In den vier Flörsheimer Grundschulen beginnt der Schulalttag für die ABC-Schützen gewöhnlich erst einen Tag später als für die Klassen 2 bis 4. So können die „routinierten“ Schülerinnen und Schüler an einem ganz normalen Tag in den Alltag zurückkehren, denn die Einschulungsveranstaltungen ziehen naturgemäß die ganze Aufmerksamkeit auf sich.
In der Paul-Maar-Schule war aus Termingründen des Leistungspersonals in diesem Jahr alles ganz anders als sonst, schon am Montagvormittag ging die Veranstaltung über die Bühne. In den drei anderen Schulen war alles wie immer, was nicht nur auf die Ansetzung am Dienstags zutrifft. Große Verschiebungen bei den Anmeldezahlen und Klassenstärken gab es nicht.
An der Grundschule am Weilbach war es in diesem Jahr allerdings wieder einmal so weit. „Alle vier Jahre gibt es eine kleine Delle, ich weiß nicht, warum“, stellte Schulleiterin Annette Spichal fest und blickte erwartungsvoll auf Thomas Schmidt. Aber nicht einmal der Ortsvorsteher weiß, warum die gewohnte Klassenstärken mit den 19 Schülern in der 1a und 18 in der 1b diesmal nicht ganz erreicht wurden – und wen soll man dann noch fragen?
Der Corona-Effekt mit einer kurzzeitigen Umkehr des Abwärtstrends bei den Geburtenzahlen in Deutschland wird sich – rein statistisch ist das jedenfalls anzunehmen – im kommenden Jahr auswirken, wenn vor allem die 2021 geborenen Kinder in die Grundschulen kommen. Aber die Grundschule am Weilbach lebt auch so. Mit den 37 Neuen und abzüglich der Abgänger aus den vierten Klassen vom Sommer werden nun genau 176 Kinder in neun Klassen in der Einrichtung beschult, durch 19 Lehrerinnen und Lehrer.
Am ersten Tag gehen die Ersten Klassen zwar mit ihren Klassenlehrerinnen in den Unterrichtssaal, im Gebäude und auf dem Gelände wurden sie aber erst am Mittwoch durch die Paten der höheren Klassen herumgeführt. Am Mittwochabend folgte der erste Elternabend. Der Einschulungstag ist eben eher dafür gedacht, einen feierlichen Rahmen zu schaffen, ein paar wichtige Worte an die Eltern zu richten und den aufregenden Tag ansonsten nicht zu lange auszudehnen.
Die Eltern der Zweitklässler sind bei den Einschulungsveranstaltungen für den Kaffee- und Kuchentisch zuständig, die vierten Klassen für die musikalische Begrüßung der Neuankömmlinge. Die bekamen in diesem Jahr den relativ neuen Schulanfänger-Song „Ene, Mene, Mule, wir geh’n jetzt in die Schule“ geboten, in den es weiter heißt: „Alles neu, wie ich mich freu, und die Freunde sind dabei.“ Wer oder was auch immer Mule sein soll, das Lied kann positiv einstimmen auf das, was da vor den Erstklässlern liegt – und dem/der einen oder anderen vielleicht auch ein bisschen Angst macht.
Die soll natürlich nicht geschürt werden, weshalb auch Ortsvorsteher Schmidt mit seinem selbst verfassten Gedicht, das er den ABC-Schützen vorzutragen etabliert hat, vor allem Mut machen will. „In Weilbach ist es wunderschön, die Kinder gern zur Schule geh’n“, behauptet er in den ersten Zeilen. „Habt ihr Sorgen, ist doch klar, die Lehrer sind für euch da“, verspricht er zudem.
Darauf ging auch Spichal ein, die die Kinder ermunterte, die Klassenleiterin anzusprechen und um Hilfe zu bitten, wenn sie sich gerade nicht wohl fühlten. In Weilbach ist es ein spezielles Thema, Eltern wie Kindern die Angst zu nehmen, den Weg zur Schule per Fuß oder auf dem Rad zurückzulegen. „Weilbach ist ein Stadtteil mit viel Verkehr, aber die Kinder können über sichere Weg zur Schule kommen“, betonte sie – daran sei auch mit den Eltern seit vielen Jahren in einem Projekt gearbeitet worden.
Schon vor dem Mittag konnten die Mütter und Väter ihren Nachwuchs wieder in Empfang nehmen, der erste ist eben auch der kürzeste Schultag in der Laufbahn eines Schülers.


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