Von alten Komponisten bis zum Rockbarden

Jahreskonzert des Musikvereins mit großem Programm und breiter Spannweite der Kompositionen

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Der vom Titel des Konzerts gesetzte Rahmen liegt auf der Ebene der Zeitschiene, des Musikgenres und des Ewigkeitswertes der Protagonisten gleichermaßen weit auseinander. Aber das machte den Ansatz des Musikvereins 1954 Flörsheim für sein Jahreskonzert in der Stadthalle direkt deutlich. Denn die beiden Orchester boten am Sonntag vor voll besetzten Reihen ihre Interpretationen zumeist allgemein bekannter Musik „Von Verdi bis Bon Jovi“. Unter der Leitung von Bernhard Frank eröffnete das Jugendorchester „fffortissimos“ das Konzert mit fünf Stücken, dann übernahm das Große Orchester mit elf weiteren Beiträgen, inklusive einer Pause.

Nach den ersten beiden Stücken des Großen Orchesters wurde das Programm allerdings für einige Minuten unterbrochen, da die Kurt-Graulich-Stiftung den großen Rahmen in der Stadthalle wählte, um ihren diesjährigen Stiftungspreis zu verleihen (siehe Bericht). Wie gewohnt, leitete Vereinschefin Christine von der Au zu den einzelnen Stücken mit unterhaltsamen Anekdoten, Hintergrundinformationen und Kuriositäten zu den Künstlern über, die die Originalwerke verfasst hatten. Auf einer Leinwand oberhalb der Musiker wurden zu jedem Stück und zu den Komponisten Informationen eingeblendet sowie Grafiken und Coverbilder.

Die Interpretation der Stücke mag je nach Distanz zwischen der Original-Instrumentalisierung und jener der beiden Orchester etwas ambitioniert oder gewagt gewesen sein, und, wenn man die Komponisten befragt hätte, von diesen vielleicht auch mit Befremden aufgenommen worden sein. Aber der Musikverein ist mutig und wollte laut Untertitel des Konzerts beweisen: „Blasmusik kann auch anders klingen.“

Geboten wurden Stücke wie zum Auftakt des „fffortissimos“-Programms der „Summernight Rock“ von Steve MacMillen, die für eine komplette Instrumentierung mit Blasinstrumenten konzipiert sind. Aber auch solche, die im Original von Trompete und Co. dominiert sind wie das von den „Blues Brothers“ bekannte „Minnie The Moocher“, gut auf die Instrumente umzusetzende Popsongs wie Gerry Raffertys „Baker Street“, das Schluss- und Zugabenstück des Jugendorchesters, oder Bryan Mays Queen-Hymne „Who Wants To Live Forever“.

Aber manchmal ist der Charakter der Stücke eben so sehr von anderen Instrumentengattungen und Vokalstimmen geprägt wie der Pogues-Weihnachtssong „Fairytale Of New York“, der durch Streicher, Akkordeonpassagen und vor allem dem Gesangsduett aus Kirsty MacColl und Shane MacGowan seinen Charme gewinnt. Das „fffortissimos“ spielte außerdem „Antonin’s New World“, eine von Dizzy Strafford arrangierte Umsetzung von Antonin Dvorák „In der neuen Welt“.

Das 2011 gegründete Jugendorchester spielte mit Unterstützung weniger älterer Musiker, zeigte aber seine fortlaufend gute Entwicklung, die es inzwischen erlaubt, die „fffortissimos“ einen größeren Part des Jahreskonzertes gestalten zu lassen.

Der Große Orchester stieg mit „A Sign For Freedom“ in das Konzert ein, ein Stück des 1988 geborenen österreichischen Komponisten Thomas Asanger, das als „musikalisches Zeichen für Frieden und Freiheit“ zu verstehen und für Blasmusikorchester konzipiert ist. Vom aktuellsten ging es zum ältesten Komponisten, denn nun kam der im Motto erwähnte Giuseppe Verdi mit „La Forza Del Destino“ zu Wort. Dass diese Oper („Die Macht des Schicksals“) wie auf das Flörsheimer Orchester zugeschnitten klang, hat seinen speziellen Grund: das Arrangement stammt von Bernhard Frank höchstpersönlich.

Nach der Unterbrechung für die Preisverleihung ging es weiter mit „Theotrichus“ von Lukas Bruckmeyer, ebenfalls Jahrgang 1988, der seinen „Konzertmarsch“ mit seinen „Böhmischen Kameraden“ in Form minutiös arrangierter Blasmusik in seiner Urform vorträgt. Der „March to Mars“ von Julius Steffaro gehört der gleichen Kategorie an, ist aber als norwegische Variante des Konzertmarsches der klassischen Musik näher als bajuwarisch-böhmischen Dicke-Backen-Klängen.

Noch mehr in dieser Richtung geht die sauerländische Kompositionen für Blasorchester-Musik, wie sie Thiemo Kraas bevorzugt komponiert. Sein „Crossbreed“ bot das Große Orchester dar.

In eine ganz andere Richtung ging es mit dem von Thomas Reinau arrangierten Mix „Gilbert O’Sullivan Selection“, einem Medley von Melodien des 1946 geborenen irischen Songwriters. Über „El Amor Es Ciego“ (Liebe macht blind) ging es zum ikonischen „Who Wants To Live Forever“, dem vor allem von Freddie Mercurys Stimme geprägten Queen-Song, der von der Band aber auch schon seinerzeit in Orchesterbesetzung performt wurde. Der Musikverein spielte ihn nach einem Arrangement von Glenesk Mortimer.

In der Zielkurve des Konzerte blieb das Große Orchester noch ein bisschen bei Rock-Klassikern. Wolfgang Wössner hatte einen gewagt komprimierenden, fünfminütigen „Rock Mix“ mit Songs der US-Band Bon Jovi für Blasorchester arrangiert.

Danach folgte wieder ein deutlicher Schnitt. Die Reise ging zurück ins Europa des 19. Jahrhunderts, Verdis „Gefangenenchor“ aus „Nabucco“ ist in dem Stück „Mnozil vs. Verdi“ nur die Grundlage für eine spaßorientierte Verfremdung der Oper. Zum Abschluss ging es zurück ins Alpengebiet, denn die „Tenoristenträume“ des 1970 in Kaufbeuren geborenen Alexander Pfluger, von ihm als „Bravourpolka“ bezeichnet, zählen noch einmal zum klassischen Blasmusikrepertoire.

Ein umfangreiches und äußerst breites Programm, was die Herkunft der Originalstücke angeht, hatten die beiden Orchester am Schluss bei ihrem Jahreskonzert geboten, Bernhard Frank durfte mit der obligatorischen Verbeugung dem Publikum für den lang anhaltenden Applaus danken und seine Orchester präsentieren. Das Datum des nächsten Jahreskonzertes steht zum Vormerken auch bereits fest, es wird am Sonntag, 7. November 2027, am selben Ort gegeben.

Das Orchester hat für 2026 noch zwei Termine im Kalender stehen, die aber nicht die volle Besetzung verlangen: Am kommenden Dienstag (10.) begleitet eine Gruppe des Musikvereins den Martinsumzug in Eddersheim, am 29. November, 17.30 Uhr, steht ein Auftritt auf dem Flörsheimer Weihnachtsmarkt an.

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