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„Fruchtfleisch“ statt Cellulite

„Im Himmel ist die Hölle los“: Premierensitzung des FCV setzte auf Altbewährtes und neue Ideen – Trump als großes Thema

Das FCV-Ballett „Cassiopeia“ zeigte sich, nachdem es seine Knastanzüge abgelegt hatte, von seiner attraktiven Seite.
(Fotos: R. Dörhöfer)

FLÖRSHEIM (drh) – Hut und Sonnenbrille allein waren es nicht, was Sascha Jungs Zugabe auf der Bühne des Flörsheimer Carneval Vereins (FCV) am Wochenende (28. Januar) zu einem Sitzungshighlight werden ließen. Der katholische Pfarrer spitzte die Lippen, ging lässig in die Knie und lebte seine Persiflage auf Udo Lindenberg in Gänze. „Man kann den Spaß am Auftritt förmlich spüren. Das macht den Unterschied“, hieß es im Publikum. Kaum waren die letzten Takte des neuen Bühnenprogramms des Pfarrers verklungen, riefen die Zuschauer frenetisch nach Zugaben. Mit einem Kostümwechsel und einer Lindenberg-Persiflage auf „Hinterm Horizont geht’s weiter“ zeigte der in ganz Mainz und Umgebung gefragte Fastnachtsakteur eine ganz neue Facette.

Grundsätzlich trafen die Sitzungsbesucher bei der Premierensitzung auf eine dosiert abgestimmte Mischung von alt Bewährtem und neuen Programmideen. Das aktuelle Kampagnenthema „Im Himmel ist die Hölle los“ gab den roten Faden vor. Das Eröffnungsmusical mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies und dem drolligen Apfel „Boskop“ erklärte das Dasein zwischen Himmel und Hölle. Während Jung im Programm offen zugab, stets mit einem Bein in der Hölle zu stehen, feierte Ralph Bender in seiner Rednerrolle als rot geschminkter Teufel sofort höllische Partys und verzichtete im anspruchsvoll gereimten Vortrag so auch gern auf die himmlische Verwandtschaft.

Ganz irdischen Genüssen gab sich Patricia Lowin hin, die im Vortrag „Rund und Gesund“ im wahrsten Sinne des Wortes kein Blatt vor den Mund nahm, beim Joggen ein paar Silberfische aus ihren Speckfalten verlor und mögliche Cellulite mit der liebevollen Umschreibung „Fruchtfleisch“ abtat. 

Politische Geschehnisse wurden vor allem durch den Götterboten Gregor Stark im Protokoll und durch Dr. Marcel Biegler in der Rolle des Petrus beleuchtet. So sorgte sich Stark beim Gedanken, wer aktuell an den Knöpfen der Atombomben sitze. „Trump, Putin, Kim Jong Un – der Gedanke ist Mist, wenn Putin von dene der Vernünftigste ist.“ Trump war auch bei Biegler großes Thema. Die Amerikaner hätten sich bei der Wahl zwischen der stocksteifen Eisprinzessin und dem stockdummen Horrorclown dann doch für die Horrorvariante entschieden. „Bei so viel natürlicher Dummheit, bin ich als Petrus für mehr künstliche Intelligenz“, meinte Biegler, der seine Petrusweisheiten mit kurzen Videosequenzen unterstrich und so auch der Mutter der Nation, Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Figur der „Muddha“, eine höhere Stufe des Daseins prophezeite.

Ganz bodenständig die typischen Hobbesverse, in denen Hans-Joachim Greb mit seiner neuen Auflage von „Kaum zu glauben, aber wahr ...“ mit einem Krampf im Bobbes die Yoga-Figur „steifer Hobbes“ kreierte. Lässige Kreuzfahrt-Comedy präsentierte erstmalig Michael Eller auf der FCV-Bühne, passend zu den Kreuzfahrt-Anekdoten auch der Tanz des Balletts „Inkognito“, die ihrer Choreografie das Thema „Leinen los“ gegeben hatten.

Musikalische Comedy ist stets Terrain von Andy Ost, der zum elften Mal auf der FCV-Bühne stand und „Born on Rosenmonday“ rockte oder sich beim „Gänsje am Teich“ Heilung versprach. Die I-Bütt der Firma Krapple stellte der junge Redner Johannes Bersch auf der FCV-Bühne vor. Das Publikum honorierte die modernen Rednerideen mit stehendem Applaus. Wilde, akrobatische Werwölfe eroberten mit dem Männerballett des TJV Biebelnheim die Bühne, während der „Wickerer Bub“ André Ludwig „Amanda“ tanzen ließ und mit seiner Stimme und der musikalischen Unterstützung durch die neue FCV-Big Band unter der Leitung von Jens Meireis die Sitzung bereicherte. Den Schlussakkord vor dem großen Finale setzte schließlich der „Begge Peder“, der in gewohnt trockener Manier vom Kauf von „Bockspringbetten“ und dem sinnlosen Haarewaschen beim Friseur („ich hab` doch so oder so immer mei Kapp uff‘m Kopp“), berichtete.

„Mit jedem Lachen stirbt ein Problem auf der Welt“, hatte Sitzungspräsident Hans-Joachim Kunz zu Beginn des Programms gesagt. Wenn sich auch die großen Probleme der Welt mit dem Sitzungsbesuch nicht lösen ließen, die vielen Lacher sorgten zumindest für eine gelöste Stimmung im Saal und bei den Aktiven.

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