Dreizehn Jahre Partnerschaft tragen Früchte

Frühstück für Bildung: Kolpingfamilie unterstützt Schule in Sambia weiter – Besuch vor Ort zeigt Fortschritte und Grenzen

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Der Duft von Kaffee zieht durch das Pfarrheim St. Josef, auf den Tischen stehen Hummus, Dattel-Aufstrich, Honig und frisch gebratene Eier. Rund 50 Gäste sind am Sonntagmorgen zum „Frühstück für Chipulukusu“ gekommen. Zwischen fair gehandeltem Kaffee und Bananen-Mango-Nektar geht es um ein Ziel, das die Kolpingfamilie Flörsheim seit Jahren verfolgt: bessere Bildungschancen für Kinder im Stadtteil Chipulukusu in der sambischen Stadt Ndola.

Der Erlös des Frühstücks fließt in Schulbücher sowie in notwendige Sanierungsarbeiten an den Schulgebäuden der St.-Charles-Lwanga-Gemeindeschule im Armenviertel Chipulukusu. Dort soll perspektivisch jedes Kind in jedem Fach ein eigenes Buch erhalten. Was hier selbstverständlich ist, muss dort oft mit vielen geteilt werden.

Stefanie Kohl, Partnerschaftsbeauftragte der Kolpingfamilie Flörsheim, begleitet das Projekt seit vielen Jahren. Sie koordiniert den Kontakt nach Sambia, organisiert Veranstaltungen wie das Frühstück und hält den Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort aufrecht. Für sie steht fest: „Bildung ist der Schlüssel. Wenn wir dort ansetzen, verändert das langfristig Lebenswege.“

Die Partnerschaft besteht seit 2013. Auslöser war das freiwillige soziale Jahr von Martin Kohl, der 2012/2013 in Ndola unterrichtete. Er betreute eine sechste Klasse mit rund 50 Kindern, viele von ihnen aus Familien, die sich staatliche Schulgebühren nicht leisten konnten. Unterrichtet wurde auf Englisch, obwohl Bemba für viele die Muttersprache ist. Schulbücher mussten geteilt werden, Hefte fehlten. „Der Unterricht hat mir alles abverlangt, war aber zugleich sehr erfüllend“, erinnert sich Martin Kohl. Die Offenheit und Lernfreude der Kinder hätten ihn nachhaltig geprägt.

Seine Berichte bewegten die Kolpingfamilie. Aus einer einmaligen Spende entwickelte sich eine dauerhafte Zusammenarbeit. In den vergangenen dreizehn Jahren wurden mehr als 90.000 Euro bereitgestellt. Neben Schulbüchern und der Mitfinanzierung von Lehrergehältern entstanden neue Klassenräume, Sanitäranlagen für Schule und Gemeinde sowie eine Wasserpumpe mit Hochtank. Auch wirtschaftliche Projekte wie Maisanbau und Schweinezucht wurden angestoßen.

Seit 2015 vergibt die Kolpingfamilie jährlich zwei Stipendien an Jugendliche der Abschlussklasse, um ihnen den Besuch einer staatlichen High School zu ermöglichen. Mittlerweile profitieren zehn junge Menschen von dieser Unterstützung. Der High-School-Abschluss ist in Sambia Voraussetzung für Ausbildung oder Studium. Nach Angaben des Arbeitskreises haben sich Lernbereitschaft und Ergebnisse in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Zum Jahreswechsel 2025/2026 reiste eine zwölfköpfige Delegation aus Flörsheim nach Chipulukusu. Viele der ursprünglich Beteiligten sind dort nicht mehr im Amt, Priester und Gremien wechseln regelmäßig. „Man muss sich neu kennenlernen und Vertrauen aufbauen“, berichtet Stefanie Kohl. Die Gespräche vor Ort seien zugleich offen und sehr wertschätzend gewesen.

Bei den Projektbesichtigungen zeigte sich, dass zentrale Maßnahmen weiterhin tragen: Das Sanitärhaus und die Wasserversorgung sind intakt, die neueren Klassenräume in gutem Zustand. Ältere Gebäude hingegen weisen teils deutliche Risse auf und sind sanierungsbedürftig. Gleichzeitig bleiben die Herausforderungen erheblich. Die Stromversorgung ist unzuverlässig, weil Energie ins Ausland verkauft wird, um Staatsschulden zu reduzieren. Die Maismühle steht deshalb häufig still. Ein mögliches Solarprojekt wird geprüft.

Hinzu kommen hohe Inflation und steigende Lebensmittelpreise. Gemeindeschulen erhalten nur geringe staatliche Unterstützung, Lehrergehälter und Instandhaltung müssen über Gebühren finanziert werden, die viele Familien kaum aufbringen können. Immer wieder wechseln ausgebildete Lehrkräfte an besser zahlende Einrichtungen. Zudem wurde das Grundschulsystem reformiert; Lehrpläne ändern sich, Bücher müssen neu gekauft werden. Martin Kohl zieht daraus eine nüchterne Bilanz: „Wir können keine systemischen Probleme lösen. Aber wir können konkret helfen und entlasten.“ Genau darin liege die Stärke der Partnerschaft.

Das Frühstück in Flörsheim steht exemplarisch für diese Verbindung. Gemeinsam mit dem Eine-Welt-Arbeitskreis St. Gallus, der fair gehandelte Waren anbietet, verbindet die Kolpingfamilie lokales Engagement mit globaler Verantwortung.

Wer die Bildungsarbeit in Chipulukusu unterstützen möchte, kann sich an die Kolpingfamilie Flörsheim wenden oder mit einer Spende dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche in Ndola verlässliche Lernbedingungen erhalten. Weitere Informationen unter https://kolpingfamilie-floersheim. bistumlimburg.de/partnerschaft/k

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