Man kann sich allerlei üble Entwicklungen vorstellen auf dem Gallusplatz, wenn die katholische Kirchengemeinde St. Teresa am Main ihr Flörsheimer Gemeindezentrum wie beabsichtigt und eines möglicherweise schon bald kommenden Tages veräußern wird. Besonders die Befürchtung, dass ein Investor an der Stelle des sanierungsbedürftigen Funktionsbaus etwas hinstellen könnte, das die Nutzung des Platzes an der Kirche als Fest- und Feierort einschränken würde, schreckte die neue Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung aus dfb, SPD und FDP auf und führte nun bei der jüngsten Sitzung des Parlaments zum letzten Beschluss vor der Sommerpause.
Mirijam Kröhle (CDU) nahm an der Diskussion des Themas als Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Befangenheitsgründen nicht teil. Einstimmig votierten die Fraktionen für das Erstellen einer Satzung zur Aufstellung eines Bebauungsplans für das Gebiet, den es dort wie in der Altstadt generell bisher nicht gibt – ein Hauptgrund für die Befürchtungen. Zudem beschloss die Stadtverordnetenversammlung eine direkt wirksame Veränderungssperre, so dass bauliche Kapriolen ziemlich direkt ausgeschlossen sind.
Eines scheint bei dem Thema klar: Wenn alle beteiligten Seiten im Bewusstsein handeln, dass an diesem sensible Ort im alten Ortskern nichts passieren darf, was den Charakter des Platzes und Ensembles als zentraler Treff- und Veranstaltungsort einschränkt, ist die latente Gefahr eigentlich schon gebannt. Da scheint es keinen Mangel zu geben. Der Chef in der Galluskirche etwa ließ angesichts des Vorberichts zu dem Thema in der FZ Michael Kröhle persönlich wissen, dass da nichts zu befürchten sei. Pfarrer Friedhelm Meudt versicherte dem Stadtverordnetenvorsteher in einem Telefonat: Die Kirche werde darauf achten, dass mit dem Gebäude oder Grundstück nichts geschehe, was den Interessen der Stadt entgegen stehe.
Da das Wort eines Geistlichen, jedenfalls in Flörsheim, immer noch großes Vertrauen besitzt, könnten die Fraktionen ihre Bedenken folglich nun zurückfahren, aber Vorsicht ist eben die Mutter der Porzellankiste. Philipp Moritz (SPD) bezeichnete das Ensemble an der Galluskirche als „einzige wirklich funktionierende Platzsituation in Flörsheim“. Es sei daher „der herausragende Ort für Veranstaltungen“. Durch den fehlenden Bebauungsplan habe die Stadt derzeit so gut wie keinen Einfluss darauf, was dort geschehen könnte nach einem Verkauf des Gebäudes. „Wir wollen eine Entwicklung nicht verhindern, aber es ist ein Leerstand und wir wollen eine Fehlentwicklung vermeiden.“ Die Platzsituation und der Treffpunktcharakter des Gallus-Platzes müsse erhalten bleiben.
Luana Schnabel (CDU) bedauerte, dass die drei antragstellenden Fraktionen die CDU nicht zuvor kontaktierten, um ein gemeinsames Papier vorzulegen „wir hätten da mitgemacht“. Die Identität, die der Gallusplatz für die Flörsheimer bedeute, lasse sich nicht nachbauen und müsse daher erhalten bleiben. Sie sieht Handlungsbedarf über das hinaus, was der Antrag enthalte. „Ein Gespräch mit dem Bistum ist überfällig.“ Im Bauausschuss sollte ihrer Meinung nach über Einzelheiten geredet werden.
Lena Hauzel (FDP) betonte, den Platz selbst mit vielen schönen Ereignissen zu verbinden, „dort wird gesungen und gelacht“. Das Gemeindezentrum werde als Treffpunkt kirchlicher Gruppen eigentlich gebraucht. Sie wünsche sich daher, dass „das es in vollumfänglicher Funktion zurückkehrt“.
Für Alois Mhlanga (dfb) drängt die Zeit bei dem Thema, mit der Veränderungssperre sei dann aber genügend Zeit für Beratungen vorhanden. Vordringlich sei dennoch als nächstes die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Details könnten immer noch beraten werden.
Der Beschluss
So beschloss die Stadtverordnetenversammlung konkret, den Magistrat damit zu beauftragen, „kurzfristig“ den Entwurf eines Aufstellungsbeschlusses für einen Bebauungsplan „für das Gebiet der Flörsheimer Altstadt rund um den Gallusplatz“ vorzulegen.
Dabei sei „planerisch sicherzustellen, dass die traditionelle Nutzung des Gallusplatzes als urbaner Veranstaltungsort (z.B. für Feste, Märkte, Kerb) durch eine eventuell angedachte heranrückende Wohnbebauung nicht eingeschränkt wird“.
Neben der Veränderungssperre ist auch ein Auftrag an den Magistrat, parallel das Gespräch mit dem Bistum Limburg zu suchen, Bestandteil des Beschlusses. Das Ziel sei „eine Abstimmung der Immobilienstrategien von Kirche und Stadt“. Hierbei sei besonders zu prüfen, „wie die geplanten Nutzungen der Kirche St. Josef und des Galluszentrums städtebaulich sinnvoll mit den Interessen der Bürgerschaft abgestimmt werden kann“. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

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