Auch eine Klasse über Maß passt noch rein

Sieben Klassen Fünftklässler wurden diesmal in das Graf-Stauffenberg-Gymnasium eingeschult

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Wie damit umgehen, wenn die eigene Schule im Umkreis so beliebt ist, dass viel mehr Schülerinnen und Schüler die Aufnahme in die fünfte Klasse beantragen als es den eigentlichen Kapazitäten entspricht? Vor dieser Situation stand das Graf-Stauffenberg-Gymnasium im März, nachdem die Anmeldungen für einen Platz in der Schule vorlagen.

Auf maximal sechs Klassen beziehungsweise rund 180 Schülerinnen und Schüler pro Stufe ist das Flörsheimer Gymnasium ausgelegt. Eingeschult wurden am Dienstag in der Stadthalle aber deutlich mehr, nämlich 215. So teilte die Schule die Veranstaltung in zwei Abschnitte ein.

Um neun Uhr waren die Klassen a bis d dran, die Klassen e, f und g folgten nach einer Pause um 11 Uhr. Schulleiter Klaus Hartwich erläuterte den Eltern, warum er diesen Weg gehen wollte, anstatt die Überlastung der Schulbehörde zu melden. Die Konsequenz wäre gewesen, dass das Ministerium dann wohl schlicht ausgelost hätte, wer in Flörsheim einen Platz bekommt und wer nicht.

Das wollte Hartwich auf jeden Fall vermeiden. „Das wäre unbefriedigend, außerdem hatten wir schon vor Jahren entschieden, möglichst alle Antragstellenden aufzunehmen.“ Niemand solle auf der Strecke bleiben, ergänzte der Schulleiter. Die zusätzliche siebte Klasse scheint personell und räumlich zu bewältigen, das Ministerium wird es wohl akzeptieren, wenn die rechnerisch überlastete Schule sich selbst für nicht überlastet erklärt.

Die positive Haltung im Erbe von „Wir schaffen das“ hatte Hartwich schon bei seiner mehr an die Schüler gerichteten Begrüßung als Lebenshaltung empfohlen. Anhand der Geschichte von den „zwei schiefen Backsteinen“, die der junge buddhistische Mönch Ajahn Brahm nach der Fertigstellung einer von ihm erbauten Mauer erblickte. Da konnte nur der Abriss den Fehler tilgen, dachte der entsetzte Mönch, der Abt spielte da aber nicht mit.

Besuchergruppen im Kloster leitete der Mönch daher stets geschickt so um, dass sie die Stelle der Schande nicht zu sehen bekommen. Als sich doch mal jemand vorbeimogelt und ihn entdeckt, lernt der Mönch im Gespräch eine andere Sichtweise auf das Problem kennen: man kann ja auch einfach die gelungenen gesetzten 998 anderen Ziegelsteine ins Zentrum der Betrachtung der Mauer setzen – und plötzlich sieht die Welt anders aus.

Auf die Schule übertragen empfiehlt Hartwich den Fünftklässlern, bei einer schlechten Note sich nicht auf diese zu fokussieren, sondern die besseren Noten in anderen Fächern dagegenzustellen. Gelernt werden muss in der weiterführenden Schule freilich schon, die Anforderungen sind auch deutlich höher als in der Grundschule, werden die Anfänger schnell lernen. Der Erfolg in der Schule sei in Deutschland, wie Bildungsstudien wiederholt zeigten, stark abhängig vom Elternhaus. Dass das Graf-Stauffenberg-Gymnasium auch in Sachen Förderung der Konzentration auf das Lernen etwas tun möchte, zeigen die Regelungen zur Smartphone-Nutzung in der Schule. Die ist für die Klassen 5 bis 10 inzwischen komplett verboten.

Für die Oberstufen-Schüler bleiben die „grünen Zonen“ auf dem Schulgelände erhalten, ein abgegrenzter Bereich, in dem die Endgeräte online gehen dürfen. „Wir lassen die Kinder nicht alleine mit dem Thema“, betonte Hartwich. So gebe es Unterrichtseinheiten zur sicheren Nutzung des Internets – für die Jüngeren eben nur zu Hause praktisch umzusetzen.

Stammgast bei den Einschulungen des Gymnasiums ist Bürgermeister Bernd Blisch. Als Historiker kann er natürlich nicht anders, als von den Schülern einer nach Graf Stauffenberg benannten Schule geradezu eine Verpflichtung zu erwarten, sich für die Gemeinschaft zu engagieren. Die zahlreichen Familienmitglieder, die viele Einschulkinder begleiteten, wertete Blisch als positiv, „das zeigt, es ist ein Tag, der für die ganze Familie wichtig ist“. Das Gymnasium in Verantwortung des Landkreises sei baulich gut aufgestellt, „da wackelt nichts“. Die Aufgabe der Stadt sieht der Rathauschef darin, für attraktive Angebote in der Stadt und Schulumfeld wie Sportplätze, Spielplätze und andere Freizeiteinrichtungen zu sorgen. „Aber auch, dass ihr sicher zur Schule und wieder weg kommt.“ Und dies möglichst auch mit dem Fahrrad.

Was man sich als Bürger immer kaum vorstellen kann: „Flörsheim ist klein genug, dass man sich über den Weg läuft“, versicherte Blisch und ermunterte die Schülerinnen und Schüler, ihn oder andere Verwaltungsmitarbeiter auf dem Bürgersteig anzusprechen, wenn ein Problem drängt, das im Einflussbereich der Stadt liegt.

Anja Werlitz, in der Schulleitung für die Klassenstufen 5 bis 7 zuständig, führte durch das namentliche Aufrufen der einzelnen Fünftklässler für die sieben Klassen mit je 30 bis 31 Schülerinnen und Schülern, die sich aber vor statt auf der Bühne sammelten. Denn beim zweiten Teil nahm dort die Rhythmus- und Percussion-Gruppe der Schule Platz, die Musiklehrer Dominik Plachta leitet. Von dort begleitete sie den Ausmarsch der einzelnen Klassen in die Unterrichtsräume rhythmisch – für die Gymnasiasten schließlich ein etwas längerer Weg. Die Eltern versammelten sich später am Eingang an der Bürgermeister-Lauck-Straße, wo die Kinder (für's Erste) wieder in die Arme der Familien entlassen wurden.

Den fünften Klassen stellt die Schule je fünf Mentorinnen und Mentoren an die Seite. Es sind Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen, die sich hier engagieren, ein ganzes Schuljahr lang. Im Laufe dieser Zeit gehört etwa eine Schulrallye zu den Angeboten, die das Kennenlernen und Einleben an der Schule erleichtern sollen. Natürlich stehen sie den Kindern auch jederzeit als Ansprechpartner/innen bei Fragen oder Problemen zur Seite. Bei einem Willkommensfest für die Familien am 6. November werden einstudierte Theaterstücke aufgeführt.

Wie Hartwich erläuterte, ist das Gymnasium weiter nicht als Ganztagsschule ausgewiesen, bietet aber eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr an, laut Gebührentabelle für 180 Euro im Schulhalbjahr, „im Voraus“ zu entrichten.

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