ihn für den schönsten Sänger dieses Gebietes“, bekennt Friedrich zu Beginn der knapp dreistündigen Wanderung durch die „Flörsheimer Schweiz“. An deren Ende hatten die Teilnehmer genau 30 verschiedene Vogelarten gesehen oder gehört, sorgfältig protokolliert von Johannes Nitschke.

Erwartungsgemäß wurden – neben der Mönchsgrasmücke – auch die Gartengrasmücke sowie die Dorngrasmücke festgestellt. Deutlich zu hören waren Amseln und – am Wickerbach oberhalb der Gaststätte Wiesenmühle – auch die Nachtigall. Gegen deren Gesang wirke, so Heiner Friedrich, das etwas „lustlose und klagende Herunterleiern“ des Fitis sowie das „Schwätzen“ der Gartengrasmücke eher dürftig. Unüberhörbar das Froschkonzert am Dyckerhoffsee, über dem zwei Schwarzmilane kreisen, immer wieder bedrängt von einer einzelnen Krähe. Sie versuchte offensichtlich, die beiden Greifvögel aus ihrem Revier zu vertreiben.

Recht spärlich vertreten waren die Mauersegler. Diese eleganten Flugkünstler sind erst seit wenigen Tagen aus ihrem Winterquartier zurück. Mit schrillen Schreien, an trotzige Kleinkinder erinnernd, fegten sie über die Köpfe der Teilnehmer auf der Jagd nach Insekten. Völlig überraschend, aber an ihrer auffallend gelben Färbung deutlich erkennbar, waren zwei Pirole für wenige Sekunden zu sehen. Auch sie sind gerade erst aus Südafrika bei uns angekommen. Ihre Nester bauen sie in den Astgabeln der hohen Pappeln am Wickerbach.

Eine wertvolle Bereicherung der Vogelstimmenwanderung erfolgte durch den Botaniker Bodo Friedrich. Von ihm erfuhren die Teilnehmer zum Beispiel, dass es keine Regentropfen waren, von denen sie – unter einem großen Laubbaum stehend – getroffen wurden, sondern vom wässrigen Schaum der Weidenschaum-Zikade. Er erklärte auch den Unterschied zwischen Dornen und Stacheln sowie die Veränderungen durch die zahlreichen Robinien, die sich an manchen Stellen stark ausbreiten. Sie sammeln Stickstoff und reichern damit den Boden an. Dadurch finden dort andere Pflanzen eine neue Existenzmöglichkeit mit der Folge, dass sich das Tier- und Pflanzenleben in diesen Bereichen verändert.

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